Dein Weg – OT: The Way (2010)

Nachdem ich heute den ganzen Tag ein Blockseminar gegeben habe, ist nicht nur meine Stimme nahezu komplett weg, es machte sich auch schon früh eine gewisse Müdigkeit bemerkbar. Auf einen Film wollte ich dennoch nicht verzichten: Die Wahl fiel letztendlich auf „Dein Weg“ von Emilio Estevez, der bereits seit mehreren Jahren auf meiner imaginären Liste der noch zu sehenden Filme steht. Ob das beinahe schon meditative Drama die richtige Wahl für solch einen müden Abend war?

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Es mag am Kaffee liegen, den ich erst zu später Stunde zu mir genommen habe, doch eingeschlafen bin ich tatsächlich nicht. Es bestand nicht einmal annähernd die Gefahr – und ich möchte dies dem Film zuschreiben, denn er hat mich gar wunderbar unterhalten. Meine langjährigen Leser wissen, dass Vater-Sohn-Beziehungen (siehe auch „Wish I Was Here“ oder „Beginners“ oder „About Time“) seit jeher einen Nerv bei mir treffen. Folglich ist es auch keine Überraschung, dass der auf zwei Ebenen mit der Vater-Sohn-Beziehung spielende „The Way“ mich berührt hat: Emilio Estevez hat die Rolle der Hauptfigur Tom für seinen Vater Martin Sheen, den ich spätestens seit „The West Wing“ liebe, geschrieben. Gleichzeitig verkörpert Sheen den Vater des auf dem Jakobsweg verstorbenen und von Emilio Estevez gespielten Daniel. Und man merkt diese persönliche Komponente in wirklich jeder Szene des Films.

Es wird viele Zuschauer geben, die den Film nicht ertragen können. Er strotzt nur so vor religiösen und spirituellen Untertönen, die letztendlich aber auch nur Untertöne sind und das Setting für vier ganz individuelle Geschichten bilden. Weiterhin passiert nicht viel in dem Film, sprich man beobachtet zwei Stunden lang Tom, wie er auf dem Jakobsweg unterschiedlichen Pilgern begegnet und sich langsam mit diesen anfreundet. Das muss man mögen. Und ich mochte es wirklich sehr. Man bekommt tatsächlich ein Gefühl für die Landschaft und die Art von Menschen, die sich auf solch eine Reise begeben. Weiterhin ist die Dynamik zwischen unseren vier Pilgern großartig und ich habe sehr gerne zwei Stunden meiner Zeit mit ihnen verbracht. „Dein Weg“ ist kein aufregender Film, aber ein kraftvoller.

Müsste ich etwas kritisieren, dann vermutlich die ein wenig beliebig wirkende Zusammenstellung des Soundtracks. Ebenso fügt sich nicht jede Episode perfekt in die Geschichte ein, doch das macht für mich auch den Reiz dieses Films aus. Spontane Begegnungen sind eben nicht immer perfekt. Am Ende war ich sogar richtig wehmütig, dass die Reise nun vorbei ist. Ich kann mir gut vorstellen, den Weg irgendwann noch einmal zu gehen: 8/10 Punkte.

Wish I Was Here (2014)

Mit dem Start ins Wochenende, habe ich mir einen Film angeschaut, der schon lange auf meiner Liste steht: Zack Braffs „Wish I Was Here“ hat schon während seiner Entstehungsphase mein Interesse geweckt, in der der Autor, Regisseur und Schauspieler im Rahmen einer Kickstarter-Kampagne zur Unterstützung seines Projekts aufgerufen hatte. Auch wenn ich mich nicht aktiv daran beteiligte, so war ich doch mehr als gespannt, ob mich auch das jüngste Werk Zack Braffs zu überzeugen wissen würde…

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Wie einige von euch vielleicht wissen, gehört „Garden State“ zu meinen erklärten Lieblingsfilmen. Seit diesem ganz besonderen Film waren 10 Jahre vergangen, in denen keine weitere Regiearbeit des aus „Scrubs“ bekannten Schauspielers folgte. Nachdem ich die ersten Kritiken las, war ich tatsächlich ein wenig skeptisch und schob die Sichtung immer weiter auf. Heute hat sich jedoch gezeigt, dass dies nicht nötig gewesen wäre, denn auch wenn sich „Wish I Was Here“ sowohl formal als auch inhaltlich durchaus an seinem Vorgänger im Geiste orientiert, so schafft er es doch eine ganz eigene Sogwirkung zu entfalten, die mich nicht nur aufgrund der verarbeiteten Themen an den wunderbaren „Beginners“ denken ließ.

