Hangover 3 – OT: The Hangover Part III (2013)

Bisher hatte ich alle Teile der Filmreihe in unserem netten kleinen Fremdsprachenkino gesehen, was dem Unterhaltsungswert stets zuträglich war. Das Finale hatte ich im Kino verpasst und so war ich umso gespannter, ob „Hangover 3“ auch vom Sofa aus und ohne größeres Publikum funktionieren würde. Spoiler sind zu erwarten.

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Als ich nach der Erstsichtung von „The Hangover Part II“ das Kino verließ, wollte ich unbedingt einen dritten Teil sehen. Ich hatte enorm viel Spaß damit, der sich bei der Zweitsichtung jedoch nicht komplett aufrechterhalten ließ. Für den Abschluss der Reihe setzte ich meine Hoffnungen auf einen weiteren Junggesellenabschied, da Alan schließlich noch nicht unter der Haube war. Anscheinend hatte sich Todd Phillips aber die generelle Kritik am zweiten Teil zu Herzen genommen und die bewährte Formel geändert. Ob dies jedoch der richtige Weg war?

Im Prinzip erzählt auch der dritte Teil die bekannte Geschichte: Das Wolf Pack muss etliche kuriose Abenteuer bestehen, um ihr verlorenes Mitglied Doug wiederzufinden. Einzig das interessante Element des titelgebenden Hangovers fehlt vollkommen, was ich persönlich schade fand. Anscheinend haben dies auch die Macher gemerkt und etliche Szenen eingebaut, in denen man befürchten hätte können, dass sich die Gang wieder selbst unter Drogen setzt. Dazu kam es leider nicht, doch sorgte auch die restliche Handlung für etliche Lacher. Vielleicht bin ich da einfach zufriedenzustellen, doch Zach Galifianakis‘ Alan finde ich nach wie vor großartig.

Im direkten Vergleich zu „The Hangover“ oder auch dem Nachfolger hat sich der Grad der Verrücktheit der Erlebnisse des Wolf Packs deutlich reduziert. Dennoch waren einige Szenen einfach herrlich (z.B. das Abseilen vom Dach des Ceasars Palace), andere dagegen haben bewusst mit den Erinnerungen an den erfolgreichen ersten Teil der Reihe gespielt. Eines ist auf jeden Fall ziemlich sicher: Eine weitere Fortsetzung wird es wohl nicht geben. Dafür drückt Phillips den Zuschauern während der Credits noch einen rein, indem er ihnen zeigt, welchen Film sie nach der bekannten Formel hätten haben können. Einfach herrlich!

Es ist völlig klar, dass weder die eine noch die andere Fortsetzung nötig gewesen wäre. Der Abschluss der Trilogie ist auch klar der schwächste Teil der Reihe. Dennoch hatte ich Spaß. Es war schön mit den bekannten Figuren wieder einmal um die Häuser zu ziehen und teils verrückte, teils dämliche Abenteuer zu erleben. Die ernsthaften Cineasten schauen jetzt lieber kurz weg, doch ich wurde wirklich gut unterhalten: 7/10 Punkte.

Die wilden Siebziger – OT: That ’70s Show – Season 5

Neben dem Konsum eher harter Serienstoffe, wie „Breaking Bad“ oder „The Shield“, habe ich über die letzten Wochen auch Point Place stets gerne einen Besuch abgestattet. Dies bedeutet, dass ich mit „That ’70s Show – Season 5“ bereits fünf Jahre mit der Gang rund um Eric Forman verbracht habe. Auch wenn sich so langsam erste Abnutzungserscheinungen zeigen, hatte ich wieder enorm viel Spaß in diesen wilden 70ern…

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Am Ende der vierten Staffel hatte ich noch vermutet, die fünfte Staffel nicht mehr von früheren TV-Ausstrahlungen zu kennen. An die ersten Episoden konnte ich mich jedoch noch ziemlich gut erinnern. Was die übergreifenden Handlungsstränge angeht, so treten diese mehr und mehr in den Vordergrund und spielen sich nahezu komplett auf der Beziehungsebene ab. Die Verlobung von Eric und Donna ist der rote Faden, an den sich auch die Geschichten rund um Red und Kitty anhängen. Dieser Konflikt wird für meinen Geschmack ein wenig zu sehr breitgetreten, bis Red am Ende endlich Einsehen hat, dennoch bleibt er stets unterhaltsam.

