The Sopranos – Season 1

Erneut habe ich mich einem Seriengroßprojekt gewidmet. David Chases Mafiasaga „The Sopranos – Season 1“ wird allgemeinhin als Meilenstein der Fernsehgeschichte betrachtet. Als die Serie, welche das moderne TV-Drama revolutionierte. Doch kann sie auch heute noch ihrem Ruf gerecht werden?

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Ich muss zugeben, dass ich anfangs große Schwierigkeiten hatte mich mit der Serie anzufreunden. Während der ersten zwei bis drei Episoden war ich sogar noch unschlüssig, ob ich das Durchhaltevermögen für die komplette Serie besitzen würde. Nachdem mir mein letzter Serienmarathon mit „The West Wing“ wohl das beste TV-Erlebnis bescherte, das man sich nur vorstellen kann, hätte es aber wohl jeder Nachfolger schwer gehabt. Nach idealistischen Geschichten aus dem Weißen Haus, gibt es nun zynischen Mafiahumor. Daran muss man sich auch als versierter Zuschauer erst einmal gewöhnen.

Hat man sich aber erst einmal in diese Welt eingefunden, ist es eine wahre Freude Tony Soprano bei seinem tagtäglichen Spießrutenlauf zwischen Geschäftswelt und Familienleben zuzusehen. Neben aller Brutalität und mafiatypischem Machogehabe, bleiben Humor und Herz jedoch nicht auf der Strecke. So muss man sich irgendwann doch damit abfinden, dass man die Charaktere tatsächlich sympathisch findet. Freunden des Mafiagenres dürfte dies leichter fallen, werden u.a. doch Filmklassiker, wie „GoodFellas“, „The Godfather“ oder „Casino“ zitiert. Wahrlich eine Freude!

Die Serie ist sehr ruhig und dialoglastig inszeniert. Ein Charakterdrama, wie es im Buche steht. Die eher seltenen Actionszenen wirken dadurch nur umso heftiger. Hier wird auch nichts beschönigt und die Kamera hält gerne einmal drauf, wo bei anderen Serien abgeblendet wird. Eben eine HBO-Serie, welche jedoch Sex und Gewalt nicht zum Selbstzweck verkommen lässt, wie man dies bei anderen Kabelshows heute durchaus beobachten kann.

Nach kleineren Startschwierigkeiten hatte ich mich doch erstaunlich schnell in Tonys New Jersey eingelebt. Nun bin ich schon richtig heiß auf die kommenden Staffeln. Eine hochwertige Serie, die hält was sie verspricht. Ein Angebot, das man wirklich nicht ablehnen kann: 9/10 Punkte.

31 Gedanken zu “The Sopranos – Season 1

  1. Hatte ebenfalls einige Startschwierigkeiten, aber dann habe ich die Serie regelrecht verschlungen. Es gibt zwar immer mal eine etwas schwächere Folge, aber insgesamt gesehen ist es wirklich eine herausragende Serie, an der du sicher noch viel Spaß haben wirst. 🙂

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  2. @Alph: Dranbleiben werde ich nun so oder so, bin ich doch inzwischen regelrecht angefixt. „Six Feet Under“ könnte ich mir ja einmal für danach vormerken. Mal sehen.

    @Kaiser_Soze: Danke! 🙂

    @Konna: Über die Serie hattest du aber noch kein Eintrag geschrieben, oder? Wäre mir bestimmt aufgefallen. Ich denke auch, dass da noch einige grandiose Episoden auf mich warten werden, zumal mir die Charaktere ja nun vertraut und somit die ersten Hürden genommen sind.

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  3. Doch, allerdings habe ich nur über die erste Staffel geschrieben, war aber Anfang 2008 – weil ich dann zu schnell weitergeguckt habe, habe ich dann ganz verpeilt, über die anderen Staffeln zu schreiben. 😉

    Die erste Staffel hat von mir übrigens auch 9/10 Punkten bekommen. 😀

    Und Six Feet Under solltest du dir unbedingt vormerken, hat mir insgesamt sogar noch besser als gefallen.

