New York für Anfänger – OT: How to Lose Friends & Alienate People

Nach einer äußerst fordernden Arbeitswoche habe ich mir gestern Abend Robert B. Weides „New York für Anfänger“ angesehen. Die Komödie schien mir genau die richtige Wahl zu sein, um den grauen Alltag zu vergessen. Leider ist es mir nicht gelungen abzuschalten, was sich auch negativ auf das Filmerlebnis ausgewirkt hat. Trotz Simon Pegg konnte der Film meine Erwartungen somit nicht komplett erfüllen.

Nach „Run, Fatboy, Run“ wartete ich 2008 voller Hoffnung auf Simon Peggs zweiten kömodiantischen Alleingang ohne seine sonstigen Partner Nick Frost und Edgar Wright. Jedoch hat es „How to Lose Friends & Alienate People“ nie ins örtliche Kino geschafft, woraufhin ich den Film auch schnell wieder vergessen hatte. Erst kürzlich ist er mir wieder in die Hände gefallen und trotz durchwachsener Kritiken erwartete ich mir eine bissige Lifestyle-Satire mit einem meiner Lieblingsschauspieler.

Von Bissigkeit ist in „New York für Anfänger“ leider nicht viel zu spüren. Es gibt zwar formidable Ansätze, doch leider verfängt sich die Buchverfilmung immer mehr in typischen RomCom-Strukturen. Glücklicherweise gibt es den nicht zu bremsenden Simon Pegg zu bewundern, der herrlich die Balance zwischen nervtötender Penetranz und herzerweichender Trotteligkeit zu spielen weiß. Auch die meisten anderen Darsteller (u.a. Jeff Bridges, Kirsten Dunst, Gillian Anderson und Megan Fox) wissen zu überzeugen, können jedoch das unfertig wirkende Drehbuch nicht ausgleichen.

Letztendlich ist „How to Lose Friends & Alienate People“ eine etwas unausgewogene Mischung aus Lifestyle-Satire und RomCom, die aufgrund ihrer gut aufgelegten Darstellern zu unterhalten weiß. Leider jedoch hat man den Film aufgrund seiner Formelhaftigkeit bestimmt auch schon bald wieder vergessen. Für einen netten Abend aber durchaus empfehlenswert – besonders für Fans von Simon Pegg: 6/10 Punkte.

Tucker & Dale vs. Evil (2010)

Schon lange habe ich keinen so erfrischenden Film mehr gesehen. Es ist wahrlich eine Freude, was Eli Craig mit „Tucker & Dale vs. Evil“ für ein Wundertüte von einem Film auffährt. Meist setzen auf lustig getrimmte Horrorfilme einzig und allein auf Splattereffekte oder platten Humor, doch die richtige Gratwanderung aus Verbeugung vor dem Genre und Eigenständigkeit gelingt nur den wenigsten. Dieser Film ist eine dieser seltenen Ausnahmen.

Mag man Eli Craig das größte Kompliment machen, dann könnte man schreiben, dass „Tucker & Dale vs. Evil“ das Gleiche für den Backwood-Horror erreicht hat, wie Wes Cravens „Scream“ für den Slasher. Eine nahezu perfekte Genreparodie. Natürlich lassen sich beide Filme nur bedingt vergleichen und aufgrund seiner Indie-Herkunft sollte man vermutlich eher „Behind the Mask: The Rise of Leslie Vernon“ als Slasher-Pendant heranziehen. Allen drei Filmen gelingt es dabei – wie z.B. auch „Shaun of the Dead“ – zum Brüllen komisch und dennoch innerhalb der eigenen Regeln höchst mitreißend zu sein, ohne dabei die Charaktere der Lächerlichkeit preiszugeben.

Die Prämisse von „Tucker & Dale vs. Evil“ ist so simpel wie brilliant, dass man sich nur fragen kann, wieso man nicht selbst auf diesen Gedanken gekommen ist. An dieser Stelle möchte ich nicht mehr verraten, da es nur die Freude am Filmerlebnis trüben würde. Trotz seiner exzellenten Grundidee würde der Film ohne Alan Tudyk (Wash, „Firefly“ und „Serenity“) und Tyler Labine (Larry Munsch, „Mad Love“) jedoch nicht funktionieren. Ein herrliches Leinwandpaar, das hier auch unerwartet ruhige Töne anschlagen darf. Auch die restlichen Mitglieder des Casts wissen in ihren begrenzten Rollen zu überzeugen.

