Daybreakers (2009)

Es gibt Filme, die eine fantastische Prämisse besitzen. So gelungen, dass ich sie stets am liebsten sofort sehen würde. Oft jedoch bleibt die Umsetzung der Grundidee dann leider hinter den Erwartungen zurück. Auch „Daybreakers“ der Spierig-Brüder ist solch ein Film, dessen Sichtung ich kaum abwarten konnte und der letztendlich weniger aus seiner Prämisse herausholte, als in meinen Augen möglich gewesen wäre.

Es ist die Zeit in der Vampire die Welt beherrschen. Die Menschheit ist bis auf ein paar wenige Überlebende ausgerottet bzw. verwandelt worden. Die Nahrung wird knapp und es ist an der Zeit neue Resourcen zu erschließen. Eine fantastische Ausgangssituation! Alleine die Beschreibung des Films zu lesen hatte meine Fantasie beflügelt. Der Einstieg ist auch wirklich gelungen. Man bekommt eine dystopische Welt zu sehen, in der sich Vampire so gut es geht durch ihr Leben Untotendasein schlagen. Eine große Hungersnot aufgrund immer knapper werdender Nahrungsmittel, sprich Menschen, wird angedeutet. Eine globale Krise, die inzwischen bis in die Großstädte vordringt. Davon hätte ich gerne mehr gesehen. Leider jedoch wird schon bald eine eher actionreichere Gangart eingeschlagen, welche die etwas ungelenk Handlung voranstolpern lässt.

Teils schien es mir als wären zwei unterschiedliche Filme zusammengeschnitten worden: Ein dystopischer Film noir, dessen kühle Charaktere existenzielle Fragen aufwerfen und mit sich und ihrem Schicksal hadern, und ein recht splattriger Actionfilm, der weit mehr auf Effekte, als auf Geschichte und Charaktere Wert legt. Hinzu kommt, dass sich die Wendungen mit dem Holzhammer ankündigen und so mancher Erzählfaden mehr schlecht als recht zu Ende geführt wird.

Mich haben beide Elemente von „Daybreakers“ ziemlich gut unterhalten. Die große Genrehoffnung ist der Film aber leider nicht. Dazu ist er zu unausgewogen inszeniert, die Charaktere sind zu schwach gezeichnet und die Geschichte bleibt in letzter Konsequenz zu oberflächlich. Dennoch möchte ich den Spierig-Brüdern ihren Innovationswillen zugute halten. Vampirfreunde abseits von „Twilight“ und Co. sollten auf jeden Fall einen Blick riskieren: 6/10 Punkte.

Contact (1997)

Es gibt Filmerlebnisse, die stammen aus einer Zeit als das Leben noch völlig undefiniert vor einem lag. Vielleicht wohnt ihnen deshalb eine besondere Art von Magie inne. Robert Zemeckis „Contact“ ist ein solches Filmerlebnis. Inzwischen schon unzählige Male gesehen und immer wieder großartig. Ein Film aus einer Zeit der schier unendlichen Möglichkeiten und unbegrenzten Hoffnungen. Ein Ausflug zurück in eine Welt, aus der man schon längst aufgebrochen ist.

Auch abseits der rein persönlichen Assoziationen wohnt dem Film ein Wendepunkt inne. „Contact“ ist einer der letzten klassichen Filme von Robert Zemeckis, einem der großen Regisseure (u.a. „Zurück in die Zukunft“ und „Forrest Gump“) des Unterhaltungskinos. Seit „Cast Away“ hat er sich leider komplett darauf eingeschossen seine Geschichten mittels CGI und Performance Capture zu erzählen, was für mich einen großen Verlust für die Filmwelt darstellt. Doch zurück zu dem Film, der meine Liebe zu ernsthafter Science-Fiction weckte und den ich seit der ersten Sichtung zu meinen Lieblingsfilmen zähle.

„Contact“ funktioniert wunderbar auf zwei Ebenen. Einerseits als klassischer Wissenschaftsthriller mit Forschungsszenen, mysteriösen Entdeckungen sowie einer sympathisch-nerdigen Identifikationsfigur, und andererseits als groß angelegtes Spielfeld auf dem die Frage nach einer höheren Macht aufgeworfen sowie der ewige Kampf zwischen Glaube und Wissenschaft ausgetragen wird. All dies wird verpackt in einen mitreißend inszenierten Unterhaltungsfilm, der trotz seiner beinahe zweieinhalbstündigen Laufzeit zu keiner Sekunde langweilig wird.

