Radio Rock Revolution – OT: The Boat That Rocked

Da uns das Wetter – ich weiß nicht zum bereits wievielten Mal – den Biergartenbesuch verhagelt hat, haben wir uns spontan für einen Kinobesuch entschieden. Zu sehen gab es Richard Curtis‘ „Radio Rock Revolution“ in der Originalfassung. Da ich zuvor nur sehr wenig von dem Film wusste, war die positive Überraschung letztendlich umso größer. Selten hatte ich soviel ausgelassenen Spaß im Kino.

radio_rock_revolution_1

Eine stringente Geschichte sucht man in „The Boat That Rocked“ vergeblich. Ab und an blitzt so etwas wie eine Rahmenhandlung auf, doch das sind dann auch die schwächsten Momente des Films. Es geht hier auch gar nicht darum etwas zu erählen. Es geht um Musik und das damit verbundene Lebensgefühl in den späten 60er Jahren. Dabei legt Richard Curtis weniger Wert darauf ein stimmiges Zeitportrait zu schaffen, als die reinen Emotionen zu transportieren. Dies gelingt ihm hervorragend. Die Figuren sind allesamt einen Tick zu übertrieben gezeichnet, als dass man sie in der Realität verankert vermuten würde. Es sind überlebensgroße Klischees und dadurch funktioniert der Film. Es geht um Musik, Lebensfreude und ganz viel albernen Spaß. Herrlich!

Neben der gekonnten Regie überzeugen vor allem die Schauspieler. Curtis ist es wahrlich gelungen einen Traumensemble zu versammeln: Nick Frost („Spaced“) ist göttlich, wenn er versucht sein Wissen um die holde Weiblichkeit weiterzugeben. Bill Nighy („Shaun of the Dead“) spielt den Chef des schwimmenden Piratensenders dermaßen lässig, dass man am liebsten selbst anheuern würde. Chris O’Dowds („The IT Crowd“) Portrait eines gehörnten Jungvermählten ist so herzzerreißend, dass es einem vor Lachen die Tränen in die Augen treibt. Das Duell der zwei Radio-Ikonen spielenden Philip Seymour Hoffman und Rhys Ifans besitzt zudem mehr Coolness, als die gesamte „Matrix“-Trilogie.

Leider schwächelt der Film immer etwas, wenn versucht wird eine Handlung zu etablieren. So spielen Kenneth Branagh und Jack Davenport die piratenbekämpfenden Staatskörper zwar durchaus mit Humor, doch wirken diese Szenen stets etwas wie Fremdkörper. Auch das teils zu dramatisch inszenierte Ende lässt etwas die lockere Ausgelassenheit vermissen, wenngleich es glücklicherweise mit dem nötigen Humor aufgeheitert wird. Allein die FATHER AND SON-Szene ist ein Musterbeispiel an gekonnter Musikauswahl und herzerfrischendem Humor.

Für Freunde von rockiger Popmusik und britischen Filmen bzw. Serien ist „Radio Rock Revolution“ eine kleine Offenbarung. Der Film macht unglaublich viel Spaß. Zwar hätte ihm eine Straffung nicht geschadet, doch sind die Schwächen insgesamt vernachlässigbar. Wer sich einfach einmal wieder gut unterhalten lassen will, sollte sich auf jedem Fall auf dem rockenden Boot anheuern: 8/10 Punkte.

TRON (1982)

Aktualisierung: Ich habe „TRON“ am 28. Juni 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Was war gestern Abend wohl der Auslöser dafür, dass ich plötzlich enorme Lust auf Steven Lisbergers „TRON“ hatte? Vielleicht das Poster in Chuck Bartwoskis Zimmer, vielleicht die immerwährende Faszination der Thematik ‚Mensch gegen Maschine‘ oder vielleicht auch einfach nur die Lust auf einen der wohl einflussreichsten Filme der letzten 30 Jahre.

