Session 9

Nach dem gestrigen Halloween-Raclett, gab es anschließend natürlich den obligatorischen Gruselfilm. Dieses Jahr ist die Wahl auf den mir noch unbekannten „Session 9“ von Brad Anderson gefallen. Bis auf den Schauplatz der verlassenen Nervenheilanstalt und das Mitwirken von David Caruso hatte ich auch noch kein Vorwissen in Bezug auf die Handlung – eigentlich die besten Voraussetzungen für einen gruseligen Filmabend. Spoiler sind zu erwarten.

Gleich zu Beginn ist mir der Look des Films aufgefallen – leider nicht besonders positiv. Ich hatte schon den Verdacht, dass unsägliche Bildverschlimmbesserer à la 100 Hz am Werk sind, doch dem war nicht so. „Session 9“ wurde mit der damals jungen 24P HD Technik von Sony gefilmt, was man dem Film leider in jeder Einstellung ansieht. Dadurch konnte zwar eine große Tiefenschärfe sowie eine natürliche Beleuchtung erreicht werden – doch sieht das Ergebnis eben nicht aus wie Film. Besonders für dieses Genre der Atmosphäre nicht wirklich zutragend.

In Bezug auf die Handlung hat der Film schnell eine ganz eigene Atmosphäre aufgebaut, was vor allem der grandiosen Location zu verdanken ist. Das verlassene Sanatorium wirkt wie gemacht für Horrorfilme. Besonders wenn man einen ebensolchen erwartet. „Session 9“ ist jedoch kein Horrorfilm. Nicht einmal ein Gruselfilm. Er lässt sich wohl am ehesten mit Andersons wunderbarem Nachfolgewerk „The Machinist“ vergleichen, ohne ihm jedoch auch nur annähernd das Wasser reichen zu können.

Ob ich die Handlung nun komplett richtig interpretiert habe, oder nicht – was bleibt ist eine 08/15-Auflösung, die ich bereits vermutet hatte als das erste Mal von Schizophrenie die Rede war. Die berühmte Endmontage, in der es den Zuschauern wie Schuppen von den Augen fallen soll ist dann bei mir auch etwas wirkungslos verpufft. Eigentlich schade, hat der Film bis dahin doch – zumindest in einigen Szenen – eine wunderbar schaurige Atmosphäre aufgebaut.

„Session 9“ ist ein netter Mysterythriller mit gewöhnungsbedürftiger Optik und relativ schwacher Auflösung. Freunde des Genres dürfen jedoch gerne einmal einen Blick riskieren. Unterhaltsam, für Halloween aber letztendlich zu wenig echter Grusel: 6/10 Punkte.

Terminator 2: Tag der Abrechnung – OT: Terminator 2: Judgment Day – Special Edition (1991)

Aktualisierung: Ich habe „Terminator 2: Tag der Abrechnung“ am 4. April 2023 erneut im Kino gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Heute Abend war es einmal wieder Zeit für einen Actionkracher. Was liegt da also näher, als James Camerons „Terminator 2: Tag der Abrechnung“ in der 15 Minuten längeren Special Edition? Nichts. Zumal ich mir sowieso schon seit der letzten Sichtung des ersten Teils vornehme diesen Klassiker aus Jugendtagen in den Player zu schieben.

Terminator 2: Tag der Abrechnung (1991) | © Studiocanal

Terminator 2: Tag der Abrechnung (1991) | © Studiocanal

Wie so oft bei Lieblingsfilmen aus Kindertagen ist die heutige Sichtung schwierig. Man kann nahezu alle Dialoge mitsprechen und weiß genau, welches Handlungselement als nächstes kommt. Pure Nostalgie. Die letzte Sichtung – kurz nach Kauf der damals grandiosen Ultimate Edition von Kinowelt – liegt auch schon länger zurück. Umso interessanter war es zu sehen, wie sich die Wirkung des Films im Lauf der Zeit verändert hat. Ganz besonders im Vergleich zu der des Vorgängers.

Früher hätte ich „Terminator 2: Jugdement Day“ eindeutig zu meinem Lieblingsteil der Reihe erklärt. Keine Frage. Eine Menge lustige Sprüche, enorme Actionszenen und ein guter Arnie. Heute jedoch wirken gerade diese Elemente teils etwas aufgesetzt. Obwohl ich Edward Furlong als John Conner sehr gerne sehe, zerrt seine Darstellung in so mancher Sequenz doch sehr an meinen Nerven. Auch der ständige Hinweis, dass unser Arnie doch ja niemanden töten solle ist der Atmosphäre alles andere als zuträglich.

