The Sopranos – Season 2

Nun ist bereits das zweite Jahr mit Tony und seinen beiden Familien vorüber. David Chases „The Sopranos – Season 2“ schließt nahtlos an die erste Staffel an und konnte mich erneut voll und ganz überzeugen. Die knappe Zahl von 13 Episoden hat man aber auch immer verdammt schnell verschlungen.

Die Handlung setzt genau dort ein, wo man Familie Soprano im vorangegangenen Jahr verlassen hat. Tony hält nun das Zepter in der Hand und leidet – wie so viele Führungskräfte – unter enormem Erfolgsdruck. Aufgrund seiner ungewöhnlichen Branche kommt es schnell zu Eskalationen, welche sich nahezu ausnahmslos auch stets auf seine andere Familie auswirken. Das Drama wächst.

Der rote Faden, der sich durch diese Staffel zieht ist erneut ein Vertrauensbruch, welcher dieses Mal jedoch von einem Mitglied von Tonys Zweitfamilie ausgeht. Dennoch wiegt er nicht leichter. Im Gegenteil. Beide Familien kann man auch nur schwer trennen und darin liegt auch die Faszination dieser Serie. Pussys innere Zerrissenheit und Tonys Ohnmacht aufgrund des Verrats sind wirklich ganz großes Kino.

Das Wunderbare an dieser Serie ist wahrlich, dass es absolut keine Schwarzweißzeichnung gibt. Jeder einzelne Charakter bewegt sich in einer Grauzone. Mal liebender Vater, mal eiskalter Killer. Dann wieder irgendwo dazwischen. Getragen werden diese feine Abstufungen vom nuancenreichen Spiel der famosen Darsteller. Allen voran natürlich James Gandolfini als Tony Soprano. Herausragend!

Qualitativ steht diese zweite Staffel der ersten in nichts nach. Die Serie hat eher noch an Form gewonnen. Ich freue mich nun bereits auf die kommenden vier Staffeln, welches noch Großes erhoffen lassen. Ein Angebot, das man wahrlich nicht ablehnen sollte: 9/10 Punkte.

Bobby (2006)

Gestern Abend habe ich mir Emilio Estevez „Bobby“ angesehen, welcher das Attentat auf Senator Robert F. Kennedy thematisiert. Ein wundervoller Film, der die Stimmung der ausklingenden 60er Jahre gekonnt einfängt und dabei auch heute noch zum Nachdenken anregen kann.

Am auffälligsten an Estevez Film ist wohl das immense Staraufgebot. Alleine die reine Masse an bekannteren Schauspielern ist beeindruckend: Laurence Fishburne, Heather Graham, Anthony Hopkins, Harry Belafonte, Helen Hunt, Joshua Jackson, William H. Macy, Demi Moore, Martin Sheen, Christian Slater, Sharon Stone, Elijah Wood, Shia LaBeouf, Lindsay Lohan und Ashton Kutcher fügen sich – so seltsam das bei diesen doch sehr unterschiedlichen Schauspielern klingen mag – zu einem perfekt harmonierendem Ensemble zusammen.

Auch wenn einige Erzählstränge (z.B. der Drogentrip) nicht so stark sind, wie andere (z.B. in der Küche), so haben diese jedoch durchaus Relevanz für den Film. Anders als Oliver Stone mit „JFK“ geht es Estevez nicht darum den Kriminalfall um Robert F. Kennedys Ermordung aufzurollen, sondern allein darum die emotionalen Auswirkungen auf sein Land zu zeigen. Deshalb machen auch die vielen unterschiedlichen Erzählstränge Sinn, stehen sie doch repräsentativ für eine ganze Nation.

