Air Force One (1997)

An manchen Filmen sieht man wie alt man geworden ist. Als ich Wolfgang Petersens „Air Force One“ damals im Kino sah war ich gerade einmal 17 Jahre alt. Danach habe ich noch ein paar TV-Ausstrahlungen mitgenommen, doch wirklich begleitet hat mich der Film beim Erwachsenwerden nicht. Vielleicht hatte ich ihn deshalb auch noch als recht modern in Erinnerung – und vielleicht hat mich sein Alter deshalb auch fast schon etwas erschrocken…

Man sieht es vor allem an Frisuren, Kleidung und Technik. Früher hatte man dieses Gefühl bei Filmen aus den 70er und 80er Jahren, doch mit der Zeit wirken auch die modernen Kinostarts der eigenen Jugend angestaubt. Es ist immer wieder faszinierend, wie die eigene Wahrnehmung hier funktioniert. Diese Anmerkungen sollen jedoch nicht die Qualität des Films in Frage stellen, denn er wirkt nach wie vor flott inszeniert und kommt mir heute mehr denn je wie „Stirb langsam“ über den Wolken vor. Aus heutiger Sicht sind John McClane und Präsident James Marshall also näher zusammengerückt, als ich mir dies vor 15 Jahren jemals hätte träumen lassen.

Bereits damals – wohlgemerkt vor den Terroranschlägen vom 11. September – wurde der Hurra-Patriotismus des Films gescholten. Heute wirkt „Air Force One“ durch die folgenden realen Ereignisse oft noch absurder, aber teils auch erschreckend nah dran an der amerikanischen Politik der Bush-Ära. Wobei der von Harrison Ford dargestellte Präsident mit George W. Bush natürlich nicht zu vergleichen ist. Mir ist es nicht schwer gefallen die politischen Untertöne auszublenden und mich auf den reinen Spaßfaktor zu konzentrieren, was den Film erneut zu einem rundum gelungenen Erlebnis machte.

Wer sich gerne in der fiktiven US-Politik tummelt, handgemachte 80er/90er Action mag und fragwürdige Handlungselemente nicht bis ins Detail analysiert, der dürfte auch heute noch viel Spaß mit Wolfgang Petersens Ausflug über die Wolken haben. Zwar schafft es der Film nicht ganz unter die Genreklassiker, doch wer nach der hundertsten Sichtung der „Stirb langsam“-Reihe etwas Abwechslung braucht, der ist mit „Air Force One“ gut beraten: 7/10 Punkte.

Mr. Nobody – Director’s Cut (2010)

Manche Filme üben bereits vor der Sichtung eine enorme Faszination auf mich aus. Als ich das erste Mal von „Mr. Nobody“ las, war ich von der Grundidee fasziniert. Jedoch hat mich die Arthouse-Ecke abgeschreckt, aus der der Film zu kommen schien. Lange bin ich um die Blu-ray herumgeschlichen, bevor ich mich zu einem Kauf durchringen konnte und noch länger habe ich gezögert, bis ich mich schließlich zu einer Sichtung hinreißen ließ. Während dieser Wartezeit habe ich eine ziemlich genaue Vorstellung des Films entwickelt. Ob es dieser auch nur annähernd gelang an die Realität heranzureichen?

Die Handlung des Films in Worte zu fassen würde ihm nicht gerecht werden. Dennoch möchte ich es versuchen: In ferner Zukunft erinnert sich der letzte sterbliche Mensch (Jared Leto) an sein Leben. Dabei beschränkt er sich jedoch nicht auf sein tatsächlich gelebtes Leben, sondern bezieht jede Entscheidung samt daraus resultierender Konsequenz mit in seine Geschichte mit ein. Da aus unzähligen Entscheidungen auch unzählige mögliche Zeitstränge entstehen würden, stellt der Film exemplarisch drei Beziehungen in den Vordergrund, die jedoch wiederum erneut unzählige Entscheidungsmöglichkeiten bieten. Am Ende des Films gibt es noch einen Twist, der die teils seltsam anmutenden Handlungselemente erklärt und dem Kaleidoskop an Geschichten einen beinahe schon profanen Sinn gibt. Bis dahin bietet „Mr. Nobody“ jedoch einen audiovisuellen Rausch, der seinesgleichen sucht…

