Angel – Season 4

Die letzten Urlaubstage habe ich noch einmal zur exzessiven Seriensichtung genutzt und damit „Angel – Season 4“ abgeschlossen. Damit nähert sich erneut eine Show viel zu schnell ihrem Finale, doch gerade bei solch großartiger Unterhaltung fällt Abwarten eben schwer.

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Die Staffel beginnt relativ unspektakulär mit der Auflösung des Cliffhangers aus Season 3. Daraufhin folgt die Suche nach Cordelia, welche ebenso undramatisch beendet wird. Mit ihrer Rückkehr zieht auch das Unbehagen ein: Seltsame Charaktereigenschaften und fast schon nervige Handlungsstränge beginnen sich zu entwickeln. Als zur Staffelmitte die Geschichte kippt, macht plötzlich alles auf grausame Weise Sinn. Bis es dann richtig in die Vollen geht gibt es noch ein Wiedersehen mit Angelus, Faith und Willow – alles Zusammentreffen, die einen Whedonite wirklich glücklich machen!

Das über beinahe ein Viertel der Staffel gestreckte Finale rund um Jasmine bildet letztendlich den krönenden Abschluss. Gina Torres (Zoe, „Firefly“„Serenity“) überzeugt hier als hinterhältiges gottähnliche Wesen, welches die gesamte Menschheit zu manipulieren versucht. Schön ist hier besonders der Alleingang von Fred zu beobachten. Auch der finale Twist der Staffel ist gar wunderbar und zeigt einmal wieder, dass es im Buffyverse keine klaren Grenzen gibt, sondern sich alle Figuren in einer Grauzone bewegen.

Die letzte Episode lässt große Veränderungen erahnen und ich bin wirklich mehr als nur gespannt, wie diese umgesetzt werden. Sorgen mache ich mir jedoch keine, da vertraue ich einfach Joss Whedon, der jede Veränderung als Weiterentwicklung sieht und die Serie somit nicht Gefahr läuft der Stagnation zu erliegen. Ganz großes Kino: 9/10 Punkte.

The IT Crowd

Lange Zeit ist die Serie an mir vorbeigegangen – und das obwohl ich die DVD der ersten Staffel schon vor über einem Jahr gekauft habe. Nun bin ich süchtig nach „The IT Crowd“ und fast entsetzt, wie schnell ich mit den Folgen durch war. Bloody brilliant!

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Diese britische Comedy unterscheidet sich doch gewaltig von ihren amerikanischen Zeitgenossen. Anfangs dachte ich noch mich erwartet ein zweites „The Big Bang Theory“, doch weit gefehlt: Gegen die Nerds von der Insel erscheinen selbst Sheldon und Co. noch relativ normal. Man muss sich als Zuschauer erst einmal an den abgedrehten Humor gewöhnen, der oft wirklich jeder Beschreibung spottet. Ist man dem wilden Treiben jedoch erst einmal in die Falle gegangen gibt es kein zurück mehr. Ich kann mich wahrlich nicht daran erinnern, das letzte Mal bei einer Show so laut gelacht zu haben!

Die erste Staffel ist wie gesagt noch etwas gewöhnungsbedürftig in Sachen Humor. Ebenso bremst die Begrenzung der Location auf das IT Büro das Geschehen etwas aus, dennoch zeigt sich schon früh das große Potential der Serie. Mit Beginn von Staffel zwei gibt es einen enormen Qualitätsschub, was besonders der Erweiterung von Roy und Moss‘ Lebensraum zu verdanken ist. Erlebnisse in der normalen Welt sind für die beiden sympathischen Nerds doch stets ein großes Abenteuer – und für den Zuschauer ein Pool nie enden wollenden Humors.

Die dritte Staffel kann die an sie gestellten Erwartungen voll und ganz erfüllen und überzeugt mit einer guten Mischung aus abgedrehten Geschichten (besonders um Douglas Renholm) und nerdigen Gags (Jen und das Internet). Dank der geringen Anzahl von sechs Episoden pro Staffel machen sich absolut keine Längen bemerkbar und ich fange schon jetzt an die IT Abteilung von Renholm Industries zu vermissen. Simply marvelous: 9/10 Punkte.

Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia – OT: The Chronicles of Narnia: Prince Caspian (2008)

Aktualisierung: Ich habe „Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia“ am 16. Dezember 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern Abend haben wir in gemütlicher Runde den zweiten Teil der C. S. Lewis-Saga „Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia“ gesehen. Nach der verpassten Kinosichtung war ich wirklich sehr gespannt auf den Film zumal man überall lesen konnte, dass die Fortführung der Geschichte dem Vorgänger doch deutlich überlegen sein soll.

Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia (2008) | © Walt Disney

Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia (2008) | © Walt Disney

Mit der Verfilmung des ersten Buches „Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia“ verbinde ich stets eine heimelige Winteratmosphäre und das magische Gefühl des Aufbruchs in eine neue Welt. Ansonsten war mir der Film über weite Strecken zu unausgewogen und teils auch zu absurd – ich denke hier z.B. an den Weihnachtsmann mit seinen Waffen. Dennoch hatte mich der Film sehr gut unterhalten und die Vorfreude auf eine Rückkehr nach Narnia ist in der Zwischenzeit enorm gewachsen. Konnte die Fortsetzung nun die an sie gestellten Erwartungen erfüllen?

Eindeutig ja. Die Geschichte wirkt knackiger, die Figuren fühlen sich ausgearbeiteter an – was wohl auch daran liegt, dass man als Zuschauer nun ihren Hintergrund kennt – und die Inszenierung ist um einiges handfester. Ich war wirklich hocherfreut, wie gut der Film von Beginn an für mich funktioniert hat. Bereits die Einführung ins neue Herrschaftssystem von Narnia hat mir sehr gut gefallen. Düstere Bilder. Eine mitreißende Flucht. Zwerge. Was will man mehr?

Die Rückkehr der Geschwister wird anschließend ebenso wunderbar visualisiert und man bekommt mit der Ankunft in Narnia noch so einige optische Leckerbissen serviert. Natürlich dürfen auch die sprechenden Tiere wieder nicht fehlen, die den Niedlichkeitsfaktor doch extrem auf ihrer Seite haben – und diesen auch gekonnt ausreizen. Macht Spaß und passt zu dieser Welt.

Im weiteren Verlauf kann auch die Handlung überzeugen. Mein persönliches Highlight war die kurzzeitig drohende Auferstehung der Weißen Hexe. Sehr atmosphärisch und eine schöne Brücke zum ersten Teil. Leider jedoch versinkt der Film gegen Ende etwas im eigenen Schlachtengetümmel. Die Kämpfe dauern einfach zu lang und wirken im Vergleich zu „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ einfach schwach und zu sehr auf ein junges Publikum zugeschnitten. Als dann noch die Bäume aufwachen und der reißende Fluss die feindlichen Reiter verschlingt, musste ich öfter an eine dreiste Kopie denken, was man dem Film natürlich aufgrund der Vorlage nicht anlasten sollte. Dennoch hat es mich doch sehr gestört. Ebenso wie Aslans Auftauchen in letzter Sekunde. So bleibt am Ende leider ein etwas schaler Beigeschmack.

Fazit

„Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia“ ist über weite Strecken ein famoses Fantasyspektakel, welches seinen Vorgänger in beinahe allen Belangen zu übertrumpfen vermag. Leider bricht die Handlung gegen Ende enorm ein und weist in Bezug auf das Genre vermehrt störende Redundanzen auf. Insgesamt eine Steigerung, aber kein wirklich großer Schritt nach vorne. Auf einen dritten Teil freue ich mich nun dennoch: 7/10 Punkte.

Buffy: The Vampire Slayer – Season 8: Wolves at the Gate

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Nach einer nur kurzen Pause geht es mit „Buffy: The Vampire Slayer – Season 8: Wolves at the Gate“ zurück ins Buffyverse. Stand Faith in „No Future for You“ noch im Zentrum der Geschehnisse, wird im aktuellen Teil endlich einmal wieder Xander eröhte Aufmerksamkeit zuteil: Er darf seinen alten Meister Dracula besuchen und ihn zum Bündnis mit den Slayern überreden. Klingt nach Spaß, ist es größtenteils auch.

