Autor: bullion
Ablenkung: Mein virtuelles Ich?
Was tut man, wenn man keine Lust auf das hunderdste Storyboardbild hat? Richtig, sich mit Surfen ablenken. Dabei bin ich auf meez.com gestoßen, wo man sich gar wunderbar von der Arbeit abhalten lassen kann. Lange Rede, kurzer Sinn. So sieht – zumindest im Moment – mein virtuelles Ich aus:

Da ich kein Arbeitszimmer habe, steht mein Rechner tatsächlich im Wohnzimmer. Der TV ist um einiges kleiner und eine Lavalampe ist bei mir auch nicht zu finden. Dafür habe ich einen Stuhl. Außerdem hängt bei mir kein „Star Wars“-, sondern ein „Fight Club“-Poster. Ansonsten trifft das schon so einigermaßen zu (besonders die unglaublich vielen Kaffeebecher). Genug abgelenkt und zurück zu Photoshop.
Edit: Da mich das Gezappel der animierten Version – bestimmt genauso wie euch – völlig genervt hat, habe ich es entfernt.
Meine zehn nutzlosesten Fähigkeiten
Von Löwenzahns Welt kommt mir das bisher zweite Stöckchen meiner Bloggerkarriere zugeflogen. Es geht darum nutzlose Dinge aufzuzählen, die man besonders gut kann. Da müsste sich bei mir doch ein reicher Fundus angesammelt haben. 😀
Besonders gut kann ich…
…meine Mitmenschen mit sinnlosem Wissen aus allen nur erdenklichen popkulturellen Bereichen erfreuen.
…mich in fremden (und bekannten) europäischen Groß- oder Kleinstädten verfahren, nur um dann doch immer irgendwie ans Ziel zu finden. Zwar völlig gestresst und kaputt, aber dennoch am Ziel.
…mich nicht langweilen. Ich schaffe es einfach nicht. Mir fällt immer etwas ein. Da dies keine nutzlose Eigenschaft ist, sollte ich hinzufügen, dass mir meist nur nutzlose Dinge einfallen.
…in den unpassendsten Situationen Ruhe bewahren. Dafür lasse ich mich von den normlasten Dingen manchmal komplett aus der Bahn werfen. Irgendwie muss ja schließlich das Gleichgewicht gewahrt werden.
…mich über tolle Filme, Serien, Bücher, Musik etc. freuen. Eine Eigenschaft, die bei vielen meiner Mitmenschen auf Verständnislosigkeit stößt.
…spät in der Nacht einen riesen Hunger entwickeln, so dass der Mitternachtssnack inzwischen fast schon zur festen Mahlzeit geworden ist. Dafür muss das Frühstück meist übermäßigem Kaffeegenuss weichen.
…Panikattacken bekommen, wenn mein Rechner abschmiert und ich meine Diplomarbeit schon wieder viel zu lange nicht extern gesichert habe.
…zur Belustigung meiner Mitmenschen teils äußerst tollpatschig sein. Natürlich immer in den unpassendsten Situationen.
…vor dem Kauf neuester technischer Errungenschaften stundenlang im Internet recherchieren. Meist mit dem Ergebnis, dass ich hinterher noch unschlüssiger bin, als zuvor.
…mich durch irgendwelche anderen Tätigkeiten (z.B. Stöckchen) von der Arbeit abhalten lassen.
So, genug sinnvolle Sachen geschrieben. Stöckchen wird weitergeworfen an Inishmore und Martin.
Easy Riders, Raging Bulls (2003)
Seitdem ich mich für das Kino begeistere, interessiere ich mich auch für die Geschichte des Films. Eine hervorragende Doku über das Ende der Studiozeit und das folgende New Hollywood ist Kenneth Bowsers „Easy Riders, Raging Bulls“. Die Tagline ‚How the Sex ’n‘ Drugs ’n‘ Rock ’n‘ Roll Generation Saved Hollywood‘ beschreibt schon ziemlich genau das, was den Zuschauer erwartet.