Man hat ja oft das Gefühl, dass der Filmbranche nichts mehr Neues einfällt. Der dutzende Superheldenfilm, ein weiteres Remake, das nächste Prequel und – wenn den Produzenten gar nichts mehr einfällt – ein Reboot. Die immer gleichen Bilder, die immer gleichen Geschichten. Im Kontrast dazu steht sperriges und sprödes Arthouse-Kino und nur selten, ganz selten darf man einen Film bewundern, der die Grenzen sprengt und sich in keine Schublade einordnen lässt. Jaco Van Dormaels „Mr. Nobody“ gehört zweifellos zu dieser seltenen Gruppe von Filmen. Bereits in der ersten halben Stunde gibt es mehr zu bestaunen, als andere Filme über die gesamte Laufzeit zeigen. Sowohl inhaltlich als auch formal überrascht der Film stets aufs Neue und auch wenn er aufgrund seiner Struktur nicht wirklich einfach zu rezipieren ist, so belohnt er die Anstrengungen des Zuschauers doch stets mit ergreifenden Einzelszenen und wunderschönen Momentaufnahmen.

Auch wenn es anfangs den Anschein macht, so ist der Film in letzter Konsequenz nicht sonderlich schwer zu verstehen. Ein Entscheidungsbaum wird filmisch abgebildet, in den Zufall, Schicksal, wissenschaftliche Erklärungen usw. mit aufgenommen werden. Eingebettet werden diese unzähligen Möglichkeiten des Lebens in eine Sci-Fi-Rahmenhandlung, die befremdlich wirken mag, doch letztendlich durchaus Sinn ergibt. Man sollte sich sowieso nicht darauf versteifen jede einzelne Szene des Films in das große Ganze einordnen zu können, sondern lieber die Bilder, den Score bzw. Soundtrack und die Emotionen auf sich wirken lassen. Dann kann die Sichtung von „Mr. Nobody“ zu einem wirklich großen Filmerlebnis werden.

Ob ich den Film uneingeschränkt empfehlen kann? Vielleicht nicht für jeden. Filmfreunde, die nach neuen Erfahrungen suchen, sollten auf jeden Fall einmal reinschauen. Ich selbst war nach einer zuvor nahezu schlaflosen Nacht vor der Sichtung recht müde und wurde dennoch mitgerissen. Vermutlich muss jeder selbst entscheiden, was er aus „Mr. Nobody“ mitnehmen möchte. Wenn dieses Kaleidoskop des Lebens tatsächlich zu einem durchdringt, dann wird der Film definitiv nachwirken. Großartig anders: 9/10 Punkte.

Drive (2011)

Damit habe ich ihn nun auch endlich gesehen: den Filmhype des letzten Jahres. Erwartungen wurden geschürt, Versprechungen gemacht und Ängste heraufbeschworen. Ist Nicolas Winding Refns „Drive“ für den wahren Cineasten also tatsächlich das bedeutendste Werk des laufenden – bzw. des vergangenen – Filmjahres? Seid gespannt und lest mit Bedacht, denn Spoiler sind zu erwarten.

Zunächst einmal muss ich Folgendes festhalten: Ich wünschte im Vorfeld weniger über den Film gelesen zu haben. So wusste ich bereits von der bedächtigen Inszenierung, den 80er Jahre-Anklängen und den eruptiven Gewaltszenen. Darauf basierend hat sich bei mir nicht nur eine entsprechende Erwartungshaltung geformt, mir wurden auch einige Überraschungen genommen. Es kann somit durchaus sein, dass man als völlig uninformierter Zuschauer mehr aus dem Film mitnimmt – doch einmal ehrlich: Welcher Filmfreund kann sich in unserer heutigen Zeit noch völlig unbeeinflusst einen Film ansehen?

Trotz dieses Vorwissens hat mich die erste Stunde des Films vollständig begeistert. Kamera, Licht, Soundtrack und Schauspiel bildeten eine formale Symbiose, wie ich sie in den letzten Jahren selten erlebt habe. Artifiziell ohne zu künstlich zu wirken, langsam ohne langweilig zu sein. Kaum Dialoge, kaum Action und dennoch erstaunlich viel Charakter. Trotz Arthouse-Anleihen wirkte der Film zu keiner Sekunde zu gekünstelt. In diesen ruhigen und von unbeholfenen Begegnungen geprägten Szenen, hat mich die Atmosphäre von „Drive“ teils an Wong Kar-Wais („Chungking Express“) frühe Filme erinnert, die ebenso wie Refns Werk neonbunte Bilder und nächtliche Begegnungen gestrandeter Existenzen zeigen.