Zu Beginn des Sammelbands gibt es mit „A Beautiful Sunset“ eine nette Einzelepisode, in der Buffy endlich auf Twilight trifft und in der ihr eine Slayerin ihre Liebe gesteht. Viel mehr passiert nicht. Doch wie das wenige passiert ist wirklich genial und ich hätte es zu gern im Rahmen einer TV-Episode gesehen. Ebenso wie die vierteilige Hauptgeschichte „Wolves at the Gate“, die mit einer wahrlich schockierenden Szene für alle Beteiligten beginnt: Buffy und Satsu landen zusammen im Bett. Anfangs dachte ich mir, dass Whedon bzw. Goddard – bedenkt man Willow und Tara – nun langsam die Ideen ausgehen, doch dank der herrlichen Inszenierung dieses Outings war das Manko der Redundanz schnell vergessen.

Im weiteren Geschehen überzeugte mich vor allem Xanders Zusammentreffen mit Dracula samt aller daraus entstehenden komischen Verwicklungen. Die große Schlacht um die/den Scythe ist letztendlich zwar nett anzusehen, doch funktionieren so groß angelegte Actionsequenzen für mich in Comicform leider nicht allzu gut. Dennoch eine toller Handlungsbogen mit netten Einzelszenen!

„Wolves at the Gate“ ist eine gelungene Fortführung der Geschichte, jedoch wünschte ich mir mehr persönlichere Szenen und weniger Bombast. Da der nächste Teil wohl noch länger auf sich warten lässt, gibt es erst einmal eine kleine Pause – und vielleicht wird der nächste Comic dann doch der erste Band von „Angel: After the Fall“? Dieses Buffy-Abenteuer ist für Whedon-Fans auf jeden Fall Pflicht: 8/10 Punkte.

Tintenherz – OT: Inkheart (2008)

Als großer Freund von Cornelia Funkes Fantasytrilogie – die Romane „Tintenherz“, „Tintenblut“ und „Tintentod“ umspannend – war ich hocherfreut, als ich von einer Verfilmung las. Iain Softley sollte sich der Geschichte annehmen, welcher sein Können bereits mit dem wunderbaren Sci-Fi-Drama „K-PAX“ unter Beweis stellen konnte. Als ich dann noch las, dass sich Frau Funke ein Mitspracherecht bei der Adaption ihres „Tintenherz“ gesichert hat, dachte ich es könne nichts mehr schief gehen. Dann wurde der Kinostart in den letzten zwei Jahren immer wieder verschoben – was nie ein gutes Zeichen ist – und der finale Trailer sah mir zu sehr nach Effektspektakel aus. Konnte die Verfilmung die Magie der Vorlage nun in irgendeiner Form auf die Leinwand bannen?

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Jein. Mit Tendenz zum Nein. Leider. Bereits in den ersten Minuten dachte ich einem schlechten Scherz beizuwohnen. Da wird doch tatsächlich das große Geheimnis, diese magische Eigenschaft des Vorlesens in einem billigen Epilog völlig entzaubert. Zack. Es gibt Zauberzungen, die Figuren aus Büchern herauslesen können. Zack. Hier bitte. Friss oder stirb. Im nächsten Moment befinden wir uns mit Mo und Meggie – den beiden Hauptfiguren – auf einem schön gestalteten Buchmarkt und prompt stolpert ihnen Staubfinger vor die Füße. Zack. Damit wurde eine meiner Lieblingsszenen der Vorlage entzaubert. Wie Staubfinger als düstere Gestalt im Regen vor dem Haus der Folcharts steht. Einfach in eine plumpe Begegnung gewandelt. Hier hatte ich bereits alle Hoffnung aufgegeben.