TRON (1982) | © Walt Disney

TRON (1982) | © Walt Disney

Wenn man sich heute „TRON“ ansieht, muss man sich vor Augen führen, dass der Film bereits vor 27 Jahren gedreht wurde und was das für die Weiterentwicklung von CGI bedeutet. In den 60er/70er Jahren war das Science-Fiction Genre von Dystopien beherrscht. Ob nun „Planet der Affen“, „THX 1138“, „Soylent Green“ oder „Logan’s Run“ – all diese Filme zeigten eine düstere Welt, in der die Menschheit im großen Stil scheiterte. Erst 1977 nahm das Genre mit George Lucas‘ „Star Wars“ eine Wende hin zum reinen Unterhaltungsfilm, dessen herausragende Effekte einen Großteil seiner Faszination ausmachten. Steven Lisbergers Meilenstein steht ganz in dieser Tradition, wenngleich er auch nie den popkulturellen Stellenwert zugesprochen bekam, wie Lucas‘ Weltraummärchen.

Wenn sich die Jugend von heute „TRON“ ansieht, wird sie vermutlich über die absurden Kostüme und antiquierten CGI-Sequenzen lachen. Auch die Geschichte verlangt dem Zuschauer ein großes Vorstellungsvermögen ab. Computerprogramme dargestellt von Personen. Wie albern! Man muss den Film allerdings in seinem kontemporären Kontext sehen. Damals war das Internet noch eine Zukunftsvision. Große Zentralrechner beherrschten die Computerwelt und PC-Lösungen, wie wir sie heute kennen, konnten sich gerade einmal IT-Theoretiker vorstellen. Insofern darf man die Geschichte beinahe schon als prophetisch ansehen, ging die Entwicklung doch tatsächlich hin zu einer dezentralisierten Rechnerstrukur.

So absurd die neonfarbene Rechnerwelt heute auch wirken mag, sie ist doch eine Meisterleistung des Designs. Man hat hier einen perfekten Kompromiss aus möglicher Darstellungsqualität und gezielter Vereinfachung gefunden. Nicht umsonst stammen die Visualisierungskonzepte von zwei der genialsten Science-Fiction-Designer aller Zeiten: Jean ‚Moebius‘ Giraud (u.a. „Das fünfte Element“) und Syd Mead (u.a. „Blade Runner“). Die von ihnen aufgebaute Welt wirkt absolut stimmig und die Verbindung von CGI- und Realbildern weiß auch heute noch zu beeindrucken. Man hat hier aus der Not wahrlich eine Tugend gemacht. Für alle Technikfreunde da draußen gibt es wohl kaum einen faszinierenderen Film, als „TRON“.

Die einzigen Kritikpunkte, die ich finden kann liegen in der teils etwas sprunghaften Geschichte. Doch man sollte nicht vergessen, dass der Geist von „Star Wars“ zu diesem Zeitpunkt der Filmgeschichte allgegenwärtig war und die Studios demnach auf einen ähnlichen Effekt geschielt haben. Ich für meinen Teil kann darüber jedoch hinwegsehen und werde somit jedes Mal aufs Neue famos unterhalten. Wo bleibt eigentlich „TRON 2.0“?

Fazit

„TRON“ ist einer dieser Filme, die sich über die Zeit in mein Herz gespielt haben. Seit meiner intensiveren Beschäftigung mit CGI weiß ich heute zudem die unglaubliche Leistung zu schätzen, die alle an dem Film beteiligten gestemmt haben. Lisbergers Film mag nicht perfekt sein, doch er war damals einfach nur mutig. Mutig und seiner Zeit weit voraus. Ein Pflichtfilm für alle Nerds, Geeks und solche die es werden wollen: 10/10 Punkte.

Nie wieder Sex mit der Ex – OT: Forgetting Sarah Marshall

Auf vielfachen Wunsch einer einzelnen Dame, gab es gestern einmal wieder eine Komödie. Doch nicht irgendeine, denn „Nie wieder Sex mit der Ex“ (so der unglaublich kreative deutsche Titel von „Forgetting Sarah Marshall“) stand schon länger auf meiner Liste der noch zu sehenden Filme. Somit stand einem unterhaltsamen Filmabend nichts mehr im Wege.

forgettingsarah4

Der Hauptgrund mir den Film anzusehen war eindeutig das Mitwirken von Jason Segel, der bereits in der grandiosen Sitcom „How I Met Your Mother“ eine meiner Lieblingsrollen spielt. Hier verkörpert er nicht nur die Hauptrolle, sondern lieferte auch die Idee und das Drehbuch. Vom Dracula-Musical „A Taste for Love“ einmal ganz zu schweigen. Ergänzt wird der Cast um Kristen Bell („Veronica Mars“ herself), welche die titelgebende Sarah Marshall verkörpert. Erwähnensert ist zudem Jack McBrayer (Kenneth Parcell, „30 Rock“) als verklemmter Ehemann, welcher Nachhilfeunterricht in Sachen Sex bekommt. Ansonsten gibt es unzählige Schauspieler aus Judd Apatows Filmuniversum zu bewundern, welche nahezu jede Szene auflockern. Habe ich nun die hinreißende Mila Kunis  (Jackie, „That ’70s Show“) vergessen? Ebenfalls eine echte Bereicherung des Ensembles.