Interessant fand ich übrigens, dass Refn häufig zuerst die Reaktion seiner Figuren auf ein Ereignis zeigt und erst danach das Ereignis selbst. Dies verstärkt die emotionale Distanz, die man zu den Charakteren hat, da man ihre Emotionen nicht unmittelbar teilen kann und sich somit zunächst in der Rolle des Beobachters wiederfindet. Ein Kniff, den ich noch in keinem anderen Film so bewusst wahrgenommen habe.

Nach der wirklich fantastischen ersten Stunde, beginnt der Film seinen Schwerpunkt auf das Vorantreiben der Handlung zu verlagern. Die Dialogdichte nimmt zu, Zusammenhänge werden erklärt und die Gewalt eskaliert. In diesem Teil des Films merkt man leider, dass die formalen Aspekte – und das meine ich nicht einmal negativ – den inhaltlichen meilenweit voraus sind. Die Dialoge wirken abgegriffen, die Geschichte wurde bereits tausend Mal erzählt und die Gewaltspitzen wirken größtenteils einfach nur aufgesetzt. Das letzte Drittel des Films ist nicht schlecht, doch im Vergleich zum vorher Gesehenen leider recht konventionell und durchschaubar.

Was also bleibt vom Hype um „Drive“ letztendlich übrig? Man sollte den Film auf jeden Fall gesehen haben. Wie versprochen ist er tatsächlich hypnotisch und gewiss einer der formal beeindruckendsten Filme der letzten Jahre. Im letzten Drittel hat er für mich allerdings einiges verspielt, was im Hinblick auf seine zuvor präsentierten Stärken wirklich schade ist. Auch wenn ich nun härter mit dem Film ins Gericht gegangen bin, als die meisten Filmfreunde, so soll dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich ihn wirklich sehr, sehr gut fand – nur eben nicht perfekt: 8/10 Punkte.

The Thing (2011)

Da hat man nun eine Woche Urlaub und schafft gerade einmal zwei Filme. Soweit ist es also schon gekommen. Aufgrund der sommerlichen Temperaturen, habe ich mich heute aufgrund des erfrischenden Handlungsortes für „The Thing“ entschieden. Diese Neuauflage des Genre-Klassikers von John Carpenter aus dem Jahre 1982 schien mir durchaus interessant zu sein, da mir bis zur heutigen Sichtung nicht wirklich klar war, ob es sich nun um ein Remake oder um ein Prequel handelt.

Um es kurz zu machen: Matthijs van Heijningen Jr. hat mit „The Thing“ sowohl Remake als auch Prequel geschaffen. So interessant dieser Ansatz auch erscheinen mag, so groß sind auch seine Schwächen. Remake bedeutet hier nämlich auch Remake und somit birgt der Film für Kenner des Carpenter-Orginals keinerlei Spannung bzw. Überraschungen, denn schließlich wissen wir alle, was von dem Camp der Norweger am Ende des Tages übrig bleibt. Das was man als Zuschauer zu sehen bekommt, ist leidlich spannend inszeniert, die – leider etwas zu CGI-lastigen – Kreaturen sind erneut schön eklig geraten und es kommt zumindest wieder ein gewisses Gefühl der Paranoia auf.

Man kann an dieser Stelle festhalten, dass der Film für neue Besucher der alienverseuchten 1982er Antarktis durchaus ziemlich gut funktionieren dürfte. Für alle anderen hat man etliche Verweise auf den chronologischen Nachfolger eingestreut, die mehr oder weniger aufdringlich in die Handlung eingebaut wurden. Dies mag plump wirken, ich für meinen Teil hatte jedoch meine Freude daran – und das obwohl ich John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ bisher erst einmal bewusst gesehen habe. Besonders die direkte Verknüpfung im Abspann hat bei mir das Bedürfnis geweckt danach auch noch Kurt Russell in die Antarktis zu folgen.

