Predator (1987)

In letzter Zeit ist mein Filmkonsum auf ein Minimum geschrumpft. Darf ich mich überhaupt noch als Filmblogger bezeichnen? Speziell die Filme, die mir am Herzen liegen werden kaum noch thematisiert, da es zu viel Neues nachzuholen gilt. Man hat es schon nicht leicht in dieser Zeit des medialen Überflusses. Heute jedoch habe ich die Gelegenheit eines Babysitting-Einsatzes meiner besseren Hälfte genutzt, um mit „Predator“ einmal wieder in mein liebstes Filmjahrzehnt zurückzukehren – begleitet mich nun also bei meinem Ausflug in die 80er, wo Männer noch Männer waren und Oneliner-Geschichte geschrieben wurde: ‚I ain’t got time to bleed.‘

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Auch wenn es sich vielleicht so liest, war „Predator“ nie mein Lieblingsfilm. Er rangierte auch nie unter meinen meistgesehenen Filmen der 80er, doch er ist mit Sicherheit einer der Filme, um den sich die meisten Legenden gerankt haben: Lange Zeit stand John McTiernans Action-Klassiker auf dem Index und selbst in der Videothek gab es damals nur verstümmelte Schnittfassungen auszuleihen. Dennoch hat der Film öfter mal den Weg in den VHS-Rekorder gefunden – und sei es nur die komplett gekürzte Aufnahme einer nächtlichen TV-Ausstrahlung gewesen. Es sollte bis zur DVD-Veröffentlichung der indizierten Fassung dauern, bis ich das Schwarzenegger-Vehikel zum ersten Mal ungeschnitten erleben durfte. Inzwischen ist die Indizierung aufgehoben und man kann die ungeschnittene FSK-16-Fassung in jedem Kaufhaus oder online ohne Probleme erwerben. Die Zeit der Legenden ist vorbei.

Selbst nach all den Jahren hatte ich mich heute sofort wieder heimisch im Dschungel Mittelamerikas gefühlt. Der Auftritt der Macho-Einheit unter Führung von Arnold Schwarzeneggers Dutch mutet heute anachronistischer denn je an – und doch funktioniert der Film nach wie vor. Ernst nehmen konnte man die Charaktere schon damals nicht und heute grenzt der Militärteil fast schon an eine Parodie, was durch die famosen Oneliner natürlich noch unterstützt wird. Ein Zeitdokument der 80er, das enorm viel Spaß macht und spätestens mit verstärktem Auftreten des titelgebenden Monsters, das es nicht umsonst unter meine fünf gruseligsten Film- und Serienmonster geschafft hat, zur Höchstform aufläuft: Der finale Zweikampf ist der Höhepunkt des Films und spätestens wenn der Predator seine Maske fallen lässt, gewinnt der Film auch alle Creature-Freunde für sich. Zwar kein „Alien“, aber dennoch sehr imposant.

Aktuell wird ja an einem Reboot des Franchises gearbeitet, auf das ich mich tatsächlich freue. Selbst dem 2010er Versuch „Predators“ konnte ich einiges abgewinnen und auch „Alien vs. Predator“ hatte so seine Momente, was man vom zweiten Teil leider nicht behaupten konnte. Ich habe nun wieder richtig Lust auf dieses Filmmonster bekommen und werde hoffentlich bald die Gelegenheit bekommen, auch der direkten Fortsetzung einmal wieder einen Besuch abzustatten: 9/10 Punkte.

The Equalizer (2014)

Nachdem der letzte Film schon drei Wochen zurückliegt, habe ich heute Abend das regnerische Wetter genutzt, um einmal wieder einen Abend vor dem Fernseher zu verbringen. Die Wahl fiel auf „The Equalizer“, über den ich schon einige positive Besprechungen gelesen bzw. gehört hatte. Zudem war er bei Amazon Prime im richtigen Bildformat zu sehen, so dass ich mich einmal wieder zum Streaming hinreißen ließ…

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Während der ersten halben Stunde war ich wirklich begeistert von Antoine Fuquas Arbeit. Die Geschichte wird ruhig und ohne Übertreibungen erzählt, den Charakteren und ihren Eigenheiten wird viel Raum gegeben und Atmosphäre groß geschrieben. Herrlich! Ich fühlte mich Denzel Washingtons Charakter Robert McCall wirklich nahe und habe mich nicht groß daran gestört, dass alles auf eine typische Rachegeschichte rauszulaufen schien. So konnte es von mir aus gerne weitergehen. Mehr „Training Day“ und weniger „Olympus Has Fallen“ – weiter so, Herr Fuqua!