Doch genug des Kritisierens: James Camerons Mammutfortsetzung weiß auch heute noch bestens zu unterhalten. Die Effekte sind immer noch grandios. Besonders Robert Patricks T-1000 ist eine Wucht. Beängstigend kühl gespielt und durch bahnbrechende VFX hat diese Figur die ganze Effektbranche auf ein neues Level gehievt. Auch Arnold Schwarzenegger spielt seine Rolle erneut mit Bravour, doch hat er mich als böse Killermaschine noch weit mehr beeindruckt.

Fazit

Insgesamt hat der Film mit den Jahren etwas abgebaut, doch so ist eben manchmal. In den Erinnerungen an frühere Sichtungen spielen eben noch andere Faktoren eine Rolle, als allein die Qualität des Films. Dennoch darf man sich nicht täuschen lassen: „Terminator 2: Judgment Day“ ist zurecht immer noch einer der besten Actionfilme – wenngleich ich heute allerdings den Vorgänger bevorzugen würde: 9/10 Punkte.

Die Fremde in dir – OT: The Brave One

Am gestrigen Filmfreitag habe ich mich für die Sichtung von Neil Jordans „Die Fremde in dir“ entschieden. Den Film hatte damals nur aufgrund des günstigen Preises und der Mitwirkung Jodie Fosters mitgenommen. Insofern waren die Erwartungen nicht all zu hoch und der positive Eindruck des Films konnte umso stärker wirken.

„The Brave One“ ist ein Selbstjustizthriller. Die Geschichte ist altbekannt: Eine Person aus dem privaten Umfeld eines unbescholtenen Staatsbürgers wird zum Opfer eines Gewaltverbrechens, woraufhin dieser rot sieht. Insofern hat sich seit den 70ern nicht viel geändert. Nur die Darsteller: Charles Bronson macht Platz für Jodie Foster. Der Vigilante ist schon lange im Mainstream angekommen.

Was Neil Jordans Film so außergewöhnlich macht ist das, was hinter der Fassade geschieht. Wäre es die Handlung eines Buches, man würde von dem sprechen was zwischen den Zeilen steht. Hier steht es auf Jodie Fosters Gesicht. Man sieht als Zuschauer deutlich, wie ihre Figur immer mehr in den Sog der Gewalt gerät. In einen Rausch. Macht. Verzweiflung. Rache. Ein gebrochener Charakter, der sich selbst verloren hat.

Über das Ende wurde viel geredet. Ich wäre auch der erste, der Selbstjustiz verurteilt. Doch kann ich das  beurteilen? Wie kann man das als Außenstehender überhaupt beurteilen? Der Film manipuliert den Zuschauer insofern, als dass er ihn in einen emotionalen Zustand der Anteilnahme versetzt. Doch würde das nicht geschehen, was bliebe dann? Keine moralischen Bedenken. Kein Hinterfragen der Dinge, die auf der Leinwand geschehen. Ebenso ist das Ende einzuordnen: Wäre Erica Bain (Jodie Foster) gestellt worden hätte man sich wieder auf der sicheren Seite gefühlt. Das Gute – das Gesetz – hätte gewonnen. Man hätte seine eigenen Gedanken nicht hinterfragen müssen. So aber bleibt das ungute Gefühl, dass man Ericas Handlungen als emotional gerechtfertigt ansieht.

Mit „The Brave One“ hat Neil Jordan einen formidabel gefilmten Revenge-Thriller abgeliefert. Die schauspielerischen Leistungen von Jodie Foster überzeugen einmal mehr auf ganzer Linie. Trotz Ansiedlung im Mainstream, verbreitet der Film eine teils wirklich unangenehme Eindringlichkeit – weniger in der Aktion, als in der Reflektion. Trotz altbekannter Geschichte sehr sehenswert: 8/10 Punkte.

One Way

Wenn ich einen Film geliehen bekomme, sehe ich ihn mir oft an auch wenn mein Interesse an ihm eigentlich nicht sonderlich groß ist. Auch „One Way“ – eine ambitionierte Produktion von und mit Til Schweiger – fällt unter diese Kategorie.

Der Film handelt von einem Lügengerüst, dessen Fundament die Vergewaltigung einer jungen Frau bildet. Til Schweigers Figur ist ein unsympathischer Werbefachmann, der als einziger Zeuge der Tat seine beste Freundin verrät. Aus dieser Prämisse spinnen sich weitere Handlungsfäden, die mehr oder weniger geschickt mit der Haupthandlung verquickt sind. Letztendlich lässt mich der Film mit einem etwas leeren Gefühl zurück, was bei solch einer drastischen Geschichte kein gutes Zeichen ist.