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  4. Dann muss ich tatsächlich noch einmal bei dir reinschauen. Ich habe die Serie auf den ersten Blick nämlich gar nicht bei deiner Auflistung gefunden.

    Bei „Six Feet Under“ hat mich bisher stets etwas die Thematik von einer Sichtung abgehalten. Aber spätestens wenn ich alle anderen qualitativ hochwertigen großen Serien durchhabe, werde ich bestimmt einmal reinschauen… 😉

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  5. Ich warte schon lange darauf, das die Superbox von den Sopranos mal wieder gut runter gesetzt wird. Ich ärgere mich, dass ich damals für 70 Euro nicht zugeschlagen hatte.

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  6. Auch bei mir war der Einstieg eher zäh, vor allem auch deshalb, weil ich kein Fan von Mafia-Filmen bin. Aber die Charaktere haben es mir nach ein paar Episoden dann doch angetan. Und spätestens gegen Ende der Staffel wurde es dann ganz großes Serienkino.

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  7. @Flo Lieb: Schade, aber da kann man wohl nichts machen. Da ich dem Mafiagenre an sich nicht abgeneigt bin, hat die Serie letztendlich genau meinen Geschmack getroffen. Schön auch, wie authentisch New Jersey rüberkommt – zumindest sofern ich das nach meinem letztjährigen Besuch beurteilen kann.

    @raymccoy: Bei mir steht die Superbox nun auch schon seit einem guten Jahr im Regal. Hatte damals für knapp 90 Euro zugeschlagen und so wie es aussieht, haben sich diese auch voll und ganz gelohnt.

    @Inishmore: Ja, das Finale war wirklich großes Kino. Herrlich auch der Spagat zwischen Drama und Humor. Auch interessant zu lesen, dass man selbst als Nicht-Mafiafilm-Freund gefallen an der Serie finden kann. Bin gespannt auf das, was mich noch erwartet.

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  8. Auch eine Serie die auf meinem Sichtungszettel steht. 🙂
    Überlege mir, die erste Staffel auf BD zu holen. Vielleicht sollte ich aber auch warten, bis es eine Komplett-Box auf BD gibt.

    Aber man kann ja warte, da man noch genug abzuarbeiten hat. 😉

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  9. Die BD-Version der ersten Staffel ist mir auch schon ins Auge gefallen, allerdings würde das insgesamt dann wohl doch zu teuer kommen. Die DVDs sind qualitativ aber auch wirklich in Ordnung und die Serie macht ja so oder so Spaß.

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  10. Ich habe auch gerade die erste Staffel beendet und kann dir nur zu stimmen. Der Einstieg fiel mir ebenfalls nicht leicht, die Serie packte mich emotional einfach nicht. Das hat sich zwar verbessert im Laufe der Season, aber dennoch wirkt das alles sehr distanziert. Ist aber vllt. auch Geschmackssache. Denn davon ab war die erste Staffel großartig.

    Und ja, unbedingt Six Feet Under gucken. Besseres TV-Drama wird es nicht mehr geben. 😉

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  11. Bei mir war der Effekt ein anderer: Gegegn Ende der ersten Staffel war ich beinahe erschrocken, wie wenig Distanz ich noch zu den Figuren – besonders Tony – verspürte. Man darf ja schließlich nicht vergessen, wen man hier denn vor sich hat.

    Okay, okay. „Six Feet Under“ wird vorgemerkt. Bei so vielen positiven Stimmen! 🙂

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  12. Man kann nur jedem gratulieren, der diese Serie für sich entdeckt und schätzen lernt.

    Für mich sind die „Sopranos“ nicht nur ein Meilenstein der Serienunterhaltung, sondern neben dem genauso überragenden Cop-/Sozialdrama „The Wire“ (ebenfalls HBO) das Beste, was die gesamte Film- und Fernsehbranche bisher hervorgebracht hat.

