One Tree Hill – Season 8

Nachdem ich über die Weihnachtszeit vermehrt Filme geschaut habe, hat sich die Sichtung von „One Tree Hill – Season 8“ über knapp einen Monat gezogen. Letztendlich ging es dann doch schneller als gedacht, da die Staffel in ihrem zweiten Drittel ungeahnte Qualitäten offenbarte. Was das im Detail bedeutet, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung.

one_tree_hill_s8_3

Nach der vorangegangenen Staffel hatte ich mit der Serie in meinem Kopf schon weitgehend abgeschlossen. Die Qualität hatte deutlich nachgelassen, doch der Unterhaltungswert war immerhin noch so hoch, dass ich aufgrund der lieb gewonnenen Charaktere und der bereits erworbenen Staffeln mehr aus Gewohnheit dabei geblieben bin. Eine Steigerung hätte ich niemals für möglich gehalten – und doch sollte sich eine solche schon bald abzeichnen: Die Autoren haben es irgendwie geschafft wieder mehr Leichtigkeit in die Serie zu bringen.

Man darf natürlich nicht den Fehler machen zu denken, dass die Serie an die Qualität der ersten vier Staffeln anknüpfen kann oder gar keine hanebüchenen Wendungen mehr besitzen würde – denn diese sind ausgeprägter denn je. Insgesamt empfand ich den Unterhaltungswert jedoch deutlich höher als im letzten Jahr. Durch Episoden wie „The Drinks We Drank Last Night“, „Holding Out for a Hero“ oder „Valentine’s Day Is Over“ haben die Autoren einfach Spaß mit den Charakteren: So erleben die Damen aus Tree Hill z.B. eine weibliche Version von „The Hangover“ oder dürfen à la „Kick-Ass“ Superheldinnen spielen.

Mit der unsäglichen Clip Show „Quiet Little Voices“ und aufgesetzt wirkenden Bezügen zu ehemaligen Hauptfiguren hat die Staffel jedoch einige Bonuspunkte auch wieder zunichte gemacht. Weiterhin hat sich das ursprünglich nette Coming-of-Age-Drama komplett in Richtung Soap Opera verschoben, was sich auch in Sachen Kameraarbeit und Ausleuchtung bemerkbar macht. Dennoch bietet „One Tree Hill“ auch im inzwischen achten Jahr ein paar schön inszenierte und musikalisch nett unterlegte Montagen.

Letztendlich bin ich durchaus zufrieden mit der Entwicklung der Serie, die nach anstrengenden Tagen stets noch genau das richtige Maß an Unterhaltung bietet, ohne dass man allzu aufmerksam sein muss. Auch das kann manchmal sehr angenehm sein. Ich bin mir übrigens sicher, dass das Staffelfinale „This Is My House, This Is My Home“ ursprünglich als Serienfinale geplant war, denn es bildet – trotz einiger aufgesetzter Verweise – einen schönen Rückbezug zur ersten Staffel. Im kommenden Jahr heißt es dann tatsächlich Abschied nehmen – und ich bin wirklich schon gespannt, welches Ende unsere Charaktere letztendlich erwartet: 7/10 (7.4) Punkte.

Training Day (2001)

Ich mag es nicht Filme für längere Zeit zu unterbrechen. Meine heutige Sichtung von „Training Day“ habe ich beinahe eine komplette Stunde unterbrochen, um Schnee zu schippen. Nach dieser Stunde hat es beinahe wieder so ausgesehen wie davor. Eine wahre Sisyphusarbeit. Es spricht wohl für den Film, dass ich nach der nächtlichen Schneelandschaft sofort wieder in die schwüle Atmosphäre Los Angeles‘ hineingezogen wurde…

training_day

Von Antoine Fuqua habe ich inzwischen schon einiges gesehen: reißerische Action in „Shooter“, Historiengemetzel in „King Arthur“ und einen patriotischen „Die Hard“-Verschnitt in „Olympus Has Fallen“ – sein anerkanntermaßen bester Film hat es erst heute in meinen Player geschafft. Wenn ich an „Training Day“ denke, dann kommt mir zunächst der Academy Award für Denzel Washington in den Sinn. Nach der Sichtung macht diese Auszeichnung auf jeden Fall Sinn, denn es ist eine wahre Freude den ansonsten eher in Heldenrollen auftretenden Schauspieler als solch einen verabscheuungswürdigen Charakter zu erleben. Sein Filmpartner Ethan Hawke steht ihm zudem in nichts nach, was den Film zu einem wahren Schauspielfest werden lässt.