Der Kampf von Hyde und Kelso um Jackie gestaltet sich beinahe noch amüsanter. Die beiden Konkurrenten besitzen eine herrliche Dynamik, besonders wenn Kelso sich einmal wieder darüber beschwert, dass Hyde sein Auge verletzt hat. Fez dagegen sucht erneut das Mädchen seiner Träume und findet es vorübergehend in Nina, was auch ein durchaus netter Handlungsstrang ist. Erics Eltern kämpfen – neben der Verhinderung der Hochzeitspläne ihres Sohnes – mit Kittys Wechseljahren und ihren Eltern, was für etliche unterhaltsame Szenen sorgt.

Fazit

Insgesamt hatte ich auch mit dem fünften Jahr von „Die wilden Siebziger!“ wieder viel Spaß, doch so langsam treten bekannte Muster immer wieder in den Vordergrund und lassen ein wenig die Frische der ersten Staffeln vermissen. Dennoch nach wie vor exzellente Sitcom-Unterhaltung, auf deren nächste Staffel ich mich bereits jetzt freue: 8/10 (8.4) Punkte.

Die Tribute von Panem: Catching Fire – OT: The Hunger Games: Catching Fire (2013)

Aktualisierung: Ich habe „Die Tribute von Panem: Catching Fire“ am 27. Januar 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Heute haben wir es endlich einmal wieder ins Kino geschafft. Geplant war der Besuch von „Die Tribute von Panem: Catching Fire“ schon lange, da sowohl meine Frau als auch ich Suzanne Collins‘ Romantrilogie regelrecht verschlungen haben. Da mir bereits Gary Ross‘ Verfilmung des Vorgängers ausgezeichnet gefallen hat, war ich umso gespannter wie denn mein Lieblingsteil der Trilogie unter neuer Regie umgesetzt wurde…

Die Tribute von Panem: Catching Fire (2013) | © Studiocanal

Die Tribute von Panem: Catching Fire (2013) | © Studiocanal

Bereits die ersten paar Minuten haben mich sofort in die Welt von Panem eintauchen lassen. Ich war wirklich erstaunt, wie sehr die Bilder des Films den Bildern meiner Vorstellung entsprechen. Als hätte Regisseur Francis Lawrence (u.a. „Constantine“ und „I Am Legend“) sie 1:1 auf die Leinwand übertragen. Ein ähnliches Gefühl hatte ich bereits beim ersten Teil, doch bei dessen erster Sichtung kannte ich die Bücher noch nicht. Insofern wurde mein Eindruck von Panem wohl von beiden Medien stark beeinflusst.

Die Handlung des Films entspricht nahezu unverändert der Vorlage. Bevor es erneut in die Arena geht, machen sich Katniss und Peeta während der Tour der Sieger auf den Weg durch die 12 Distrikte, was größtenteils der Charakterentwicklung und der Darstellung der beginnenden Revolution dient. Diese Szenen werden in der Vorlage zwar noch genauer beschrieben, doch der Kern ist auf jeden Fall auch im Film vorhanden. Die dynamisch erzählte Trainingssequenz eröffnet anschließend einen wunderbar unterhaltsamen Blick auf die Konkurrenz unserer Tribute, die wahrlich fantastisch besetzt ist.

Die Arena selbst hatte mir bereits im Buch ausgezeichnet gefallen und der Film schafft es tatsächlich den Schrecken visuell eindrucksvoll abzubilden. Gerne hätte ich mich noch länger darin aufgehalten. Im Gegensatz zum Vorgänger fallen Kürzungen der Arena-Szenen weniger ins Gewicht. Zudem hat man auf unpassende Änderungen, wie z.B. die Darstellung der Mutationen, dieses Mal verzichtet. Für mich stellt der Film folglich tatsächlich eine qualitative Steigerung zum ohnehin schon gelungenen Vorgänger dar.

Fazit

Freunde der Romantrilogie werden sich die Verfilmung ohnehin anschauen. Doch ich kann auch allen anderen, die sich nur am Rande für Sci-Fi-Dystopien begeistern können, nur empfehlen, sich der Welt von Panem zu öffnen. Mit Jennifer Lawrence, Woody Harrelson, Donald Sutherland, Stanley Tucci und ab diesem Teil auch Philip Seymour Hoffman gibt es zudem schauspielerische Schwergewichte, denen der Film absolut gerecht wird – und andersherum. Ein rundum gelungenes Kinoerlebnis. Am liebsten hätte ich sofort den nächsten Teil gesehen: 8/10 Punkte.

