Gattaca (1997)

Heute war einer dieser Tage, an denen die eskapistische Flucht in Filmwelten dringend nötig war. Dabei habe ich mich für Andrew Niccols „Gattaca“ entschieden, den ich schon viel zu lange nicht mehr gesehen hatte. Eine sehr gute Wahl. Vielleicht hatte ich diese Art der ‚Du kannst alles erreichen, wenn du nur hart genug arbeitest!‘-Motivation auch einfach nötig. Doch auch davon abgesehen bietet der Sci-Fi-Klassiker beste Unterhaltung auf jeder Ebene. Ihr wollt mehr wissen? Lest einfach weiter…

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Am meisten begeistert hat mich von Beginn an, wie unglaublich zeitlos „Gattaca“ wirkt. Der Film hat zwar bereits 18 Jahre auf dem Buckel, doch durch seinen brillant in Szene gesetzten Retro-Futurismus mögen sich einfach keine Alterungserscheinungen auf audiovisueller Ebene einstellen. Großartig! Auch inhaltlich wirkt Niccols Dystopie aktueller denn je und reiht sich somit in die Riege der zeitlosen Genre-Klassiker à la „Soylent Greent“ oder „Logan’s Run“ ein. Die Grundidee ist ähnlich faszinierend wie die seiner leider häufig verschmähten Sci-Fi-Dystopie „In Time“ – ein Film, den man als Freund des Genres ebenfalls nicht ignorieren sollte.

Was „Gattaca“ weit über den Standard hinaushebt, ist neben der kunstvollen Inszenierung eindeutig der emotionale Kern der Geschichte. Im Zentrum steht ein Brüderpaar, wenngleich ein Teil dieses Paares im Laufe der Geschichte auch über einen anderen Charakter gespiegelt wird. Perfektion gegen Imperfektion. Motivation gegen Hoffnungslosigkeit. Schicksal gegen Selbstbestimmung. Es werden viele Themen verhandelt, was jedoch nie aufgesetzt wirkt. Die Einbettung in eine geradlinige Thriller-Handlung treibt den Film zudem voran und lässt uns Zuschauer mit Vincent/Jerome (abermals ein starker Ethan Hawke) mitfiebern.

Für Freunde dystopischer Welten und Sci-Fi-Geschichten, die sich in unserer nahen Zukunft zutragen, ist „Gattaca“ eine kleine Offenbarung. Ich mochte Niccols Film bereits bei der vorhergehenden Sichtung, doch heute hat er bei mir wirklich Eindruck hinterlassen. Insofern kann ich nur eine dicke Empfehlung aussprechen und würde mir wünschen es gäbe wieder mehr Filme mit solch originellen und perfekt umgesetzten Konzepten: 9/10 Punkte.

Nightcrawler: Jede Nacht hat ihren Preis (2014)

Willkommen bei der wöchentlichen Filmbesprechung auf diesem (ehemaligen) Filmblog. Was für eine Woche – sowohl was die Arbeit als auch was den Hausbau angeht. Aber ich kann mich glücklich schätzen, schließlich könnte ich auch wie Louis Bloom in „Nightcrawler: Jede Nacht hat ihren Preis“ zweifelhaften Tätigkeiten nachgehen müssen. Und das Nacht für Nacht, wie uns der deutsche Untertitel sehr subtil nahe bringt. Was der Kritikerliebling tatsächlich zu bieten hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

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Das nächtliche Los Angeles übt seit jeher anscheinend eine ganz besondere Faszination auf Filmschaffende aus: ob Michael Mann mit „Collateral“, Nicolas Winding Refn mit „Drive“ oder nun eben Dan Gilroy mit „Nightcrawler“ – all diese Filme erzählen Geschichten voller hypnotischer Fahrszenen und eruptiver Gewaltausbrüche mitten in der Stadt der Engel. Stets stehen Einzelgänger im Mittelpunkt, die keinen Platz in unserer Gesellschaft haben. Mit Louis Bloom rückt Gilroy sogar einen waschechten Soziopathen ins Zentrum der Geschichte, mit dem man als Zuschauer nur schwerlich eine Beziehung aufbauen kann. Oberflächlichkeit sowohl in der kritisierten Medienwelt als auch der Figurenzeichnung. Und das ist dem Film nicht einmal groß abträglich, denn „Nightcrawler“ gehört Jake Gyllenhaal. Es ist komplett sein Film. Keine Frage.