Nach dem Zusammenbruch des Studiosystems waren es vor allem die jungen, wilden Filmemacher, die das Publikum ins Kino gelockt haben. Inspiriert vom europäischen Autorenfilm und den damals äußerst erfolgreichen B-Movies, haben sich Filmemacher wie Francis Ford Coppola, Martin Scorsese, aber auch Steven Spielberg und George Lucas ihren festen Platz im neuen Hollywood gesichert.
Dieser Aufstieg in den Filmolymp wird anhand von Interviews, Filmausschnitten, Produktionsvideos und -fotos, sowie animierten Kinoplakaten gezeigt. Die Art der Präsentation ist dabei äußerst unterhaltsam und es macht Spaß, alten Haudegen wie Dennis Hopper oder Peter Fonda bei ihren Erinnerungen an diese wilde Zeit zuzuhören. Dabei wird versucht eine objektive Perspektive beizubehalten und die Interviewpartner selbst als Zeitzeugen sprechen zu lassen. Dies gelingt größtenteils auch und ist – wenn man den zusätzlichen Interviews auf der DVD glauben mag – um einiges näher an der Wahrheit, als die Buchvorlage.
Ich kann „Easy Riders, Raging Bulls“ jedem empfehlen, der sich auch nur etwas dafür interessiert, wie das neue Hollywood entstanden ist. Heute sitzt man fast schon ungläubig vor dem Fernseher und fragt sich, wie sich die Filmkultur in so kurzer Zeit so stark ändern konnte. Heute läuft nichts mehr ohne Zielgruppenanalyse, Testscreenings, großangelegte Marketingkampagnen etc. Der Grundstein dafür wurde allerdings schon damals gelegt. Die jungen, wilden Filmemacher sind erwachsen geworden. Äußerst sehenswert: 9/10 Punkte.
Unheimliche Begegnungen
Neulich Nacht wurde ich von einer gruseligen Erscheinung heimgesucht. Gegen Mitternacht las ich nichtsahnend in meinem aktuellen Lesestoff, den ich seit Weihnachten zum ersten Mal zur Hand genommen hatte. Irgendwann war ich dann doch ziemlich müde und habe das Buch zur Seite gelegt. Licht aus. Augen zu. Man kennt das ja. Doch plötzlich habe ich im Augenwinkel ein seltsames Licht wahrgenommen. MP3-Player war aus. Auch sonst wäre mir keine plausible Erklärung für das Leuchten eingefallen. Nachdem ich mich dann umgedreht hatte, erblickte ich folgende gespenstische Erscheinung:

Ich bin zwar nicht wirklich erschrocken, doch für den Bruchteil einer Sekunde war mir nicht wirklich klar, was ich da sehe. Ein seltsames Gefühl. Können die Verleger denn keine Warnung auf das Cover drucken? Eine ältere Person mit schwachem Herzen – vorausgesetzt eine solche liest Psychothriller – wäre nun vermutlich samt der Hand ins Geisterreich übergewechselt. Ich werde meinen Lesestoff demnächst auf jeden Fall genauer untersuchen, denn die friedliche Stimmung bei Tageslicht kann trügerisch sein:

King Kong – Extended Edition (2005)
Peter Jacksons Nachfolger seines Meisterwerks „Der Herr der Ringe“ wurde mit Spannung erwartet. Doch wurden bereits im Vorfeld viele Stimmen laut, die meinten, der Film sei zu langatmig, zu ausgewalzt, einfach zu übertrieben. Ich jedoch hatte bereits bei der Sichtung im Kino großen Spaß an dem Affen. Auch auf DVD macht „King Kong – Extended Edition“ eine sehr gute Figur und zeigt erneut Jacksons große Liebe für das Kino – und die Urversion von „King Kong“ im Speziellen.