Der einzige Kritikpunkt, den ich habe ist, dass man bei den erzählten Geschichten nicht auf tatsächliche Begebenheiten zurückgegriffen hat. Zeitzeugen sind – wenn man sich das informative Bonusmaterial der DVD ansieht – nämlich noch zu genüge vorhanden. Doch vermutlich wäre hier nicht die Diversität gegeben gewesen, welche man gezielt in die fiktiven Gegebenheiten einbauen konnte. Letztendlich funktioniert der Film auch so tadellos, was auch der geschickten Kombination dokumentarischen Archivmaterials mit Spielszenen zu verdanken ist.

Ich kann „Bobby“ jedem, der sich für das Ende dieser von sozialliberaler Aufbruchsstimmung geprägten politischen Ära interessiert, nur ans Herz legen. Das Zeitgefühl wird perfekt eingefangen und trotz bitterem Ende, schwingt dennoch Hoffnung mit. Ein wirklich schöner Film: 8/10 Punkte.

Der Meister (Tess Gerritsen) / Hörbuch

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Da ich aufgrund von Kopfschmerzen die letzten Tage nur eingeschränkt lesen oder Bildschirme betrachten konnte, habe ich mich – dank Audible-Abo von Frau bullion – Tess Gerritsens „Der Meister“ als Hörbuch gewidmet. Da ich dieses Mal relativ konsequent dabei bleiben konnte, stand die Hörerfahrung dem Lesen in nahezu nichts nach.

„Der Meister“ schließt direkt an seinen spannenden Vorgänger „Der Chirurg“ an. Die Gewichtung der Hauptpersonen verschiebt sich etwas, was der Geschichte zugute kommt und man hat nicht das Gefühl nur einen Abklatsch des ersten Teils zu lesen bzw. zu hören. Insgesamt betrachtet ist Jane Rizzolis zweiter Fall – das unspektakuläre Finale einmal außen vor gelassen – nicht weniger spannend, als der vorangegangene. Jedoch konnte Gerritsen es nichts ganz vermeiden, dass sich redundante Muster einschleichen (z.B. Jane Rizzolis beständige Analyse der niederträchtigen Männerwelt).

Für meine aktuelle Situation bildete „Der Meister“ nahezu die perfekte Unterhaltung und sollte ich noch länger von Kopfschmerzen geplagt sein, werde ich garantiert wieder bei Frau Gerritsen reinhören. Wunderbar spannende Kriminalunterhaltung mit leider schwachem Finale: 7/10 Punkte.

The Sopranos – Season 1

Erneut habe ich mich einem Seriengroßprojekt gewidmet. David Chases Mafiasaga „The Sopranos – Season 1“ wird allgemeinhin als Meilenstein der Fernsehgeschichte betrachtet. Als die Serie, welche das moderne TV-Drama revolutionierte. Doch kann sie auch heute noch ihrem Ruf gerecht werden?

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Ich muss zugeben, dass ich anfangs große Schwierigkeiten hatte mich mit der Serie anzufreunden. Während der ersten zwei bis drei Episoden war ich sogar noch unschlüssig, ob ich das Durchhaltevermögen für die komplette Serie besitzen würde. Nachdem mir mein letzter Serienmarathon mit „The West Wing“ wohl das beste TV-Erlebnis bescherte, das man sich nur vorstellen kann, hätte es aber wohl jeder Nachfolger schwer gehabt. Nach idealistischen Geschichten aus dem Weißen Haus, gibt es nun zynischen Mafiahumor. Daran muss man sich auch als versierter Zuschauer erst einmal gewöhnen.

Hat man sich aber erst einmal in diese Welt eingefunden, ist es eine wahre Freude Tony Soprano bei seinem tagtäglichen Spießrutenlauf zwischen Geschäftswelt und Familienleben zuzusehen. Neben aller Brutalität und mafiatypischem Machogehabe, bleiben Humor und Herz jedoch nicht auf der Strecke. So muss man sich irgendwann doch damit abfinden, dass man die Charaktere tatsächlich sympathisch findet. Freunden des Mafiagenres dürfte dies leichter fallen, werden u.a. doch Filmklassiker, wie „GoodFellas“, „The Godfather“ oder „Casino“ zitiert. Wahrlich eine Freude!