Der einzige Kritikpunkt, den ich habe, ist die Motivation des eigentlichen Killers. Hier wäre es doch wunderbar gewesen, wenn man im Abspann gesehen hätte, wie sich bereits seine Eltern das Memorial Day Massaker nur eingebildet hätten. Aber vielleicht hätte dies der Integrität der Geschichte auch eher geschadet, denn auch wenn das Finale eher klischeehaft abläuft, bleibt der Film dabei doch stets unterhaltsam und weiß mit herrlich grotesken Szenen aufzuwarten.

Mich hat „Tucker & Dale vs. Evil“ wahrlich exzellent unterhalten und ich würde mir an dieser Stelle beinahe ein Sequel wünschen. Vielleicht eine Torture Porn-Parodie? Vielleicht etwas ganz anderes? Allein dieser Wunsch beweist, dass mit Tucker und Dale zwei Charaktere die Genre-Bühne betreten haben, an die man sich – so man über diesen Film stolpert – noch lange erinnern wird. Unbedingt anschauen: 8/10 Punkte.

Wie ein einziger Tag – OT: The Notebook (2004)

Nachdem mich meine Frau letztens fragte, warum wir uns so selten lustige oder schöne Filme anschauen, sah ich mich unter Zugzwang. Also habe ich mich nach Werken umgesehen, die ebendiese Attribute erfüllen. Die gestrige Sichtung von Nick Cassavettes „Wie ein einziger Tag“ ist das erste Ergebnis meiner temporären Neuausrichtung. Dabei bin ich Filmen dieser Art ja selbst nicht abgeneigt. Manchmal muss man eben zu seinem Glück gezwungen werden.

Eine altbekannte Marketing-Weisheit besagt, dass der Kunde einzig und allein Emotionen kauft. Keine Produkte, keine Lösungen. Emotionen. Dies lässt sich nahezu 1:1 auf unsere Filmwahrnehmung adaptieren. Auch wir Zuschauer erfahren in erster Linie Emotionen. Die Geschichte kann noch so wendungsreich erzählt, die Inszenierung noch so bombastisch und die Effekte können noch so atemberaubend sein. Wenn es dem Film nicht gelingt Emotionen zu transportieren, wird er nie wirklich dort ankommen, wo er als wahrhaftiges Filmerlebnis in unserer Wahrnehmung gespeichert wird. „The Notebook“ erfüllt diese Voraussetzung nahezu perfekt.

Die Erzählstruktur hat man schon bestimmt ein halbes dutzend Mal gesehen. Sie ist nicht neu, aber effektiv. Ob „Grüne Tomaten“, „Titanic“ oder „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ – eine erzählerische Klammer bildet stets den emotionalen Anker, von dem aus sich die episch anmutenden Geschichten entfalten. Auch Nick Cassavettes bzw. Nicholas Sparks setzt auf diesen Kniff und weiß ihn geschickt zu inszenieren. Sonnendurchflutete Bilder voller Südstaatenromantik, grandiose Darsteller (u.a. Kevin Connolly aus „Entourage“, aber besonders Rachel McAdams und Ryan Gosling als junges Liebespaar) und eine ruhige und bedachte Erzählweise zeichnen den Film aus.

„The Notebook“ erzählt eine zutiefst sentimentale Geschichte. Als Zuschauer sollte man sich dessen auch bewusst sein und – zumindest zum Teil – eine romantische Ader besitzen. Wenn man sich jedoch auf den Film einlässt, dann kann man sich seiner emotionalen Sogwirkung kaum entziehen. Einzig das Finale hätte ich persönlich anders gestaltet und den Film offener z.B. in einer Parallelmontage zwischen damals und heute enden lassen. So oder so wurde ich äußerst positiv überrascht, denn trotz aller Sentimentalität gleitet der Film nie in den Kitsch ab – und das ist in diesem Genre leider keine Selbstverständlichkeit. Schön, einfach nur schön: 8/10 Punkte.