Letztendlich ist der 2011er „The Thing“ ein zweischneidiges Schwert. Zum einen bekommt man einen durchaus brauchbaren, aber eben auch sehr unnötigen, Sci-Fi-Schocker zu sehen und zum anderen einen gewissen Fanservice präsentiert, der leider auch nicht wirklich mehr zu bieten hat. Selbst Freunden des Originals wird die Sichtung keine Schmerzen bereiten, doch letztendlich wird van Heijningen Film – im Gegensatz zu Carpenters Klassiker – nur eine Randnotiz  in der Filmgeschichte bleiben: 6/10 Punkte.

W. – Ein missverstandenes Leben

Nach einer anstrengenden Arbeitswoche, habe ich den gestrigen Tag im Kreise der Familie ganz gemächlich ausklingen lassen. Eigentlich war es dann auch schon viel zu spät für einen Film, dennoch haben wir noch „W. – Ein missverstandenes Leben“ eingelegt. Meine bessere Hälfte ist recht schnell ins Traumland hinüber geglitten und auch ich hatte teils mit dem Schlaf kämpfen. Ob dies am Film liegt, oder eher den Umständen der Sichtung geschuldet ist, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Als Oliver Stones „W.“ recht zeitnah nach der letzten Amtsperiode von George W. Bush erschien, hagelte es größtenteils harrsche Kritik. Oliver Stone habe seinen Biss verloren und zeichne ein zu mildes Bild des umstrittenen 43. Präsidenten der Vereinigten Staaten. War Stone nicht einmal das politische Gewissen Hollywoods? Wie konnte er nur! Auch bei mir erweckte die kurze Produktionszeit und die Aktualität des Films durchaus eine gewisse Skepsis. Wäre es nicht besser gewesen noch ein wenig zu warten? Vermutlich war es aber gerade die schnelle Reaktionszeit Stones, die diesen Film ermöglicht hat. Das Thema war hochaktuell, brisant und Geldgeber entsprechend schnell gefunden.

Was den Inhalt des Films angeht, so kann ich nur vermuten, dass der Großteil der enttäuschten Kritiker eine bitterböse Satire erwatet hatte, die mit dem Regime Bush hart abrechnet. Oliver Stones Film lässt sich jedoch nicht so klar einordnen. Zwar gibt es durchaus satirische Elemente, doch liegen die Schwerpunkte eindeutig im Drama und der Tragödie. Der Rahmen ist dabei ein recht klassisches Biopic, das die wichtigsten Stationen in George W. Bushs Leben abarbeitet und dabei stets den Bogen zu seinem Untergang auf der politischen Bühne spannt. Dabei konzentriert sich Stone nicht auf die bereits von Michael Moore in „Fahrenheit 9/11“ totgerittenen unmittelbaren Reaktionen Bushs auf die Anschläge vom 11. September, sondern den – zumindest wie es im Film dargestellt wird – eher persönlich motivierten Angriffskrieg gegen den Irak.

Formal ist der Film durchaus gelungen. Er wirkt – typisch für Oliver Stone – meist dokumentarisch und beinhaltet auch die obligatorische Einbindung von Archivmaterial. Jedoch hatte ich an manchen Stellen das Gefühl, dass es zu schnell gehen musste. So sind einige Effektszenen, in denen Josh Brolin als George W. Bush in bestehendem Material zu sehen ist, doch eindeutig als Compositing auszumachen. Ebenso hätte man für die jüngeren Jahre durchaus einen anderen Schauspieler wählen können, da Brolin – so fantastisch er George Bush Jr. ab ca. 40 Jahren spielt – einfach nicht mehr für einen 20-jährigen Studenten durchgeht.

Die Leistungen der Schauspieler sind ohnehin sehr durchwachsen. Brolin ist fantastisch und in manchen Szenen meint man wahrlich das Original vor sich zu sehen. Eine exzellente Wahl und auf den Punkt gespielt. Ebenso grandios sind James Cromwell als George Bush Sr. oder Richard Dreyfuss als Dick Cheney. Komplette Ausfälle gibt es dagegen mit Thandie Newton als Condoleezza Rice und Jeffrey Wright als Colin Powell zu bestaunen. Was hat Stone bzw. seine Schauspieler da nur geritten?