Positiv muss man Reto Salimbeni und Til Schweiger die Ernsthaftigkeit und Ausweglosigkeit zugute halten, mit der sie den Film inszeniert haben. Es gibt kaum komische Elemente und man fühlt sich in der kalten Werbewelt New Yorks von allen menschlichen Gefühlen verlassen. Geld, Sex und Macht. Mehr zählt nicht. Für mich war es daher schwierig die Handlungen der Hauptfigur nachzuvollziehen. Die beste Freundin verkaufen? Wenn sie die Hilfe am nötigsten hätte? Unvorstellbar. Da hätte es einige Szenen mehr benötigt um diesen Schritt – auf dem das gesamte Handlungsgerüst aufbaut – auch nur annähernd plausibel erscheinen zu lassen.

Der Film funktiniert glücklicherweise auch ohne direkte Identifizierung mit den Figuren – nur leider eben nicht sonderlich gut. Einzig die in Selbstjustiz gipfelnden Handlungen des Opfers bleiben emotional greifbar. Leider wird auf diesen Handlungsstrang aber zu wenig Zeit verwendet und besonders im letzten Drittel des Films reiht sich nur noch eine langatmige Gerichtsszene an die nächste – dann ist der Film auch schon vorbei. Was bleibt ist Unschlüssigkeit.

„One Way“ ist eine etwas halbgare Mischung aus Rape and Revenge-Film und Gerichtsthriller. Durchaus gut inszeniert und gespielt, letztendlich über weite Strecken inhaltlich aber nur schwer nachvollziehbar. Etwas mehr Feinschliff am Drehbuch und der Figurenzeichnung hätte dem Film gut getan: 5/10 Punkte.

The Dark Knight (2008)

Da ich im Moment noch einen knappen Vorsprung vor dem gemeinen deutschen Kinobesucher habe, gibt es jetzt erst einmal einen Eintrag zu Christopher Nolans „The Dark Knight“ – dem unbestrittenen Star am aktuellen Kinohimmel. Wie bereits in der Besprechung zu „Batman Begins“ geschrieben, konnte ich mit Batman nie so viel anfangen, wie z.B. mit Spider-Man. Auch kenne ich die Comics nicht und bin somit nicht sonderlich empfänglich für den Mythos um den Dunklen Ritter. Für mich stellt „The Dark Knight“ einfach eine weitere Comic-Verfilmung dar – und unter diesem Gesichtspunkt habe ich den Film auch gesehen. Ich vermute ja sowieso, dass das Interesse an Nolans Film – abgesehen von der gigantischen Marketingkampagne – hauptsächlich durch Heath Ledgers Tod gepusht wurde. So ist das nunmal in der medial beherrschten Filmbranche. Es ist tatsächlich so, dass „The Dark Knight“ mit Heath Ledgers Performance steht und fällt. Eine großartige Leistung. Ein Joker, der Jack Nickolsons Interpretation blass aussehen lässt. Ein Bösewicht für die Ewigkeit. Ohne erkennbare Motivation. Verstörend. Komisch. Erschreckend. Endlich. Wirklich schade, dass dies Heath Ledgers letzter Auftritt in Gotham City war. Allerdings dürfte sein Gegenspieler davon profitieren. Bruce Wayne bzw. Batman ist in diesem Superheldenepos nämlich etwas zur Nebenfigur geworden. Inszenatorisch ist „The Dark Knight“ ganz großes Kino. Christopher Nolan versteht sein Handwerk. Die Geschichte besitzt – für eine Comic-Verfilmung – ausreichend Tiefe, wenngleich die Entwicklung der Charaktere für mich immer noch nicht an die von  „Spider-Man 2“ heranreicht. Einzig der Joker weiß hier auf ganzer Linie zu überzeugen. Für mich ist „The Dark Knight“ eine fantastische Fortsetzung, die ich bestimmt nicht zum letzten Mal gesehen habe. Im Vergleich zum Vorgänger konnte ich – neben Heath Ledgers Joker – allerdings keine solch gravierenden qualitativen Sprünge feststellen, wie nahezu überall zu lesen war. Richtig genervt hat mich übrigens Batmans viel zu stark verzerrte Stimme. Das ist aber auch der einzige grobe Schnitzer, den sich Nolan und Co. geleistet haben. „The Dark Knight“ ist eine atmosphärisch dichte Comic-Verfilmung mit einem herrlich fiesen Bösewicht, dessen Verkörperung Heath Ledger zumindest auf der Kinoleinwand unsterblich werden lässt. Ansonsten fehlt mir etwas die Tiefe in der Charakterzeichnung, um aus dem tollen Spektakel den Überfilm zu machen, als der er im Moment gerne angepriesen wird. Doch bildet euch eine eigene Meinung, denn anschauen ist so oder so Pflicht: 8/10 Punkte.

