28 Days Later (2002)

Gestern Abend hatte ich Lust auf Horror und da ich mich zurzeit auch in Buchform mit Zombies bzw. Infizierten beschäftige, habe ich einmal wieder Danny Boyles Endzeitschocker „28 Days Later“ aus dem Regal geholt. Wahrlich keine schlechte Wahl!

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Die erste Sichtung des Films hatte mich damals wirklich mitgerissen. Spannung, Horror, Endzeitatmosphäre. Was will man mehr? Unter den modernen Zombiefilmen war „28 Days Later“ trotz der im Vergleich schwachen letzten halben Stunde stets mein Favorit. Daran konnte auch der überzeugende Nachfolger „28 Weeks Later“ nichts ändern. Nach der gestrigen Sichtung sehe ich einige Dinge jedoch kritischer, als beim euphorischen ersten Mal.

Auch wenn ich die ersten zwei Drittel des Films immer noch grandios finde, so habe ich mich gestern gefragt ob der Horror nicht viel größer gewesen wäre, hätte man die Eröffnungsszene im Labor weggelassen oder zumindest nur angedeutet. Vielleicht aber auch nicht. Irgend etwas stört mich auf jeden Fall an dieser ausführlichen Exposition. Vielleicht erinnert sie mich inhaltlich auch nur zu sehr an „12 Monkeys“ und verliert in diesem Vergleich. Ich kann es nicht sagen.

Bis zur Ankunft bei den Militärs habe ich inhaltlich nichts mehr an dem Film auszusetzen. Atmosphärische Spannungsmomente und schön gezeichnete Figuren treiben die Odyssee durch das zerstörte England voran. Auch wenn ich dieses Mal wusste, was auf mich zukommt so konnte ich mich auch gestern nicht mit dem Finale anfreunden. Inhaltlich mag die Situation ja durchaus Sinn machen, doch wenn Jim (Cillian Murphy) plötzlich einen auf Rambo macht, dann wirkt dies eher wie eine erzwungene Selbstreferenzierung: „The Beach“ lässt grüßen, Mr. Garland/Mr. Boyle.

Die Inszenierung gibt keinen Grund zur Klage. Danny Boyle beweist einen guten Blick für eindrucksvolle Perspektiven und die stimmungsvolle musikalische Untermalung trägt ihren guten Teil zur dichten Atmosphäre bei. Mit der digitalen Videotechnik kann ich mich jedoch nicht anfreunden. Der Film ist auch viel zu artifiziell inszeniert, als dass eine echte Dokuatmosphäre aufkommen könnte. Was bleibt ist oft ein Pixelbrei, der meiner Meinung nach nicht nötig gewesen wäre.

Alles in allem bietet „28 Days Later“ auch bei der wiederholten Sichtung mitreißende Unterhaltung. Leider werden die Fehler offensichtlicher, was insgesamt aber zu verschmerzen ist. Was bleibt ist ein hochklassiger moderner Zombieschocker – Infizierte hin oder her: 8/10 Punkte.

Arsen und Spitzenhäubchen – OT: Arsenic and Old Lace (1944)

Vor einiger Zeit hatte ich Joseph Kesselrings Stück im Theater gesehen und war schwer begeistert. Gestern habe ich nun endlich – nachdem die DVD schon seit Jahren im Regal steht – die Zeit gefunden Frank Capras Adaption von „Arsen und Spitzenhäubchen“ zu sichten. Es war erneut ein wahrlich famoser Spaß!

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Der Film beginnt wie eine typische Liebeskomödie aus den 40er Jahren. Ein wenig Slapstick, angestaubte Geschlechterrollen und harmlos wirkender Humor. Doch bereits nach wenigen Minuten offenbart sich der wahre Geist dieser wirklich rabenschwarzen Komödie. Bereits diese leicht zu unterschätzende Einführung zeigt die hohe Qualität die Drehbuchs. Wir Zuschauer stolpern zusammen mit Mortimer Brewster (Cary Grant) in diese wahnwitzige Welt inmitten des unscheinbaren Alltags.