Ich weiß noch genau, wie damals im Freundeskreis über den eigentlichen Kontakt diskutiert wurde. Besonders häufig ist die Beschreibung „2001: Odyssee im Weltraum“ light gefallen, was eigentlich auch recht treffend ist. Ich für meinen Teil war einerseits etwas enttäuscht und andererseits auch wirklich bewegt davon. Mit jeder weiteren Sichtung haben mir die Szenen des Kontakts allerdings besser gefallen. Man darf eben nicht unterschätzen, dass der Film bis dahin eine enorme Erwartungshaltung aufbaut, die zu erreichen bzw. zu übertreffen nahezu unmöglich ist. Heute jedoch könnte ich mir keinen besseren Weg vorstellen, wie man den Kontakt hätte darstellen können. Eine perfekte Leistung von Robert Zemeckis, Carl Sagan und Jodie Foster.

„Contact“ ist für mich einer dieser Filme, die ich mir immer wieder anschauen kann. Großartige Unterhaltung, die immer wieder zum Nachdenken anregt und dabei jedoch nicht übermäßig verkopft wirkt. Hinzu kommt eine perfekte Inszenierung, fantastische Schauspieler und ein wunderschöner Score. Jedem Fan des Films kann ich übrigens die Blu-ray nur ans Herz legen, die zwar mit ganz neuen Produktionen nicht mithalten kann, den Film jedoch besser aussehen lässt als jemals zuvor. Meine unbedingte und zwingende Sehempfehlung: 10/10 Punkte. Kennt eigentlich jemand Carl Sagans Romanvorlage und mag ein paar Worte dazu verlieren?

Prädikat: Lieblingsfilm

Predators (2010)

Nachdem ich die Kinoauswertung verpasst hatte, war heute endlich der richtige Tag mich an Nimród Antals „Predators“ heranzuwagen. Auch wenn ich dem Franchise nicht so viel abgewinnen kann wie der „Alien“-Reihe, so weiß ich die ersten beiden Auftritte dieser Sci-Fi-Ikonen dennoch zu schätzen. Insofern war ich äußerst gespannt, inwieweit Produzent Robert Rodriguez der Reihe seinen Stempel aufzudrücken vermochte.

Meine Erwartungen waren trotz Vorfreude nicht sonderlich hoch, was unter anderem auch mit dem letzten offiziellen Auftritt der Predatoren im miserablen „Aliens vs. Predator: Requiem“ zusammenhängt. Seit dem ikonografischen Original mit Arnold Schwarzenegger waren immerhin bereits 23 Jahre vergangen und wie mau Anbiederungen an das 80er Jahre Actionkino ausfallen können, durfte ich ja erst vor knapp zwei Wochen mit Sylvester Stallones „The Expendables“ bewundern. Was also hat das (Beinahe-)Remake letztendlich zu bieten?

Zunächst einmal ist mir der herrlich altmodische Score aufgefallen, der tatsächlich sowohl an den Erstling als auch an „Alien“ erinnert. Sehr gelungen. Die Einführung der Charaktere fand ich auch schön, wenngleich man es – wie sollte es anders sein? – nur mit Abziehbildern zu tun hat. Der Cast (u.a. Danny Trejo und Laurence Fishburne in Nebenrollen) ist zwar brauchbar, doch sind die männlichen Hauptrollen mit Adrien Brody und Topher Grace (Eric Foreman, „That ’70s Show“) eher fragwürdig besetzt. Besonders Brody nimmt man den abgebrühten Söldner leider nicht wirklich ab.

Auf der positiven Seite gibt es blutige Kämpfe (der Schwertkampf ist wahrlich toll anzusehen), herrliche Landschaftsaufnahmen und etliche Auftritte der fiesen Predatoren zu vermerken. Negative Aspekte sind dagegen die äußerst sprunghafte Charakterentwicklung, welche besonders gegen Ende unsäglich aufgesetzt wirkt sowie einige Längen im Mittelteil. Doch insgesamt überwiegen glücklicherweise die sehenswerten Elemente mit teils schönen Reminiszenzen an das Schwarzenegger-Vehikel von 1987.