Ich kann mir jedoch vorstellen, warum viele Leute Schwierigkeiten mit dem Film haben. Actionliebhaber werden vermutlich von der ersten Stunde abgeschreckt, in der die Figuren und ihre Umfeld behutsam charakterisiert werden. Freunde des ruhigeren Films können dagegen mit dem Teil auf der Insel wohl weniger anfangen. Zu viele Urviecher und Actionsequenzen. Wen hatte Peter Jackson also als Zielgruppe im Kopf? Wahrscheinlich sich selbst. Und damit Menschen, die Filme lieben. Jede Art von Film. Nicht nur spezielle Genres. Vermutlich sollte man zudem ein Faible für klassische Monsterfilme haben. Ein Filmgeek sein. Doch „King Kong“ ist nie so abgehoben oder so speziell, dass nicht auch das normale Publikum seine Freude an diesem grandiosen Abenteuerspektakel haben könnte.
Trotz seiner ultramodernen Technik ist Jacksons „King Kong“ ein klassischer Abenteuerfilm. Es gibt eine strikte Dreiteilung der Geschichte, die Figuren transportieren die Naivität des 1933er „King Kong“ in die heutige Zeit und die Monsterszenen sind genauso atemberaubend übertrieben, wie 1933 bestimmt auch die Stopmotionsequenzen für das damalige Publikum gewirkt haben müssen. Alles in Allem ist auch Jacksons moderner „King Kong“ ein klassischer Abenteuerfilm und auf einen solchen sollte man sich einlassen können, wenn man seinen Spaß haben will.
Von der Ausstattung, über die Inszenierung, bis hin zu den Schauspielern: Alles ist stimmig. Man fühlt sich in eine fantastische Welt versetzt, die durch die erste halbe Stunde die nötige Glaubwürdigkeit verliehen bekommt. Sicher spielt Jack Black den Orson Welles-Verschnitt manisch übertrieben, Adrian Brodys Jack Driscoll geht in dem bunten Treiben fast etwas unter und Naomi Watts‘ Ann Darrow überstrahlt alle anderen Figuren. Das geht aber voll in Ordnung, da die Darstellung der Figuren perfekt in die überhöhte Realität des Abenteuerfilms passt und die Hauptrolle sowieso ein anderer spielt: „King Kong“.
Der große Affe ist wirklich ein Meisterwerk. In den meisten Einstellungen wirkt er so lebensecht, wie kein zweiter CG-Charakter. Unglaublich. Man fühlt mit ihm mit. Kann Ann Darrow verstehen. Er bewegt sich wie ein Tier, verhält sich wie ein Tier. Sind ansonsten nicht alle computergenerierten Sequenzen (Dinojagd etc.) perfekt gelungen, Kong ist es. Der Affe hebt den Film über das Niveau eines einfachen Abenteuerfilms und verleiht ihm eine neue Dimension von Tiefe. Vielleicht sehe ich das aber auch nur so, weil ich verstehen kann, wie schwer es ist, einen glaubwürdigen CG-Charakter zu schaffen, der mit seiner Umwelt interagiert und zudem noch Gefühle beim Zuschauer weckt. Ein wahres Meisterwerk.
Peter Jacksons „King Kong“ ist altmodisches Abenteuerkino, kombiniert mit modernster Technik. Das macht den Film in meinen Augen besonders reizvoll. Alles ist larger than life – genau so, wie es bei dieser Art von Film sein muss: 9/10 Punkte.
Die Insel (Richard Laymon)

Richard Laymons „Die Insel“ habe ich geschenkt bekommen, als ich mich auf dem Höhepunkt meiner „Lost“-Euphorie befunden habe. Die Inhaltsangabe auf dem Backcover kam mir deshalb äußerst vielversprechend vor: Eine Gruppe von Menschen strandet auf einer einsamen Insel, auf der es zu mysteriösen Todesfällen kommt. Das klingt – für den Fan – doch schon einmal klasse. Doch bereits nach einigen Seiten hat sich Ernüchterung eingestellt.
Der Roman ist im Tagebuchstil geschrieben. Eine Erzählform, die zwar nicht neu ist, aber dennoch interessant. Man bekommt zudem tiefe Einsichten in die Gedankenwelt des schreibenden Charakters. Bei diesem handelt es sich leider einem pubertierenden Jungen. Die Beschreibungen seiner Gefährten – allesamt Frauen (welch Wunder!) – gleitet dementsprechend häufig ins Schlüpfrige ab, was mich bereits nach ein paar Seiten gelangweilt hat. Dennoch muss ich zugeben, dass dass mir der Tagebuchschreibers durch die Darlegung seiner Gedankengänge häufig ziemlich real erschienen ist. Die Struktur war teils nämlich wirklich konfus, es gab Zeitsprünge, Abschweifungen und vieles mehr, was den Eindruck, ein wirkliches Tagebuch zu lesen, verstärkt hat.
Leider befindet sich durch die äußere Form auch die Sprache auf Tagebuchniveau. Das ganze ist nicht schlecht geschrieben und äußerst flüssig zu lesen, aber leider nicht sonderlich elegant. Eher das Gegenteil ist der Fall. Zumindest passt sich das sprachliche Niveau dem Inhalt an, der sich – besonders gegen Ende – auch immer häufiger in Niveaulosigkeit verliert. Dort nehmen sadistische und sexistische Beschreibungen immer mehr zu, die Handlungen der Figuren werden irrationaler und der Blutgehalt steigt. Gibt es eigentlich eine Alterskontrolle für Bücher? Wahrscheinlich nicht. Es sind ja schließlich – zumindest im Moment – die bösen Computerspiele, die alle zu wahnsinnigen Amokläufern machen. Aber ich schweife ab.
Das Ende stimmt mich dann wieder halbwegs versöhnlich. Es ist eigentlich sogar ziemlich gelungen. Mit irgend solch einer Wendung hatte ich ja gerechnet. Ich habe mir – aufgrund der Tagebuchform – sogar noch ganz andere Szenarien ausgemalt. Da hätte man viel Manipulation betreiben können. Genutzt wird jedoch nur das halbe Potential. Dennoch ist der Schluss konsequent und lässt die sexuellen Phantasien des Erzählers nicht mehr ganz so sinnlos im Raum stehen.
Insgesamt kann man „Die Insel“ durchaus lesen. Auf der Habenseite stehen die interessante Ausgangssituation, eine teils gelungene Atmosphäre, das Ende und der Tagebuchstil. Enttäuschend sind dagegen der Tagebuchstil, der plumpe Verlauf der Geschichte, die schwache Charakterzeichnung und die effekthascherischen Beschreibungen: 5/10 Punkte.
Battlestar Galactica – Staffel 2
Über die letzten Wochen habe ich mir „Battlestar Galactica – Staffel 2“ angesehen. Von der Miniserie, über die erste Staffel, bis zu den aktuellen Episoden, konnte das Sci-Fi-Epos in Serienform die Qualität konstant steigern. Inzwischen fühle ich mich richtig heimisch auf der Galactica und freue mich schon auf die dritte Staffel. Bevor ich es vergesse: Es droht die Gefahr von Spoilern!

