Prometheus: Dunkle Zeichen – OT: Prometheus (2012)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 19. Mai 2017 veröffentlicht.

Als ich das erste Mal von Ridley Scotts Plan hörte das „Alien“-Franchise wiederzubeleben, war ich mehr als begeistert – schließlich gehört die Filmreihe zu meinen persönlichen Lieblingen. Die Informationen wandelten sich im Laufe der Zeit: von Sequel über Prequel bis hin zu Sci-Fi ohne „Alien“-Bezug. Dann jedoch kam der Trailer und meine Vorfreude auf „Prometheus: Dunkle Zeichen“ kannte keine Grenzen mehr. Eindeutige Referenzen auf Scotts 1979er Genreklassiker, die bei mir Gänsehaut auslösten. Dann die ersten in großen Teilen vernichtenden Kritiken. Höchste Zeit also mir eine eigene Meinung zu bilden…

Bekanntermaßen zähle ich „Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ zu meinen Lieblingsfilmen: bereits unzählige Male gesehen und immer noch begeistert. Dabei mag ich nicht nur die Horroraspekte, sondern vor allem die durchgestaltete Welt, in der die Filme spielen. Angefangen bei den surrealistischen Designs H. R. Gigers oder den grandiosen Raumschiffwelten Jean ‚Moebius‘ Girauds bis hin zur fiktiven Weyland-Yutani Corporation – die Welt war mehr als nur Bühne für ein Horrormärchen; sie war realistisch, drecking und belebt. James Cameron entführte uns 1986 mit „Aliens: Die Rückkehr“ tiefer in diese Welt und ich erhoffte mir von „Prometheus“ endlich noch mehr von ihr zu sehen – die Hoffnung bzw. Befürchtung das damals titelgebende Monster tatsächlich wieder auf der Leinwand zu sehen, hatte ich bei der gestrigen Sichung schon abgelegt.

Da es sich um einen 3D-Film handelt, habe ich für die Kinokarte wieder einmal knapp 12 Euro hingelegt. Nicht nur deshalb hätte ich den Film am liebsten ganz klassisch in 2D gesehen. Umso überraschter war ich folglich, dass es Ridley Scott als ersten Regisseur seit James Cameron gelungen ist, mich von 3D zu überzeugen. Der Film hätte bestimmt auch ohne die zusätzliche Ebene funktioniert, doch empand ich die Tiefe in den Bildern dieses Mal als echten Mehrwert. Der Film sieht einfach nur unglaublich gut aus: seien es die minutenlange Flüge über karge Landschaften, sphärische Weltraumszenen oder klaustrophobische Höhlensysteme. Diesen Aufpreis habe ich wahrlich gerne gezahlt.

Auch wenn ich die bisherigen Kritiken aufgrund eventueller Spoiler nur überflogen hatte, so ließen sich doch immer wieder ähnliche Kritikpunkte finden: zu viel pseudoreligiöse Symbolik, zu langweilig, zu viele nicht zusammenpassende Elemente oder erzwungen wirkende Brücken zum Ur-Film – und was soll ich sagen? Ich bin begeistert! Ridley Scott hat mir mit „Prometheus“ genau das geboten, was ich mir erhofft hatte: eine neue Geschichte im bekannten Universum, eine Quasi-Rückkehr nach LV-426 (bzw. LV-223), eine neue Crew und neue Monster. Auch wenn der Film mehr Genres mixt als noch „Alien“, so fühlt er sich doch zu jeder Sekunde so an, als hätte er tatsächlich 33 Jahre vor den grausigen Ereignissen auf der Nostromo spielen können.

Die Geschichte an sich hat mir wirklich gut gefallen. Zwar holpert die Dramaturgie und Charakterzeichnung an so mancher Stelle, doch hat dies der Rahmenhandlung keinen Abbruch getan. Hier hoffe ich tatsächlich auf die bereits angekündigte längere Schnittfassung – mehr Details zu den Konstrukteuren und ihren Intentionen benötige ich an dieser Stelle jedoch noch nicht. Die Vorfreude auf die Fortsetzung ist auf jeden Fall bereits entfacht. Die restlichen, oft nur angedeuteten Zusammenhänge sind bei genauerer Betrachtung eigentlich recht klar und ich empfand es eher angenehm, dass Scott uns Zuschauern nicht jedes Handlungselement bis ins Kleinste vorgekaut hat.

