Coma (1978)

Was für ein Urlaub. Die Kinder krank, das Wetter mies und nun hat es auch noch mich erwischt. Dabei hatte ich so große Hoffnungen für diese Woche. Wenigstens ein Plan geht auf: Ich schaue fast jeden Abend einen Film. Heute fiel die Wahl auf Michael Crichtons „Coma“ aus dem Jahr 1978. Ich mag Crichtons Art Geschichten zu erzählen und habe eine Schwäche für Sci-Fi-Thriller aus den 70er Jahren. Wie diese (für mich) Neuentdeckung abschneidet, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Nach dem Film war ich tatsächlich erstaunt zu lesen, dass es sich bei der Vorlage zu „Coma“ nicht um einen Roman des Autoren und Regisseurs selbst handelt. Die Geschichte um sich häufende Fälle von plötzlich auftretenden Komas fällt mit ihren leichten Sci-Fi-Anleihen und dem medizinischen Setting voll und ganz in sein Beuteschema. Somit ist es nicht verwunderlich, dass Crichton aus der Prämisse einen geradlinigen Thriller strickt, der vor allem durch seine – von Geneviève Bujold sehr mitreißend gespielt – Heldin überzeugen kann.

In manchen Szenen wirkt „Coma“ auch heute noch höchst aktuell und frisch, andere dagegen können die beinahe 40 Jahre seit dem Dreh nicht verbergen. Letzteres macht aber auch den Charme des Thrillers aus, der heute bestimmt viel atemloser inszeniert worden wäre. Ich mochte die ruhigen Szenen zwischen den Charakteren und auch die große Enthüllung im Jefferson Institut weiß heute noch zu beeindrucken. Leider jedoch bleibt inhaltlich zu viel auf der Strecke und ich hätte mir ein wenig mehr als nur eine spannende Detektivgeschichte im medizinischen Umfeld gewünscht.

Mich hat „Coma“ wirklich gut unterhalten, was speziell am gelungenen Zusammenspiel von Geneviève Bujold und Michael Douglas lag. Auch war es unterhaltsam damals noch unbekannte Schauspieler wie Ed Harris oder Tom Selleck in unbedeutenden Nebenrollen zu entdecken. Inhaltlich ist der Film auch heute noch aktuell und mitreißend, jedoch sollte man sich auch nicht zu viel von der doch eher simplen Thriller-Handlung erwarten: 7/10 Punkte.

Everest (2015)

Aktualisierung: Ich habe „Everest“ am 30. August 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem ich den gestrigen Abend mit Quentin Tarantinos „The Hateful Eight“ bereits in einem Schneesturm verbrachte, dachte ich, dass eine Besteigung des „Everest“ der naheliegende nächste Schritt sei. Von Baltasar Kormákur Bergsteigerdrama hatte ich im Vorfeld schon einiges gehört, wobei sich positive und negative Besprechungen ziemlich die Waage hielten. Insofern war ich sehr gespannt, was mich in den nächsten zwei Stunden erwarten würde…

Everest (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Everest (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Was die Berge als Setting angeht, so hat mich der Film damit schon fast immer auf seiner Seite. Egal ob „Cliffhanger“ oder „Vertical Limit“ – wenn die Kulisse stimmt, kann ich auch so manch inhaltliche Schwäche verzeihen. Mit „Everest“ nun also der Versuch eines realistischen Bergsteigerdramas – und was soll ich sagen? Der Film hat bei mir ziemlich gezündet. Die Dramaturgie wird dabei jedem x-beliebigen Katastrophenfilm entliehen, doch das macht nichts: Regisseur Baltasar Kormákur inszeniert sehr effizient und gibt eine hohe Taktung vor, ohne jedoch die Charaktere zu vernachlässigen. Ein Kritikpunkt, den ich häufig gelesen habe, war zum Beispiel, dass man die Figuren nicht unterscheiden könne, was ich absolut nicht nachvollziehen kann. Für mich wurden die Abenteurer mehr als ausreichend detailliert charakterisiert und waren selbst im größten Schneegestöber eindeutig identifizierbar.

