The New Adventures of Old Christine – Season 2

Irgendwann die letzten Tage habe ich „The New Adventures of Old Christine – Season 2“ beendet. Zum Eintragen komme ich erst jetzt. Ob das nun zur Regel wird? Ich befürchte es fast.

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Im Gegensatz zur ersten Staffel hat sich nicht wirklich viel geändert. Old Christine tappt immer noch von einem Fettnäpfchen ins nächste und ist sich dieser Sache auch meist voll und ganz bewusst. Soweit so gut. Julia Louis-Dreyfus ist nach wie vor eine Wucht und man (sprich: ich) könnte ihr stundenlang bei den diversen Peinlichkeiten zusehen. Doch das ist leider nicht alles. Es gibt noch weitere Charaktere und Erzählstränge und die können leider nicht immer überzeugen.

Wie bereits befürchtet machen sich Abnutzungserscheinungen bemerkbar. Zwar nicht dramatisch, aber doch zunehmend. Die Staffel schwankt folglich zwischen ganz nett (aber schon dutzende Male gesehen) und urkomisch. Wenn man Julia mag, ist die Serie immer noch Pflicht. Alle anderen können eigentlich auf die neuen Abenteuer der alten Christine verzichten. Ich persönlich würde mich dennoch über eine dritte Staffel freuen: 7/10 Punkte.

Felicity – Season 2

Im Zuge der aktuellen Serien-Sichtungen habe ich nun auch „Felicity – Season 2“ beendet. Die Serie macht genau dort weiter, wo man sie nach der ersten Staffel verlassen hat. Die Rückkehr an die NYU fällt folglich leicht, doch mit der Zeit muss man sich mit Felicity an einige neue Situationen gewöhnen.

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Nachdem die Beziehung mit Ben in die Brüche geht kommt es zur ersten großen Veränderung: Felicity bekommt einen neuen Haarschnitt. Nebensächlich? In diesem Fall nicht, denn mit demWegfall der Lockenpracht wird die Hauptfigur auch deutlich erwachsener und wirkt nicht mehr so zerbrechlich, wie noch im Jahr zuvor. Nachdem man sich als Zuschauer an die neue Frisur und die neue Situation gewöhnt hat, kommt es auch schon zu den ersten Dramen: Felicitys Eltern lassen sich scheiden, Noels Freundin ist schwanger, Julies Musikproduzent ist nur an ihrem Körper interessiert etc.

In der Mitte der Staffel fand ich die Schicksalschläge dann auch etwas zu gehäuft. Es haben die lockeren Einschübe gefehlt und die Geschichten haben sich – meiner Meinung nach – etwas im Kreis gedreht. Nachdem diese Phase überwunden wurde, gab es u.a. mit Docuventary I+II ein paar klasse Episoden. Überhaupt fand ich es schön, dass Nebencharaktere – wie Sean oder Meghan – mehr in den Vordergrund gerückt sind.

In der außergewöhnlichen Episode Help for the Lovelorn lernen wir dann endlich, was es mit Meghans Box auf sich hat. Diese Handlung wird in Form einer „Twilight Zone“ ähnlichen Geschichte erzählt, die zwar aus der Rahmenhandlung herausfällt, aber dennoch wichtige Probleme der Figuren aufgreift. Stilistisch wunderbar und ein toller Einfall augenzinkernd das Mysterium um die geheimnisvolle Schachtel aufzulösen.

„Felicity – Season 2“ macht erneut viel Spaß. Einzig die Anhäufung der Dramen im Mittelteil fand ich nicht so gelungen. Das beständige Wechselspiel mit Ben muss man in solch einer Serie wohl akzeptieren, wenngleich ich es etwas schade finde, dass es kaum mehr wirkliche Kommunikation zwischen Felicity und Noel gab. Immer noch ein fabelhaftes Vergnügen: 8/10 Punkte.

The Office (US) – Season 3

Viel Freizeit, mäßiges Wetter und eine grandiose Serie haben dazu geführt, dass mein TV in den letzten Tagen heiß gelaufen ist. So wie „The Office (US) – Season 3“ habe ich wohl noch keine Serie verschlungen. Unglaublich.