Wie man sieht lebt der Film stark von seinen Schauspielern. Zudem ist „Forgetting Sarah Marshall“ nicht der Film, den man erwarten würde. Im Vergleich zu „Beim ersten Mal“ (mein letzter Film aus der Apatow-Schmiede) gibt sich der Humor des Films deutlich zurückgenommener und – zumindest etwas – subtiler. Oftmals blitzt sogar echtes Drama durch und man leidet wahrlich mit Segels Charakter, der offensichtlich durch die Hölle geht. Das lässt den Film echt und sympathisch erscheinen und man gönnt seinen Figuren das wohlverdiente – und mehr als fulminante – Happy End.

Frei von Kritik ist der Film natürlich nicht. So ist die Geschichte äußerst durchschaubar und es gibt keine größeren Überraschungen im Handlungsablauf. Sieht man einmal von den diversen Nacktszenen Segels ab. Ob da mehr Feinschliff nötig gewesen wäre? Ich weiß es nicht, denn auch in seiner Aneinanderreihung von unterhaltsamen Einzelszenen kann der Film auf ganzer Linie überzeugen.

„Forgetting Sarah Marshall“ ist wohl die beste Komödie, die ich seit langem gesehen habe. Allein schon aufgrund der herrlichen Parodien auf Crime-TV-Shows und egozentrische Popstars. Einen Bonuspunkt bekommt ganz klar das Dracula-Musical. Für leichte Unterhaltung eine absolut Runde Sache: 8/10 Punkte.

Hellboy 2: Die Goldene Armee – OT: Hellboy II: The Golden Army (2008)

Nach einer mehr als nur turbulenten Woche, habe ich mir gestern Abend Guillermo del Toros „Hellboy 2: Die Goldene Armee“ angesehen. Nach der kürzlichen Sichtung des wunderbaren Vorgängers war ich wirklich heiß auf den Film und meine Erwartungshaltung war entsprechend aufgeheizt. Konnte das Sequel sein Versprechen einlösen?

hellboy_golden2

Diese Frage kann ich nach der Erstsichtung wohl noch nicht beantworten, was auch zu großen Teilen mit den äußeren Umständen zusammenhängt. So musste ich mich wirklich zusammenreißen nicht einzuschlafen, was ich allerdings weniger dem Film ankreiden möchte, als den energieraubenden letzten Tagen. Inszenatorisch ist die Rückkehr des roten Affen nämlich eine Wucht! Del Toros Handschrift ist deutlich zu erkennen und es wird auf die Leinwand geschleudert, was die Effektetüte so hergibt. Langweile ist insofern etwas, das man dem Film wirklich nicht vorwerfen kann.

Ich hatte teils fast schon damit zu kämpfen eine Verschnaufpause zwischen den Actionszenen zu finden. Besonders die erste Filmhälfte jagt von einem actionbetonten Schauplatz zum nächsten. Hier hätte ich mir sogar etwas mehr Zurückhaltung gewünscht oder besser gesagt mehr Charaktermomente, welche leider oft etwas auf der Strecke bleiben. Im Mittelteil des Films rücken diese glücklicherweise wieder etwas mehr in den Vordergrund und ich hatte eine Gänsehaut, als die grandiosen EELS mit BEAUTIFUL FREAK gespielt wurden – ein Song, den ich wohl seit meiner Jugend nicht mehr gehört habe. Fantastisch!