Während der Vorstellung der Bergsteiger musste ich bei der Erwähnung des Namens Jon Krakauer aufhorchen. Das war doch der Autor, der die Vorlage „In die Wildnis: Allein nach Alaska“ zu Sean Penns grandiosem „Into the Wild“ geschrieben hatte. Ich überlegte, ob „Everest“ vielleicht sogar eine weitere Verfilmung eines von Krakauers Büchern sein könnte, doch musste ich nach ein wenig Recherche feststellen, dass sich der Autor sogar von dem Film distanziert hatte. Zu der Katastrophe sind neben Krakauers „In eisigen Höhen“ mehrere Bücher entstanden, welche die Ereignisse aufarbeiten und teils zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Wenn man den Produzenten des Films glauben mag, haben sie versucht eine möglichst neutrale Perspektive einzunehmen und sich an den belegbaren Fakten (z.B. dem damals aufgezeichneten Funkverkehr) orientiert. Wer sich für das Thema interessiert, für den ist die Wikipedia-Seite zum Unglück bestimmt ein guter Einstieg.

Was die Inszenierung angeht, so bedient sich Kormákur einer Mischung aus realen Aufnahmen, Sets und CGI. Diese Mischung funktioniert meist erstaunlich gut, nur in einzelnen Einstellungen ist der Greenscreen aufgrund von nicht perfekt gesetztem Licht deutlich erkennbar. Dies ist störend, kommt aber glücklicherweise nur selten vor und ist kein Vergleich zu den aus heutiger Sicht teils katastrophalen VFX in „Vertical Limit“, in denen man den Greenscreen förmlich vor sich sieht.

Fazit

Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit meinem bequemen Ausflug auf den „Everest“ von der Couch aus. Es gibt tolle Landschaftsaufnahmen, zu Herzen gehende Schicksale und unglaublich spannende Szenen: Ich hätte nach dem Film vermutlich auch eine Sauerstoffflasche gebrauchen können. Wer sich ein wenig für das Thema interessiert, der findet in Baltasar Kormákurs Film eine wirklich sehenswerte dramatische Umsetzung: 8/10 Punkte.

The Hateful 8 – OT: The Hateful Eight (2015)

Nachdem es unseren Zwergofanten heute komplett zerbröselt hat, stehen die Pläne für die kommenden Urlaubstage unter keinem gute Stern. Vermutlich wollte ich mich heute Abend deshalb auch mit einem Film ablenken, der schon lange auf der ominösen Liste steht: Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ – und ja, der deutsche Titel wird tatsächlich mit einer Ziffer geschrieben. Die Erwartungen waren hoch, doch war mir bereits im Vorfeld bewusst, dass der Film sehr unterschiedlich aufgenommen wurde…

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Meine Jugend mit Quentin Tarantino

Wenn ich an Quentin Tarantino denke, dann denke ich an meine Jugend. Wohl kein zweiter Regisseur hat mein filmisches Erwachsen so sehr geprägt, wie dieser inzwischen nur allzu bekannte Filmfanatiker. Damals musste ich jeden seiner Filme im Kino sehen und konnte die Heimkino-Veröffentlichungen mitsprechen. Erst die VHS-Kassetten (auf Deutsch und auch Englisch), später dann die DVD-Releases. Seine Werke zählen bis heute zu meinen meistgesehenen Filmen und auch seine jüngeren Regie-Arbeiten „Inglourious Basterds“ und „Django Unchained“ fand ich mehr als nur sehenswert, selbst wenn ich sie vergleichsweise spät nachgeholt habe. Nun also sein neuster Streifen: wieder ein Western und dieses Mal ein Kammerspiel.

Beeindruckende Bilder in 70 mm

Wie bei anderen Filmen, die eine bestimmte Technik einsetzen, möchte ich auch an dieser Stelle zunächst auf die Tatsache eingehen, dass „The Hateful Eight“ in Ultra Panavision 70 gedreht wurde. Dies sorgt für ein extrem breites Seitenverhältnis von 2,76:1 (im Gegensatz zum anamorphen 35-mm-Breitbild mit 2,4:1 bzw. dem Standard-Breitbild mit 1,85:1) und lässt speziell Landschaftsaufnahmen sehr beeindruckend wirken. Im Heimkino hat man selbst mit Blu-ray nur wenig von der erhöhten Auflösung und ich kann mir nur vorstellen, wie beeindruckend der Film in seiner 70-mm-Roadshow-Fassung gewirkt haben muss. Davon abgesehen sieht der Western auch auf dem heimischen Fernseher einfach toll aus und es ist sehr beeindruckend, wie vielfältig das kammerspielartige Set in Szene gesetzt wurde.