Untraceable

Auf dem Flug nach New York habe ich mich aus dem unerschöpflichen Angebot an Filmen für „Untraceable“ entschieden. Warum? Weil ich mir auf dem winzigen Screen keine aktuellen Blockbuster, wie u.a. „Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia“ oder „Iron Man“ ruinieren wollte – und mein Interesse für den Cyberthriller gerade groß genug war, um ihn mir unter diesen besonderen Umständen anzusehen.

Die Handlung ist recht simpel, wird aber durch teils komplexe IT-Zusammenhänge auf- bzw. abgewertet. Ein Serienkiller tötet durch den Voyeurismus der Internetgemeinde. Eine wirklich interessante Idee, welche anfangs für Spannung sorgt, gegen Ende allerdings im Thrillereinerlei untergeht. Da wäre so viel mehr möglich gewesen.

Bis zur Enthüllung des Täters und dessen Motivation ist der Film spannend und die Figuren – besonders Jennifer Marsh (Diane Lane) – werden recht ausführlich gezeichnet. Zudem ist das Drehbuch um ein realistisches Bild des technischen Hintergrunds bemüht. Hier jedoch scheitert der Film an seinen Ansprüchen. So sind die Erklärungen für den normalen Zuschauer zu komplex, für jemanden der sich in der Materie auskennt werden dagegen zu viele Fragen aufgeworfen.

Ab der Auflösung bleibt nur noch ein nett inszenierter 08/15-Thriller, welcher zudem – trotz netter Intention – die Wirkung des Endes verpuffen lässt. Als Filmsnack zwischendurch ganz nett, ansonsten aber eher vernachlässigbar. Unter den besonderen Umständen: 6/10 Punkte.

Die Unbestechlichen – OT: The Untouchables (1987)

Nachdem der Film nun bereits seit über einem Jahr ungesehen in meinem Regal steht, habe ich mir gestern endlich Brian De Palmas Gangsterepos „Die Unbestechlichen“ angesehen. Es war auch wirklich höchste Zeit für eine Sichtung.

Bereits die Opening Credits haben etwas Magisches an sich. Unterstützt durch Ennio Morricones fantastischen Score wird man direkt in das düstere Chicago der 1930er Jahre hineingesogen. Die Einführung von Prämisse und Charakteren geschieht kurz und schmerzlos – und ist so exakt auf den Punkt gebracht, dass man die Figuren bereits ab den ersten Szenen sehr gut zu kennen glaubt. Brilliant gelöst von Mr. De Palma.

Die Geschichte nimmt schnell Fahrt auf und man bekommt als Zuschauer kaum eine Verschnaufpause geboten – was besonders im Genre des oft dialoglastigen Gangsterfilms ungewöhnlich erscheint. Einzig die Szenen an der kanadischen Grenze bilden die Ruhe vor dem Sturm. In Chicago selbst zieht die von Al Capone ausgehende Bedrohung immer engere Kreise. Trotz einiger wirklich düsterer Szenen inszenierte De Palma „The Untouchables“ jedoch nicht als klassisches Gangsterdrama, sondern eher als Großstadtwestern – und das in seinem ganz eigenen Stil.

Als herausragend bleiben besonders die Szenen am Bahnhof im Gedächtnis. Nicht nur baut De Palma hier eine inhaltlich wunderbar funktionierende Hommage an Sergei Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin“ ein, er schafft es auch wieder einmal eine unglaubliche Spannung aufzubauen. Die Atmosphäre ist zum Zerreißen gespannt und entlädt sich nicht etwa in einem Knall, sondern in einer grandiosen Zeitlupensequenz. Eine Szene für die Ewigkeit.