Im Gegensatz zur vorhergehenden Staffel wird (noch) mehr Wert auf zwischenmenschliche Beziehungen und spektakuläre Weltraumszenen gelegt. Der – meiner Meinung nach – größte Schwachpunkt (Gaius Baltar samt Zylonenfreundin) wird auf ein Minimum reduziert. Auch gibt es wieder unterschiedliche Handlungsstränge, die jedoch nicht so zerfahren wirken, wie mir dies teils in Staffel 1 negativ aufgefallen ist. In meinen Augen insgesamt eine deutliche Verbesserung.
Der Verlauf der Geschichte bleibt stets spannend und es wechseln sich epische mit eher charakterbezogenen Episoden ab. Fand ich ziemlich gut gelöst. In der letzten Folge überschlagen sich die Ereignisse. Anfangs war ich noch skeptisch, doch je mehr ich darüber nachdenke, desto besser gefällt mir diese Wendung. Durch die Wahl Baltars zum Präsidenten, der Besiedelung des Planeten, sowie des erneuten Auftauchens der Zylonen eröffnen sich neue Möglichkeiten im Serienuniversum. Die Vorfreude auf die dritte Staffel steigt dadurch immens. Dennoch denke – und/oder hoffe – ich, dass sich die Menschheit nach ein paar Folgen wieder auf der Flucht befinden wird bzw. ein großer Teil der Handlung wieder auf der Galactica und Pegasus spielen wird. Wie gesagt, es bleibt spannend.
Bei den Schauspielern ist mir erstmals aufgefallen, woher ich Billy kenne: „Nobody’s Watching“. Dadurch hat mir die Serie gleich nochmal besser gefallen – wenn leider auch nur für kurze Zeit. Ansonsten spielen alle Darsteller äußerst überzeugend und passen sehr gut in ihre Rollen. Sehr gut passen auch die visuellen Effekte. Diese wurden meiner Auffassung nach noch einmal kräftig aufpoliert und müssen sich selbst hinter aktuellen Kinofilmen nicht mehr verstecken. Ich habe selten so überzeugende Weltraumszenen gesehen.
„Battlestar Galactica“ hat mich nun vollends erwischt. Sicher gibt es immer noch einige Schwachpunkte, doch im Großen und Ganzen konnte sich die Serie mit dieser Staffel fest in meinem Pflichtprogramm etablieren: 8/10 Punkte.
Probeaufnahmen
Da es mit meiner Diplomarbeit in letzter Zeit doch ein gutes Stück weitergegangen ist, möchte ich – wenigstens teilweise – den Fortschritt auch hier dokumentieren. Zwischen den Feiertagen habe ich Probeaufnahmen zu meinem Kurzfilm gemacht. Nach einigen Versuchen, habe ich die wichtgsten Einstellungen im Kasten gehabt. Letztendlich konnte ich eine erste Version des Films schneiden und mit der Nachbearbeitung beginnen. Da der gesamte Film noch recht roh und unfertig wirkt, werde ich vorerst nur zwei kurze Einstellungen zeigen. Die Clips liegen wie immer als WMV vor und bewegen im Rahmen von jeweils ca. 1 MB.