Iron Sky (2012)

Wenn man sich in den letzten Jahren auch nur am Rande mit Film beschäftigt hat, musste einem „Iron Sky“ zwangsläufig über den Weg laufen. Teils durch Crowdfunding entstanden und somit von Anfang an als Kultfilm konzipiert, hat der Film auch aufgrund seiner herrlich absurden Prämisse Wellen geschlagen. Was ist also dran an der finnisch-deutschen Sci-Fi-Satire?

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Die Idee ist grandios: Nazis auf dem Mond, die planen die Erde zu erobern – was hätte man daraus alles machen können? Angeboten hat sich in diesem Fall natürlich grober Unfug, bei dem sich die Frage, ob man über Nazis lachen darf oder nicht, überhaupt nicht stellt. Insofern schon einmal viel richtig gemacht. Ein gewisser Trash-Faktor muss bei dieser Art von Film natürlich auch vorhanden sein. Action. Völlig übertriebene Action. Und natürlich Humor. Viel Humor. Sollte man eigentlich meinen, oder nicht?

„Iron Sky“ sieht für sein geringes Budget gut aus. Viel zu gut. Die Effektszenen müssen sich teils selbst vor größeren Hollywood-Produktionen nicht verstecken, was in Kombination mit der flachen Handlung und den durchwachsenen Leistungen der Schauspieler oft befremdlich wirkt. Visuell bombastisch inszenierte Steampunk-Anleihen und ein Score, der intelligenter arrangiert scheint, als das gesamte Drehbuch geschrieben ist, treffen auf ungelenke Witze und eine seltsam sprunghaft wirkende Dramaturgie.

Viele der 90 Minuten des Films haben sich gezogen wie Kaugummi. Leider können die interessante Prämisse und die ambitionierte Inszenierung nicht über das schwache Drehbuch und den nahezu nicht vorhandenen Humor hinwegtäuschen. Vieles ist bestimmt lustig gemeint, doch verpufft nahezu jede potenzielle Pointe durch schlechtes Timing oder miese Dialoge nahezu vollständig. Ein paar Mal musste ich durchaus schmunzeln, doch für solch einen Film, der beinahe schmerzhaft offensichtlich als überdrehte Satire inszeniert ist, kann das nicht genug sein.

Auch wenn ich mich teils geärgert und gelangweilt habe, so bin ich dennoch froh mir den Film angesehen zu haben. Er hat einen gewissen amateurhaften Charme und so manche Idee weiß durchaus zu gefallen. Doch hätte man wahrlich mehr Energie in das Drehbuch stecken müssen, als das gesamte Budget für – zugegebenermaßen beeindruckende – Effektszenen auszugeben. Somit bleibt ein weder sonderlich lustiger oder gar subversiver Film, der eher aufgrund seiner Entstehungsgeschichte in Erinnerung bleiben wird: 4/10 Punkte.

Immer Ärger mit 40 – OT: This Is 40 (2012)

Vor einer gefühlten Ewigkeit habe ich beim Trailer zu „Immer Ärger mit 40“ im Kino sehr gelacht. Der Film selbst ging jedoch spurlos an mir vorüber, bis er im Rahmen der Heimkino-Veröffentlichung wieder auf meinem Radar aufgetaucht ist. Auch wenn ich (noch) näher an der 30 bin, wollte ich mir den Blick in die Zukunft eines 40-jährigen Familienvaters nicht entgehen lassen…

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Die wohl treffendste Kritik, die man Judd Apatows Film machen kann, lautet: This is 40 minutes too long. Leider ist dieser schlaue Spruch nicht auf meinem Mist gewachsen, doch er könnte nicht treffender sein. 40 Minuten weniger würde die Komödie auf eine angenehme Laufzeit von 93 Minuten reduzieren. Mehr will man nicht sehen. Mehr muss man auch gar nicht zeigen. Der Film hätte somit die Chance gehabt, eine wirklich pointierte Komödie zum Thema Midlife-Crisis in den 2010er Jahren zu werden.