Die eigentliche Geschichte ist wohl der größte Schwachpunkt des Sequels. Zwar fand ich die Darstellung der Prämisse durch die Erzählung von Professor Broom sehr gelungen und auch die ersten Auftritte von Prinz Nuada konnten wirklich überzeugen, doch so richtig wollte sich der epische und bedrohliche Effekt nicht einstellen. Besonders das Finale fand ich eher schwach. Vielleicht war mir die Goldene Armee auch einfach zu mechanisch und plump dargestellt. Nein, das konnte mich nicht wirklich überzeugen.

Eine kleine Anmerkung noch für Monsterfreunde: „Hellboy 2: Die Goldene Armee“ setzt hier wohl neue Maßstäbe. Selbst wenn der Trollmarkt etwas wie eine Mischung aus der Winkelgasse und der Cantina aus „Star Wars“ wirkt, so gibt es hier doch selbst für eingefleischte Kreaturenfreunde einiges zu bestaunen. So viel sogar, dass eine Zweitsichtung wirklich nötig ist!

Für mich kann diese Fortsetzung leider nicht mit dem gelungenen Erstling mithalten. Diesen fand ich eine ganze Spur ausgewogener und auch unterhaltsamer. Dabei ist „Hellboy 2: Die Goldene Armee“ alles andere als schlecht, ich hatte mir nur einfach mehr erwartet. Potential nach oben ist aber auf jeden Fall vorhanden: 7/10 Punkte.

Der seltsame Fall des Benjamin Button – OT: The Curious Case of Benjamin Button (2008)

Als ich das erste Mal von David Finchers „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ hörte, war mein Interesse sofort geweckt. Bisher hatte mich noch kein Film des Regisseurs enttäuscht und die Geschichte versprach zudem seine Fähigkeiten in einem ganz neuem Genre zu fordern. Dann kam die Zeit vor den Academy Awards und der Film war plötzlich in aller Munde. Größtenteils war der Tenor eher negativ und mit dem aufkommenden Hype ist mein Interesse beinahe völlig verschwunden.

benjamin_button

Die gestrige Sichtung war auch nur eine Notlösung, da wir ins Kino eingeladen wurden und uns die restlichen Filme noch weniger interessierten. Die Erwartungshaltung hätte folglich geringer nicht ausfallen können. Ich erwartete einen typischen Oscar-Film: Ohne Herz und mit viel Kalkül inszeniert (spontan fällt mir hier z.B. „A Beautiful Mind“ ein). Was ich jedoch zu sehen bekam war Kino in seiner reinsten Form. Bildgewordene Nostalgie, eine epische Liebesgeschichte und technische Perfektion, die in ihrer subtilen Erhabenheit noch unzählige Filme nach „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ prägen wird.

Ich mag Filme, in denen man Charaktere aufwachsen sieht. Ihr Leben verfogt. Eine Beziehung zu ihnen aufbaut. Filme die Nostalgie unvermittelt an ihre Betrachter weitergeben können. Wenn Benjamin seinen Vater zum Sterben an den Lieblingsort seiner Kindheit bringt, dann berührt mich das. Ebenso wie dutzende andere Szenen, die vielleicht nebensächlich erscheinen mögen, für das emotionale Wachstum der Figuren aber unerlässlich sind. Überhaupt handelt der Film weniger davon, dass Benjamin immer jünger wird, sondern wie die Menschen in seiner Umwelt auf ihn reagieren und von ihm beeinflusst werden. Ihr Bewusstsein in Bezug auf das Leben, das Altern und das Sterben wird geweckt. Sehr schön in diesem Zusammenhang fand ich die Episode in der Benjamin auf Elizabeth Abbott (Tilda Swinton) trifft und die unvermittelte spätere Auflösung.

Benjamins Lebensgeschichte wird in die Rahmenhandlung seiner sterbenden großen Liebe eingebettet. Hier sehe ich auch die einzigen Kritikpunkte, da mir die Übergänge teils etwas holprig und zu forciert (z.B. Hurrikan Katrina) erschienen. Ein ähnliches emotionales Gerüst, wie es bereits Tim Burton in „Big Fish“ verwendet hatte. Durch die immer wieder unterbrochene Handlung konnten zumindest Zeitsprünge relativ flüssig eingebaut werden und es war jedes Mal ein Ereignis Benjamin Button (bzw. Brad Pitt) in weiter verjüngter Form zu sehen.