Die Serie ist sehr ruhig und dialoglastig inszeniert. Ein Charakterdrama, wie es im Buche steht. Die eher seltenen Actionszenen wirken dadurch nur umso heftiger. Hier wird auch nichts beschönigt und die Kamera hält gerne einmal drauf, wo bei anderen Serien abgeblendet wird. Eben eine HBO-Serie, welche jedoch Sex und Gewalt nicht zum Selbstzweck verkommen lässt, wie man dies bei anderen Kabelshows heute durchaus beobachten kann.

Nach kleineren Startschwierigkeiten hatte ich mich doch erstaunlich schnell in Tonys New Jersey eingelebt. Nun bin ich schon richtig heiß auf die kommenden Staffeln. Eine hochwertige Serie, die hält was sie verspricht. Ein Angebot, das man wirklich nicht ablehnen kann: 9/10 Punkte.

Der mit dem Wolf tanzt – Langfassung – OT: Dances With Wolves (1990)

Es gibt nur wenige Filme, die einen wirklich mit Haut und Haaren gefangen nehmen. Von denen man sich selbst nach dem Abspann nicht emotional lösen kann. Zu diesen Filmen gehört Kevin Costners „Der mit dem Wolf tanzt“. Gesehen habe ich den Film – in der Langfassung – gestern bestimmt zum dritten Mal und einmal wieder war ich erstaunt über die Wirkung dieses außergewöhnlichen Epos.

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Der Film nimmt sich viel Zeit um seine Charaktere einzuführen. Dadurch lernt man die Hauptfigur John Dunbar (Kevin Costner) wirklich kennen und kann eine emotionale Beziehung zu ihr aufbauen. Ab der Ankunft im verlassenen Fort braucht man als Zuschauer diese starke Identifikation auch, da der Film sonst nicht funktionieren würde. Man lebt sein Leben in der Wildnis. Man lernt mit ihm die neuen Nachbarn kennen und durch ihn tanzt man auch mit dem Wolf.

Begleitet wird die wunderschöne Geschichte von unglaublichen Naturbildern, die in einem fast schon verzauberten Licht erstrahlen. Der Kameramann transportiert den Westen wirklich spürbar ins heimische Wohnzimmer. Umso beeindruckender auf Blu-ray. Dabei ist die Landschaft nie nur schmuckes Beiwerk, sondern hilft stets die Geschichte zu erzählen. Ebenso wichtig und imposant ist John Barrys fantastischer Score, welcher dem Epos durchgehend als emotionaler Anker dient.

Die Annäherung zwischen Dunbar und den Ureinwohnern Amerikas wird sehr behutsam erzählt. Costners Figur geht so offenherzig auf diese ihm fremde Kultur zu, dass man den Mann nur bewundern kann. Trotzdem wirkt der Film durchaus realistisch, da hier nicht glorifiziert wird und die unterschiedlichen ethischen Grundlagen beider Kulturen durchaus kritisch betrachtet werden. Sehr gewinnend finde ich hier die Erzählerstimme, die nicht im Raum schwebt, sondern durch Johns Tagebuch fest im Film verankert ist.

Besonders beeindruckt hat mich in „Der mit dem Wolf tanzt“ vor allem Costners Spiel. Man nimmt ihm die Rolle voll und ganz ab – wenn man dazu noch bedenkt, dass er bei diesem Film für nahezu alles verantwortlich war, kann man nur sagen: Hut ab, Mr. Costner! Es stecken so viele wunderbare Details in dem Film, wie z.B. der titelgebende Wolf als Metapher für die Annäherung mit der Natur, dass man aus dem Entdecken gar nicht mehr heraus kommt.