Hardcore-Fans des Franchise werden bestimmt über den Film jammern, doch mir hat er überraschend gut gefallen. Natürlich darf man nicht zuviel erwarten, doch wer nur 107 Minuten harte Sci-Fi-Action mit bekannten Monstern sucht, der sollte auf jeden Fall einmal reinschauen. Kein ganz großer Wurf, doch trotz seiner Mankos durchaus sehenswertes Genrekino und somit gibt es knappe 7/10 Punkte.

Cargo (2009)

Nachdem mich Christian Alverts atmosphärischer Sci-Fi-Schocker „Pandorum“ erst kürzlich nahezu vollends zu überzeugen wusste, haben mir C4rter und Lars den den schweizer Genrefilm „Cargo“ ans Herz gelegt. Die mit 5 Mio. CHF (ca. 3,8 Mio. Euro) relativ günstige Produktion hatte aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte sowieso schon mein Interesse geweckt, jedoch hatte ich stets Angst nur einen etwas größeren Amateurfilm zu sehen zu bekommen.

Die Angst war glücklicherweise weitgehend unbegründet. Dennoch stellt sich mir nun natürlich die Frage, nach welchen Maßstäben „Cargo“ am besten zu bewerten ist. Sollte man seine Entstehungsgeschichte berücksichtigen oder ihn direkt mit seinen Genrekollegen vergleichen? Ich habe mich für letztere Möglichkeit entschieden, denn dies dürfte weitgehend unverfälscht zeigen, welches Potential doch in diesem kleinen Film steckt. So oder so sollte man sich als Filminteressierter mit der 9-jährigen Entstehungsgeschichte des Films auseinandersetzen. Es lohnt sich.

Der Film beginnt mit einer äußerst beeindruckenden CGI-Sequenz, welche uns eine gigantische Raumstation zeigt. Überhaupt kann man den Effekten nichts ankreiden. Sie unterstützen allesamt die Geschichte und zeigen uns teils beeindruckende Welten. Besonders der Frachtraum ist hier als besonders gelungen hervorzuheben. Überhaupt merkt man dem Film an, dass sich viele Gedanken um das Produktionsdesign gemacht wurden. Die stärksten Elemente erinnern hier an Filme, wie „Blade Runner“ oder „Alien“ – bei manchen Sets fällt das knappe Budget dann allerdings doch leider negativ auf.

Die Geschichte des Films erinnert anfangs, wie man auch überall liest, an Ridley Scotts Sci-Fi-Klassiker „Alien“, ohne jedoch auch nur zu irgendeinem Zeitpunkt dessen Intensität zu erreichen. Gegen Ende des Films werden dagegen Erinnerungen an „Matrix“ wach, was eine nette Wendung darstellt, insgesamt aber zu unaufregend erzählt wird. Hier sehe ich auch das große Manko des Films: Die Geschichte ist für sich genommen recht nett und hat durchaus Potential, doch das – um es neudeutsch auszudrücken – lahme Pacing des Films will oft nicht so recht funktionieren. Es fehlt an Geschwindigkeitswechseln und dramatischen Szenen. Der Film wirkt zu sehr, als würde er auf Schienen laufen.

Trotz meiner Kritikpunkte sollten sich Sci-Fi-Freunde „Cargo“ durchaus einmal ansehen. Die Mischung aus Big Budget Bildern und recht deutsch bzw. schweizerisch wirkendem Kammerspiel hat man so auf jeden Fall noch nie gesehen. An seine Vorbilder kommt der Film natürlich nicht heran, doch das was er erreicht, muss man erst einmal nachmachen. Interessant, anders und für Genrefans auf jeden Fall sehenswert: 6/10 Punkte.

Avatar: Aufbruch nach Pandora – Extended Collector’s Cut (2009) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Avatar: Aufbruch nach Pandora“ am 22. November 2022 zum dritten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Kaum zu glauben, dass seit der Kinosichtung schon weit über ein Jahr vergangen ist. Inzwischen weiß man, welchen Stellenwert „Avatar“ in der Filmgeschichte einnehmen wird. Zeit also, sich noch einmal ausführlich mit James Camerons Sci-Fi-Epos zu beschäftigen. Gesehen habe ich dieses Mal den sogenannten Extended Collector’s Cut, welcher den Film um eine alternative Anfangsszene sowie alle Szenen der Special Edition ergänzt.