Acht abscheuliche Charaktere

Die Handlung wird noch dialoglastiger erzählt als in Tarantinos vorhergehenden Filmen. Dies ist nur wenig verwunderlich, basiert das gesamte Konzept doch darauf, dass die Charaktere von der Außenwelt abgeschnitten in einem Schneesturm feststecken und sich gegenseitig misstrauen. Die Western-Variante von „The Thing“ sozusagen. Und in beiden Filmen spielt Kurt Russell eine Hauptrolle. Für solche Zufälle hat Tarantino wirklich ein Händchen. Ansonsten gibt es viele bekannte und auch überraschende Besetzungen zu sehen. Als einzige Frau unter den abscheulichen Acht sticht besonders die bereits von der Band The Weakerthans auf „Reunion Tour“ besungene Jennifer Jason Leigh hervor, deren Figur nicht weniger verabscheuungswürdig ist als ihre männlichen Gegenspieler. Überhaupt ist es beeindruckend, wie sehr der Titel in diesem Film Programm ist.

Konnten bisher selbst die abgebrühtesten Gangster noch eine gewisse Sympathie beim Zuschauer auslösen, hat man es hier mit rassistischem, narzisstischem und opportunistischem Abschaum zu tun. Dies mag man zu Beginn nur erahnen, doch je weiter das Kammerspiel fortschreitet, desto zynischer werden die Handlungen und spätestens wenn sich einem das gesamte Bild offenbart und die Gewalt explodiert, steht außer Frage: Hier hat es niemand verdient zu gewinnen. Entsprechend konsequent ist das Finale auch ausgefallen. Das eigentlich Perfide an der Sache ist nur, dass man zuvor doch immer wieder Hoffnung schöpft und der beinahe schon gemütlichen Atmosphäre dieser Hütte erliegt. Dieser Zustand hält aber nie lange an und man wird von den Figuren auch als Zuschauer nach Strich und Faden belogen.

Fazit

Quentin Tarantino hat mit „The Hateful Eight“ erneut einen beeindruckenden Beweis geliefert, dass er verdammt gut Dialoge schreiben kann. Auch inszenatorisch ist der Film ein kleines Meisterstück, wenngleich sich die Versatzstücke seiner bisherigen Werke inzwischen auch ein wenig wiederholen. Das völlige Ausbleiben von Hoffnung lässt mir das Finale schwerer im Magen liegen, als ich dies vermutet hätte, auch wenn es zuvor durchaus den typischen Tarantino-Humor gibt. Noch kann ich diesen achten Film des Regisseurs nicht endgültig einschätzen, doch so ging es mir mit „Jackie Brown“ damals auch, den ich inzwischen zu meinen Favoriten zähle. Lang, teils anstrengend, doch immer überraschend und typisch Tarantino. Sollte man auf jeden Fall gesehen haben: 8/10 Punkte.

The Visit (2015)

Halloween steht vor der Tür, der Horrorctober neigt sich seinem Ende zu. Ich habe somit den heutigen Abend genutzt, um mir mit „The Visit“ einen weiteren Genrefilm anzusehen. Teils wurde er als M. Night Shyamalans Rückkehr zu alter Größe gefeiert, teils habe ich von einem großen Reinfall gelesen. Wie ich den Film wahrgenommen habe, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Zunächst einmal muss ich festhalten, dass ich im Vorfeld nicht wusste in welchem Stil „The Visit“ gedreht wurde. Ob man hier nun von Found Footage oder Mockumentary sprechen möchte, ist wohl Auslegungssache: Auf jeden Fall steht eine subjektive Kamera im Mittelpunkt. Wir erleben die Geschichte aus der Perspektive zweier Kinder, die zum ersten Mal ihre Großeltern besuchen. Obwohl schon recht bald ziemlich unheimliche Dinge geschehen, kommt der Humor nicht zu kurz, was bisweilen an Sam Raimis Genre-Hybriden „Drag Me to Hell“ erinnert. Auch wenn sich somit kein stringenter Ton durch den Film zieht, lag für mich jedoch genau darin der Reiz: Ich wurde köstlich unterhalten und hatte gleichzeitig wirklich große Angst. Horror-Hassliebe par excellence.