Hier komme ich nun auch auf die Technik zu sprechen, die einen neuen Meilenstein für die Branche darstellt dürfte. Es ist wirklich unglaublich, was die VFX-Magier hier geschaffen haben. Selten habe ich so perfekte und absolut subtile Effektarbeit gesehen. Der Film wirkt in jedem Einzelbild wie aus einem Guss und wüsste man es nicht besser, man würde annehmen Brad Pitt und Cate Blanchett seien während der Dreharbeiten stark gealtert, nur um kurze Zeit später den Jungbrunnen gefunden zu haben. Einfach unglaublich und schon jetzt ein Grund mich auf die hoffentlich erscheindende Special Edition der DVD mit vielen Hintergrundberichten zu den Effekten zu freuen.

Was David Finchers jüngstes Werk abgesehen von seiner technischen Perfektion für mich wirklich zu einem besonderen Film macht, ist seine emotionale Wirkung. Die meiste Zeit war ich tatsächlich mit einem Lächeln auf den Lippen im Kino gesessen. Ich konnte den Film miterleben, was leider viel zu selten vorkommt. Zudem musste ich mehr als nur einmal eine Träne verdrücken und das nicht etwa, weil Fincher inszenatorisch besonders auf die Tränendrüse gedrückt hätte, sondern weil man mit den Charakteren mitgeliebt, mitgelebt und mitgelitten hatte. Es ist eine echte Bindung entstanden und das ist für mich großes Kino.

Für mich ist „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ schon jetzt eine der positivsten Überraschungen des noch jungen Kinojahres. Allen nostalgischen Träumern da draußen kann ich nur empfehlen sich nicht aufgrund der unzähligen schlechten Kritiken von einer Sichtung abhalten zu lassen. Der Film ist großes Kino. Kino fürs Herz: 9/10 Punkte.

Arsen und Spitzenhäubchen – OT: Arsenic and Old Lace (1944)

Vor einiger Zeit hatte ich Joseph Kesselrings Stück im Theater gesehen und war schwer begeistert. Gestern habe ich nun endlich – nachdem die DVD schon seit Jahren im Regal steht – die Zeit gefunden Frank Capras Adaption von „Arsen und Spitzenhäubchen“ zu sichten. Es war erneut ein wahrlich famoser Spaß!

arsen3

Der Film beginnt wie eine typische Liebeskomödie aus den 40er Jahren. Ein wenig Slapstick, angestaubte Geschlechterrollen und harmlos wirkender Humor. Doch bereits nach wenigen Minuten offenbart sich der wahre Geist dieser wirklich rabenschwarzen Komödie. Bereits diese leicht zu unterschätzende Einführung zeigt die hohe Qualität die Drehbuchs. Wir Zuschauer stolpern zusammen mit Mortimer Brewster (Cary Grant) in diese wahnwitzige Welt inmitten des unscheinbaren Alltags.

Wenn man sich heute Filme anschaut, die schwarzen Humor propagieren, dann leiden diese oft an unsympathischen Charakteren und der daraus resultierenden Distanz zum Zuschauer. „Very Bad Things“ ist für mich so ein Beispiel. Da konnte ich nur müde gähnen. Capras Klassiker ist dagegen ein Feuerwerk an Humor, herrlichen Dialogen und wunderbar überdrehten Leistungen der Darsteller. Besonders Cary Grant überzeugt hier auf ganzer Linie und es fällt schwer sich einen anderen Schauspieler in der Rolle vorzustellen.

Der Film wirkt trotz seines Alters frisch und wird zu keiner Sekunde langweilig. Ich musste oft laut auflachen, was mir nur bei den wenigsten Komödien gelingen mag. Capras Inszenierung zeugt von einem großen Gefühl für Timing und Atmosphäre, was den Film zu Recht zu einem Klassier der Genres macht. Da stimmt wirklich alles. Den einen Punkt Abzug gibt es nur weil ich das Theaterstück damals tatsächlich noch eine Spur unterhaltsamer fand, was – und dessen bin ich mir durchaus bewusst – natürlich ein weit hergeholter Vergleich ist: 9/10 Punkte.

