Die Geschichte vom Brandner Kaspar (2008)

Nach einer schlaflosen Nacht und einem ziemlich turbulenten Tag aufgrund eines fiebrigen und zahnenden Zappelinchens, war uns nur noch nach seichter Unterhaltung. Folglich haben wir uns Joseph Vilsmaiers „Die Geschichte vom Brandner Kaspar“ angesehen. Die Verfilmung des bayerischen Volksstücks hatte zwar keine sonderlich guten Kritiken bekommen, schien jedoch genau das Richtige für einen Abend, an dem es mit der Konzentration nicht mehr weit her war.

Die Geschichte um einen Büchsenmacher, der den Tod um 21 weitere Lebensjahre betrügt, ist an und für sich nett und bietet Potential für etliche komische Verwicklungen. So erwartete ich eine Komödie, welche aus dieser Prämisse ihr Kapital schlägt. Zu sehen bekam ich dagegen ein ziemlich biederes Heimatdramödchen, welches zwar mit schönen Bildern auftrumpfen kann, jedoch beständig unentschlossen zwischen Drama und Komödie hin- und herpendelt. Die Szenen im Himmel sind bestimmt lustig gemeint, doch wirken sie peinlich und als hätte man aus Versehen Szenen eines anderen Films in die Geschichte hineingeschnitten.

So schön die Naturaufnahmen anzusehen sind und so wunderbar Franz-Xaver Kroetz den eigensinnigen Brandner Kaspar verkörpert, so verpasst es das Drehbuch eine stringente Dramaturgie aufzubauen. Die Regie versagt zudem die teils durchaus komischen Szenen rund um den Boandlkramer (nach einer gewissen Gewöhnungsphase ziemlich nett gespielt von Michael ‚Bully‘ Herbig) entsprechend in Szene zu setzen. So ehrenhaft es sein mag, den Heimatfilm wieder populär zu machen, so verkrampft und humorfrei bleibt dieser Versuch leider. Dann lieber Marcus H. Rosenmüllers gelungenen „Wer früher stirbt, ist länger tot“, der sich einer ähnlichen Thematik bedient.

„Die Geschichte vom Brandner Kaspar“ hat durchaus seine Momente, welche allesamt den wunderbaren Schauspielern zu verdanken sind. Leider schaffen sie es nicht gegen die dröge Inszenierung und das holprige Drehbuch anzuspielen. Da wäre deutlich mehr drin gewesen. Schade um die netten Ansätze und die verpasste Chance diese urbayerische Geschichte einem größeren Publikum besser zu verkaufen: 4/10 Punkte.

Nobody’s Fool: Auf Dauer unwiderstehlich (1994)

Neben Filmen, die eine wunderbare Weihnachtsatmosphäre ausstrahlen, gibt es auch Filme mit einer ebenso wunderbaren Winteramosphäre. Robert Bentons „Nobody’s Fool – Auf Dauer unwiderstehlich“ ist dabei nicht nur mein liebster Winterfilm, sondern einer schönsten Filme überhaupt.

Die Geschichte um den – auf den ersten Blick – griesgrämigen Bauarbeiter Donald ‚Sully‘ Sullivan, der sich nach Jahren seinem Sohn sowie dessen Familie annähert, und ganz nebenbei eine amerikanischen Kleinstadt am Laufen hält, ist so wunderbar gespielt, inszeniert und montiert, dass man nicht umhin kommt diesen störrischen Mann ins Herz zu schließen. Dabei ist „Nobody’s Fool“ komplett auf Paul Newman und seine Darstellung von Sully ausgerichtet, ohne jedoch das Können seiner anderen Schauspieler zu vernachlässigen. Großartig!

Der Film besitzt – schon allein aufgrund seiner schneereichen Bilder – eine äußerst melancholische Grundstimmung, welche jedoch nie zu schwer wird und stets mit ausreichend Humor durchsetzt ist. Ich kann nicht genau festmachen woran es liegt, doch dieser Film schafft es immer wieder mich tief zu berühren. Dabei drückt er nicht effekthascherisch auf die Tränendrüsen seiner Zuschauer, sondern überzeugt durch glaubhafte Charaktere und ein realistisches Setting.