Was die Handlung von „The Visit“ angeht, so darf man sie keiner genaueren Analyse unterziehen. Während des Films kamen mir jedoch keine Logiklöcher in den Sinn und ich konnte mich voll und ganz von den Geschehnissen mitreißen lassen. Danach musste ich noch einmal nachschauen, ob ich richtig gelesen hatte und der Film wirklich ab 12 Jahren freigegeben ist. Er ist es. Unfassbar. Ich wäre als 12-jähriger gestorben. Wieder einmal ein deutliches Zeichen, dass die FSK kein aussagekräftiges Maß vorgibt und ich als Elternteil wohl jeden Film vorab überprüfen muss, den meine Kinder je bis zu ihrem 18. Geburtstag sehen werden…

Für mich hat M. Night Shyamalan („The Village“) mit „The Visit“ tatsächlich wieder abgeliefert und ich würde mir wünschen, dass er in Zukunft mehr in Richtung Horror und Komödie geht. Sicher kein Film für die Genre-Hall-of-Fame, doch auf jeden Fall einen knapp 90-minütigen Besuch wert: 7/10 Punkte.

Die Tribute von Panem: Mockingjay Teil 2 – OT: The Hunger Games: Mockingjay – Part 2 (2015)

Aktualisierung: Ich habe „Die Tribute von Panem: Mockingjay Teil 2“ am 9. Februar 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nach einem extrem ruhigen Samstag habe ich heute Abend mit „Die Tribute von Panem: Mockingjay Teil 2“ eine der populärsten Filmreihen der letzten Jahre abgeschlossen. Wie bereits bei „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ hat man sich in Hollywood auch bei diesem Finale für eine Zweiteilung entschieden. Ob dies der Geschichte letztendlich zugute kommt, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Das Teil 2 im Titel sollte man wirklich ernst nehmen, denn es gibt keinen Prolog oder eine Aufarbeitung der Geschehnisse des ersten Teils. Man wird direkt in die Handlung hineingeworfen, die auch nahtlos an den Vorgänger anschließt. Hier fühlte ich mich eher an eine weitere Episode einer TV-Serie als an einen für sich stehenden Kinofilm erinnert – und für sich alleine steht „The Hunger Games: Mockingjay – Part 2“ auch wirklich nicht. Schadet das der Geschichte oder wirken die Handlungselemente zu sehr ausgewalzt? Nein. Und dennoch fühlt sich diese Struktur für einen Film falsch an. Vermutlich ist das aber auch ein Zugeständnis an die Popularität des seriellen Erzählens, wie wir es in den letzten Jahren kennengelernt haben.

Wie bereits die vorangegangenen Teile ist auch die Verfilmung der zweiten Hälfte von „Die Tribute von Panem: Flammender Zorn“ eine detailgetreue Bebilderung der Geschehnisse der Vorlage. Manche Bilder hätten 1:1 aus meiner Vorstellung stammen können. Ich mochte die Actionszenen und auch die ruhigen Charaktermomente, die es in einem einzigen Film wohl nicht in dieser Fülle gegeben hätte. Dennoch lässt mich der Abschluss der „The Hunger Games“-Reihe ein wenig unbefriedigt zurück, wirkt das Finale doch weniger emotional als ich es aus der Buchvorlage in Erinnerung hatte. Wenn man die Filme tatsächlich getrennt betrachten will, ist es für mich aktuell der schwächste Teil des Franchises:

  1. „Die Tribute von Panem: Catching Fire“
  2. „Die Tribute von Panem: The Hunger Games“
  3. „Die Tribute von Panem: Mockingjay Teil 1“
  4. „Die Tribute von Panem: Mockingjay Teil 2“

Letztendlich dürfte man als Kenner der Vorlage, so man an ihr denn gefallen gefunden hat, auf jeden Fall auch Spaß mit dieser Verfilmung haben. Neuerungen, oder eine Wirkung über die Genre-Grenzen hinaus, sollte man aber nicht erwarten. Ich habe mich über den runden Abschluss gefreut und werde irgendwann bestimmt noch einmal zur gesamten Reihe zurückkehren, auch weil mir die ersten Teile deutlich stärker im Gedächtnis geblieben sind: 7/10 Punkte.