Wenn man sich heute Filme anschaut, die schwarzen Humor propagieren, dann leiden diese oft an unsympathischen Charakteren und der daraus resultierenden Distanz zum Zuschauer. „Very Bad Things“ ist für mich so ein Beispiel. Da konnte ich nur müde gähnen. Capras Klassiker ist dagegen ein Feuerwerk an Humor, herrlichen Dialogen und wunderbar überdrehten Leistungen der Darsteller. Besonders Cary Grant überzeugt hier auf ganzer Linie und es fällt schwer sich einen anderen Schauspieler in der Rolle vorzustellen.

Der Film wirkt trotz seines Alters frisch und wird zu keiner Sekunde langweilig. Ich musste oft laut auflachen, was mir nur bei den wenigsten Komödien gelingen mag. Capras Inszenierung zeugt von einem großen Gefühl für Timing und Atmosphäre, was den Film zu Recht zu einem Klassier der Genres macht. Da stimmt wirklich alles. Den einen Punkt Abzug gibt es nur weil ich das Theaterstück damals tatsächlich noch eine Spur unterhaltsamer fand, was – und dessen bin ich mir durchaus bewusst – natürlich ein weit hergeholter Vergleich ist: 9/10 Punkte.

K-PAX (2001)

Für den gestrigen Filmabend ist meine Wahl auf Iain Softleys „K-PAX“ gefallen, der mich bei der Erstsichtung vollends überzeugt hatte. Doch auch mit Kenntnis der Handlung ist es dem Film gestern erneut gelungen mir ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern.

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Die Prämisse ist simpel: Prot (grandios gespielt von Kevin Spacey) behauptet vom Planeten K-PAX zu sein und der Erde einen Besuch abzustatten. Daraufhin wird er eingewiesen und von Dr. Mark Powell (Jeff Bridges) in Behandlung genommen. Die nun folgenden Sitzungen sind bestimmt von der Suche nach der Wahrheit, doch schon bald muss Dr. Powell erkennen, dass es die absolute Wahrheit nicht gibt. Es gibt nur Hoffnung und den damit verbundenen Glauben, was besonders den anderen Patienten des Sanatoriums einen neuen Sinn im Leben gibt.

Diese relativ einfache Geschichte verpackt Regisseur Iain Softley in faszinierende Bilder. Licht ist nicht nur inhaltlich ein großes Thema, es bestimmt auch die Inszenierung. Getragen wird der Film zudem von einem beinahe schon hypnotischen Score, der uns immer weiter in Prots Welt zu ziehen scheint. Dabei wird offen gelassen, wo oder was Prots Welt letztendlich ist. Der Film bleibt doppeldeutig bis zur letzten Sekunde und das ist wohl die größte Stärke seiner Geschichte. Egal ob man ihn als ausgeklügeltes Sci-Fi-Märchen oder als Psychogramm eines verletzten Menschen wahrnimmt.

„K-PAX“ ist einer der wenigen Filme, die mich als Zuschauer mit einem warmen Gefühl in der Magengegend zurücklassen. Ein unspektakulärer und vielleicht deswegen umso schönerer Film. Herausragend gespielt von Kevin Spacey und Jeff Bridges. Stilsicher inszeniert von Iain Softley. Man könnte noch stundenlang über ihn nachdenken, oder einfach nur seine Wirkung genießen. Großes, kleines Kino: 9/10 Punkte.

Prot: ‚I will admit the possibility that I am Robert Porter, if you will admit the possibility that I am from K-PAX. Now if you’ll excuse me, I have a beam of light to catch.‘

Die Legende von Beowulf – Director’s Cut

Als ich von Robert Zemeckis Verfilmung von „Die Legende von Beowulf“ hörte, war ich einerseits angetan und andererseits abgeschreckt. Nach „Der Polarexpress“ also erneut ein Film, der komplett auf die Performance-Capture-Technik setzt. Dennoch hatte ich mir vorgenommen den Film im Kino (IMAX 3D) zu sehen, was mir leider durch akuten Zeitmangel jedoch nicht gelang.