K-PAX (2001)

Für den gestrigen Filmabend ist meine Wahl auf Iain Softleys „K-PAX“ gefallen, der mich bei der Erstsichtung vollends überzeugt hatte. Doch auch mit Kenntnis der Handlung ist es dem Film gestern erneut gelungen mir ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern.

k-pax4

Die Prämisse ist simpel: Prot (grandios gespielt von Kevin Spacey) behauptet vom Planeten K-PAX zu sein und der Erde einen Besuch abzustatten. Daraufhin wird er eingewiesen und von Dr. Mark Powell (Jeff Bridges) in Behandlung genommen. Die nun folgenden Sitzungen sind bestimmt von der Suche nach der Wahrheit, doch schon bald muss Dr. Powell erkennen, dass es die absolute Wahrheit nicht gibt. Es gibt nur Hoffnung und den damit verbundenen Glauben, was besonders den anderen Patienten des Sanatoriums einen neuen Sinn im Leben gibt.

Diese relativ einfache Geschichte verpackt Regisseur Iain Softley in faszinierende Bilder. Licht ist nicht nur inhaltlich ein großes Thema, es bestimmt auch die Inszenierung. Getragen wird der Film zudem von einem beinahe schon hypnotischen Score, der uns immer weiter in Prots Welt zu ziehen scheint. Dabei wird offen gelassen, wo oder was Prots Welt letztendlich ist. Der Film bleibt doppeldeutig bis zur letzten Sekunde und das ist wohl die größte Stärke seiner Geschichte. Egal ob man ihn als ausgeklügeltes Sci-Fi-Märchen oder als Psychogramm eines verletzten Menschen wahrnimmt.

„K-PAX“ ist einer der wenigen Filme, die mich als Zuschauer mit einem warmen Gefühl in der Magengegend zurücklassen. Ein unspektakulärer und vielleicht deswegen umso schönerer Film. Herausragend gespielt von Kevin Spacey und Jeff Bridges. Stilsicher inszeniert von Iain Softley. Man könnte noch stundenlang über ihn nachdenken, oder einfach nur seine Wirkung genießen. Großes, kleines Kino: 9/10 Punkte.

Prot: ‚I will admit the possibility that I am Robert Porter, if you will admit the possibility that I am from K-PAX. Now if you’ll excuse me, I have a beam of light to catch.‘

Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia – OT: The Chronicles of Narnia: Prince Caspian (2008)

Aktualisierung: Ich habe „Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia“ am 16. Dezember 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern Abend haben wir in gemütlicher Runde den zweiten Teil der C. S. Lewis-Saga „Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia“ gesehen. Nach der verpassten Kinosichtung war ich wirklich sehr gespannt auf den Film zumal man überall lesen konnte, dass die Fortführung der Geschichte dem Vorgänger doch deutlich überlegen sein soll.

Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia (2008) | © Walt Disney

Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia (2008) | © Walt Disney

Mit der Verfilmung des ersten Buches „Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia“ verbinde ich stets eine heimelige Winteratmosphäre und das magische Gefühl des Aufbruchs in eine neue Welt. Ansonsten war mir der Film über weite Strecken zu unausgewogen und teils auch zu absurd – ich denke hier z.B. an den Weihnachtsmann mit seinen Waffen. Dennoch hatte mich der Film sehr gut unterhalten und die Vorfreude auf eine Rückkehr nach Narnia ist in der Zwischenzeit enorm gewachsen. Konnte die Fortsetzung nun die an sie gestellten Erwartungen erfüllen?

Eindeutig ja. Die Geschichte wirkt knackiger, die Figuren fühlen sich ausgearbeiteter an – was wohl auch daran liegt, dass man als Zuschauer nun ihren Hintergrund kennt – und die Inszenierung ist um einiges handfester. Ich war wirklich hocherfreut, wie gut der Film von Beginn an für mich funktioniert hat. Bereits die Einführung ins neue Herrschaftssystem von Narnia hat mir sehr gut gefallen. Düstere Bilder. Eine mitreißende Flucht. Zwerge. Was will man mehr?

Die Rückkehr der Geschwister wird anschließend ebenso wunderbar visualisiert und man bekommt mit der Ankunft in Narnia noch so einige optische Leckerbissen serviert. Natürlich dürfen auch die sprechenden Tiere wieder nicht fehlen, die den Niedlichkeitsfaktor doch extrem auf ihrer Seite haben – und diesen auch gekonnt ausreizen. Macht Spaß und passt zu dieser Welt.