    Im Kern sind die „Sopranos“ ein Familiendrama, eingebettet in den Rahmen eines Mafia-Alltags. Das erklärt wohl auch den auffällig hohen Anteil an weiblichen Fans der Serie, was für das Gangster-Genre ja eher unüblich ist. Als ich mir vor zwei Jahren die ersten vier Folgen der letzten Staffel bei einer „Serien im Kino“-Veranstaltung im Düsseldorfer UCI ansehen konnte, verloren sich im 300-Plätze-Saal gerade mal 14 Besucher, davon acht Frauen…

    Sämtliche Qualitätsmerkmale sind bei dieser Serie auf Weltklasse-Niveau – Optik, Ausstattung, Kameraführung, Schnitt, Soundtrack, Plotgestaltung, Anspruch, Tiefgang, Komplexität und emotionale Wucht vereinen sich zu einem Meisterwerk, wie es auch in Zukunft nur wenige geben wird.

    Die schauspielerischen Leistungen sind bis auf wenige Ausnahmen schlichtweg überragend und können sich mit den besten des internationalen Kinos messen. Allein James Gandolfinis Darstellung des Tony Soprano ist in seiner vielschichtigen, jederzeit glaubwürdigen Intensität so mitreißend und bewegend, dass er für mich zu DER TV-Figur schlechthin geworden ist. Aber auch beispielsweise Edie Falco als seine Frau Carmela zeigt die gesamte Palette schauspielerischen Könnens, nicht umsonst hat sie wie Gandolfini drei der insgesamt 21 Emmys für diese Serie abgeräumt.

    Die „Sopranos“ sind kaum in eine Kategorie zu pressen, weil sie die ganze Bandbreite des Lebens abbilden. Es gibt herrlich subtilen Humor, zutiefst bewegende Momente und realistische Alltagsbegebenheiten. Sie treffen in jedem Moment den richtigen Ton, sodass man bei entsprechendem Einfühlungsvermögen schnell in diesen Mikrokosmos hineingezogen wird. Außerdem ist die Figurenzeichnung derart komplex, dass man bei einigen auch gegen Ende nicht weiß, ob man sie mag oder zum Teufel wünscht; und so schafft es die Serie, dass man in manchen Augenblicken selbst mit den Drecksäcken leidet.

    Was den Vergleich zum mehrfach erwähnten „Six Feet Under“ betrifft: Das ist ebenfalls eine herausragende Serie, aber insgesamt gefallen mir die „Sopranos“ besser. Zum einen gibt ihr Gangster-Alltag für mich auf Dauer mehr interessannte Geschichten her als der einer skurrilen Leichenbestatterfamilie; außerdem driftet mir „SFU“ mit den ganzen Neurosen und Marotten diverser Figuren stellenweise zu sehr ins Melodramatische ab, während die Dialoge und zwischenmenschlichen Aktionen bei Tony & Co. einfach bodenständiger sind und dort auch mehr noch zwischen den Zeilen abläuft.

    Denn das gefällt mir an den „Sopranos“ auch so gut: Ich kenne keine andere Serie, die so viel Einfühlungsvermögen vom Zuschauer verlangt, weil wichtige Zeichen in feinsten Nuancen von Mimik, Gestik oder Gesagtem stecken. Abgesehen von den vielen symbolträchtigen Anspielungen, durch die es auch bei mehrfachem Anschauen noch Hinweise oder Interpretationsmöglichkeiten zu entdecken gibt.

    Als ich kürzlich wieder „Don’t Stop Believin'“ von JOURNEY hörte, das in den letzten Minuten dieser Serie läuft, bekam ich direkt wieder Gänsehaut und Magengrummeln, so sehr trauere ich dieser Serie immer noch nach… 😉

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  13. Wow! Das nenne ich einmal eine Liebeserklärung an eine Serie. Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar, bei dem man aus jeder einzelnen Zeile herausliest, wie sehr du „The Sopranos“ schätzt. Das hätte glatt ein eigenständiger Blogeintrag werden können… 😉

    Danke auch für die Empfehlung der Serie „The Wire“, von der man auch nur Gutes liest. Wird ebenso auf meine Liste gepackt, doch aktuell stehen noch viereinhalb Staffel von „The Sopranos“ aus.