Was die Handlung angeht, so wusste ich im Vorfeld ungefähr worum es geht – und schon nach kurzer Zeit fühlte ich mich im Drogensumpf von L.A. wieder ganz zu Hause. Größtenteils hatte ich nämlich das Gefühl einer Episode der TV-Serie „The Shield“ beizuwohnen, nur dass statt Vic Mackey dieses Mal Alonzo Harris im Mittelpunkt steht. Es gibt sogar eine Art Strike Team mit ähnlicher Gruppendynamik. Im Mittelpunkt steht jedoch Harris‘ Beziehung zu Jake Hoyt, der seinen ersten Tag in diesem Hexenkessel erlebt – und was für ein Tag das ist! Teils wirkt die Häufung der Ereignisse beinahe schon ein wenig übertrieben, doch gehen Zweifel in der mitreißenden Inszenierung schnell unter.

Mich hat „Training Day“ wirklich begeistert – und hätte ich „The Shield“ zuvor nicht gesehen, dann hätte mich das Cop-Drama bestimmt noch mehr verstört. Auf jeden Fall zeigt sich hier Antoine Fuquas Können, das in seinen größeren Filmen teils durch schlechte Effekte und ein schwaches Drehbuch verwässert wird. Ich kann den Film nur jedem ans Herz legen, der sich auch nur im Entferntesten für filmische Polizeiarbeit und/oder Gangsterfilme interessiert: 8/10 Punkte.

Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere – OT: The Hobbit: The Battle of the Five Armies (2014)

Aktualisierung: Ich habe „Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere“ am 26. Dezember 2015 und am 27. Dezember 2023 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nachdem es im letzten Jahr leider nicht mehr geklappt hat, habe ich heute endlich das große Finale von Peter Jacksons jüngster Mittelerde-Saga gesehen. Glücklicherweise hat das Roxy Renaissance Cinema wieder geöffnet, so dass ich nicht mehr auf das große Multiplex samt HFR und 3D angewiesen war, sondern eine Vorführung in Originalsprache, mit 24 Bildern pro Sekunde und in 2D genießen konnte. Wirklich sehr angenehm und nur zu empfehlen. Doch was hatte „Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere“ abgesehen von den formidablen Rahmenbedingungen zu bieten?

the_hobbit_five_armies_3

Der Film schließt nahtlos an seinen Vorgänger an. Kein Prolog, keine Exposition. Wäre der Titel nicht eingeblendet worden, hätte man sich auch am Ende von „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ wähnen können. Meiner Meinung nach ein deutliches Zeichen, dass Smaugs Vernichtung auch am Ende des Vorgängers mehr Sinn gemacht hätte bzw. Peter Jackson es eben gleich bei zwei Teilen hätte belassen sollen. Dabei ist die reine Laufzeit nicht einmal das Problem, funktionieren doch die erweiterten Fassungen weit besser, als die aufs Nötigste reduzierten Kinoversionen. Speziell bei diesem fulminanten Finale fällt doch stark auf, dass neben der Schlacht kaum Platz für Charakterentwicklung oder weiterführende Handlung bleibt. Die Wandlung von Thorins Gemütszustand ist, zum Beispiel, kaum nachvollziehbar, dafür gibt es eine Schlachtszene nach der anderen.

