Vier Hochzeiten und ein Todesfall – OT: Four Weddings and a Funeral (1994)

Mike Newells „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ habe ich zum ersten Mal mit 14 Jahren im Kino gesehen. Der Auslöser war die Rolle von Rowan „Mr. Bean“ Atkinson, den ich damals ganz toll fand. Nach dieser ersten Sichtung war ich einerseits enttäuscht, dass der Part des Komikers so klein ausgefallen ist, andererseits fand ich den restlichen Film überraschend gut gelungen. Zumindest für eine romantische Komödie, mit denen ich in diesem Alter noch recht wenig anzufangen wusste.

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In den folgenden Jahren habe ich „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ erstaunlich oft gesehen, wobei mir besonders die Figuren und die Atmosphäre des Films ans Herz gewachsen sind. Inzwischen sind seit der letzten Sichtung einige Jahre vergangen. Doch da ich die Nachfolger aus der Feder von Richard Curtis („Notting Hill“ und „Tatsächlich… Liebe“) recht gelungen fand, wurde es meiner Meinung nach einmal wieder Zeit für eine Auffrischung der Erinnerungen. Umso passender, dass es den Film zurzeit für gerade einmal 2,99 € bei Weltbild (auch in den Ladengeschäften) gibt.

Auch heute noch kann mich der Beziehungsreigen um die Gruppe von sympathischen Hochzeitsgängern begeistern. Der Aufbau ist geschickt: Aller Figuren werden über einen Zeitraum von ca. 18 Monaten begleitet. Allerdings werden nur Hochzeiten (und eine Beerdingung) gezeigt. Die Charakterisierung bleibt deswegen gerade so oberflächlich, dass man der Handlung einige Logikfehler verzeihen kann, und geht doch so tief, dass einem die Figuren ans Herz wachsen. Meiner Meinung nach sehr schön gelöst.

Die Geschichte ist eigentlich ziemlich simpel und fast schon vernachlässigbar. Der Film lebt von den Figuren und der Atmosphäre auf den Feiern. Dort stolpern die Charaktere teils etwas unbeholfen herum, was Erinnerungen an eigene Erlebnisse mit großen Festen dieser Art aufkommen lässt. Allerdings sieht die Bilanz bei mir etwas anders aus: Ich war schon auf mehr Beerdigungen als Hochzeiten. Sollte mir das zu denken geben?

Zwar merkt man dem Film sein Alter von inzwischen 13 Jahren in manchen Szenen schon an, doch gefällt er mir heute immer noch sehr gut. Damals war Hugh Grants trottelig charmante Art eben noch eine echte Neuerung. Insofern kann man den Film durchaus als Klassiker unter den RomComs bezeichnen: 8/10 Punkte.

Kill Bill: Vol. 2 (2004)

Wie angekündigt, habe ich gestern endlich „Kill Bill: Vol 2“ gesehen. Die Erwartungen waren hoch. Sehr hoch. Leider schafft es Volume 2 nicht, diese einhundertprozentig zu erfüllen. Dennoch wirkt der Film mit seinen Brüchen zum ersten Teil im Schaffen Tarantinos nur konsequent. Zusammen ergeben beide Volumes dann tatsächlich das erhoffte Meisterwerk – zumindest für Zuschauer, die sich mit dieser Auffassung von Kino und Film identifizieren können.

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„Kill Bill: Vol. 2“ ist das genaue Gegenstück zu Volume 1. Hat der erste Teil von abgedrehten Actionsequenzen und einer überschschwänglichen Inszenierung gelebt, so findet man sich in Volume 2 eher in einem klassischen Tarantinofilm wieder. Lange Einstellungen. Langsame Kamerafahrten. Ausführliche Dialoge und ebensolche Monologe. War Volume 1 Martial Arts mit Italowesternanteilen, so ist Volume 2 Italowestern gespickt mit Martial Arts. Bereits die Eröffnungssequenz in der Kirche atmet die Opernhaftigkeit eines Sergio Leone Westerns. Unglaublich intensiv und wunderbar fotographiert. Diese Ruhe zieht sich durch den gesamten Film und wirkt – auch mit Volume 1 im Hinterkopf – nie fehlplatziert.