Warum also läuft der Film über 130 Minuten? Vermutlich weil „This Is 40“ noch mehr Judd Apatow ist, als seine bisherigen Produktionen. Im Quasi-Sequel zu „Beim ersten Mal“ verarbeitet er ziemlich eindeutig seine eigene Beziehung. Apatows Familie wird nahezu 1:1 abgebildet: Neben Paul Rudd, der Apatows Alter Ego verkörpert, treten seine Frau Leslie Mann und seine beiden Töchter Maude und Iris Apatow als Leinwandfamilie auf. Ebenso besetzt er befreundete Schauspieler als Freunde der Familie, was die Grenzen weiter verschwimmen lässt.

Ist „This Is 40“ nur überlanges Ego-Kino? Auch wenn der Film in seiner nichtvorhandenen Dramaturgie an einigen Ecken hakt und auch nicht jeder Witz zündet, so habe ich doch viel und herzlich gelacht. Die Dialoge  wirken – sieht man einmal von der nicht gerade jugendfreien Sprache innerhalb der Beziehung ab – durchaus realistisch und die Charaktere sind sympathisch und glaubwürdig. Hinzu kommen Nebenfiguren, die trotz geringer Screentime einen echten Mehrwert darstellen (z.B. gespielt von Jason Segel, Chris O’Dowd, Megan Fox, John Lithgow und vielen anderen).

Um 30 bis 40 Minuten gekürzt hätte der Film bestimmt bedeutend besser funktioniert. Aufgrund der fehlenden dramaturgischen Struktur, hätte man ihn auch in mehrere Episoden unterteilen können bzw. potenziell interessante Aspekte in Serienform weiterführen. Vielleicht liegt darin Apatows Zukunft (siehe „Freaks and Geeks“ oder „Girls“). Auch wenn der Film viel Schelte bekommen hat, so fand ich ihn doch äußerst sympathisch und teils wirklich lustig – nur eben viel zu lang: 7/10 Punkte.

Brautalarm – OT: Bridesmaids (2011)

Der Start in ein langes  Wochenende wird natürlich mit einem Film begangen. Mit „Brautalarm“ gab es einmal wieder eine klassische Komödie, die im Idealfall erfrischende Unterhaltung bieten würde. Teils überschlugen sich 2011 die Kritiker mit Lob, doch es waren auch vermehrt negative Stimmen zu hören. Wie der Film auf unserem Sofa ankam, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

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Wenn ein Film mit ‚Wahnsinnig witzig: Ein weibliches Hangover‘ beworben wird, dann schürt das natürlich gewisse Erwartungen. Und tatsächlich scheinen so manche Szenen und Charaktere der 2009er Erfolgskomödie entliehen worden zu sein: Melissa McCarthys Megan erinnert nicht von ungefähr an Zach Galifianakis‘ schrulligen Alan, ohne jedoch dessen Witz zu besitzen. Der restliche Cast bleibt neben der grandiosen Kristen Wiig sowie Maya Rudolph und Rose Byrne (Ellen Parsons, „Damages“) jedoch erstaunlich blass.

Dabei fängt alles so gut an: Man nimmt den Hauptcharakteren tatsächlich ab, dass sie seit Jahren befreundet sind. Sie wirken sympathisch und echt. Männergeschichten scheinen zudem mit einer gewissen Ironie betrachtet zu werden. Dann kommt jedoch die anstehende Hochzeit ins Spiel und plötzlich wird nahezu jedes RomCom-Klischee erfüllt – und das leider ohne jegliche ironische Distanz. In Kombination mit größtenteils unnötigem Fäkalhumor wirkt das alles ein wenig unausgegoren. Ehrlich gesagt kann ich es auch nicht als Befreiungsschlag des weiblichen Humors sehen, wenn sich dieser auf das Niveau dutzender 08/15-Komödien herablässt. Sorry.

Doch genug kritisiert, denn der Film hat auch seine guten Seiten: Das Ensemble ist wahrlich famos und es macht Spaß Kristen Wiig und Co. bei ihren Katastrophen zuzusehen. Besonders ihre Szenen mit Chris O’Dowd (Roy, „The IT Crowd“) fand ich herrlich. Toll gespielt und einfach sympathisch. Davon hätte ich gerne mehr gesehen. Auch der restliche Film birgt einige Lacher, was über die viel zu lange Laufzeit von 125 Minuten jedoch zu wenig ist. Man merkt einigen Szenen auch an, dass sie improvisiert sind – und so nett diese für sich genommen auch sein mögen, im Kontext des Films sind sie einfach nur irritierend lang. Eine Kürzung auf 90 Minuten hätte dem Film gut getan.

