Braveheart (1995)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 20. Dezember 2009 veröffentlicht.

Früher hatte ich noch öfter die Zeit mir Filme mehrfach anzuschauen. Aus dieser Ära stammen auch meine Erinnerungen an Mel Gibsons „Braveheart“. Besonders eine Sichtung – ich glaube sogar, es war die erste – ist mir heute noch sehr präsent: Eine Videonacht mit unzähligen Filmen – u.a. „Jurassic Park“, „Sieben“ und eben „Braveheart“. Ich weiß noch ganz genau wie mich das Ende damals mitgenommen hat. Da sitzt man dann mit 16 Jahren in einem Haufen von anderen Jungs – die größtenteils sowieso schon gepennt haben – und muss heftigst ein paar Tränen wegdrücken, weil man sich ja keine Blöße geben kann. Nach dieser Sichtung sind bis zum Ende der Schulzeit noch etliche weitere hinzugekommen. Dann war es irgendwann vorbei mit der vielen Freizeit und den Wiederholungssichtungen (nicht nur von „Braveheart“) – bis ich heute den Film das erste Mal seit mindestens fünf Jahren gesehen habe.

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Anfangs hatte ich etwas Angst, dass der Film im Vergleich zu der Version in meiner Erinnerung an Wirkung einbüßen könnte. Glücklicherweise hat sich diese Angst als unberechtigt herausgestellt. Es gab unzählige Szenen und Momente, die ich noch genau im Kopf hatte: Als Wallace nach dem Mord an seiner Frau in die Stadt reitet, die berühmte Rede vor der großen Schlacht und – ganz im Speziellen – das ergreifende Ende. Ich konnte mich hier teils wirklich an jede noch so kleine Geste erinnern. Erstaunlich. Besonders, da trotz dieser genauen Kenntnis keine Langweile aufgekommen ist und mich der Film noch genauso mitreißen konnte wie bei den ersten Sichtungen.

Herausragend bei „Braveheart“ sind natürlich die Schlachtszenen. Der Film war damals das Brutalste, was ich bis dato gesehen hatte. Auch heute noch wirken manche Szenen ungewohnt roh, was wohl vor allem daran liegt, dass hier kaum mit Verfremdung gearbeitet wurde. Anders als z.B. in „Gladiator“ oder „Der Soldat James Ryan“ hat man hier noch nicht übertrieben am Shutter-Speed gedreht. Das Resultat sind – trotz viel Handkamera-Einsatz – wesentlich übersichtlichere Kampfszenen, die – zumindest im klassischen Sinn – auch filmischer, weil weniger hektisch wirken.

Schauspielerisch kann Mel Gibsons Epos auch voll und ganz überzeugen. Besonders der Regisseur selbst spielt William Wallace als gäbe es kein Morgen. Man kann von der Person Mel Gibson – besonders in aktuellem Zusammenhang – halten was man will – in „Braveheart“ ist er vor und hinter der Kamera ganz groß. Auch hervorheben möchte ich den fantastischen Score von James Horner. Das Love Theme ist eines der schönsten Stücke, das ich je in einem Film gehört habe. Ich kann mir wirklich keine andere Untermalung der traumhaften Bildern vorstellen.

Kritik habe ich keine. Sicher darf man keine historisch korrekte Darstellung von William Wallace und der schottischen Befreiung erwarten, aber das sollte man auch nicht. Welcher Historienfilm ist schließlich schon geschichtlich korrekt? „Braveheart“ besinnt sich wenigstens ehrlich auf seine wahren Stärken: Großartige Unterhaltung mit viel Pathos und echten Gefühlen. Für mich ein moderner Klassiker: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Trennung mit Hindernissen – OT: The Break-Up

Nach über einem Jahr war ich gestern endlich einmal wieder in der Sneak Preview. Es gab: „Trennung mit Hindernissen“ (OT: „The Break-Up“) mit Jennifer Aniston und Vince Vaughn.

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Sneak Previews sind immer etwas abenteuerlich. So auch gestern. Nicht nur die schön kribbelige Spannung im Vorfeld was denn kommt, nein – meist ist auch das Publikum ein besonderes. Gestern z.B. hatten wir ein extrem dickes, extrem lautes und extrem nerviges Pärchen neben uns. Nicht nur dass sich die beiden unglaublich lautstark unterhalten haben. Sie mussten zudem unzählige Male austreten, haben irgendwann angefangen sich zu befingern (wobei sie sehr ungewöhnliche Sitzpositionen angenommen haben – was wirklich kein schöner Anblick war) und sich am Ende noch über den Film beschwert. Ein Elefant im Porzelanladen ist nichts dagegen.