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Qualitativ konnte sich die Serie – im Vergleich zu den ersten beiden Staffeln – fast noch einmal steigern. Das hätte ich kaum für möglich gehalten und es spricht für die Autoren der Serie, die einerseits viele neue Elemente einbringen und doch die bestehenden Handlungen und Figuren nicht vernachlässigen. Durch das Zusammenlegen von Scranton mit einer weiteren Niederlassung kommt neues Blut in Michael Scotts Königreich, was für Abwechslung sorgt. Besonders Andy Bernard erweist sich als grandioser Gegenpart zu Dwight K. Schrute – der Kampf um die Position des Assistant Regional Managers ist eröffnet!

Besonders hervorzuheben ist die Figur des Creed, der in „The Office“ eine ähnliche Position einnimmt, wie Locke in „Lost“ – nach reichlichem Überlegen erscheint mir dieser Vergleich gar nicht so weit hergeholt. Steve Carell liefert wieder Glanzleistungen am laufenden Band ab und auch alle anderen Darsteller wissen auf ganzer Linie zu überzeugen. Unzählige Anspielungen auf popkulturelle Phänomene – von „Harry Potter“ bis zu „Battlestar Galactica“ – lassen „The Office“ noch einen Tick sympathischer erscheinen.

„The Office“ ist nach wie vor grandiose Unterhaltung. Schade nur, dass es nun erst einmal vorüber ist. Bis es weiter geht werde ich wohl einmal einen Blick ins Original riskieren, wenngleich ich befürchte, dass DUNDER MIFFLIN ungeschlagen bleiben wird. Fantastisch: 10/10 Punkte. ‚That’s what she said!‘ (Michael Scott)

The Office (US) – Season 1 & 2

In der letzten Wochen habe ich „The Office (US) – Season 1 & 2“ verschlungen. Eigentlich hat mich die Serie nie sonderlich gereizt. „Stromberg“ fand ich zwar recht sehenswert, doch auch nicht überragend. Dank der beständigen Empfehlung durch Inishmore (danke!) habe ich mich dann doch an die Serie gewagt. Das Ergebnis waren die lustigsten Fernsehstunden, die ich seit langem erleben durfte.

Was hat die US-Version von „The Office“, das die deutsche Ausgabe nicht hat? Vermutlich trifft sie eher meinen Humor. Christoph Maria Herbst ist als Bernd Stromberg zwar wirklich genial, doch würde ich Steve Carrell als Michael Scott jederzeit den Vorzug geben. Dies liegt vermutlich daran, dass „Stromberg“ zu nahe an der Realität ist. Der Leiter der Schadensregulierung hat nichts auf die Reihe bekommen und war oft einfach nur unfähig und eher eine tragische, denn eine komische Figur. Dies gilt für die ganze Abteilung der CAPITOL.

Bei DUNDER MIFFLIN dagegen ist alles etwas extremer. Die Realität wird weit mehr verzerrt als beim deutschen Pendant. Die Serie ist näher an der kassischen Sitcom – einem Genre, das ich liebe. Ein weiterer wichtiger Punkt: „Stromberg“ hat für mich keine Identifikationsfigur geboten. Bei „The Office“ habe ich immerhin Jim. Jim und Pam. Die Seifenoper der Serie. Doch gerade diese Liebesgeschichte hat es mir angetan. Die Dynamik zwischen den Figuren ist wunderbar und – das wichtigste – für mich absolut nachvollziehbar.

Das Wichtigste jedoch: Ich liebe den Humor. Ich liebe ihn wirklich. Die Assistant to the Regional Manager-Sache. Oder als Michael Scott auf die Frage, warum er die anstehende Entlassung bis zu Halloween hinauszögert, antwortet: ‚Because it’s scary!‘ – als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Ich musste zurückspulen, da ich die nächsten Szenen vor Lachen verpasst hatte.

Wichtig ist bei den Charakteren jedoch, dass diese nicht zu reinen Witzfiguren verkommen. Michael rettet so manche Situation erstaunlich souverän und auch im Kontakt mit Kunden hat er weit mehr auf dem Kasten, als z.B. Bernd Stromberg. Man fragt sich nicht so oft, wie es solch einer so weit gebracht hat. Das macht die Figur für mich irgendwie glaubwürdiger.

Ich könnte nun noch viel schreiben. Besonders über Dwight Schrute und die grandiosen schauspielerischen Leistungen aller Darsteller. Doch macht euch lieber selbst ein Bild. Es lohnt sich: 10/10 Punkte.

Übrigens habe ich Ricky Gervais gegenüber nun fast ein schlechtes Gewissen, da ich das Original immer noch nicht gesehen habe. Einigen Ausschnitten nach zu urteilen wird mir die US-Version jedoch stets die liebste bleiben.