Der Betrachter entdeckt die dritte Dimension.
Diese Woche werde ich einige weitere Tests mit Trackingmarkern vornehmen. Sollte alles klappen, geht es dann bald ans Eingemachte: Sponsoren suchen, Drehorte besichtigen und sich um Schauspieler und Crew kümmern. Vom Equipment einmal ganz zu schweigen. Ich bin jetzt schon ganz aufgeregt. Doch immer der Reihe nach…
Übrigens hat mein Werk seit heute einen möglichen Namen: „Bitte nicht berühren!“ – ob es dabei bleibt? Achja, in der Theorie bin ich inzwischen auf Seite 30 vorgedrungen.
Trainspotting (1996)
Es gibt Filme, bei denen lässt sich nicht eindeutig sagen, was genau ihre Faszination ausmacht. Zu diesen gehört Danny Boyles „Trainspotting“. Ein Film über kaputte Typen. Junkies. Nicht neue Helden – wie die deutsche Tagline vermuten lässt – sondern verlorene Helden. Die Adaption von Irvine Welshs Romanvorlage hatte mich bereits bei der ersten Sichtung auf ihre Seite gezogen. Weitere Sichtungen folgten und der Soundtrack hat Kultstatus erlangt. Im Englisch LK war Irvine Welshs Kurzgeschichtensammlung „Acid House“ gleichermaßen abstoßend und faszinierend. Ich war gespannt, was mir „Trainspotting“ – der inzwischen überall als Kultfilm gehandelt wird – heute noch gibt.

Ins Auge springt sofort die Inszenierung. Schnell. Roh. Hart. Modern. Danny Boyle hat das britische Kino durch „Trainspotting“ neu definiert. Ich vermute, dass die Filme von Guy Ritchie in dieser Form nicht existieren würden, hätte Boyle nicht den Wegbereiter gespielt. Doch das Junkiedrama ist mehr. Die klassischen Themen des britischen Kinos à la Ken Loach – Arbeitslosigkeit, mangelnde Perspektiven, soziale Missstände etc. – werden hier in eine neue Generation transportiert. Der Drogenkonsum zieht sich dabei wie ein roter Faden durch den Film. Er hat auch vom Erzähler Besitz ergriffen. Auch vom Zuschauer. Man steckt tief drin in dieser selbstzentrierten und hoffnungslosen Welt eines Junkies.
Dem Film wurde häufig vorgeworfen, er würde den Drogenkonsum glorifizieren. Zu positiv darstellen. Diese Kritik kann ich nicht nachvollziehen. Ich kenne kaum einen Film, der die Auswirkungen der Sucht abstoßender darstellt als „Trainspotting“. Natürlich hört der Zuschauer aus dem Off, wie toll es ist auf Heroin zu sein. Natürlich wird man durch die audiovisuelle Gestaltung in andere Sphären getragen. Man erlebt den Film schließlich durch die Augen von Renton. Doch genauso lebt man den kalten Entzug. Die Schmach. Die Hoffnungslosigkeit. Den Identitätsverlust. Angst. Paranoia. Tod.
Die Kunst des Films ist ja gerade, dass Drogen nicht verteufelt werden. Dass man nicht von Anfang an die negativen Auswirkungen sieht. Könnte man sich sonst mit den Figuren identifizieren? Könnte man sonst nachvollziehen, was die Faszination ausmacht? Gerade die Verbindung von abgedrehtem Humor und grausamsten Bildern, die einem das Lachen im Hals stecken lassen, ist die Stärke des Films. Dadurch werden die kaputten Charaktere sympathisch und liebenswert. Man interessiert sich für sie und bekommt die Konsequenzen ihres Handelns umso unmittelbarer zu spüren.
Danny Boyle hat mit „Trainspotting“ ein kleines Meisterwerk geschaffen. Unbequem, hart und doch unterhaltsam. Eine Gradwanderung. Für die Beteiligten und den Zuschauer. Zudem spielt Ewan McGregor hier die Rolle seines Lebens. Ganz groß. Für mich einer der stärksten Filme der 90er: 9/10 Punkte.