Für mich sind die zweieinhalb Stunden wie im Flug vergangen und ich hätte wirklich gerne noch mehr gesehen. Aber nicht mehr noch mehr Kämpfe, sondern mehr Geschichte. Wollte Peter Jackson nicht die Lücke zu „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ schließen? Außer ein paar recht plumpen Anspielungen war hiervon aber nichts zu sehen. Die Schlachten selbst sind imposant inszeniert, doch hat man das alles schon besser in „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ gesehen. Neben dem großen Gruppengemetzel fand ich wirklich gefallen an den Einzelkämpfen, d.h. Thorin gegen Azog oder Legolas gegen Bolg haben für mich ausgezeichnet funktioniert – trotz einiger CGI-Stunts unseres liebsten Kampfelben.

Jede Szene mit Martin Freeman und Ian McKellen war erneut eine große Freude. Auch die Zwerge waren toll anzusehen, besonders da ich nach etlichen Stunden Sichtung der Video-Anhänge nun das Gefühl habe, sie alle wirklich gut zu kennen. Leider merkt man gerade an den charakterbezogenen Stellen, dass Handlung fehlt bzw. nur verkürzt wiedergegeben wurde. Somit reiht sich die Kinoversion von „The Hobbit: The Battle of the Five Armies“ vor dem direkten Vorgänger ein, doch hinter den erweiterten Fassungen sowie der Kinofassung des ersten Teils:

  1. „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ (Extended Edition)
  2. „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ (Extended Edition)
  3. „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ (Kinoversion)
  4. „Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere“ (Kinoversion)
  5. „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ (Kinoversion)

Da ich so ziemlich der einzige Mensch bin, dem die unzähligen Enden von „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ nicht zu lang waren, hätte ich mir vom letzten filmischen Besuch in Mittelerde natürlich etwas mehr gewünscht – dennoch war das Finale gelungen und machte Lust darauf, gleich noch einmal „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ einzulegen. Habe ich natürlich nicht gemacht, doch hoffe ich in genau einem Jahr alle sechs Teile in den erweiterten Fassungen sehen zu können – und bin dabei besonders auf einen Vergleich der Wirkung der unterschiedlichen Inszenierungsarten gespannt. Insgesamt also ein versöhnlicher Abschied, der jedoch einiges an Potential verschenkt: 7/10 Punkte.

Captain Phillips (2013)

Nach einer viel zu langen Silvesternacht folgte heute Morgen das böse Erwachsen. Leckere Kiwi-Bowle, wenig Schlaf und Kinder sind keine gute Mischung. Umso erstaunlicher, dass ich nach den ersten Anlaufschwierigkeiten doch recht fit war und es letztendlich sogar für eine Filmsichtung reichte. Mit Paul Greengrass‘ „Captain Phillips“ hätte ich wohl auch keinen gelungeneren Einstieg in das neue Filmjahr finden können…

captain_phillips_1

Mein bisher einziger Kontakt mit Regisseur Paul Greengrass beschränkt sich auf „Die Bourne Verschwörung“ – und dieser Film ist mir nicht besonders positiv im Gedächtnis geblieben. Greengrass ist am ehesten wohl für seine Doku-Dramen bekannt, weshalb sein dokumentarischer Stil im fiktiven Bourne-Universum vielleicht auch so aufgesetzt und übertrieben wirkte. Auch in „Captain Phillips“ bedient sich der Regisseur viel der Handkamera und bevorzugt eine naturalistische Kameraführung, doch ist mir dies in keiner einzigen Szene negativ aufgefallen. Ich wurde regelrecht in die Handlung hineingezogen, was auch dem authentischen Schauspiel zu verdanken ist. Wirklich erstaunlich realistisch – soweit man dies eben bei solch einer dramatisierten Geschichtsstunde beurteilen kann.