Carnivàle – Season 1 & 2

Ungewöhnlich lange hat es gedauert, bis ich mich durch die Ausnahmeserie „Carnivàle – Season 1 & 2“ gekämpft hatte. Dies liegt einerseits bestimmt am momentanen Zeitmangel, andererseits allerdings auch an der Serie selbst. Diese nimmt teils lynchesque Formen an und ist somit nichts, was man mal eben zur lockeren Unterhaltung kurz vor dem Schlafengehen einschiebt. Man muss als Zuschauer am Ball bleiben, um die Serie voll und ganz genießen zu können. Tut man das wird man mit einem grandiosen TV-Ereignis belohnt.

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Der Inhalt lässt sich kurz und knapp zusammenfassen: Es geht um den klassischen Kampf zwischen Gut und Böse. Das Licht gegen die Dunkelheit. Die Rollenverteilung ist jedoch alles andere als klassisch. Die von der Gesellschaft Ausgestoßenen – die Zwielichtigen, die Freaks – sie sind die Helden dieser Geschichte. Unter den Dienern Gottes versteckt sich ihr Feind. All das ist zudem weit weniger eindeutig, als ich es hier beschreibe. Trotz des bekannten Themas gibt es kaum eindeutige Positionen. Die Figuren sind weit komplexer, als man das vermuten würde und die Handlung entwickelt einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann.

„Carnivàle“ spielt zur Zeit der Depression. Eine dunkle Zeit. Eine Zeit, in der man eigentlich wohl kaum eine TV-Serie ansiedeln würde. Anfangs noch ungewohnt, zeigt sich hier die besondere Stärke der Geschichte: Sie wird durch Bilder unterstützt, wie man sie nur selten im Unterhaltungsfernsehen gesehen hat. Vor dem historischen Hintergrund wird zudem die Motivation der Figuren greifbar. Das Leben war verdammt hart. Besonders für das wandernde Volk. Teils wird man hier fast schon beiläufig mit Bildern konfrontiert (z.B. ein Vater bietet seine behinderte Tochter für Liebesdienste an), die einen so schnell nicht mehr loslassen.

In diesem historischen Setting wird eine Fantasygeschichte erzählt. Auch wieder nicht klassisch. Es gibt übernatürliche Elemente, die allerdings so eingebaut werden, dass sie nicht wie Fremdkörper wirken. In der leicht surrealen Welt des „Carnivàle“ scheint sowieso mehr möglich, als die Naturgesetze erlauben. Neben rein fantastischen Elementen nimmt die Geschichte großen Bezug auf die Bibel. Es gibt unzählige Anspielungen. Egal ob Namen oder Orte. Für bibelfeste Menschen ist die Serie dadurch vermutlich noch um einiges interessanter.

Ich bin wirklich schwer begeistert. Abzüge gibt es allein für das offene Ende. Eigentlich war die Serie auf 3 Kapitel à 2 Staffeln angelegt. Letztendlich hat HBO nur das erste Kapitel produzieren lassen. Das Serienende funktioniert auf gewissen Ebenen zwar recht gut, doch bei einer Serie die sich beinahe eine komplette Staffel für die Charaktereinführung zeitlässt, fällt das plötzliche Ende umso schwerer ins Gewicht. Dennoch unbedingt anschauen! Es lohnt sich: 9/10 Punkte.

Felicity – Season 1

Gestern Abend habe ich die letzte Episode von „Felicity – Season 1“ gesehen. Auslöser für die Sichtung war – neben dem lobenden Eintrag von thwidra – die Tatsache, dass die Serie das erste große Projekt von J.J. Abrams – Schöpfer der TV-Meilensteine „ALIAS“ und „Lost“ – gewesen ist. Da ich mit „Veronica Mars“ zuletzt eine sehr hochwertige Serie gesehen habe, hatte es „Felicity“ – im direkten Vergleich – nicht immer leicht. Dennoch konnte sich der krause Wirrkopf bereits einen Platz in meinem Serienherzen sichern.

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Anders als bei „ALIAS“ oder „Lost“ gibt es keine vordergründige Action- oder Mysteryhandlung. Allein die Menschen stehen im Mittelpunkt. Teils hatte ich etwas das Gefühl eine Mischung aus erwachsenem „Dawson’s Creek“ und einer ernsthafteren Version von „Ally McBeal“ zu sehen. Zudem überwiegen in der Serie herbstliche Farbtöne, was mich unweigerlich an die „Gilmore Girls“ denken lässt. Keiner dieser Vergleiche trifft es hunderprozentig – doch ist auch keiner völlig aus der Luft gegriffen. Welche Vergleiche man auch ziehen mag: J.J. Abrams ältestes Kind besitzt genügend Eigenständigkeit und Charme, um auch heute noch mitreißen zu können.