Avatar: Aufbruch nach Pandora (2009) | © 20th Century Studios

Avatar: Aufbruch nach Pandora (2009) | © 20th Century Studios

Als ich den Film damals in der ersten Aufführungswoche im Kino sah, war noch nicht abzusehen welchen durchschlagenden Erfolg James Cameron abermals an den Kinokassen dieser Welt haben würde. Ehrlich gesagt hätte ich auch nicht vermutet, dass die breite Masse so stark auf diese doch sehr sci-fi-lastige Geschichte anspringt. Für mich war jedoch bereits damals klar, dass es Cameron erneut geschafft hat unseren Wahrnehmungshorizont für visuelle Effekte zu erweitern. Hinzu kommt der erstmals vollkommen überzeugende Einsatz von 3D, welcher selbst mich als Skeptiker zu überzeugen wusste. So sehr sogar, dass ich die zusätzliche Ebene bei der gestrigen Sichtung beinahe etwas vermisst habe.

Natürlich hat der große Erfolg des Films auch unzählige Kritiker auf den Plan gerufen. Vermutlich muss man als ernstzunehmender Cineast immer etwas gegen den Strom schwimmen. Mir selbst ist auch durchaus bewusst, dass die Geschichte keinen Originalitätspreis gewinnt, doch mit wieviel Liebe zum Detail – auch inhaltlich – sie umgesetzt wurde, wird leider viel zu oft ignoriert. Die Grundthemen (Arroganz durch technischer Überlegenheit, Ignoranz gegenüber der Natur) wurden von Cameron ja bereits in den meisten seiner anderen Filme mal mehr („The Abyss“ und „Aliens“), mal weniger plakativ (u.a. „Terminator“ und „Titanic“) behandelt. Ob man den Film nun als Ethno- bzw. Ökokitsch wahrnimmt oder ihm auch eine inhaltliche Relevanz für unsere heutige Gesellschaft einräumt, hängt wohl mit dem Grad an Zynismus zusammen, mit dem man selbst seiner Umwelt begegnet.

Mir hat der Film bei der gestrigen Sichtung erneut sehr viel Freude bereitet. Die Geschichte ist mitreißend erzählt, die Figuren gut geschrieben und die audiovisuellen Aspekte über jeden Zweifel erhaben. Pandora atmet und lebt – und ich freue mich jetzt schon darauf, mich etwas mehr mit der Entstehungsgeschichte des Films zu befassen. Mal sehen, ob ich während meines Urlaubs ein paar Stündchen dafür herausschinden kann. Zum Thema Fassungen sei gesagt, dass der Extended Collector’s Cut ein paar nette, aber nicht zwingend nötige Erweiterungen enthält. Ich für meinen Teil bin auf jeden Fall gerne etwas länger auf Pandora verweilt.

Auch wenn „Avatar“ als erfolgreichster Film in die Geschichte des Kinos eingegangen ist, so sehe ich in ihm immer noch den indirekten Nachfolger von „The Abyss“ oder „Aliens“ – eben ein weiterer Film von unserem James Cameron (jetzt einmal als Genrefreund gesprochen). Auf die Fortsetzungen freue ich mich schon sehr, zumal ich bei Cameron alles erwarte, nur keinen Stillstand. Zu meinen Lieblingsfilmen möchte ich „Avatar“ zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zählen, doch viel fehlt nicht mehr: 10/10 Punkte.

Independence Day (1996)

Aktualisierung: Ich habe „Independence Day“ am 15. Februar 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht. Gestern Abend habe ich wieder einmal einen Film gesehen, bei dessen Sichtung ich feststellen musste, wie alt ich inzwischen bin. Kaum zu glauben, dass seit dem wunderbaren Kinoerlebnis „Independence Day“ bereits 15 Jahre vergangen sind. Mein halbes Leben. Gefühlt habe ich Roland Emmerichs Zerstörungsorgie allerdings erst vor ein paar Wochen gesehen, was auch daran liegen mag, dass dies einer der wenigen Filme ist, die ich damals als VHS-Kassette besaß.
Independence Day (1996) | © 20th Century Fox Home Entertainment