Neben Paul Newman gibt es in „Nobody’s Fool“ einen fantastischen Bruce Willis, eine zuckersüße Melanie Griffith, einen dusseligen Philip Seymour Hoffman sowie die unbeschreibliche Jessica Tandy in ihrer leider letzten Rolle zu bewundern. Getragen wird die Geschichte zudem von Howard Shores wunderschönem Score, welcher der Arbeiterkleinstadt ein emotionales Fundament gibt.

Leider wird die bisher existierende DVD dem Film nicht im Ansatz gerecht und ich kann nur hoffen, dass sich ein Label erbarmt diese Filmperle in würdiger Qualität auf Blu-ray zu veröffentlichen. Für mich gehört „Nobody’s Fool“ zu jenen kleinen Filmen, die in Wirklichkeit größer sind als die meisten Blockbuster zusammen. Ein Schauspielerfilm, ein Charakterstück, eine zauberhafte Geschichte. Kino, wie es sein sollte: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Toy Story 3 (2010)

Aktualisierung: Ich habe „Toy Story 3“ am 1. August 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Die „Toy Story“-Trilogie von Disney/Pixar wird für mich wohl stets die Animationsfilmreihe sein, der ich mich am meisten verbunden fühle. Den ersten Teil sah ich erstmals vor genau 15 Jahren und war damit exakt halb so alt, wie bei der gestrigen Sichtung von „Toy Story 3“ – dem Finale der Trilogie. Man könnte somit sagen, ich bin mit den Filmen aufgewachsen, wenn nicht sogar erwachsen geworden.

Toy Story 3 (2010) | © Walt Disney

Toy Story 3 (2010) | © Walt Disney

In „Toy Story 3“ dreht sich alles um den Abschied von der Kindheit und das Eintreten in einen neuen Lebensabschnitt. Stärker als bei den Vorgängern rückt damit Andy ins Zentrum der Geschichte. Bisher war er nur der Auslöser, der die Geschichte ins Rollen brachte – doch dieses Mal wird auch er emotional in sie eingebunden, was zu einem wunderschönen, sentimentalen Ende führt, bei dem wahrlich kein Auge trocken bleibt.

Bevor die Handlung jedoch dort ankommt, gibt es allerlei bunte Abenteuer zu bestehen, unzählige neue Spielzeuge zu treffen und fiese Hindernisse zu überwinden. Die Geschichte ist abermals mitreißend und flott erzählt, nimmt sich dennoch Zeit für ihre Charaktere und bietet herrlichen Humor sowie nachdenkliche Momente. Wie bereits in „Toy Story 2“ fügen sich die neuen Figuren perfekt in das bereits etablierte Universum ein. Pixar beweist zudem abermals ein Händchen für perfektes Timing und eine ausgewogene Erzählweise.

Audiovisuell ist der Film eine wahre Augenweide, was besonders bemerkenswert ist, da er dennoch nahtlos an die alten Filme anschließt – und dazwischen liegen immerhin 15 Jahre technischer Fortschritt. Ein Meisterwerk der Animationskunst. Auch die Geschichte ist erwachsener geworden und oft beherrscht ein beinaher schon erschreckend düsterer Grundton die einzelnen Handlungsabschnitte. Wie da wohl die absolut unpassende FSK-Freigabe (ohne Altersbeschränkung) zustande gekommen sein mag? Wirklich unfassbar.

Am meisten überzeugt hat mich „Toy Story 3“ abermals von der emotionalen Seite. Selten war ich so ergriffen, wie in der Szene als sich die Spielzeuge alle an den Händen fassten, um tapfer ihrem sicheren Ende entgegen zu sehen. Ich bekomme jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke. Ebenso fantastisch ist natürlich das Finale der Geschichte, welches mit der real gewordenen Wolkentapete aus Andys Kinderzimmer in „Toy Story“ endet. Absolut fantastisch.

Fazit

Pixar ist mit diesem Film wohl der Abschluss zu einer der hochwertigsten Trilogien überhaupt gelungen – und das meine ich genreübergreifend und nicht nur auf Animationsfilme bezogen. Auch der dritte Teil hat sich sofort und unabdingbar in mein Herz gespielt. Ich freue mich jetzt schon darauf einmal zusammen mit meiner Tochter die gesamte Filmreihe zu sehen und mich am Leuchten in ihren Augen zu erfreuen. Ein größeres Kompliment kann man einem Film wohl nicht machen: 10/10 Punkte.