Die Bezüge zu „Alien“ hat Scott ebenso recht geschickt in den Film eingebaut. Für mich wirkte das wie echter Fanservice, ohne nur bekannte Elemente wieder aufzuwärmen. Bei der – natürlich zu erwartenden – Aktivierung des Space Jockeys hatte ich Gänsehaut, ebenso fand ich Elizabeth Shaws (Noomi Rapace) Entwicklung zur Heldin ziemlich famos. Über die Kaiserschnitt-Szene mag man sich streiten, doch fand ich sie sehr effektiv und eindeutig als Referenz zur Chestburster-Szene aus „Alien“ inszeniert. Ebenso haben mich die Zusammensetzung der Crew, der Androide (fantastisch dargestellt von Michael Fassbender), die Dramaturgie des Finales usw. stets an den Klassiker denken lassen. Einzig die Szene im Abspann wäre meiner Meinung nach nicht nötig gewesen und auch im ansonsten sehr gelungenen Score hätte ich mir einen näheren Bezug zur Jerry Goldsmiths Musik gewünscht.

Nun ist die Besprechung doch länger geworden, als ich eigentlich geplant hatte. Ihr seht also, dass mich der Film nahezu vollends begeistert hat. Zwar sind mir seine Schwächen durchaus bewusst, doch alleine schon dieses „Alien“-Gefühl noch einmal im Kino erleben zu dürfen ist unbezahlbar. Wie gerne würde ich mehr hochbudgetierte Filme dieses Genres sehen! Umso dankbarer bin ich folglich Ridley Scott und hoffe sehr auf eine gelungene Fortsetzung. Wäre ich gestern nicht so müde gewesen, hätte ich am liebsten noch einmal „Alien“ eingelegt und auch heute hat mich der Film noch den ganzen Tag beschäftigt. Als Konsequenz daraus bekommt „Prometheus“ von mir auch einen Punkt mehr, als er es vermutlich objektiv verdient hätte: 9/10 Punkte.

Six Feet Under – Season 4

Es geht mit viel zu großen Schritten auf das Finale zu. Kaum sind zwei Wochen vergangen, habe ich „Six Feet Under – Season 4“ auch schon verschlungen. Doch bevor das letzte Kapitel im Leben der Fishers aufgeschlagen wird, gilt es das vierte Jahr Revue passieren zu lassen. Es war kein einfaches Jahr und die Charaktere der Serie sind in einem seltsamen Zustand zwischen Fortschritt und Stillstand gefangen…

So langsam beschleicht mich das Gefühl, dass ich die bisherigen Staffeln zu schlecht bewertet habe. Zu bedeutsam erscheinen vergangene Ereignisse und die behutsam ausgelegte Fährten, die im vierten Jahr wieder aufgenommen werden. Was zufällig wirken mag, kann jedoch nicht ohne sorgsame Planung erfolgt sein. Dennoch beginnt das vierte Jahr eher unspektakulär und setzt den düsteren Kurs der vorangegangenen Staffel weiter fort. Besonders der Werdegang von Peter Krauses Charakter Nate ist oft nur schwer mit anzusehen – ganz besonders, wenn man sich die lebensfrohe Figur der ersten Staffel ins Gedächtnis ruft. Beeindruckend gespielt und exzellent geschrieben.

Mit George Sibley stößt zudem ein neuer Charakter zu den Fishers, der wirklich irritierend ist. Vielleicht passt er deshalb so gut in dieses bizarre und dennoch liebevolle Familienumfeld. Bevor ich mit der Sichtung der Serie angefangen hatte, dachte ich übrigens, dass James Cromwell die Hauptfigur der Serie spielen würde – so kann man sich täuschen. Trotz der Weiterentwicklung nahezu aller Charaktere, kann sich bis zum Finale niemand aus seiner aktuellen Situation befreien. Diese Stagnation wirkt auch auf den Zuschauer bisweilen quälend, was jedoch eine interessante Erfahrung ist.