Independence Day (1996) | © 20th Century Fox Home Entertainment

Tatsächlich liegt meine letzte Sichtung von „Independence Day“ inzwischen bestimmt schon 10 Jahre zurück. Die meisten Szenen waren mir allerdings auch gestern noch lebhaft in Erinnerung. Insgesamt muss ich sagen, dass der Film erstaunlich gut gealtert ist. Sicher sind die Effekte nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit und wohl kein heutiger Erstzuschauer wird mit der gleichen Faszination vor dem Bildschirm sitzen, mit der wir damals aus dem Kino kamen. Doch den meisten dürften die ikonografischen Bilder ohnehin bekannt sein, die nicht ohne Grund ihren Weg in die Popkultur gefunden haben. Lässt man die auch heute noch beeindruckenden Effekte außer acht, so bleibt nur ein laues Lüftchen von einer Geschichte übrig, die mit eindimensionalen Charakteren bevölkert ist. Früher hat mich das nicht sonderlich gestört und ich fand sowohl Will Smiths Captain Steven Hiller, als auch Bill Pullmans President Whitmore ziemlich lässig. Heute allerdings besitzt einzig Jeff Goldblums Figur noch ein wenig Unterhaltungswert. Leider typisch für Roland Emmerichs Filme, doch im Gegensatz zu „The Day After Tomorrow“ und „2012“ bietet „Independence Day“ wenigstens ein brauchbares Sci-Fi-Setting.

Fazit

Wie bei anderen Filmen aus meiner Jugend hat natürlich auch „Independence Day“ bei mir einen gewissen Nostalgie-Bonus. Dennoch sind die Schwächen in der Handlung und Charakterzeichnung einfach nicht zu ignorieren. Auch wenn ich den Film heute wohl nicht mehr so häufig sehen würde, so hat er mich bei der gestrigen Sichtung jedoch ziemlich gut unterhalten. Wahrlich kein Genre-Klassiker, doch für mich ein prägender Film aus einer Zeit, in der man noch leichter zu begeistern war: 7/10 Punkte.

Pandorum (2009)

Was für eine Wundertüte von einem Film! Da erwartete ich mir wirklich nicht viel, doch dann bot „Pandorum“ genau die Art von Unterhaltung, wie ich sie im Kino viel zu lange vermisst habe. Christian Alverts atmosphärischer Sci-Fi-Horror ist dabei kein großes Kino (und will es auch nicht sein), bedient aber Genrefreunde so gut, wie kaum ein zweiter Film der letzten Jahre.

Als Freund von Filmen, die auf Raumschiffen spielen, hatte man in den letzten Jahren wahrlich keine große Auswahl. Sollten diese Raumschiffe dann noch Schauplatz eines Horrorszenarios sein, so kann man die Filme an einer Hand abzählen: Viel mehr als die „Alien“-Reihe und „Event Horizon“ hat dieses Subgenre leider nicht zu bieten. Für mich unverständlich, denn was gibt es unheimlicheres, als verlassene Raumschiffe mit irgendeiner mysteriösen Bedrohung in der unendlichen Einsamkeit des Weltalls?

Natürlich bin ich mir durchaus bewusst, dass dieses Subgenre auf ein sehr spezielles Publikum zielt und deshalb freut es mich umso mehr, dass Alverts Film sich auch voll und ganz auf seine Zielgruppe einlässt, ohne zu versuchen den Rest der Zuschauer auch noch irgendwie mitzunehmen. Hier gibt es wirklich alles, was das Herz von uns Genrefans höher schlagen lässt: Von psychologischem Horror, über klassische Geisterhaus-Atmosphäre bis hin zu Monsteraction mit hohem Splatterfaktor. Das alles vor dem Hintergrund einer epischen Sci-Fi-Geschichte, welche mit sehr persönlichen Schicksalen verknüpft ist. Wie gesagt, eine wahre Wundertüte von einem Film.

Manchmal übertreibt es der Film ein wenig mit der Ausschöpfung der Genrekonventionen. Da gibt es plötzlich Kampfszenen, die an Martial Arts erinnern und manche Figuren wirken auch etwas deplatziert. Doch alles in allem bleibt die Atmosphäre schön dicht und die Geschichte ist mitreißend und unkonventionell genug, um aus dem Film mehr als nur eine Ansammlung von Versatzstücken zu machen. Zudem hat Alvert das Ende wirklich schön hinbekommen und ich finde es sehr schade, dass die ursprünglich geplante Trilogie wohl nicht umgesetzt wird.