Glücklicherweise sind die Figuren recht gut getroffen. Besonders die Besetzung kann überzeugen. Brendan Fraser gibt einen wunderbaren Mo, der tatsächlich dem Buch entsprungen sein könnte. Auch Paul Bettany als Staubfinger gefällt, ebenso Hellen Mirren als Tante Elinor und Jim Broadbents Fenoglio ist herrlich kauzig. Selbst Andy Serkis hat als Capricorn seine Momente, wenngleich ich bei seiner Performance öfter mal an Gollum denken musste. Einzig Meggie und Farid fand ich zu alt gewählt. So hätte ich mir beide Figuren vielleicht am Ende von „Tintentod“ vorgestellt. Aber nun gut, das mag Interpretationssache sein.

Neben den Figuren können auch die Locations überzeugen. Capricorns Dorf ist sehr atmosphärisch und auch Elinors Anwesen atmet den Staub ihrer Bücher. Nach dem unverzeihlichen Einstieg in die Geschichte konnte ich teils sogar die Vorlage vergessen und mich völlig auf den Film einlassen. Der Mittelteil ist auch der brauchbarste der Umsetzung, wenngleich ich die Flucht unserer Helden durch die italienische Berglandschaft schwerlich vermisst hatte. Hier fehlen viele charakterbildende Momente und wenn ich denke, dass diese nur schnöden Actionszenen gewichen sind frage ich mich tatsächlich, wo denn Frau Funke bei solchen Entscheidungen war.

Das Finale ist zwar optisch imposant, jedoch gibt es auch hier unzählige grobschlächtige Änderungen, die es nicht benötigt hätte. Ich kann natürlich nachvollziehen, dass man dem Film einen anständigen Abschluss spendieren wollte, doch muss dieser so aufgesetzt und der Vorlage völlig entrückt wirken? Wirklich schade, dass besonders die wichtigen ersten und letzten Eindrücke so vermasselt wurden.

Für neue, unbefangene Besucher der Tintenwelt bietet „Tintenherz“ wohl einen gelungenen Ausflug in die Welt der Bücher und Zauberzungen. Es sind auch alle wichtigen Eckpfeiler der Geschichte vorhanden. Doch das, was die Magie ausmachte – die Charaktere und ihre vielschichtigen Beziehungen zueinander – bleibt auf der Strecke. So hatte ich bei der gestrigen Sichtung zwar durchaus meinen Spaß, doch musste ich zu oft an die verschenkten Chancen denken. Letztendlich bleibt ein durchschnittlicher Fantasyfilm, den ich stets mit Wehmut betrachten werde: 5/10 Punkte.

Schnappt Shorty – OT: Get Shorty (1995)

Die 90er Jahre standen für mich vor allem im Zeichen des postmodernen Gangsterfilms. Coolness, lässige Sprüche und stilisierte Gewalt. Mit „Pulp Fiction“ begann meine Liebe zum Kino und jeder Film, der sich auch nur annähernd in das Genre zwängen ließ, wurde mit Hingabe konsumiert. Aus dieser Zeit stammt auch Barry Sonnenfelds unglaublich entspannte Hollywoodsatire „Schnappt Shorty“, welche ich damals wohl bei jeder einzelnen TV-Ausstrahlung angesehen habe. Umso schöner, dass der Film auch heute noch zu überzeugen weiß. getshorty4 „Schnappt Shorty“ war die erste der drei großen Elmore Leonard-Verfilmungen der 90er Jahre und wohl auch stilprägend für die lockerlässige Darstellung der Gangster. Natürlich wäre diese ohne Quentin Tarantinos „Pulp Fiction“ so nicht möglich gewesen, doch sollte man nicht vergessen, dass dessen Meisterwerk wiederum von Elmore Leonards Romanen beeinflusst wurde. Einige Jahre später sollte Tarantino mit „Jackie Brown“ schließlich selbst eine Geschichte des Autors umsetzen. 1998 feierte Steven Soderbergh mit „Out of Sight“ einen großen kommerziellen Erfolg und beendete damit die inoffizielle Gangstertrilogie nach der Vorlage Leonards. Barry Sonnenfeld hat „Schnappt Shorty“ in sonnendurchfluteten, lässigen Bildern inszeniert. John Travolta gibt Chili Palmer so cool, dass es eine wahre Freude ist. Danny DeVito spielt mit herrlicher Selbstironie und Gene Hackman ist als abgehalfteter B-Movie-Produzent die perfekte Besetzung. Der Cast ist wahrlich famos und die verzwickte – aber nicht wirklich komplizierte – Handlung erlaubt allen Darstellern zur Höchstform aufzulaufen. Von allen drei Verfilmungen ist „Schnappt Shorty“ wohl die seichteste. Die Charaktere sind nicht so fein herausgearbeitet, wie z.B. in „Jackie Brown“ – doch das macht nichts. Als cooler Gangsterfilm und oberflächliche Hollywoodsatire funktioniert Sonnenfelds Adaption tadellos. Mehr wäre hier wohl auch zuviel gewesen.