Vermutlich hat der Film bei mir einen Nerv getroffen, weil abermals eine Vater-Sohn-Beziehung im Zentrum steht bzw. das automatische Erwachsenwerden, das mit dem Tod eines Elternteiles einhergeht, erzählt wird. Auch wenn mein Leben ganz anders aussieht, als das der Hauptfigur Aidan Bloom (Zack Braff), kamen mir viele Themen doch bekannt vor. Wenn man selbst Kinder hat und sich mit der Sterblichkeit der eigenen Eltern beschäftigen muss, treten unweigerlich die Erinnerungen an die eigene Kindheit in den Vordergrund. Man versucht längst vergessene Momente zu greifen und ihnen Bedeutung zu geben. Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Auch wenn „Wish I Was Here“ teils etwas gewollt inszeniert wirkt, so spiegelt er die mit diesem Lebensabschnitt einhergehenden Emotionen doch wirklich gut wider.

Nein, ein zweiter „Garden State“ ist dieses Filmprojekt nicht. Ihm fehlt oft die Leichtigkeit, was ich aufgrund der verarbeiteten Themen aber nicht zu negativ bewerten würde. Emotional hat mich das Drama mich tief berührt und es ist wahrlich kein Auge trocken geblieben. Trotz des erzählten Abschieds, gelingt es dem Film seine Charaktere beständig nach vorne schauen zu lassen und voller Hoffnung zu sein. Ich mag das sehr. Für mich darf der dritte Film des talentierten Regisseurs gerne früher als in 10 weiteren Jahren kommen: 8/10 Punkte.

No Turning Back – OT: Locke (2013)

Die Qual der Filmwahl hat mich heute zu „No Turning Back“ geführt, von dem ich schon einiges – von Berichten in diversen Podcasts bis zu einem Artikel in der Empire – gehört hatte. Die Prämisse des Films schien mir ausreichend interessant und die Art der Inszenierung zudem sehr spannend zu sein. Im besten Falle ein packendes Drama, im schlechtesten ein anstrengendes Filmexperiment. Was hat Steven Knights ungewöhnlicher Roadmovie letztendlich zu bieten?

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Der im Original titelgebende Ivan Locke verlässt abends die Baustelle, deren Leiter er ist, steigt ins Auto und fährt für die kommenden 80 Minuten einem konkreten Ziel entgegen. Dies ist die gesamte Handlung dieses Kammerspiels auf Rädern. Unterdessen managt er private und berufliche Krisen, die seine gesamte Existenz und sein Wertesystem infrage stellen. Ein aus einem Moment der Schwäche geborener Fehler ist nicht ohne Konsequenzen geblieben und Locke ist entschlossen das Richtige zu tun – wohl auch, weil der Schatten seiner eigenen Vergangenheit drohend über ihm hängt. Eine ausweglose Situation, für die der Film letztendlich keine Lösung bereithält.

Trotz des eingeschränkten Settings wird der Film nicht langweilig, was wohl größtenteils an Tom Harys eindringlichem Spiel liegt. Man kann einfach mit ihm mitfühlen. Er versucht das Richtige zu tun und seinen Mann zu stehen, weiß jedoch gleichzeitig, dass er den Fehler nicht wieder gut machen kann. Eine ausweglose Situation, die durch die nächtliche Fahrt noch unterstützt wird: Locke ist ein getriebener, der im Rausch der Ereignisse selbst nicht vom Fleck kommt, egal wie vehement er kämpft. Er ist gefangen und kann sich nur treiben lassen. Dabei versucht Knight kein falsches Mitleid für seine Figur aufzubauen, sondern lässt ihn ungeschönt zum Spielball der Ereignisse werden, die er selbst losgetreten hat. Kontrollverlust und das Festhalten an Prinzipien sind die großen Themen des Films.