    Ich würde dir ja nun wiederum „The West Wing“ ans Herz legen, doch dort sind die Situationen auch eher idealisiert, was für mich jedoch den Reiz der Serie ausgemacht hat.

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  14. „The West Wing“ steht noch auf meiner to-watch-Liste, kann allerdings noch was dauern. Klar sind die Ansprüche gerade durch HBO-Meisterwerke wie „The Wire“, „The Sopranos“, „Six Feet Under“ oder „Deadwood“ sehr hoch, aber wenn man sich nur noch auf diesem Niveau bewegen will, wird man nicht mehr viel Alternativen haben. Solange alles im Rahmen bleibt, kann man ruhig ein paar Abstriche machen – bin ja z. B. auch ein Verehrer von „The Shield“ oder den „Desperate Housewives“.

    Nochmals zu den „Sopranos“: Was mich an dieser Serie auch immer wieder begeistert, sind Momente oder Szenen, die ich in dieser Intensität und Qualität woanders noch nicht gesehen habe. Sobald du mit der Serie durch bist, kann man da vielleicht noch mal ins Detail gehen…

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  15. Wobei man sagen muss, dass besonders „The West Wing“ den HBO bzw. Showtime Serien wahrlich in nichts nachsteht. Nur eben weniger Sex und Gewalt, doch Inszenatorisch und von den Geschichten her gesehen einfach nur großes Kino!

    Sobald du mit der Serie durch bist, kann man da vielleicht noch mal ins Detail gehen…

    Ich freue mich drauf! 🙂

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  16. Bin gerade auch bei der Sichtung der ersten Staffel. Und alles was mir bisher dazu einfällt ist: Großartig. Die bisher beste Serienunterhaltung, die mir zu Gesicht gekommen ist. Es ist beeindruckend, was für eine Nähe ich bereits nach so kurzer Zeit schon zu den einzelnen Charakteren aufgenommen habe. Spannung, Emotionalität, Dramatik, Humor, Brutalität – all diese Elemente vereinen „Die Sopranos“ auf unvergleichliche Art und Weise.

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  17. Ja, deine Eindrücke kann ich durchaus teilen, wenngleich bei mir „The West Wing“ in Sachen Serienqualität immer noch an erster Stelle steht. Die folgenden Staffeln von „The Sopranos“ werden übrigens noch einen Tick besser. Freu dich drauf!

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  18. So, habs nun doch getan und mir die erste Staffel auf Blu-ray geholt. Habe mich für die US Version entschieden, da diese ein schönes Digipak ist und sogar, wenn benötigt, über die deutsche Tonspur verfügt.

    Hervorragend gemachtes Drama in etwas anderer Umgebung. Da ich im Allgemeinen etwas mit Gangsterstory’s anfangen kann, konnte ich mich relativ schnell mit den Charakteren anfreunden. Aber wie das so ist, wenn man eine neue Serie anfängt, braucht es ein paar Episoden bis man voll und ganz in diese Welt abtauchen kann.

    Freue mich schon auf die folgenden Staffeln. Werde jetzt aber wohl oder übel auf die BD Veröffentlichung von Season 2 warten müssen.

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  19. Freut mich, dass du nun auch zu der Serie gefunden hast. Ich stecke gerade mitten in Season 5 und bin wieder einmal schwer begeistert. Werde Tony und seine Familien vermissen, wenn es vorbei ist.

    Für dich kann ich nur hoffen, dass die Veröffentlichung auf Blu-ray möglichst schnell vonstatten geht. Hat man mit einer Serie begonnen, möchte man auch schließlich möglichst dabei bleiben. Ich für meinen Teil bin aber auch mit den DVDs recht zufrieden, dafür befinden sich mit den ersten beiden Staffeln von „Mad Men“ meine ersten Serien-Blu-rays auf dem Weg zu mir.

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  20. Da freue ich mich doch schon mal auf deine Reviews zu „Mad Men“ und wünsche dir noch viel Spass mit den Restlichen Sopranos Folgen.

    Werde die Wartezeit schon überbrücken können. 😉

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