Die Herrschaft des Feuers – OT: Reign of Fire (2002)

Es gibt Filme, die sowohl bei den Kritikern durchfallen, als auch beim Massenpublikum schlecht ankommen – und dennoch schaue ich sie mir immer wieder gerne an. Zu diesen Filmen gehört auch „Die Herrschaft des Feuers“, der mich nun schon seit ca. 10 Jahren stets wieder vor den Bildschirm lockt. Warum ist das so? Und konnte mich Rob Bowmans Genremix auch bei der inzwischen dritten oder vierten Sichtung überzeugen?

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Mich hatte damals die Idee des Films begeistert: Drachenkämpfe in der Moderne. Wahnsinn! Das Filmposter versprach auch viel Action, was wohl für die größten Enttäuschungen sorgte: Entgegen der Erwartungen zeigt „Reign of Fire“ nicht den Kampf der Menschheit gegen die Drachen, sondern die Zeit danach. Die Erde ist verwüstet und letzte Überlebende versuchen in einem Endzeit-Setting, das „Mad Max“ Konkurrenz machen könnte, zu überleben. Ab und zu schaut auch ein Drache vorbei, doch die erwartete Helikopter vs. Drachen-Action beschränkt sich auf ein paar wenige – und deshalb vermutlich umso effektivere – Szenen.

Wie bei den meisten Geschichten, die eine kleine Gruppe Überlebender ins Zentrum stellen, welche gegen eine Bedrohung von außen (seien es nun Zombies oder Drachen) kämpfen müssen, stehen die zwischenmenschlichen Konflikte im Mittelpunkt. Christian Bales Charakter Quinn muss sich schon bald mit dem cowboyhaften Drachentöter Denton Van Zan (großartig verkörpert von Matthew McConaughey) herumschlagen, der eine ganz eigene Agenda verfolgt. All dies ist kein großes Drama, doch hat mir das Setting und die Dynamik zwischen den Figuren wirklich gut gefallen.

Was die Geschichte angeht, so wirkt sie teils nicht sonderlich durchdacht und oft ein wenig konstruiert. Sei es drum. Die Drachen sind absolut spektakulär und fantastisch in Szene gesetzt. Die Dialoge bewegen sich eher auf B-Movie-Niveau, doch gibt es immerhin ein paar schöne Oneliner. Außerdem kann wohl niemand einem Film böse sein, in dem Christian Bale und Gerard Butler in schlecht sitzenden Kostümen und mit Holzlichtschwertern einer Horde von Kindern „Star Wars“ vorspielen, da es in dieser Zukunft keinerlei Unterhaltungsmedien mehr gibt.

„Die Herrschaft des Feuers“ mag kein perfekter Film sein, doch kann ich die teils vernichtende Kritik absolut nicht nachvollziehen. Wer Drachen, Endzeit und „Star Wars“ mag, der sollte unbedingt einmal reinschauen. Ein originelles Konzept, das leider nur bedingt aufgeht – und mir dennoch bei jeder Sichtung viel Freude bereitet: 7/10 Punkte.

Die Tribute von Panem: Catching Fire – OT: The Hunger Games: Catching Fire (2013)

Aktualisierung: Ich habe „Die Tribute von Panem: Catching Fire“ am 27. Januar 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Heute haben wir es endlich einmal wieder ins Kino geschafft. Geplant war der Besuch von „Die Tribute von Panem: Catching Fire“ schon lange, da sowohl meine Frau als auch ich Suzanne Collins‘ Romantrilogie regelrecht verschlungen haben. Da mir bereits Gary Ross‘ Verfilmung des Vorgängers ausgezeichnet gefallen hat, war ich umso gespannter wie denn mein Lieblingsteil der Trilogie unter neuer Regie umgesetzt wurde…

Die Tribute von Panem: Catching Fire (2013) | © Studiocanal

Die Tribute von Panem: Catching Fire (2013) | © Studiocanal

Bereits die ersten paar Minuten haben mich sofort in die Welt von Panem eintauchen lassen. Ich war wirklich erstaunt, wie sehr die Bilder des Films den Bildern meiner Vorstellung entsprechen. Als hätte Regisseur Francis Lawrence (u.a. „Constantine“ und „I Am Legend“) sie 1:1 auf die Leinwand übertragen. Ein ähnliches Gefühl hatte ich bereits beim ersten Teil, doch bei dessen erster Sichtung kannte ich die Bücher noch nicht. Insofern wurde mein Eindruck von Panem wohl von beiden Medien stark beeinflusst.