Gyllenhaals Leistung ist überragend und obwohl Bloom in jeder einzelnen Szene ein verabscheuungswürdiger Charakter ist, dem Empathie, Moral und Ethik fremd sind, so schafft es der Schauspieler doch, dass wir an Bloom dran bleiben. Anders als bei anderen Soziopathen der Film- und Seriengeschichte, wie z.B. Tony Soprano, denen man in so mancher Szene durchaus noch gewisse Sympathiewerte abringen konnte, betrachtet man Bloom eher aus der Distanz. Dies lässt den gesamten Film, trotz oftmals warmer Bilder und durchaus vorhandener menschlicher Interaktion, bedrückend kalt wirken. Ein Unmensch, der sich in einer Zwischenwelt bewegt.

Die Handlung ist nicht sonderlich komplex, doch wird die Geschichte absolut mitreißend und packend in Szene gesetzt. Medienkritische Aspekte werden nie direkt angesprochen, dafür aber unglaublich plakativ präsentiert. Auch die teils angedeutete Erklärung für Blooms verhalten (Einsamkeit, Internet, TV, Konsum) schien mir ein wenig aufdringlich in so manche Szene geschrieben, was für die Wirkung seines Charakters nicht nötig gewesen wäre – diesen trägt allein der wirklich fantastische Jake Gyllenhaal. Über Bill Paxton habe ich mich übrigens auch gefreut.

Letztendlich ist „Nightcrawler“ tatsächlich ein sehr guter Film, der formal keine Wünsche offen lässt, inhaltlich aber durchaus noch mehr hätte erzählen können. Muss er aber gar nicht, denn auch als düsterer Thriller mit satirischen Untertönen und unerwartetem Humor weiß Dan Gilroys zurecht gelobtes Erstlingswerk zu überzeugen: 8/10 Punkte.

Shameless (US) – Season 2

Es ist unglaublich wie schnell die Sichtung von „Shameless – Season 2“ (weiterhin die US-Fassung) auch schon wieder vorbei ist. Durch den hohen Unterhaltungswert und die Beschränkung auf zwölf qualitativ hochwertige Episoden habe ich den Vorsatz früher ins Bett zu gehen öfter mal ausgesetzt – und war mit der Staffel innerhalb von nur zwei Wochen durch. Es ist aber auch einfach zu verlockend stets noch für eine weitere Episode bei den Gallaghers zu verweilen…

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Zwischen der ersten Staffel und der einsetzenden Handlung der zweiten Staffel scheinen ein paar Monate vergangen zu sein – große Veränderungen gibt es (außer einer anhaltenden Hitzewelle) nicht zu vermelden. Doch schon bald werden nahezu alle Gallaghers von ihrer Vergangenheit eingeholt: Steve sucht wieder Kontakt zu Fiona, Franks Mutter steht plötzlich auf der Türschwelle, Karen hat eine ganz besondere Überraschung für Lip und die kompletten Gallaghers werden von „Hurricane Monica“ (so der unheilvolle Episodentitel) heimgesucht. Mehr als genug Stoff also, um eine Staffel zu füllen, doch tatsächlich ist dies nur die Spitze des Eisbergs – und man wird als Zuschauer auf so manche gefühlsmäßige Achterbahnfahrt mitgenommen. Die bereits bekannte Kombination aus schmerzhaftem Drama und absurder Comedy wird hier oft auf die Spitze getrieben. Turbulent, erschütternd und tatsächlich auch verdammt lustig.