Überzeugen kann natürlich auch das – aus heutiger Sicht – unglaubliche Staraufgebot: Kevin Costner, Sean Connery, Andy Garcia und Robert De Niro spielen famos und auch bei den Nebendarstellern werden sich keine Schwächen geleistet. Kritikpunkte lassen sich sowieso nur schwer finden. Müsste ich einen nennen, dann wäre das wohl die klassische Schwarzweißzeichnung der Figuren. Da gibt es keine Grauzone. Gut oder böse. Vielleicht macht aber auch gerade das den Charme dieses Films aus.

Mit „Die Unbestechlichen“ kenne ich nun einen weiteren grandiosen Gangsterfilm von Brian De Palma. An meinen bisherigen Favoriten „Carlito’s Way“ kommt jedoch auch dieser nicht heran. Ich würde ihn jedoch vor „Scarface“ einordnen, wobei sich die Filme natürlich nur schwer vergleichen lassen. So oder so ist das Gangsterepos um Al Capone ganz großes Kino: 9/10 Punkte.

Fido – Gute Tote sind schwer zu finden

Da sich bei mir die ungesehenen DVDs nur so stapeln, habe ich mir gestern noch einen zweiten Film gegönnt: „Fido – Gute Tote sind schwer zu finden“ von Andrew Currie. Ein Film, den ich mir letztes Jahr gerne schon auf dem Fantasy Film Fest angesehen hätte.

Die Grundidee ist wirklich wunderbar: Nachdem radioaktive Strahlung aus dem All die Toten auf der Erde zu Zombies werden lässt, kommt es zum berüchtigten Zombiekrieg. Während diesem entwickelt ein Unternehmen mit den klangvollen Namen ZomCon ein Halsband, welches blutrünstige Zombies zu zahmen Bediensteten macht. Soweit zumindest die Theorie.

Diese famose Prämisse wird eingebettet in die heile Welt der 50er Jahre, wie man sie z.B. aus Gary Ross‘ wunderbarem „Pleasentville“ kennt. Insofern überwiegen knallige Farben, ein 50er Jahre Soundtrack und konservative Ansichten. All dies wird verdichtet und in Bezug auf die Zombies ins Maßlose übersteigert. „Fido“ ist demzufolge keine leise und zurückhaltende Satire. „Fido“ ist bunt, übersteigert und oftmals grotesk.

So wunderbar die Idee samt Inszenierung auch ist, so hatte ich teils Probleme mich für die Figuren zu interessieren. Selbst der junge Timmy Robinson war mir nicht sympathisch genug dargestellt. Bei den Figuren hat es mir doch etwas an Feinschliff gemangelt. Ebenso dümpelt die Handlung über weite Strecken vor sich hin, ohne wirklich mitzureißen.

„Fido“ ist ein außergewöhnliches Filmprojekt, welches hauptsächlich durch seine Prämisse und seinen absurden Humor zu überzeugen weiß. Leider wurde nicht das gesamte Potential genutzt. Für alle Zombiefreunde ist die Sichtung dennoch Pflicht: 7/10 Punkte.

Twin Peaks: Fire Walk With Me (1992)

Seitdem ich vor genau zwei Wochen meine Sichtung von „Twin Peaks – Season 1 & 2“ beendet habe, brennt in mir die Neugier auf das Prequel „Twin Peaks: Fire Walk With Me“ – gestern bin ich nun endlich wieder in das kleine Städtchen mit den unzähligen Mysterien zurückgekehrt.

In der ersten halben Stunde begegnen wir außer Gordon Cole keiner uns aus dem Serienuniversum bekannten Figur. Dennoch befinden wir uns unweigerlich in dieser Welt. Sowohl Inszenierung, als auch Charaktere lassen daran nicht den Hauch eines Zweifels aufkommen. Die Verbindung zu Laura Palmer wird schließlich durch den Mord an Teresa Banks hergestellt. Dann betritt Special Agent Dale Cooper die Bühne – wenn auch nur für einige Minuten, die verwirrender kaum sein könnten. Die Exposition ist damit abgeschlossen.

Wir befinden uns nun in Twin Peaks. Bekannte Klänge, bekannte Örtlichkeiten, bekannte Figuren. Man fühlt sich sofort zu Hause. Doch Laura Palmer lebt. Man sieht die letzten Tage ihres Lebens. Hat Anteil an ihren Seelenqualen. Man sieht die Bilder, die einem während der Serie vor dem geistigen Auge standen. Es ist klar: Die Geschichte wird kein gutes Ende nehmen. Selten habe ich bei einer Sichtung so eine Unausweichlichkeit gespürt. Eine Endgültigkeit. Dies ist die Geschichte von Laura Palmers Ermordung.