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Nun habe ich nach langem Zögern doch noch zur DVD gegriffen, die – nach dem Wegfallen des 3D-Erlebnisses – wenigstens den Director’s Cut enthält. Von der Handlung her hatte mich der Film noch nie so richtig interessiert und nach dem eher flachen „Der Polarexpress“ hatte ich in dieser Hinsicht auch nicht sonderlich viel erwartet. Umso überraschter war ich folglich, dass es neben den auf 3D getrimmten Actionsequenzen auch einige ruhige Szenen gab und der Geschichte doch eine tragische Düsternis innewohnte. Insofern konnte mich der Film inhaltlich schon einmal überzeugen.

Die technische Seite ist natürlich wieder ein ganz anderes Kapitel. Seit der 2004er Weihnachtsgeschichte hat sich die Technik noch einmal extrem weiterentwickelt. In manchen Szenen kann man wirklich nicht mehr sagen, ob man eine Animation oder reale Aufnahmen vor sich hat. Unglaublich beeindruckend. Dennoch ist die Gradwanderung zwischen Realismus und Animation immer noch nicht wirklich so perfekt, als dass man von ihr nicht abgelenkt würde. Besonders Handbewegungen und die Ganzkörperanimation in den Totalen wecken Erinnerungen an die Cartooncharaktere aus „Shrek“ und nehmen demnach einen großen Teil der wirklich gelungenen Atmosphäre.

Doch trotz technischer Mängel ist der Film weit mehr als eine beeindruckende Technikdemo: Die Figuren besitzen wirklich Leben und besonders die Actionszenen sind unglaublich beeindruckend! Der erste Angriff von Grendel muss in der IMAX 3D-Version wirklich atemberaubend gewesen sein. Man sieht hier auf jeden Fall gut, in welche Richtung sich das digitale Kino mit großen Schritten bewegt. Faszinierend und erschreckend zugleich.

Ich kann den Film jedem Technikfreak, der etwas für blutrünstiges Fantasykino übrig hat nur empfehlen. Man darf kein Meisterwerk erwarten, doch der Film ist weit besser als sein Ruf: 7/10 Punkte.

Krabat (2008)

Aktualisierung: Ich habe „Krabat“ am 10. Dezember 2021 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern habe ich nach einer langen Zeit des Wartens endlich die Realverfilmung von Otfried Preußlers Meisterwerk „Krabat“ gesehen. Den Roman hatte ich als Heranwachsender verschlungen und bis heute stellt das Werk für mich immer noch eines der spannendsten, atmosphärischsten und faszinierendsten Werke der Fantasyliteratur dar. Kann der Film der Vorlage gerecht werden?

Krabat (2008) | © 20th Century Fox

Krabat (2008) | © 20th Century Fox

Glücklicherweise ja. Zumindest über weite Strecken. Die Geschichte wurde – bis auf übliche Straffungen und kleinere Änderungen – nahezu 1:1 übernommen. Insofern gibt es hier weder positive, noch sonderlich negative Überraschungen. Als ich zum ersten Mal die Mühle sah, ist mir ein mittelgroßer Stein vom Herzen gefallen: So und nicht anders muss das Zentrum der schwarzen Magie im Koselbruch aussehen. Wirklich ein bis ins Detail gelungenes Setdesign. Auch die Umgebung rund um Schwarzkollm ist fantastisch getroffen. Ebenso wie die restliche Ausstattung samt Kostümen und Effekten. Alles wirklich wunderbar gelungen.

Meine größten Probleme hatte ich leider mit David Cross, dem Darsteller der Hauptfigur. Dieser besaß für mich einfach zu wenig Charisma und Spielkraft, um mich wirklich überzeugen zu können. Besonders als erfahrenerer Lehrling hat er auf mich immer noch viel zu sehr wie ein Milchbubi gewirkt. Vielleicht ist die Figur des Krabat aus meiner eigenen Fantasie aber auch nur noch viel zu stark vertreten. So oder so, hätte ich mir hier einen kraftvolleren Schauspieler gewünscht. Die Besetzung der anderen Rollen geht für mich voll in Ordnung. Einzig Robert Stadlober bleibt etwas blass. Ausgezeichnet hat mir Christian Redl als düsterer Meister gefallen. Eine abolut treffende Interpretation.