Am meisten beeindruckt hat mich in dieser Staffel wohl die Episode „That’s My Dog“, die sich so ganz anders entwickelt, als man dies zu Beginn noch angenommen hätte. Großartig und verstörend. Auch das Staffelfinale samt unerwarteter Entwicklung fand ich fantastisch und es ist anzunehmen und zu hoffen, dass zumindest zwei Charaktere wieder positiver nach vorne blicken können – zumindest für ein paar kurze Augenblicke, denn mehr scheint in der Welt von „Six Feet Under“ nicht drin zu sein. Nun steht nur noch eine einsame Staffel im DVD-Regal. Der Entzug wird nicht einfach werden und doch blicke ich positiv nach vorne und freue mich auf das große Finale: 9/10 (8.7) Punkte.

King Arthur – Director’s Cut (2004)

Kurz nach der Jahrtausendwende lagen epische Stoffe voll im Trend. Ob Fantasy- oder Historienfilm, alles was auch nur annähernd nach großen Schlachtszenen roch wurde auf die Leinwand gebracht. Auch die Disney-Produktion „King Arthur“ (gesehen im Director’s Cut) schwamm auf dieser Welle mit und erzählt eine pseudohistorische Version der Legende um König Artus und seinen Rittern der Tafelrunde.

Wie bereits Wolfgang Petersons „Troja“ wurden auch der Geschichte um Artus, Merlin und Co. jegliche mythische Elemente entrissen. Antoine Fuqua macht von Beginn an klar, dass man es hier mit der angeblich wahren Geschichte hinter der Legende zu tun hat. Dies ist natürlich grober Unfug und deshalb sollte man sich auch nicht über historische Ungereimtheiten aufregen und den Film eher als moderne Interpretation der Legende sehen. Inhaltlich sollte man auch weniger einen Monumentalfilm erwarten, als einen historischen Abenteuerfilm mit Roadmovie-Anleihen und ausufernden Schlachtszenen.

Erzählt wird somit eine klassische Geschichte, die gnadenlos auf modern getrimmt wurde. Wackelkamera, hektische Schnitte und eine derart penetrante Farbkorrektur, dass ich ob der artifiziellen Qualität der durchaus sehenswerten Bilder mehr als einmal aus dem Film gerissen wurde, inklusive. Diese dreckig-moderne Inszenierung mag oft nicht zu den pathosschwangeren Dialogen passen, die trotz des emotional dominierenden Scores nie ins Herz treffen – doch damit möchte ich meine Kritik an dem Film nun auch beenden.

Sieht man von den teils unrunden Aspekten hab, kann man durchaus viel Spaß mit „King Arthur“ und seiner Bande an Raufbolden haben. Gerade die Gruppendynamik hat mir gut gefallen, da trotz des großen Ensembles jeder Figur genügend Platz eingeräumt wird und man sich gerne mit ihnen auf die Reise begibt. Überhaupt sind die ersten zwei Drittel die gelungeneren, da man in diesen ein Abenteuer erleben darf, das durch wirklich atmosphärische Bilder und spannende Einzelszenen erzählt wird. Die Endschlacht dagegen hätte meiner Meinung nach durchaus kürzer ausfallen dürfen.

Letztendlich kann man festhalten, dass ich den Film durchaus mochte – trotz Waldschrat-Merlin und Amazonen-Guinivere. Für starke Frauenrollen bin ich ohnehin immer zu haben und Keira Knightley macht hier wahrlich keine Gefangenen. Schade nur, dass sie unseren Till Schweiger als kahlrasierten Sachsen nicht kleinkriegen konnte. Ihr seht schon: Allzu ernst nehmen sollte man den Film nicht, doch wenn ihr euch an Historienschinken immer noch nicht satt gesehen habt, dann bietet „King Arthur“ durchaus nette Abwechslung – und somit gibt es knappe 7/10 Punkte.

Bones – Season 4

Auch wenn ich nach der schwachen dritten Staffel eigentlich nicht mehr weiterschauen wollte, habe ich „Bones – Season 4“ nach gut zwei Jahren Pause doch noch eine Chance gegeben. Ursprünglich waren zugegebenermaßen der günstige Preis der DVD-Box sowie das Interesse meiner Frau ausschlaggebend für diesen Wiedereinstieg – letztendlich wurde jedoch auch ich überraschend gut unterhalten…

Durch die ersten vier Episoden musste ich mich beinahe schon durchkämpfen. Dies mag auch daran liegen, dass diese bereits der (aufgrund des 2007/2008er Autorenstreiks) verkürzten dritten Staffel beilagen und ich sie somit bereits zum zweiten Mal gesehen habe. Auch wenn ich mich nicht mehr an alle Details erinnern konnte, so hat sich doch klar gezeigt, dass sich eine Procedural-Serie wie „Bones“ einfach nicht zum wiederholten Anschauen eignet. Danach ging es glücklicherweise bergauf und ich habe teils wieder richtig Gefallen am dynamischen Ermittler-Duo Bones/Booth gefunden.