Die Erzählstruktur hat es mir besonders angetan: Wir erleben die Geschehnisse durch die Augen von Felicity. Wir hören ihre Gedanken. Nun bin ich jemand, der den Einsatz von Voice-over als Erzählstil in Film und Fernsehen durchaus legitim findet. Doch hier können sich selbst Gegner dieses narrativen Werkzeugs nicht beschweren: Felicity spricht nicht zum Zuschauer, sondern nimmt für eine Freundin Kassetten auf. Dadurch kommt es zu nachträglichen Beobachtungen diverser Lebenssituationen, womit unweigerlich eine charakterliche Weiterentwicklung und Selbstreflexion verbunden ist. Wirklich wunderbar gelöst.

Die Handlung selbst schwankt zwischen großem Gefühlsdrama und skurillen Alltagssituationen. Teils hatte ich noch den Eindruck, dass die Struktur etwas holprig wirkt. Dies hatte sich im Verlauf der Season aber gelegt. Der größte Vorteil – neben den guten Autoren – ist wohl Keri Russell, deren Felicity mir sofort ans Herz gewachsen ist. Auch die Nebencharaktere wissen zu überzeugen und es ist schön bekannte Gesichter (Greg Grunberg und Jennifer Garner, „ALIAS“) wiederzusehen.

Ich freue mich nun auf die kommenden Staffeln. Die NYU der Serie ist definitiv ein Platz, an dem man sich wohlfühlen kann und eignet sich somit fabelhaft für lockere und doch nicht anspruchslose Feierabendunterhaltung: 8/10 Punkte.

The New Adventures of Old Christine – Season 1

Endlich gibt es einmal wieder sehenswerten, klassischen SitCom-Nachschub: „The New Adventures of Old Christine – Season 1“. So sehr ich auch außergewöhnliche Produktionen – wie „Curb Your Enthusiasm“ oder „Arrested Development“ – liebe, so gerne kehre ich auch immer wieder zur klassischen SitCom zurück, die ihre bisherigen Höhepunkte in „Seinfeld“ und „How I Met Your Mother“ gefunden hat. Die neuen Abenteuer der alten Christine sind da keine ernsthafte Konkurrenz und doch macht die Serie wirklich sehr viel Spaß, was beinahe einzig und allein Julia Louis-Drefus (Elaine Benes, „Seinfeld“) zuzuschreiben ist.

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Die Prämisse ist – für SitCom-Verhältnisse – einigermaßen originell und bietet eine nette Ausgangssituation, wenngleich zu befürchten ist, dass sich die darauf bezogenen Gags irgendwann totlaufen. Christine und ihr Mann Richard leben in Scheidung. Dieser hat eine neue Freundin, die ebenso den Namen Christine trägt. New Christine eben. Über die 13 Folgen der ersten Staffel schien mir das Konzept noch relativ frisch zu sein, was – so bin ich der festen Überzeugung – aber auch nur am grandiosen Spiel von Julia Louis-Dreyfus liegt.

Seit „Stromberg“ war nicht mehr so ausgeprägtes Fremdschämen angesagt. Old Christine benimmt sich teils oberpeinlich, bleibt jedoch stets sympathisch, was – ich wiederhole mich – nur Julia Louis-Dreyfus zu verdanken ist. Man darf auch nicht den Fehler machen, den Charakter als reinen Elaine-Abklatsch zu sehen. Christine wirkt eher so wie Elaine als sie zu George wurde. „Seinfeld“-Kenner wissen nun hoffentlich, was ich meine.

Der restliche Cast kommt einfach nicht gegen Julia an. Doch auch hier gibt es teils nette Figuren zu sehen. Besonders Matthew hat meiner Meinung nach durchaus Potential. Von der Grundstimmung erinnert mich „The New Adventures of Old Christine“ irgendwie an eine gelungene Version von „According to Jim“ – warum auch immer. Ich werde auf jeden Fall dran bleiben – und sei es nur, um zu sehen wo die Autoren noch mehr Christines aus dem Hut zaubern: 8/10 Punkte (davon 7,5 für Julia Louis-Dreyfus).

