Matchmoving: The Invisible Art of Camera Tracking (Tim Dobbert)

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Zur Abwechslung habe ich mich die letzten Wochen durch ein Fachbuch gekämpft: Tim Dobberts „Matchmoving: The Invisible Art of Camera Tracking“. Wobei gekämpft wohl eher der falsche Ausdruck ist. Für ein Sachbuch ist Dobberts Werk erstaunlich abwechslungsreich und anschaulich geschrieben. Man merkt, dass der Autor selbst führend auf dem Gebiet des Matchmoving ist und die entsprechenden Alltagssituationen seines Berufs mehr als gut kennt.

Neben den theoretischen Grundlagen des Matchmoving, geht Dobbert auch auf Film- und Kameratechnik ein und erläutert die wichtigste Software in dem Gebiet. Das restliche Buch ist jedoch nicht an eine bestimmte Software gebunden, sondern eher allgemein gehalten, was durchaus positiv zu bewerten ist. Die Beispiele werden meist in Matchmover Pro und Maya behandelt, jedoch konnte ich das Meiste auch mit Cinema 4D und der Demoversion von SynthEyes nachvollziehen. Hier war einzig das Problem, dass ich meine Matchmoves nicht speichern konnte und somit stets von vorne anfangen musste. Für schwierige Shots gibt es auf der beiliegenden CD-ROM jedoch bereits vorgefertigte 3D-Szenen, die sich mit den entsprechenden Programmen anschauen lassen. Zudem liegen hier die im Buch angesprochenen Programme jeweils als Demoversion vor. Ich habe jedoch noch keine Zeit gehabt mich damit zu befassen, zumal es aktuellere Demos auf den Herstellerseiten im Internet gibt.

Tim Dobbert legt auf knapp 300 Seiten den Prozess des Matchmoving deutlich und in – bis auf manche Fachausdrücke – leicht verständlichem Englisch dar. Ergänzt werden die theoretischen Ausführungen durch anschauliche praktische Beispiele, die sich größtenteils leicht nachvollziehen lassen. Mir hat „Matchmoving: The Invisible Art of Camera Tracking“ sehr geholfen und ich hoffe, dass ich im weiteren Verlauf meiner Diplomarbeit noch häufig darauf zurückgreifen kann: 10/10 Punkte.

Wenn ein geneigter Leser zufällig andere gute Quellen zum Thema Matchmoving und verwandten Techniken weiß, würde ich mich über einen Hinweis freuen! 🙂

Königreich der Himmel – Director’s Cut – OT: Kingdom of Heaven (2005)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 14. März 2010 veröffentlicht.

Lange hat es gedauert, bis ich Ridley Scotts neustes Epos „Königreich der Himmel“ gesehen habe. Doch bereits vor der Kinoaufführung wurden Gerüchte laut, dass Scott seinen Traum nicht verwirklichen konnte und einen Großteil an Szenen aus dem Film schneiden musste. Nachdem erste Kritiken eher verhalten waren und ein Director’s Cut immer wahrscheinlicher wurde, wollte ich mit der Sichtung warten. Meiner Meinung nach hat sich das durchaus gelohnt, denn „Königreich der Himmel“ ist seit Langem einmal wieder ein echter Director’s Cut und nicht nur ein als Extended Version betitelter Producer’s Cut.

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Der Film fängt stark an. Sehr stark. Die Atmosphäre im Frankreich des späten 12. Jahrhunderts ist so dicht, dass man fast den leisen Schnee in der Luft schmecken kann. Wirklich wunderbar. Hier lernt man Balian kennen. Einen Schmied, der vom Schicksal gebeutelt wurde. Mit ihm stürzt man förmlich in die Geschichte hinein. Da auch für die Figur ein neues Leben beginnt, kann man sich als Zuschauer leicht mit dem Schmied identifizieren. Die Reise nach Jerusalem wird beeindruckend und ohne Längen dargestellt. Zugleich wird die Geschichte hier bereits in einem enormen Tempo weitergetrieben. Kürzungen – wie im Kinocut – erscheinen mir hier fast unmöglich. Ich fand wirklich jede Szene wichtig und sehenswert.