Doch nicht genug des Abenteuers: Der Vorführer hat es anscheinend nicht geschafft den Film richtig zu maskieren, was das Resultat hatte, dass wir nur ca. zwei Drittel vom eigentlichen Bildausschnitt mitbekommen haben. Besonders auffällig bei den teils fehlenden, teils abgeschnittenen Opening Credits. Aber auch allen anderen Einstellungen hat man die falsche Maskierung angesehen, so gab es im ganzen Film keine Totale, die Augen waren nie im oberen Drittel (eher auf der Hälfte) und Hände etc. waren fast immer abgeschnitten. So schwer kann das doch nicht sein! Hat außer mir aber anscheinend niemand gemerkt.

Nun aber zum Film selbst: Für eine Sneak Preview absolut in Ordnung. Kein Überflieger, aber auch kein Reinfall. Aniston und Vaughn haben überzeugend gespielt und es war schön einmal wieder Jon Favreau zu sehen. Der Film hatte seine witzigen Szenen (Gesangstruppe, griechische Orgie, Gespräche mit Favreau) und seine leider nur witzig gemeinten (nahezu alles in der Galerie). Leider will „The Break-Up“ mehr sein als eine Komödie und versucht sich zusätzlich noch als Trennungsdrama. Auch diese Szenen funktionieren für sich genommen und wissen die erwarteten Gefühle zu transportieren. Doch leider ist das Zusammenspiel zwischen Komödie und Drama zu unausgegoren. Der Film ist keine Romantic Comedy – dazu ist die Ausgangssituation zu fatalistisch -, er ist keine Komödie – dazu ist er teils zu dramatisch – und als Drama funktioniert er auch nicht, weil hier zuwenig Substanz gezeigt wird. Diese Mischung erscheint unausgegoren und kann letztenlich nicht überzeugen, wenngleich die einzelne Szenen für sich durchaus ihre Momente haben.

„Trennung mit Hindernissen“ kann ich demnach nur bedingt empfehlen. Ich denke auch, dass Kinobesucher, die eine romantische Komödie erwarten sehr enttäuscht sein werden. Positiv zu vermerken ist allerdings die ungewöhnliche Ausgangssituation, die nicht nur bereits dagewesenes kopiert. Mit einem Pluspunkt für die Sneak bekommt der Film von mir 6/10 Punkte.

Freeze Frame

Mit Filmvergleichen ist das so eine Sache. Wenn für „Freeze Frame“ mit „In der selben Klasse wie Memento“ geworben wird, dann schürt das natürlich die Erwartungen. Natürlich lassen sich auch Parallelen in den beiden Filmen finden, doch von Christopher Nolans Film ist „Freeze Frame“ leider noch einige Klassen entfernt.

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Der Film lebt vor allem von seiner Grundidee, seinem Hauptdarsteller und seiner Optik. Die Paranoia Sean Veils wird durch die Bilder sehr intensiv und unmittelbar transportiert und somit auch für den Zuschauer spürbar. Dazu trägt auch Lee Evans eindringliches Spiel bei, der hier wirklich alles gibt. Doch leider kann die Geschichte nicht ganz mit der Ausgangssituation mithalten. So wird vor dem Hintergrund des persönlichen Überwachungsstaats eigentlich nur eine normale Kriminalgeschichte erzählt. Hier hätte meiner Meinung nach noch mehr mit der Paranoia und der Frage nach der Wahrheit bzw. Schuld/Unschuld gespielt werden können.

Der Look des Films hat mich leicht an Gilliam erinnert. Viele Kabel und Monitore mit sehr weitwinkligen Einstellungen. Trotz dieses leicht übertriebenen Stils, der sich auch in den Charakteren niedergeschlagen hat, bleibt die Geschichte immer in der Realität verankert. Dies trägt deutlich zur Glaubwürdigkeit der an sich sehr unrealistischen Situation bei.

„Freeze Frame“ ist ein guter Film mit sehr intensiver Atmosphäre. Ich denke von John Simpson können wir in Zukunft noch so einiges erwarten: 7/10 Punkte.

Der blutige Pfad Gottes – OT: The Boondock Saints

Es gibt Filme, bei denen man den Hype einfach verpasst. Alle reden davon. Man selbst steht immer kurz davor sie zu sehen – doch es mag nie klappen. So geschehen bei mir und „Der blutige Pfad Gottes“ (OT: „The Boondock Saints“). Vielleicht ist die späte Sichtung auch dem Übersättigungseffekt der Post-Tarantino-Welle zuzuschreiben. Da ich jedoch gerade in Tarantinos Hochphase meine Filmleidenschaft entwickelt habe, kann ich bis heute viel – oder zumindest mehr als andere – mit Filmen anfangen, die es darauf anlegen dem großen Meister nachzueifern (auch wenn sie meist an diesem Anspruch zu scheitern verurteilt sind).