Wer schon immer einmal wissen wollte, wie sich „The Descent“ im Weltall anfühlt oder wie wohl ein Spin-off der Serie „Firefly“ bzw. „Serenity“ ausgesehen hätte, das die Reaver ins Zentrum der Handlung stellt, der dürfte ziemlich viel Spaß mit „Pandorum“ haben. Auch allen anderen Genrefreunden – und wirklich auch nur diesen – kann ich den Film nur wärmstens ans Herz legen: 8/10 Punkte.

Alien: Die Wiedergeburt – OT: Alien: Resurrection – Special Edition (1997)

Der bislang leider letzte Teil der „Alien“-Saga ist auch der einzige, den ich im Kino gesehen habe. Jean-Pierre Jeunets „Alien: Die Wiedergeburt“ wurde bereits damals sehr kritisch aufgenommen und ich weiß noch genau, dass sich die meisten meiner Freunde einer Sichtung verweigert hatten. Der harte Kern, der den Kinobesuch wagte, war jedoch begeistert und ich erinnere mich noch an den Spaß, den ich bereits damals mit dem Film hatte.

Wenn man bedenkt, dass bereits David Finchers „Alien 3“ zu kämpfen hatte, die Gunst der Fans zu erlangen, so ist es nicht erstaunlich, dass auch Jeunets „Alien: Resurrection“ bis heute nicht so richtig akzeptiert worden ist. War der direkte Vorgänger ein düsteres und beinahe schon existenzielles Drama, so wurde mit dem vierten Teil der Reihe eine hundertprozentige Kehrtwendung vollzogen und aus dem düsteren Sci-Fi-Horror wurde eine bunte und beinahe schon comichafte Groteske.

Anfangs fiel es mir schwer zu akzeptieren, dass Rilpey nun nur noch ein Klon war und man Weyland-Yutani durch eine gesichtslose Militärorganisation ersetzt hatte. Doch dieser Eindruck währte selbst bei der Erstsichtung nur einen kurzen Moment, denn bevor man sich groß Gedanken machen kann, prescht der Film mit herrlich absurden Ideen vorwärts, die mich als Zuschauer beständig zwischen Lachen und Entsetzen pendeln ließen. Heute weiß ich, wem die gelungenen Aspekte des Films zu verdanken sind und für welchen Serienmeilenstein „Alien: Resurrection“ letztendlich die Grundlage war: Man hatte Joss Whedon für das Drehbuch engagiert, der die Geschichte um eine bunt zusammengewürfelte Crew von Schmugglern herum gestaltete, die nicht nur zufällig an eine nur allzu bekannte Besatzung eines Schiffs der Firefly-Klasse erinnert.

Ich weiß nicht, wie sehr letztendlich an Whedons Drehbuch herumgedoktert wurde, doch man erkennt eindeutig seinen Stil. Besonders Ron Perlmans Johner scheint wie der verlorene Zwillingsbruder von Adam Balwins Jayne und auch die Betty könnte das Zwillingsschiff der Serenity sein. Leider lassen die Dialoge den typischen Whedon-Witz nur erahnen und auch die Handlung des Films könnte ausgewogener und stringenter sein. Jean-Pierre Jeunets visuell brachiale Inszenierung schafft es jedoch inhaltliche Schwächen geschickt zu überspielen – und Ideen hat der Film ohnehin en masse zu bieten. Ob man diese nun gelungen findet oder nicht, ist eben Geschmackssache.

Für mich ist „Alien: Resurrection“ ein absolut sehenswerter Film in einer von mir sehr geschätzten Reihe. Vermutlich gerade weil er nicht versucht die Erfolgsformel der Vorgänger zu kopieren. Neben groteskem Humor, bietet er auch einige verstörende Szenen (z.B. Klone 1-7 und insbesondere das Alien-Baby), welche durchaus Diskussionspotential bieten – und soweit ich mich entsinne auch tatsächlich geboten haben. Ein seltsamer Abschluss, den man jedoch nicht vorschnell verurteilen sollte: 8/10 Punkte.

Alien 3 – OT: Alien³ – Special Edition (1992)

Eigentlich müsste ich für David Finchers „Alien 3“ zwei Einträge schreiben. Einen, der den Film verreißt und sein ungenutztes Potential anprangert, und einen weiteren, der die wunderbar düstere Inszenierung des Films lobt sowie die seltsame Wirkung, die er auf mich als Zuschauer hat, herausstellt. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen und ich möchte versuchen, die ambivalente Wirkung des Films im Folgenden entsprechend darzustellen.