Zimmer 1408 – Director’s Cut – OT: 1408

Da war er wieder, der Tag an dem man selbst Genrehasser dazu bringen kann einen Gruselfilm zu schauen: Halloween. Folglich haben wir uns gestern wieder einmal zusammengefunden, um dem filmischen Horror zu frönen. Die Wahl fiel auf Mikael Håfströms „Zimmer 1408“ im Director’s Cut. Der Film versprach altmodischen Spukhausgrusel nach Stephen King und konnte dieses Versprechen anfangs auch noch einlösen…

Die ruhige und ausführliche Einführung der Hauptfigur sowie der Prämisse des Films hat mir wirklich sehr gut gefallen. Die Atmosphäre schwankt zwischen beunruhigend und zynisch, was auch den Charakter des von John Cusack gespielten Autors Mike Enslin beschreibt. Auch die Ankunft im titelgebenden Zimmer konnte mich noch überzeugen. Die ersten Anzeichen des aufsteigenden Horrors waren toll gespielt und inszeniert, doch dann? Billige Effekthascherei. Als hätte Stephen Spielberg den Hai bereits in der ersten Szene gezeigt. So etwas macht man einfach nicht.

Mit der Visualisierung der ersten Schrecken des Zimmers nimmt auch plötzlich die bisher durchaus spürbare Spannung ab. Ehemalige Opfer werden als seltsame Fernsehbildgeister eingeblendet. Bereits dutzende Male gesehen und einfach nicht mehr gruselig. Die sonstigen Attacken des Zimmers werden zudem viel zu detailreich gezeigt, als dass man sich wirklich fürchten könnte. Was ist aus Andeutungen geworden? Mysteriösen Schatten? Wirklich schade, da das Zimmer an sich durchaus Gruselpotential geboten hat.

Die weitere Handlung – samt ihrer mehr oder minder vorhersehbaren Wendungen – war dann zwar nett anzusehen, doch blieb sie überraschend spannungsarm. Mit Einzug des persönlichen Dramas unseres Autoren in die Geschichte, war der weitere Verlauf dann auch unvermeidlich. Im Gegensatz zur Kinofassung endet der Director’s Cut ziemlich düster, wenngleich sich der Verlust der Charaktere nicht auf mich als Zuschauer übertragen wollte.

Letztendlich ist „Zimmer 1408“ ein relativ durchschnittlicher Gruselfilm mit nettem Setting und brauchbarer Geschichte. Leider hat man wieder einmal gemeint, dem Publikum alles zeigen zu müssen, was in meinen Augen – wenn es nicht richtig angepackt wird – der Todesstoß für Filme dieses Genres ist. Durchaus nett anzusehen, aber eben auch nicht mehr: 6/10 Punkte.

Kampf der Titanen – OT: Clash of the Titans (2010)

Manche Filme sieht man sich an, obwohl man es eigentlich besser wissen müsste. Auch Louis Leterriers „Kampf der Titanen“ wurde von der Kritik übelst verrissen, doch als ich den Trailer damals im Kino sah, wusste ich: Das wird bestimmt ein großer Spaß! Alleine schon aufgrund des Kraken. Eine böse Fehleinschätzung meinerseits?

Glücklicherweise nicht. Leterriers Remake des 1981er Stop-Motion-Fantasyhits hat durchaus seine Momente. Natürlich sollte man als geneigter Zuschauer weder gigantischen Monstern noch überproduziertem Fantasy-Quatsch abgeneigt sein. Egal ob „Der Herr der Ringe“ oder „Fluch der Karibik“ – es gibt wohl kaum einen erfolgreichen Genrefilm der letzten 10 Jahre, aus dem hier nicht beliebig geklaut wurde. Doch das fällt angesichts der hanebüchen erzählten Geschichte glücklicherweise kaum noch ins Gewicht.

Richtig Spaß macht der Film in seinen überbordenden Actionsequenzen. Wenn Perseus mit seinen Kumpanen gegen fliegende Monster, riesige Skorpione oder den Kraken kämpft, dann bleibt kein Auge trocken. In diesen Szenen hat mein kleines Monsterfilmherz aufgeregt geklopft, nur um während der Szenen im Olymp kräftig ins Stolpern zu kommen. Natürlich ist auch diese himmlische Soap Teil des Films, doch musste man unbedingt Liam Neeson und Ralph Fiennes in albernen Kostümen so unmotiviert chargieren lassen?