„Der mit dem Wolf tanzt“ ist ein überwältigendes Filmerlebnis, das emotional zu berühren weiß. Durch die lange Laufzeit erinnert man sich noch während der Film läuft an gewisse vergangene Szenen zurück, was einen noch enger mit den Filmfiguren zusammenschweißt. Ein wahres Epos und einer meiner persönlichen Lieblinge: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Battlestar Galactica: The Plan

Mit dem nachgeschobenen TV-Film „Battlestar Galactica: The Plan“ geht nun endgültig ein Serienkapitel zu Ende, welches für mich bereits vor über drei Jahren begonnen hatte. Ob dieser letzte Besuch auf der Galactica nun ein würdiger Abschluss war?

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Nach dem grandiosen Serienfinale waren die Erwartungen entsprechend hoch. In „Battlestar Galactica: The Plan“ sollte man schließlich die gesamte Geschichte noch einmal aus Sicht der Zylonen präsentiert bekommen. Die Handlung auf den Kopf stellende Wendungen inklusive. Da hätte man wahrlich so einiges aus dem intergalaktischen Hut zaubern können. Letztendlich bietet diese knapp zweistündige Episode jedoch nur eine etwas bessere Nacherzählung der bereits bekannten Geschichte.

Die Sicht der Zylonen beschränkt sich auf nicht wirklich überraschende Maßnahmen durch das selbsternannte Zylonen-Mastermind Cavill. Es werden bekannte Charaktere beeinflusst und teilweise ist es tatsächlich schön die Hintergründe so mancher Entscheidung zu sehen. Leider jedoch ist für mich die Sichtung der Serie schon wieder viel zu lange her, als dass mir die kleinsten Zusammenhänge noch im Kopf wären und ohne diese wirkt die Handlung dieses TV-Films oft viel zu gestückelt und konstruiert.

Ob man nun von einer Enttäuschung reden mag, hängt sicherlich von den persönlichen Erwartungen ab. Ich selbst fand es schön noch einmal auf die meisten Charakteren zu treffen, doch hätte ich mir von der Geschichte deutlich mehr erwartet. Somit bleibt am Ende ein etwas schaler Nachgeschmack, den die Serie in ihrer Gesamtheit so nicht verdient hat: 6/10 Punkte.

Mirrors (2008)

Der zweite Film unseres gestrigen DVD-Abends war das 2008er Asia-Remake „Mirrors“ von Alexandre Aja. Der Film hatte mich damals bereits bei der Kinoverwertung gereizt, doch konnte er auch in den heimischen vier Wenden seine Wirkung voll entfalten.

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Im Gegensatz zu Ajas vorherigen Werken „High Tension“ und dem Remake von „The Hills Have Eyes“ ist „Mirrors“ eher ein klassicher Gruselfilm. Auch wenn es noch blutige Spitzen gibt, so konzentriert sich der Film doch wesentlich mehr darauf eine Geschichte zu erzählen und hetzt weniger von einer Goreszene zur nächsten. Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – haben mich die visuellen Abartigkeiten dieses Films stärker beeindruckt.

Zur Geschichte muss ich vorausschicken, dass ich das Original „Into the Mirror“ nicht kenne. Insofern kann ich nicht Einschätzen, wieviel Aja und sein Team aus der Geschichte herausgeholt haben und wieviel eine reine Kopie ist. So oder so hat mir die Grundidee und ihre visuelle Umsetzung ausgezeichnet gefallen. Wirklich gruselig und nicht schon ein gutes dutzend Mal gesehen. Es ist zudem wirklich beeindruckend, wie es dem Produktionsteam gelungen ist in nahezu jeder Szene eine spiegelnde Oberfläche zu positionieren.

Auf die weitere Handlung möchte ich nun gar nicht weiter eingehen. Die Auflösung kann – wie so oft – ihr Versprechen nicht einlösen und wurde von mir eher mit einem Schulterzucken registriert. Die darauf folgende völlig unpassende Actionszene hat bei mir dagegen einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Das hätte es nun wahrlich nicht gebraucht. Will ich Kiefer Sutherland als Actionheld sehen, kann ich schließlich „24“ schauen. Der finale Twist war wiederum äußerst stimmungsvoll und wurde von mir auch nicht so erwartet.