Neben der grandiosen Eröffnungssequenz haben es mir besonders die Szenen im Sarg, der Kampf im Trailer, sowie die Lehrstunden mit Meister Pei Mei angetan. Hier war ich fast noch überzeugt, der Film könnte Volume 1 noch übertreffen. Doch mit fortschreitender Laufzeit, gab es einige Szenen, die ich nicht mehr so hundertprozentig überzeugend fand. Allen voran der alternde Bordellbesitzer. Für sich genommen bestimmt nett und unterhaltsam, im Film aber eher störend und einfach unnötig für die Geschichte.

Dann endlich: Das Finale. Bill. Kill Bill. Das lange Vorspiel mit der Tochter und den Gesprächen fand ich zwar irgendwie sinnvoll, da hier das Dilemma (Töten des Vaters) kurz angeschnitten wurde und auch der Inhalt (Superman) durchaus ansprechend war. Doch letztendlich wurde ich emotional nicht so mitgerissen wie erhofft. Das gleiche gilt für den Schlusskampf. Sicher war es konsequent auch hier mit der Erwartungshaltung zu brechen und den lang erwarteten Kampf überraschend (und doch irgendwie erwartet) schnell enden zu lassen. Doch auch hier gilt: Irgendwie unbefriedigend und nicht so befreiend wie erhofft.

Insgesamt ist auch Volume 2 ein wirklich toller Film. Die Figuren bekommen endlich die nötige Tiefe und ihre Motivation wird klarer, wodurch sich die Braut auch endlich einen Namen verdient: Beatrix Kiddo. Auch ergeht es ihr nicht wie anderen Racheengeln, die sich nach getaner Arbeit leer und nutzlos fühlen (Budd und Elle Driver) – nein, sie ist jetzt Mutter und fällt dadurch nicht in das erwartete Loch. All dies ist schön konstruiert und teils gibt es wirklich fantastische Szenen, doch irgendwie wirkt der Film auf mich unrund und – wenn man das Ende betrachtet – emotional zu wenig mitreißend. Vielleicht würde eine Gesamtfassung „Kill Bill“ doch noch ein Stück nach vorne bringen. Mit vielleicht einer etwas anderen Chronologie der Szenen. Vielleicht. Ich kann es nicht sagen, würde mir aber auch diese Fassung auf jeden Fall ansehen.

Tarantino hat mit „Kill Bill“ ein höchstinteressantes und unterhaltsames Racheepos geschaffen. Tolle Bilder, tolle Figuren, grandiose Actionsequenzen. Müsste ich Volume 2 getrennt bewerten, würde ich nach der aktuellen Sichtung 8/10 Punkte vergeben. Das Gesamtwerk schafft es dagegen locker auf 9/10 Punkte – und das war schließlich erst der Anfang…

Kill Bill: Vol. 1 (2003)

Mit Quentin Tarantino verbinde ich einen großen Teil meiner Filmleidenschaft. Ich habe zwar schon immer gerne Filme gesehen, doch erst „Pulp Fiction“ hat meine Liebe zu den bewegten Bildern entfacht. Mit „Jackie Brown“ durfte ich erstmals einen Film des Meisters im Kino erleben. Danach wurde es für längere Zeit erneut still um den größen movie geek von uns allen. Umso mehr habe ich mich nach der Ankündigung auf „Kill Bill: Vol. 1“ gefreut. Eine Vorfreude, die sich letztendlich ausgezahlt hat.

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Wie auch bei den vorhergegangenen Tarantinofilmen, gab es im Vorfeld von „Kill Bill“ viel Gerede um Gewaltverherrlichung und verschiedene Schnittversionen. Der Unterschied zu den sonstigen Gerüchten: Dieses Mal ist etwas dran. „Kill Bill“ wurde zweigeteilt und zudem ist extra für den japanischen Markt eine härtere Fassung veröffentlicht worden. Seitdem warten Fans auf der ganzen Welt – oder zumindest die mit Internetanschluss – auf eine vollständige Schnittversion. Ich stehe dem etwas skeptisch gegenüber. Zumindest was die Zusammenführung beider Volumes betrifft, denn ich kann mir „Kill Bill“ – so gelungen er ist – nicht wirklich als vierstündiges Epos vorstellen.