Ich hatte mich teils gefragt, ob „Locke“ als Hörspiel nicht (noch) intensiver gewesen wäre, denn obwohl der Film nur 80 Minuten Laufzeit hat und er visuell nett umgesetzt ist, wirkte die nächtliche Fahrt auf mich als Zuschauer beinahe ebenso ermüdend, wie für den Protagonisten. Letztendlich ist es tatsächlich ein etwas anstrengendes Filmexperiment, das glücklicherweise auch packendes Drama zu bieten hat. Aufgrund des bewusst eingeschränkten Settings hat mich der Film teils an „Buried“ erinnert, auch wenn es inhaltlich sonst keine Parallelen gibt. Anstrengend, packend und ein Tom Hardy in Bestform: 7/10 Punkte.

Gone Girl (2014)

Nachdem wir gestern Abend spontan mit den Kindern schwimmen gegangen sind, war es danach zu spät für einen Film. Heute bestanden die Tagesaktivitäten aus dem Kaufen und Aufbauen neuer Möbel – und irgendwann hatte ich genug davon, so dass der Sichtung von „Gone Girl“ nichts im Wege stand. Schon lange befand sich der jüngste Film von David Fincher auf meiner Liste. Ob er meine hohen Erwartungen erfüllen konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung. Spoiler sind zu erwarten.

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„Gone Girl“ hat meine Erwartungen nicht getroffen. Ich hatte mir einen Film erwartet, der einen beständig zweifeln lassen würde, ob der von Ben Affleck gespielte Ehemann nun seine Frau ermordet hat oder nicht. Die Frage nach der Schuld stellt sich nicht wirklich, denn noch bevor David Fincher nach ca. einer Stunde die erste große Enthüllung macht, scheint die Geschichte ziemlich eindeutig. Der Kniff des unzuverlässigen Erzählers (hier durch ein Tagebuch in die Handlung eingewoben) ist recht offensichtlich und eher dazu gedacht, die Charaktere in der Filmwelt in die Irre zu führen, als uns Zuschauer vor dem Bildschirm. Dies sorgt für eine ganz besondere Art der Spannung: Sie wird doch nicht wirklich…

Es ist als wolle Fincher sagen: Mir geht es nicht darum euch an der Nase herumzuführen, schaut euch die Beziehung an – darin liegt der wahre Horror! Und Recht hat er. Es gibt in dem Film keinen fehlerlosen Charakter. Jeder spielt nach seiner Agenda – und durch die von Rosamunde Pike großartig verkörperte psychopathisch veranlagte Ehefrau wird die dunkle Seite der Emotionen, die in jeder Beziehung zu finden sind, beinahe schon satirisch böse auf die Spitze getrieben.

Durch David Finchers abermals perfekte Inszenierung wirkt die dargestellte Welt – und speziell jede Beziehung darin – kalt, fremd und mechanisch. Emotionen sind kalkuliert und der äußere Schein ist wichtiger, als die Innenwelt. Eine perfekte Oberfläche für das perfekte Verbrechen? Obwohl ich als Zuschauer um die Verfehlungen der einzelnen Charaktere wusste, habe ich mit ihnen mitgefiebert. An das Gute in ihnen geglaubt – und bin selbst so mancher Lüge aufgesessen. Gegen Ende gibt es dann doch noch einmal eine schockierende Wendung, die in ihrer Konsequenz so perfide ist, dass man eigentlich nur hysterisch darüber lachen kann. In ihr offenbart sich auch die Schwäche unserer Hauptfigur, was den Kreis zum Anfang schließt. Der Schein des trauten Heims bleibt gewahrt.