Hat sich die erste Staffel noch stark am englischen Original orientiert, geht die US-Version von „Shameless“ ab der zweiten Staffel eigene Wege. Auch wenn ich die Vorlage nur ausschnittsweise kenne, so merkt man doch dass irgendetwas passiert ist: Die Charaktere wirken noch verrückter, die Dramatik noch schmerzhafter und der Humor ist noch deutlich abgefahrener geworden. Teils ist es ganz schön harter Tobak (z.B. Missbrauch, Inzest, Suizid) mit dem sich die Figuren – und somit auch wir Zuschauer – auseinandersetzen müssen. Die Serie schafft es dennoch dabei erstaunlich unterhaltsam zu bleiben, was man wohl den Drehbuchautoren und den wirklich guten Schauspielern zuschreiben kann.

Qualitativ kann „Shameless“ im zweiten Jahr noch einmal eine Schippe drauflegen. Die Serie wirkt somit (noch) entfesselter, was in so manch völlig absurder Situation gipfelt. Dennoch bleiben die Charaktere innerhalb des Serienuniversums glaubwürdig und man geht mit ihnen durch dick und dünn, was wahrlich nicht immer einfach ist. Das Staffelfinale ist dann wiederum erstaunlich versöhnlich und lässt einem mit einem guten Gefühl zurück. Auch wieder etwas, das ich „Shameless“ nach den vorher angerissenen Erzählsträngen nicht unbedingt zugetraut hätte. Immer wieder sehr überraschend – und das ist komplett positiv gemeint: 9/10 (9.0) Punkte.

Teenage Mutant Ninja Turtles (2014)

Aktualisierung: Ich habe „Teenage Mutant Ninja Turtles“ am 8. September 2023 zusammen mit den Kindern erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem auch die vergangene Woche wieder irrsinnig schnell vergangen ist, steht ein weiteres Wochenende vor der Tür. Trotz Feiertag werde ich mich morgen auf die Baustelle begeben, denn der Einzugstermin rückt unaufhaltsam näher. Somit habe ich den Freitagabend für ein wenig Unterhaltung genutzt – oder zumindest das, was „Teenage Mutant Ninja Turtles“ als Unterhaltung versteht. Ich möchte meiner Besprechung jedoch nicht vorgreifen, also lest selbst…

Teenage Mutant Ninja Turtles (2014) | © Paramount Pictures (Universal Pictures)

Teenage Mutant Ninja Turtles (2014) | © Paramount Pictures (Universal Pictures)

Die damals in Deutschland noch als Teenage Mutant Hero Turtles bezeichneten Figuren waren die Helden meiner Kindheit. Die ursprüngliche Zeichentrickserie aus den späten 80er Jahren habe ich geliebt, die Actionfiguren fand ich großartig und auf dem SNES habe ich Konamis „Turtles in Time“ bis zum Umfallen gespielt. Der 1990er „Turtles“-Film dürfte zudem zu einem meiner ersten Kinobesuche zählen. Ich bin mit den Turtles aufgewachsen – und umso schmerzhafter war es zu sehen, dass sich ausgerechnet Michael Bay dem Franchise annimmt. Und dann führt auch noch Jonathan Liebesmann Regie, der sich mit „Texas Chainsaw Massacre: The Beginning“ und „Zorn der Titanen“ ja schon einen ganze besonderen Namen gemacht hat.

Um es kurz zu machen: Es hätte (noch) schlimmer kommen können. Speziell das neue Design der Turtles passt für diesen realistischen Ansatz doch deutlich besser, als ich dies befürchtet hatte. Die Dynamik zwischen den Figuren funktioniert auch irgendwie, doch so richtig zünden mag die Neuinterpretation nicht. Vielleicht ist aber auch genau dieser Vergleich das Problem: Wer weiß, ob die heutigen Kids nicht diese neue, hippe Art der Inszenierung abfeiern und den Film so wahrnehmen, wie ich damals die Cartoons und die alten Filme? Schwierig, ganz schwierig. Und traurig, ganz traurig.

Als Fan der ersten Stunde konnte ich mit vielen Elementen nichts mehr anfangen. Die Bay-Produktion setzt klar auf den „Transformers“-Look, doch was für mich bei diesem Larger-Than-Life-Franchise noch bis zu einem gewissen Grad funktioniert hat, wirkt hier einfach nur noch aufgesetzt. Speziell die dämliche Handlung hat extrem häufig an meinen Nerven gezerrt und von Besetzungsentscheidungen wie Megan Fox als April O’Neil möchte ich gar nicht erst anfangen. Immerhin hat es Will Arnett (Gob Bluth, „Arrested Development“) endlich auf die große Leinwand geschafft und für so manch unterhaltsame Szene gesorgt.

Fazit

Ein paar Mal kamen bei der Sichtung sogar nostalgische Gefühle auf, nur um im nächsten Moment wieder zerstört zu werden. Unterhalten wurde ich auch teils ganz gut, doch so richtig fallen lassen konnte ich mich nicht. Letztendlich war bei diesem Produktionsteam wohl nichts anderes als glattgebügelte Hochglanzaction zu erwarten – und dennoch schmerzt es ein wenig: 4/10 Punkte.

Galaxy Quest (1999)

Heute war einer dieser Tage. Wieder 10 Stunden auf der Baustelle gewesen und doch nicht wirklich etwas ausgerichtet. Die fehlenden Erholungsphasen machen sich zudem so langsam aber sicher bemerkbar. Somit habe ich bei der Filmwahl auf eine sichere Bank gesetzt und mit „Galaxy Quest“ auf einen nur allzu bekannten Klassiker zurückgegriffen, dessen letzte Sichtung auch schon wieder gut 10 Jahre zurückliegt. Dabei wanderte die DVD früher mit Regelmäßigkeit aller paar Monate in den Player…

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Was soll ich sagen? Der Film funktioniert auch heute noch so gut wie vor 15 Jahren – und zwar, wie die meisten guten Parodien, sowohl als Komödie als auch mit einer gewissen Ernsthaftigkeit in dem Genre, das parodiert wird. Man darf sich als Zuschauer somit über eine Showbiz-Satire, Sci-Fi-Komödie und ein Weltraum-Abenteuer in einem freuen. Und das Beste: „Galaxy Quest“ kommt vollständig ohne Fäkalhumor aus und gibt weder seine Figuren noch die Fans des parodierten Genres der Lächerlichkeit preis. Ich fühlte mich sofort wieder wohl in dieser Welt und war stets gefangen von der Geschichte, auch wenn mir ihre Wendungen nur allzu bekannt waren. Kein Wunder, dass Paramount und Amazon zurzeit an einer Serienversion des Konzepts arbeiten.

Neben dem toll geschriebenen und einfallreichen Drehbuch, überzeugen vor allem die passend ausgewählten Schauspieler: Tim Allen (Mike Baxter, „Last Man Standing“) mimt den egomanischen Captain absolut wunderbar. Sein Gegenpart wird von Alan Rickman (Severus Snape, „Harry Potter“) ebenso überdramatisierend verkörpert. Sam Rockwell (Sam Bell, „Moon“) und Tony Shalhoub (Adrian Monk, „Monk“) ergänzen den männlichen Part der Crew. Als weiblicher Star darf Sigourney Weaver (Ellen Ripley, „Alien“) ganz bewusst als Stichwortgeberin fungieren und bekommt kurz vor Ende auch noch den größten Lacher spendiert: „Ducts? Why is it always ducts?“ Auch wenn einige Witze ganz bewusst auf der Metaebene spielen, so muss man jedoch keine Angst haben, dass der Film beständig die vierte Wand durchbrechen würde.

Auch wenn ich nie expliziter „Star Trek“-Fan war, so sind mir viele parodierte Elemente doch noch aus Zeiten in Erinnerung, in denen nachmittags eben beständig TOS oder auch TNG über den Bildschirm flimmerten. Einfachere Zeiten, in die mich „Galaxy Quest“ auch jedes Mal ein wenig zurück teleportiert. Solltet ihr, liebe Leser, bisher noch nichts von diesem wunderbaren Film gehört haben, und im besten Fall noch ein Herz für Sci-Fi besitzen, dann spreche ich hiermit meine dringendste Empfehlung aus. Reinschauen lohnt sich – es könnte ein neuer Lieblingsfilm warten: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

The X-Files – Season 3

Zurzeit komme ich nicht nur deutlich weniger zum Filmschauen, nein, auch der Konsum von TV-Serien lässt nach. Somit habe ich für „The X-Files – Season 3“ auch länger gebraucht, als dies normalerweise der Fall gewesen wäre. Vielleicht war die dritte Staffel auch deshalb ein so großes Vergnügen, weil ich sie mir über einen Monat großzügig eingeteilt habe. Abgesehen davon hat allerdings auch die Qualität der einzelnen Episoden noch einmal deutlich nachlegt. Was sind eure Lieblingsfolgen?

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Nach dem spannenden Cliffhanger am Ende der zweiten Staffel hatte ich natürlich auf einen imposanten Staffelauftakt gehofft. Leider jedoch entpuppt sich „The Blessing Way“ als esoterisch verschwurbelte Mythology-Episode, welche über weite Strecken einfach nur neben der Spur wirkt. Mit „Paper Clip“ findet die Serie aber schnell wieder zu gewohnter Stärke zurück und bietet ein paar imposante Entwicklungen und mitreißende Entdeckungen. Weiter geht es mit der Folge „D.P.O.“, in der wir mit Giovanni Ribisi und Jack Black zwei durchaus bekannte Schauspieler in ihren Jugendjahren erleben dürfen. Überhaupt hat es mich beeindruckt, wie viele heute bekannte Stars damals in „Akte X“ einen Auftritt hatten. Später bekommen wir noch u.a. Jewel Staite (Kaylee, „Firefly“), Ryan Reynolds, Kurtwood Smith (Red Forman, „That ’70s Show“) und Lucy Liu (O-Ren Ishii, „Kill Bill: Vol. 1“) zu sehen.

Wie bereits erwähnt ist die Qualität der einzelnen Episoden weiter gestiegen. Wenn es um die Mythology geht, dann gibt es in dieser Staffel noch große Entdeckungen und spannende Wendungen. All diese Folgen haben mir, bis eben auf den durchwachsenen Einstieg, sehr viel Spaß gemacht. Doch auch die Mystery-of-the-Week-Episoden konnten insgesamt deutlich an Qualität zulegen und wirkliche Ausfälle gibt kaum noch. Meine Favoriten unter den Einzelepisoden waren zweifellos „Clyde Bruckman’s Final Response“, „Oubliette“, „Revelations“, „War of the Coprophages“, „Pusher“, „Jose Chung’s From Outer Space “ und „Quagmire“. Als deutlich schwächer sind mir dagegen nur „The List“ und „Teso Dos Bichos“ aufgefallen. Ihr seht: Die Highlights überwiegen und selbst die normalen Folgen sind überdurchschnittlich gut.

An die Episoden der ersten beiden Staffeln konnte ich mich bisher übrigens noch recht gut erinnern, da ich sie damals wohl auch öfter gesehen hatte. Was die dritte Staffel angeht, so hat sich dies eher auf einzelne Szenen beschränkt – speziell der schwarze Schleim und der davon besessene Krycek haben sich mir ins Gedächtnis gebrannt. Schon interessant, wie selektiv die Erinnerung manchmal funktioniert.

Wenn man sich über „Akte X“ informiert, kann man häufig lesen, dass die dritte Staffel die beste ist. Bisher kann ich dieser Aussage nur zustimmen. Aufgrund der hohen Anzahl von 24 Episoden überzeugt immer noch nicht jede Geschichte 100%ig, doch bekommt man durchaus die eine oder andere Sternstunde der TV-Geschichte zu sehen. Die vierte Staffel soll auf einem ähnlich hohem Niveau liegen, weshalb ich mich schon sehr auf dieses Erlebnis freue – speziell nach dem abermals fiesen Cliffhanger am Ende des Staffelfinales „Talitha Cumi“: 9/10 (8.6) Punkte.

The Purge: Anarchy (2014)

Nachdem ich vergangenes Wochenende den ersten Teil gesehen hatte, stand heute folglich „The Purge: Anarchy“ auf dem Programm. Ich wusste bereits im Vorfeld, dass der Film in eine ganz andere Richtung gehen sollte und von vielen Zuschauern auch als besser angesehen wird. Insofern war ich ziemlich gespannt, denn die Prämisse fand ich bereits in „The Purge: Die Säuberung“ spannend…

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Es scheint so als hätte sich Regisseur James DeMonaco die Kritik am ersten Teil zu Herzen genommen und wirft uns nun direkt in die Nacht der Säuberung. Auch wenn der zweite Teil, ebenso wie sein Vorgänger, eher als hochwertig produzierter B-Movie durchgeht, so ist es doch ziemlich spannend, dass ein gänzlich anderes Genre bedient wird: aus klaustrophobischem Home-Invasion-Horror wird ein knallharter Survival-Actioner, der nicht von ungefähr an ungestümes 80er Jahre Kino erinnert. Solch einen Richtungswechsel sieht man innerhalb eines B-Movie-Franchises auch nicht alle Tage.

Im Gegensatz zum Vorgänger werden die vorgestellten Figuren auch angenehm sympathisch gezeichnet, d.h. sie besitzen tatsächlich Identifikationspotential. Dies ist auch ziemlich wichtig, denn die Grundidee ist weiterhin ebenso hanebüchen wie faszinierend. Somit sollte man sich am besten ohne zuviel nachzudenken auf diesen nächtlichen Kampf ums Überleben einlassen. Die völlig überzogenen satirischen Elemente fand ich weiterhin nett, wenngleich sie auch teils ein wenig aufgesetzt wirkten – als unterhaltsamer Actioner weiß der Film jedoch bestens zu unterhalten.

Für Serienfreunde gibt es mit Auftritten von Zach Gilford (Matt Saracen, „Friday Night Lights“), Michael Kenneth Williams (Omar Little, „The Wire“) und Justina Machado (Vanessa Diaz, „Six Feet Under“) einige Aha-Erlebnisse und auch Frank Grillo spielt den lakonischen Helden angenehm unaufgeregt. Insgesamt stellt „The Purge: Anarchy“ eine deutliche Steigerung zum ersten Teil dar und ich bin gespannt, ob der geplante dritte Teil noch einen weiteren Genre-Twist für uns bereit hält: 7/10 Punkte.

The Purge: Die Säuberung – OT: The Purge (2013)

Ein weiterer Samstag, den ich komplett auf der Baustelle verbracht habe. Ich weiß schon gar nicht mehr, wann das einmal anders war. Aber es ist absehbar. Trotz spätem Feierabend und heranschleichender Müdigkeit habe ich mit „The Purge: Die Säuberung“ einen Film gesehen, der schon länger auf meiner Liste stand. Ähnlich wie bei „Surrogates“ vor zwei Tagen hat mich speziell die Grundidee gereizt. Ob der Film auch darüber hinaus überzeugen kann, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Auch wenn es der Prämisse an inhärenter Logik mangelt, so fand ich sie doch faszinierend genug, um mich gerne darauf einlassen zu wollen. „The Purge“ kam sowohl bei Kritikern als auch Genrefans nicht besonders gut an, was eigentlich kein gutes Zeichen ist. Dennoch hat mich die Idee so sehr gereizt, dass ich einen Blick gewagt habe – und was soll ich sagen? Mich überzeugt die Grundidee des Films immer noch. Leider jedoch hat Regisseur James DeMonaco das Geschehen als Home-Invasion-Horror verpackt, was zwar durchaus funktioniert, doch die eigentlich faszinierenden Aspekte der Säuberung außer acht lässt.

Mit Ethan Hawke (Jesse, „Before Midnight“) und Lena Headey (Cersei Lannister, „Game of Thrones“) ist „The Purge“ gut besetzt, was jedoch nur zu oft vom etwas konfusen Drehbuch zunichte gemacht wird. Am interessanten ist der Film immer dann, wenn er etwas von der Welt zeigt, Fragen aufwirft und man einen Blick hinter die Kulissen der Purge bekommt. Wenn dann die Bösewichte vor der Tür stehen und höflich um Einlass bitten, hat das auch durchaus noch perfiden Charme, doch kurz darauf wird ein Slasher-Klischee nach dem nächsten bedient und der Film stürzt ins Belanglose ab. Schade drum.

Die eigentliche Botschaft ist simpel (und wird mit dem Holzhammer präsentiert), die Inszenierung stimmungsvoll und das Potential, ja das wird weit nicht ausgeschöpft. Dennoch konnte mich „The Purge“ über 82 Minuten gut unterhalten und mich auch auf den Nachfolger „The Purge: Anarchy“ neugierig machen, der uns mehr von dieser Nacht zeigen soll. Spannende Idee, leidlich überzeugend umgesetzt: 6/10 Punkte.

Surrogates: Mein zweites Ich – OT: Surrogates (2009)

Eigentlich stand heute ein weiterer Lauf auf dem Programm, doch bin ich spontan zum Strohwitwer geworden, so dass ich zu Hause geblieben bin und die Kinder ins Bett gebracht habe. Dafür war ein wenig Zeit mich einem Film zu widmen: Die Wahl fiel auf „Surrogates: Mein zweites Ich“ – und das nicht nur aufgrund der angenehm kurzen Laufzeit von 84 Minuten. Dank seiner interessanten Prämisse wollte ich die Comic-Verfilmung ohnehin schon lange sehen und heute war es endlich soweit…

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Jonathan Mostows Sci-Fi-Thriller fasziniert hauptsächlich durch die Welt, in der er spielt: fleischgewordene Avatare, hinter denen sich die Menschen verstecken bevölkern die Straßen. Erinnerungen an „The Matrix“ werden wach, nur dass es eben keine virtuellen Welten gibt. Schon alleine der Prolog ist äußerst effizient erzählt und man bekommt die Entwicklung der Surrogates in einem kurzen Zusammenschnitt erklärt. Dann nimmt man am Leben Tom Greers (Bruce Willis) Teil und lernt die Vorzüge, Nachteile und Besonderheiten kennen, welche die Teilnahme am Leben durch einen Stellvertreter so mit sich bringen. Es werden ein paar spannende Punkte angeschnitten, jedoch leider nie wirklich ausformuliert.

Inhaltlich ist „Surrogates“ ein klassischer Kriminalfilm bzw. Thriller. FBI-Agent Tom Greer muss zusammen mit seiner Partnerin eine Mordserie lösen, die sich letztendlich als große Verschwörung entpuppt. Alles schon unzählige Male gesehen und nur wenig überraschend – wäre da nicht der spannende Grundgedanke, der den 08/15-Krimi durch ein paar tolle Szenen und visuell nette Ideen über den Einheitsbrei hinaushebt. Bei der Inszenierung der Actionszenen könnte man übrigens meinen Mostow hätte eine Fortsetzung zu seinem „Terminator 3: Rise of the Machines“ drehen wollen.