Wenn ich schon beim Kritisieren bin: Die Schlachtszene war für mich mehr als nur unnötig und zudem nervig montiert. Kurze Shuttergeschwindigkeiten sind ja immer noch Mode, doch hier hat man es wahrlich etwas übertrieben. Action, nur um der Action willen. Auch dass man den Herrn Gevatter unbedingt zeigen musste – und dafür den Imperator der „Star Wars“-Reihe als Gaststar eingeladen hat – war absolut unnötig. Aber nun gut. Zugeständnisse an das junge Publikum haben sich wohl auch bei dieser ansonsten recht werktreuen Adaption nicht vermeiden lassen. Anders lässt sich auch der abscheuliche Song während des Abspanns nicht erklären, der im krassen Gegensatz zum ansonsten sehr gelungenen Score steht.

Insgesamt bin ich aber wirklich zufrieden mit Marco Kreuzpaintners Inszenierung. In ihrer Gesamtheit erinnert sie mich etwas an die Verfilmung von Patrick Süskinds „Das Parfüm“ – damals bin ich mit einem ähnlichen Gefühl aus dem Kino gekommen. Insgesamt halte ich „Krabat“ wohl aber noch für einen Tick gelungener und beliebte Aussagen wie ‚Nun hat Deutschland auch einen Harry Potter!‘ sind für mich absolut irreführend und zeugen von der Unkenntnis sogenannter Kritiker.

Freunden des Romans sei ein Kinobesuch dringend ans Herz gelegt. Allen anderen rate ich dazu zuerst das Buch zu lesen. Die Wirkung des geschriebenen Wortes ist ungleich mächtiger und die Geschichte wird euch verzaubern – besonders an düsteren Herbstabenden. Danach steht einem Kinobesuch aber nichts im Wege: 7/10 Punkte.

Das Vermächtnis des geheimen Buches – OT: National Treasure: Book of Secrets

Nach langem Überlegen, welcher Film denn nun für die abendliche Unterhaltung sorgen soll, ist die Wahl letztendlich auf „Das Vermächtnis des geheimen Buches“ gefallen. Im Gegensatz zum Vorgänger hatte ich den Film noch nicht im Kino gesehen, was die Vorfreude bei mir noch einmal gesteigert hat.

Der zweite Teil der „National Treasure“-Reihe ist gestrickt, wie die typische Fortsetzung eines Mainstream-Films. Man nehme die Handlung des erfolgreichen Vorgängers, werfe einige neue Figuren in den Topf und würze die Geschichte mit weiteren Actionszenen – et voilà, fertig ist das Sequel! Man sieht förmlich das Reißbrett, auf dem das Handlungsgerüst des Films entstanden ist. Leider ein etwas wackliges Gerüst, denn das letzte Quentchen Logik – das man bereits beim Vorgänger mit der Lupe suchen musste – scheint sich nun endgültig verflüchtigt zu haben.

Bereits am Anfang werden unsere Helden über ein sehr konstruiert wirkendes Storykonstrukt auf eine erneute Schatzsuche geschickt. Dort gibt es noch mehr wohlbekannte Locations (u.a. Paris und London) zu bewundern und die Hauptfigur darf sogar den Präsidenten der USA entführen. Nur eines von unzähligen Handlungselementen, die bei mir alle – eigentlich recht toleranten – Logikrezeptoren schrillen ließen. Aber sei es drum: Trotz unglaublicher Schwächen in der Geschichte hat der Film stets Spaß gemacht.

Das letzte Drittel hat mir dann sogar sehr gut gefallen. In der goldenen Stadt ist wirklich Abenteueratmosphäre aufgekommen, die mich teils sogar an den Archäologen mit Schlapphut denken ließ. Zwar nur kurz, aber immerhin. Einen weiteren Pluspunkt kann die Fortsetzung mit Ed Harris verzeichnen, den ich immer gerne sehe und der einen schönen Gegenspieler zu unerem Abenteurerteam abgibt.

John Turteltaubs Fortsetzung seines 2004er Blockbusters leidet unter der typischen Sequelkrankheit: Alte Ideen werden mit lauen Actionsequenzen aufgewärmt. Auch wenn das alles recht unterhaltsam ist, leidet der Film doch ziemlich unter dem Mangel an Neuerungen und den klaffenden Logiklöchern. Das letzte Drittel rettet dann glücklicherweise noch einiges und Abenteuerfreunde werden ihren Spaß mit dem Film haben: 6/10 Punkte.