Ohne Limit – OT: Limitless – Extended Cut (2011)

Dank purzelnder Blu-ray-Preise komme ich in letzter Zeit doch recht häufig in den Genuss aktuellerer Filme, auch wenn ich es kaum noch ins Kino schaffe. Hinzu kommt Originalton und ein zu 100% sympathisches Publikum. Die besten Voraussetzungen also? Natürlich muss auch noch der Film stimmen und Neil Burgers „Ohne Limit“ war eine exzellente Wahl, die sich auch auf der großen Leinwand gut gemacht hätte. Aber man kann schließlich nicht alles haben, oder etwa doch?

Eddie Morra, der Held des Films, hat alles und noch viel mehr. Wie er dies erreicht hat und warum sein Leben am Abgrund steht erzählt er uns selbst: Rückblende. Voice-over. Alles auf Anfang. Eine klassische Rise-and-Fall-Geschichte also? Was die Struktur des Films angeht bestimmt. Jedoch gibt sich „Limitless“ damit nicht zufrieden. Neil Burger erzählt zudem einen Drogen-Thriller mit Science-Fiction-Anleihen, macht einen kurzen Ausflug in den Wirtschaftskrimi und inszeniert gleichzeitig mit den Mitteln des Effektekinos. Ein bunter Genremix, dem es auch noch gelingt emotional mitzureißen.

Die Prämisse ist ansich recht simpel: Eine Droge, die es uns ermöglicht die gesamte Kapazität unseres Gehirns zu nutzen. Eine wahrlich wunderbare Idee! Kritiker, die sich über die wissenschaftliche Unmöglichkeit eines solchen Präparats aufregen, haben damals wahrscheinlich auch gegen die Bernstein-Dinos aus Spielbergs „Jurassic Park“ gewettert. Für alle anderen Zuschauer bietet die Adaption von Alan Glynns „The Dark Fields“ mitreißende Unterhaltung auf audiovisuell höchstem Niveau.

Normalerweise bin ich schnell genervt von inszenatorische Spielereien. Neil Burger gelingt es jedoch Morras Drogenerfahrung in Bilder zu verpacken, die man so schnell nicht mehr vergisst und dabei die Handlung perfekt unterstützen. Auch wenn die Inszenierung und das packende Spiel Bradley Coopers (Phil, „The Hangover“) nicht über die nur zu klassische Dramaturgie und das beinahe schon antiklimaktische Ende hinwegtäuschen können, so ist die Symbiose aus Inhalt und Form doch als absolut gelungen zu bezeichnen.

„Ohne Limit“ mag kein Meisterwerk sein, doch habe ich schon lange keinen relativ klassischen Thriller mehr gesehen, dessen Grundidee und Inszenierung mich so mitreißen konnten. Besitzern der Blu-ray sei übrigens der Unrated Extended Cut ans Herz gelegt, welcher der Geschichte die nötigen Ecken und Kanten verleiht. So oder so ein äußerst sehenswerter Film – auch oder gerade im Heimkino: 8/10 Punkte.

Scream 4 – OT: Scre4m (2011)

Müsste ich meine beeindruckendsten Kinobesuche nennen, so würde es die 1997er Sichtung von Wes Cravens „Scream“ auf jeden Fall unter die Top 5 schaffen. Doch diese Anekdote ist an anderer Stelle angebrachter. So oder so war ich nach über 10 Jahren äußerst gespannt, ob es Wes Craven und Kevin Williamson gelungen ist, das sich totgelaufene Genre mit „Scream 4“ erneut zu beleben. Interessanterweise hat der Film wieder mit den an ihn gerichteten Erwartungen gebrochen – allerdings auf andere Weise, als vermutet… Spoiler sind zu erwarten.