Wenn ich schon einmal bei verschiedenen Fassungen des Films bin: Die zensurbedingte in schwarz/weiss gehaltene Kampfszene kann mich nicht einmal als Pseudostilmittel überzeugen. „Kill Bill“ lebt von seinen knalligen Farben, seiner comichaften Gewaltdarstellung und der entsprechenden Inszenierung. Leider geht all das mit der Entsättigung der Farben verloren. Uma Thurman steckt nicht umsonst in einem knallgelben Anzug. Wirklich schade. In der internationalen Fassung wirkt diese Sequenz für mich somit etwas fehlplatziert. Dennoch ist dieser Versuch der künstlerischen Selbstzensur wenigstens ein interessanter Ansatz.

Nachdem nun die Rahmenbedingungen abgeklärt sind, komme ich zum eigentlichen Film: Wow! Tarantino überrascht immer wieder aufs Neue. „Kill Bill“ ist der Spaghettiwestern unter den asiatischen Revengemovies. Grandios, wie Tarantino die Genres plündert und ihre Versatzstücke geschickt zu etwas kombiniert, das in dieser Form noch nicht da war. Die Geschichte ist simpel. Es geht um Rache. Nicht mehr und nicht weniger. Dabei ist eher der Weg das Ziel. Der Weg und wie dieser inszeniert wurde. Poppig bunt mit ungewohnten Stilmitteln, äußerster Brutalität und stets einem augenzwinkernden Humor. Dieser bunter Cocktail ist dabei in sich erstaunlich konsistent. Macht Spaß und definitiv Lust auf mehr.

Uma Thurman ist die perfekte Darstellerin für die Rolle der Braut. Lucy Liu eine ebenso imposante Gegenspielerin. Die restlichen Figuren gehen etwas unter. Das ist auch etwas mein Problem mit dem Film. Außer der Braut gibt es keine Identifikationsfiguren und sie selbst ist nur von der Rache geleitet. Dies funktioniert zwar tadellos, doch die wortreichen Personenkonstellationen – die bisher in allen Tarantinfilmen vertreten waren – fehlen mir dann doch etwas. Aber vielleicht folgt das noch in Volume 2, den ich bisher leider noch nicht sehen konnte. Es sind leider oft die Filme, auf die man ewig wartet, für deren Kinosichtung sich partout keine Zeit finden lassen will.

„Kill Bill: Vol. 1“ hat mir dieses Mal fast noch besser gefallen, als damals im Kino. Es braucht aber bestimmt noch einige Sichtungen, damit der Film zu seinen Vorgängern aufschließen kann. Ich bin nun auf jeden Fall erst einmal sehr gespannt auf Volume 2: 9/10 Punkte.

King Kong – Extended Edition (2005)

Peter Jacksons Nachfolger seines Meisterwerks „Der Herr der Ringe“ wurde mit Spannung erwartet. Doch wurden bereits im Vorfeld viele Stimmen laut, die meinten, der Film sei zu langatmig, zu ausgewalzt, einfach zu übertrieben. Ich jedoch hatte bereits bei der Sichtung im Kino großen Spaß an dem Affen. Auch auf DVD macht „King Kong – Extended Edition“ eine sehr gute Figur und zeigt erneut Jacksons große Liebe für das Kino – und die Urversion von „King Kong“ im Speziellen.

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Ich kann mir jedoch vorstellen, warum viele Leute Schwierigkeiten mit dem Film haben. Actionliebhaber werden vermutlich von der ersten Stunde abgeschreckt, in der die Figuren und ihre Umfeld behutsam charakterisiert werden. Freunde des ruhigeren Films können dagegen mit dem Teil auf der Insel wohl weniger anfangen. Zu viele Urviecher und Actionsequenzen. Wen hatte Peter Jackson also als Zielgruppe im Kopf? Wahrscheinlich sich selbst. Und damit Menschen, die Filme lieben. Jede Art von Film. Nicht nur spezielle Genres. Vermutlich sollte man zudem ein Faible für klassische Monsterfilme haben. Ein Filmgeek sein. Doch „King Kong“ ist nie so abgehoben oder so speziell, dass nicht auch das normale Publikum seine Freude an diesem grandiosen Abenteuerspektakel haben könnte.

Trotz seiner ultramodernen Technik ist Jacksons „King Kong“ ein klassischer Abenteuerfilm. Es gibt eine strikte Dreiteilung der Geschichte, die Figuren transportieren die Naivität des 1933er „King Kong“ in die heutige Zeit und die Monsterszenen sind genauso atemberaubend übertrieben, wie 1933 bestimmt auch die Stopmotionsequenzen für das damalige Publikum gewirkt haben müssen. Alles in Allem ist auch Jacksons moderner „King Kong“ ein klassischer Abenteuerfilm und auf einen solchen sollte man sich einlassen können, wenn man seinen Spaß haben will.