Insgesamt ist „W.“ ein durchwachsenes Werk, das mehr ein Kaleidoskop unterschiedlicher Stationen in George W. Bushs Leben zeigt, als eine Biographie mit kohärenter Narrative zu sein. Umso erstaunter war ich, dass ich in den schmerzhaft anzusehenden finalen Szenen durchaus den Eindruck hatte einen guten Eindruck der Person W. bekommen zu haben. Hier kann ich Stone auch nur dazu beglückwünschen nicht den einfacheren Weg einer reinen Satire gegangen zu sein. Dennoch denke ich, dass mit 5 Jahren mehr Abstand und einem Autoren, wie z.B. Aaron Sorkin, aus dem auf jeden Fall ambitionierten Projekt ein wirklich großer Film hätte werden können: 7/10 Punkte.

Dragonheart (1996)

Bei manchen Filmen merkt man, wie alt man eigentlich schon ist. Rob Cohens „Dragonheart“ war mir noch als recht modern im Gedächtnis, doch inzwischen hat das fantastievolle Mittelalterspektakel tatsächlich schon 16 Jahre auf dem Buckel. Wirklich kaum zu glauben. Nach etlichen Jahren gab es heute also ein Wiedersehen mit Draco und ich war gespannt, wie sich der in die Jahre gekommende CGI-Kumpan denn noch so schlägt…

Auch wenn ich den Film in meiner Jugend wohl bei jeder TV-Ausstrahlung mitgenommen habe, so konnte ich mich heute an den Prolog kaum noch erinnern. Ab dem Bündnis zwischen Bowen und Draco war ich aber wieder voll dabei und erlebte den Film durch teils nostalgisch verklärte Augen und teils mit frischem Blick. Am meisten überzeugte mich wohl erneut die wunderbare Dynamik zwischen dem ungleichen Paar: Dennis Quaid und Sean Connery, der Draco seine Stimme leiht, liefern sich einige schöne Wortgefechte und man nimmt ihnen die schwierige Freundschaft jederzeit ab. Kein Wunder also, dass die Augen am Ende etwas feucht werden.

Für die Geschichte selbst wird tief in die Fantasy-Mottenkiste gegriffen und sowohl der böse Tyrann, als auch seine Verbindung mit Draco, hat man in ähnlicher Form bestimmt schon ein gutes dutzend Mal gesehen. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Komplexität gewünscht. Doch glücklicherweise sieht man sich „Dragonheart“ weniger aufgrund seiner Handlung, als aufgrund seines Protagonisten an und dieser ist wahrlich gelungen. 1996 war Draco eine kleine Sensation und erst heute ist mir bewusst, dass er eine der ersten CGI-Figuren mit Charakter und Mimik war – und, was viel wichtiger ist, auch heute noch überzeugen kann.

Auch wenn der Film für mich nicht mehr den gleichen Stellenwert besitzt, wie früher, so hatte ich bei der heutigen Sichtung doch wieder enorm viel Spaß. Sieht man von der Geschichte und dem leicht albernen Bösewicht ab, so bekommt man ein wirklich schönes Mittelalterabenteuer mit Drache zu sehen – und einmal ehrlich: Drachenfilme gibt es doch sowieso viel zu selten! Ein nicht fehlerfreier Film, der mit gewisser Nostalgie betrachtet durchaus 8/10 Punkte verdient hat.

Die Muppets – OT: The Muppets (2011)

In den heutigen Filmgenuss bin ich durch die Jungs von Nerdtalk gekommen, dank deren Gewinnspiel ich heute die brandneue Blu-ray von „Die Muppets“ im Briefkasten vorfand. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Phil, Andy und Lars! Vermutlich wäre ich über kurz oder lang sowieso über den Film gestolpert, da mich Jason Segels Engagement die Muppets wieder auf die große Leindwand zu bringen ohnehin beeindruckt hat. Was hat das 2011er Comeback der bunten Truppe also zu bieten?

Würde ich ich mich als großen Muppet-Fan bezeichnen, dann würde ich lügen. Zwar habe ich in meiner Kindheit bzw. Jugend einige Episoden der TV-Serie sowie die Kinofilme (z.B. „The Muppet Christmas Carol“) gesehen, doch größtenteils sind bei mir wohl ihre kindgerechten Auftritte in „Die Sesamstraße“ hängen geblieben. Folglich bin ich bei Weitem kein Experte, was „Die Muppets“ angeht – auch wenn ich bei meiner USA-Reise 2008 tatsächlich einige der Original-Puppen in der Ausstellung „Jim Henson’s Fantastic World“ sehen durfte. Mein Interesse an dem aktuellen Film liegt tatsächlich hauptsächlich an Jason Segel, den ich in „How I Met Your Mother“ liebe und der bereits im Finale von „Forgetting Sarah Marshall“ seine Vorliebe für das Puppentheater ausleben durfte.