Als „Scream 4“ angekündigt wurde, war ich nach dem schwächeren dritten Teil einerseits skeptisch, andererseits konnte ich mir aber auch gut vorstellen, dass das sich seit den 1990ern doch sehr gewandelte Genre genug neue Ansatzpunkte für eine imposante Rückkehr des Ghostface-Killers bietet. So hatte ich wohl am ehesten erwartet, dass sich das Gespann Craven/Williamson der Torture-Porn-Welle annimmt und die Reihe somit in eine auch stilistisch neue Richtung lenken würde. Weit gefehlt. Auch wenn Facebook, Twitter und Co. Einzug nach Woodsboro hielten, so hatte ich gestern eher das Gefühl mich auf eine Zeitreise zurück in die 1990er Jahre begeben zu haben. Der Film ist einfach unfassbar nah an den Originalen inszeniert.

Sowohl Kameraführung, Charaktere, dramaturgischer Aufbau, Musikuntermalung und Atmosphäre erinnern so sehr an besonders die ersten beiden Teile, dass die seit dem bahnbrechenden Auftakt vergangenen 15 Jahre schon fast unwirklich scheinen. Einerseits war ich etwas enttäuscht, dass die Filmreihe auf so ausgetretenen Pfaden wandelt, andererseits hat mir die Retro-Atmosphäre unglaublich gut gefallen. Besonders da Themen, wie Reboot, Remake usw. auch im Film thematisiert wurden. Großartig!

Zugenommen hat der Anteil an Meta-Anspielungen auf das Genre und die Filmreihe selbst. Hier sticht besonders der Prolog heraus, der mit herrlichen Cameo-Auftritten (u.a. Anna Paquin, „True Blood“ und Kristen Bell, „Veronica Mars“) aufwartet. Überhaupt ist der Film über weite Strecken so meta, dass wohl nur beinharte Genre- und „Scream“-Fans ihren Spaß damit haben werden. Leider jedoch folgt auch „Scream 4“ am Ende nur stereotypischen Genrekonventionen, was letztenlich viel von seinem Potential zerstört. Dabei wäre hier wirklich Großes möglich gewesen.

Erwähnte ich schon Spoiler? Auch wenn die Enthüllung der Killer nur wenig überraschend war (im Grunde hätte es wieder einmal jeder sein können), so fand ich den direkten Bezug zum Original famos. Auch Jills Motiv hat perfekt in die Filmreihe gepasst. Nur warum hat man sie ihr Ding nicht durchziehen lassen? Was wenn man ihr auch als Zuschauer auf den Leim gegangen wäre und man ihre Selbstverstümmelung erst im Abspann präsentiert hätte? Aber nein, es muss noch ein absolut klischeehaftes zweites Finale im Krankenhaus geben, das wieder alle Optionen für eine weitere Fortsetzung offen hält.

Insgesamt hat mich „Scream 4“ sehr gut unterhalten. Die Sichtung hat mich wieder in meine Jugend zurückkatapultiert, was dem Film schon einmal Bonuspunkte einbringt. Das Retro-Gefühl wirkt dabei glücklicherweise nicht aufgesetzt und auch wenn sie das Genre nicht neu definiert, so darf man die Handlung dieses späten Sequels durchaus als gelungen bezeichnen. Leider jedoch hat die Filmemacher gegen Ende der Mumm verlassen, was ich persönlich äußerst schade finde. Seine 7/10 Punkte hat sich der Film aber auf jeden Fall verdient. Lust auf das Original habe ich auch wieder bekommen. Scream-A-Thon, anyone?

RED (Retired Extremely Dangerous)

Nach einem auslaugenden Arbeitstag hatte ich mich sehr auf einen entspannten Filmabend gefreut. Da in letzter Zeit etliche Blindkäufe ihren Weg in meine Sammlung gefunden haben, war die Qual der Wahl groß. Letztendlich haben wir uns auf „RED“ (Retired Extremely Dangerous) geeinigt, der genau das richtige Maß an Unterhaltung versprach. Schließlich muss man auch bei der Filmwahl stets die eigenen Aufmerksamkeitsdefizite mit einkalkulieren…

Robert Schwentkes („Flightplan“) Actionkomödie hat größtenteils ziemlich gute Kritiken bekommen, dennoch hatte ich den Film nie so richtig auf dem Radar. Mit Bruce Willis, John Malkovich, Helen Mirren und Morgan Freeman in den Hauptrollen, wollte ich jedoch auf jeden Fall einmal reinschauen. Die Besetzung ist es auch, die den Film über den Genredurchschnitt hebt. Neben den genannten Schauspielgrößen sind es jedoch vor allem Mary-Louise Parker und Richard Dreyfuss, die mich überzeugt haben. Karl Urban kann seinem Anspruch einen ebenbürtigen Gegenspieler darzustellen dagegen leider nie ganz gerecht werden.