Nun also die hochgelobten „Boondock Saints“. Anfangs habe ich ja Schlimmstes befürchtet. Selbst Willem Dafoes erster Auftritt war für mich nur eine schwache Kopie von Gary Oldmans grandioser Performance in Luc Bessons „Léon – Der Profi“. Doch glücklicherweise hat der Film ab hier Eigenständigkeit bewiesen. Dafoes Figur entwickelt sich sogar zum Highlight des Films und sein schwuler Cop ist für so manchen Lacher gut. Auch die restlichen Figuren sind alle herrlich skurril. Wunderbar gezeichnet und dabei – trotz aller Comichaftigkeit – sehr echt und sympathisch. Trotzdem musste ich immer an Tarantino denken und ich bin mir sicher, dass es ohne seine Werke „The Boondock Saints“ – wie so viele andere Filme auch – wohl nicht geben würde.

Die Geschichte bleibt eher simpel und es wird versucht mittels – durchaus effektiv eingesetzten – Brüchen in der Chronologie etwas Abwechslung hinein zu bringen. Vom moralischen Standpunkt aus gesehen bleibt Troy Duffys Heiligenmärchen natürlich sehr fragwürdig, wenngleich man bei dieser Art von Film seine moralischen Bedenken sowieso besser da lässt wo sie hingehören: In der Realität. Dennoch habe ich mich am Ende gefragt wie Mr. Duffy denn zu der Aussage seines Films steht und ob er seine Geschichte durch die gefakten(?) Interviewszenen am Schluss rechtfertigen will. Oder ob doch mehr dahintersteckt und er der Gesellschaft einen Spiegel vorhält. Man weiß es nicht so genau und wird es wohl auch nicht erfahren. Als Zuschauer macht „Der blutige Pfad Gottes“ sowieso als das am meisten Spaß, was er am augenscheinlichsten ist: Ein abgedrehter, comichafter Actionsspaß im Gangstermilieu.

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Mich interessiert nun doch sehr, warum genau es nicht den angekündigten zweiten Teil gibt. Der Dokumentarfilm „Overnight“ sollte darüber Aufschluss geben, da sich Duffy in Hollywood anscheinend ziemlich daneben benommen hat. Leider ist die DVD fast so teuer, wie die deutsche DVD der „Saints“. Eine Ausgabe, die sich meiner Meinung nach durchaus lohnt, denn „Der blutige Pfad Gottes“ hat tatsächlich das Zeug zum Kultfilm – stilistisch sicher nicht so ausgefeilt wie Tarantino, aber wirklich äußerst unterhaltsam: 8/10 Punkte.

In den Schuhen meiner Schwester – OT: In Her Shoes

Der zweite Film unseres kleinen DVD-Abends war – auf vielfachen Wunsch – ein Komödie: „In den Schuhen meiner Schwester“. Der Film war mir bisher unbekannt. Ich wusste zwar, dass es ihn gibt, habe mich aber nie sonderlich dafür interessiert, oder mich damit beschäftigt worum es eigentlich geht. Glücklicherweise hat er sich letztendlich nicht als Teenie- oder Fäkalklamotte herausgestellt, sondern als erwachsener Film, dem die Gratwanderung zwischen Humor und ernsten Tönen ausgezeichnet gelingt.

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Sowohl Toni Collette, als auch Cameron Diaz spielen das ungleiche Schwesternpaar sehr natürlich und überzeugend. Da stimmt die Chemie. Getoppt wird das ganze nur noch von einer erstaunlich fidelen Shirley MacLaine. Es ist eine Freude dem bunten Treiben zuzusehen, wenngleich der Geschichte auch etwas die Stringenz fehlt, was sich durch Längen im hinteren Mittelteil bemerkbar macht. Doch glücklicherweise schafft es Regisseur Curtis Hanson den Zuschauer mit netten Einfällen bei der Stange zu halten. Ebenso tragen die ausgefeilten und glaubwürdigen Charaktere dazu bei, dass es nicht langweilig wird. Man merkt hier einfach, dass eine ausgefeilte Romanvorlage die Basis bildet.

Mehr gibt es eigentlich auch nicht zu sagen. Der Film weiß zu unterhalten und leistet sich keine Fehler. Zudem werden typische Frauenfilmklischees vermieden, wenngleich „In den Schuhen meiner Schwester“ auch gar keinen Hehl daraus macht ein solcher zu sein. Wer eine nette Komödie für einen Abend zu zweit sucht, macht hier nichts falsch: 7/10 Punkte.