Jedes Mal, wenn ich „Alien 3“ sehe, muss ich mich erst einmal aufregen. Warum nur hat man diesen Weg gewählt? In „Aliens“ aufwändig eingeführte Charaktere werden einfach so wieder aus der Geschichte herausgeschrieben. Was hätte es da für Möglichkeiten gegeben. Die Abenteuer von Ripley, Newt und Hicks – aber nein, statt dessen gibt es seltsame Mönche und ein Hunde- bzw. Kuh-Alien. Ich verstehe wirklich nicht, wie man sich nur für diesen Drehbuchentwurf entscheiden konnte. Bei „Alien 3“ mag ja durchaus einiges funktionieren, das Drehbuch gehört leider nicht dazu.

Ich höre nun viele Fans aufschreien, die dem Film eine ähnliche Dichte zuschreiben, wie Ridley Scotts grandiosem Ursprung der Reihe. Doch mal ehrlich: Die Geschichte ist nichts weiter als eine lauwarme Kopie des klaustrophobischen Klassikers und auch wenn Fincher alle Register zieht, so bleibt die Spannung hier teils einfach auf der Strecke. Dieser seltsame Gefangenenorden mit seinen bedeutungsschwangeren Reden und pseudoreligiösen Anspielungen will einfach nicht so recht ins Alien-Universum passen. Da reißt auch der überinszenierte Weyland-Yutani-Auftritt am Ende des Films nichts mehr.

Trotz meiner durchaus massiven Kritikpunkte liebe ich den Film auf besondere Art und Weise. David Fincher hat das durchschnittliche Drehbuch genommen und famos atmosphärische Bilder geschaffen, welche die allgegenwärtige Finsternis direkt ins Herz der Zuschauer projizieren. Besonders Ripleys neuer Look hat etwas Ikonographisches an sich und wird wohl stets mit der Filmreihe verbunden werden. Überhaupt fand ich Sigourney Weavers Spiel grandios. Ihr gelingt es perfekt die neue Ausgangslage in spürbare Verzweiflung und Entschlossenheit umzusetzen. Die letzte halbe Stunde des Films ist – nach einigen Längen – auch endlich Spannungskino vom Feinsten: Die Jagd des Aliens durch die Gänge samt subjektiver Kameraperspektive ist einfach überwältigend.

Wenn man über „Alien 3“ schreibt, so muss man zwangsläufig die unterschiedlichen Schnittfassungen erwähnen. Ich habe gestern zum zweiten Mal die sogannte Special Edition gesehen, welche eigentlich einen auf Hochglanz polierten Workprint darstellt. Es ist nicht der ominöse Director’s Cut, da das Kapitel „Alien 3“ für David Fincher endgültig abgeschlossen ist. Ich für meinen Teil denke jedoch, dass auch ein solcher nicht viel mehr aus dem Film hätte herausholen können. Dazu sind die Schwächen einfach zu sehr im Drehbuch begründet.

Die erweiterte Fassung ist durchaus sehenswert und transportiert noch mehr von der beinahe schon zu düsteren Atmosphäre. Man lernt die Charaktere besser kennen, wodurch sie nicht mehr zu reinem Alienfutter verkommen. Einer der größten neuen Handlungsblöcke – die Gefangennahme des Aliens – ist allerdings ziemlich redundant zur finalen Falle und fügt der Geschichte keine wirklich neuen Aspekte hinzu. In meinen Augen ist keine Fassung der anderen wirklich überlegen. Für Fans lohnt sich ein Blick auf die erweiterte Fassung dennoch auf jeden Fall. Für alle anderen ist es eben wie Hund oder Kuh – und ja, ich finde das sollte als reguläres Sprichwort anerkannt werden.

Wie man es auch dreht und wendet, „Alien 3“ ist eine kleine Enttäuschung. Die nun folgende Bewertung ist, objektiv betrachtet, bestimmt zu gut für den Film, doch für mich gehört er inzwischen einfach zu der Reihe und wenn ein Film es schafft, dass ich bei jeder Sichtung mit mir selbst ringe und zwischen Verzweiflung und Begeisterung schwanke, dann hat er auf jeden Fall einiges richtig gemacht. Eine filmische Hassliebe, die ich über die Jahre lieben gelernt habe: 8/10 Punkte.