Bereits nach nur wenigen Sekunden von „The Muppets“ war ich dem Charme der Puppen komplett erlegen. Zuvor hatte ich ja so meine Zweifel, ob das Zusammenspiel zwischen Mensch und Puppe für mich als – zumindest größtenteils – erwachsenen Zuschauer noch funktionieren würde, doch diese Sorge war unbegründet. Spätestens bei der ersten großen Musicalnummer hatte ich ein Lächeln auf den Lippen, das bis zum Abspann nicht mehr verschwinden sollte. So verhersehbar die Handlung, so lustig, herzerwärmend und herrlich altmodisch ist der Film inszeniert. Von der Puppentechnik einmal ganz abgesehen. Der Film lebt, hat Charakter und eine Botschaft. Er ist kitschig und völlig überdreht. Es ist ein Film, den ich mir selbst sofort noch einmal anschauen würde und den ich ohne jegliche Bedenken meinen Kindern vorführen könnte.

Besonders für Freunde von US-Serien bietet der Film einige Gastauftritte und Cameos, dass es eine wahre Freude ist. Egal, ob Donald Glover (Troy Barnes, „Community“), Jim Parsons (Sheldon Cooper, „The Big Bang Theory“), Rashida Jones (Ann Perkins, „Parks and Recreation“), Neil Patrick Harris (Barney Stinson, „How I Met Your Mother“), John Krasinski (Jim Halpert, „The Office“) oder Rico Rodriguez (Manny Delgado, „Modern Family“) – hier zeigt sich die unglaubliche Spielfreude und das Engagement jedes einzelnen Schauspielers. Selbstironie und augenzwinkernder Humor sind hier selbstredend.

Schon lange hatte ich keinen solch ungezwungenen Spaß mehr mit einem Film. Vermutlich sollte man nicht der zynischste Mensch auf Erden sein, um das volle Potential aus „Die Muppets“ zu ziehen – doch selbst als solcher wird man nicht umhin kommen freudig im Takt zu wippen und sich an Kermit, Miss Piggy und Co. zu erfreuen. Ein großartiger Filmspaß, dessen Blu-ray garantiert noch öfter im Player landen wird: 9/10 Punkte.

Captain America: The First Avenger (2011)

Aktualisierung: Ich habe „Captain America: The First Avenger“ am 4. April 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Als ich vor zwei Wochen damit begonnen habe die Prequel-Filme zu „The Avengers“ zu sichten, hatte ich noch angenommen, dass ich frühestens zu dessen Heimkino-Auswertung mit ihnen durch bin. Jedoch weit gefehlt: Gestern Abend stand mit „Captain America: The First Avenger“ auch schon die letzte der aktuellen Marvel-Verfilmungen auf dem Programm. Fünf Filme in knapp zwei Wochen – das dürfe die höchste Filmdichte seit Beginn des Jahres sein…

Captain America: The First Avenger (2011) | © Walt Disney

Captain America: The First Avenger (2011) | © Walt Disney

Nach größtenteils durchwachsenen Kritiken waren meine Erwartungen gedämpft. Doch bereits nach den ersten paar Minuten war mir klar, dass „Captain America: The First Avenger“ genau den richtigen Ton trifft, um mich bei der Stange zu halten. Was wurde nicht alles geschrieben: übertriebener US-Patriotismus, selbstgerechte Charaktere und generell nehme sich der Film viel zu ernst. Ich jedoch war hoch erfreut hier weniger einen Kriegsfilm mit Superheld zu sehen, als einen Abenteuerfilm mit Retro-Sci-Fi-Anleihen. Schon von Anfang an war klar, dass es sich hier um eine Fantasiewelt handelt und eben nicht das uns nur allzu bekannte WW2-Szenario. Insofern sticht der Film unter den bisherigen Marvel-Verfilmungen auch heraus, da er mehr an Abenteuerfilme, wie die „Indiana Jones“-Reihe oder den Retro-Sci-Fi-Klassiker „Sky Captain and the World of Tomorrow“, als an „Iron Man“ und Co. erinnert.