Die Geschichte des Films ist eher ein Deckmantel für diverse Actioneinlagen und humorvolle Szenen, die meist auf das Alter der Protagonisten anspielen. Ein wenig Verschwörung, ein wenig Rache und viel Action. Nichts Besonderes, aber genug um den Film zu tragen. Am besten hat mir jedoch die erste Hälfte des Films gefallen, in der vor allem die Charaktere eingeführt und etabliert werden. Gegen Ende verliert sich „RED“ dagegen in ungefähr schon ein gutes dutzend Mal gesehen Konflikten und deren gewaltsamer Bewältigung.

Erwähnen sollte ich vielleicht noch die stimmige – wenn auch immer etwas zu glatt wirkende – Inszenierung. Florian Ballhaus fängt unsere Altstars gekonnt ein und weiß mit netten Kameraspielereien zu punkten. Alles in allem ist „RED“ eine unterhaltsame Actionkomödie, die in ihren besten Momenten ein wenig an James Camerons „True Lies“ erinnert, größtenteils aber auf zu vorhersehbare Kost setzt und hauptsächlich durch ihre Darsteller zu überzeugen weiß: 6/10 Punkte.

Edit: Nachdem ich die Handlung des Films nur zwei Tage nach dessen Sichtung schon wieder komplett vergessen habe, mir aber immerhin noch einige unterhaltsame Szenen in Erinnerung sind, musste „RED“ nachträglich eine leichte Abwertung (um 1 Punkt) hinnehmen.

Die schrillen Vier in Las Vegas – OT: Vegas Vacation (1997)

Gestern Abend habe ich mich erneut mit der Familie Griswold in den Urlaub begeben. Soweit ich mich erinnern kann, habe ich „Die schrillen Vier in Las Vegas“ damit zum ersten Mal gesehen. Ganz im Gegensatz zu den Vorgängern, die mich durch meine filmische Jugend begleitet haben. Kann es der 8 Jahre später gedrehte Nachfolger mit den ersten drei Filmen aufnehmen?

Leider nein. Zwar war ich überrascht, wie sehr auch „Vegas Vacation“ noch den Geist der Filmreihe atmet, doch ist es vor allem das neue Reiseziel, das diesen Trip qualitativ deutlich abfallen lässt. Nach einem Roadtrip quer durch die USA, einer Reise durch Europa und der köstlichen Zelibrierung aller klischeehaften Weihnachtsrituale soll nun also eine Reise nach Las Vegas all das übetreffen? Das kann nicht so recht funktionieren. Somit sind es vor allem die Anreise, das Einchecken im Hotel und der Trip zum Hoover Dam, welche die guten alten Zeiten heraufbeschwören.

In Las Vegas selbst stagniert die Handlung enorm. Clarks Spielsucht sorgt kaum für Lacher, Ellens Techtelmechtel mit Wayne Newton empfand ich größtenteils als zu langweilig und Audreys Ausflug ins Nachtleben war viel zu brav inszeniert. Einzig Rustys Aufstieg zum großen Player hat mich als gesonderter Handlungsstrang überzeugt. Gefreut habe ich mich zudem über Cousin Eddie und Familie, deren Auftritt jedoch auch mehr Potential gehabt hätte.

Insgesamt ist „Vegas Vacation“ eindeutig der schwächste Teil der Filmreihe. Dennoch darf man ihn sich als Fan durchaus anschauen, bietet er zumindest in der ersten Filmhälfte einige nette Schmunzler und Anspielungen auf die klassischen Teile. Die Reihenfolge würde ich insgesamt folgendermaßen einordnen, wobei Platz zwei und drei nahezu austauschbar sind:

1. „Christmas Vacation“
2. „European Vacation“
3. „Vacation“
4. „Vegas Vacation“

Ein wenig Nostalgie sollte bei einer Sichtung von „Vegas Vacation“ schon mitschwingen, um dem Film etwas abgewinnen zu können. Spaß kann man mit den Griswolds durchaus auch in der Glücksspiel-Metropole haben, allerdings sollte man eine hohe Toleranz für dumme Witze und altmodische Erzählweise haben. Nett war es irgendwie dennoch: 5/10 Punkte.