Kingsman: The Secret Service (2014)

Nach ein paar wirklich herausfordernden Wochen, beginnt für mich heute eine kurze Auszeit: Die Herbstferien stehen vor der Tür. Normalerweise kann ich ganz gut abschalten, doch der heutige Tag lieferte Gedankenkarussell bis zum bitteren Ende. Somit fiel die Wahl heute Abend mit „Kingsman: The Secret Service“ auch auf einen Film, für den ich keine hohen Erwartungen hegte, mir jedoch zumindest anspruchslose Action-Unterhaltung erhoffte. Umso erstaunlicher, dass er mich für gut zwei Stunden alles andere tatsächlich vergessen ließ…

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Meine bisherigen Erfahrungen mit Matthew Vaughn waren tatsächlich immer positiv: egal ob „Der Sternwanderer“, „Kick-Ass“ oder „X-Men: Erste Entscheidung“ – die Filme konnten in ihrem Genre stets überzeugen und hatten einen gewissen Kniff. Bereits bei Vaughns Beitrag zum „X-Men“-Franchise musste ich stets an die „James Bond“-Filme der 60er Jahre denken. Mit „Kingsman: The Secret Service“ hat er dieses Genre nun erfolgreich in die Neuzeit transferiert: Sein Werk wirkt in manchen Szenen mehr wie ein 007-Abenteuer als die Daniel-Craig-Filme. Dabei ist die Actionkomödie keine Parodie, sondern nimmt sich und ihre Welt – trotz einiger urkomischer Szenen – durchaus ernst, was im Endeffekt den Charakteren und dem Setting zugute kommt.

Am meisten hat mich wohl beeindruckt, dass Vaughn und sein Team immer einen Schritt weiter gehen, als man es in solch einem Big-Budget-Actioner erwarten würde. Nicht nur was den durchaus respektablen Gewalt-Level angeht, sondern auch wie Themen verarbeitet werden oder mit der Erwartungshaltung gebrochen wird. Ein subversiver Geist wohnt „Kingsman“ inne, der den Film in Kombination mit dem Blockbuster-Budget sowie dem Auftritt diverser Hollywood-Stars unglaublich frisch wirken lässt. Das Action-Abenteuer lebt vom ausgefallenen Setting, übertriebener Gewalt und abstrusem Humor. Dabei ist er meta, ohne zu selbstverliebt zu sein. Eine angenehme und äußerst unterhaltsame Mischung.

Vielleicht lag es an meinem Gemütszustand, doch hat mich „Kingsman: The Secret Service“ wirklich positiv überrascht. Die Sichtung des zweiten Teils würde ich nicht mehr so lange vor mir herschieben. Ein rundum gelungener Spaß, der unter der glänzenden Oberfläche an den genau richtigen Stellen ein paar Ecken und Kanten hervorblitzen lässt: 8/10 Punkte.

Ganz weit hinten – OT: The Way, Way Back (2013)

Nach einem hoffnungslos verregneten Samstag, an dem wir nur die angefallene Wäsche der Woche gewaschen und gebügelt sowie im Haus für Ordnung gesorgt haben (ja, unser Leben ist unglaublich aufregend), sollte wenigstens der Film am Abend ein Highlight sein. Die Wahl fiel letztendlich auf „Ganz weit hinten“, der schon viel zu lange ungesehen im Regal stand und tatsächlich ein wenig Sommergefühl in unser Wohnzimmer bringen sollte…