Wenn Träume fliegen lernen – OT: Finding Neverland (2004)

Nun habe ich endlich den dritten wichtigen Realfilm zum Thema „Peter Pan“ gesehen: „Wenn Träume fliegen lernen“ (OT: „Finding Neverland“). Aufgrund des Oskar-Rummels war ich zunächst etwas skeptisch, doch glücklicherweise ist die Entstehungsgeschichte von „Peter Pan“ kein rein nach dem Oskar-Schema heruntergekurbelter Film.

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Am besten hat mir – wie in fast all seinen Filmen – Johnny Depp gefallen. Er gibt einen wahrlich großartigen J.M. Barrie. Leider leiden darunter etwas die Performances der anderen Darsteller. So weiß Kate Winslet zwar durchaus zu überzeugen, gegen Depps Spielfreude kommt sie allerdings nicht an. Dieser Umstand ist natürlich auch ihrem weitaus weniger schillernden Charakter (Sylvia Davies) zuzuschreiben, der gegen Ende gar etwas zum (sprichwörtlichen) Mittel zum Zweck verkommt. Das völlige Abdriften zu einem Tearjerker weiß Regisseur Marc Forster allerdings zu verhindern. Die wunderschönen Bilder überspielen hier so manch dramaturgische Schwäche mehr als gekonnt. So hat mich die Neverland-Szene deutlich mehr berührt, als die eigentliche Beerdigung.

Von der Inszenierung her wirkt der Film teils etwas altbacken – oder besser: klassisch. Ein Tatsache, die nicht unbedingt negativ zu bewerten ist, weil dadurch die phantastischen Sequenzen umso stärker hervorgehoben werden. Teils haben mich diese gar an Tim Burtons grandiosen „Big Fish“ erinnert.

Sehr gut gefallen haben mir auch die Schauspieler der Kinder. Die Rollen werden sehr gut ausgefüllt und besonders Peters Darsteller weiß zu überzeugen. Als er J.M. Barrie nach der Premiere darauf aufmerksam macht, dass dieser selbst „Peter Pan“ ist, war das für mich der Höhepunkt und die eigentliche Essenz des Films. Wirklich sehr schön gespielt. Desweiteren muss ich den Score hervorheben, der sehr gefühlvoll alle Szenen zu unterstützen weiß.

Insgesamt ist „Finding Neverland“ ein wirklich schöner Film über die entscheidenden Momente in J.M. Barries Leben. Zudem wird der Geist von „Peter Pan“ auch sehr stark greifbar. Ich konnte mich einfach schon immer gut mit dem Jungen identifizieren, der nicht erwachsen werden will. Nicht perfekt, aber anrührend und schön anzuschauen, mit einem – wie immer – fantastischen Johnny Depp: 8/10 Punkte.

11:14 – elevenfourteen (2003)

Nachdem ich „11:14 – elevenfourteen“ bereits beim Fantasyfilmest und der regulären Kinoauswertung verpasst hatte, war es höchste Zeit mir nach den sehr gemischten Kritiken selbst eine Meinung zu bilden. Meine ersten Gedanken nach der Sichtung waren: Kleiner Film, große Wirkung – zumindest im Verhältnis gesehen.

„11:14“ ist nicht wirklich neu oder innovativ. Verschachtelte Episodengeschichten gibt es inzwischen wie Sand am Meer und müssen schon etwas Besonderes bieten um wirklich überzeugen zu können. Was also zeichnet Greg Marcks Werk aus? Für mich eindeutig: Atmosphäre und gelungener schwarzer Humor, sowie famose und spielfreudige Darsteller. Zudem ist die Geschichte ausgewogen und relativ schlüssig. Obwohl hier alles auf die Zusammenhänge der einzelnen Episoden abziehlt, hatte ich nie das Gefühl die Geschichte sei nur Mittel zum Zweck. Selbst eine Identifikation mit den Charakteren ist bis zu einem gewissen Grad erstaunlich leicht gefallen, was bei deren kurzer Leinwandpräsenz wirklich nicht selbstverständlich ist.

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Inszenatorisch weiß der Film ebenso zu gefallen. Nette Kameraeinstellungen und schönes Licht erzeugen viel Atmosphäre. Auch Score und Soundtrack wissen den schwarzen Humor gut zu transportieren und passen stets ausgezeichnet zum gezeigten Inhalt.

Kritikpunkte: Die Figuren sind relativ klischeehaft und einfach gezeichnet, was dem Film allerdings auch zugute kommt, da bei der kurzen Laufzeit und der großen Anzahl an Charakteren sonst anderweitige Abstriche gemacht hätten werden müssen.

Insgesamt ist „11:14“ ein kleiner, feiner Film. Nicht grandios, aber sympathisch und ehrlich. Macht Spaß: 8/10 Punkte.