Die Fälle an sich sind qualitativ durchwachsen: teils sehr durchschaubar und ein wenig langweilig, teils mit tollem Setting und überraschender Auflösung. Getragen wird die Serie nach wie vor von ihren Schauspielern und auch wenn die immer mal wieder aufblitzende Möglichkeit einer romantischen Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren schon recht abgedroschen ist, so macht das Mitfiebern doch Spaß. Im restlichen Team wird es mit dem Beziehungstrara allerdings maßlos übertrieben. Schade.

Erfrischend fand ich die mit jeder Episode wechselnden Praktikanten, was die Handlung im Jeffersonian doch ziemlich auflockerte. Ich hoffe, dass dies noch eine Weile beibehalten wird. Besonders gefreut habe ich mich natürlich auch über die – leider nur kurze – Rückkehr Stephen Frys, der ohnehin jede Serie und jeden Film aufwertet.

Ingsesamt konnte sich die vierte Staffel im Vergleich zum Vorjahr wieder steigern. Der finale Handlungsstrang erschien mir zwar etwas forciert, wurde jedoch ganz nett in Szene gesetzt. Aufgrund der sympathischen Charaktere darf man „Bones“ also weiterhin guten Gewissens als wirklich nette Feierabendunterhaltung bezeichnen: 7/10 (7.0) Punkte.

Ice Age 4: Voll verschoben – OT: Ice Age: Continental Drift (2012)

Gestern war ich seit einem viertel Jahr endlich einmal wieder im Kino. Wider Erwarten haben wir uns jedoch nicht die neuesten Abenteuer des schwarzen Ritters angeschaut, dafür stand ganz spontan „Ice Age 4: Voll verschoben“ auf dem Programm. Leider mit Zwangsbrillenkauf und demnach in 3D, was den Preis für die Kinokarte mal eben so auf 12 Euro katapultierte. Unglaublich, oder? Ob es der Film letztendlich wert war, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Ich habe die „Ice Age“-Filme immer recht gerne gemocht und die ersten beiden Abenteuer der ungewöhnlichen Freunde sogar im Kino verfolgt. Der dritte Teil folgte dann nur noch im Heimkino, was auch völlig ausreichte: wirklich nette Unterhaltung, mehr aber auch nicht. Eine weitere Fortsetzung wäre meiner Meinung nach nicht nötig gewesen, doch dank des großen Erfolgs an der Kinokasse werden wir wohl auch noch „Ice Age 15: Mondreise mit Mammut“ erleben. Als ich das erste Mal vom vierten Teil hörte, hieß es noch dass Sid, Diego, Manny und Co. eingefroren werden sollten, um erst in unserer Gegegenwart wieder zu erwachen. Das klang für mich zumindest so abwechslungsreich, dass ich mir vornahm wohl noch ein letztes Mal reinzuschauen.

Von den damaligen Gerüchten rund um die Fortführung der Geschichte ist leider nichts übrig geblieben. Stattdessen wird einem wieder einmal eine Reise von A nach B präsentiert, nur dass sich das Abenteuer dieses Mal auf dem offenen Meer abspielt und man deshalb eine Piratengeschichte mit einweben konnte. Die neuen Bösewichte haben mir leider überhaupt nicht gefallen: zwar nett animiert, doch keinerlei Informationen über ihre Motivation oder die einzelnen Charaktere. Typische Gegenspieler eben, die leider unglaublich blass bleiben.

Besser gefallen hat mir dagegen erneut die Gruppendynamik unter den bekannten Figuren, wenngleich auch hier keine Innovationen zu erwarten sind. Sids Oma fand ich größtenteils recht amüsant, doch wirkliche Lacher lassen sich an einer Hand abzählen und gehen erneut am ehesten auf das Konto von Scrat. So bleibt der Film zwar nett anzuschauen und wirklich schön animiert, doch inhaltlich hat er absolut nichts Neues zu bieten – die komische Piratentruppe ist zudem ein ziemlicher Rückschritt im Vergleich zu den knuffigen Dinos des Vorgängers.