Von der Ausstattung, über die Inszenierung, bis hin zu den Schauspielern: Alles ist stimmig. Man fühlt sich in eine fantastische Welt versetzt, die durch die erste halbe Stunde die nötige Glaubwürdigkeit verliehen bekommt. Sicher spielt Jack Black den Orson Welles-Verschnitt manisch übertrieben, Adrian Brodys Jack Driscoll geht in dem bunten Treiben fast etwas unter und Naomi Watts‘ Ann Darrow überstrahlt alle anderen Figuren. Das geht aber voll in Ordnung, da die Darstellung der Figuren perfekt in die überhöhte Realität des Abenteuerfilms passt und die Hauptrolle sowieso ein anderer spielt: „King Kong“.

Der große Affe ist wirklich ein Meisterwerk. In den meisten Einstellungen wirkt er so lebensecht, wie kein zweiter CG-Charakter. Unglaublich. Man fühlt mit ihm mit. Kann Ann Darrow verstehen. Er bewegt sich wie ein Tier, verhält sich wie ein Tier. Sind ansonsten nicht alle computergenerierten Sequenzen (Dinojagd etc.) perfekt gelungen, Kong ist es. Der Affe hebt den Film über das Niveau eines einfachen Abenteuerfilms und verleiht ihm eine neue Dimension von Tiefe. Vielleicht sehe ich das aber auch nur so, weil ich verstehen kann, wie schwer es ist, einen glaubwürdigen CG-Charakter zu schaffen, der mit seiner Umwelt interagiert und zudem noch Gefühle beim Zuschauer weckt. Ein wahres Meisterwerk.

Peter Jacksons „King Kong“ ist altmodisches Abenteuerkino, kombiniert mit modernster Technik. Das macht den Film in meinen Augen besonders reizvoll. Alles ist larger than life – genau so, wie es bei dieser Art von Film sein muss: 9/10 Punkte.

Trainspotting (1996)

Es gibt Filme, bei denen lässt sich nicht eindeutig sagen, was genau ihre Faszination ausmacht. Zu diesen gehört Danny Boyles „Trainspotting“. Ein Film über kaputte Typen. Junkies. Nicht neue Helden – wie die deutsche Tagline vermuten lässt – sondern verlorene Helden. Die Adaption von Irvine Welshs Romanvorlage hatte mich bereits bei der ersten Sichtung auf ihre Seite gezogen. Weitere Sichtungen folgten und der Soundtrack hat Kultstatus erlangt. Im Englisch LK war Irvine Welshs Kurzgeschichtensammlung „Acid House“ gleichermaßen abstoßend und faszinierend. Ich war gespannt, was mir „Trainspotting“ – der inzwischen überall als Kultfilm gehandelt wird – heute noch gibt.

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Ins Auge springt sofort die Inszenierung. Schnell. Roh. Hart. Modern. Danny Boyle hat das britische Kino durch „Trainspotting“ neu definiert. Ich vermute, dass die Filme von Guy Ritchie in dieser Form nicht existieren würden, hätte Boyle nicht den Wegbereiter gespielt. Doch das Junkiedrama ist mehr. Die klassischen Themen des britischen Kinos à la Ken Loach – Arbeitslosigkeit, mangelnde Perspektiven, soziale Missstände etc. – werden hier in eine neue Generation transportiert. Der Drogenkonsum zieht sich dabei wie ein roter Faden durch den Film. Er hat auch vom Erzähler Besitz ergriffen. Auch vom Zuschauer. Man steckt tief drin in dieser selbstzentrierten und hoffnungslosen Welt eines Junkies.

Dem Film wurde häufig vorgeworfen, er würde den Drogenkonsum glorifizieren. Zu positiv darstellen. Diese Kritik kann ich nicht nachvollziehen. Ich kenne kaum einen Film, der die Auswirkungen der Sucht abstoßender darstellt als „Trainspotting“. Natürlich hört der Zuschauer aus dem Off, wie toll es ist auf Heroin zu sein. Natürlich wird man durch die audiovisuelle Gestaltung in andere Sphären getragen. Man erlebt den Film schließlich durch die Augen von Renton. Doch genauso lebt man den kalten Entzug. Die Schmach. Die Hoffnungslosigkeit. Den Identitätsverlust. Angst. Paranoia. Tod.