Insgesamt ist „Mirrors“ ein wirklich gelungener Genrebeitrag, der durch atmosphärisch fotografierte Einstellungen und gezielt eingesetzte Schockmomente zu überzeugen weiß. Schwächen in der Auflösung verwehren dem Film allerdings vorderste Platzierungen in den Genrehitlisten: 7/10 Punkte.

Texas Chainsaw Massacre: The Beginning (2006)

Männerfilmabend Nummer zwei. Als ersten Film gab es Jonathan Liebesmans „Texas Chainsaw Massacre: The Beginning“ zu sehen, der – wer hätte es gedacht? – genau das liefert, was man sich unter dem Titel vorstellen würde. Wie bereits das 2003er Remake des Horrorklassikers.

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Eigentlich könnte ich hier einfach 1:1 meinen Text zu Marcus Nispels Neuinterpretation von „Texas Chainsaw Massacre“ einfügen. Einmal abgesehen von den ersten paar Minuten, welche die völlig überflüssige Geburt von Leatherface zeigen, bekommt man nämlich exakt die gleiche Geschichte präsentiert, wie im Vorgänger. Oder jedem anderen Film des Franchise.

Da ich das 2003 Remake mit 5/10 Punkten bewertet hatte, möchte ich diese nun als Grundlage für die Bewertung des Prequels heranziehen:

  • Der Film wirkt tatsächlich roher und weniger auf Hochglanz poliert, als das offizielle Remake. (+1 Punkt)
  • Die Geschichte erfährt keinerlei Weiterentwicklung und die Vorgeschichte von Leatherface dient nur als Alibi um zum dutzendsten Mal die gleiche Handlung runterzuspulen. (-2 Punkte)
  • Die Brutalität wird noch einmal gesteigert, was auf erschreckende Weise beeindruckend ist. Da ist wahrlich nichts mehr vom blanken Terror zu spüren, der Tobe Hoopers Film noch innewohnte. (-1 Punkt)
  • Es gibt mehr Familienszenen, in denen besonders R. Lee Ermey als zynischer Sadist groß aufzuspielen weiß. (+1 Punkt)
  • Jessica Biel ist nicht mehr mit von der Partie und wird durch gesichtslose Langweiler ersetzt. (-1 Punkt)

Letztendlich kann man den Film durchaus anschauen, wenn man bereit ist so rein gar nichts Neues präsentiert zu bekommen. Das Remake vom Remake sozusagen. Immerhin gibt die Dummheit der Charaktere Grund für so manchen Lacher, was den Film wahrlich für einen feuchfröhlichen DVD-Abend prädestiniert. Davon abgesehen lautet meine Bewertung: Gähn! bzw. 3/10 Punkte.

Sin City (2005)

Seit langer Zeit einmal wieder einen Männerfilmabend gehabt. Zu sehen gab es Robert Rodriguez und Frank Millers „Sin City“, was für mich bereits die zweite Sichtung darstellte. Immer noch faszinierend, dieser filmgewordene Comic.

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Unter all den Comicverfilmungen der vergangenen Jahre sticht „Sin City“ wohl besonders heraus. Vor allem stilistisch. Robert Rodriguez hat die Vorlage nahezu 1:1 auf die Leinwand transferiert. Sowohl Kameraperspektiven, die visuelle Erscheinung von Charakteren, die Erzählstruktur – all das schreit gerade zu nach der Vorlage. Wer sich darauf einlässt wird für zwei Stunden in einen stilistisch und inhaltlich überhöhten Sündenpfuhl gezogen, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Düster und brutal, jedoch nicht ohne Humor, spricht der Film die primitivsten menschlichen Neigungen an. Voyeurismus. Ein Blick in den Abgrund. Nicht Vegas. Nicht the Big Apple. Hier gibt es keine Fassade, hier herrscht die Sünde. Dank seiner satirischen Spitzen und seines zynischen Voice overs, kann der Film seine inhaltliche Oberflächlichkeit recht gut überspielen. Die Gangster, die gebrochenen Helden, die Bösewichte und ihre Opfer. Sie sind Abziehbilder einer Wirklichkeit, deren Grausamkeit in der stilisierten Albtraumwelt nie erreicht wird.