Da sich der Film beinahe komplett auf die letzten Tage Laura Palmers konzentriert, werden die anderen Figuren konsequenterweise vernachlässigt. Einige liebgewonnene Charaktere bekommen sekundenlange Gastauftritte, andere sieht man überhaupt nicht. Das ist einerseits schade, andererseits bekommt der Film dadurch ausreichend Zeit für den Haupthandlungsstrang. Einzig die Exposition hätte meiner Meinung nach kürzer ausfallen dürfen. Da wollte Lynch wohl Chris Isaak (Special Agent Chester Desmond), Kiefer Southerland (Sam Stanley) und David Bowie (Phillip Jeffries) unterbringen – auf Kosten anderer Figuren.

Das Prequel beantwortet kaum Fragen, stellt einige neue und weiß dennoch auf beinahe ganzer Linie zu überzeugen. Besonders die Szene mit Annie (Heather Graham) zeigt auf, dass es für Special Agent Dale Cooper ein glückliches Ende geben kann. Ganz unaufdringlich, absurd und beinahe schon am Rande erzählt. Man muss als Zuschauer die Geschichte zu Ende denken. Das ist Lynch, wie ich ihn liebe.

„Twin Peaks: Fire Walk With Me“ ist für alle Freunde der Serie eine wertvolle Erweiterung des Universums. Zwar wird der Mord an Laura Palmer etwas entmystifiziert, doch das glücklicherweise nicht auf plumpe Art und Weise. Ich hoffe, dass irgendwann einmal eine würdige DVD-Edition erscheint, bei der ausführliche geschnittene Szenen (angeblich ca. 3 Stunden) mit an Bord sind. Der Film hätte es mehr als verdient: 9/10 Punkte.

Southland Tales (2006)

Nach den ersten drei Kapiteln in Form von „Southland Tales: The Prequel Saga“, habe ich mir heute Abend den Abschluss von Richard Kellys Sci-Fi-Musical-Comedy-Thriller in seiner filmischen Form angesehen: „Southland Tales“ – der Fiebertraum eines politisch kritischen Popkulturjunkies.

Was für ein Film. Hat mich das Prequel bereits auf die letzten drei Kapitel der Saga vorbereitet, so war ich dennoch überwältigt von der audiovisuellen Kraft der Inszenierung. Die langen, mit wunderbarer Musik unterlegten Montagen erinnern an Kellys Überraschungshit „Donnie Darko“ – Gänsehaut inklusive. In solch emotionalen Momenten – und ohne die Handlung hinterfragen zu müssen – überzeugt der Film auf ganzer Linie. Ganz groß.

Doch was ist mit der Geschichte? Ehrlich gesagt: Ich hatte sie mir komplizierter vorgestellt. Doch bin ich mir durchaus bewusst, dass ich diese Aussage mit Kenntnis des Prequels mache. Ohne die Vorgeschichte wäre ich wohl ziemlich aufgeschmissen gewesen. Besonders schön ist, dass auch viele Storylines des Comics nun mehr Sinn machen. Einzig das Ende hätte ich mir etwas dramatischer erwartet. Emotionaler. Mehr wie bei „Donnie Darko“ – aber an diesen (auch thematisch verwandten Vorgänger) kommt „Southland Tales“ ohnehin nicht ran.

Was gibt es zu kritisieren? So einiges. Kelly verliert sich häufig in seinem Wust an Charakteren. Vieles wird nur angeschnitten und wichtige Personen bekommen zu wenig Aufmerksamkeit. Einige Dialoge wirken platt – andere dagegen sind Zeilen für die Ewigkeit. Ebenso sitzen die meisten satirischen Spitzen – egal ob gegen ultrakonservative oder neoliberale Bewegungen – zielsicher und regen zum nachdenken an. Andere wirken zu aufgesetzt und vermengen sich mit Sci-Fi-Fantasy-Elementen zu undefinierbaren Aussagen. Am Drehbuch wäre wirklich noch Feinschliff nötig gewesen – aber dann wäre das bunte Sammelsurium an Ideen vielleicht etwas auf der Strecke geblieben.

Insgesamt gesehen ist „Southland Tales“ ein wunderbarer Film, den man einfach wirken lassen muss – am besten mit Kenntnis der Vorgeschichte. Er ist kein neuer „Donnie Darko“ und auch kein ernsthaftes Sci-Fi-Epos. Er ist einzigartig. Ein wilder, bunter Albtraum aus einer erschreckend nahen Parallelwelt: 8/10 Punkte.