Dann jedoch kam die erste Actionsequenz, die Fuqua völlig überzogen und platt auf McCalls Fähigkeiten hin inszeniert. Adieu, Subtilität! Leider steigert sich der Film bis zum unsäglichen Finale im Baumarkt immer weiter, was die verwendeten Tötungswerkzeuge – und ja, es sind wirklich Werkzeuge – angeht. Gewalt um der Gewalt willen. Wie eine Mischung aus „Kevin: Allein zu Haus“ und einer „Saw“-Fortsetzung. Dabei ist der Film durchaus unterhaltsam, doch gerade im Kontrast zu den ungleich stärkeren Charakterszenen wirkt die Action, die gerade das Besondere des Films sein soll, unglaublich gewollt. In dieser Hinsicht hat z.B. „John Wick“ als moderner Rachethriller deutlich mehr zu bieten.

Auch wenn der Bösewicht ein wenig comichaft wirkt, so überzeugt Marton Csokas in dieser Rolle. Mir war er bereits in der AMC-Serie „Into the Badlands“ positiv aufgefallen und diesen Eindruck konnte er bestätigen. Zwischen der Action hat „The Equalizer“ immer wieder seine Momente, wenngleich auch nie wieder die Qualität des Prologs erreicht wird. Wirklich schade, da der Film durchaus Potenzial besitzt, das leider zugunsten des plumpen Effekts nicht ausreichend genutzt wird: 6/10 Punkte.

The Newsroom – Season 1 to 3

Was habe ich Aaron Sorkins Art Geschichten zu erzählen vermisst. Dieser politische Idealismus gepaart mit extrem pointierten Dialogen und oft hoffnungslos kitschigen zwischenmenschlichen Szenen. Lange hat es gedauert, bis ich endlich die komplette Serie „The Newsroom“ gesehen habe – und ich bin jetzt schon unendlich traurig, dass es bei nur drei Staffeln geblieben ist. Dabei war ich davor durchaus skeptisch und hatte Befürchtungen, dass Sorkin nicht an „The West Wing“ oder auch die noch kurzlebigere Serie „Studio 60 on the Sunset Strip“ anschließen können würde. Umso begeisterter bin ich jetzt nach diesem umwerfenden Erlebnis…

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New Girl – Season 4

Neben all den schweren Drama-Serien, schauen wir auch immer eine leichte Comedy – und meist immer dann, wenn es schon zu spät für die großen Dramen auf dem kleinen Bildschirm ist. Ganz aktuell hatten wir „New Girl – Season 4“ im Programm, was auch stellvertretend für diese Art von Unterhaltung steht. Nett, unterhaltsam und unkompliziert – aber eben auch weit davon entfernt wirklich nachhaltig zu sein. Ob sich die Sichtung dennoch gelohnt hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

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Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob meine Wahrnehmung in Bezug auf die Präsenz der Serie positiv zu bewerten ist oder eher negativ. Obwohl wir uns erst im vierten Jahr befinden, hatte ich den Eindruck, dass ich „New Girl“ schon viel länger verfolge. Man kennt Jess, Nick, Schmidt, Winston, Cece und Coach einfach schon so gut, dass man sich sofort zu Hause fühlt. Die Autoren stecken unsere Charaktere deshalb in immer absurdere Situationen, was manchmal ein wenig befremdlich wirkt, doch insgesamt auch gut zur Entwicklung der Serie passt. Tatsächlich mag ich die skurrilen Geschichten am liebsten und empfinde eher die sentimentalen Noten als zu gewollt inszeniert.

Im Vergleich zur dritten Staffel fällt das vierte Jahr in meinen Augen ein wenig ab, vermutlich auch weil sich die Charaktere und ihre Beziehungen untereinander nicht wirklich weiterentwickeln – und dieses Verhalten hat man in Sitcoms eben schon zu oft gesehen. Dennoch nach wie vor unterhaltsam und ich werde wohl auch bei der fünften Staffel wieder dabei sein: 7/10 (7.4) Punkte.

Alles steht Kopf – OT: Inside Out (2015)

Aktualisierung: Ich habe „Alles steht Kopf“ am 1. Mai 2023 zusammen mit den Kindern erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nach dem Kurzfilm „Lava“ stand natürlich der Hauptfilm „Alles steht Kopf“ auf dem Programm, auf dessen Sichtung ich mich bereits seit einem Jahr freue. Die Idee klang in meinem Kopf einfach großartig und ich hoffte sehr, dass Pixar damit – nach dem ein wenig schwächeren „Die Monster Uni“ – zu alter Größe zurückkehren würde. Zudem war es mein erster Animationsfilm in diesem Jahr, was die Vorfreude darauf zusätzlich steigerte…

Alles steht Kopf (2015) | © Walt Disney

Alles steht Kopf (2015) | © Walt Disney

Um das Fazit direkt vorwegzunehmen: Ja, „Inside Out“ ist großartig und der beste Pixar-Film seit „Toy Story 3“ und „Die Monster AG“ oder vielleicht sogar gleichauf mit den beiden Klassikern. Es ist unglaublich, was für ein Feuerwerk an Ideen das Animationsstudio hier abfeuert – und das sowohl auf audiovisueller als auch auf inhaltlicher Ebene. Hinzu kommt, dass der Film trotz seines erklärungsbedürftigen Ansatzes immer zugänglich und leicht wirkt. Das Wichtigste ist jedoch: Pixar schafft es erneut Emotionen zu entfachen, die voll und ganz ins Schwarze treffen. Wie bereits bei der „Toy Story“-Serie geht es um den Verlust der Kindheit und den Aufbruch in eine neue Welt. Herzzerreißend ohne kitschig zu sein. Einfach wunderbares Kino.

Um alle Ebenen, die „Alles steht Kopf“ aufmacht, zu begreifen, muss ich den Film wohl noch etliche Male sehen. Die Autoren haben wunderbare Bilder für komplexe neurowissenschaftliche Zusammenhänge gefunden, die nicht nur absolut treffend, sondern dabei auch unglaublich unterhaltsam sind. Das Zusammenspiel zwischen Innenwelt und Außenwelt funktioniert dabei extrem gut, wobei jeder Schauplatz seinen individuellen Stil beibehält – und dennoch wirkt alles wie aus einem Guss.

Fazit

Spätestens wenn die Erinnerungen an die Kindheit verblassen und man sich, und als Elternteil seine Kinder, in der Geschichte um Riley wiedererkennt, gibt es kein Halten mehr. „Inside Out“ wäre wahrlich prädestiniert für einen Platz unter den Filmen, die mir das Herz brechen, gewesen. Was soll ich sagen? Pixar ist nach wie vor das Animationsstudio, das mit wahrlich originellen Geschichten aufzuwarten weiß, auch wenn nicht mehr jeder Film zündet. Wenn wir alle paar Jahre ein Werk in dieser Qualität bekommen, dann bin ich mehr als zufrieden. Absolut großartig: 10/10 Punkte.

Sicario (2015)

Heute habe ich mir endlich einen Film angesehen, der mir schon länger von einem Kollegen und guten Freund empfohlen wird. Denis Villeneuves „Sicario“ ist zudem seit Kurzem bei Amazon Prime in der Flatrate enthalten und wird dabei sogar im richtigen Bildformat ausgestrahlt. Da muss man den Verleih Studiocanal doch fast schon ein Lob aussprechen. Einer erfolgreichen Sichtung stand somit nichts im Wege, doch konnte der Film auch inhaltlich mithalten?

Sicario (2015) | © Studiocanal

Sicario (2015) | © Studiocanal

Ein Thriller, der von seiner Inszenierung lebt

Tatsächlich hat mich „Sicario“ von der ersten Sekunde an gefesselt. Und das liegt nicht wirklich an der recht geradlinigen Geschichte rund um den Drogenkrieg an der Grenze zu Mexiko. Nein, Denis Villeneuve schafft es durch die Inszenierung eine dermaßen dichte und spannungsgeladene Atmosphäre aufzubauen, dass meine Hände teils schweißnass waren. Seien es die distanzierten Kamerafahrten, der plötzliche Wechsel mitten ins Geschehen, die stete Unsicherheit unserer Identifikationsfigur oder der wummernde Score. Vermutlich ist es das Zusammenspiel all dieser Elemente. Ich musste nach der Sichtung auf jeden Fall erst einmal tief durchschnaufen.

Im Gegensatz zu Villeneuves fast schon intim erzähltem Entführungsdrama „Prisoners“ wird in „Sicario“ auf geopolitischer Ebene agiert. So hat es zumindest anfangs noch den Anschein. Letztendlich erzählt aber auch dieser Drogenthriller mehrere überaus persönliche Geschichten, wobei gerade unsere Hauptfigur (toll gespielt von Emily Blunt) am Ende verlorener wirkt als zu Beginn des Films. Der von Benicio Del Toro dargestellte Gegenspieler ist vermutlich der heimliche Star von „Sicario“, doch hätte ich mir durchaus mehr Ambiguität in seiner Figur gewünscht. Letztendlich versickert aber auch diese Kritik in den starken Bildern und der mitreißend inszenierten Action.

Fazit

Oft wirkt „Sicario“ mehr wie ein Kriegsfilm denn wie ein Thriller. Man befindet sich als Zuschauer mitten unter Söldnern (angeführt von Josh Brolin) und versucht in dieser fremden Welt irgendwie mitzuhalten. Das gelingt uns jedoch genauso wenig wie Kate Macer (Emily Blunt), die am Ende nicht als strahlende Heldin in den Sonnenuntergang reiten darf. Dies ist ein zutiefst pessimistischer Film, der gerade aufgrund seiner real wirkenden Bilder umso erschreckender ist. Ich werde dieses Erlebnis wohl so schnell nicht vergessen und freue mich schon auf die geplante Fortsetzung: 8/10 Punkte.

BFG: Big Friendly Giant – OT: The BFG (2016)

Ich habe „BFG: Big Friendly Giant“ am 14. März 2020 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Ich schaffe es kaum noch ins Kino. Das letzte Mal habe ich mir „Star Wars: The Force Awakens“ angeschaut und das war schon ein Kraftakt. Was also tun, wenn man wegen den Kindern nicht mehr so oft ins Kino kommt? Richtig, die Kinder einfach mitnehmen. Der folgende Eintrag zu „BFG: Big Friendly Giant“ wird folglich weniger klassische Filmbesprechung als eine Reflexion über den ersten gemeinsamen Kinobesuch mit meiner Tochter. Da müsst ihr jetzt durch, liebe Filmfreunde… 🙂

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Der erste Kinobesuch

Den Gedanken, mit dem Zappelinchen ins Kino zu gehen, trage ich schon länger mit mir herum. Allerdings war der Plan nie sonderlich konkret, da ich auf den richtigen Film warten wollte. Hinzu kommt, dass sie bisher erst einen einzigen Film – und zwar den unvermeidbaren „Die Eiskönigin: Völlig unverfroren“ – gesehen hat. Ziemlich ungewöhnlich für ihr Alter, zumindest wenn man sich in ihrem Freundeskreis so umschaut. Nach ihrem sechsten Geburtstag, und damit kurz vor dem Schuleintritt, schien mir die Gelegenheit nun günstig: Ich hatte mir Steven Spielbergs „BFG: Big Friendly Giant“ auserkoren, da sonst nur generische Animationsfilme laufen und ich mit Spielberg bisher immer gut gefahren bin. Also habe ich spontan Plätze reserviert und bin dann Sonntagnachmittag aufgebrochen, um meine große Kleine in das Abenteuer Kino einzuweihen.

Manchmal ist es faszinierend, die Welt bewusst durch die Augen eines Kindes zu sehen. Was für uns Erwachsene selbstverständlich ist, mag für Kinder noch völlig undefiniert sein. So war es dem Zappelinchen nicht klar, was denn Kino nun eigentlich ist: Ist das wie ein Theater in dem Menschen auftreten? Auch meine Beschreibung eines großen Fernsehers in einem Saal mit vielen Sitzplätzen hat nicht wirklich geholfen. Bis es dann soweit war und die Lichter ausgegangen sind. Und diese knisternde Spannung in der Luft lag. Als dann endlich der Film losging, waren ihre ersten Worte: „Ich habe das Gefühl als würde ich fliegen…“ Obwohl wir in einem eher kleinen Kinosaal waren und weit von der Leinwand entfernt saßen, hatte das Kinobild eine große Wirkung auf auf meine Tochter. Hier fühlte ich mich bestätigt, beim ersten Mal bewusst auf 3D verzichtet zu haben, da der immersive Eindruck ohnehin schon sehr überwältigend war. Der erste Kinobesuch. Eine magische Erfahrung.