Letztendlich hatte ich eine vergnügliche Zeit mit den Brautjungfern. Ich mochte Kristen Wiigs Charakter und ihre Ausbrüche. Auch Chris O’Dowd war wie immer eine Freude und selbst Melissa McCarthy hatte ihre Momente. Das formelhafte Drehbuch und der unfokussierte Schnitt haben dem Film jedoch einiges von seinem Potential genommen. Mehr als nett ist leider nicht drin: 6/10 Punkte.

Premium Rush (2012)

Heute Abend fiel die Wahl auf einen Film, dessen Setting allein interessant genug klang, um mich zum Reinschauen zu bewegen. David Koepps „Premium Rush“ spielt im Milieu von New Yorker Fahrradkurieren – und das dürfte bisher wohl einzigartig sein. Leider kann man dies heute nur noch selten behaupten und so war ich gespannt, was der Film neben seinem außergewöhnlichen Setting sonst noch zu bieten hat…

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Zunächst einmal hat mich der gesamte Film seltsamerweise an eine Luc Besson-Produktion erinnert. Die Art die Geschichte zu erzählen, die kompakte Handlung, die teils überzeichneten Bösewichte, die CGI-Effekte – all dies erinnert an die neueren Actionfilme des Franzosen. Doch es steckt nicht Luc Besson hinter „Premium Rush“, sondern David Koepp, der sich seinerseits – zumindest gefühlt – für alle Drehbücher der erfolgreichsten Blockbuster der letzten 20 Jahre verantwortlich zeichnet: „Jurassic Park“, „Mission: Impossible“, „Spider-Man“, „Illuminati“ usw.

Der Film ist von der ersten Sekunde an mitreißend und auf Action ausgelegt. Fahrradkurier Wilee (toll gespielt von Joseph Gordon-Levitt) muss einen kritischen Brief von A nach B bringen und wird dabei von einem zwielichtigen Polizisten (Michael Shannon) verfolgt. Viel mehr gibt es zur Handlung eigentlich nicht zu sagen, auch wenn diese ideenreich in verschiedenen Zeitebenen erzählt wird. Alles dazwischen ist eine einzige Verfolgungsjagd, die – ein paar zu offensichtliche CGI-Seqzenzen einmal ausgenommen – wirklich atemberaubend inszeniert ist.

Leider jedoch gibt in der Geschichte selbst zu viele Ungereimtheiten, die verhindern, dass „Premium Rush“ für mehr als einfache Unterhaltung wahrgenommen werden könnte. Auch die Atmosphäre des Films schwankt ein wenig unentschlossen zwischen Actionkomödie (z.B. alle Szenen mit dem Fahrradpolizisten) und fast schon verstörendem Gangsterfilm (z.B. diverse Szenen mit Michael Shannon). Auch der eigentliche Auslöser für die Kurierfahrt schien mir ein wenig weit hergeholt.

Die 90 Minuten des Films verfliegen nur so und für eine einmalige Sichtung kann ich den Film nur jedem ans Herz legen. Zudem ist es wirklich erfrischend, Verfolgungsjagden mit Fahrrädern und nicht mit hochgezüchteten Autos zu sehen. Ein perfekter Feierabendfilm, auch am Wochenende: 7/10 Punkte.

Gravity (2013)

Aktualisierung: Ich habe „Gravity“ am 20. Dezember 2014 und am 27. September 2024 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Als ich heute nach dem Kino nach Hause kaum, hielt ich erst einmal inne und blickte in den Sternenhimmel. Schön, faszinierend und – wie ich seit ein paar Stunden weiß – ziemlich tödlich. Auch wenn ich es schon fast nicht mehr für möglich gehalten hatte, habe ich tatsächlich noch „Gravity“ gesehen. Und da es sich erst um meinen zweiten Kinobesuch in diesem Jahr handelte, gönnte ich mir gleich die ganz große Leinwand, sprich IMAX 3D. Ein würdiger Rahmen für Alfonso Cuaróns jüngsten Geniestreich.