Trotz der zugrunde liegenden wahren Begebenheit war mir der Ausgang des Geiseldramas nicht bekannt. Ein Umstand, der die beinahe körperlich spürbare Spannung wohl noch zusätzlich verstärkte. Am Ende der Tortur war ich sichtlich mitgenommen, was durch die ultrabrutale Auflösung der Geschichte noch gesteigert wurde. Greengrass erzählt die Geschichte so, wie sie sich nach den Aussagen des tatsächlichen Captain Phillips zugetragen hat, d.h. es überwiegt stark die US-Perspektive, doch versucht er gleichzeitig den somalischen Piraten ein Gesicht zu geben und sie, zumindest in gewissen Teilen, als Opfer der Umstände zu zeichnen. Trotz übergeordneter politischer Perspektive ist „Captain Phillips“ in erster Linie allerdings ein sehr persönliches und menschliches Drama.

Bei Antritt der Sichtung hätte ich wahrlich nicht gedacht, dass ich a) überhaupt über die gesamte Laufzeit wach bleiben und b) so stark mitgerissen werden würde. Tom Hanks spielt großartig und seine somalischen Gegenspieler stehen ihm in nichts nach. Den starken Fokus auf die Militärpräsenz hätte es im letzten Filmdrittel meiner Meinung nach nicht gebraucht, doch musste Greengrass ja auch diesen Aspekt der Geschichte übernehmen. Die emotionale Wirkung wurde dadurch nicht beeinträchtigt und ich nehme mir nun vor, Paul Greengrass (abseits des Bourne-Universums) doch noch ein paar Chancen einzuräumen: 9/10 Punkte.

Invasion vom Mars – OT: Invaders from Mars (1986)

Eigentlich wäre heute „Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere“ auf dem Programm gestanden, doch dank Ausfall des Babysitters musste ein Alternativprogramm improvisiert werden. Als letzten Film des Jahres habe ich mich für eine Reise in die Vergangenheit entschieden, genauer gesagt für Tobe Hoopers „Invasion vom Mars“ aus dem Jahr 1986. Mit dem Film verbindet mich eine lange Geschichte, doch ob er auch heute noch überzeugen kann?

invasion_vom_mars_1986_1

Es gibt Filme, die haben einen starken Einfluss auf die persönliche Entwicklung als Rezipient. Auch wenn das 1986er Remake von „Invasion vom Mars“ nicht sonderlich bekannt ist, so muss ich es doch unzweifelhaft als wichtig für meine Entwicklung als Filmfreund einordnen. Ich kann mich gar nicht mehr an die genauen Umstände der diversen Sichtungen erinnern, doch muss ich den ungewöhnlichen Genremix in den späten 80ern bzw. frühen 90ern unzählige Male gesehen haben. Mit ihm habe ich unzählige filmische erste Male erlebt, die meine Genrevorlieben stark geprägt haben: der erste Sci-Fi-Horror, das erste Mal Splatter, die ersten Monster, die ersten Bodysnatcher, das erste Jugendabenteuer, usw.

Manche Bilder haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt (z.B. die Biologielehrerin, die einen Frosch verspeist, oder die Löcher in der Sandgrube), an andere Szenen konnte ich mich dagegen überhaupt nicht mehr erinnern (z.B. alles in der Militärbasis). Aus heutiger Sicht ist der Film wohl mehr als lächerlich, die Effekte schlecht und die Handlung weder angsteinflößend noch spannend. Vermutlich war der Film all dies auch 1986 nicht, doch erlebt man ihn durch die Augen eines Kindes, dann steckt er noch voller Spannung und Abenteuer. Selbst die heutige Sichtung konnte dieses Gefühl teils noch bei mir heraufbeschwören – und das erstmals gesehene US-Ende hätte mir als Kind wohl den Rest gegeben. Toll!

Nachdem ich jahrelang auf der Suche nach einer würdigen DVD-Veröffentlichung war, hat KOCH MEDIA nun sogar eine qualitativ gute Blu-ray auf den Markt gebracht. Diese kann ich nur empfehlen – das doppelt so teure Mediabook könnt ihr euch aufgrund der schlechten Verarbeitungsqualität aber sparen. Mit „Invasion vom Mars“ habe ich heute einen wichtigen Teil meiner Kindheit aufleben lassen. Zusammen mit „Howard: Ein tierischer Held“ aus dem gleichen Jahr dürfte dies ein tolles bzw. interessantes Double Feature geben. Aber sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt: 8/10 Punkte.