Veronica Mars – Season 3

Wie heißt es? Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Aufhören, bevor eine Serie ihren Zenit überschritten hat. Es gibt auch unzählige Beispiele, bei denen man auf diese Binsenweiheit hätte hören sollen. Doch ebenso gibt es immer wieder Serien, die vor ihrer Zeit gehen müssen. Zu diesen gehört nun auch „Veronica Mars – Season 3“. Was werde ich sie vermissen.

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Die letzte Staffel verlagert die Handlung von der Highschool ins College. Anfangs ungewohnt und doch vertraut. Der Ortswechsel bringt frischen Wind in die Serie und ergänzt sie um neue Charaktere, wobei auch liebgewonnene alte nicht fallengelassen werden. Ein schöner Neuanfang, der das Potential für mindestens eine weitere Staffel in sich getragen hätte.

Neben dem Ortswechsel gab es auch Änderungen in der Struktur der Serie: Der große, staffelübergreifende Fall ist mehreren kleineren gewichen. Anfangs konnte ich mir das nicht so richtig vorstellen, doch die kleineren Fälle haben für mich – insbesondere im Hinblick auf das recht konstruierte Ende der zweiten Staffel – ziemlich gut funktioniert. Die letzten Folgen der Staffel haben dann leider auf eine episodenübergreifende Handlung verzichtet und es gab nur noch Einzelfälle, die zwar durchaus unterhaltsam waren, aber nicht annähernd so mitreißend wie ihre Vorgänger.

Das Ende der Serie lässt mich nun wahrlich enttäuscht zurück. Nicht weil es schlecht gewesen wäre, sondern weil ich Neptune und Mars verlassen musste, bevor die Geschichte ein Ende gefunden hat. Die letzte Episode hat wieder stark an die erste Staffel erinnert: Es gab alte Feinde, alte Fehden und Potential für einen neuen großen Fall. Leider hat man der Episode in jeder Einstellung angemerkt, dass die Staffel verkürzt war. Die Handlung wurde durchgehechelt und man konnte nur erahnen, wie sie ursprünglich geplant gewesen war. Hier musste ich unweigerlich an die Stimmung des „ALIAS“-Finales denken. Am Ende saß ich da: Nur noch 5 Minuten Laufzeit und noch so viele unbeantwortete Fragen. Nur noch 4 Minuten. Nur noch 3. 2. 1. Das Ende. Veronica Mars wird nun ohne mich weiterermitteln. Keith Mars wird die Wahl verlieren und nun ohne mich spaßige Kämpfe mit Vinnie Van Lowe als Sheriff austragen. Was wird Weevil machen? Kehrt er auf die Straße zurück? Was wird aus Logan? Man wird es vermutlich nie erfahren.

„Veronica Mars“ konnte mich auch in der dritten Staffel voll und ganz überzeugen. Wohl seit „ALIAS“ die Drama-Serie, deren Charaktere ich am meisten vermissen werde. Einen kleinen Lichtblick gibt es für Serienfans dennoch, so soll Kristen Bell eine Hauptrolle in der vierten „Lost“-Staffel bekommen. Ein schwacher Trost, aber immerhin: 9/10 Punkte.

Studio 60 on the Sunset Strip – Season 1

Als das Fall Lineup für die TV Season 06/07 bekannt gegeben wurde, stach besonders eine Serie hervor: „Studio 60 on the Sunset Strip“. Überall wurde sie mit Vorschusslorbeeren überschüttet und als neuer Hit des Ausnahmeautoren Aaron Sorkin („The West Wing“) gefeiert. Mit Matthew Perry, Amanda Peet und Bradley Whitford waren zudem ausreichend bekannte und beliebte Schauspieler an Bord, um einen Erfolg beinahe schon zu garantieren. Was sollte da noch schief gehen?

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Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Nachdem das Kritikerlob über die ersten Folgen noch anhielt, sanken schon recht bald die Quoten und auch das Lob blieb aus. Als Konsequenz nahm NBC die Serie kurzfristig aus dem Programm, um Wochen später doch noch den zweiten Teil der Staffel nachzuschieben. Die Zuschauer blieben aus und die Serie konnte ihre Versprechen nie einlösen. Was also war passiert?