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Ich muss gestehen, dass ich „Little Miss Sunshine“ – damit wird dieser Film immer wieder verglichen – noch nicht gesehen habe. Allerdings strahlt „Ganz weit hinten“ dieses typische Indie-Dramedy-Gefühl aus, das in den letzten Jahren ziemlich populär geworden ist. Das Drehbuch stammt von Nat Faxon und Jim Rash (genau, Dean Craig Pelton aus „Community“), die beide auch die Regie des Films übernommen haben und zwei der Nebenfiguren spielen. Auch darüber hinaus ist „The Way, Way Back“ mit Steve Carell, Toni Collette, Allison Janney, Sam Rockwell, Maya Rudolph und Amanda Peet überaus prominent besetzt – und auch die Jungschauspieler wissen zu überzeugen.

Im Grunde erzählen Jim Rash und Nat Faxon hier eine Coming-of-Age-Geschichte, in deren Zentrum die Freundschaft zwischen einem unglücklichen Teenager und dem Manager eines Wasserparks steht. Durch diese ungewöhnliche Beziehung schöpft der unter der Trennung seiner Eltern leidende Duncan neuen Mut und findet wieder Freude am Leben. Es ist keine komplexe Geschichte, doch wirkt sie echt und nahbar. An das Gefühl nicht dazuzugehören kann sich wohl schließlich jeder erinnern – und in Duncans Situation muss es sich noch viel schlimmer anfühlen. Man leidet mit ihm und ist dankbar für die Möglichkeit aus dem tristen Urlaubsalltag ausbrechen zu können. Dies liegt auch größtenteils an Steve Carell, der hier wirklich ein ziemliches Arschloch spielt. Da lobe ich mir doch Michael Scott.

Letztendlich ist „The Way, Way Back“ ein herzerwärmender und stets unterhaltsamer Coming-of-Age-Film, der uns einen Sommer lang am Leben dieser kaputten und doch irgendwie sympathischen Figuren teilhaben lässt. Kein großer Film, doch ein Film, der mir öfter ein Lächeln auf das Gesicht zauberte und mit einem gut geschriebenen Drehbuch sowie sehr spielfreudigen Schauspielern aufzuwarten weiß: 8/10 Punkte.

It Follows (2014)

Was für eine Woche. Nach einer erneut sehr kurzen Nacht hätte ich schwören können, dass ich keinen Film durchhalte. Doch dann waren die Kinder im Bett und wir haben es tatsächlich um 20 Uhr auf das Sofa geschafft. Ich wollte dennoch auf Nummer sicher gehen und habe mich mit „It Follows“ somit für einen spannungsgeladenen Horrorfilm entschieden. Nach „Predator 2“ mein zweiter spontaner Beitrag zum diesjährigen #Horrorctober – mal sehen, was noch folgen wird…

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Ich habe viele Lobeshymnen über den Film gehört. Ein Genrefilm, der das Horrorkino der 80er Jahre atmet. Ein Score, wie von John Carpenter höchstpersönlich geschrieben. Versatzstücke, die etwas komplett Neues ergeben. Ja, die Erwartungen waren hoch, doch war ich auch vorsichtig, nachdem mit „The Guest“ bereits ein Film mit ähnlichen Attributen bei mir nur bedingt gezündet hat. David Robert Mitchells Film hatte mich jedoch schon nach dem Prolog: Der treibende Elektro-Score, die famose Kameraarbeit, die klischeehaft und doch überraschend inszenierte Scream Queen – „It Follows“ schien wirklich alles zu haben, was ich am Horrorkino der späten 70er und frühen 80er Jahre liebe.

Es ist wirklich erstaunlich: Wenn nicht ab und zu ein Mobiltelefon gezückt worden oder moderne Autos durch das Bild gefahren wären, ich hätte schwören können, dass der Film in den 80er Jahren spielt. Doch gerade die Kombination aus modernem Setting und 80er Jahre Inszenierung (z.B. Zooms statt Kamerafahrten) lassen uns Zuschauer den Film so erleben, wie wir die Klassiker von damals in Erinnerung haben. Ein starker Kniff, der einfach funktioniert. Selbst Schauspieler und Charaktere wirken wie die Filmfiguren, an die wir uns zu erinnern scheinen. Formal ist „It Follows“ wahrlich ganz großes Kino. Wie sieht es jedoch inhaltlich aus?