Fazit

„Schnappt Shorty“ bietet nach wie vor grandiose Unterhaltung und ist seinem – von mir damals viel zu gut bewerteten – Nachfolger „Be Cool“ meilenweit überlegen. Immer wieder gerne gesehen: 8/10 Punkte.

Replay – Das zweite Spiel (Ken Grimwood)

replayAls ich mich vor Weihnachten nach neuem Lesestoff umsah, blieb mein Blick an „Replay – Das zweite Spiel“ hängen. Warum kann ich nicht mehr genau sagen. Letztendlich habe ich wohl einen genaueren Blick riskiert, da ich einmal wieder etwas anderes als einen typischen Thriller oder Fantasyroman lesen wollte. Die Inhaltsangabe hat mich dann schließlich so neugierig gemacht, wie es schon lange keine Geschichte mehr vermochte.

Wie vermutlich jeder Mensch stelle ich mich manchmal die Frage: ‚Was wäre wenn?‘ Was wäre wenn ich etwas anderes studiert hätte? Was wäre wenn ich in eine andere Stadt gegangen wäre? Die Möglichkeiten sind endlos. Was wäre wenn ich mein Leben noch einmal Leben könnte? Würde ich andere Entscheidungen treffen? Würden diese Entscheidungen besser oder schlechter sein? Wie gerne würde ich vor großen Entscheidungen den aktuellen Stand meines Lebens speichern, um danach eine neue Chance zu erhalten. Ken Grimwoods Roman nimmt sich all dieser Fragen an und bietet einen faszinierenden Einblick in die Welt der anscheinend unendlichen Möglichkeiten.

Die Hauptfigur Jeff Winston stirbt im Jahre 1988 an einem Herzinfarkt, nur um Bruchteile einer Sekunde später 1963  in seinem noch jugendlichen Körper wieder aufzuwachen. Die Geschichte begleitet Jeff nun dabei, was er mit seinem Wissen über die Zukunft anstellt. Wie er auf Ereignisse der Zeitgeschichte (John F. Kennedys Ermordung, Unglücke, Kriege usw.) reagiert und ganz besonders wie sich seine Persönlichkeit entwickelt. Schon bald wird klar, dass Jeff sein Leben nicht nur einmal wiederholt. Er scheint in einem unendlichen Kreislauf gefangen, der – anders als  z.B. in dem durch „Replay“ inspirierten Film „Groundhog Day“ – eine Zeitspanne von ca. 25 Jahren umfasst.

Als Leser begleiten wir Jeff nun auf unzähligen Wiederholungen und stellen fest, dass es neben ihm noch andere gibt. Hier wird die Geschichte nun richtig interessant und Themen wie Verlust, persönliches Glück und Liebe bekommen einen ganz neuen Stellenwert. Glücklicherweise driftet die Geschichte nie in klassische Sci-Fi-Themen ab und bietet technische Erklärungen o.ä. Stets steht der Mensch mit seinen Sorgen und Hoffnungen im Vordergrund. Selten habe ich traurigere Zeilen gelesen, selten hoffnungsvollere. Die Geschichte von Jeff und Pamela – die ebenfalls eine Wiederholerin ist – hat mich zutiefst berührt und ich konnte das Buch nach dem Beenden nur schwer aus der Hand legen.