Der sich nervig an die potentielle Zielgruppe anbiedernde Popsong im Abspann hat mir die Laune dann endgültig verdorben. Somit reiht sich „Ice Age 4“ am qualitativen Ende der bisherigen Filme ein. Würde ich noch häufiger ins Kino gehen, hätte ich die Sichtung wohl nicht bereut, doch für seltene Kinobesucher gibt es wahrlich bessere Filme. Schön animierter Animationsdurchschnitt: 5/10 Punkte.

Air Force One (1997)

An manchen Filmen sieht man wie alt man geworden ist. Als ich Wolfgang Petersens „Air Force One“ damals im Kino sah war ich gerade einmal 17 Jahre alt. Danach habe ich noch ein paar TV-Ausstrahlungen mitgenommen, doch wirklich begleitet hat mich der Film beim Erwachsenwerden nicht. Vielleicht hatte ich ihn deshalb auch noch als recht modern in Erinnerung – und vielleicht hat mich sein Alter deshalb auch fast schon etwas erschrocken…

Man sieht es vor allem an Frisuren, Kleidung und Technik. Früher hatte man dieses Gefühl bei Filmen aus den 70er und 80er Jahren, doch mit der Zeit wirken auch die modernen Kinostarts der eigenen Jugend angestaubt. Es ist immer wieder faszinierend, wie die eigene Wahrnehmung hier funktioniert. Diese Anmerkungen sollen jedoch nicht die Qualität des Films in Frage stellen, denn er wirkt nach wie vor flott inszeniert und kommt mir heute mehr denn je wie „Stirb langsam“ über den Wolken vor. Aus heutiger Sicht sind John McClane und Präsident James Marshall also näher zusammengerückt, als ich mir dies vor 15 Jahren jemals hätte träumen lassen.

Bereits damals – wohlgemerkt vor den Terroranschlägen vom 11. September – wurde der Hurra-Patriotismus des Films gescholten. Heute wirkt „Air Force One“ durch die folgenden realen Ereignisse oft noch absurder, aber teils auch erschreckend nah dran an der amerikanischen Politik der Bush-Ära. Wobei der von Harrison Ford dargestellte Präsident mit George W. Bush natürlich nicht zu vergleichen ist. Mir ist es nicht schwer gefallen die politischen Untertöne auszublenden und mich auf den reinen Spaßfaktor zu konzentrieren, was den Film erneut zu einem rundum gelungenen Erlebnis machte.

Wer sich gerne in der fiktiven US-Politik tummelt, handgemachte 80er/90er Action mag und fragwürdige Handlungselemente nicht bis ins Detail analysiert, der dürfte auch heute noch viel Spaß mit Wolfgang Petersens Ausflug über die Wolken haben. Zwar schafft es der Film nicht ganz unter die Genreklassiker, doch wer nach der hundertsten Sichtung der „Stirb langsam“-Reihe etwas Abwechslung braucht, der ist mit „Air Force One“ gut beraten: 7/10 Punkte.

Mr. Nobody – Director’s Cut (2010)

Manche Filme üben bereits vor der Sichtung eine enorme Faszination auf mich aus. Als ich das erste Mal von „Mr. Nobody“ las, war ich von der Grundidee fasziniert. Jedoch hat mich die Arthouse-Ecke abgeschreckt, aus der der Film zu kommen schien. Lange bin ich um die Blu-ray herumgeschlichen, bevor ich mich zu einem Kauf durchringen konnte und noch länger habe ich gezögert, bis ich mich schließlich zu einer Sichtung hinreißen ließ. Während dieser Wartezeit habe ich eine ziemlich genaue Vorstellung des Films entwickelt. Ob es dieser auch nur annähernd gelang an die Realität heranzureichen?