Vielleicht sollte ich dankbar sein, dass meine Frau bei der Sichtung eingeschlafen ist, denn „Gone Girl“ zeichnet ein extrem düsteres Bild der Ehe. Dabei legt der Film öfter einmal den Finger in die Wunde, verlässt die rationale Ebene jedoch sogleich und gipfelt in einer Art satirischem Thriller, der mir wohl noch länger im Gedächtnis bleiben wird. Interessant auch die Frage, wie der Film wohl in einer anderen Schnittfassung funktioniert hätte, in der Ehemann Nick zusammen mit dem Zuschauer bis zum Ende ahnungslos geblieben wäre und man Amys Perspektive erst zum Schluss gesehen hätte. Ein in jeder Hinsicht empfehlenswerter Film: 9/10 Punkte.

Can a Song Save Your Life? – OT: Begin Again (2013)

Die letzte Urlaubswoche nähert sich erschreckend schnell ihrem Ende – und bisher hatte ich es nicht geschafft auch nur einen der noch geplanten Filme zu sehen. Heute jedoch gab es mit „Can a Song Save Your Life?“ tatsächlich großes Kino zu sehen, was zu Beginn nicht wirklich absehbar war. Umso glücklicher bin ich, diesem kleinen und doch großen Werk eine Chance gegeben zu haben – und ihr solltet das auch!

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Ich mag Musikfilme und -serien. Sehr sogar. Ebenso die kleinen, wunderbaren Feel-Good-Movies, die häufig unter dem Radar fliegen. Tatsächlich hat mich bei „Begin Again“ die Besetzung am meisten gestört – Keira Knightley und Mark Ruffalo sprechen nicht gerade für eine charmante Indie-Produktion. Dagegen steht die zauberhafte Geschichte sowie mit „Once“ ein Überraschungshit, den Regisseur John Carney zuvor inszenierte. Letztendlich sollten sich meine Sorgen als unbegründet herausstellen und „Can a Song Save Your Life?“ bewegt sich so zielsicher zwischen Indie und Blockbuster, wie auch die Geschichte zwischen Märchen und authentischem New-York-Portrait schwankt. Trotz Ecken und Kanten (und manchmal auch fehlenden Ecken und Kanten) ein absolut fantastisches Erlebnis.

Grundvoraussetzung für eine positiv wahrgenommene Sichtung sollte vermutlich Gefallen an Singer/Songwriter-Musik sein. Auch wenn das Ergebnis in diesem Film immer ein wenig zu glatt und überproduziert klingt, so sind die Wurzeln doch unverkennbar. Erstaunlicherweise wirkt „Begin Again“ gerade aufgrund seiner beiden Hauptdarsteller authentisch. Ich hätte wirklich niemals gedacht, dass Knightley und Ruffalo so wunderbar harmonieren und ihre Rollen perfekt ausfüllen. Es funktioniert einfach – und das Beste: Der Film kommt ohne aufgesetzte Romanze aus, auch wenn es durchaus unverkennbare Spannungen zwischen Charakteren gibt. Danke dafür.

Neben all der wunderbar echt wirkenden New-York-Atmosphäre, ist der Film ganz klar ein großes Pop-Märchen. Am Ende sind alle glücklich und haben sich zum Positiven hin weiterentwickelt. Ein echtes Feel-Good-Movie eben, der es schafft nicht in Kitsch zu ertrinken. Die Musik ist zudem wirklich gelungen und unterstützt die Atmosphäre des gesamten Films. Einfach schön. Wer das erträgt, der kann mit „Can a Song Save Your Life?“ wunderbare 100 Minuten verbringen. Eine dicke Empfehlung: 9/10 Punkte.

Die Tribute von Panem: Mockingjay Teil 1 – OT: The Hunger Games: Mockingjay – Part 1 (2014)

Aktualisierung: Ich habe „Die Tribute von Panem: Mockingjay Teil 1“ am 3. Februar 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nachdem ich den ersten Samstag im neuen Jahr genutzt habe, um einen Abluftkanal für unseren Wäschetrockner zu legen, war am Ende des Tages eigentlich die Luft raus. Dennoch hatte ich Lust auf einen Film und so kam es, dass letztendlich „Die Tribute von Panem: Mockingjay Teil 1“ den Weg auf den Bildschirm fand. Den vorletzten Teil der erfolgreichen Jugendbuch-Verfilmung hatte ich damals im Kino verpasst und somit war ich sehr gespannt auf die Umsetzung…

Die Tribute von Panem: Mockingjay Teil 1 (2014) | © Studiocanal

Die Tribute von Panem: Mockingjay Teil 1 (2014) | © Studiocanal

Zu Beginn war es sehr ungewohnt so unmittelbar in die dystopische Welt von Panem zurückzukehren. Hätte ich zuvor jedoch die beiden Vorgänger „Die Tribute von Panem: The Hunger Games“ und „Die Tribute von Panem: Catching Fire“ geschaut, dann hätte die Sichtung des ersten Teils des Finales bestimmt nicht mehr im Januar stattgefunden. Schon nach ein paar Minuten war ich inhaltlich auch wieder voll drin, was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass ich die Buchvorlage „Die Tribute von Panem: Flammender Zorn“ kenne und zu schätzen weiß. Für mich bildet die Trilogie wunderbar den Brückenschlag zwischen Jugendabenteuer und ernstzunehmender Dystopie.

Regisseur Francis Lawrence hält sich abermals dicht an die Vorlage, was in diesem Fall auch einfach ist, denn schließlich hat er zwei Filme Zeit die Geschichte zu Ende zu erzählen. Eigentlich hätte es diese Zweiteilung nicht gebraucht und es steckt bestimmt vor allem der Profitgedanke des Studios hinter dieser Entscheidung – und doch muss ich sagen, dass der Rhythmus der Erzählung funktioniert. Ich hätte nur ungern auf eine Szene verzichtet und fand es schön, Distrikt 13 im Detail kennenzulernen. Wie sich diese gewonnene Zeit nun auf das endgültige Finale niederschlägt, das ja eher zwiespältig aufgenommen wurde, kann ich allerdings noch nicht abschätzen.

Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern, gibt es dieses Mal ein gänzlich anderes Szenario, sprich man verlässt das Jugendabenteuer und findet sich eher in einem Sci-Fi-Kriegsfilm wieder. Dies funktioniert erstaunlich gut, was wohl auch an der gewissen Härte liegt, mit der wir Zuschauer konfrontiert werden. Hinzu kommt das große Thema Propaganda sowie Instrumentalisierung von Heldenfiguren. Für die Zielgruppe hat der erste Teil von „Mockingjay“ wahrlich einiges zu bieten – und auch als erwachsener Zuschauer kann man viel Freude mit dieser Dystopie haben.

Fazit

Nach der Sichtung finde ich es fast etwas schade, nicht doch noch einmal einen Blick auf die Vorgänger geworfen zu haben. Auf „Mockingjay Teil 2“ freue ich mich auf jeden Fall schon sehr – und spätestens dann wird sich auch zeigen, ob die Zweiteilung letztendlich auch der Geschichte und nicht nur dem Konto des Produzenten dienlich ist: 8/10 Punkte.

Journey of Love: Das wahre Abenteuer ist die Liebe – OT: Safety Not Guaranteed (2012)

Heute gibt es eine Premiere: Ich habe mit „Journey of Love: Das wahre Abenteuer ist die Liebe“ meinen ersten Film im neuen Haus gesehen. Und damit auch den ersten Film auf der lang erwarteten 5.1-Anlage, auch wenn das ruhige Sci-Fi-Märchen dafür wohl nicht der richtige Einstand war. Alles aber völlig egal, denn nach fünf Wochen Pause bedeutet das endlich wieder eine Kritik auf eurem liebsten, ähm, Filmblog… 🙂

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Aufgrund meiner Vorliebe für Zeitreisefilme bin ich schon etliche Male über „Safety Not Guaranteed“ (so der treffende Originaltitel) gestolpert. Dabei kennt den Film sonst vermutlich kaum jemand. Zuletzt hat ihn eine Besprechung auf dem filmischen Zeitreiseblog schlechthin zurück auf mein Radar gebracht – und thematisch schien er mir auch perfekt für diese Zeit der privaten Veränderungen zu sein. Den geschmiedeten Plänen drohte – trotz der kurzen Laufzeit von gerade mal 85 Minuten – jedoch akuter Schlafmangel (kranke Kinder und sehr arbeitsreiche Tage) einen Strich durch die Rechnung zu machen. Ich habe der Müdigkeit jedoch erfolgreich getrotzt und wurde mit einem sehr sympathischen Filmerlebnis belohnt.

Die Prämisse ist so einfach wie genial: Ein mysteriöser Anzeigentext, der übrigens auf einer wahren Begebenheit beruht, ruft ein paar Reporter auf den Plan, die sich eine abgefahrene Geschichte erhoffen. Und darum geht es:

„Wanted: Somebody to go back in time with me. This is not a joke. P.O. Box 91 Ocean View, WA 99393. You’ll get paid after we get back. Must bring your own weapons. Safety not guaranteed. I have only done this once before.“

Wer würde da nicht neugierig werden? Was nun folgt ist weniger investigatives Recherche-Drama noch Sci-Fi-Mystery, sondern eine Tragikomödie mit Indie-Flair. Kaum zu glauben, dass ausgerechnet Colin Trevorrow, der Regisseur des diesjährigen millionenschweren Blockbusters „Jurassic World“, auf dem Regiestuhl saß. Nun schließt sich auch der Kreis und man erkennt plötzlich, was der „New Girl“-Schauspieler Jake Johnson in dem Monster-Hit zu suchen hatte. Und in beiden Filmen wird die Hauptrolle von einem „Parks and Recreation“-Alumni verkörpert. Zufall?

Doch nun zurück zum eigentlichen Film: „Safety Not Guaranteed“ atmet Indie-Charme aus jeder Pore, ist schön gefilmt und mit einem launigen Soundtrack versehen. Ich hatte großen Spaß dabei unsere verkorksten Helden bei ihrem Trip zu beobachten und große Emotionen erwartet. Diese sollten jedoch nur bedingt aufkommen, was auch am viel zu eindeutigen Finale liegt. Das wäre nicht nötig gewesen. Ein ganz ähnlicher (und doch ganz anderer Film), der das Drama viel intensiver lebt und die Auflösung deutlich subtiler angeht ist „K-PAX“ mit Kevin Spacey, den ich an dieser Stelle nur empfehlen kann.

Letztendlich ist Colin Trevorrows Film ein größtenteils wunderbar leicht erzähltes Indie-Drama, das in letzter Konsequenz zu plump auf ein eindeutiges Finale hinsteuert. Ich hatte wirklich viel Spaß damit, doch haben gerade die letzten Minuten noch einen zuvor sicheren achten Punkt von meiner Wertung weggeknabbert. Dennoch kann ich diesen leider eher unbekannten Film allen Freunden von Indie-Romanzen nur ans Herz legen: 7/10 Punkte.

Gattaca (1997)

Heute war einer dieser Tage, an denen die eskapistische Flucht in Filmwelten dringend nötig war. Dabei habe ich mich für Andrew Niccols „Gattaca“ entschieden, den ich schon viel zu lange nicht mehr gesehen hatte. Eine sehr gute Wahl. Vielleicht hatte ich diese Art der ‚Du kannst alles erreichen, wenn du nur hart genug arbeitest!‘-Motivation auch einfach nötig. Doch auch davon abgesehen bietet der Sci-Fi-Klassiker beste Unterhaltung auf jeder Ebene. Ihr wollt mehr wissen? Lest einfach weiter…

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Am meisten begeistert hat mich von Beginn an, wie unglaublich zeitlos „Gattaca“ wirkt. Der Film hat zwar bereits 18 Jahre auf dem Buckel, doch durch seinen brillant in Szene gesetzten Retro-Futurismus mögen sich einfach keine Alterungserscheinungen auf audiovisueller Ebene einstellen. Großartig! Auch inhaltlich wirkt Niccols Dystopie aktueller denn je und reiht sich somit in die Riege der zeitlosen Genre-Klassiker à la „Soylent Greent“ oder „Logan’s Run“ ein. Die Grundidee ist ähnlich faszinierend wie die seiner leider häufig verschmähten Sci-Fi-Dystopie „In Time“ – ein Film, den man als Freund des Genres ebenfalls nicht ignorieren sollte.

Was „Gattaca“ weit über den Standard hinaushebt, ist neben der kunstvollen Inszenierung eindeutig der emotionale Kern der Geschichte. Im Zentrum steht ein Brüderpaar, wenngleich ein Teil dieses Paares im Laufe der Geschichte auch über einen anderen Charakter gespiegelt wird. Perfektion gegen Imperfektion. Motivation gegen Hoffnungslosigkeit. Schicksal gegen Selbstbestimmung. Es werden viele Themen verhandelt, was jedoch nie aufgesetzt wirkt. Die Einbettung in eine geradlinige Thriller-Handlung treibt den Film zudem voran und lässt uns Zuschauer mit Vincent/Jerome (abermals ein starker Ethan Hawke) mitfiebern.

Für Freunde dystopischer Welten und Sci-Fi-Geschichten, die sich in unserer nahen Zukunft zutragen, ist „Gattaca“ eine kleine Offenbarung. Ich mochte Niccols Film bereits bei der vorhergehenden Sichtung, doch heute hat er bei mir wirklich Eindruck hinterlassen. Insofern kann ich nur eine dicke Empfehlung aussprechen und würde mir wünschen es gäbe wieder mehr Filme mit solch originellen und perfekt umgesetzten Konzepten: 9/10 Punkte.

Sin nombre (2009)

Die meisten Filme, die ich schaue, sind englischsprachige Produktionen. Viel zu selten blicke ich über diesen Horizont hinaus, dabei sind es oft gerade internationale Produktionen, die zu beeindrucken wissen. Zu diesen gehört auch der US-mexikanische Film „Sin nombre“, von dem ich schon viel Gutes gehört hatte. Den letzten Anstoß zur Sichtung hat jedoch die Vorstellung des Films im jüngsten Band der Buchreihe „Filme der 2000er“ gegeben. Ob sich die Sichtung letztendlich gelohnt hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

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Zunächst einmal muss ich ansprechen, wie brandaktuell „Sin nombre“ wirkt: Der Film erzählt die Geschichte von Flüchtlingen, die alles aufgeben um untragbaren Lebensumständen zu entfliehen – nur eben von Mexiko in die USA. Dabei konzentriert sich Regisseur Cary Fukunaga gezielt auf zwei Einzelschicksale, die in dieser oder ähnlicher Form jedoch stellvertretend für viele Flüchtlinge sein werden. Gewalt beherrscht nicht nur die zurückgelassenen Lebenssituation, sondern auch die gesamte Reise nach Norden an die US-mexikanische Grenze. Dabei erzählt der Film kein ruhiges Drama, sondern stellt eine knallharte Gangstergeschichte ins Zentrum, die nicht von ungefähr an Fernando Meirelles‘ „City of God“ erinnert, ohne jedoch dessen epische Dimensionen zu erreichen.

Mit ca. 90 Minuten ist die zur Verfügung stehende Zeit nicht besonders lang, was bedeutet dass die gezeigte Welt nicht bis ins Detail erklärt wird, sondern durch die Handlung erzählt wird. Dies fand ich sehr erfrischend, wenngleich ich mir auch ein paar ausführlichere Charakterszenen gewünscht hätte. Die Figuren bleiben somit ein wenig an der Oberfläche und manche von ihnen hätte ich gerne näher kennengelernt. Doch vielleicht unterstreicht dies auch einen Teil der Reiseerfahrung von Flüchtlingen: man sieht sich, verliert sich, stolpert – im wahrsten Sinne des Wortes – sinnlos in den Tod und ist letztendlich Mächten ausgeliefert, denen das eigene Leben keinen Cent wert ist. Auch das Finale ist angenehm konsequent und entlässt die Figuren (und mit ihnen den Zuschauer) mit einem Kloß im Hals in eine ungewisse Zukunft.

Auch wenn mich Fukunagas Film nicht so mitgerissen hat, wie damals „City of God“, so zeigt er uns doch einen schonungslosen Blick in eine Welt, die uns beinahe unvorstellbar erscheinen mag. „Sin nombre“ mag mehr Gangsterfilm als Flüchtlingsdrama sein, doch die Parallelen sind unverkennbar, was auch Cary Fukunagas Kurzfilm „Victoria Para Chino“ unterstreicht, der den Erstickungstod mehrerer Flüchtlinge in einem LKW kurz hinter der Grenze thematisiert. Es geschieht überall auf der Welt und es ist überall gleichermaßen schlimm. Niemand macht solch eine Flucht freiwillig durch, ganz egal was die spezifischen Gründe sind. Ein weiterer unfassbarer Aspekt unserer schönen neuen Welt. Filme wie diese lassen sie greifbarer werden – und regen vielleicht auch diejenigen zum Nachdenken an, die sich sonst nicht mit diesem Thema auseinandersetzen wollen: 8/10 Punkte.

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Lord of War (2005)

Nach einem recht entspannten Samstag, den ich größtenteils im Freibad und im Möbelhaus verbracht hatte, stand am Ende des Tages mit „Lord of War“ ein längst überfälliger Film auf dem Programm: Vor ein paar Jahren bin ich bei der Recherche für das Konzept eines Produktfilms über die fantastische Intro-Sequenz des Films gestoßen – und seitdem steht er auf meiner Liste. Die Erwartungen waren entsprechend hoch. Konnte Andrew Niccols Waffenhändler-Satire diese erfüllen?

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Selbst wenn euch der Film nicht interessiert, kann ich euch nur zwingend die bereits erwähnte Eröffnungssequenz ans Herz legen. Selten wurde das Thema eines Films so gekonnt auf den Punkt gebracht und überaus stilvoll inszeniert. Was danach folgt erinnert wohl am ehesten an Martin Scorseses „GoodFellas“, ohne jedoch dessen Intensität zu erreichen. Speziell in der ersten halben Stunde sprintet Niccol über Ereignisse und Begebenheiten, dass man als Zuschauer kaum am Ball bleiben kann. Dies geht meiner Meinung nach ein wenig auf die Kosten der Figuren, die zwar interessant sind, aber ein wenig blass bleiben. Ab seinem zweiten Drittel nimmt sich der Film mehr Zeit und man wird als Zuschauer unweigerlich stärker von Charakteren und Handlung vereinnahmt.

Mit Nicolas Cage und Jared Leto bietet „Lord of War“ zwei Schauspieler, die den Film mühelos tragen. Speziell Cage schaffte kurz vor seinem nur allzu gut dokumentierten Absturz mit Yuri Orlov einen Charakter darzustellen, der gleichzeitig absolut abstoßend und dennoch irgendwie faszinierend ist. Jared Letos Vitaly Orlov hätte dagegen ein wenig mehr Ausarbeitung gut getan. Auch Ethan Hawkes (erst gestern in „Predestination“ gesehen) Gegenspieler bleibt ein wenig blass, was jedoch in letzter Konsequenz auch zu dem Charakter und der Aussage, die der Film für ihn trifft, passt.

Obwohl „Lord of War“ viele satirische Elemente besitzt, wird er doch über weite Strecken wie eine klassische Gangstergeschichte samt Aufstieg und Fall erzählt. Oft hätte ich gerne eine globalere Perspektive auf den Waffenhandel gesehen, doch braucht man wohl eine Figur wie Yuri Orlov, um den Zuschauer bei der Stange zu halten, was auch zweifellos gut funktioniert. Es gibt auch Momente, da muss man schwer schlucken, ob der gezeigten Grausamkeiten bzw. des unglaublichen Geschäfts, das hier gezeigt wird. Dennoch hatte mich der thematisch ähnlich angelegte „Blood Diamond“ stärker beeindruckt und bewegt.

Insgesamt bin ich sehr froh „Lord of War“ endlich gesehen zu haben. Das erwartete Meisterwerk ist dabei leider nicht herausgekommen, zu konventionell ist die erzählte Geschichte – Eindruck hinterlässt Niccols Film dennoch und ich kann ihn interessierten Filmfreunden nur empfehlen. Und sei es nur, um Nicolas Cage in einer seiner letzten wirklich großen Rollen zu sehen: 8/10 Punkte.