Die Handlung des Films entspricht nahezu unverändert der Vorlage. Bevor es erneut in die Arena geht, machen sich Katniss und Peeta während der Tour der Sieger auf den Weg durch die 12 Distrikte, was größtenteils der Charakterentwicklung und der Darstellung der beginnenden Revolution dient. Diese Szenen werden in der Vorlage zwar noch genauer beschrieben, doch der Kern ist auf jeden Fall auch im Film vorhanden. Die dynamisch erzählte Trainingssequenz eröffnet anschließend einen wunderbar unterhaltsamen Blick auf die Konkurrenz unserer Tribute, die wahrlich fantastisch besetzt ist.

Die Arena selbst hatte mir bereits im Buch ausgezeichnet gefallen und der Film schafft es tatsächlich den Schrecken visuell eindrucksvoll abzubilden. Gerne hätte ich mich noch länger darin aufgehalten. Im Gegensatz zum Vorgänger fallen Kürzungen der Arena-Szenen weniger ins Gewicht. Zudem hat man auf unpassende Änderungen, wie z.B. die Darstellung der Mutationen, dieses Mal verzichtet. Für mich stellt der Film folglich tatsächlich eine qualitative Steigerung zum ohnehin schon gelungenen Vorgänger dar.

Fazit

Freunde der Romantrilogie werden sich die Verfilmung ohnehin anschauen. Doch ich kann auch allen anderen, die sich nur am Rande für Sci-Fi-Dystopien begeistern können, nur empfehlen, sich der Welt von Panem zu öffnen. Mit Jennifer Lawrence, Woody Harrelson, Donald Sutherland, Stanley Tucci und ab diesem Teil auch Philip Seymour Hoffman gibt es zudem schauspielerische Schwergewichte, denen der Film absolut gerecht wird – und andersherum. Ein rundum gelungenes Kinoerlebnis. Am liebsten hätte ich sofort den nächsten Teil gesehen: 8/10 Punkte.

Ralph reichts – OT: Wreck-It Ralph (2012)

Aktualisierung: Ich habe „Ralph reichts“ am 28. Januar 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Seit sich Pixar im Animationsfilm etabliert hat, ist meine Vorfreude auf Disney-Eigenproduktionen stetig gesunken. Dabei hat das altehrwürdige Studio mit Filmen wie „Bolt“ oder „Tangled“ durchaus mehr als nur Achtungserfolge vorzuweisen. Auch „Ralph reichts“ reiht sich nahtlos in die Liga der hochwertigen Eigenproduktionen ein – zumal durch ihn eine breite Zielgruppe abgedeckt wird: vom Spieleveteranen bis zum Zocker-Kiddie. Geht die Rechnung auf?

Ralph reichts (2012) | © Walt Disney

Ralph reichts (2012) | © Walt Disney

Im Vorfeld hatte ich bereits viel Gutes über den Film gehört. Eine Offenbarung für Spieler sei er, der mit unzähligen Anspielungen lockt – zumindest in der ersten Hälfte. Danach soll er nach Schema F ablaufen und sich an alten Disney-Strukturen abarbeiten. Insofern war ich wirklich gespannt, wie sich der Film – Retro-Hype hin oder her – tatsächlich entwickeln würde. Die Eröffnungstitel samt Disney-Logo in 8-Bit-Pixelgrafik waren zwar zu erwarten, hatten mein Retro-Herz aber sofort erweicht und ich war erst einmal offen für alles, was der Film mir so präsentieren würde.