Die Wahl des richtigen Films

Während der ersten halben Stunde war ich mir unsicher, ob die Entscheidung für „The BFG“ die richtige war. Der Film beginnt sehr düster und ist beinahe schon unheimlich. Die Atmosphäre hat mich, vermutlich auch aufgrund von John Williams‘ Score, sehr an die frühen „Harry Potter“-Filme erinnert. Die Altersfreigabe der FSK erscheint mir, wie so oft, ziemlich daneben zu sein. Auch das Zappelinchen hat sich anfangs öfter an meinen Arm geklammert, doch nachdem klar wurde, dass der Big Friendly Giant tatsächlich ein freundlicher Riese ist, hat sie sich deutlich entspannt. In der zweiten Filmhälfte, wenn die Handlung vom Land der Riesen wieder in die Welt der Menschen wechselt, wird der Ton des Films auch deutlich leichter und typischer Kinderfilm-Humor hält Einzug, sprich Spielberg setzt tatsächlich auf Slapstick und Fürze. Normalerweise kann ich mit so etwas eher wenig anfangen, doch als ich gesehen habe, wie gelöst meine Tochter lauthals lacht, hatte mich der Film auch mit diesen Szenen für sich gewonnen.

Eine objektive Bewertung abzugeben fällt mir nun wirklich schwer. Ich habe den Film durch die Augen meiner Tochter erlebt und sowohl Stärken als auch Schwächen wie durch einen Filter wahrgenommen. Technisch ist er wahrlich imposant und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass er in 3D tatsächlich noch beeindruckender wirkt. Die Handlung ist ziemlich geradlinig und birgt kaum Überraschungen. Umso verspielter ist dagegen die Inszenierung, was sich speziell in den Details der Ausstattung widerspiegelt. Auch emotional funktioniert „BFG: Big Friendly Giant“ wunderbar, da der Charakter des Riesen eine technische Meisterleistung ist und auch Ruby Barnhill als Sophie wunderbar mit ihm zusammenspielt. So glaubwürdig sogar, dass mir das Zappelinchen während des Abspanns zuflüsterte:

„Papa, lass uns doch noch sitzen bleiben. Vielleicht kommen ja noch die Schauspieler und verbeugen sich…“ (Das Zappelinchen nach dem Film)

Fazit

Wenn man sich für eine Sichtung des Films entscheidet, dann sollte man sich darüber im Klaren sein, dass „The BFG“ ein waschechter Kinderfilm ist. Kein Wunder, ist doch auch die Vorlage von Roald Dahl ein Kinderbuch. Der Vergleich mit dem 80er-Jahre-Klassiker „E.T. – Der Außerirdische“ funktioniert für mich deshalb auch nicht wirklich, da Spielbergs jüngster Film ganz andere Schwerpunkte setzt und viel märchenhafter und kindgerechter inszeniert ist. Ich wurde auch als Erwachsener sehr gut unterhalten, würde aber ohne die besonderen Umstände meines ganz persönlichen Kinoerlebnisses einen Punkt von der Wertung abziehen. Rein emotional betrachtet ist die Roald-Dahl-Verfilmung jedoch jetzt schon einer der wichtigsten Filme meines Lebens – und vermutlich auch des Lebens meiner Tochter: 8/10 Punkte.

Der Marsianer: Rettet Mark Watney – OT: The Martian (2015)

Heute habe ich endlich den Film gesehen, auf dessen Sichtung ich schon seit einer halben Ewigkeit warte. Zuerst wollte ich den Roman lesen und dann eigentlich auf die Extended Edition warten – nun hatte Amazon die Kinofassung für 99 Cent in der Online-Ausleihe. Da bin ich doch schwach geworden und habe mir „Der Marsianer: Rettet Mark Watney“ angesehen, jedoch nicht ohne vorher zu überprüfen, ob er auch im Original-Bildformat gestreamt wird. Wird er tatsächlich – und somit gab es für mich kein Halten mehr…

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Ridley Scott kann den Weltraum einfach unglaublich gut inszenieren. Schon bei der ersten Einstellung musste ich an seinen Klassiker „Alien“ denken, was vielleicht auch daran liegt, dass Harry Gregson-Williams‘ Score in gewissen Passagen durchaus an seine Vertonung von „Prometheus“ erinnert, der wiederum eindeutig von Jerry Goldsmiths archetypischen Klängen zu „Alien“ inspiriert ist. Der Kreis schließt sich somit klanglich und auch die Bilder wissen zu imponieren. Ridley Scott hat es nicht verlernt und somit freue ich mich umso mehr auf „Alien: Covenant“, doch ich schweife ab. Nun also zurück zu „The Martian“ und Mark Watney…

Als Kenner der Vorlage gab es für mich nur wenige Überraschungen. Ja, teils fehlen Passagen, die ich gerne auf der großen Leinwand gesehen hätte (speziell im letzten Drittel) und so manche kleinere Änderung gab es auch im Handlungsverlauf – insgesamt jedoch ist die Adaption von Andy Weirs Roman durchaus werkgetreu. Speziell die Atmosphäre auf dem Roten Planeten und Mark Watneys Charakter sind perfekt getroffen. Matt Damon trägt den Film über weite Strecken völlig allein und verschmilzt gekonnt mit Watney. Auch auf der Erde schaffen es die Darsteller ihren Figuren Leben einzuhauchen, wenngleich der Fokus, wie bereits im Roman, eindeutig auf den Mars-Szenen liegt.

Insgesamt kann ich nicht wirklich viel an „Der Marsianer“ kritisieren, außer dass er mir mit seiner Laufzeit von über 2 Stunden trotzdem zu kurz war. Zu gerne hätte ich den Zusammenbruch der Kommunikation gesehen oder Watneys Probleme mit den Solarzellen auf seiner Fahrt zum Schiaparelli-Krater. Dagegen wurden die Logbuch-Einträge wunderbar umgesetzt und fügen sich perfekt in den restlichen Film ein. Man darf als Kenner des Buches jedoch nicht erwarten, dass die wissenschaftlichen Hintergründe hier ebenso detailliert erläutert werden. Für mich gab es dennoch so manchen Aha-Effekt, da ich mich noch an die Gründe für so manche Entscheidung Watneys erinnern konnte. Ein Mehrwert für Leser. Auch mal schön.

Beim Schauen des Films ist mir – noch deutlicher als bei der Vorlage – aufgefallen, dass es keinen Antagonisten gibt. Alle arbeiten ohne versteckte Agenda daran, Watney nach Hause zu holen. Das hat mir wirklich sehr gut gefallen und ist für das heutige Kino schon eher außergewöhnlich. Insgesamt bin ich also wirklich begeistert und kann mir hier – im Gegensatz zu „The Last Days on Mars“ – durchaus vorstellen, noch einmal auf den Roten Planeten zurückzukehren. Dann am liebsten im Extended Cut, für den ich mir gerne noch den fehlenden Punkt aufspare, um endgültig zur famosen Vorlage aufzuschließen: 8/10 Punkte.

Wayward Pines – Season 1

Nachdem ich früher recht nah am aktuellen TV-Geschehen war, hole ich inzwischen eher ältere Serien nach. Mit „Wayward Pines – Season 1“ gab es jedoch einmal wieder frisches Futter in meinem Programm. Gehört hatte ich schon einiges von der Serie und die Empfehlung der Singenden Lehrerin hat letztendlich den Anstoß gegeben nach langer Mystery-Abstinenz (meine Wiederholungssichtung von „Akte X“ einmal ausgenommen) diesem wunderbaren Genre einmal wieder einen Besuch abzustatten. Ob mich die Serie überzeugen konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Während der ersten Episoden wirkt die Serie wie eine modernisierte Version von „Twin Peaks“ – nur ein wenig normaler bzw. mehr im Mainstream verankert. Eine abgelegene Kleinstadt im Nordwesten der USA, skurrile Bewohner und eine unheilschwangere Atmosphäre. Dazu ein Secret-Service-Agent, der einen Fall aufklären muss und in Wayward Pines hängenbleibt. Ja, die Serie ist eindeutig inspiriert von David Lynchs Klassiker. Dabei entwickelt sie sich ab der Hälfte der ersten Staffel doch stark in Richtung „Lost“ und setzt mehr und mehr auf Science-Fiction, ohne jedoch den skurrilen Mystery-Touch zu verlieren. Eine interessante Mischung, die mir tatsächlich viel Freude bereitet hat.