Die Kunst des Films ist ja gerade, dass Drogen nicht verteufelt werden. Dass man nicht von Anfang an die negativen Auswirkungen sieht. Könnte man sich sonst mit den Figuren identifizieren? Könnte man sonst nachvollziehen, was die Faszination ausmacht? Gerade die Verbindung von abgedrehtem Humor und grausamsten Bildern, die einem das Lachen im Hals stecken lassen, ist die Stärke des Films. Dadurch werden die kaputten Charaktere sympathisch und liebenswert. Man interessiert sich für sie und bekommt die Konsequenzen ihres Handelns umso unmittelbarer zu spüren.

Danny Boyle hat mit „Trainspotting“ ein kleines Meisterwerk geschaffen. Unbequem, hart und doch unterhaltsam. Eine Gradwanderung. Für die Beteiligten und den Zuschauer. Zudem spielt Ewan McGregor hier die Rolle seines Lebens. Ganz groß. Für mich einer der stärksten Filme der 90er: 9/10 Punkte.

Wo ist Fred?

Gestern habe ich in unserem kleinen Kino die deutsche Komödie „Wo ist Fred?“ gesehen. Deutsche Komödie. Deutsche Komödie mit Til Schweiger. Noch vor einigen Jahren hätten bei mir jetzt alle Alarmglocken geschrillt. Doch die Post-„Der bewegte Mann“-Ära ist lange vorbei und die Geschichte hat in meinen Ohren sehr interessant geklungen. Ich war also guter Dinge, habe aber dennoch nicht solch einen superlustigen Film erwartet.

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Die von amerikanischen Drehbuchautoren geschriebene Geschichte hat im Vorfeld anscheinend für einigen Wirbel gesorgt. In den USA wollte niemand sich an das – angeblich – heikle Thema heranwagen. Umso besser! Ich möchte gar nicht wissen, was aus diesem Film geworden wäre, hätten z.B. die Farrellys das Drehbuch in die Hände bekommen. Dennoch verstehe ich die ganze Aufregung nicht: Wo ist das Problem? In dem Film wird nicht über Behinderte gelacht, sondern über das Verhalten ihrer Mitmenschen. Zudem finde ich es gut, dass nicht die Mitleidsschiene gefahren wird, so wie in den meisten Filmen über Behinderte. Ich habe während meiner Zivizeit viele Behinderte kennen gelernt und bin mir sicher, sie alle hätten sich bei „Wo ist Fred?“ köstlich amüsiert und sich in keinster Weise angegriffen gefühlt.

Die Geschichte ist simpel, steckt aber voller Witz und wirklich lustiger Einfälle. Zudem ist sie toll inszeniert und erstklassig besetzt. Ich habe gestern festgestellt, dass ich Til Schweiger eigentlich doch ganz gerne sehe, Jürgen Vogel selbst in Nebenrollen zur Hochform aufläuft, Christoph Maria Herbst vielseitiger ist, als ich dachte, und Alexandra Maria Lara einfach supersüß ist. Ergänzt werden die Kernschauspieler durch famose Nebendarsteller, die den Film erst lebendig machen. Sehr sympathisch.

Insgesamt bin ich besonders vom Humor des Films sehr angetan. Da trifft Slapstick auf Situationskomik und beides wird in eine klassiche Screwballkomödie eingebettet. Hat bei mir einen Nerv getroffen. Schön auch die eher versteckten Anspielungen: So hängt in Freds Wohung (Anmerkung: Fred bowlt gerne) ein Poster von „The Big Lebowsky“ oder bei der Erpressung des AKs (denkt mal alle an Mittermeier) läuft im Hintergrund „Das kleine Arschloch“. Solche subtilen Details füllen die Lücken in der Geschichte locker auf und machen einfach Spaß.

Schön fand ich auch die Musikuntermalung. Als dann im Abspann CHASING CARS von SNOW PATROL lief, war ich vollends zufrieden. Leider steht zu befürchten, dass der Film ziemlich untergeht – bzw. schon untergegangen ist. Ich empfehle deshalb jedem, der noch die Chance hat, den Film in einem vollen Kino zu sehen, diese Möglichkeit auch wahrzunehmen: 8/10 Punkte.