Die erste Hälfte ist wahrlich ein Sammelsurium an Anspielungen auf die Videospielgeschichte. Besonders über „Street Fighter II“ hatte ich mich gefreut, da man über diese Szenen noch nicht in jedem Vorbericht lesen konnte. Auch waren es oft eher die kleinen Details oder Nebensätze, die mich schmunzeln ließen. Sowohl inhaltlich als auch inszenatorisch (Übergang von 8-Bit-Grafik in 3D-Welt etc.) hat der Film wahrlich einiges zu bieten. Doch wie sieht es nun in der gescholtenen zweiten Filmhälfte aus?

In der zweiten Hälfte greift der Film weniger auf etablierte Marken zurück, als auf ganze Spielmechaniken. Seien es Shooter oder Rennspiele, hier werden Klischees bedient und auf die Schippe genommen. Eine wahre Freude. Ebenso baut „Wreck-It Ralph“ seine eigene Welt auf und erzählt seine eigene Geschichte, was ich auf jeden Fall positiv bewerte, denn Videospiel-Referenzen allein hätten den Film nicht über die gesamte Laufzeit getragen. Glücklicherweise ist die Geschichte rund um Ralph, Vanellope, Felix usw. temporeich bis herzerweichend und hat mich am Ende glücklich seufzend mit einem der schönsten Abspänne der letzten Jahre zurückgelassen.

Mit „Ralph reichts“ hat Disney bewiesen, dass das Studio auch ohne Pixar sehenswerte Animationsfilme produzieren kann. Alleine die Idee und das Drehbuch müssen stimmen. Auch wenn ich die Schwerpunkte teils ein wenig anders gesetzt hätte, so ist „Wreck-It Ralph“ – unbedingt im Original schauen – auf jeden Fall ein Animationsfilm-Highlight, das sich besonders Videospieler der vergangenen drei Jahrzehnte auf jeden Fall ansehen sollten. Großartige Unterhaltung: 9/10 Punkte.

Oblivion (2013)

Nachdem ich mein liebstes Hobby in letzter Zeit doch sehr vernachlässigt habe, musste ich heute einfach einen Film sehen. Trotz Schlafmangel, spätem Feierabend und quengelnden Kindern war es um 21 Uhr endlich soweit und „Oblivion“ fand den Weg in den Blu-ray-Player. Der Film stand schon länger auf meiner Liste und nachdem ich die wohlwollende Besprechung von Robert im Sneakpod gehört hatte, war die Entscheidung einfach…

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2013 scheint wahrlich ein gutes Jahr für Sci-Fi-Freunde zu sein. Neben „Oblivion“ betreten etliche weitere hoch budgetierte Filme dieses Genres das Spielfeld, welche allerdings größtenteils nur gemischte Kritiken (z.B. „Elysium“) bekamen. Doch als Genrefreund drücke ich ganz gerne mal ein Auge zu und somit ging ich ohne Vorbehalte an Joseph Kosinskis Werk heran. Das Erste was auffällt ist, wie unglaublich gut die Welt von „Oblivion“ aussieht. Perfektes Produktionsdesign, das sich dennoch organisch in die Welt einfügt. Verfallene Welten, die unglaublich gut aussehen und die ich stundenlang betrachten könnte – aber ich bin ja auch jemand, der bereits viel Zeit beim Betrachten von Matte Paintings in den Foren von CGTalk verbrachte.

Was das Gefühl für Stil angeht, erinnert Kosinskis jüngster Film durchaus an seinen 2010er „TRON: Legacy“, dem damals auch schon der Vorwurf style over substance gemacht wurde. Ich mocht den Film allerdings und auch „Oblivion“ überzeugt mich durch seine detailliert darsgestellte Welt. Was die Geschichte angeht, so war ich in der ersten Filmhälfte noch voll dabei. Die erste Wendung hatte ich zwar bereits nach nur wenigen Minuten erahnt, doch sind diese Überraschungen glücklicherweise ähnlich unaufregend inszeniert, wie im inhaltlich durchaus verwandten „Moon“, der dramaturgisch jedoch um einiges stärker ist.