Auch inhaltlich wirkt David Robert Mitchells Horrorfilm wie ein modernes Kondensat an allem, was uns das Genrekino der 80er Jahre lehrte: Sex wird bestraft, was in „It Follows“ plakativ auf die Spitze getrieben wird. Zugleich wird der Twist etabliert, dass Sex auch Befreiung sein könnte, es aber niemals wirklich ist. Ob man den Film nun als Allegorie auf sexuell übertragbare Krankheiten sieht oder einfach nur als strikte Fortführung der etablierten Genreformel – der daraus resultierende Horror funktioniert erschreckend gut. Die Regeln sind einfach und das Monster alltäglich. Es ist mitten unter uns und fällt uns meist zu spät auf. Auch als Zuschauer ist man am Ende völlig paranoid und sucht jede Einstellung danach ab. Famos. Und ja, ich habe mich gefürchtet und hinter meiner mutigeren Hälfte verkrochen…

Ich kenne nur noch wenige moderne Vertreter des Genres und befürchte, dass die meisten nicht halb so stilsicher inszeniert sind und inhaltlich ebenso beeindrucken können, wie „It Follows“. Mich hat der Film wirklich beeindruckt, auch wenn nicht jede Idee in letzter Konsequenz zündet. So lasse ich mich gerne gruseln: 8/10 Punkte.

The Revenant: Der Rückkehrer (2015)

Heute bin ich endlich dazu gekommen mir „The Revenant“ anzusehen. Geplant hatte ich dies schon länger, doch wollte ich für die Sichtung fit sein und den Kopf nicht mit tausend anderen Dingen voll haben. Das hat zwar nicht zu 100% geklappt, doch Alejandro Iñárritus Film sorgte letztendlich dafür, dass meine Aufmerksamkeit vollständig von ihm vereinnahmt wurde – eine Sogwirkung, wie ich sie schon lange nicht mehr in dieser Intensität erlebt habe…

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Schon alleine die Eröffnungssequenz ließ mich ziemlich sprachlos zurück. Dieser Angriff des Arikaree-Stammes erinnert nicht von ungefähr an Steven Spielbergs berühmte Omaha-Beach-Sequenz aus „Der Soldat James Ryan“. Man wird als Zuschauer förmlich in den Film gesogen, was vor allem der virtuosen Kameraarbeit zuzuschreiben ist. Emmanuel Lubezki, der bereits „Gravity“ einen ganz besonderen Look gegeben hat, verwendet nahezu ausschließlich Weitwinkelobjektive, selbst in den nahen Einstellungen. Dies sorgt für eine enorme Dreidimensionalität und Tiefenschärfe, was in Kombination mit unglaublich langen Einstellungen für eine Immersion sorgt, die einen förmlich in den Film zieht.

Zusätzlich zur technischen Perfektion erzählt der Film seine einfache Geschichte durch Bilder und Stimmungen. Die Welt wirkt dreckig, roh und von der Natur bestimmt. Der Kampf gegen den Grizzlybär ist eine der eindrucksvollsten Szenen, die ich je gesehen habe. Technisch brillant und so roh und brutal, dass ich kaum zuschauen konnte – und ich bin normalerweise nicht zimperlich, wenn es um filmische Gewalt geht. Dieser Eindruck setzt sich über die kommenden zwei Stunden fort, sei es nun der Kampf gegen Naturgewalten oder gegen andere Menschen. Leonardo DiCaprio spielt wahrlich famos und hält uns Zuschauer bei der Stange. Sein Hugh Glass dürfte wohl zweifellos zu den Filmcharakteren gehören, mit denen man auf keinen Fall tauschen will. Wenn man dann noch bedenkt, dass es sich um eine wahre, wenn auch nur in Teilen überlieferte, Geschichte handeln soll…

Kritikpunkte kann ich kaum finden. Ja, die Geschichte ist einfach und ja, die Charaktere sind nicht sonderlich komplex gezeichnet. Das macht aber nichts, denn der Film ist unglaublich mitreißend und beinahe schon fühlbar roh und erdig. Hinzu kommen unglaublich schöne Landschaftsaufnahmen, die mich haben fluchen lassen, dass ich „The Revenant“ nicht im Kino gesehen habe. Wenn ich irgendwann einen größeren Fernseher samt Ultra-HD-Blu-ray mein Eigen nenne, dann ist Iñárritus Film bestimmt einer der ersten, den ich mir zulegen würde. Audiovisuell hat mich schon lange kein Realfilm (ich treffe diese Unterscheidung, da ich gestern erst den ebenso imposanten Animationsfilm „Anomalisa“ gesehen habe) mehr so beeindruckt.

Wie die Stammleser inzwischen wissen, bewerte ich Filme auch häufig danach, ob ich während ihnen einschlafe. Mit gut zweieinhalb Stunden ist „The Revenant“ ziemlich fordernd, was den Wachzustand angeht, doch saß ich die meiste Zeit auf der Sofaecke und habe mit Hugh Glass mitgelitten. Durch die Vater-Sohn-Beziehung war ich auch emotional eingebunden und konnte selbst den an „Gladiator“ erinnernden und ein wenig kitschigen Zwischenbildern etwas abgewinnen. Ein wahrlich beeindruckendes Filmabenteuer: 9/10 Punkte.

Anomalisa (2015)

Freitagabend nach einer Woche, die es in sich hatte. Eigentlich wollte ich endlich „The Revenant“ sehen, doch aufgrund seiner Laufzeit hätte ich den Film wohl nicht zu Ende gesehen. Dann erinnerte ich mich an jackers Empfehlung zu „Anomalisa“ und die Wahl war schnell getroffen. Anfangs überlegte ich noch, ob Charlie Kaufmans jüngstes Werk nicht zu verkopft sei für solch einen Abend, an dem mir der Kopf ohnehin noch raucht, doch schon schnell sollte diese Sorge einer Faszination weichen…

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Zunächst einmal muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass auch „Anomalisa“ auf Amazon Prime leider im falschen Bildformat – nämlich in 16:9 statt 2,35:1 – läuft. Dies ist wirklich sehr ärgerlich, doch möchte ich mich im Folgenden auf den Inhalt konzentrieren. Nur seid gewarnt, falls euch das wichtig ist. Audiovisuell ist Kaufmans Film nämlich extrem beeindruckend. Durch die mit 3D-Druck verfeinerte Stop-Motion-Technik bietet sich dem Zuschauer ein Look, wie man ihn zuvor noch nicht gesehen hat. Artifiziell und dennoch realistisch. Der Stil des Films ist immer präsent, lenkt jedoch nie von der Handlung ab und unterstützt diese sogar. Ein Animationsfilm, der sich wahrlich von der Masse abhebt.

Rein inhaltlich könnte man „Anomalisa“ recht einfach auf die Romanze eines Mannes mit Fregoli-Syndrom reduzieren. Ich glaube jedoch, dass es auch außerhalb dieser Nische viele Berührungspunkte gibt, die den Film viel universeller in seiner Aussage machen. Es geht um Einsamkeit, die moderne Arbeitswelt, Individualismus und Midlife-Crisis. Und das sind nur die offensichtlichsten Themen. Es ist beeindruckend, wie viel Detailarbeit in dem animierten Drama steckt. Jede Szene ist wohl durchdacht und atmosphärisch so aufgeladen, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt habe. Die zentrale Liebesszene ist wunderbar behutsam inszeniert und funktioniert einfach. Das hätte ich zuvor wirklich nicht vermutet. Man ist ganz nahe dran an den Figuren.

Auch wenn „Anomalisa“ inhaltlich vielleicht einfacher ist, als es zunächst den Anschein erweckt, so bietet er doch viel zu entdecken – wenn man sich denn darauf einlässt. Auch wenn mir heute eigentlich nach leichter Unterhaltung gewesen wäre, so hat mich Kaufmans Film doch unglaublich gepackt und mitgerissen. Wer sich einmal für 90 Minuten in eine fremde und vielleicht auch erschreckend bekannte Welt entführen lassen will, der sollte „Anomalisa“ auf jeden Fall eine Chance geben: 9/10 Punkte.