Escape Plan (2013)

Nachdem man als Freund des 80er Jahre Actionkinos jahrelang auf eine Rückkehr der damaligen Helden auf die Leinwand warten musste, gibt es inzwischen eine regelrechte Schwemme an sogenannten Retro-Actionern. Mit Stallones „The Expendables“ konnte ich eher weniger anfangen, Schwarzeneggers „The Last Stand“ hatte mir dagegen recht gut gefallen. Und wie schneidet „Escape Plan“ als erstes großes Treffen der beiden Action-Giganten ab?

escape_plan

Ich erinnere mich dunkel an recht positive Kritiken. Allerdings mag ich den Film da auch mit einem anderen Retro-Actioner verwechseln. Schon beim ersten Auftritt Sylvester Stallones hatte ich so meine Zweifel – zu gewollt, zu angestrengt, zu schlecht gespielt. Als dann noch Curtis ’50 Cent‘ Jackson ins Bild stolpert und mit Mühe und Not halbwegs glaubhaft ein paar Sätze stammelt, waren meine Erwartungen komplett im Keller. Zu diesem Zeitpunkt war meine größte Sorge, was denn nur aus Privat Paula Vincent D’Onofrio geworden ist. Eigentlich hatte ich den Film hier schon abgeschrieben, doch er sollte ja erst noch richtig losgehen…

Und das tat er dann auch: Mit dem Auftritt Arnold Schwarzeneggers keimte plötzlich Hoffnung auf. Nein, auch er ist kein guter Schauspieler, doch blitzte hier und da wenigstens ein wenig Selbstironie durch. Auch Stallone gewann im Zusammenspiel mit Schwarzenegger – und als Arnie während des ersten Ausbruchsversuchs plötzlich auf 5 Minuten lang auf Deutsch flucht, war das schon ein kleines Highlight. Auch im weiteren Verlauf weiß die Dynamik zwischen den beiden Schauspielern zu gefallen, was tatsächlich auch das einzig wirklich Sehenswerte an „Escape Plan“ ist.

Zu den oben genannten Schauspielern gesellen sich noch Jim Caviezel und Sam Neill. Kaum zu glauben. Immerhin schafft es Caviezel noch einen völlig überdrehten Bösewicht zu kreieren, der allerdings im „Austin Powers“-Universum besser aufgehoben wäre, während Sam Neill spielt, als müsse er mit der Gage die nächste Stromrechnung bezahlen. Oder eben auch nicht. „Escape Plan“ einen B-Movie zu nennen würde es nicht direkt treffen. Er wirkt oft unglaublich trashig, das Drehbuch strotzt nur so vor Dämlichkeiten, doch wirkt die Inszenierung zu kompetent und kalkulierend.

Auch wenn „Escape Plan“ wahrlich kein guter Film ist, so hatte ich doch meinen Spaß damit. Speziell das Aufeinandertreffen von Stallone und Schwarzenegger ist für Kinofreunde wahrlich nett anzusehen. Daneben sollte man sich allerdings nicht viel erwarten, denn sowohl die Nebendarsteller als auch die Handlung wirken meist wie aus der Klamottenkiste. In größerem Kreis mit einem Bier in der Hand dürfte der Spaßfaktor zudem weitaus höher liegen, als zwischen den Jahren alleine auf dem Sofa: 5/10 Punkte.