Liebe braucht keine Ferien – OT: The Holiday (2006)

Dieses Jahr haben wir uns entschlossen die Wartezeit auf den Jahreswechsel mit einem Kinobesuch zu verkürzen. Da bei einer größeren Truppe – besonders mit hohem Frauenanteil – nie mit einer leichten Einigung im Bezug auf die Filmwahl zu rechnen ist, wurden im Vorfeld diverse Möglichkeiten diskutiert. Mein Favorit „Apocalypto“ lief an Silvester nicht und für meinen zweiten Vorschlag – „Babel“ – ließ sich auch niemand begeistern. Letztendlich ist die Wahl mehrheitlich auf Nancy Meyers „Liebe braucht keine Ferien“ gefallen, deren „Was das Herz begehrt“ mir eigentlich ganz gut gefallen hat. Nach dem Film stand ich jedoch mit der Meinung, dass „Babel“ wohl die bessere Wahl gewesen wäre, nicht alleine da.

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Ich sehe mir ja eigentlich auch ganz gerne ruhigere Filme an. Auch für Hollywoodkino bin ich immer offen. Selbst Liebesfilme à la „Notting Hill“ haben bei mir einen Platz im cineastischen Herzen. Auch Kitsch und Klischees sind ab und an durchaus akzeptabel. Doch in „Liebe braucht keine Ferien“ kommt all das zusammen und ist in der Summe wirklich zu viel des Guten. Sicher hat der Film auch nette Szenen und die Sichtung hat nicht weh getan, doch wird das alles in billigen Klischees und übermäßigem Kitsch erstickt.

Selbst Kate Winslet, die ich für eine der echtesten Schauspielerinnen halte, verkommt hier zum wandelnden Klischee. Ihre Iris wird natürlich von der bösen Männerwelt ausgenutzt und sie kann nichts dagegen unternehmen, weil sie den bösen Jungen einfach so sehr liebt. Leider wird diese Geschichte äußerst plump erzählt, was die Figur häufig nur erbärmlich wirken lässt. Sehr schade. Auf der anderen Seite gibt es dann die Traumprinzen, die schon wieder so gut sind, dass man es fast nicht aushält: Alleinerziehend, gutaussehnd, aufoperungsvoll, Witwer. Der Stoff aus dem Frauenträume sind? Ich weiß es nicht, tippe aber eher darauf, dass Jude Law der Grund für die hingebungsvollen Seufzer war.

Die Handlung um Jack Blacks Figur und die Anspielungen auf Hollywood haben mir dann schon besser gefallen, auch wenn Black in „The Holiday“ zum zahmen Schoßhund verkommt. Richtig gelungen fand ich Dustin Hoffmans Cameo und auch Eli Wallachs Arthur Abbott hatte die Sympathien auf seiner Seite, wenngleich er der typische nette alte Mann war, wie er seit Ron Howards „Cocoon“ in jeder zweiten Komödie auftaucht. Ein weiteres Klischee in einem klischeehaften Film. Aber eines von den gelungeneren.

Insgesamt ist „Liebe braucht keine Ferien“ weichgespühltes Hollywoodkino, mit teils netter Atmosphäre und schönen Sets. Die Darsteller überzeugen und doch springt kein Funke über. Es fehlt jeglicher Biss und mangelt an Überraschungen. Das Ende war bereits nach 5 Minuten absehbar und selbst der Weg war einfach nur der Weg und nicht das Ziel.

Bei der Verwendung FROU FROUs LET GO wusste ich nicht, ob ich mich ärgern oder freuen soll. Insgesamt trifft das den Nagel ziemlich genau auf den Kopf. Der Film ist weder toll noch ein Ärgernis. Er ist einfach nur da – und das ist in meinen Augen zu wenig. Absoluter Durchschnitt: 5/10 Punkte.

Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia – OT: The Chronicles of Narnia: The Lion, the Witch and the Wardrobe (2005)

Aktualisierung: Ich habe „Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia“ am 11. Dezember 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem die Weihnachtstage wieder einmal viel zu schnell vorübergezogen sind, habe ich mir gestern Abend zum Abschluss „Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia“ angesehen. Der Film hatte mich bei der Sichtung im Kino ziemlich enttäuscht. Aufgrund einer – mehr oder weniger – geschickten Marketingkampagne wurde dem Zuschauer suggeriert, dass er von der C.W. Lewis-Verfilmung ein neues Fantasyepos à la „Der Herr der Ringe“ erwarten kann. Dem war nicht so. Trotzdem sind einige schöne Bilder hängen geblieben und aufgrund des Mangels an klassicher Fantasy, habe ich dem Film noch einmal eine Chance gegeben.

Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia (2005) | © Walt Disney

Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia (2005) | © Walt Disney

Aufgrund der angepassten Erwartungshaltung, konnte ich dem Film gestern viel mehr abgewinnen. Die erste Stunde – bis zum endgültigen Betreten von Narnia – fand ich im Kino schon ziemlich gelungen und auch gestern hat mir dieser Teil wieder am besten gefallen. Schön gespielt und inszeniert, mit einer tollen Atmosphäre. In Narnia selbst wirkt die Geschichte dann etwas zerfahren, was aber wohl an der Vorlage liegt. „Die Chroniken von Narnia“ sind eher Kinderbücher und somit wirkt auch die Verfilmung teils zu sehr auf Kinder zugeschnitten. Dies wäre an sich nicht schlimm, doch es beißt sich etwas mit der pompösen, epenhaften Inszenierung. Nicht Fisch und nicht Fleisch, wie man so schön sagt.

Ein weiterer Kritikpunkt sind für mich die Hauptfiguren. Sie sind – besonders für Kinder – viel zu stereotyp gezeichnet. Wirklich schade, da eine Identifikation somit nicht immer leicht fällt. Allein Lucy schafft es mich als Zuschauer auf ihre Seite zu ziehen und wird für mich somit zur einzigen echten Identifikationsfigur, was wahrlich kein Ruhmesblatt für den Film ist.

Der Film hat jedoch auch gute Seiten: Wunderbare Landschaftsbilder und teils grandiose Effekte. Aslan war – zumindest bis „King Kong“ – so ziemlich das beeindruckendste, was ich je auf der Leinwand gesehen habe. Ganz groß. Auch die Endschlacht weiß audiovisuell zu Punkten, wenngleich auch hier wieder die Diskrepanz zwischen kindgerechtem und erwachsenem Fantasyfilm vorherrscht. Die Geschichte schwächelt zwischen der starken ersten Stunde und der guten letzten halben Stunde zwar etwas, doch kann man – wenn man mit der richtigen Erwartungshaltung an „Die Chroniken von Narnia“ herangeht – durchaus seinen Spaß haben.

Fazit

Andrew Adamson schafft es zwar in keinster Weise an Peter Jacksons Meisterwerk heranzukommen – er muss sich selbst Ron Howards „Willow“ geschlagen geben – doch verbeitet sein Film eine schöne Fantasyatmosphäre und weiß audiovisuell größtenteils voll zu überzeugen. In einem so raren Genre ist das durchaus die eine oder andere Sichtung wert: 7/10 Punkte.

Der Polarexpress – OT: The Polar Express (2004)

Edelkitsch oder fantasievolles Weihnachtsmärchen? Robert Zemeckis „Der Polarexpress“ ist beides. Im Vorfeld hat der Film große Wellen aufgrund seiner neuartiger Technik – oder besser: aufgrund seines neuartigen Einsatzes bekannter Technik – geschlagen. Umgesetzt wurde damit allerdings nur ein Weihnachtsmärchen. Ein zutiefst amerikanisches Weihnachtsmärchen. Bunt, kitschig, mit etwas aufgesetzt wirkender Moral und dabei doch äußerst unterhaltsam.

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Es wird die Geschichte eines kleinen Jungen (Tom Hanks) erzählt, der am Weihnachtsmann zu zweifeln beginnt. Um ihm wieder den Glauben zu schenken, wird er im Polarexpress auf eine Reise zum Nordpol mitgenommen, wo er – wer hätte es gedacht – auf den Weihnachtsmann (Tom Hanks) trifft. Bis er dort ankommt, gilt es einige Abenteuer zu überstehen, bei denen ihm neue Freunde, ein Schaffner (Tom Hanks) und der sinnbildliche Geist der Weihnacht (Tom Hanks) zur Seite stehen. Viel mehr Geschichte steckt nicht im Film. Das Ende kommt dann genau so, wie man es seit den ersten paar Minuten erwartet hat und auch sonstige Überraschungen halten sich in Grenzen.