Inszenatorisch hat die 2010er Version von „Clash of the Titans“ – einmal abgesehen von den irritierenden Szenen im Olymp – durchaus einiges zu bieten. Die Action ist wirklich schön anzusehen und auch die diversen Wanderungen unserer mutigen Recken sind wunderbar in Szene gesetzt. Insofern hatte ich durchaus meinen Spaß mit dem Film, wenngleich er mir auch nicht länger in Erinnerung bleiben wird. Großer Fantasy-Quatsch eben: 6/10 Punkte.

Wo die wilden Kerle wohnen – OT: Where the Wild Things Are (2009)

Nach viel zu vielen Unterbrechungen, habe ich gerade Spike Jonzes „Wo die wilden Kerle wohnen“ beendet. Einen Film während der Einschlafphase unseres Zappelinchens zu schauen ist doch stets ein Abenteuer. Dennoch hat die Verfilmung des berühmten Kinderbuchs von Maurice Sendak genau in mein filmisches Herz getroffen: Let the wild rumpus start!

Nach unzähligen Sichtungen des Trailers war ich einerseits wirklich heiß auf den Film, andererseits hatte ich auch Angst, dass die naturalistische Darstellung von Max‘ Königreich samt seine Bewohner auf Dauer doch zu anstrengend sein würde. Doch weit gefehlt! Spike Jonze vermeidet CGI-Effekte wo es nur geht – bzw. versteckt diese ausgezeichnet – und lässt seine Charaktere tatsächlich miteinander agieren. Unterstützt wird dies durch verstärkten Handkamera-Einsatz, was für das Genre zunächst ungewohnt erscheint, letztendlich aber das surreale Mittendrin-Gefühl nur noch umso mehr unterstreicht.

Neben der audiovisuellen Ausgestaltung (ja, auch Score und Soundtrack sind famos), kann „Where the Wild Things Are“ besonders durch seine Geschichte überzeugen. Auf den ersten Blick mag sie simpel erscheinen, doch schon bald begreift man hier das komplexe Abbild von Max‘ Emotionen und Projektionen seiner Umwelt miteinander agieren zu sehen. Oft wirklich herzergreifend und einfach nur wunderschön erzählt.

Neben Inszenierung und Drehbuch, darf man natürlich auch die fantastische Ausstattung und die grandiosen Darsteller nicht vergessen. Der 9-jährige Max Records scheint wie geschaffen für die Rolle seines Namensvetters. Toll gespielt, ohne Frage. James Gandolfini (Tony Soprano, „The Sopranos“) spricht die Projektion von Max‘ wilder Seite – ein zotteliges Monster namens Carol – und haucht ihm so viel unbändige Wildheit ein, dass es eine wahre Freude ist. Auch der restliche (Voice-)Cast ist perfekt gewählt und trägt den Film bis zur letzten Sekunde.

Spike Jonze ist mit „Where the Wild Things Are“ einer der wunderbarsten Filme über die Kindheit gelungen, den ich je sehen durfte. Ein Kinderfilm ist es allerdings nicht und ich kann nur einmal mehr meinen Kopf aufgrund der Freigabe unserer geliebten FSK schütteln. Für alle Erwachsenen da draußen, die sich noch gerne an ihre Kindheit erinnern, gibt es aber wohl kaum einen schöneren Film: 9/10 Punkte.

Babylon A.D.

Seltsamerweise habe ich eine Schwäche für Filme, denen eine komplizierte Produktion nachgesagt wird. Auch wenn Mathieu Kassovitz‘ „Babylon A.D.“ fast nur vernichtende Kritiken eingefahren hat, war mein Interesse demnach dennoch geweckt. Zudem fallen Genre und Setting ziemlich genau in mein filmisches Beuteschema.

Eine Science-Fiction-Geschichte, die in der nahen Zukunft spielt. Dreckig und realistisch sowie durchsetzt mit sozialkritischen Themen. Das hört sich doch gar nicht so verkehrt an. Vin Diesel spielt in dieser Geschichte einen Söldner, der eine junge Frau von A nach B bringen und vor den Gefahren dieser kaputten Welt beschützen soll. Kommt einem diese Handlung bekannt vor? Stimmt. Da gab es doch Alfonso Cuaróns „Children of Men“, den man aber am besten gleich wieder vergisst um „Babylon A.D.“ nicht noch schlechter aussehen zu lassen.

Die Geschichte zieht einfach nicht. Keine Spur. Die Figuren sind einem egal und die Handlung ist viel zu bruchstückhaft. Völlig belanglose Szenen werden bis zur Unendlichkeit breitgetreten und fängt der Film einmal an interessante Ansätze zu zeigen, werden diese sofort wieder ignoriert. Man freut sich förmlich auf die nächste Actionsequenz, damit überhaupt etwas vorwärts geht. Kommt die Action dann endlich, mag man gar nicht so recht glauben wie langweilig diese inszeniert wurde. Ich denke hier nur an die Schneemobil-Verfolgungsjagd. Angestaubter als in jedem „James Bond“-Film der 60er und 70er Jahre.

Irgendwann geht es auch tatsächlich mit der Handlung weiter. Pseudoreligiöser Schwachsinn gepaart mit ach so gefährlicher Bioinformatik. Hat man so ja auch noch nie gesehen. Hier verkommt der Film beinahe schon zur Karikatur seiner selbst und man weiß als Zuschauer nicht, ob man lachen oder weinen soll. Unglaublich. Der Film hat für mich gefühlte drei Stunden gedauert, dabei war die ziellose Odyssee bereits in knapp 90 Minuten abgefrühstückt. Auch eine Leistung.

Was gibt es Positives zu berichten? Die Atmosphäre war teils ganz nett und das Setdesign hatte durchaus potential. Dafür fiel mir der Soundtrack bereits nach nur wenigen Minuten auf die Nerven. Penetranter Hip-Hop, der vermutlich unterstreichen sollte, was für ein harter Typ Toorop (Vin Diesel) doch ist. Nein, mein lieber Mathieu Kassovitz, das war wohl ein Griff ins Klo. Auf ganzer Linie. Einmischungen des Studios hin oder her.

Ich kann diesen Film wirklich niemandem empfehlen. Er mag zwar seine unterhaltsamen Momente gehabt haben, doch der langweilige und uninspirierte Rest wiegt gegen diese einfach zu schwer. Es ist bestimmt auch kein Zufall, dass man die Vorlage immer noch nicht in deutscher Übersetzung auf den Markt geworfen hat. Muss man wirklich nicht sehen: 2/10 Punkte.

Hallo, Mr. President – OT: The American President

Was macht man, wenn man schwach und auf Entzug ist? Richtig, sich möglichst schnell eine Ersatzbefriedigung suchen. Genau deshalb bin ich bei Rob Reiners „Hallo, Mr. President“ gelandet. Geschrieben von Aaron Sorkin, kann man den Film durchaus als Fingerübung zu „The West Wing“ betrachten. Eine Serie, welche mich erst kürzlich begeisterte, wie keine zweite zuvor.

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Für den geneigten Fan von Sorkins Serie ist es zunächst äußerst ungewohnt Martin Sheen in einer Rolle zu sehen, in der er eine andere Person mit Mr. President anspricht. Doch schon bald lernt man auch diese andere Belegschaft der Weißen Hauses kennen und lieben. Die Charaktere ähneln denen der Serie doch enorm. Sei es nun ihr Idealismus oder ihre Leidenschaft. Man fühlt sich sofort wieder zu Hause.

Der titelgebende Präsident wird hier von Michael Douglas verkörpert, welcher seine Sache auch wirklich gut macht. Die Geschichte um eine neue Liebe des verwitweten Präsidenten ist nett, erzeugt Empathie und kann die Herzen der Zuschauer gewinnen. Der politische Rahmen bleibt – im direkten Vergleich zu „The West Wing“ – jedoch eher oberflächlich, was dem Film aber nicht schadet. Als letztendlich der Abspann lief, wollte ich doch glatt die nächste Episode schauen. Sorkins Weiße Haus zieht mich also immer noch magisch an. Soviel zum Thema Entzug.

„The American President“ – so der Originaltitel – ist eine wunderbare romantische Komödie aus dem Zentrum der Macht. Intelligenter und besser geschrieben, als andere Genrevertreter und doch nur ein Schatten dessen, was einige Jahre später über Amerikas Bildschirme flimmern sollte. Ein wunderbarer Film: 8/10 Punkte.