Gravity (2013) | © Warner Bros (Universal Pictures Germany GmbH)

Gravity (2013) | © Warner Bros (Universal Pictures Germany GmbH)

Man kann sich dem Hype um den Film kaum entziehen – und dennoch ist es mir irgendwie gelungen, nicht einmal den Trailer zu sehen. Dafür haben etliche Blogeinträge und Podcasts die Erwartungen schier ins Unermessliche getrieben, was immer ein wenig gefährlich ist. Besonders die Aufregung um den 3D-Effekt machte mich neugierig, denn bis auf „Avatar“ und insbesondere „Prometheus“ ist 3D für mich eher ein nerviges Gimmick, das man eben aufgezwungen bekommt. Bereits bei den vorgeschalteten Trailern hatte ich eigentlich schon wieder genug davon: irrwitzige Schlachtszenen, Schnittgewitter und Effekteinlagen. Wie sollen meine verbrauchten Augen da bitte mitkommen?

Dann jedoch kamen die ersten Bilder der Erde und der unendlichen Weite des Alls. Minutenlange Kamerafahrten ohne Schnitt ermöglichten ein Aufsaugen und Erkunden der Bilder. Fantastisch. Die oft heraufbeschworene Immersion war wohl noch nie so stark, wie bei diesem Ausflug in das lebensfeindliche Nichts. Umso erstaunlicher, dass „Gravity“ nicht mit nativen 3D-Kameras gedreht wurde, sondern es sich um konvertierte 2D-Aufnahmen handelt. Ich vermute jedoch stark, dass der Film – die Schauspieler einmal ausgenommen – nahezu komplett aus dem Rechner stammt, was die exzellente 3D-Wirkung erklären dürfte. Endlich hat jemand den sinnvollen Einsatz von 3D bzw. das Zusammenspiel von 3D und Handlung verstanden.

Neben den wahrlich atemberaubenden audiovisuellen Eindrücken, ist auch die Handlung des Films äußerst mitreißend. Die nahezu komplette Konzentration auf Sandra Bullocks Charakter Dr. Ryan Stone, lässt uns ihren Überlebenskampf hautnah miterleben. Aufgrund der kurzen Laufzeit von knapp 90 Minuten kommt zu keiner Sekunde Langeweile auf – und auch wenn sich gewisse Elemente wiederholen, so bleibt man stets bei Dr. Stone und kämpft mit ihr. Einzig gewisse Monolog- bzw. Dialogszenen wirken ein wenig aufgesetzt, wofür ich aber eher die Synchonfassung verantwortlich mache. Die Geburtssymbolik mag ein wenig plakativ wirken, fügt sich jedoch sinnig in die Geschichte ein und beschert den Zuschauern am Ende wohl den kathartischen Moment des Kinojahres 2013.

Fazit

Ich bin wahrlich begeistert, was Alfonso Cuarón nach dem ohnehin schon großartigen „Children of Men“ erneut erreicht hat. Auch wenn die Geschichte nicht vor Originalität strotzt, so ist ihre konsequente Umsetzung doch erfrischend. Von audiovisueller bzw. technischer Seite müssen sich Filme in Zukunft sowieso an „Gravity“ messen lassen: großes Kino. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich bin nun gespannt, ob eine Zweitsichtung (dann wohl in 2D auf dem heimischen TV) dem Erlebnis stark abträglich ist, oder ob die Originaltonspur noch das letzte Quentchen aus dem Erlebnis herauskitzeln kann: 9/10 Punkte.

Rent (2005)

Die Kinder sind immer noch krank. Ich bin müde. Dennoch ist es Freitagabend und somit Zeit für einen Film. Die Wahl fiel heute auf die Musical-Verfilmung „Rent“, welche bereits seit einiger Zeit bei mir im Regal steht. Das Musical war mir zwar ein Begriff, doch ist Chris Columbus‘ Filmversion erst mit der zweiten Staffel der TV-Serie „Smash“ auf meinem Radar erschienen, deren Show-in-der-Show „Hit List“ lose nach dem ungewöhnlichen Broadway-Hit gestaltet wurde…

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Ich mag Musicals. Auch im Film. Dennoch war es zu Beginn wieder ein wenig befremdlich die Schauspieler in perfekter Choreografie singen zu sehen, besonders da die real wirkenden Sets sehr bühnenhaft eingesetzt werden. Nach ein paar Minuten war ich jedoch drin und mit der Zeit habe ich auch die Kameraarbeit zu schätzen gewusst, die einerseits bewusst filmisch ist, den Schauspielern aber auch genügend Platz für ihre Performance lässt. Hinzu kam die mitreißende Musik und die stets fortschreitende Handlung, die mich auch bald emotional für sich vereinnahmte.