Die Handlung des Films in Worte zu fassen würde ihm nicht gerecht werden. Dennoch möchte ich es versuchen: In ferner Zukunft erinnert sich der letzte sterbliche Mensch (Jared Leto) an sein Leben. Dabei beschränkt er sich jedoch nicht auf sein tatsächlich gelebtes Leben, sondern bezieht jede Entscheidung samt daraus resultierender Konsequenz mit in seine Geschichte mit ein. Da aus unzähligen Entscheidungen auch unzählige mögliche Zeitstränge entstehen würden, stellt der Film exemplarisch drei Beziehungen in den Vordergrund, die jedoch wiederum erneut unzählige Entscheidungsmöglichkeiten bieten. Am Ende des Films gibt es noch einen Twist, der die teils seltsam anmutenden Handlungselemente erklärt und dem Kaleidoskop an Geschichten einen beinahe schon profanen Sinn gibt. Bis dahin bietet „Mr. Nobody“ jedoch einen audiovisuellen Rausch, der seinesgleichen sucht…

Man hat ja oft das Gefühl, dass der Filmbranche nichts mehr Neues einfällt. Der dutzende Superheldenfilm, ein weiteres Remake, das nächste Prequel und – wenn den Produzenten gar nichts mehr einfällt – ein Reboot. Die immer gleichen Bilder, die immer gleichen Geschichten. Im Kontrast dazu steht sperriges und sprödes Arthouse-Kino und nur selten, ganz selten darf man einen Film bewundern, der die Grenzen sprengt und sich in keine Schublade einordnen lässt. Jaco Van Dormaels „Mr. Nobody“ gehört zweifellos zu dieser seltenen Gruppe von Filmen. Bereits in der ersten halben Stunde gibt es mehr zu bestaunen, als andere Filme über die gesamte Laufzeit zeigen. Sowohl inhaltlich als auch formal überrascht der Film stets aufs Neue und auch wenn er aufgrund seiner Struktur nicht wirklich einfach zu rezipieren ist, so belohnt er die Anstrengungen des Zuschauers doch stets mit ergreifenden Einzelszenen und wunderschönen Momentaufnahmen.

Auch wenn es anfangs den Anschein macht, so ist der Film in letzter Konsequenz nicht sonderlich schwer zu verstehen. Ein Entscheidungsbaum wird filmisch abgebildet, in den Zufall, Schicksal, wissenschaftliche Erklärungen usw. mit aufgenommen werden. Eingebettet werden diese unzähligen Möglichkeiten des Lebens in eine Sci-Fi-Rahmenhandlung, die befremdlich wirken mag, doch letztendlich durchaus Sinn ergibt. Man sollte sich sowieso nicht darauf versteifen jede einzelne Szene des Films in das große Ganze einordnen zu können, sondern lieber die Bilder, den Score bzw. Soundtrack und die Emotionen auf sich wirken lassen. Dann kann die Sichtung von „Mr. Nobody“ zu einem wirklich großen Filmerlebnis werden.

Ob ich den Film uneingeschränkt empfehlen kann? Vielleicht nicht für jeden. Filmfreunde, die nach neuen Erfahrungen suchen, sollten auf jeden Fall einmal reinschauen. Ich selbst war nach einer zuvor nahezu schlaflosen Nacht vor der Sichtung recht müde und wurde dennoch mitgerissen. Vermutlich muss jeder selbst entscheiden, was er aus „Mr. Nobody“ mitnehmen möchte. Wenn dieses Kaleidoskop des Lebens tatsächlich zu einem durchdringt, dann wird der Film definitiv nachwirken. Großartig anders: 9/10 Punkte.

Six Feet Under – Season 3

Kaum zu glauben, dass ich nun bereits mein – in Serienzeit gerechnet – drittes Jahr mit den Fishers verbracht habe. Damit habe ich den Großteil dieser fantastischen Serie auch schon hinter mir. Auch inhaltlich stellt „Six Feet Under – Season 3“ einen Wendepunkt dar. Ob dies jedoch auch mit einem inhaltlichen Höhepunkt gleichzusetzen ist, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Nach dem Cliffhanger der zweiten Staffel war der Einstieg in das dritte Jahr zunächst ein wenig gewöhnungsbedürftig. Die erste Episode beginnt ganz anders und doch genauso, wie man es erwartet hätte. Ein fantastischer Einstieg, der einen Interpretationsspielraum bietet. Danach fühlte sich „Six Feet Under“ nicht mehr so an, wie zuvor. Ich kann es nicht greifen oder gar in Worte fassen, doch der Ton der Serie hatte sich geändert. Die Charaktere haben eine Entwicklung durchgemacht, die sie verändert erscheinen lässt. Nach ein paar Episoden hatte ich mich daran gewöhnt, doch komplett verfliegen wollte dieser Eindruck bis zum Staffelfinale nicht.

