Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger (2012)

Puh, was für ein Film. Ich weiß jetzt noch nicht so recht, wo ich mit dieser Besprechung letztendlich ankommen werde. Sicher ist zumindest, dass mich „Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger“ auch über seine Sichtung hinaus beschäftigen wird. Dabei hatte ich den Film im Vorfeld bereits abgeschrieben und wurde nur durch den Oscar-Rummel (Regie, Kamera, VFX, Score) wieder darauf gestoßen…

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Vom Buch hatte ich bereits gehört und dieses in eine Schublade mit dem Label Esoterik-Märchen gesteckt. Dann gab es vor einiger Zeit den Trailer im Kino zu sehen und ich wunderte mich noch, was denn Ang Lee mit solch einem Stoff anfangen will. Die Bilder fand ich gräßlich künstlich und abscheinend nur auf 3D und Effekt ausgelegt. Eine Sichtung stand für mich nicht zur Debatte. Letztendlich waren die Kritiken aber so gut, dass ich mir nun – mit einigem Abstand – doch selbst eine Meinung bilden wollte.

Die erste Überraschung kam mit der ausführlichen Rahmenhandlung. Es dauert beinahe 45 Minuten bis es die bereits im Trailer gezeigte Katastrophe zu sehen gibt – und bis dahin lernt man als Zuschauer den titelgebenden Pi und sein bisheriges Leben ziemlich gut kennen. Auch thematisch wird der Rahmen abgesteckt und man kann sich bereits denken, dass die Anspielungen auf die diversen Weltreligionen für den weiteren Verlauf des Films von Bedeutung sein werden. Ein wirklich schöner Einstieg in die Geschichte, doch der zweite Akt konnte daran unmöglich anschließen. Oder etwa doch?

Die im Trailer von mir noch als gräßlich künstlich wahrgenommenen Bilder hatten mich tatsächlich schnell für sich eingenommen. Zwar wirkten viele Einstellungen immer noch sehr artifiziell und auch der Videolook stieß mir manchmal etwas sauer auf, doch letztendlich gab es unzählige magische Momente, durch die ich immer tiefer in das Märchen – und als solches ist der Film ja auch erzählt – hineingesogen wurde. Rückblickend betrachtet macht die Künstlichkeit der Bilder sowieso Sinn und trägt zum Punkt bei, den Pi am Ende seiner Geschichte(n) zu machen versucht.

Der Regie-Oscar ist meiner Meinung nach wirklich verdient, denn es war bestimmt nicht einfach die eingeschränkte Handlung in solch zauberhafte Bilder zu fassen. Auch die Effekte sind atemberaubend und nach der Sichtung kann ich die Diskussion um die  Wahrnehmung der VFX-Branche – besonders im Hinblick auf „Life of Pi“ sowie Ang Lees Reaktion darauf – nur umso mehr verstehen. Ohne den immensen Einsatz von VFX wäre dieser Film einfach nicht möglich gewesen.

Auch inhaltlich und emotional hat mich der Film gepackt. Selbst wer mit Religion so gar nichts am Hut hat, wird sich eine schlüssige Interpretation aus der Geschichte ziehen können. Zwischen all den möglichen Bedeutungsebenen liegt letztendlich aber eine fantastisch gefilmte und spannend erzählte Abenteuergeschichte, der man sich nur schwer entziehen kann. Inzwischen bin ich am Ende meiner Besprechung angekommen und nun herrascht auch kein Zweifel mehr daran, wie ich den Film bewerten werde: 9/10 Punkte.

Cloud Atlas (2012)

Nachdem die letzte Nacht wieder einmal recht kurz war und der heutige Tag der Arbeit größtenteils zum Arbeiten genutzt wurde, war ich heute kaum noch in Stimmung für einen längeren Filmabend. Da meine Frau jedoch gerade die Vorlage beendet hat, bot sich die Sichtung von „Cloud Atlas“ an, der – nach anfänglichem Zögern – in den letzten Wochen mein Interesse geweckt hatte. Ob sich die knapp drei Stunden gelohnt haben und ob ich tatsächlich wach geblieben bin, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Literaturverfilmung und Tom Tykwer. Wer muss da nicht an „Das Parfum“ (übrigens meine erste Besprechung, die auf diesem Blog kommentiert wurde) denken? Doch „Cloud Atlas“ ist noch größer, noch epischer, noch internationaler angelegt, was sowohl an der Vorlage liegt, als auch daran, dass sich Tykwer den Regiestuhl mit den Wachowski-Geschwistern – ihres Zeichens für die „Matrix“-Trilogie verantwortlich – geteilt hat. Was ich von David Mitchells Roman wusste, fand ich eher anstrengend und so erwartete ich 180 Minuten, die meine volle Aufmerksamkeit fordern würden und von denen mich nur ein Bruchteil unterhalten könnte. Verkopftes Kunstkino, das man gesehen haben sollte, um mitreden zu können. Glücklicherweise lag ich mit meiner Einschätzung komplett daneben.

Während der ersten Szenen war ich zugegebenermaßen ziemlich verwirrt und froh jemanden mit Kenntnis des Romans neben mir zu haben. Doch bereits als man zum zweiten Mal in jeden Erzählstrang eintauchte, was bereits innerhalb der ersten 10 Minuten geschieht, hatten mich die Geschichten gepackt und – was noch erstaunlicher ist – ich habe dieses wilde Sammelsurium an Zeitsprüngen, Charakteren und Genres als eine funktionierende Geschichte gesehen. Hinzu kommt, dass von Verkopftheit oder erzwungenem Arthouse-Stil absolut nichts zu spüren ist. Man kann der Handlung eindeutig folgen, wird dennoch zum Mitdenken angeregt und das Wichtigste: Ich wurde blendend unterhalten.

Aufgrund der fragmentierten Erzählweise bekommt man alle paar Minuten ein neues Genre präsentiert: Drama, Komödie, Thriller, Sci-Fi und Fantasy geben sich die Klinke in die Hand. Leider kein Wunder, dass der Film kein großer Erfolg an der Kinokasse war. So etwas muss man dem breiten Publikum erst einmal verkaufen. Ich dagegen fand es toll. Ich mochte die Botschaft des Films, die Inszenierung, seine Sprunghaftig- und Lebendigkeit, ja selbst das nicht immer perfekte Make-up. Ein großes, fantastisches Filmexperiment, das – zumindest für mich – nahezu perfekt aufgegangen ist.

Ich könnte nun noch viel schreiben. Aktuell bin ich noch verzaubert von dem Filmerlebnis, das wohl noch ein paar Tage nachwirken wird. Es war nicht alles perfekt, doch habe ich bereits jetzt Lust mich noch einmal auf diese epische Reise zu begeben. Und ich will das Buch lesen. Am liebsten sofort. Kann es ein schöneres Kompliment für einen Film geben? Wer offen für Neues, nicht auf Genres festgelegt ist und keinen philosophischen Diskurs erwartet, den könnte „Cloud Atlas“ mindestens ebenso gut unterhalten, wie mich. Das wünsche ich euch: 9/10 Punkte.

The Dark Knight Rises (2012)

Was war das im vergangenen Jahr wieder für ein Hype um den neuen Batman-Film. Nach dem Kinostart hörte man dann größtenteils enttäuschte Stimmen. Obwohl ich die ersten beiden Teile der Superheldentrilogie beim zweiten Durchgang wirklich zu schätzen gelernt habe, ließ ich mir mit meiner Sichtung von „The Dark Knight Rises“ erst einmal Zeit. Inzwischen hat sich der Staub gelegt und somit konnte ich mir nun endlich eine eigene Meinung bilden…

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Die Erwartungen waren hoch, keine Frage. Ich weiß jetzt noch, wie überrascht ich damals war, dass „The Dark Knight“ alle Rekorde brach. Sicher hatte auch schon „Batman Begins“ das Genre aufgewirbelt, doch erst der Nachfolger öffnete – vermutlich zusammen mit „Iron Man“ – dem Genre alle Türen. Superheldenfilme waren nun nicht mehr nur für die Geeks und Comicleser interessant, sondern in der breiten Masse angekommen. Besonders Nolans realistischer Ansatz schien auf fruchtbaren Boden zu fallen und somit erwartete mit „The Dark Knight Rises“ wohl jeder Typ von Zuschauer den perfekten Abschluss seiner Superheldentrilogie.

Wäre Christopher Nolans Trilogie eine TV-Serie, dann wäre – so hart es klingt – der zweite Teil von vielen Zuschauern wohl als reine Füllepisode wahrgenommen worden. Zwar mit wichtiger Charakterentwicklung, doch für die übergreifende Handlung eher unwichtig. Eigentlich. „The Dark Knight Rises“ schlägt viel mehr Brücken zum ersten Teil, sowohl inhaltlich, als auch stilistisch. Bane ist eine Bösewicht mit Motivation, das macht ihn einerseits langweiliger, als den grandiosen Joker, andererseits aber auch bedeutsamer. Weiterhin wird der Mythos weitergesponnen und Schauplätze, wie The Pit, oder Bösewichte, wie die League of Shadows, sind eher fantastisch angehaucht und stellen somit engere Bezüge zu „Batman Begins“ dar, was mir durchaus gefallen hat.

Aus „The Dark Knight“ entliehen sind dagegen aktuelle sozialpolitische Themen und die Bedeutsamkeit, mit der die Handlung erzählt wird. Auch wenn man die Geschichte bestimmt knapper hätte erzählen können, so fand ich sie jedoch nicht übermäßig komplex oder zerfahren, wie ich in einigen Kritiken gelesen hatte. Ich konnte der Handlung stets folgen und gelangweilt wurde ich auch zu keinem Zeitpunkt. Sicher gibt es einige Zufälle und dramaturgische Schwächen, doch sehe ich Nolans Batman-Filme auch immer noch als das, was sie sind, nämlich Comicverfilmungen.

Mal abgesehen von dem großen Hype und enttäuschten Erwartungen, ist „The Dark Knight Rises“ ein absolut gelungenes Finale der Trilogie. Mitreißend, spannend und unterhaltsam. Qualitativ nehme ich den Film in etwa so wahr, wie die ersten beiden Teile bei meinen ersten Sichtungen, das heißt auch für das Finale besteht durchaus noch Steigerungspotential: 8/10 Punkte.

Winter’s Bone (2010)

Seltsamerweise hatte mich der Film bis zur heutigen Sichtung nicht sonderlich interessiert. Obwohl „Winter’s Bone“ größtenteils sehr gut besprochen wurde, brachte ihn erst die kürzlich vermehrte Medienpräsenz von Jennifer Lawrence auf meinen Radar. Und obwohl mir nach einer vollen Arbeitswoche eher nach seichter Unterhaltung war, habe ich mich letztendlich an die düstere Literaturverfilmung herangewagt. Ob das die richtige Entscheidung war?

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Wenn ich den Film mit nur wenigen Worten beschreiben wollte, dann wären diese wohl: bedrückend und doch hoffnungsvoll. Bedrückend ist das Setting, die Lebensumstände der gezeigten Charaktere und die damit verbundene Ausweglosigkeit. Hoffnungsvoll ist einzig und allein die von Jennifer Lawrence („Die Tribute von Panem: The Hunger Games“) fantastisch gespielte Hauptfigur Ree – doch ihr aufopferungsvolles und zugleich anpackendes Wesen ist genug, um diesen Aspekt des Films zu tragen und ein Gegengewicht zu all der bedrückenden Trostlosigkeit zu schaffen.

„Winter’s Bone“ ist kein fröhlicher Film und doch hat er seltsam schöne Szenen. Selbst die ausgewaschenen Landstriche besitzen eine gewisse Ästhetik, der man sich nur schwer entziehen kann. Rees Suche nach ihrem Vater ist alles andere als effekthascherisch inszeniert und doch wirkt ihre Reise unwahrscheinlich bedeutend. Das Ergebnis der Suche ist dabei beinahe schon vernachlässigbar und im Mittelpunkt stehen eher Begegnungen und einzelne Situationen. Der dokumentarische Look unterstreicht dabei die Unmittelbarkeit. Auch wenn die eigentliche Geschichte am Ende des Films abgeschlossen scheint, so habe ich diese Welt, die einem im Unterhaltungskino sonst nicht gezeigt wird, mit sehr gemischten Gefühlen verlassen.

Weder die Handlung noch die Inszenierung sind sonderlich aufregend. Der Film lebt in meinen Augen von seinem Setting, den tollen Schauspielern (größtenteils Laien aus der Region) und eben dem dokumentarischen Erzählstil. Unbedingt sehenswert, jedoch kein Film, den ich mir einmal im Jahr anschauen würde: 8/10 Punkte.

The Hunter (2011)

Aufgrund der wiederholten Erwähnung im Celluleute-Podcast, habe ich mir heute „The Hunter“ angesehen. Die Romanverfilmung mit Willem Dafoe in der Hauptrolle versprach einen packenden Kampf zwischen Mensch und Natur à la „The Grey“, den es letztendlich aber nicht zu sehen gab. Warum der Film dennoch sehenswert ist, lest ihr in der folgenden Besprechung.

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Müsste ich mich auf nur einen Grund festlegen, warum es sich lohnt „The Hunter“ zu sehen, dann wäre dieser wohl Willem Dafoe. Die Rolle des schweigsamen Einzelgängers, der notgedrungen lernt zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen, ist ihm wahrlich auf den Leib geschrieben. Dafoe spielt wirklich fantastisch und überzeugt sowohl als einsamer Jäger in der tasmanischen Wilndnis, als auch als zunächst unfreiwilliger Vaterersatz. Auch wenn die Motivation seines Handelns gegen Ende ein wenig mit dem Holzhammer kommt, so stellt er die Zerrissenheit seiner Figur doch bis zur letzten Sekunde absolut glaubwürdig und mitreißend dar.

Das Marketing des Films war einmal wieder ziemlich irreführend. Angepriesen als ‚Adrenalin-Thriller, der einen einzelnen Jäger und eine unbezähmbare Wildnis in einen atemberaubenden Zweikampf schickt.‘ hätte ich einen komplett anderen Film erwartet. Es gibt jedoch weder sonderlich spannende Szenen, eine unbezähmbare Wildnis, noch einen atemberaubenden Zweikampf zu sehen. Auch der gejagte Tasmanische Tiger ist keinesfalls eine reißende Bestie, sondern eher ein Symbol für die Jagd an sich und die Hoffnung verschiedenster Parteien. Der Film lebt von seinen zwischenmenschlichen Szenen, den fantastischen Naturaufnahmen und dem beeindruckend eingefangenen Ritual der Jagd. Hinzu kommt eine beunruhigende Atmosphäre, die von Ungewissheit und der Feindseligkeit der ortsansässigen Bevölkerung geschürt wird.

Kritik üben muss ich am Finale, das einerseits etwas überstürzt, andererseits auch nur bedingt glaubwürdig motiviert scheint. Hier hätte ich mir mehr Feingefühl in der Inszenierung gewünscht. Dennoch schafft es Dafoe auch die Schwachpunkte des Films auszugleichen und sorgt somit für ein einigermaßen zufriedenstellendes Ende. Neben Willem Dafoe spielt übrigens der kaum wieder zu erkennende Sam Neill sehr imposant einen zwielichtigen Einheimischen.

„The Hunter“ richtet sich weniger an Freunde des Subgenres der Mensch gegen die Natur, sondern vielmehr an Zuschauer, die ruhig erzählte Dramen in ungewöhnlichen Settings zu schätzen wissen. Ich für meinen Teil war – trotz der nicht erfüllten Erwartungen und der Schwächen im letzten Drittel – positiv überrascht und kann den Film nur weiterempfehlen: 8/10 Punkte.

Die Tür (2009)

Besprechungen zu deutschen Filme sind zu einer Seltenheit auf meinem Blog geworden, doch freue ich mich immer wenn es etwas Sehenswertes aus unserem Land zu sichten gibt. Anno Sauls Verfilmung des Akif Pirinçci-Romans „Die Tür“ steht bereits auf meiner Liste, seitdem mir der Sneakpod vor gut drei Jahren davon vorschwärmte. Zudem handelt es sich um einen Genrefilm, was meine Neugier zusätzlich entfachte…

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Bei „Die Tür“ handelt es sich – wenn man den Film in eine Schublade stecken möchte – wohl am ehesten um ein Mysterydrama. Ein Mann verschuldet den Tod seine Tochter, geht fünf Jahre später durch eine mysteriöse Tür und findet sich am Tag des Unfalls wieder. Er kann seine Tochter retten und wird mit seinem jüngeren Ich konfrontiert. Allein diese Prämisse ist in meinen Augen ziemlich interessant und erinnert an Filme, wie „The Butterfly Effect“, erzählt dabei aber eine – zumindest zu Beginn – viel intimere Geschichte.

Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel vorwegnehmen, doch nimmt der Film ein paar Wendungen, die ich so nie erwartet hätte. Besonders in der letzten halben Stunde überschlagen sich die Ereignisse und aus dem sehr persönlichen Drama wird unerwarteterweise ein spießbürgerlicher Nachbarschaftshorror, der beinahe schon schwarzhumorig an der Satire kratzt. Dennoch schaffen es sowohl Drehbuch als auch Inszenierung trotz dieses Bruchs die Handlung recht glaubwürdig bis zum bitteren Finale zu führen. Auch wenn ich die Wendungen so nicht erwartet hatte und durchaus interessant fand, so hätte ich mir dennoch gewünscht, dass sich die Geschichte mehr auf das persönliche Schicksal David Andernachs (Mads Mikkelsen) konzentriert.

Ähnlich wie Tim Fehlbaums „Hell“ oder die animierte Verfilmung von Pirinçcis „Felidae“, muss sich auch „Die Tür“ nicht vor der internationalen Genrekonkurrenz verstecken. Teilweise fand ich das Drehbuch etwas holprig und die Entscheidungen des Hauptcharakters nicht immer nachvollziehbar, doch wollte ich stets wissen, wie es mit dieser abstrusen Situation weitergeht. Zumindest für eine einmalige Sichtung kann ich den Film somit nur jedem Mysteryfreund ans Herz legen. Schade, dass man sonst kaum etwas über den Film liest. Verdient hätte er es: 7/10 Punkte.

Die Tribute von Panem – OT: The Hunger Games (2012) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Die Tribute von Panem: The Hunger Games“ am 26. Januar 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Auf vielfachen Wunsch meiner besseren Hälfte haben wir uns heute noch einmal „Die Tribute von Panem: The Hunger Games“ angeschaut. Schließlich hat sie seit Weihnachten die Bücher gelesen und war dementsprechend neugierig, wie die Verfilmung mit Kenntnis der Vorlage wirkt. Auch ich hatte mir vorgenommen bis zur nächsten Sichtung die Trilogie zu lesen, doch wollen bis dahin noch ca. 400 Seiten „A Song of Ice and Fire“ bezwungen werden…

Die Tribute von Panem (2012) | © Studiocanal

Die Tribute von Panem (2012) | © Studiocanal

Im Vergleich zur letzten Sichtung ist für mich der titelgebende Kampf in der Arena eher in den Hintergrund getreten. Zwar gibt es hier Action und Drama, doch die interessanten Aspekte der Geschichte finden sich eher abseits der Arena. Insofern macht es auch Sinn, dass sich Gary Ross so viel Zeit (immerhin gut die Hälfte der Laufzeit) nimmt, um das Show-Konzept samt seinen Anklängen an bereits heute praktiziertes Fernsehen (Reality-TV, Casting-Shows usw.) zu beleuchten. Medienkritik zielgruppengerecht aufbereitet. Sicherlich nicht sonderlich innovativ, doch auf jeden Fall wirkungsvoll.

Nach den knapp zweieinhalb Stunden findet man sich, auch ohne die Vorlage zu kennen, recht gut in der Welt von Panem zurecht. Eine gelungene Zukunftsvision, die ganz einfach funktioniert. Gary Ross‘ Inszenierung bildet diese beinahe dokumentarisch ab, ist dabei stets nah am Geschehen dran und für solch ein Jugend-Franchise erstaunlich rau. Cinéma vérité mag zu hoch gegriffen sein, doch macht hier die – auch von mir oft gescholtene – Wackelkamera endlich einmal Sinn und versetzt den Zuschauer mitten ins Geschehen.

Fazit

Mir hat der Film auch beim zweiten Durchgang sehr gut gefallen und bis zum nächsten Mal werde ich mit Sicherheit die Vorlage kennen. Auf die bin ich nun wieder ziemlich heiß, was ein weiterer Punkt ist, der für den Film spricht. Unter den unzähligen Franchises dieser Art auf jeden Fall eines der sehenswertesten: 8/10 Punkte.

Wir kaufen einen Zoo – OT: We Bought a Zoo

Zunächst eine Warnung: Zyniker sollten einen großen Bogen um diesen Film machen und besser auch meine Rezension meiden. Wer nun noch übrig bleibt und beim Titel „Wir kaufen einen Zoo“ nicht das Weite sucht, der könnte die Chance haben mit diesem Film für zwei Stunden in eine bessere Welt zu entfliehen. Eine vorhersehbare und idealisierte Welt, doch gleichzeitig wahrhaftig und emotional reichhaltig. Außerdem mag ich Zoos…

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Cameron Crowe hat mich bisher noch nie enttäuscht. Sein „Singles“ war für mich stets die bessere „Reality Bites“-Variante, seinen Erfolgsfilm „Jerry Maguire“ fand ich äußerst unterhaltsam, obwohl ich mit der Sportsthematik nichts anfangen kann, „Almost Famous“ würde ich sogar fast zu meinen Lieblingsfilmen zählen und selbst das Remake „Vanilla Sky“ konnte mich in Teilen begeistern. Auch „We Bought a Zoo“ merkt man die typische Handschrift Crowes an, was sich besonders durch den Soundtrack und die darin eingesetzt Musik bemerkbar macht. Doch was hat der Film inhaltlich zu bieten?

Der Titel ist Programm. Benjamin Mee (Matt Damon) kauft nach dem Tod seiner Frau einen Zoo, um mit seinen beiden Kindern dem Schatten der Vergangenheit zu entfliehen und einen Neubeginn zu wagen. So einfach, so absurd, so erstaunlich. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit und wirkt dennoch wie eine Fantasie. Der Film ist äußerst emotional und manche Szenen drücken durchaus manipulativ auf die Tränendrüse des Zuschauers, was mich hier jedoch nicht sonderlich gestört hat. Der Film ist einfach – und das können heute nicht mehr viele Filme von sich behaupten – schön. Kein Hintergedanke, keine Meta-Ebene – einfach nur schön.

Neben Matt Damon finden sich Scarlett Johansson, Thomas Haden Church und Elle Fanning im Zoo der Familie Mee ein. Eine absolut runde Besetzung, die für mich jedoch von Maggie Elizabeth Jones übertrumpft wurde – aber hier bin ich wahrscheinlich voreingenommen, denn mich hat noch keine andere Kinderdarstellerin so sehr an meine eigene Tochter erinnert, wie sie. Unglaublich und in manchen Szenen beinahe schon unheimlich. Einen Bonuspunkt hat der Film dadurch auf jeden Fall schon sicher.

Auch wenn es keine Überraschungen gibt, so hat mich der Film über seine komplette Laufzeit bestens unterhalten. Das Drehbuch ist oft nicht perfekt und manchmal hätte ich mir eine etwas dezentere Inszenierung gewünscht. Dennoch hat mich der Film berührt, mich zum Lachen gebracht und mit einem warmen Gefühl ums Herz zurückgelassen. Das braucht man nicht immer, doch ist in unserer Welt, in der Zynismus – besonders in Filmen – häufig mit Coolness verwechselt wird, ab und zu durchaus eine nette Abwechslung. Einfach nur schön und mit einem Bonuspunkt für das Zappelinchen-Look-Alike: 8/10 Punkte.

Rock of Ages – Extended Cut

Heute hätte ich schwören können, dass ich vor dem Fernseher einschlafe. Zu lange Arbeitstage, zu zermürbende Aufgaben und eine geballte Ladung Kinder am Feierabend. Vielleicht habe ich mich deshalb für die Musical-Verfilmung „Rock of Ages“ (gesehen im Extended Cut) entschieden. Obwohl mich der Film interessierte, waren meine Erwartungen aufgrund ziemlich mieser Kritiken nicht sonderlich hoch – doch was soll ich sagen? Ich bin noch wach und wurde bestens unterhalten…

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Zunächst einmal sollte man sich klar machen, dass man mit „Rock of Ages“ ein Musical sieht. Ein verfilmtes Musical und keine Dokumentation über die Rockmusik der 80er Jahre. Wie bei nahezu jedem Musical-Film sollte man deshalb – besonders wenn etliche Rollen von bekannten Filmstars besetzt sind – über eine gewisse Fremdschäm-Toleranz verfügen. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Musicals nimmt sich der Film zu keiner Zeit ernst. Die dargestellten 80er Jahre sind eine überstilisierte Version dieses Zeit. Künstlich, cheesy und larger than life. Eine glorifizierte Erinnerung inklusive aller Klischees, die die 80er Jahre so mit sich bringen.

Was die Musik angeht, kann ich mich auch nicht beschweren. Selbst wenn Gitarrenmusik im weitesten Sinne zu meinen bevorzugten Genres zählt, so bin ich nicht der größte Fan von 80er Jahr Stadionrock. Dennoch kenne ich natürlich all die gespielten Songs und bin größtenteils mit ihnen aufgewachsen. Ja, sie sind überproduziert und natürlich klingen sie im Original besser, doch macht es unglaublich viel Spaß Tom Cruise, Alex Baldwin, Russell Brand, Catherine Zeta-Jones, Paul Giamatti usw. all die großen Hits performen zu sehen. Mit DON’T STOP BELIEVIN‘ endet der Film zudem mit einem meiner absoluten Lieblingssongs der Ära, was den Film noch einmal in ein positiveres Licht rückt.

Kritikpunkte gibt es – ganz objektiv gesehen – natürlich zuhauf. So ist das Drehbuch platter als eine Vinylscheibe und der Ausgang der Geschichte ist bereits ab der ersten Szene klar. Die beiden Hauptfiguren sind zudem nicht sonderlich charismatisch, aber weit nicht so schrecklich, wie ich das nach den teils bitterbösen Kritiken befürchtet hatte. Ebenso hat der Film im Mittelteil einige Längen, welche jedoch stets durch eine wunderbar inszenierte Musicalnummer unterbochen werden. Der Film ist somit alles andere als perfekt, doch hat er teils herrliche Dialoge, fantastische Songeinlagen – u.a. zwischen Alec Baldwin und Russell Brand das beste Liebesduett überhaupt – und großartige Darsteller, die sich zu keinem Zeitpunkt ernst nehmen.

Auch wenn ich mit dieser Kritik vermutlich wieder Kopfschütteln in der filmischen Blogosphäre hervorrufe, so kann ich den Film doch nur wärmstens empfehlen. So viel Spaß hatte ich schon lange nicht mehr. Wenn also auch ihr nur annähernd etwas mit der Rockmusik der späten 80er Jahre, Musicals an sich und sowohl kitschigem als auch selbstironischem Pathos anfangen könnt, dann solltet ihr eure Luftgitarren auspacken und „Rock of Ages“ eine Chance geben – das hat der Film mehr als verdient: 8/10 Punkte.

Der Gott des Gemetzels – OT: Carnage (2011)

Gestern noch im Theater gewesen und ein beeindruckende und famos gespielte Aufführung von John Donnellys „The Knowledge“ gesehen und heute Abend tatsächlich ein ähnliches Erlebnis gehabt: Roman Polanskis Verfilmung von Yasmina Rezas Theaterstück „Der Gott des Gemetzels“ war für mich beinahe ebenso intensiv und in der Kombination aus Komik und Gesellschaftskritik auch inhaltlich verwandt. Ob die filmische Umsetzung dem Stück gerecht wurde?

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Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich begeistert bin, endlich einmal wieder einen aktuellen Film mit einer Laufzeit unter 90 Minuten gesehen zu haben. Was vor 10 Jahren noch völlig normal war, ist heute schon eine Seltenheit – laufen doch selbst ganz simple Komödien meist nicht unter 120 Minuten. Davon einmal abgesehen wirkt das Kammerspiel alles andere als klein und man muss neidlos zugeben, dass Polanski jeden nur erdenklichen Kniff versucht hat, das Stück besonders filmisch umzusetzen. Somit fühlt man sich stets, als wäre man selbst in der Wohnung der Longstreets am Brooklyn Bridge Park gefangen und könnte der peinlichen Zusammenkunft ebensowenig entkommen, wie die Charaktere.

Ob es für die Umsetzung vier so bekannte Schauspieler und etliche Kameraspielereien gebraucht hätte? Ich vermute nicht. Doch hätte „Der Gott des Gemetzels“ dann wahrscheinlich nicht die Presse bekommen, die ihn letztendlich auch erst in mein Bewusstsein rückte – und zugegeben: Es ist schon famos mit anzusehen, wie sich Jodie Foster, John C. Reilly, Kate Winslet und Christoph Waltz aufstacheln, anzicken und letztendlich ganz offen bekriegen. Ein Schauspielerfilm, der durch diese eben auch ganz besondere Schauwerte bietet.

Inhaltlich ist der Film sehr gelungen, wenngleich es auch keine großen Überraschungen gibt. Von Anfang an ist klar, dass sich die Kinder der beiden ach so zivilisierten Elternpaare – und der Epilog sollte diese Annahme bestätigen – wahrscheinlich schon längst wieder vertragen haben, während im Wohnzimmer der Longstreets die Fetzen fliegen. Doch es geht eher um die Details der Eskalation und in diesen werden schmerzlich komische Wahrheiten seziert, die – natürlich maßlos übersteigert – dann auch ins Schwarze treffen.

Mich hat „Der Gott des Gemetzels“ ziemlich gut unterhalten, wenngleich ich das Apartment auch ganz gerne verlassen hätte. Doch genau darum geht es wohl in dem Film. Wer unsere Stars einmal in einer etwas anderen Rolle sehen möchte und Kammerspielen nicht abgeneigt ist, der sollte sich diesen Film auf jeden Fall anschauen. Nach den 80 Minuten wird man auf jeden Fall froh sein, nicht Teil dieses Gesprächs gewesen zu sein – zumindest vorerst, denn wer weiß in welche Situationen man durch die eigenen Kinder einmal kommt? Ein herrlich unangenehmes Vergnügen: 8/10 Punkte.