Ken Grimwoods „Replay – Das zweite Spiel“ ist oberflächlich gesehen ein Sci-Fi-Roman, doch behandelt er eher existenzielle Themen, die uns alle im Innersten bewegen. Ich bin schwer beeindruckt und kann mit Gewissheit sagen, dass „Replay“ der beste Roman ist, den ich gelesen habe seitdem ich dieses Blog führe. Vielleicht sogar einer der besten überhaupt. Die größte Empfehlung: 10/10 Punkte.

Australia (2008)

Als ich damals in der Schule erklärte, dass mir Baz Luhrmanns Verfilmung von „Romeo + Juliet“ außerordentlich gut gefällt wurde ich belächelt. Auch wenn ich heute erwähne, dass „Moulin Rouge“ zu meinen absoluten Lieblingsfilmen zählt werde ich oft noch schief angesehen. Mir fällt es leicht mich von Luhrmanns konstvoll inszeniertem Kitsch einfangen zu lassen. So hätte es wohl auch kein anderer Regisseur geschafft, mich mit der Prämisse von „Australia“ ins Kino zu locken. Ein schwülstiger Liebesfilm vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs. Doch „Australia“ ist so viel mehr.

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Wenn man ein Epos mit einem Titel wie „Australia“ dreht, dann schürt man gewisse Erwartungen. Wenn man dann noch ein dunkles Kapitel der australischen Geschichte aufschlägt und es in die romantische Abenteuerhandlung einbettet, dann wird dem Film eine zusätzliche Bedeutung verliehen. Warum die unterschiedlichen Ansätze dennoch so gut zusammenspielen liegt wohl zu großen Teilen auch an der Erzählperspektive des Films: Erzählt werden die Ereignisse von Nullah. Nullah ist ein Kind, das zwischen den Welten aufwächst. Nicht Aborigine. Nicht Weißer. Dass er dennoch selbstbestimmt sein Leben führen kann, davon handelt dieser Film. Diese Geschichte, die man am besten selbst mit großen Kinderaugen betrachtet.

„Australia“ lebt von seinen Bildern. Weite Ebenen. Rauhe Felsen. Grüne Landstriche. Hier läuft der Film wirklich zu seiner Höchstform auf – und erliegt gleichzeitig seiner größten Schwäche. Manche Einstellungen erscheinen so zauberhaft erhöht, dass deren künstlicher Ursprung zu sehr in den Vordergrund tritt. Auch einige Actionszenen können ihren artifizielle Entstehung nicht verbergen, was mir teils wirklich bitter aufgestoßen ist. Hier fühlte ich mich oft aus dem Film herausgerissen, was schade ist da ich Luhrmanns Intention Australien als beinahe schon magischen Kontinent darzustellen durchaus verstehen kann.

Im weiteren Verlauf der Handlung konzentriert sich die Geschichte verstärkt auf das Kriegsgeschehen, was ich teils auch zuviel des Guten fand. Aber das ist wohl Geschmackssache. Insgesamt kann man sich sowieso glücklich schätzen, dass es Luhrmann gelang die doch sehr begrenzte Handlung ohne gefühlte Längen auf zweieinhalb Stunden zu dehnen. Es ist wohl auch ein Verdienst der Schauspieler, die ihre beinahe schon naiven und klischeehaften Charaktere so wundervoll ausfüllen, dass es auch am Ende des Films noch Freude macht ihnen zuzusehen. Eine tolle Leistung von Nicole Kidman, Hugh Jackman und ganz besonders auch Brandon Walters.

Für mich ist „Australia“ der wohl schwächste von mir gesehene Film des Regisseurs. Vielleicht waren meine Erwartungen nach „Moulin Rouge“ auch nur zu hoch. Wirklich enttäuscht bin ich dennoch nicht, hat mich der Film doch exzellent unterhalten und tatsächlich etwas Fernweh in mir ausgelöst. Wer eine rührende, klassische Abenteuerromanze mit historischen Hintergrund sehen möchte, dem kann ich „Australia“ nur ans Herz legen: 8/10 Punkte.

Angel – Season 3

Nachdem mir Joss Whedons Spin-off während seiner zweiten Staffel wirklich ans Herz gewachsen ist, macht „Angel – Season 3“ alles richtig damit es auch so bleibt. Es ist schön, wenn Serien es schaffen die an sie gekoppelte Erwartungshaltung zu übertreffen.