Nachts im Museum – OT: Night at the Museum (2006)

Aktualisierung: Ich habe „Nachts im Museum“ am 19. November 2021 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Als ich den Trailer zu Shawn Levys „Nachts im Museum“ damals im Kino sah, dachte ich nur: ‚So ein Schwachsinn!‘ In letzter Zeit las und hörte ich jedoch immer wieder überraschend gute Meinungen, woraufhin ich dem Film nun doch einmal eine Chance einräumen wollte.

Nachts im Museum (2006) | © 20th Century Fox

Nachts im Museum (2006) | © 20th Century Fox

Die Geschichte lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Die Ausstellungsstücke des American Museum of Natural History erwachen nachts zum leben. So einfach ist das. Nicht mehr und nicht weniger. Doch ist das genug um einen gesamten Film zu tragen? Ja. Die einfachsten Ideen sind ja bekanntlich die besten und „Nachts im Museum“ schöpft seine wahrlich zu genüge aus.

Was das Genre angeht, darf man sich natürlich keinen Illusionen hingeben. „Nachts im Museum“ ist ein astreiner Familienfilm, der zwar Erwachsenen auch Spaß macht, doch eher auf die Kleinen abziehlt. Wer damit allerdings keine Probleme hat, wird über gut 90 Minuten aber tadellos unterhalten. Toll getrickst und mit einem sympathisch aufspielenden Ben Stiller vergeht die Zeit wie im Flug.

Der größte Kritikpunkt ist für mich wohl die Vorhersehbarkeit der Geschichte. Typisch Familienfilm eben. Tut nicht weh, besitzt aber eben auch nur wenig Nachhaltigkeit. Dafür hat der Film wunderbar meinen eigenen letztjährigen Besuch des American Museum of Natural History aufleben lassen. Hierfür muss ich glatt Bonuspunkte vergeben. Es ist doch immer wieder schön, wenn man selbst schon einmal am Ort des Geschehens war.

Mich hat „Nachts im Museum“ wirklich gut unterhalten. Ein schöner Film zum Abschalten und Berieseln lassen. Hat Spaß gemacht und sollte der zweite Teil einmal in ähnliche Preisregionen rutschen, werde ich garantiert auch wieder reinschauen: 6/10 Punkte.

Renaissance (2006)

Vor einigen Jahren für viel Geld gekauft, stand Christian Volckmans innovativer Sci-Fi-Thriller „Renaissance“ viel zu lange ungesehen im Regal. Heute bekommt man den Film beinahe nachgeworfen, was ich gleich für eine Empfehlung nutzen möchte: Animationsliebhaber und Sci-Fi-Fans, holt euch den Film!

renaissance

Bereits die Titelanimation strahlt eine erhabene Eleganz aus. Man sieht sofort, dass man es hier mit einer stilbewussten Produktion zu tun hat. Dann die ersten Bilder. Gewöhnungsbedürftig. Für einen kurzen Moment. Danach fesselnd und wunderschön anzusehen. „Metropolis“ trifft „Blade Runner“ – Altertum die Moderne. Renaissance. Der Stil des Films ist überwältigend und nutzt die Motion Capture-Technik meines Erachtens noch effizienter, als die auf Fotorealismus getrimmten Vertreter dieses Subgenres der Animation, wie Robert Zemeckis „Der Polarexpress“ und „Die Legende von Beowulf“.

Bei aller audiovisueller Wucht darf man natürlich die Geschichte nicht vergessen, welche sich den stilistischen Elementen oftmals unterordnen muss. Zwar ist die durchaus interessant und fesselnd, doch vermag sie nicht das durch den Stil transportierte Gefühl der Innovation weiterzuführen. Man wähnt sich als Zuschauer in einer nur allzu bekannten Welt. Philip K. Dick scheint hinter jeder Ecke zu lauern. Doch das muss ja nichts schlechtes sein. Das Finale kommt zudem unerwartet und weiß auch emotional zu überzeugen.

Für mich ist „Renaissance“ eine kleine, große Entdeckung. Ein wahrer Augenschmaus, dem man das knappe Budget nur ab und an (z.B. Animation der Haare) ansieht. Ein Festmal für Animationsfreunde. Herrlich! Die Geschichte mag versierte Sci-Fi-Fans nicht sonderlich überraschen, bietet aber dennoch gut 100 Minuten fabelhafte Unterhaltung. Sollte man wirklich gesehen haben: 8/10 Punkte.