Patriotismus und Heldenverehrung gibt es natürlich auch, aber was will man bei einem Film namens „Captain America“ auch erwarten, der zudem auf einem Comic basiert, das 1941 mit den Nazis als Gegenspieler eingeführt wurde? Insofern kann man noch froh sein, dass sich der Film deutlich dazu bekennt ein phantastisches Werk zu sein und durchaus mit Humor an die Sache herangeht. Besonders die erste Hälfte des Films fand ich richtig gelungen und nach Tony Starks Verwandlung zu Iron Man wohl die beste Heldenentstehung der bisherigen Marvel-Verfilmungen: langsam, ausführlich und mit bedacht auf die Charaktere erzählt. So lobe ich mir das!

Auch wenn Hugo Weavings Red Skull als Bösewicht durchaus Potential geboten hätte, sehe ich hier doch den Schwachpunkt des Films. So richtig fies und hassenswert will der Rotschädel nicht erscheinen, zumal er sich auch meist im Hintergrund hält. Auch die finale Konfrontation fand ich eher schwach und durch die erzählerische Klammer war das Schicksal des Captains ohnehin prädestiniert. Die angedeutete Liebesgeschichte verpufft natürlich ebenso, wie die Beziehung zu all den anderen Charakteren. Schade, doch das wäre in Bezug auf „The Avengers“ wohl nicht anders möglich gewesen.

Fazit

Ingesamt bin ich sehr zufrieden mit dem Film und wurde mindestens ebenso gut unterhalten, wie von „Thor“ – und mit diesem darf sich „Captain America: The First Avenger“ auch um den zweiten Platz in der Prequel-Reihe streiten. Wirklich gute Unterhaltung mit ein paar offensichtlichen Schwächen, die jedoch nicht allzu schwer ins Gewicht fallen: 7/10 Punkte mit Option zur Aufwertung…

Thor (2011)

Aktualisierung: Ich habe „Thor“ am 2. April 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Irgendwie habe ich mich bei meiner filmischen Vorbereitung zu Marvels „The Avengers“ doch deutlich verschätzt. So sah ich gestern mit „Thor“ bereits den vorletzten Prolog zu Joss Whedons Superheldenepos. Wer hätte gedacht, dass meine Begeisterung für diese Art von Film so lange anhält? Teils hatte ich beinahe schon das Gefühl eine überlange Episode einer imposant inszenierten TV-Serie zu sehen. Marvel ist mit dieser übergreifenden Filmstruktur wirklich ein Coup gelungen – und das nicht nur aus Marketing-Sicht.

Thor (2011) | © Walt Disney

Thor (2011) | © Walt Disney

Als ich hörte, dass Kenneth Branagh die Regie von „Thor“ übernimmt, war zumindest mein Interesse geweckt. Was hatte man bei dieser seltsam anmutenden Kombination zu erwarten? Nachdem ich den Film nun gesehen habe, macht die Wahl Branaghs durchaus Sinn. Die Szenen in Asgard wirken fast schon wie eine Parodie auf die Shakespeare-Verfilmungen, für die der Regisseur und Schauspieler bekannt ist. Man kann die Inszenierungsfreude in jeder Szene spüren und ich bin mir sicher, dass es für Branagh ein großer Spaß war Thor, Odin, Loki und Co. ihre Wortgefechte austragen zu lassen.

„Thor“ ist anders, als die bisherigen Marvel-Verfilmungen. Zu Beginn wähnt man sich eher in einem klassischen Fantasyfilm, der mit bombastischen Bildern und übermäßigem CGI-Einsatz auftrumpft. Die Schlacht auf Jotunheim ist großer Actionquatsch, der einfach nur Spaß macht. Im krassen Gegensatz zu diesem effektüberladenem Prolog, ist Thors Ankuft in einem kleinen Kaff in New Mexico beinahe schon intim inszeniert. An dieser Stelle wird der Film zunächst zur Komödie, die ihren Humor größtenteils aus dem Zusammenprall der Kulturen zieht. Mit Natalie Portman, Stellan Skarsgård und Kat Dennings trifft unser gefallener Gott zudem auf ein merkwürdiges Trio, dessen Besetzung stellvertretend für den gesamten Film zu sein scheint.