Interessanterweise erschien mir die Staffel zu Beginn ungewohnt leicht und positiv: Nate hat eine Familie und es hängt kein düsterer Schatten mehr über ihm, David glücklich ist mit Keith zusammen und Claire hat endlich etwas gefunden, das ihr Freude bereitet. Am meisten überraschte mich jedoch Ruth mit ihrer äußerst unterhaltsamen Beziehung zu Arthur, der grandios von Rainn Wilson (Dwight Schrute, „The Office“) verkörpert wird. Im Verlauf der Staffel kehrt jedoch die Düsternis zu den Fishers zurück. Ob nun Vanessas Depression oder Nates Zweifel an seiner Beziehung – langsam aber beharrlich wird die heile Welt in Frage gestellt. Den Gipfel erreicht diese spürbare Verzweiflung mit Lisas Verschwinden, dessen Auswirkungen so eindringlich geschildert werden, dass ich während der letzten drei Episoden mit einem Kloß im Hals vor dem Fernseher saß.

Es fällt mir nun schwer diese Staffel qualitativ einzuordnen. Sie bewegt sich zwischen zwei Extremen und macht es dem Zuschauer oft nicht leicht. Wohler gefühlt habe ich mich wohl mit den beiden ersten Staffeln. Bei diesen wusste man ungefähr, was man zu erwarten hatte. Vielleicht macht diese Unvorhersehbarkeit das dritte Jahr auch zu etwas Besonderem, denn das Leben ist schließlich auch nicht planbar. Ich hoffe nur, dass die Autoren den Fishers im vierten Jahr wieder ein wenig Erleichterung bieten. Ich zumindest habe das nach diesem Staffelfinale wahrlich bitter nötig: 9/10 (8.8) Punkte.

Drive (2011)

Damit habe ich ihn nun auch endlich gesehen: den Filmhype des letzten Jahres. Erwartungen wurden geschürt, Versprechungen gemacht und Ängste heraufbeschworen. Ist Nicolas Winding Refns „Drive“ für den wahren Cineasten also tatsächlich das bedeutendste Werk des laufenden – bzw. des vergangenen – Filmjahres? Seid gespannt und lest mit Bedacht, denn Spoiler sind zu erwarten.

Zunächst einmal muss ich Folgendes festhalten: Ich wünschte im Vorfeld weniger über den Film gelesen zu haben. So wusste ich bereits von der bedächtigen Inszenierung, den 80er Jahre-Anklängen und den eruptiven Gewaltszenen. Darauf basierend hat sich bei mir nicht nur eine entsprechende Erwartungshaltung geformt, mir wurden auch einige Überraschungen genommen. Es kann somit durchaus sein, dass man als völlig uninformierter Zuschauer mehr aus dem Film mitnimmt – doch einmal ehrlich: Welcher Filmfreund kann sich in unserer heutigen Zeit noch völlig unbeeinflusst einen Film ansehen?

Trotz dieses Vorwissens hat mich die erste Stunde des Films vollständig begeistert. Kamera, Licht, Soundtrack und Schauspiel bildeten eine formale Symbiose, wie ich sie in den letzten Jahren selten erlebt habe. Artifiziell ohne zu künstlich zu wirken, langsam ohne langweilig zu sein. Kaum Dialoge, kaum Action und dennoch erstaunlich viel Charakter. Trotz Arthouse-Anleihen wirkte der Film zu keiner Sekunde zu gekünstelt. In diesen ruhigen und von unbeholfenen Begegnungen geprägten Szenen, hat mich die Atmosphäre von „Drive“ teils an Wong Kar-Wais („Chungking Express“) frühe Filme erinnert, die ebenso wie Refns Werk neonbunte Bilder und nächtliche Begegnungen gestrandeter Existenzen zeigen.

Interessant fand ich übrigens, dass Refn häufig zuerst die Reaktion seiner Figuren auf ein Ereignis zeigt und erst danach das Ereignis selbst. Dies verstärkt die emotionale Distanz, die man zu den Charakteren hat, da man ihre Emotionen nicht unmittelbar teilen kann und sich somit zunächst in der Rolle des Beobachters wiederfindet. Ein Kniff, den ich noch in keinem anderen Film so bewusst wahrgenommen habe.