Was also macht den Film so wirklich sehenswert? Ganz klar: Die Optik. Audiovisuell ist der Film wirklich eine Wucht. Selten habe ich einen technisch so bemerkenswerten Film gesehen. In manchen Szenen – meist Totalen – kann man wirklich kaum unterscheiden, ob da nun CGI-Figuren oder echte Menschen spielen. Wirklich fantastisch. In den meisten Szenen offenbart der Film aber ganz deutlich seine Herkunft. Die Bewegungen sind zu flüssig und kleine Details im Bewegungsablauf fehlen einfach. Dennoch bin ich manchmal aus dem Staunen nicht mehr heraus gekommen. Allerdings hat dieser Umstand auch vom eigentlichen Film abgelenkt. Zu konzentriert war ich auf den technischen Aspekt.

„Der Polarexpress“ verbreitet zwar durchaus eine weihnachtliche Atmosphäre, doch ist diese so überstilisiert, dass es schwer fällt einen Bezug dazu herzustellen. Zudem ist der Junge eine Figur, die leider am emotionslosesten geraten ist, was die Identifikation wiederum erschwert. Geschichte und Emotionen gehen im bunten Lichtermeer einfach unter. Die letzten Szenen im Haus des Jungen haben es dann doch geschafft zu mir durchzudringen und mich an die Weihnachtsfeste meiner Kindheit denken lassen. Insofern ein versöhnlicher Abschluss.

Robert Zemeckis ist mit „Der Polarexpress“ eine technische Meisterleistung gelungen, bei der die Geschichte leider etwas untergeht. Der Film wird es somit wohl auch nie unter meine persönlichen Weihnachtsfilme schaffen, doch sehenswert ist die audiovisuelle Pracht allemal: 7/10 Punkte.

Ice Age 2: Jetzt taut’s – OT: Ice Age 2: The Meltdown

Aufgrund eines äußerst spontanen Videoabends, haben wir uns gestern auf vielfachen Wunsch „Ice Age 2: Jetzt taut’s“ angesehen. Die Sichtung im Kino scheint mir vor noch gar nicht so langer Zeit gewesen zu sein, doch das war auch schon wieder vor weit über einem halben Jahr. Vielleicht kommt dieser Eindruck auch daher, dass ich den ersten Teil noch zu gut im Kopf habe. Wie man es auch dreht und wendet, ich hatte wieder sehr viel Spaß mit den Eiszeitabenteurern.

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Die Geschichte ähnelt wieder sehr der des ersten Teils. Unsere Freunde sind auf einem Weg von A nach B und haben dabei allerlei Abenteuer und aberwitzige Situationen zu meistern. Der größte Pluspunkt ist hier deutlich der Wegfall der Menschen. Das bringt den Film meiner Meinung nach einen sehr großen Schritt nach vorne. Zudem sind die neuen Charaktere um Mammutdame Ellie ein wirklicher Mehrwert. Doch auch die bekannten Figuren – allen voran Faultier Sid – können ihre Charaktereigenschaften nun voll ausspielen, da keine Einführung ihrer Eigenheiten mehr nötig ist. Alles in allem verdient „Ice Age 2“ mit seiner Geschichte garantiert keine Auszeichnungen, doch wurden meiner Meinung nach die gröberen Fehler des ersten Teils vermieden und seine Stärken ausgebaut.

Technisch macht die Fortsetzung des Kinohits noch einmal einen großen Sprung nach vorne. Besonders die Fell- und Flüssigkeitssimulation kann überzeugen. Die neuen Tiere haben zudem ein tolles Charakterdesign und überhaupt wird die gesamte Eiszeitwelt durchdachter und einheitlicher gestaltet.

Neben allen bisher erwähnten Vorzügen, macht sich auch die erhöhte Präsenz der Eichhörnchenratte Scrat positiv bemerkbar. Insgesamt hat mir „Ice Age 2“ besser als sein Vorgänger gefallen, was eher selten vorkommt. Sicherlich wurden viele Änderungen vorgenommen, um dem Massengeschmack zu entsprechen (Scrat) und die Geschichte gewinnt keine Innovationspreise, doch solange das Endergebnis so unterhaltsam ist wie hier, soll es mir recht sein: 8/10 Punkte.