Innerhalb des Marvel-Universums knüpft „Thor“ direkt an „Iron Man 2“ an und man bekommt erstmals einen Eindruck, wie groß und mächtig S.H.I.E.L.D. tatsächlich zu sein scheint. Durch die Aufteilung der Handlung auf zwei große Schauplätze – die Erde und Asgard/Jotunheim – kam es mir vor, als hätte ich jeweils nur einen Bruchteil der Geschichte gesehen. Als der Film zu seinem wenig einfallsreichen Showdown einsetze und kurz danach auch schon wieder vorbei war, hatte ich das Gefühl maximal die ersten zwei Akte gesehen zu haben. Das konnte es doch nicht schon gewesen sein? Trotz seiner teils absurden Handlung und Inszenierung hatte ich folglich enorm viel Spaß mit dem Film und die Zeit ist nur so verflogen.

Fazit

Wie soll ich „Thor“ nun bewerten? Es ist sicherlich die experimentellste der bisherigen Marvel-Verfilmungen und auch eine der kurzweiligsten. Leider fühlt sich der Film über weite Strecken sehr gehetzt an und ich hätte von beiden Schauplätzen und ihren Charakteren gerne mehr gesehen. Die Bilder sind teils kitschig, teils beeindruckend bombastisch und teils einfach nur irritierend. Die Schauspieler in ihren Rollen zwar oft verschenkt, doch man merkt die Spielfreude in jeder Szene. Ich zücke zunächst vorsichtig die 7/10 Punkte – mit deutlicher Tendenz nach oben…

Iron Man 2 (2010)

Aktualisierung: Ich habe „Iron Man 2“ am 1. April 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nach einer anstrengenden Arbeitswoche, freute ich mich heute ganz besonders auf einen entspannten Filmabend. Meine Sichtung der Prolog-Filme zu Marvels „The Avengers“ geht mit „Iron Man 2“ somit bereits in die dritte Runde. Damit komme ich schneller vorwärts, als ich ursprünglich gedacht hatte. Das Franchise bereitet mir immer noch großen Spaß und inzwischen ist die Vorfreude auf das große Finale schon ziemlich gewachsen…

Iron Man 2 (2010) | © Walt Disney

Iron Man 2 (2010) | © Walt Disney

Nach der letztwöchigen Sichtung von „Der unglaubliche Hulk“, ging es heute wieder zurück zu den Anfängen der Superheldensaga. Die Geschichte setzt ein paar Monate nach dem ersten Teil ein und ich hatte irgendwie das Gefühl die Hochphase des eisernen Helden verpasst zu haben. Man erfährt zwar, dass Iron Man der Welt Frieden gebracht hat, doch springt der Film sofort zur Demontage seines Ansehens in der Öffentlichkeit. Dies fand ich ein wenig schade, doch letztendlich brauchte man wohl das persönliche Drama, um die Handlung zügig nach vorne zu bringen.

Die Bösewichte sind meiner Meinung nach wieder die Schwachpunkte des Films. Nach dem großartigen ersten Auftritt Whiplashs (Mickey Rourke), lässt man diesen wieder verschwinden, nur um ihn am Ende gegen langweilige Dronen und einen weiteren Roboteranzug auszutauschen. Sehr schade, denn das erste Design war fantastisch und dürfte wohl die ikonografischste Szene des Films bilden – von Black Widows (Scarlett Johansson) erstem Kampfeinsatz einmal abgesehen.

Im Vergleich zu „Iron Man“ wirkt das Sequel holpriger erzählt und unstrukturierter. Der erweiterte Cast (u.a. Sam Rockwell) hat mir zwar sehr gut gefallen, doch bleiben die neuen Figuren größtenteils leider recht blass. Sehr schön fand ich dagegen die größere Rolle, welche die S.H.I.E.L.D.-Agenten in dem Film einnehmen. Habe ich Scarlett Johansson schon erwähnt? Sehr sehenswert. Auch Samual L. Jacksons Nick Fury bekommt langsam Profil und wirkt nicht mehr nur wie eine undefinierbare graue Eminenz.

Fazit

Insgesamt wirkte „Iron Man 2“ auf mich etwas schwächer als sein Vorgänger. Dieser hatte mich bei seiner Erstsichtung allerdings auch noch nicht vollständig überzeugt. Letztendlich bin ich mit dem Film durchaus zufrieden, da er wie das typische Sequel von allem einfach nur mehr bietet, was natürlich nicht immer der ideale Weg ist, doch hier größtenteils funktioniert: 7/10 Punkte.