Nach der wirklich fantastischen ersten Stunde, beginnt der Film seinen Schwerpunkt auf das Vorantreiben der Handlung zu verlagern. Die Dialogdichte nimmt zu, Zusammenhänge werden erklärt und die Gewalt eskaliert. In diesem Teil des Films merkt man leider, dass die formalen Aspekte – und das meine ich nicht einmal negativ – den inhaltlichen meilenweit voraus sind. Die Dialoge wirken abgegriffen, die Geschichte wurde bereits tausend Mal erzählt und die Gewaltspitzen wirken größtenteils einfach nur aufgesetzt. Das letzte Drittel des Films ist nicht schlecht, doch im Vergleich zum vorher Gesehenen leider recht konventionell und durchschaubar.

Was also bleibt vom Hype um „Drive“ letztendlich übrig? Man sollte den Film auf jeden Fall gesehen haben. Wie versprochen ist er tatsächlich hypnotisch und gewiss einer der formal beeindruckendsten Filme der letzten Jahre. Im letzten Drittel hat er für mich allerdings einiges verspielt, was im Hinblick auf seine zuvor präsentierten Stärken wirklich schade ist. Auch wenn ich nun härter mit dem Film ins Gericht gegangen bin, als die meisten Filmfreunde, so soll dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich ihn wirklich sehr, sehr gut fand – nur eben nicht perfekt: 8/10 Punkte.

Six Feet Under – Season 2

Wie jeder schöne Zeitvertreib, streichen auch gute Serien viel zu schnell an einem vorüber. So hat die Sichtung von „Six Feet Under – Season 2“ nicht einmal drei Wochen in Anspruch genommen. Wenn es so weitergeht, bin ich spätestens Ende August mit der Serie durch. Im Moment ein fast schon erschreckender Gedanke, da mir die Familie Fisher gerade so richtig ans Herz gewachsen ist.

Inhaltlich schließt die zweite Staffel unmittelbar an das Vorjahr an und doch hatte ich über die ersten paar Episoden Probleme so richtig in die Geschichte einzusteigen. Der düstere Schatten, der sich im Finale der ersten Staffel über Nate legte, wird zu einem der zentralen Handlungsstränge, was nicht nur wie eine stete Unsicherheit über den Charakteren, sondern auch über den Zuschauern schwebt. Ein weiterer zentraler Bestandteil der Staffel ist Nates Beziehung zu Brenda, die immer extremere Formen annimmt und deshalb auch kaum Erleichterung für Nate und den Zuschauer bietet. Komplexe Figuren in komplexen Beziehungen. Das ist es wohl, was die Serie besonders auszeichnet.

Auch die restlichen Mitglieder der Familie Fisher haben mit allerlei Problemen zu kämpfen, doch wenigstens gibt es hier einige Lichtblicke zu sehen, die nicht selten tragikomische Züge tragen. Solche finden sich auch im jeweiligen Todesfall der Woche wieder, der erneut wirklich gelungen in die einzelnen Epsioden eingeflochten wurde. Der wohl konventionellste Handlungsstrang behandelt den Kampf von Fisher & Sons gegen Kroehner Service International. Hier sind die Rollen klar verteilt und man kann guten Gewissens mit dem kleinen Familienunternehmen mitfiebern.

Auch qualitativ setzt die zweite Staffel nahtlos fort, was die Serie in ihrem ersten Jahr aufgebaut hat. Meine Lieblingsepisode dürfte wohl „It’s the Most Wonderful Time of the Year“ gewesen sein, in der noch einmal die letzte Begegnung eines jeden Familienmitglieds mit dem zu Beginn der ersten Staffel verstorbenen Nathaniel Fisher Sr. gezeigt wurde. Auch das Staffelfinale war fantastisch und emotional äußerst mitreißend. Zudem muss der Cliffhanger damals wirklich hart gewesen sein, als man noch ein Jahr auf die Fortsetzung warten musste. Ich für meinen Teil werde wohl bereits heute Abend wieder bei der Familie Fisher vorbeischauen: 9/10 (8.7) Punkte.