Balians Ankunft und sein Fuß fassen in Jerusalem fand ich auch nett anzusehen. Allerdings sind mir hier einige Rhythmusprobleme aufgefallen. Teils kamen mir die Szenen und Handlungen der Figuren zu spontan und unbegründet vor, teils zu langatmig. Doch auch dieser Teil der Geschichte strahlt eine große Faszination aus und als Zuschauer muss man sich an eine Hand voll neuer Charaktere gewöhnen, die im weiteren Verlauf der Geschichte eine große Rolle spielen werden.

Der letzte Akt der Geschichte findet seinen Höhepunkt in der Schlacht um Jerusalem, die zwar beeindruckend dargestellt wird, aber irgendwie ein Gefühl des Mittendrinseins vermissen lässt. Die direkten Handlungen vor und nach der Schlacht fand ich wesentlich imposanter. Vielleicht hat man in der Post-„Der Herr der Ringe“-Ära einfach auch schon zu viele Leinwandschlachten diesen Ausmaßes gesehen. Das Ende des Films macht dann noch einmal deutlich, wie ausschlaggebend die damaligen Ereignisse selbst für die heutige Zeit noch sind. Anders als in vielen ähnlichen Filmen haben die abschließenden Texttafeln tatsächlich etwas zu vermitteln und machen Eindruck. Schön gelöst und durch den wundervollen Score auch auf emotionaler Ebene berührend.

Mir hat Scotts „Königreich der Himmel“ sehr gut gefallen. Meiner Meinung nach steht das Epos seinem indirekten Vorgänger „Gladiator“ in nichts nach. Die Botschaft, was guten Glaube ausmachen sollte – und das egal in welcher Religion – ist stets präsent und wirkt dennoch nie aufdringlich. Scott hat seine Themen wahrlich gut gewählt und hat sich einmal mehr als Meister der visuellen Erzählkunst erwiesen. Auch bei den Darstellern kann man dem Film keine Vorhaltungen machen. Selbst Orlando Bloom konnte mich in der Rolle des friedfertigen Ritters überzeugen. Schade nur, dass Liam Neesons Figur so früh abtritt. War eine interessante Rolle.

„Königreich der Himmel“ ist für mich einer der gelungensten modernen Historienfilme. Sollte man sich als Freund des Genres auf jeden Fall in der vom Regisseur gewünschten Fassung ansehen: 9/10 Punkte.

Stay

Marc Forsters „Stay“  ist ein filmisches Rätsel. In den letzten Jahren gab es einige Filme dieser Art.  Kultfilme, wie „Donnie Darko“. Mainstreamvarianten, wie „Butterfly Effect“. Anspruchsvollere Vertreter, wie „The Jacket“. Diese Filme werden häufig als Lynch light abgestempelt. Diese Bezeichnung trifft zwar teils zu, wird den erzählten Geschichten aber nicht immer gerecht.

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„Stay“ spielt – wie alle Filme diesen Genres – mit der Realitätswahrnehmung seiner Figuren. Auch der Zuschauer hat damit zu kämpfen. Man weiß, dass irgend etwas nicht in Ordnung ist. Dass es eine Lösung für die verzerrte Wahrnehmung geben muss. Die Suche nach dieser Lösung macht bei dieser Art von Film am meisten Spaß. Die Lösung selbst ist häufig leider enttäuschend oder offensichtlicher, und damit weit weniger mysteriös, als man sich gewünscht hätte. So auch in „Stay“. Zu oft hat man diese Auflösung bereits gesehen. Zu viel wurde mit der Erwartungshaltung gespielt – und dennoch: Der Film lässt mich als Zuschauer nicht unbefriedigt zurück.

Marc Forster gelingt es, eine äußerst eindringliche Atmosphäre zu schaffen. Die Welt ist trist. Es überwiegen dreckige Gelbtöne, die nur durch sterilkaltes Blau unterbrochen werden. Auch das Leitthema von Selbstmord, Schuld und Sühne trägt zur beinahe schon hoffnungslosen Atmosphäre bei. Die Dunkelheit wird etwas durch Ewan McGregors Charakter gebrochen, der stets noch etwas Optimismus auszustrahlen imstande ist. Das Finale des Films mag letztendlich geschichtlich enttäuschen, doch werden hier manche stilistische Entscheidungen erst offensichtlich (z.B. die angesprochenen Gelbtöne). Überhaupt wirkt der Film sehr genau durchkomponiert. Jedes Bild und jeder Übergang wirken wie ein kleines Kunstwerk, was wiederum durch die Geschichte des Kunststudenten reflektiert wird und somit nicht aufgesetzt wirkt.