Aliens: Die Rückkehr – Special Edition (1986)

Ein beliebter Streitpunkt unter Filmfreunden ist, welcher der beiden ersten Filme der „Alien“-Reihe denn besser ist: Ridley Scotts klaustrophobischer Horrorthriller oder James Camerons düsteres Actionabenteuer. Früher ging bei mir die Tendenz oft eher Richtung „Aliens: Die Rückkehr“, da der Film mehr Monster, coolere Sprüche und die bombastischere Action bot. Heute jedoch weiß ich, dass beide Filme für ihr Genre bahnbrechend sind.

Wie bereits angedeutet, schlägt „Aliens“ eine andere Richtung ein als sein Vorgänger. Es wäre vermutlich leicht gewesen, die bekannte Geschichte minimal abgeändert noch einmal durchzuspielen. James Cameron hat jedoch glücklicherweise einen anderen, eigenständigen Weg gewählt und das bisher eingeführte Universum rund um Weyland-Yutani und LV-426 wunderbar erweitert. Der Charakter der Hauptfigur Ellen Ripley erfährt eine konsequente Weiterentwicklung und auch die Aliens werden mit neuen Facetten ausgestattet. Vor allem jedoch wird die Handlung actionbetonter, ohne jedoch die dichte Atmosphäre zu vernachlässigen.

Gesehen habe ich erneut die Special Edition des Films, welche sinnvolle und teils enorm spannende Handlungserweiterungen beinhaltet. Auch wenn Cameron nicht das Label Director’s Cut verwendet, so darf man – wenn man diversen Interviews Glauben schenken mag und wie auch bei der Special Edition von „The Abyss“ – von der Wunschfassung des Regisseurs ausgehen. Die gut zweieinhalb Stunden vergehen tatsächlich auch wie im Flug, wenngleich der Spannungsaufbau über eine Stunde beansprucht und es erst im Anschluss zur ersten Konfrontation mit den Aliens kommt. Wirklich bemerkenswert und beinahe schon ein Lehrstück in Sachen Filmstruktur.

Man liest oft, dass Camerons Drehbuch im Vergleich zum Original Schwächen in der Charakterzeichnung aufweist und man die Aliens zu lange und zu oft zu Gesicht bekommt, was der Spannung abträglich ist. Ich persönlich kann diesen Kritikpunkten nur vehement widersprechen, denn für das Genre sind die Charaktere wirklich wunderbar ausgearbeitet. Besonders die angedeutete Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Ripley und Newt gibt dem Film ein emotionales Grundgerüst, welches für einen Actionfilm außergewöhnlich tief geht. Und die Aliens? Außer der Königin im Showdown gibt es auch nicht viel mehr Alien zu sehen, als in Scotts Version. Durch den Schnitt und die voranpeitschende Handlung wirkt es aber so, als wären beständig ein Dutzend Aliens im Bild. Grandios!

Wie bereits in „Alien“ gibt es auch im Nachfolger unzählige Szenen, welche sich nicht mehr aus dem kollektiven Filmbewusstsein wegdenken lassen. Alleine der Endkampf zwischen Laderoboter-Ripley und der Königin ist epochales Actionkino. Kaum zu glauben, dass der Film in seiner ursprünglichen Fassung bereits 24 Jahre auf dem Buckel hat. Auch hier kann ich wieder nur die aktuelle Blu-ray empfehlen. Bisher war die Bildqualität von „Aliens“ ja immer eher bescheiden, doch jetzt wirkt der Film tatsächlich so, als wäre er erst gestern gedreht worden. Ein absoluter Pflichtkauf für jeden Fan.

Für mich steht „Aliens“ seinem Vorgänger in nahezu nichts nach. Objektiv betrachtet ist Scotts Film bestimmt der wichtigere – schon alleine aufgrund der natürlichen Innovativität des Erstlings. Man darf aber nicht vergessen, dass Cameron aus der vorhandenen Ausgangssituation nicht nur das maximale herausgeholt hat, sondern dem Franchise seinen ganz persönlichen Stempel aufdrücken konnte. Für mich wohl eine der besten Fortsetzungen überhaupt und zu Recht auf Augenhöhe mit dem Vorgänger: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm