Nach ein paar wirklich herausfordernden Wochen, beginnt für mich heute eine kurze Auszeit: Die Herbstferien stehen vor der Tür. Normalerweise kann ich ganz gut abschalten, doch der heutige Tag lieferte Gedankenkarussell bis zum bitteren Ende. Somit fiel die Wahl heute Abend mit „Kingsman: The Secret Service“ auch auf einen Film, für den ich keine hohen Erwartungen hegte, mir jedoch zumindest anspruchslose Action-Unterhaltung erhoffte. Umso erstaunlicher, dass er mich für gut zwei Stunden alles andere tatsächlich vergessen ließ…

Meine bisherigen Erfahrungen mit Matthew Vaughn waren tatsächlich immer positiv: egal ob „Der Sternwanderer“, „Kick-Ass“ oder „X-Men: Erste Entscheidung“ – die Filme konnten in ihrem Genre stets überzeugen und hatten einen gewissen Kniff. Bereits bei Vaughns Beitrag zum „X-Men“-Franchise musste ich stets an die „James Bond“-Filme der 60er Jahre denken. Mit „Kingsman: The Secret Service“ hat er dieses Genre nun erfolgreich in die Neuzeit transferiert: Sein Werk wirkt in manchen Szenen mehr wie ein 007-Abenteuer als die Daniel-Craig-Filme. Dabei ist die Actionkomödie keine Parodie, sondern nimmt sich und ihre Welt – trotz einiger urkomischer Szenen – durchaus ernst, was im Endeffekt den Charakteren und dem Setting zugute kommt.
Am meisten hat mich wohl beeindruckt, dass Vaughn und sein Team immer einen Schritt weiter gehen, als man es in solch einem Big-Budget-Actioner erwarten würde. Nicht nur was den durchaus respektablen Gewalt-Level angeht, sondern auch wie Themen verarbeitet werden oder mit der Erwartungshaltung gebrochen wird. Ein subversiver Geist wohnt „Kingsman“ inne, der den Film in Kombination mit dem Blockbuster-Budget sowie dem Auftritt diverser Hollywood-Stars unglaublich frisch wirken lässt. Das Action-Abenteuer lebt vom ausgefallenen Setting, übertriebener Gewalt und abstrusem Humor. Dabei ist er meta, ohne zu selbstverliebt zu sein. Eine angenehme und äußerst unterhaltsame Mischung.
Vielleicht lag es an meinem Gemütszustand, doch hat mich „Kingsman: The Secret Service“ wirklich positiv überrascht. Die Sichtung des zweiten Teils würde ich nicht mehr so lange vor mir herschieben. Ein rundum gelungener Spaß, der unter der glänzenden Oberfläche an den genau richtigen Stellen ein paar Ecken und Kanten hervorblitzen lässt: 8/10 Punkte.