One Way

Wenn ich einen Film geliehen bekomme, sehe ich ihn mir oft an auch wenn mein Interesse an ihm eigentlich nicht sonderlich groß ist. Auch „One Way“ – eine ambitionierte Produktion von und mit Til Schweiger – fällt unter diese Kategorie.

Der Film handelt von einem Lügengerüst, dessen Fundament die Vergewaltigung einer jungen Frau bildet. Til Schweigers Figur ist ein unsympathischer Werbefachmann, der als einziger Zeuge der Tat seine beste Freundin verrät. Aus dieser Prämisse spinnen sich weitere Handlungsfäden, die mehr oder weniger geschickt mit der Haupthandlung verquickt sind. Letztendlich lässt mich der Film mit einem etwas leeren Gefühl zurück, was bei solch einer drastischen Geschichte kein gutes Zeichen ist.

Positiv muss man Reto Salimbeni und Til Schweiger die Ernsthaftigkeit und Ausweglosigkeit zugute halten, mit der sie den Film inszeniert haben. Es gibt kaum komische Elemente und man fühlt sich in der kalten Werbewelt New Yorks von allen menschlichen Gefühlen verlassen. Geld, Sex und Macht. Mehr zählt nicht. Für mich war es daher schwierig die Handlungen der Hauptfigur nachzuvollziehen. Die beste Freundin verkaufen? Wenn sie die Hilfe am nötigsten hätte? Unvorstellbar. Da hätte es einige Szenen mehr benötigt um diesen Schritt – auf dem das gesamte Handlungsgerüst aufbaut – auch nur annähernd plausibel erscheinen zu lassen.

Der Film funktiniert glücklicherweise auch ohne direkte Identifizierung mit den Figuren – nur leider eben nicht sonderlich gut. Einzig die in Selbstjustiz gipfelnden Handlungen des Opfers bleiben emotional greifbar. Leider wird auf diesen Handlungsstrang aber zu wenig Zeit verwendet und besonders im letzten Drittel des Films reiht sich nur noch eine langatmige Gerichtsszene an die nächste – dann ist der Film auch schon vorbei. Was bleibt ist Unschlüssigkeit.

„One Way“ ist eine etwas halbgare Mischung aus Rape and Revenge-Film und Gerichtsthriller. Durchaus gut inszeniert und gespielt, letztendlich über weite Strecken inhaltlich aber nur schwer nachvollziehbar. Etwas mehr Feinschliff am Drehbuch und der Figurenzeichnung hätte dem Film gut getan: 5/10 Punkte.

11. September – OT: 9/11 (2002)

Vor meinem USA-Urlaub hat mich das Thema nur am Rande interessiert. Doch seitdem ich New York City erlebt habe, kann ich verstehen wie groß das Trauma des „11. September“ für die Bewohner des Big Apple gewesen sein muss. Die unfreiwillige Dokumentation der Brüder Naudet schien mir eine deutlich bessere Wahl zur Auseinandersetzung mit den Ereignissen zu sein, als Oliver Stones „World Trade Center“ oder andere Filme bzw. Dokumentation.

Ich selbst habe den 11. September 2001 noch genau in Erinnerung – so, wie vermutlich jeder andere auch. Zunächst war mir das Ausmaß dessen, was dort im fernen Amerika passierte überhaupt nicht bewusst. Als dann das zweite Flugzeug in das World Trade Center flog, schienen die Aufnahmen die über den Bildschirm flimmerten nur irreal. Dennoch bin ich nicht vor dem TV sitzen geblieben und habe die zuvor für den Abend gemachten Pläne nicht über den Haufen geworfen. Das wahre Ausmaß der Ereignisse sollte sich auch für mich erst in den nächsten Tagen zeigen.

Der Film der Franzosen beginnt nahezu so, wie sie es ursprünglich geplant hatten: Als Dokumentation über einen Neuling in einer New Yorker Feuerwache. Beinahe eine halbe Stunde nehmen sich die Filmemacher Zeit, um den Tagesablauf zu zeigen und die einzelnen Personen vorzustellen. Auch der 11. September beginnt wie jeder andere Tag. Da man sich als Zuschauer der zukünftigen Ereignisse jedoch bewusst ist, liegen diese wie ein dunkler Schatten über der scheinbaren Normalität.

Als das Chaos dann losbricht, entwickelt der Film einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Durch die vorübergehende Trennung der beiden Brüder, erleben wir als Zuschauer ganz unterschiedliche Blickwinkel und der Spannungsbogen ist – trotz bekanntem Ausgang – unglaublich hoch. Hier erkennt man auch mehr als deutlich, dass diese Dokumentation für Filme wie „[Rec]“ und besonders „Cloverfield“ Pate stand. Habe ich bei diesen stets kritisiert, dass der Kameramann in der Realität schon längst aufgehört hätte zu filmen, so kann ich nach der gestrigen Sichtung nur unglaublich den Kopf schütteln. Jules und Gédéon Naudet legen die Kamera selbst in der größten Gefahr nicht aus der Hand und bescheren dem Zuschauer somit Bilder, die intensiver sind als in jeder mir bekannten Fakedoku.

Gegen Ende des Films wird zwar etwas stark auf die Tränendrüse gedrückt, doch in Anbetracht der Ereignisse und der starken Involviertheit der Filmemacher, kann man das durchaus nachvollziehen. Zudem steht nie das große Schicksal der USA im Vordergrund, sondern stets die persönlichen Schicksale der New Yorker Feuerwehrmänner.

Für mich war der Film ein sowohl beeindruckendes, als auch bedrückendes Erlebnis. Durch Zufall ist es gelungen, einen der schlimmsten terroristischen Anschläge zu dokumentieren. Sicher betrachtet der Film nur eine Seite und stellt damit für Verschwörungstheoretiker ein gefundenes Fressen dar. Doch wie man es auch dreht und wendet: „11. September“ ist ein einzigartiges Zeitdokument. Man sollte es gesehen haben: 9/10 Punkte.

Die Unbestechlichen – OT: The Untouchables (1987)

Nachdem der Film nun bereits seit über einem Jahr ungesehen in meinem Regal steht, habe ich mir gestern endlich Brian De Palmas Gangsterepos „Die Unbestechlichen“ angesehen. Es war auch wirklich höchste Zeit für eine Sichtung.

Bereits die Opening Credits haben etwas Magisches an sich. Unterstützt durch Ennio Morricones fantastischen Score wird man direkt in das düstere Chicago der 1930er Jahre hineingesogen. Die Einführung von Prämisse und Charakteren geschieht kurz und schmerzlos – und ist so exakt auf den Punkt gebracht, dass man die Figuren bereits ab den ersten Szenen sehr gut zu kennen glaubt. Brilliant gelöst von Mr. De Palma.

Die Geschichte nimmt schnell Fahrt auf und man bekommt als Zuschauer kaum eine Verschnaufpause geboten – was besonders im Genre des oft dialoglastigen Gangsterfilms ungewöhnlich erscheint. Einzig die Szenen an der kanadischen Grenze bilden die Ruhe vor dem Sturm. In Chicago selbst zieht die von Al Capone ausgehende Bedrohung immer engere Kreise. Trotz einiger wirklich düsterer Szenen inszenierte De Palma „The Untouchables“ jedoch nicht als klassisches Gangsterdrama, sondern eher als Großstadtwestern – und das in seinem ganz eigenen Stil.

Als herausragend bleiben besonders die Szenen am Bahnhof im Gedächtnis. Nicht nur baut De Palma hier eine inhaltlich wunderbar funktionierende Hommage an Sergei Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin“ ein, er schafft es auch wieder einmal eine unglaubliche Spannung aufzubauen. Die Atmosphäre ist zum Zerreißen gespannt und entlädt sich nicht etwa in einem Knall, sondern in einer grandiosen Zeitlupensequenz. Eine Szene für die Ewigkeit.

Überzeugen kann natürlich auch das – aus heutiger Sicht – unglaubliche Staraufgebot: Kevin Costner, Sean Connery, Andy Garcia und Robert De Niro spielen famos und auch bei den Nebendarstellern werden sich keine Schwächen geleistet. Kritikpunkte lassen sich sowieso nur schwer finden. Müsste ich einen nennen, dann wäre das wohl die klassische Schwarzweißzeichnung der Figuren. Da gibt es keine Grauzone. Gut oder böse. Vielleicht macht aber auch gerade das den Charme dieses Films aus.

Mit „Die Unbestechlichen“ kenne ich nun einen weiteren grandiosen Gangsterfilm von Brian De Palma. An meinen bisherigen Favoriten „Carlito’s Way“ kommt jedoch auch dieser nicht heran. Ich würde ihn jedoch vor „Scarface“ einordnen, wobei sich die Filme natürlich nur schwer vergleichen lassen. So oder so ist das Gangsterepos um Al Capone ganz großes Kino: 9/10 Punkte.

Serenity (2005)

Mit Joss Whedons „Serenity“ habe ich gestern erneut den wohl leider letzten verfilmten Abenenteuern der Crew um Captain Malcolm Reynolds beigewohnt. Im Gegensatz zur ersten Sichtung konnte ich mich dieses Mal viel besser auf das neue Medium einlassen und habe nicht ständig krampfhaft versucht den Film mit der Serie zu vergleichen. Die Enttäuschung ist ausgeblieben und ich konnte den Film als das wahrnehmen, was er ist: Der würdige Abschluss einer grandiosen Sci-Fi-Saga. Spoiler sind zu erwarten.

Im Vergleich zu „Firefly“ fällt sofort der veränderte Look auf. Haben in der Serie warme Farben vorgeherrscht, finden sich im Kinofilm eher kalte Blautöne. Auch die Stimmung ist deutlich kälter. Wie wir bereits im Comic-Prequel „Serenity: Those Left Behind“ erfahren haben, befinden sich Shepherd Book und Inara nicht mehr auf der Serenity. Allein dadurch fehlt die Wärme und Menschlichkeit der beiden Figuren. Die Geschichte konzentriert sich von Anfang an deutlich auf das Mysterium um River Tam, was auch inhaltlich den düsteren Grundton des Films erklärt.

Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie unglaublich hart es für Joss Whedon gewesen sein muss, seine epische Geschichte auf einen knapp zweistündigen Kinofilm zu kürzen. Manchmal fällt es auch stark auf, dass es große Sprünge innerhalb der Handlung gibt. Die anfänglichen Konfrontationen zwischen Simon und Mal ist so ein Beispiel. Über mehrere Episoden hätte man hier wohl eine durchdachtere Dramaturgie aufbauen können – aber dennoch: Insgesamt ist Joss Whedon ein wahrlich meisterhaftes Skript gelungen. Man darf eben die Umstände nicht vergessen.

The Operative als neuer Gegner hat mir dieses Mal wirklich ausgezeichnet gefallen, wenngleich ich die von ihm ausgehende Bedrohung nicht als so stark empfunden habe, wie die der Hands of Blue – aber das ist wohl Geschmackssache. Die endgültige Auflösung um River und die Reaver ist nett, doch hier merkt man wohl am deutlichsten die zeitlichen Engpässe. Dafür sind die finalen Szenen – Mal und River im Cockpit der Serenity – pure Poesie. Ganz großes Kino.

Hart fand ich erneut den Tod zweier Hauptfiguren. Zwar nicht so schlimm, wie es innerhalb der Serie gewesen wäre, aber verlassen uns mit Shepherd Book und Wash zwei fantastische Charaktere. Dies lässt den Film realistischer erscheinen und man ahnt, dass der Sturm um die Crew der Serenity wahrlich erst begonnen hat: Die Zukunft wird nicht nur shiny werden.

„Serenity“ ist wahrlich ein Geschenk an die Fans. Zwar mit einigen Zugeständnissen an das Kinopublikum, aber das kann man Joss Whedon nicht wirklich verübeln. Wie wohl die Chancen für eine Fortsetzung stehen? Ich wäre einer der ersten an der Kinokasse: 9/10 Punkte.