Die Handlung von „Rent“ ist ungewöhnlich für ein Musical: Lose auf Puccinis „La Bohème“ basierend, erzählt Jonathan Larson die Geschichte erfolgloser Künstler, die versuchen ihren Platz in New York City zu finden. Starke Themen sind Homosexualität und Aids, Armut und Selbstaufgabe. Auch vor Todesfällen macht das Musical nicht halt. Es ist nahe am Leben dran und dennoch artifiziell. Eine seltsame Mischung, die aber funktioniert und von den mitreißenden und kraftvoll vorgetragenen Songs lebt.

In manchen Momenten mag der Film ein wenig zu glatt und auf Hochglanz getrimmt inszeniert sein, doch hat man die Stimmung der späten 80er/frühen 90er Jahre samt der damals und auch heute noch relevanten Themen gekonnt und auf recht spezielle Art und Weise eingefangen. Natürlich lebt diese Atmosphäre auch besonders von den Schauspielern, die nahezu allesamt der Originalbesetzung des Musicals entsprechen – inklusive einiger bekannterer Gesichter, wie z.B. Taye Diggs oder Idina Menzel (u.a. „Glee“).

Wenn man über „Rent“ schreibt, muss man natürlich auch den tragischen Tod des Autoren und Komponisten Jonathan Larson erwähnen: Er verstarb mit 35 Jahren am Tag der Premiere. Auch wenn die Filmversion teils etwas zu poliert erscheint, so strahlt sie doch diese besondere und ungewöhnliche Energie aus, die das Musical zu berühmt machte. Musicalfreunde sollten auf jeden Fall einmal reinschauen: 8/10 Punkte.

Eine Frage der Ehre – OT: A Few Good Men (1992)

Nachdem mein Tag heute, wie so viele zuvor, bereits um 5 Uhr begonnen hatte, sah es für einen Filmabend schlecht aus. Doch welcher Filmfreund lässt sich schon von Müdigkeit einschüchtern? Also vor das Filmregal gestellt und mutig den 138-minütigen „Eine Frage der Ehre“ gezückt, da ich diese Bildungslücke ohnehin schon viel zu lange mit mir herumtrage – und außerdem ist bei einem Drehbuch von Aaron Sorkin natürlich nicht an Schlaf zu denken…

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Um es kurz zu machen: Ich bin nicht eingeschlafen. Auch wenn das weiche Sofa teils sehr verlockend war, so hat mich der Film wach gehalten. Völlig ohne Widerstand. Am Ende konnte ich kaum glauben, dass der Film bereits vorbei sein soll. Den Klassikerstatus hat sich „A Few Good Men“ auf jeden Fall verdient. Aaron Sorkins (u.a. „The West Wing“ und „The Social Network“) Drehbuch ist abermals famos, was speziell in den mitreißenden Gerichtsszenen zum Tragen kommt. Besonders Jack Nicholsons finaler Monolog ist ein wahrer Ohrenschmaus und nicht umsonst in die Kinogeschichte eingegangen: ‚You can’t handle the truth!‘

Rob Reiner hat den Film herrlich unaufgeregt inszeniert, ohne dabei in zu statische Bilder zu verfallen, wie man es bei einer Bühnenadaption eventuell befürchten könnte. Dennoch lebt der Film vor allem von seinen starken Schauspielern: Der 1992er Tom Cruise ist wie geschaffen für die Rolle des hitzköpfigen Navy-Anwalts Daniel Kaffee, an dessen Seite auch Demi Moore eine wahrlich gute Figur macht – zumal hier auf eine klischeehafte Liebesgeschichte verzichtet wird. Die besten Auftritte durfte jedoch Jack Nicholson für sich verbuchen, der Colonel Jessup – für ihn untypisch – wunderbar zurückhaltend und kontrolliert agieren lässt, zumindest bis zum großen Finale. In den Nebenrollen geben zudem Kiefer Sutherland, Kevin Bacon usw. ihr Stelldichein.

Auch wenn die Handlung des Films nicht mit großen Überraschungen aufwarten kann, so bleibt „Eine Frage der Ehre“ stets spannend und vor allem unterhaltsam. Besonders macht es Spaß zu sehen, wie es Lieutenant Kaffee letztendlich gelingt sein Ziel zu erreichen. Rob Reiners Film ist somit alles andere als ein trockenes Anwaltsdrama, sondern bestes 90er Jahre Kino, das jeder Filmfreund zumindest einmal gesehen haben sollte: 9/10 Punkte.