Children of Men (2006) (WS1)

Manchmal hat man es als arbeitender Filmfreund und Vater nicht leicht (= Erste-Welt-Probleme). So bleiben meist nur wenige Abende, um seinem Hobby zu frönen. Nimmt jedoch die Arbeit überhand und verkürzen sich die Nächte aufgrund kränkelnden Nachwuchses auf ein paar Stunden, so fallen meist auch diese Abende der Müdigkeit zum Opfer. Trotz dieser denkbar schlechten Voraussetzungen habe ich mir gestern erneut Alfonso Cuaróns „Children of Men“ angesehen und war wieder begeistert – wenn auch nicht aufgrund der exakt gleichen Gesichtspunkte, wie noch bei der letzten Sichtung.

Eigentlich könnte ich meinen letzten Eintrag nahezu 1:1 übernehmen und müsste ihn nur um wenige Punkte ergänzen. Erneut hat mich die inszenatorische Wucht umgehauen, erneut hat mich der Film an die großen Dystopien der 70er Jahre erinnert und erneut hat mich die schiere Ausweglosigkeit beinahe erdrückt. Dennoch gibt es ein nicht zu vernachlässigendes Element, welches die gestrige Sichtung noch einmal deutlich intensiviert hat: die Geburt meiner Tochter. Erst jetzt konnte ich das volle Ausmaß des Entsetzens nachvollziehen, das mit dem komletten Fehlen menschlichen Nachwuchses einhergeht. Das Leben hört einfach auf zu existieren. Es gibt keine Hoffnung mehr. Keine Zukunft. Die Theorie war mir zwar auch schon beim letzten Mal klar, doch die emotionale Intensität dieser Prämisse konnte ich erst als Vater vollständig nachvollziehen.

Auch das Ende hat mir dieses Mal bedeutend besser gefallen. Nicht zwangsweise in Bezug auf The Human Project, doch die Hoffnung, die Theo Faron (Clive Owen) aus der reinen Existenz neuen Lebens schöpft, kam mir plötzlich sehr bekannt vor. Es geht weiter. Somit hat sich mein Wunsch bestätigt und diese Zweitsichtung war genauso intensiv, wie der erste Durchgang. Großartiges Kino, das man nicht nur als Genrefreund gesehen haben sollte: 9/10 Punkte.

Sanctum (2011)

Normalerweise kann ich ziemlich gut abschätzen, ob mir ein Film gefallen wird oder nicht. Der von James Cameron produzierte Abenteuerfilm „Sanctum“ schien wie gemacht für mich: Ich liebe Filme, die in weitläufigen Höhlen spielen, Unterwasserszenen werten für mich jeden Film auf und der Name James Cameron birgt für Qualität und hat mich bisher noch nie enttäuscht. Was soll da noch schief gehen? Leider so einiges, doch dazu später mehr…

Meine Erwartungshaltung war wirklich enorm und ich habe mich maßlos geärgert den Film im Kino verpasst zu haben. Auch eher durchschnittliche Kritiken konnten mich nicht abschrecken, hat mich doch z.B. auch der gerne verrissene „The Cave“ ausgezeichnet unterhalten. Die erste Enttäuschung kam als ich erfuhr, dass „Sanctum“ auf einer wahren Begebenheit beruhen soll. Soviel dann zum Thema – ich bin nun einmal ein Genrefreund – übernatürliche Elemente, doch war ich letztendlich auch hier guter Dinge, da mir die realistische erste Hälfte von „The Descent“ als äußerst beeindruckend in Erinnerung geblieben ist.