Ist die Serie schlechter geworden? Ich finde nicht. Sicher gab es im Mittelteil ein paar Längen, die vor allem der schwierigen Beziehung von Matt Albie (Matthew Perry) und Harriet Hayes (Sarah Paulson) zuzuschreiben sind. Ich kann verstehen, dass dieser Teil der Geschichte einige Zuschauer nicht angesprochen hat. Allerdings waren die restlichen Erzählstränge stets interessant und haben zum Weiterschauen eingeladen. Ich jedenfalls konnte keinen wirklichen Qualitätseinbruch feststellen.

Richtig grandios sind die Schauwerte von „Studio 60 on the Sunset Strip“. Das Set ist eines der besten, die ich je in einer Serie gesehen habe. Zum verlieben. Man kann sich wirklich vorstellen, wie stressig es teils hinter den Kulissen solch einer TV-Show sein muss. Dabei bleibt der Humor nicht auf der Strecke, wenngleich man die Serie nicht in der Comedy-Ecke – dort haben wir „30 Rock“ – sehen darf. „Studio 60 on the Sunset Strip“ ist eine glasklare Dramaserie und als diese funktioniert sie – meiner Meinung nach – grandios. Die fantastische Atmosphäre und die perfekt besetzten Schauspieler tragen ihren Teil dazu bei. Zudem gibt es allerlei Gastauftritte zu bewundern: Lauren Graham (Lorelay Gilmore, „Gilmore Girls“) und Masi Oka (Hiro Nakamura, „Heroes“) sind hier nur zwei Beispiele.

Mich hat „Studio 60 on the Sunset Strip“ – trotz kleinerer Schwächen – stets vorzüglich unterhalten und ich denke, dass die Serie auf DVD und über die Zeit noch wächst. Sowohl in der Gunst der Kritiker, als auch beim Publikum. Ich werde den bunten Haufen um Matt Albie und Danny Tripp auf jeden Fall vermissen: 9/10 Punkte.

Veronica Mars – Season 2

Nach Sichtung der ersten Staffel habe ich nun einen knappen Monat für „Veronica Mars – Season 2“ gebraucht. Wenn die äußeren Umstände nicht so ungünstig gewesen wären, hätte die Staffel vermutlich nicht einmal die Hälfte der Zeit überdauert. Die Serie macht wirklich süchtig.

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Die zweite Staffel scheint anfangs andere Grundregeln aufzustellen, wie die erste: Veronica Mars ist nicht mehr die große Außenseiterin, sie gehört wieder mehr dazu. Damit konnte ich mich nicht so wirklich anfreunden, doch glücklicherweise entwickelt die wortgewandte Privatdetektivin schnell wieder Eigenständigkeit – und gewinnt damit neue/alte Feinde. Die erste Episode, die das Beziehungsgeflecht um Logan und Duncan aufdröselt empfand ich als einen wunderbaren Einstieg in die zweite Season: Man wurde mit den Veränderungen in Neptune bekannt gemacht und musste letztendlich doch nicht lange auf die Hauptplots der zweiten Staffel warten.

Im Gegensatz zur ersten Season wirkt der Handlungsbogen dieses Mal viel komplexer und undurchschaubarer. Es gibt zwei Hauptfälle, die eventuell zusammenhängen, dutzende Verdächte und allerlei episodenübergreifende Nebenplots. Dieser Umstand gefällt mir an sich recht gut, da die Einzelepisoden stark reduziert wurden und die Geschichte beständig vorangetrieben wird. Leider verzetteln sich die Autoren in den letzten Episoden etwas und es kommt zu Twists, die meiner Meinung nach etwas weit hergeholt sind und denen es an einer glaubwürdigen Motivation der Figuren mangelt. Hier hatte ich eine schlüssigere Auflösung erwartet.

In der Inszenierung und den grandiosen Dialogen – man muss die Schlagfertigkeit der Familie Mars einfach lieben – bleibt alles beim Alten. So soll es auch sein. Bei den Gastauftritten zeigt sich zudem der Beliebtheitsgrad der Serie: So darf man u.a. Kevin Smith und Joss Whedon bewundern. Auch der restliche Cast kann wieder durch die Bank überzeugen.

„Veronica Mars“ ist nach wie vor eine fantastische Serie. Im Vergleich zur ersten Staffel wurden Stärken ausgebaut, doch leider auch Schwachpunkte eingebaut. Man hat teils das Gefühl, dass die Autoren selbst etwas den Überblick verloren haben. Dieser Umstand mindert den Unterhaltungswert der Show keineswegs und ich weiß jetzt schon, dass ich nach der dritten Staffel bestimmt unter Entzugserscheinungen leiden werde: 9/10 Punkte.