Edge of Tomorrow (2014)

Nach zwei Tagen Weihnachtstrubel bin ich, ehrlich gesagt, ziemlich geschafft. Noch drei Tage (ja, auch das Wochenende) liegen vor uns. Da muss man bereit sein – wie Tom Cruises Charakter Cage in Doug Limans „Edge of Tomorrow“ eindrucksvoll beweist. Tag für Tag. Deshalb hat sich Warner Bros. wohl auch gedacht es wäre eine gute Idee, den Film für den Heimkinomarkt nur noch mit der Tagline „Live. Die. Repeat.“ zu vermarkten. Glücklicherweise ist damit schon der negativste Aspekt des Films abgehandelt…

edge_of_tomorrow_1

Mit „Swingers“ hat Doug Liman einen der Filme geschaffen, die mich in meiner Jugend stark beeindruckten. Danach hatte ich den Regisseur irgendwie aus den Augen verloren: „Die Bourne Identität“ fand ich nur ganz gut, „Mr. und Mrs. Smith“ ist an mir vorbeigegangen und „Jumper“ hatte zwar eine nette Prämisse, sonst aber nur wenig zu bieten. Mit „Edge of Tomorrow“ hat es Doug Liman zurück auf meinen Radar geschafft. Dabei sieht der Film in so manchen Momenten wie ein generischer Sci-Fi-Actioner aus. Doch wie so oft schafft es der Kniff der Zeitmanipulation den Unterhaltungswert des Films enorm zu steigern. Macht euch also bereit für „Und täglich grüßt das Murmeltier“ auf Speed!

Harold Ramis‘ „Groundhog Day“ ist wohl der bekannteste Film, der eine Zeitschleife ins Zentrum stellt. Doch auch die Sci-Fi-Thriller „12:01“, „Déjà Vu: Wettlauf gegen die Zeit“ oder „Source Code“ spielen mit dieser famosen Grundidee. Die meiner Meinung nach beste Zeitschleifengeschichte, Ken Grimwoods Roman „Replay: Das zweite Spiel“, wurde bisher leider noch nicht verfilmt – bis es einmal soweit sein sollte, bietet „Edge of Tomorrow“ auf jeden Fall beste Unterhaltung.

Doug Liman schafft es erstaunlicherweise die knallharte Kriegsaction mit enorm viel Humor aufzubrechen. Teils wähnt man sich mehr in einer Komödie, als in einem Alien-Kriegsfilm. Obwohl die Struktur des Films aus den oben genannten Werken bekannt ist, gelingt es Liman stets einen besonderen Kniff zu finden, der uns Zuschauer jedes Mal aufs Neue überrascht. Großartig! Das Gefühl, das ein Videospieler beim Erkunden neuer Level hat, wird hier gekonnt eingefangen – und nein, dieser Vergleich ist ausnahmsweise einmal nicht abwertend gemeint.

Das Finale ist leider ein wenig konventionell geraten; hier sieht man tatsächlich nur noch einen recht unterhaltsamen Sci-Fi-Actioner. Alles davor ist ein großer Spaß und ich kann „Edge of Tomorrow“ jedem nur ans Herz legen, der auch nur ein wenig mit Sci-Fi anfangen kann. Für die Hater noch der Hinweis: Ja, Tom Cruise ist abermals exzellent. Und es war eine Freude Bill Paxton zu sehen. Emily Blunt als Überheldin macht ebenso eine gute Figur. Selbst wenn der Film nicht ewig in Erinnerung bleiben wird, so ist er doch weit unterhaltsamer als die meisten anderen Sci-Fi-Streifen der letzten Jahre: 8/10 Punkte.

Hannibal – Season 1

Nachdem ich in den letzten Monaten viel Zeit mit „One Tree Hill“ verbracht habe, musste einmal wieder ein Ausgleich her – und abseits von „Hannibal – Season 1“ könnte es kaum ein größeres Kontrastprogramm zu dem Teenie-Drama geben. Nachdem die Serie überall in den höchsten Tönen gelobt wurde und ich Thomas Harris‘ „Roter Drache“ sehr lesenswert fand, war ich sehr gespannt auf dieses mögliche Serien-Highlight. Die Besprechung gibt es nun passend zu den besinnlichen Tagen