Was hat „Sanctum“ also zu bieten? Teils wirklich enorm schöne Bilder und einige schweißtreibende Szenen, die der klaustrophobischen Kombination aus räumlicher Enge und Wasser geschuldet sind. Leider jedoch war es das auch schon. Selten habe ich mich bei einem Film mehr über die Charaktere und ihre Entscheidungen aufgeregt. Ob nun der zurückgelassene Neoprenanzug und damit einhergehend das klischeehafte Frauenbild, das angespannte Vater-Sohn-Verhältnis oder der nervliche Zusammenbruch des Draufgängers. All dies hat man bereits dutzende Male so viel besser gesehen. Das Drehbuch ist wahrlich ein einziges Ärgernis.

Auch mit seiner Inszenierung gewinnt der „Sanctum“ keine Preise. Zwar sieht er größtenteils schon recht gut aus, doch lassen sich die beeindruckenden Einstellungen an einer Hand abzählen. Hier hatte ich mir – besonders im Vergleich zu den beiden oben genannten Filmen – deutlich mehr erwartet. Auf der Oberwelt sieht das Bild zudem übermäßig digital aus, was mir ohnehin nicht sonderlich zusagt. Auch erkennt man in vielen Einstellungen deutlich, dass der Film für 3D gedreht wurde. So gibt es seltsam anmutende Perspektiven oder unnötige Kamerafahrten zu sehen. Nicht wirklich störend, aber auffällig.

Insgesamt hat mich „Sanctum“ leider ziemlich enttäuscht, was natürlich auch mit meiner ursprünglichen Erwartungshaltung zusammenhängt. So habe ich gestern leider nicht das neue Standardwerk des Höhlentaucherfilms gesehen, sondern nur einen recht nett anzusehenden Abenteuerfilm mit teils drastischen Bildern und mauem Drehbuch. Genrefreunde (so es diese da draußen überhaupt gibt) können durchaus einen Blick riskieren, alle anderen können den Film links liegen lassen. Schade um die schöne Kulisse: 5/10 Punkte.

X-Men: Erste Entscheidung – OT: X-Men: First Class (2011)

Nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich mir heute einmal wieder einen Film angesehen. Endlich. Matthew Vaughns „X-Men: Erste Entscheidung“ war zudem eine sehr gute Wahl. Ins Kino hatte ich es damals – wie so oft – leider nicht geschafft und da mich die „X-Men“-Reihe größtenteils ausgezeichnet zu unterhalten wusste, hatte ich mich trotz des mittelmäßigen „X-Men Origins: Wolverine“ schon sehr auf die Heimkinoauswertung gefreut.

Der jüngste Spross der niemals enden wollenden Superhelden-Saga wirkt über weite Strecken wunderbar altmodisch. Das 60er Jahre Gefühl wird perfekt eingefangen und spätestens mit dem Auftritt von January Jones (Betty Draper, „Mad Men“) war ich in diesem alternativen Universum angekommen. Auch die Inszenierung passt zum Look des Films. Zwar gibt es durchaus modern inszenierte Actionszenen, doch bleibt die Kamera dabei wunderbar bodenständig und ordnet sich der Handlung unter.

Oft hat mich „X-Men: First Class“ mehr an die „James Bond“-Abenteuer der 60er Jahre erinnert, als an einen Superheldenfilm. Unterstützt wird dieser Eindruck wohl durch die geschickte Verknüpfung der fiktiven Handlung mit der Kubakrise. Etliche Elemente dieses Handlungsstrangs könnten direkt in den Sets eines 007-Films gedreht worden sein. Ein Auftritt des jungen Sean Connerys hätte mich demnach kaum verwundert. Ungewöhnlich für heutige Sehgewohnheiten, aber gerade deshalb herausragend.

Die Geschichte des Films läuft relativ überraschungsfrei ab und man darf sich als Zuschauer an diversen Mutanten und ihren Fähigkeiten erfreuen. Kevin Bacon gibt einen netten Bösewicht und James McAvoy entwickelt eine schöne Dynamik mit Michael Fassbender. Überhaupt ist die Besetzung sehr gelungen und macht Lust auf mehr. Über ein 70er oder 80er Jahre Abenteuer der „X-Men“ wäre ich wahrlich nicht traurig. Endlich ein Prequel, das dem Original in nichts nachsteht: 8/10 Punkte.