„Sin City“ ist der ultimative Unterhaltungsfilm für Erwachsene. Ein zynischer Trip in die Comichölle. Schmutziger Hochglanztrash. Keine Botschaft, kein Anspruch. Nur visuell herausragende Unterhaltung der härteren Gangart. Zum Überfilm reicht es meiner Meinung nach nicht, doch ab und an ist der Abstecher in die Stadt der Sünde wirklich eine Reise wert. Und sei es nur um sich für zwei Stunden an ihren Bildern zu ergötzen: 8/10 Punkte.

Slumdog Millionär – OT: Slumdog Millionaire (2008)

Normalerweise stehe ich typischen Oscar-Abräumern eher skeptisch gegenüber. Danny Boyles „Slumdog Millionär“ übte dennoch eine große Faszination auf mich aus. Vielleicht weil der Film optisch so gar nicht ins typische Schema passt, vielleicht weil ich Indien noch nie als Filmland besucht habe oder vielleicht mich die Einfachheit der Geschichte angesprochen hatte.

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Der Aufhänger – das indische Pendant der TV-Show „Wer wird Millionär?“ – ist nur Mittel zum Zweck, um die Lebensgeschichte des jungen Slumdogs Jamal zu erzählen. Mit seinen 18 Jahren hat er bereits mehr erlebt, als wohl die meisten Menschen während ihres gesamten Lebens. Dass er soweit kommt hat er nur Glück, Zufällen und seinem starken Willen zu verdanken. Im Film heißt das dann Schicksal, welches ihn auch immer wieder seiner großen Liebe über den Weg laufen lässt.

Mit der Verfilmung von „Slumdog Millionär“ hat Danny Boyle wahrlich den Puls der Zeit getroffen. Ein komprimierter Blick auf das Leben in einer der aufstrebendsten Nationen unserer globalisierten Welt. Es ist unglaublich, wie viel Lebendigkeit der Film ausstrahlt. Der Oscar für besten Filmschnitt ist sowas von gerechtfertigt. Ebenso empfand ich den Einsatz moderner digitaler Kameras zum ersten Mal als völlig gerechtfertigt. Man ist wirklich mittendrin. Starke, moderne Bilder, die jedoch nicht verfremded wirken oder unpassend nach Video – das geht an Sie, Mr. Michael Mann! – aussehen. Der Stil unterstützt die Geschichte. Einfach nur klasse!

Abgesehen von der mitreißenden Inszenierung hat mir die Struktur des Films sehr gut gefallen. Sicher bekommt man – wenn man es genau betrachtet – nur eine weitere Liebesgeschichte präsentiert, doch sind die einzelnen Stationen in Jamals Leben so mitreißend erzählt, dass der herzerwärmende Kern niemals kitschig oder aufgesetzt wirkt. Ein tragendes Element sind hier natürlich die famosen Darsteller, welche stets die Rolle ihres Lebens gefunden zu haben scheinen. Grandioses Casting und herausragende Schauspielführung, besonders der unerfahrenen Kinder.

Wie man inzwischen wohl merkt, hat mir „Slumdog Millionär“ unglaublich gut gefallen. Wohl Danny Boyles bester Film seit „Trainspotting“, was als großes Kompliment zu verstehen ist. Ich freue mich jetzt schon auf weitere Sichtungen. Eine gelungene Überraschung im sonstigen Oscarfilmeinerlei. Großes Kino: 9/10 Punkte.