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Nach der Rückkehr aus Lornes Heimatwelt geht das Leben für Angel und seine Crew auch in Los Angeles turbulent weiter, denn nicht nur Fred bringt neues Leben in die Bude. Als Darla mit Angels Nachwuchs auftaucht und aus unserem Lieblingsvampir einen Vater macht, überschlagen sich die Ereignisse. Die Staffel endet in einem fiesen Cliffhanger, welcher nicht nur den weiteren Weg der Charaktere in Frage stellt, sondern besonders ihre Beziehungen zueinander.

Um Beziehungen geht es in der gesamten Staffel. Fred entscheidet sich zwischen Wesley und Gunn. Wesley zwischen Connor und Angel. Cordelia zwischen ihrer Vergangenheit – in Form des Groosalugg – und Angel. Die Beziehungen sind stets im Umbruch. Selbst die schwangere Darla erfährt noch eine wichtige Wandlung und selbst der Bösewicht der Staffel ist nicht so leicht zu durchschauen, wie anfangs gedacht. Am schwersten trifft es aber wohl Wesley und ich bin sehr gespannt, wie sich dieser Handlungsstrang weiter entwickeln wird.

Von der Stimmung her gesehen schließt die dritte Staffel direkt an die vorhergehende an. Angel wird immer menschlicher, wenngleich gegen Ende seine düsterste Seite zum Vorschein kommt. Cordelia dagegen wandelt sich zum beinahe schon engelsgleichen Wesen, was für die weitere Beziehung der beiden Figuren eine interessante Ausgangslage ist. Allein Wesley wandelt  einsam in der Finsternis.

Die dritte Staffel der Vampirsaga führt den eingeschlagenen Weg beinahe bis zur Perfektion fort. Ich kann wirklich kaum mehr Kritikpunkte finden und muss zugeben, dass „Angel“ seine Mutterserie in großen Teilen schon übertrumpft. Famos. So kann es von mir aus gerne weitergehen: 9/10 Punkte.

Californication – Season 2

Aktualisierung: Ich habe „Californication“ erneut gesehen und am 28. Januar 2025 komplett besprochen (hier geht es zur aktuellen Besprechung). Nachdem ich letzte TV-Saison sehr angetan von Showtimes neuestem Seriencoup war, konnte ich eine Rückkehr zu Hank Moody und Co. in „Californication – Season 2“ kaum ewarten. Glücklicherweise geht es kaum verändert und doch ganz anders weiter, als ich nach der ersten Staffel erwartet hätte.
Californication | © Showtime

Californication | © Showtime

Das scheinbar sorglose Glück im Leben des kalifornischen Autors ist – wie zu erwarten – nur von kurzer Dauer. Insofern geht seine turbulente Beziehung zu Karen wie gewohnt in die nächste Runde. Man liebt sich, man streitet sich. Man findet trotz allem doch immer wieder zueinander. Hanks Tochter Becca beginnt eine Beziehung, was den Vater auf eine harte Probe stellt und für so allerlei komische Szenen sorgt. Soweit so unspektakulär unterhaltsam. Wirklich klasse wird die Staffel, nachdem Lew Ashby ins Spiel kommt. Dieser mit Hank seelenverwandte Musikproduzent mag anfangs etwas redundant zur Hauptfigur erscheinen, gibt aber gerade dadurch ein herrliches Spiegelbild ab. Ashby wird zudem grandios von Callum Keith Rennie verkörpert, der einigen als Leoben aus „Battlestar: Galactica“ bekannt sein dürfte. Eine tolle Figur mit einem tollen Handlungsbogen innerhalb dieser Staffel.

Fazit

„Californicationen“ ist immer noch exzellente Unterhaltung, wobei mich die Sexkapaden der Runkles dieses Mal mehr genervt haben als in der Vorgängerstaffel. Die Prämisse für Staffel drei verspricht übrigens Veränderungen in Hanks Leben. Wie auch immer diese aussehen werden, ich bin dabei: 9/10 Punkte.