„Wayward Pines“ basiert auf einer Roman-Trilogie und wurde von M. Night Shyamalan („The Village“) für das Fernsehen adaptiert. Somit stand fast zu erwarten, dass am Ende der Staffel ein großer Twist wartet. Diesen gibt es auch, jedoch wird das ganz große Geheimnis bereits in der fünften Episode enthüllt – eine Wendung, mit der ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht gerechnet hätte. Überhaupt besitzt die Serie ein ziemlich hohes Tempo und ich hätte mir gut vorstellen können, dass die Geschichte in anderen Händen durchaus auf drei Staffeln ausgewalzt worden wäre. Sehr erfrischend. Teils droht die Serie ein wenig in Richtung Trash zu kippen, jedoch schaffen es Shyamalan und Co. den Zuschauer bei der Stange zu halten – zumindest ich hatte die Prämisse nach ein wenig Eingewöhnungszeit gekauft.

Man darf sich keine Illusionen machen: „Wayward Pines“ ist sowohl inhaltlich als auch stilistisch weit davon entfernt die Bedeutung zu erlangen, die „Twin Peaks“ oder auch „Lost“ jemals hatte. Doch gerade weil die Handlung so wunderbar forsch voranprescht, ist es eine Freude den teils abstrusen Entwicklungen zuzuschauen. Ich hatte meinen Spaß damit und bin jetzt schon gespannt, wie sich die Serie nach diesem Finale entwickeln wird: 8/10 (7.9) Punkte.

Mozart in the Jungle – Season 1 & 2

So langsam aber sicher arbeite ich mich durch alle Amazon-Eigenproduktionen durch. Da ich Musik-Serien sehr gerne sehe, war es nur eine Frage der Zeit bis „Mozart in the Jungle – Season 1 & 2“ den Weg in unser Abendprogramm findet. Und dort ist die Serie über die Laufzeit ihrer ersten beiden Staffeln auch geblieben…

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Die Amazon-Serie basiert auf einem Buch, mit dem reißerischen Untertitel „Sex, Drugs, and Classical Music“ – da weiß man doch gleich, was man bekommt, oder? Zumindest bei HBO hätte die Serie wohl ganz anders ausgesehen und sich wohl in erster Linie auf die beiden erstgenannten Punkte konzentriert. Bei Amazon dagegen liegt der Fokus der Serie größenteils auf klassischer Musik und Geschichten, die das Orchester betreffen. Zwar gibt es auch mal Sex und Drogen, doch insgesamt ist die Serie für ihr Thema doch erstaunlich zahm und nett. Doch dies trifft ja fast schon auf alle Amazon-Serien (z.B. „Alpha House“) zu, die ich bisher gesehen habe.

Wie schon bei der Musical-Serie „Smash“ steht das Leben der Künstler im Mittelpunkt. Die Atmosphäre beider Serien ist auch ähnlich, doch ist „Mozart in the Jungle“ deutlich mehr Comedy als das oft unnötig dramatische Musical. Da Musikserien ein eher noch seltenes Genre sind („Nashville“ kenne ich zum Beispiel noch nicht), lohnt sich der Blick hinter die Kulissen der New Yorker Symphoniker auf jeden Fall. Ihre Qualität hält die Serie übrigens auch im zweiten Jahr:

  1. „Mozart in the Jungle – Season 1“ (7.9 Punkte)
  2. „Mozart in the Jungle – Season 2“ (7.9 Punkte)

Wer auf der Suche nach leichter Comedy-Unterhaltung abseits von teils brachialem Sitcom-Humor ist, der sollte durchaus einmal in diese nette Serie reinschauen. Kommt zudem ein Faible für klassische Musik hinzu, dann könnt ihr richtig viel Spaß mit „Mozart in the Jungle“ haben: 8/10 (7.9) Punkte.