Wild: Der große Trip – OT: Wild (2014)

Der erste Monat des Jahres ist vorüber. Es war ein beruflich sehr anstrengender Monat. Auf privater Seite hätten es gerne weniger Krankheitsphasen sein können. Immerhin habe ich fünf Filme gesehen, was zumindest ein Anfang ist. Also gleich weitermachen: Heute Abend fiel die Wahl mit „Wild: Der große Trip“ auf einen weiteren Wanderfilm. Ist das überhaupt ein Genre? Dies ist wohl auch ein Ausdruck davon, dass ich manchmal selbst einfach gerne draufloslaufen würde…

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Bei filmischen Selbstfindungstrips, die den Helden in die Wildnis führen, denke ich immer sofort an den großartigen „Into the Wild“ – und tatsächlich erinnert der namensverwandte „Wild“ in einigen Szenen durchaus an Sean Penns Meisterwerk. Auch hatte ich mich an „Dein Weg“ erinnert gefühlt, in dem auf dem Jakobsweg ebenfalls eine Eltern-Kind-Beziehung verarbeitet wird. Die Motive von „Der große Trip“ sind also nicht neu, doch wirklich eindringlich und sehr emotional erzählt, was wohl auch an der engen Beteiligung der echten Cheryl Strayed lag.

Nick Hornbys Drehbuch (genau, der Autor von „About a Boy“) bricht die Geschichte in unzählige kurze Rückblenden auf, die auch für uns Zuschauer wie spontane Erinnerungsschnipsel wirken. Ebenso werden Dialogzeilen, Zitate und Musikstücke eingebunden, die fragmentarisch entlang des Pacific Crest Trails verstreut wirken. Dadurch entfaltet der eigentlich sehr geradlinige Film (eben eine Reise von A nach B) eine ziemlich imposante Sogwirkung. Vergessen darf man auch nicht das famose Spiel Reese Witherspoons: Ihre gefallene Heldin ist völlig uneitel und doch wunderbar kraftvoll und bewahrt sich trotz ihrer Vergangenheit einen durchaus positiven Blick auf das Leben. Ich glaube ihr, dass diese Wanderung ihr Leben verändert.

Auch wenn „Wild“ nicht ganz an die vergleichbaren Filme heranreicht, so hat er mich doch tief bewegt und über zwei Stunden famos unterhalten. Auch mag ich die Idee sehr, dass man seine Vergangenheit durch solch eine Erfahrung verarbeiten kann und daran wächst. Letztendlich kann ich auf jeden Fall eine Empfehlung für all diejenigen aussprechen, die diesen Gedanken nachvollziehen können und selbst gerne in der Natur unterwegs sind: 8/10 Punkte.

The O.C. – Season 2

Gerade einmal zwei Wochen habe ich für meine Rückkehr nach Orange County benötigt. So schnell bin ich in letzter Zeit kaum durch eine Serie gesprintet. Bedeutet dies nun, dass „The O.C. – Season 2“ eine unfassbar herausragende Serie ist? Das leider nicht. Es zeichnet eher ein trauriges Bild von meinen momentanen Abenden. Die Arbeit ist fordernd, viele Familienmitglieder gesundheitlich angeschlagen und ich schlafe regelmäßig ab 21 Uhr auf dem Sofa ein – und für diese Konstellation ist „O.C., California“ wahrlich die perfekte Serie…

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Nachdem der Status quo am Ende der ersten Staffel ein wenig durcheinander gewürfelt wurde, befindet sich bereits in der zweiten Episode wieder (fast) alles beim Alten. Sowieso klar. Das ist auch gar nicht so schlimm, denn etwas anderes hätten wir Zuschauer ja eh nicht sehen wollen. Im Laufe der Staffel wird dieser Aspekt ganz meta auch von den Charakteren, allen voran Seth Cohen, aufgegriffen und kommentiert. In solchen Momenten macht mir die Serie unglaublich viel Spaß. Da kann ich auch gerne über das beständige Soap-Opera-Gefühl und das Auf und Ab der Beziehungen unserer Hauptfiguren hinwegsehen. Zudem hat die Serie in ihrem zweiten Jahr auch noch andere Highlights zu bieten.

Was Fall Out Boy für „One Tree Hill“ waren, sind Death Cab for Cutie für „The O.C.“ – kaum wurde ein Club als Schauplatz eingeführt, geben sich mehrere Indie-Bands die Klinke in die Hand. Na, wem kommt das bekannt vor? Mir scheint als hätten diese zwei parallel laufenden Teen-Dramen ziemlich exakt auf die gleichen Trends gesetzt, nur in unterschiedlicher Geschmacksrichtung. Funktioniert hat es auf jeden Fall und ich bin mir sicher, die popkulturelle Relevanz war einer der Erfolgsfaktoren für beide Serien. Auch heute ist das noch sehr angenehm zu schauen. George Lucas höchstpersönlich hat übrigens auch einen Gastauftritt.

Im letzten Drittel der Staffel driftet „The O.C.“ leider ziemlich ab. Die Geschehnisse werden immer übertriebener, Charaktere brechen aus ihren Rollen aus und das Drama wird auf unangenehme Art und Weise auf die Spitze getrieben. Irgendwie immer noch unterhaltsam, aber weit nicht mehr so gelungen, wie während der ersten 15 Episoden. Was man so liest, scheint es in der dritten Staffel leider so weiterzugehen. Dies stimmt mich nicht gerade positiv. Ich lasse mich überraschen: 8/10 (7.7) Punkte.

Manche mögen’s heiß – OT: Some Like It Hot (1959)

Ich sollte häufiger ins Theater gehen. Dadurch komme ich auch immer wieder dazu so manchen Filmklassiker nachzuholen. Vor ein paar Jahren hatte ich dies schon mit „Arsen und Spitzenhäubchen“ erlebt und nachdem ich gestern die Musical-Version gesehen hatte, wollte ich unbedingt den Vergleich zu Billy Wilders Original „Manche mögen’s heiß“ ziehen. Nach der Sichtung kann ich nur wieder feststellen, dass ich mich viel häufiger den Klassikern zuwenden sollte…

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Da die Musical-Fassung mit dem Titel „Sugar: Manche mögen’s heiß“ wohl nur den wenigsten bekannt sein dürfte, möchte ich gar nicht viele Worte dazu verlieren. Es sei nur soviel gesagt: Ich hatte meinen Spaß damit und sah Potenzial, dass eine filmische Inszenierung den Stoff noch einmal aufwerten könnte. Und so ist es tatsächlich. Es ist unglaublich, wie temporeich und gewitzt Billy Wilder diese Screwball-Komödie auf die Leinwand bringt. Die Actionszenen sind mitreißend und das Timing von Wortwitz und Slapstick absolut famos. Alles fügt sich zu einem runden Bild zusammen – und doch darf man nicht vergessen, dass der Film vor allem von seinen drei Hauptdarstellern getragen wird: Tony Curtis, Jack Lemmon und natürlich Marylin Monroe.

Tatsächlich musste ich während der Sichtung feststellen, dass dies wohl mein erster Film mit Marylin Monroe gewesen ist. Bisher kannte ich sie nur aus Dokumentationen und Geschichten, wie z.B. der Musical-Serie „Smash“, in denen sie als Ikone inszeniert wird. Sie passt perfekt in die Rolle der Sugar Kane ich kann gut verstehen, warum ihr Joe und Jerry (bzw. Josephine und Daphne) so schnell verfallen. Heutzutage wirken Travestie-Elemente in Komödien oft billig und sind ein Zeichen des flachsten Humors. In „Some Like It Hot“ dagegen macht dieser Themenschwerpunkt Sinn, sorgt für echte Lacher und ist wunderbar in die Geschichte eingewoben. Natürlich auch weil Tony Curtis und Jack Lemmon die beiden Damen einfach wunderbar mimen. Da kann sich so manche moderne Komödie die eine oder andere Scheibe abschneiden.

Ich bin wahrlich begeistert, wie frech und doch alles andere als platt Billy Wilder seine Geschichte erzählt. Ebenso davon wie ernst er seine Figuren trotz der irrwitzigen Ausgangssituation nimmt. Einfach famos. Auch habe ich mich gefreut, dass der Film bei Amazon Prime (im Gegensatz zu so manch anderen Filmen) tatsächlich im korrekten Bildformat (1,66:1) und im Orginalton läuft. Somit steht einer Sichtung, solltet ihr auch zu denjenigen gehören, die den Klassiker noch nicht kennen, nichts mehr im Wege. Also schleunigst anschauen, es lohnt sich: 9/10 Punkte.

BFG: Big Friendly Giant – Sophiechen und der Riese (Roald Dahl)

bgf-roald-dahl Seit ich Kinder habe sind etliche allabendliche Rituale entstanden. Eines der wichtigsten ist wohl das Vorlesen der Gutenachtgeschichte. Ich freue mich meist sehr darauf, weil dies einen ruhigen Abschluss des Tages bedeutet. Ohne Hektik und Streiterei. Meistens zumindest. Auch fällt diese Aufgabe mir zu, da ich die Kinder den ganzen Tag nicht sehe. Bisher haben wir eher kürzere Geschichten gelesen, doch nach dem Kinobesuch von „BFG: Big Friendly Giant“ mit dem Zappelinchen, habe ich direkt zur Vorlage gegriffen. Somit haben wir über die letzten Monate „BFG: Big Friendly Giant“ oder eben „Sophiechen und der Riese“ (so der eigentliche deutsche Titel) gelesen.

Da ich ab und zu doch länger arbeiten muss, hat sich das Buch ein wenig gezogen, weil meine Frau in Vertretung dankbarerweise zu einem anderen Vorlesebuch gegriffen hat. Nicht nur ich, auch meine Kinder werden Sophiechen und den GuRie nun vermissen. Der bekannte Kinderbuchautor Roald Dahl hat es mir als Vorleser sehr einfach gemacht in die unterschiedlichen Rollen zu schlüpfen und die Geschichte mit verschiedenen Stimmen zum Leben zu erwecken. Gerade die unter der Bezeichnung Gobblefunk bekannte Sprache der Riesen lädt zum Ausprobieren ein und ist so herrlich spielerisch, dass die Kinder öfter laut lachen mussten. Einzig die Passage, in der verschiedene Träume komplett in der falschen Sprache des GuRie beschrieben werden, fand ich ein wenig anstrengend.

Insgesamt ist Roald Dahls Buch ebenso wie Steven Spielbergs Verfilmung komplett auf Kinder ausgerichtet, bietet dabei aber dennoch die nötige Portion Spannung und Grusel. Das Ende ist in der Vorlage tatsächlich anders und hat mir besser gefallen als das der Adaption. Letztendlich kann ich „Sophiechen und der Riese“ nur empfehlen und werde Roald Dahl nun vermutlich öfter ins Spiel bringen, wenn es um neue Vorlese-Abenteuer geht: 8/10 Punkte.

Midnight Special (2016)

Nachdem ich letzte Woche Jeff Nichols „Take Shelter“ gesehen habe und davon begeistert war, stand heute mit „Midnight Special“ konsequenterweise der jüngste Film des Regisseurs  auf dem Programm. Wie in den Kommentaren zum Vorgänger bereits festgestellt wurde, gehen die Meinungen zu diesem Film deutlich weiter auseinander. Umso gespannter war ich also, wie er mir denn gefallen würde…

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Wie mir bereits von Flo Lieb prophezeit wurde, erinnerte mich „Midnight Special“ tatsächlich an Filme wie „Unheimliche Begegnungen der dritten Art“ und „E.T. – Der Außerirdische“. Darüber hinaus musste ich noch an weitere Filme der 80er Jahre denken, in denen Kinder und Außerirdische im Mittelpunkt stehen. Prominente Vertreter sind zum Beispiel „Der Große mit seinem außerirdischen Kleinen“ (mit Bud Spencer) oder „Der Flug des Navigators“. All diese Filme setzen auch stark auf Verfolgungen durch das Militär oder die Polizei und spiegeln somit die Kernelemente von Nichols‘ Film wieder. Das Finale hat mich wiederum an James Camerons „The Abyss“ erinnert, was auch nicht die schlechteste Referenz ist.

Im Mittelpunkt von „Midnight Special“ steht jedoch eine Familiengeschichte. Man kann den gesamten Film auch als Allegorie auf das Elternsein lesen. Kinder verändern sich, lösen sich irgendwann von der Familie und man ist als Elternteil machtlos und versucht dennoch sie bei ihrem Weg zu begleiten:

Alton: „You don’t have to worry about me.“
Roy: „I like worrying about you.“
Alton: „You don’t have to anymore.“
Roy: „I’ll always worry about you Alton. That’s the deal.“

Das ist wohl der Kern der Geschichte. Sicher nicht sonderlich innovativ, doch gerade im Verbund mit den fantastischen Elementen und der packenden Verfolgungsjagd ein emotionaler Kern, der einfach funktioniert. Besonders wenn man selbst Kinder hat.

Trotz aller positiven Elemente wirkt „Midnight Special“ ein wenig beliebig. Mir kam es teils so vor als hätte ich nur die letzte Doppelfolge einer TV-Serie gesehen. Das hat nicht zwangsweise damit zu tun, dass ich gerne jedes Geheimnis gelüftet gesehen hätte, doch bleibt auch so manche Beziehung unter den Charakteren ein wenig luftleer im Raum hängen. Hier hätte Nichols gerne ein wenig mehr in die Tiefe gehen können. Auch Adam Drivers NSA-Mann Sevier verkommt zum reinen Mittel zum Zweck. Hier wäre mehr möglich gewesen.

Insgesamt hat mich „Midnight Special“ sehr gut unterhalten und emotional gepackt. Dennoch ist es bisher der schwächste von Jeff Nichols‘ Filmen. Für mich hätte er vermutlich noch besser funktioniert, wenn das fantastische Element nicht komplett ausformuliert gewesen wäre und dafür die Charaktere mehr Aufmerksamkeit bekommen hätten. Doch auch in seiner jetzigen Form kann ich den Film allen Genre-Freunden nur ans Herz legen: 8/10 Punkte.

Ready Player One (Ernest Cline)

ready-player-one-coverAnfang September des letzten Jahres war ich auf der Suche nach einem neuen Buch und hatte nicht so recht Lust auf alles, was bei mir im Regal stand. Ich bin dann recht schnell über Ernest Clines „Ready Player One“ gestolpert, von dem ich schon einiges gehört hatte. Und was soll ich sagen? Bereits auf den ersten Seiten offenbarte sich, was ich mir erhofft hatte: Eine wunderbar erzählte Dystopie, die ihren Fokus nahezu komplett auf der Popkultur der 80er Jahre hat. Im November kam mir dann Jon Krakauers „In eisige Höhen“ dazwischen und hat meinen gesamten Herbsturlaub aufgefressen, weshalb sich mein Besuch in The OASIS noch ein wenig länger gestaltete als ursprünglich geplant.

Besonders spannend fand ich das Setting, in das Ernest Cline seinen Charakter Wade Owen Watts bzw. Parzival wirft: Es erinnerte mich tatsächlich sehr an jenes, welches ich mir für meinen Schreibversuch „Immersion: Das Erwachen“ ausgedacht hatte. Natürlich wirkt die virtuelle Welt hier viel verspielter und greifbarer, was umso erstaunlicher ist, setzt sie vollkommen auf popkulturelle Referenzen, die zudem noch verstärkt den 80er Jahren entliehen sind: Videospiele, Filme, Musik. Da ist alles dabei, was das Herz von uns Nerds erfreut. Dabei kam ich immer mal wieder an den Punkt, dass ich dachte nun würde es zu viel werden. Dem Autoren gelingt jedoch das Kunststück die popkulturellen Anspielungen gekonnt mit der originären Geschichte zu verknüpfen, ohne dass diese aufgesetzt wirken würden. Und das immer und immer wieder. Ein wahres Fest für alle Freunde der 80er Jahre.

Die Geschichte selbst ist recht geradlinig erzählt, setzt jedoch öfter einmal auf einen gewissen Überraschungseffekt, der vor allem den schier unendlichen Möglichkeiten von The OASIS entspringt. Gerade in Zeiten tatsächlich nutzbarer VR-Umgebungen sowie der ständigen Weiterentwicklung sozialer Netzwerke wirkt „Ready Player One“ in vielerlei Hinsicht fast schon prophetisch, wobei Ernest Cline eindeutig zu den idealistischen Zeitgenossen zählt. In Wirklichkeit werden wohl eher Konzerne wie das fiktive Unternehmen IOI die Macht über zukünftige Systeme dieser Art erlangen. Der Rubel muss ja schließlich rollen. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist der Roman erfrischend optimistisch, gerade in der heutigen Zeit.

Auch wenn „Ready Player One“ nicht bis ins letzte Detail perfekt erzählt ist, so hat er mich doch perfekt unterhalten. Ernest Cline macht dramaturgische Schwächen locker durch seinen Einfallsreichtum wett und zeigt uns eine der optimistischsten Dystopien, die es je in die Popkultur geschafft hat. Hinzu kommen die wunderbaren Anspielungen, die sich perfekt in die Handlung integrieren. Einfach ein Rundumschlag in jede nur erdenkliche Richtung. Wenn man das mag, dann bitte reinlesen – alle anderen dürfen ein bis zwei Punkte abziehen: 10/10 Punkte.

The O.C. – Season 1

Nachdem ich mit der sechsten Staffel von „Game of Thrones“ ein wahres Highlight abgeschlossen hatte, war ich ein wenig ratlos, was denn meine nächste Serie werden sollte. Also habe ich mein Regal durchstöbert und bin bei „The O.C. – Season 1“ hängen geblieben. Die Serie stand immerhin schon seit über zwei Jahren ungesehen (und noch in Folie verpackt) bei mir herum. Kann nicht angehen. Also gab es über die letzten Wochen ein wenig Kontrastprogramm und was soll ich sagen? Ich wurde tatsächlich erschreckend gut unterhalten…

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Mit der Sichtung von „One Tree Hill“ liegt meine letzte Begegnung mit einem Teen-Drama ziemlich genau ein Jahr zurück. Dies scheint mir auch ein guter Rhythmus für das Genre zu sein, wenngleich ich ohnehin glaube inzwischen alle relevanten Vertreter gesehen zu haben. Einzig eine Rückkehr zum Ursprung mit „Dawson’s Creek“ könnte ich mir noch vorstellen, doch befürchte ich einen akuten Nostalgie-Flash. Auch wenn „The O.C.“ oder „O.C., California“, wie der deutsche Titel der Serie lautet, schon zur nächsten Generation von Teen-Drama gehört, so haben sich die Themen doch nicht groß weiterentwickelt. Popkultur spielt eine größere Rolle und es gibt bereits einige Anspielungen, die auf der Metaebene funktionieren, zum Beispiel wird das Alter der Schauspieler thematisiert und ob diese noch glaubhaft Teenager verkörpern können.

„The O.C.“ ist 2003 zeitgleich mit der ersten Staffel von „One Tree Hill“ gestartet, weshalb es für mich spannend war zu sehen, inwiefern sich die Serien unterscheiden. Durch die oben genannten humoristischen Anklänge wirkt „O.C., California“ etwas moderner als das Pendant von The WB. Dennoch lässt sich auch hier nicht verheimlichen, dass seit der Erstausstrahlung bereits 14 Jahre vergangen sind. Natürlich stellt sich somit auch die Frage, ob eine Serie dieses Formats heute noch funktioniert, hatte ich ja selbst 2003 meine Teenager-Jahre schon hinter mir gelassen. Die Antwort ist einfach: Ja, auch heute weiß die Serie noch zu unterhalten. Sei es durch den Indie-Soundtrack, der auch meine Zwanziger geprägt hat, die Themen rund um Liebe und jugendlichen Leichtsinn, die nie alt werden, oder die Erzählstränge der Eltern, die uns einen Blick in die Oberschicht Kaliforniens werfen lassen – schon nach wenigen Episoden setzt der Soap-Opera-Effekt gnadenlos ein und man lässt sich von der Welt der Reichen und Schönen wunderbar einlullen.

Wenn man „The O.C.“ mit den Qualitätsserien vergleicht, wie wir sie heute gewohnt sind, dann fällt die Serie ein wenig aus der Zeit. Wenn man sich jedoch darauf einlässt und mit dem Genre generell etwas anfangen kann, dann macht Josh Schwartz‘ (u.a. „Chuck“) Serie auch heute noch unglaublich viel Spaß. Zudem funktioniert sie gerade in stressigeren Zeiten perfekt als eskapistisches Element am Ende eines langen Tages. Glaubt mir, ich habe es selbst ausführlich getestet: 8/10 (8.1) Punkte.

Take Shelter (2011)

Da wir gestern Abend mit den Kindern noch ins Hallenbad gefahren sind (ja, zurzeit sind tatsächlich einmal alle gesund), ist der Freitagsfilm ausgefallen. Heute jedoch war es dann soweit – und das war auch bitter nötig, denn in letzter Zeit sammeln sich viele neue Filme bei mir an. Die Wahl fiel heute auf „Take Shelter“, den ich schon länger auf dem Schirm habe. Immerhin konnte mich Regisseur Jeff Nichols mit „Mud“ extrem überzeugen und auch Michael Shannon und Jessica Chastain versprachen Großes…

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Zunächst einmal muss ich anmerken, dass ich es unfassbar finde, wie unglaublich schlecht das deutsche Verleih-Cover ist. Was habt ihr euch dabei nur gedacht, Ascot Elite? Das lässt den Film wie die letzte B-Movie-Produktion wirken. Aber egal. Soll der Gelegenheitskäufer im Elektrofachmarkt ruhig enttäuscht werden. Es kommt ja schließlich auf den Inhalt an und dieser ist wahrlich famos. Selten habe ich einen Film gesehen, der eine solch unfassbar dichte Atmosphäre heraufbeschwört. Ohne große Effekte, ohne aufgesetztes Drama oder Thriller-Elemente. „Take Shelter“ lebt von seinen Schauspielern und der ruhigen Erzählweise, die sich in der Kameraführung widergespiegelt. Dadurch entsteht eine Sogwirkung, der ich mich nur schwer entziehen konnte.

Neben dem auf den Punkt geschriebenen Drehbuch, ist es wohl vor allem Michael Shannon (Nelson Van Alden, „Boardwalk Empire“) zu verdanken, dass sein Charakter Curtis stets glaubhaft als liebevoller Familienvater und manisch Getriebener rüberkommt ohne dabei Sympathiepunkte zu einzubüßen. Eine großartige Leistung. Auch Jessica Chastain, die im gleichen Jahr auch für „The Tree of Life“ vor der Kamera stand, überzeugt als Ehefrau, die hinter ihrem Mann steht und das ohne jeglichen Realismus über Bord zu werfen. Jeff Nichols hatte hier wahrlich ein Händchen für die richtige Besetzung. Der Film ist voll von Andeutungen und Themen, die unaufdringlich mit der eigentlichen Handlung verknüpft werden. Das Finale ist einerseits mehrdeutig, anderseits aber auch klar in seiner Inszenierung und hat mich ein wenig an die letzten Minuten von „The Sopranos“ erinnert.

Ich bin begeistert und sicher, dass „Take Shelter“ bei mir noch lange nachwirken wird. Ebenso freue ich mich nun schon sehr auf Jeff Nichols „Midnight Special“, auch wenn dieser durchwachsene Kritiken bekommen hat. Filme wie diese sind es, die mich zum Filmfreund machen. Filme, wie man sie leider viel zu wenig sieht – und die deshalb umso wichtiger sind. Famose Unterhaltung, die zum Nachdenken anregt. Ich kann nur eine große Empfehlung aussprechen: 9/10 Punkte.

Game of Thrones – Season 6

Dank der neuen Veröffentlichungsstrategie von HBO bin ich schon Ende 2016 in den Genuss von „Game of Thrones – Season 6“ gekommen und nicht erst im zweiten Quartal 2017. Jetzt, da der Winter in Westeros angekommen ist, passt es natürlich auch perfekt, die Serie in der kalten Jahreszeit zu genießen. Für mich bedeutete die sechste Staffel auch erstmals ohne das Vorwissen der Bücher in die Geschichte einzusteigen, da „The Winds of Winter“ immer noch auf sich warten lässt. Wie dies zum Erlebnis beigetragen hat, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Wo soll ich nur anfangen? Nachdem ich bereits von der fünften Staffel extrem begeistert war, kennt mein Enthusiasmus nach den beiden finalen Episoden der sechsten Staffel kein Halten mehr. Das waren so ziemlich die besten zwei Stunden Unterhaltung, die ich je im TV-Format gesehen habe – zumindest in diesem Maßstab. Aufgrund meiner nahezu parallelen Sichtung von „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ waren mir dessen Schlachtszenen noch bestens im Gedächtnis – und was man in „Battle of the Bastards“ zu sehen bekommt steht diesen in nahezu nichts nach. Wirklich beeindruckend, wie weit das Format der TV-Serie inzwischen gekommen ist. Doch diese vorletzte Episode ist noch nicht das Highlight, feuert die Serie mit „The Winds of Winter“ ein wahres Feuerwerk an Wendungen, Entwicklungen und extrem mitreißenden Szenen ab, so dass ich am Ende nur noch grinsend auf dem Sofa saß.

Und davor? Jeder Handlungsstrang wird sorgfältig und konsequent weiterentwickelt. Es gibt Todesfälle und Rückkehrer. Einblicke in die Vergangenheit und Vermutungen, was die Zukunft für unsere Charaktere bereithält. Die Inszenierung ist nach wie vor auf extrem hohem Niveau und die knapp 10 Stunden sind wie im Flug vergangen. Die Nachricht, dass die kommenden zwei Staffeln nur noch jeweils sieben Episoden beinhalten sollen, stimmt mich nicht gerade hoffnungsvoll. Ich bin mir jedoch sicher, dass die Showrunner die Geschichte in Absprache mit George R. R. Martin noch sinnvoll zu Ende führen werden. Wohin sich „A Song of Ice and Fire“ in den letzten beiden Staffeln noch entwickeln wird, sollte spätestens nach der Enthüllung rund um Jon Snow in „The Winds of Winter“ klar sein – und ich freue mich extrem darauf.

Für mich war die sechste Staffel von „Game of Thrones“ erneut ein Serien-Highlight. Speziell das Finale ist unglaublich episch und sorgt für eine wahrlich spannende Ausgangssituation, was die Weiterführung der Geschichte angeht. Ich kann es jetzt schon kaum erwarten und beneide jeden, der in drei Jahren die Möglichkeit haben wird die ganze Serie zum ersten Mal an einem Stück zu sehen: 10/10 (9.7) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Vaiana: Das Paradies hat einen Haken – OT: Moana (2016)

Ich habe „Vaiana: Das Paradies hat einen Haken“ am 6. April 2019 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Wie bereits in der Besprechung des Vorfilms „Inner Workings“ geschrieben, hat es mich am vorletzten Urlaubstag doch noch einmal ins Kino verschlagen. Davor hat es aus verschiedenen Gründen nicht geklappt (selbst „Rogue One: A Star Wars Story“ ging an mir vorüber) und auch der heutige Besuch hing am seidenen Faden: Man sollte sein Auto nicht zwei Wochen unbewegt lassen, wenn es um die -20 °C hat. Lange Rede, kurzer Sinn: Dank Ladegerät für die Autobatterie und gnadenlosem Optimismus haben wir uns dann doch aufgemacht, um „Vaiana: Das Paradies hat einen Haken“ zu sehen…

Vaiana: Das Paradies hat einen Haken (2016) | © Walt Disney

Vaiana: Das Paradies hat einen Haken (2016) | © Walt Disney

Von dem jüngsten Film der Walt Disney Animation Studios hatte ich im Vorfeld viel Gutes gehört, dabei war ich anfangs noch skeptisch, hat mir alles doch zu sehr nach „Die Eiskönigin“ im Inselreich Polynesiens ausgesehen. Eine Prinzessin, ein lustiger Sidekick, Tiere und Gesang. Ich mag diese klassische Disney-Formel ja, doch ob ich dafür einen der seltenen Kinobesuche opfern sollte? Es lief aber auch nichts anderes, was für das Zappelinchen passend gewesen wäre und nachdem wir beim letzten Kinobesuch mit „BFG: Big Friendly Giant“ einen Realfilm ausprobiert hatten, war es durchaus angebracht sie in die Welt des animierten Kinos zu entführen. Dazu kam erstmals das 3D-Erlebnis, was bei meiner Kleinen für so allerlei Verwirrung sorgte. Warum jetzt die Brillen? Gute Frage, geliebte Tochter!

Tatsächlich ist „Moana“ (der Titelwechsel im Deutschen ist wieder einmal sehr befremdlich) ein klassischer Disney-Märchenfilm. Die Struktur ist klassisch, die Geschichte auch und doch wusste mich das Südseeabenteuer zu überraschen. Wie Pixar mit „Merida“ bereits vorgemacht hat, ist auch Vaiana alles andere als die klassische Prinzessin. Nein, sie ist die Tochter des Stammeshäuptlings. Und ja, sie widersetzt sich natürlich den Wünschen ihres Vaters. Sie ist ein starker Charakter, der sich niemandem unterordnet und selbst den vor Selbstbewusstsein strotzenden Halbgott Maui in die Schranken weist. All das mag ein wenig, nun ja, gewollt wirkten, doch ist es kraftvoll und glaubwürdig inszeniert. Ja, Vaiana (oder Moana) ist eine tolle Figur und es macht Spaß, sie bei ihren Abenteuern zu begleiten.

Audiovisuell ist der Film eine Bombe. Gerade wenn man die zurzeit herrschenden Außentemperaturen im zweistelligen Minusbereich bedenkt, war es eine Freude die kunterbunte Inselwelt zu besuchen. Ich mochte auch die Songs, wenngleich der deutsche Text manchmal schon schmerzhaft mit der Brechstange ins Reimschema gepresst wirkte. Da erhoffe ich mir von der englischen Originalversion noch einmal deutlich mehr. Das Wichtigste jedoch: Mein Zappelinchen war begeistert, hat sich an den richtigen Stellen vor Lachen weggeschmissen und an anderen ehrfürchtig Fragen zur Handlung gestellt. So muss das sein.

Fazit

Für mich war „Vaiana: Das Paradies hat einen Haken“ eines der kurzweiligsten Filmerlebnisse, an das ich mich erinnern kann. Die knapp zwei Stunden vergingen wie im Fluge und ich hätte mich gerne noch länger auf Motunui aufgehalten. Das Beste kam jedoch zum Schluss: Mein Auto ist danach ohne Probleme angesprungen. Somit wird mir der Kinobesuch als nahezu perfekter Abschluss des Weihnachtsurlaubs 2016/2017 in Erinnerung bleiben: 9/10 Punkte.