hannibal_s1_2

Während der ersten fünf Episoden war ich beinahe enttäuscht. Das sollte diese hochgelobte Serie sein? Ich mochte den Look (eben typisch Bryan Fuller) sehr gerne und die düstere Atmosphäre hat mich sofort überzeugt. Allerdings bleibt, wenn man sich die blutigen Morde und stimmungsvollen Bilder wegdenkt, doch nur ein weiteres Krimi-Procedural übrig. Das klingt nun hart, ist aber – zumindest zu Beginn der Serie – wirklich so. Der rote Faden wird nur sehr bedingt vorangetrieben und jede Woche steht ein neuer Serienkiller auf dem Plan. Hier merkt man eben, dass es sich letztendlich doch nur um eine Network-Serie handelt, die versucht sich in Richtung HBO und Co. zu strecken. Wenn man sich speziell „True Detective“ aus dem vergangenen Jahr ansieht, merkt man, dass dieser Anspruch noch lange nicht erreicht wird.

Als der Fokus ab der sechsten Episode immer mehr auf den titelgebenden Hannibal Lecter (toll gespielt von Mads Mikkelsen) gelenkt wird, wächst auch die gesamte Serie. Zwar gibt es immer noch den Killer-of-the-Week, doch steht dann zweifellos die Beziehung zwischen Lecter und Will Graham im Mittelpunkt. Die Länge der Staffel von nur 13 Episoden kommt der Serie auch klar zugute. Hätte man versucht die Handlung auf die üblichen 22 Episoden zu strecken, wäre wohl noch mehr verloren gegangen. Eine sehr sinnvolle Entscheidung der Showrunner bzw. des Senders!

Letztendlich lässt mich „Hannibal“ in Serienform ein wenig zwiespältig zurück. Einerseits sieht die Serie fantastisch aus und weiß durch famose Schauspieler zu überzeugen. Andererseits ist sie in vielen Bereichen noch viel zu formelhaft erzählt und kann sich nicht vom Fall-der-Woche lösen. Wenn die Autoren konsequent dort weitermachen, wo sie mit der letzten Episode aufgehört haben, dann kann die Serie noch gut 1 bis 2 Staffeln exzellent funktionieren – einer längeren Laufzeit würde ich zu diesem Zeitpunkt noch skeptisch gegenüberstehen: 8/10 (8.2) Punkte.

Schöne Bescherung – OT: Christmas Vacation (1989) (WS5)

Ich sehe „Schöne Bescherung“ jedes Jahr und bespreche den Film danach auf meinem Blog. Du möchtest die komplette Dosis Griswolds? Du findest alle Besprechungen hier!

Es war knapp dieses Jahr, doch können die Feierlichkeiten unmöglich beginnen, bevor nicht „Schöne Bescherung“ gesichtet wurde. Wie bereits im letzten Jahr habe ich erneut die englische Originalfassung der Blu-ray bevorzugt, was abermals ein großes Vergnügen war. Nachdem unser Baum inzwischen steht, macht sich somit auch langsam die nötige Weihnachtsstimmung breit…

christmas_vacation_2014

Wie jedes Jahr stellt sich mir nun die Frage, was ich noch über diesen Film sagen kann, das ich noch nicht in den letzten fünf Besprechungen untergebracht habe. Vielleicht einmal ganz analytisch meine Einschätzung, warum „Christmas Vacation“ so ausgezeichnet funktioniert: John Hughes‘ Drehbuch strotzt nur so vor ganz genauen Beobachtungen der Vorweihnachtszeit. Jeder kennt den dargestellten Konsumwahn, die Familienstreitigkeiten und berufliche Katastrophen. Es wäre leicht gewesen den Film in eine reine Satire abrutschen zu lassen, doch er besitzt erstaunlicherweise auch unglaublich viel Herz und transportiert echte Weihnachtsstimmung.