Letztendlich braucht man wohl ein Faible für High-Concept-Sci-Fi und futuristische Welten, um „Surrogates“ viel abgewinnen zu können. Bruce Willis spielt an der Seite von Radha Mitchell sowie Rosamund Pike recht überzeugend und Langeweile will bei der kurzen Laufzeit ohnehin nicht aufkommen. Ich hatte aufgrund der ziemlich durchwachsenen Kritiken eher eine Enttäuschung erwartet, wurde aber positiv überrascht. Kann man sich als Genrefreund durchaus anschauen: 7/10 Punkte.

Sin nombre (2009)

Die meisten Filme, die ich schaue, sind englischsprachige Produktionen. Viel zu selten blicke ich über diesen Horizont hinaus, dabei sind es oft gerade internationale Produktionen, die zu beeindrucken wissen. Zu diesen gehört auch der US-mexikanische Film „Sin nombre“, von dem ich schon viel Gutes gehört hatte. Den letzten Anstoß zur Sichtung hat jedoch die Vorstellung des Films im jüngsten Band der Buchreihe „Filme der 2000er“ gegeben. Ob sich die Sichtung letztendlich gelohnt hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

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Zunächst einmal muss ich ansprechen, wie brandaktuell „Sin nombre“ wirkt: Der Film erzählt die Geschichte von Flüchtlingen, die alles aufgeben um untragbaren Lebensumständen zu entfliehen – nur eben von Mexiko in die USA. Dabei konzentriert sich Regisseur Cary Fukunaga gezielt auf zwei Einzelschicksale, die in dieser oder ähnlicher Form jedoch stellvertretend für viele Flüchtlinge sein werden. Gewalt beherrscht nicht nur die zurückgelassenen Lebenssituation, sondern auch die gesamte Reise nach Norden an die US-mexikanische Grenze. Dabei erzählt der Film kein ruhiges Drama, sondern stellt eine knallharte Gangstergeschichte ins Zentrum, die nicht von ungefähr an Fernando Meirelles‘ „City of God“ erinnert, ohne jedoch dessen epische Dimensionen zu erreichen.

Mit ca. 90 Minuten ist die zur Verfügung stehende Zeit nicht besonders lang, was bedeutet dass die gezeigte Welt nicht bis ins Detail erklärt wird, sondern durch die Handlung erzählt wird. Dies fand ich sehr erfrischend, wenngleich ich mir auch ein paar ausführlichere Charakterszenen gewünscht hätte. Die Figuren bleiben somit ein wenig an der Oberfläche und manche von ihnen hätte ich gerne näher kennengelernt. Doch vielleicht unterstreicht dies auch einen Teil der Reiseerfahrung von Flüchtlingen: man sieht sich, verliert sich, stolpert – im wahrsten Sinne des Wortes – sinnlos in den Tod und ist letztendlich Mächten ausgeliefert, denen das eigene Leben keinen Cent wert ist. Auch das Finale ist angenehm konsequent und entlässt die Figuren (und mit ihnen den Zuschauer) mit einem Kloß im Hals in eine ungewisse Zukunft.

Auch wenn mich Fukunagas Film nicht so mitgerissen hat, wie damals „City of God“, so zeigt er uns doch einen schonungslosen Blick in eine Welt, die uns beinahe unvorstellbar erscheinen mag. „Sin nombre“ mag mehr Gangsterfilm als Flüchtlingsdrama sein, doch die Parallelen sind unverkennbar, was auch Cary Fukunagas Kurzfilm „Victoria Para Chino“ unterstreicht, der den Erstickungstod mehrerer Flüchtlinge in einem LKW kurz hinter der Grenze thematisiert. Es geschieht überall auf der Welt und es ist überall gleichermaßen schlimm. Niemand macht solch eine Flucht freiwillig durch, ganz egal was die spezifischen Gründe sind. Ein weiterer unfassbarer Aspekt unserer schönen neuen Welt. Filme wie diese lassen sie greifbarer werden – und regen vielleicht auch diejenigen zum Nachdenken an, die sich sonst nicht mit diesem Thema auseinandersetzen wollen: 8/10 Punkte.

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