„Stay“ bietet tolle Unterhaltung und lädt zum Mitraten ein. Das Ende ist dann leider etwas enttäuschend, was dem Film einen Spitzenplatz unter seinen Genrekollegen verwehrt. Punkten kann Marc Forster jedoch mit Stilsicherheit und Anspruch. Insgesamt ein wirklich tolles Seherlebnis: 8/10 Punkte.

Der Dreh – Oder: Mein erstes Mal

Da sich meine Diplomarbeit irgendwie immer weiter verzögert, habe ich gestern die Einladung wahrgenommen bei einem Dreh mitzuwirken, der mein Thema wenigstens etwas anschneidet. Neben unzähligen studentischen Drehs im FH-Studio, war dies gestern meine erste Erfahrung im professionellen Studiobereich mit Greenscreen.

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 Die Ruhe vor dem Sturm

Es war wirklich höchst interessant die Dynamik am Set zu beobachten. Außer Klappe, Setumbau und Fotos für meine Diplomarbeit schießen habe ich zwar nicht viel gemacht, trotzdem war ich nach den 13 Stunden Drehzeit – für ca. 2 Minuten Material! – ziemlich am Ende. Ich kann mir nun gut vorstellen, wie das dann erst bei richtig großen Produktionen aussehen muss.

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 Ein seltener Anblick: Das Set ist leer

Da ich keine Ahnung habe, wie es um die Geheimhaltung des Drehs steht, kann ich die wirklich interessanten Bilder leider nicht präsentieren. Gleichzeitung wird mein Eintrag dadurch geheimnisvoller. Das ist doch einmal was! 😉

Sky Captain and the World of Tomorrow (2004)

2005 hat „Sin City“ für Furore in den Kinos gesorgt. Ein Film, bei dem ausschließlich mit virtuellen Sets gearbeitet wurde. Ein Meilenstein der Technik – oder etwa doch nicht? Bereits 2004 kam ein Film namens „Sky Captain and the World of Tomorrow“ in Kinos, der exakt den gleichen Ansatz verfolgt hat: Schauspieler vor Bluescreen und Sets komplett aus dem Computer. Leider war der eigentliche Wegbereiter dieser Technik nicht halb so erfolgreich wie Robert Rodriguez Comicverfilmung. Er ist dennoch – oder gerade deshalb – mindestens ebenso sehenswert.

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„Sky Captain and the World of Tomorrow“ basiert auf einem Kurzfilm, den Regisseur Kerry Conran über etliche Jahre zusammen mit ein paar Freunden in seiner Garage gedreht hat. Die Sets und die Nachbearbeitung entstanden komplett an seinem Homecomputer mit gängiger Consumersoftware. Das Ergebnis ist wahrlich unglaublich. Aufgrund dieses Kurzfilms hat Conran einen Produzenten gefunden, der mutig genug war, aus dem Kurzfilm einen Kinofilm zu machen. Das Endergebnis ist mehr als beeindruckend und wirklich gelungen, bedenkt man das geringe Produktionsbudget und die mangelnde Erfahrung des Regisseurs.

Das Design des Films ist fantastisch. Der Look entspricht dem von 30er/40er Jahre Film noir Produktionen. Auch Überblendungen und Schnitte erinnern an diese Periode. Das Produktionsdesign fügt sich wunderbar in diese stilistische Epoche ein und ist – trotz der Sci-Fi-Elemente – vollständig retro gehalten. Komplettiert wird der Look durch die Farbgebung, die teils an frühe Nachcolorierungsprozesse erinnert.

Am besten jedoch gefällt mir an „Sky Captain and the World of Tomorrow“ – neben dem Titel – die eigentliche Geschichte. Die beiden Hauptfiguren Polly Perkins und der titelgebende Joe „Sky Captain“ Sullivan ergänzen sich wunderbar und streiten beinahe den kompletten Film über. Hier werden Erinnerungen an Indy und seine Begleiterinnen wach. Auch der Score scheint einem „Indiana Jones“-Film entsprungen. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich hier einen jungen John Williams und nicht Edward Shearmur dahinter vermuten. Auch der Rest des Films erinnert an die guten, alten Abenteuerfilme. Sicherlich alles eine Spur überdrehter und comichafter, doch die Kerngeschichte ist wunderbar klassisch und einfach sympathisch.

„Sky Captain and the World of Tomorrow“ bietet neben seinen herausragenden technischen Aspekten eine äußerst unterhaltsame Geschichte und gut aufgelegte Darsteller. Es ist wirklich schade, dass der Film relativ wenig Beachtung erfahren hat. Er hätte es verdient: 8/10 Punkte.

Long Way Round

Vor einigen Wochen bin ich beim Zappen zufällig auf einem Sender namens DMAX gelandet. Dort strahlte mich Ewan McGregor an, der äußerst euphorisch von einem Motorradtrip rund um die Welt sprach. Nun – ca. 10 Wochen später – ist der Trip vorbei und ich habe das Gefühl eine wirklich tolle Reisedokumentation gesehen zu haben: „Long Way Round“.

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Eigentlich interessiere ich mich überhaupt nicht für Motorräder. Die Begeisterungsfähigkeit, die viele – vornehmlich männliche – Mitmenschen hierfür an den Tag legen, ist mir völlig fremd. Dennoch habe ich irgendwie nachfühlen können, wie es sein muss, sich auf nur zwei Rädern auf eine Reise um die Welt zu begeben. Trotz der steten Präsenz der motorisierten Maschinen und den diesbezüglichen Problemen, standen diese jedoch nie (zu sehr) im Vordergrund. „Long Way Round“ rückt eher die Menschen und ihre Erfahrungen auf dieser außergewöhnlichen Reise ins Zentrum – und das macht die Serie wirklich zu etwas Besonderem.

Auch die logistischen Aspekte eines solchen Mammutunternehmens werden in den 10 Folgen ausführlich beleuchtet. Es kommen viele Teammitglieder zu Wort, wodurch auch stets etwas Abwechslung zur reinen Reisedokumentation vorhanden ist. Am meisten gewinnt die Serie jedoch durch ihr beiden „Hauptdarsteller“ Ewan McGregor und Charlie Boorman. Beide machen während des Trips Höhen und Tiefen durch, doch wirken ihre Handlungen oder Gefühlsausbrüche selten aufgesetzt, was sonst bei Dokumentationen häufiger der Fall ist.

Es ist wirklich interessant die fremdartigen Länder und Landschaften durch die Augen von solch – durch unzählige Filme – vertraut wirkenden Personen wie Ewan McGregor zu sehen. Man fühlt sich fast als wäre man dabei gewesen. Sicher ist andererseits auch klar, dass durch den Zusammenschnitt der drei monatigen Reise auf knapp 10 Stunden, das Material durch einen großen Filter gelaufen ist. Das Endprodukt entspricht natürlich der Selektion der Produzenten und lässt garantiert einige unschöne Szenen der Reise vermissen. Doch dieser Umstand sollte jedem Zuschauer einer Dokumentation sowieso klar sein und wenn man sich dessen bewusst ist, kann man „Long Way Round“ wirklich genießen.

„Long Way Round“ ist eine wirklich unterhaltsame und sehenswerte Reisedokumentation auf einem Sender, der ansonsten nur recht obskure Sendungen im Programm hat. Wer nun neugierig geworden ist: Ab nächstem Dienstag um 20:15 Uhr wird die Serie auf DMAX wiederholt. Mir hat der Trip um die Welt auf jeden Fall viel Vergnügen bereitet: 8/10 Punkte.

Toy Story 2 (1999)

Die meisten Fortsetzungen – besonders im Animationsbereich – können ihren Vorgängern nicht das Wasser reichen. Eine der wenigen Ausnahmen bildet Pixars „Toy Story 2“. Ursprünglich als Direct-to-Video-Veröffentlichung geplant, hat es der Film jedoch dahin geschafft, wo er hingehört: Auf die große Leinwand.

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Der Einstieg des Films ist ungewohnt und birgt Überraschungen, findet man sich doch in einem von Buzz Lightyears Abenteuern wieder. Doch schnell wird klar, dass man nur einem Videospiel beigewohnt hat und sich in vertrauter Umgebung befindet: Andys Kinderzimmer – und alle im ersten Teil liebgewonnenen Charaktere sind wieder mit von der Partie. Pixar wäre jedoch nicht Pixar, hätte auch dieser ungewöhnliche Prolog keine Bedeutung für die spätere Handlung des Films. Somit ist alles beim Alten – und doch ganz neu.

Die Geschichte scheint anfangs der des ersten Teils verdächtig ähnlich: Ein Spielzeug rettet das andere. Nur mit vertauschten Rollen. Doch Woodys Odyssee entpuppt sich als Reise zu seinen Wurzeln und zum Kern des Spielzeugdaseins. Er lernt neue Figuren kennen. Es kommt zu Konflikten und langen Gesprächen. Eine für alle befriedigende Lösung scheint unerreichbar. Doch auch eine solche hält die Geschichte parat – und das ohne aufgesetzt zu wirken.

Während Woody mit seinem Schicksal kämpft, macht sich ein Rettungstrupp unter der Führung von Buzz Lightyear auf den weiten Weg durch die Stadt, der dabei einige Abenteuer zu erleben hat. Dieser Handlungsstrang ist deutlich humor- und temporeicher. Hier wird auch der Bogen zum Prolog gespannt, der einige klasse Gags enthält („Ich bin dein Vater!“). Schließlich werden beide Erzählstränge in einem furiosen Finale verbunden, das für alle Beteiligten – und soviel darf ich verraten – nur glücklich enden kann.

Man sieht: „Toy Story 2“ steht seinem Vorgänger wahrlich in nichts nach. Dieser ist mir zwar immer noch etwas sympathischer, was er wohl seiner Eigenschaft als Genre-Meilenstein zu verdanken hat, doch objektiv gesehen spielen beide Filme in einer Liga. Sollte Pixar sich zu einem dritten Teil entschließen, werde ich auf jeden Fall einer der ersten sein, die eine Kinokarte lösen. Ein wundervolles Märchen für Kinder und junggebliebene Erwachsene: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Toy Story (1995)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 2. April 2017 veröffentlicht.

An Tagen wie diesen muss ich mir manchmal in Erinnerung rufen, warum ich überhaupt machen will, was ich mache. Manche Filme eignen sich dazu besser als andere – und ganz besonders gut eignet sich Pixars Kinodebüt „Toy Story“. Ein Film, der eine ganz besondere Bedeutung für mich hat. Dabei war ich von der ersten Sichtung noch wenig begeistert. Damals war ich gerade einmal 15 und hatte mir unter dem ersten vollständig computeranimierten Spielfilm wohl etwas anderes vorgestellt.

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Einige Jahre später hatte ich eine erneute Begegnung mit „Toy Story“: Ich hatte während meines Zivildienstes eine Woche am Stück Nachtwache im Behinderteninternat und musste mir jede Nacht die Zeit zwischen 22:00 und 8:00 Uhr um die Ohren schlagen. Da das TV-Programm zu dieser Tageszeit eher bescheiden ist, bin ich dazu übergegangen mir die diversen Videos der Bewohner anzuschauen. Zu 99 Prozent waren dies Kinderfilme. Darunter auch beide „Toy Story“-Teile. Ich weiß noch genau wie sehr ich die Nachtwachen gehasst habe. Doch die Nächte, in denen ich mir „Toy Story“ angesehen habe, sind mir nicht ganz so schlimm vorgekommen.

Seitdem habe ich den Animationsklassiker noch unzählige Male gesehen und jedes Mal hat sich wieder dieses wohlige Gefühl eingestellt, wie ich es bei meinen nächtlichen Sichtungen hatte. Zudem habe ich über die Jahre verstanden, wie wichtig und außergewöhnlich „Toy Story“ für das Genre ist. Ein Meilenstein. Viele Filme bekommen dieses Prädikat, doch auf kaum einen trifft es so sehr zu, wie auf diesen. Unglaublich, wenn man bedenkt, dass seit der Erstaufführung schon über 11 Jahre vergangen sind. Unglaublich, dass „Toy Story“ komplett mit Forward Kinematic animiert wurde. Unglaublich, dass der Film auch heute noch so frisch wirkt, wie am ersten Tag.

Damals hat man man Pixar noch belächelt und nur die neue Technik gesehen. Es sei ja gar kein richtiger Disneyfilm, hieß es. Heute ist es anders. Heute hat Pixar Disney den Rang als wichtigstes Animationsstudio abgelaufen. Heute ist Pixar Disney und ich hoffe, dass Pixar seinen hohen Standard halten kann.

Auch wenn „Toy Story“ storymäßig sicherlich nicht der ausgefeilteste Pixarfilm ist, so ist er doch einer der wichtigsten. Mit ihm wurde eine neue Ära eingeläutet. Er ist einer der Gründe, warum ich mich für 3D Grafik und Animation beigeistern konnte und immer noch begeistert bin. Ein unglaublich unterhaltsamer Meilenstein mit viel Herz und Verstand: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Wintereinbruch 2006

Nicht nur, dass ich heute insgesamt einen – drücken wir es einmal euphemistisch aus – nicht so tollen Tag hatte. Nein. Es muss auch noch anfangen zu schneien – und wie! Man könnte meinen es ist bereits tiefster Winter. Doch von all den Dingen, die mich heute genervt haben, ist der Schnee noch das geringste Problem.

Da ich aber nicht jammern will, erfreue ich meine Leser lieber mit ein paar Winterimpressionen, die ich eben aus dem Dachfenster geschossen habe. Man mag mir die Bildqualität verzeihen, aber mit stark geöffneter Blende und langer Belichtungszeit ist bei den Temperaturen ein leichtes Zittern nicht zu vermeiden. 😉

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 Die Schneemassen…

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 …begraben mein treues Gefährt…

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…sowie den Rest der Welt.

Übrigens: Kaum hatte ich den Foto weggepackt, hat es schon wieder angefangen zu schneien. Wenn es in den nächsten Tagen also kein Lebenszeichen von mir gibt, stecke ich vermutlich irgendwo im Schnee fest… und das schon jetzt! Argh!

Creep

Von „Creep“ gab es im Vorfeld nicht viel Gutes zu hören. Zu geschmacklos schimpften die Moralapostel, zu langweilig die Horrorfans. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen und das macht Christopher Smiths Kinodebüt zu einem wirklich sehenswerten Genrefilm.

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Am meisten profitiert „Creep“ von seiner Location. Ich denke jeder war schon einmal in größeren U-Bahn-Labyrinthen wie Berlin, London oder Paris und kann deshalb das mulmige Gefühl nachvollziehen, das einen dort zu beschleichen droht: Dunkelheit. Einsamkeit. Seltsame Geräusche. Ratten. Und letztendlich ein Irrer, der aussieht wie Gollum. Das ist wahrlich der Stoff aus dem Albträume gemacht sind.

Der Regisseur weiß diese Elemente auch effizient einzusetzen. Anfangs kommt das Grauen noch langsam, dann steigern sich die Schockeffekte und die Enthüllung des Monsters kann es sogar fast mit „The Descent“ aufnehmen. Das Monster selbst übrigens auch. Scheint ein entfernter Verwandter der Crawler zu sein. Nachdem das Rätsel um den Killer gelöst ist, verändert sich der Film. Weniger Grusel, mehr Terror und Blut. Teils ist dies gelungen (Käfigszenen), teils wirkt das Treiben des verrückten Gynekologen eher aufgesetzt und ist zu gewollt schockierend (OP-Szene). Gegen Ende des Films nimmt unsere Hauptfigur (Franka Potente) dann noch ein paar geistige Auszeiten, nur um kurze Zeit später über sich selbst hinauszuwachsen und das Monster effektvoll in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Das alles lässt sich weit weniger unbefriedigend anschauen, als es hier eventuell den Eindruck macht. Liegt vermutlich an der angenehm kurzen Laufzeit des Schockers.

„Creep“ funktioniert. Er verbreitet bei der Sichtung ein ungutes Gefühl. Ein Horrorfilm eben. Technik und Kameraarbeit passen zum schmutzigen Look des Films. Die U-Bahn-Stimmung kommt wirklich perfekt rüber. Allein die Geschichte offenbart wieder einmal die typischen Schwächen des Genres: Schwache Figurenzeichnung, kaum Überraschungen und eine eher unbedriedigende – da nicht existente – Auflösung. Alles in allem jedoch weit entfernt von der Katastrophe, als die „Creep“ verschrieen ist. Sollte man sich als Genrefreund ruhig einmal ansehen: 6/10 Punkte.