Man kommt einfach nicht umhin mit Clark Griswold mitzufühlen. Er will ein old-fashioned family Christmas, wie er es selbst aus Kindertagen kennt. Die Szene auf dem Dachboden spricht Bände – und solche Erinnerungen an scheinbar magische Weihnachtsfeste haben wir alle. Ganz am Ende offenbart sich im Gespräch mit seinem Vater, dass es auch damals schon so chaotisch und nervenzehrend war. Jedoch verdrängen wir diese Erinnerungen, den Konsumwahn und die nervige Verwandtschaft. Was bleibt, ist die Hoffnung auf ein magisches Weihnachtsfest – und spätestens wenn man selbst Kinder hat, möchte man diese Erinnerungen für sie aufleben lassen. Alle Jahre wieder.

Auch wenn unsere Feierlichkeiten nicht annähernd den Grad an Chaos erreichen werden, so gibt es doch immer wieder eben diese Momente, die einen kurzfristig die Sinnhaftigkeit des ganzen Weihnachtstrubels in Frage stellen lassen. Dann denkt man an die Griswolds und weiß: egal was kommt, es gibt immer ein Happy End. Und ja, ich freue mich jetzt schon wieder auf die Sichtung im kommenden Jahr: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Der Hobbit: Smaugs Einöde – OT: The Hobbit: The Desolation of Smaug – Extended Edition (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ am 23. Dezember 2015 und am 26. Dezember 2023 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nachdem ich letztes Jahr mit „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ eines meiner schlimmsten Kinoerlebnisse hatte, war ich umso gespannter wie der Film nun mit den gewohnten 24 Bildern pro Sekunde wirken würde. Ebenfalls eine Neuerung war die um 25 Minuten erweiterte Fassung, was bei dieser ausgewalzten Filmtrilogie auch leicht ein Rückschritt hätte sein können. Warum das nicht der Fall ist, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

the_hobbit_smaug_ws1

Nach der letztwöchigen Sichtung von „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ war ich noch komplett in Mittelerde und die Vorfreude – trotz des letztjährigen Desasters – groß. Schon nach ein paar Sekunden begannen die Erinnerungen an die grauenhafte Videoästhetik zu verblassen. Trotz viel CGI und unnatürlich wirkenden Kamerafahrten wirkte „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ endlich wie ein Film – und nicht mehr wie das Urlaubsvideo Peter Jacksons. Was die restlichen technischen Aspekte angeht, so überzeugt der Film nahezu auf ganzer Linie. Speziell Erebor und Smaug sind über jeden Zweifel erhaben. Man sieht deutlich, dass diesen Sequenzen ein Großteil des Budgets zugute kam. Fantastisch!

Auch inhaltlich hat mir der Film viel Freude bereitet. Das in meinen Augen größte Manko (die im Vergleich zum Buch veränderte Ankunft bei Beorn) wurde in der erweiterten Fassung wieder im Film ergänzt. Hier blitzt dann auch tatsächlich die kinderfreundliche Vorlage auf, wovon ich gerne noch mehr gesehen hätte. Aber auch die düstereren Szenen, mit denen Peter Jackson die Brücke zu seiner „Der Herr der Ringe“-Trilogie schlägt, funktionieren in der erweiterten Fassung einfach besser. Einzig auf die verlängerten Szenen in Seestadt hätte ich verzichten können, denn so gerne ich auch Stephen Fry sehe, so wenig haben diese Ergänzungen zur Handlung beigetragen.

Die Schwächen des Vorgängers (digitale Orks, Azog usw.) ziehen sich übrigens auch durch diesen Film, allerdings gibt es auch ein paar klassische Masken zu bewundern, die ungleich besser funktionieren. Seltsam, dass das niemandem in der Produktion aufgefallen ist. Letztendlich war meine damalige Schätzung gar nicht so schlecht und mit 24 fps und den sinnvollen Handlungserweiterungen schafft es „The Hobbit: The Desolation of Smaug“ tatsächlich an seinen Vorgänger aufzuschließen. Zwar immer noch meilenweit von den chronologischen Nachfolgern entfernt, doch immerhin ein unterhaltsamer und bombastisch inszenierter Trip nach Mittelerde. Das letzte Kapitel kann kommen: 8/10 Punkte.