Im weiteren Verlauf kann auch die Handlung überzeugen. Mein persönliches Highlight war die kurzzeitig drohende Auferstehung der Weißen Hexe. Sehr atmosphärisch und eine schöne Brücke zum ersten Teil. Leider jedoch versinkt der Film gegen Ende etwas im eigenen Schlachtengetümmel. Die Kämpfe dauern einfach zu lang und wirken im Vergleich zu „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ einfach schwach und zu sehr auf ein junges Publikum zugeschnitten. Als dann noch die Bäume aufwachen und der reißende Fluss die feindlichen Reiter verschlingt, musste ich öfter an eine dreiste Kopie denken, was man dem Film natürlich aufgrund der Vorlage nicht anlasten sollte. Dennoch hat es mich doch sehr gestört. Ebenso wie Aslans Auftauchen in letzter Sekunde. So bleibt am Ende leider ein etwas schaler Beigeschmack.

Fazit

„Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia“ ist über weite Strecken ein famoses Fantasyspektakel, welches seinen Vorgänger in beinahe allen Belangen zu übertrumpfen vermag. Leider bricht die Handlung gegen Ende enorm ein und weist in Bezug auf das Genre vermehrt störende Redundanzen auf. Insgesamt eine Steigerung, aber kein wirklich großer Schritt nach vorne. Auf einen dritten Teil freue ich mich nun dennoch: 7/10 Punkte.

Tintenherz – OT: Inkheart (2008)

Als großer Freund von Cornelia Funkes Fantasytrilogie – die Romane „Tintenherz“, „Tintenblut“ und „Tintentod“ umspannend – war ich hocherfreut, als ich von einer Verfilmung las. Iain Softley sollte sich der Geschichte annehmen, welcher sein Können bereits mit dem wunderbaren Sci-Fi-Drama „K-PAX“ unter Beweis stellen konnte. Als ich dann noch las, dass sich Frau Funke ein Mitspracherecht bei der Adaption ihres „Tintenherz“ gesichert hat, dachte ich es könne nichts mehr schief gehen. Dann wurde der Kinostart in den letzten zwei Jahren immer wieder verschoben – was nie ein gutes Zeichen ist – und der finale Trailer sah mir zu sehr nach Effektspektakel aus. Konnte die Verfilmung die Magie der Vorlage nun in irgendeiner Form auf die Leinwand bannen?

inkheart

Jein. Mit Tendenz zum Nein. Leider. Bereits in den ersten Minuten dachte ich einem schlechten Scherz beizuwohnen. Da wird doch tatsächlich das große Geheimnis, diese magische Eigenschaft des Vorlesens in einem billigen Epilog völlig entzaubert. Zack. Es gibt Zauberzungen, die Figuren aus Büchern herauslesen können. Zack. Hier bitte. Friss oder stirb. Im nächsten Moment befinden wir uns mit Mo und Meggie – den beiden Hauptfiguren – auf einem schön gestalteten Buchmarkt und prompt stolpert ihnen Staubfinger vor die Füße. Zack. Damit wurde eine meiner Lieblingsszenen der Vorlage entzaubert. Wie Staubfinger als düstere Gestalt im Regen vor dem Haus der Folcharts steht. Einfach in eine plumpe Begegnung gewandelt. Hier hatte ich bereits alle Hoffnung aufgegeben.

Glücklicherweise sind die Figuren recht gut getroffen. Besonders die Besetzung kann überzeugen. Brendan Fraser gibt einen wunderbaren Mo, der tatsächlich dem Buch entsprungen sein könnte. Auch Paul Bettany als Staubfinger gefällt, ebenso Hellen Mirren als Tante Elinor und Jim Broadbents Fenoglio ist herrlich kauzig. Selbst Andy Serkis hat als Capricorn seine Momente, wenngleich ich bei seiner Performance öfter mal an Gollum denken musste. Einzig Meggie und Farid fand ich zu alt gewählt. So hätte ich mir beide Figuren vielleicht am Ende von „Tintentod“ vorgestellt. Aber nun gut, das mag Interpretationssache sein.

Neben den Figuren können auch die Locations überzeugen. Capricorns Dorf ist sehr atmosphärisch und auch Elinors Anwesen atmet den Staub ihrer Bücher. Nach dem unverzeihlichen Einstieg in die Geschichte konnte ich teils sogar die Vorlage vergessen und mich völlig auf den Film einlassen. Der Mittelteil ist auch der brauchbarste der Umsetzung, wenngleich ich die Flucht unserer Helden durch die italienische Berglandschaft schwerlich vermisst hatte. Hier fehlen viele charakterbildende Momente und wenn ich denke, dass diese nur schnöden Actionszenen gewichen sind frage ich mich tatsächlich, wo denn Frau Funke bei solchen Entscheidungen war.

Das Finale ist zwar optisch imposant, jedoch gibt es auch hier unzählige grobschlächtige Änderungen, die es nicht benötigt hätte. Ich kann natürlich nachvollziehen, dass man dem Film einen anständigen Abschluss spendieren wollte, doch muss dieser so aufgesetzt und der Vorlage völlig entrückt wirken? Wirklich schade, dass besonders die wichtigen ersten und letzten Eindrücke so vermasselt wurden.

Für neue, unbefangene Besucher der Tintenwelt bietet „Tintenherz“ wohl einen gelungenen Ausflug in die Welt der Bücher und Zauberzungen. Es sind auch alle wichtigen Eckpfeiler der Geschichte vorhanden. Doch das, was die Magie ausmachte – die Charaktere und ihre vielschichtigen Beziehungen zueinander – bleibt auf der Strecke. So hatte ich bei der gestrigen Sichtung zwar durchaus meinen Spaß, doch musste ich zu oft an die verschenkten Chancen denken. Letztendlich bleibt ein durchschnittlicher Fantasyfilm, den ich stets mit Wehmut betrachten werde: 5/10 Punkte.

Schnappt Shorty – OT: Get Shorty (1995)

Die 90er Jahre standen für mich vor allem im Zeichen des postmodernen Gangsterfilms. Coolness, lässige Sprüche und stilisierte Gewalt. Mit „Pulp Fiction“ begann meine Liebe zum Kino und jeder Film, der sich auch nur annähernd in das Genre zwängen ließ, wurde mit Hingabe konsumiert. Aus dieser Zeit stammt auch Barry Sonnenfelds unglaublich entspannte Hollywoodsatire „Schnappt Shorty“, welche ich damals wohl bei jeder einzelnen TV-Ausstrahlung angesehen habe. Umso schöner, dass der Film auch heute noch zu überzeugen weiß. getshorty4 „Schnappt Shorty“ war die erste der drei großen Elmore Leonard-Verfilmungen der 90er Jahre und wohl auch stilprägend für die lockerlässige Darstellung der Gangster. Natürlich wäre diese ohne Quentin Tarantinos „Pulp Fiction“ so nicht möglich gewesen, doch sollte man nicht vergessen, dass dessen Meisterwerk wiederum von Elmore Leonards Romanen beeinflusst wurde. Einige Jahre später sollte Tarantino mit „Jackie Brown“ schließlich selbst eine Geschichte des Autors umsetzen. 1998 feierte Steven Soderbergh mit „Out of Sight“ einen großen kommerziellen Erfolg und beendete damit die inoffizielle Gangstertrilogie nach der Vorlage Leonards. Barry Sonnenfeld hat „Schnappt Shorty“ in sonnendurchfluteten, lässigen Bildern inszeniert. John Travolta gibt Chili Palmer so cool, dass es eine wahre Freude ist. Danny DeVito spielt mit herrlicher Selbstironie und Gene Hackman ist als abgehalfteter B-Movie-Produzent die perfekte Besetzung. Der Cast ist wahrlich famos und die verzwickte – aber nicht wirklich komplizierte – Handlung erlaubt allen Darstellern zur Höchstform aufzulaufen. Von allen drei Verfilmungen ist „Schnappt Shorty“ wohl die seichteste. Die Charaktere sind nicht so fein herausgearbeitet, wie z.B. in „Jackie Brown“ – doch das macht nichts. Als cooler Gangsterfilm und oberflächliche Hollywoodsatire funktioniert Sonnenfelds Adaption tadellos. Mehr wäre hier wohl auch zuviel gewesen.

Fazit

„Schnappt Shorty“ bietet nach wie vor grandiose Unterhaltung und ist seinem – von mir damals viel zu gut bewerteten – Nachfolger „Be Cool“ meilenweit überlegen. Immer wieder gerne gesehen: 8/10 Punkte.