Etwas genervt war ich von den auslandenden Actionszenen in der zweiten Filmhälfte, die ziemlich redundant wirkten. Aber diese muss man ab einem gewissen Budget wohl in einem Film unterbringen. Auch die Identität des finalen Gegenspielers fand ich nicht allzu überzeugend. HAL lässt grüßen, hatte jedoch weit mehr Charakter. Dennoch funktioniert der Film insgesamt, was zugegebenermaßen größtenteils an seinen fantastischen Bildern (z.B. die Poolszene) und dem imposanten Score liegt.

Auch für Sci-Fi-Freunde mag „Oblivion“ keine Offenbarung darstellen, doch neben den unzähligen Sequels, Prequels und Remakes ist es angenehm eine tatsächliche neue Geschichte zu sehen – auch wenn deren Versatzstücken natürlich bereits mehr als bekannt sind. Kein neuer Genreklassiker, doch ein unterhaltsamer Filmabend ist auf jeden Fall drin. Und die zerstörte Erde sieht gut aus. So unglaublich gut: 7/10 Punkte.

Vertical Limit (2000)

Nachdem der Urlaub in der bayerischen Bergwelt nun hinter mir liegt, wollte ich filmisch noch einmal in die Berge zurückkehren. Da ich „Cliffhanger“ das letzte Mal vor nicht einmal zwei Jahren gesehen habe, stand heute „Vertical Limit“ auf dem Programm. Manchmal entscheidet eben doch das Setting über die Filmwahl – und nicht Handlung und Drehbuch, wie ich es ansonsten gerne behaupte…

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„Vertical Limit“ dürfte ich das letzte Mal vor gut 10 Jahren gesehen haben. Damals in schrecklicher Qualität auf einer miesen Video-CD. An viel erinnern konnte ich mich nicht mehr, nur das schlechte Bild, tolle Landschaftsaufnahmen und viel Action. Zumindest das Bild war bei der heutigen Sichtung dank Blu-ray deutlich besser. Leider wurden dadurch auch die teils wirklich miesen Effekte hervorgehoben. Wirklich unglaublich. Besonders der Prolog wirkt wie im Hinterhof eines mäßig talentierten Filmstudenten zusammengebastelt. Glücklicherweise wird es über den Lauf des Films besser, doch insgesamt ist es Renny Harlin bereits 7 Jahre zuvor gelungen, die Berge in einem Actionfilm deutlich besser in Szene zu setzen.

Neben den Effekten haben mich besonders die erstaunlich schlechten Schauspieler aus der Handlung gerissen. Einzig Bill Paxton habe ich den arroganten Millionär abgenommen. Somit wundert es mich nicht, dass die beiden Hauptdarsteller Chris O’Donnell („Navy CIS: L.A.“) und Robin Tunney (Agent Lisbon, „The Mentalist“) ihr Dasein in mittelmäßigen Krimiserien fristen. Die Geschichte selbst entstammt dem Drehbuchbaukasten und bietet zumindest ein paar nette Ideen für aufwändige Actionszenen.

„James Bond“-Regisseur Martin Campbell („GoldenEye“ und „Casino Royale“) ist mit „Vertical Limit“ leider kein besonders guter Bergsteigerfilm gelungen. Einzig die Naturaufnahmen können wirklich überzeugen. Die Action wirkt überladen und die Handlung konstruiert. Spaß macht er dennoch größtenteils, zumindest wenn man sich auf einen reinen Actionfilm einstellt. Nächstes Mal darf Sly wieder John Lithgow bekriegen: 5/10 Punkte.

Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger (2012)

Puh, was für ein Film. Ich weiß jetzt noch nicht so recht, wo ich mit dieser Besprechung letztendlich ankommen werde. Sicher ist zumindest, dass mich „Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger“ auch über seine Sichtung hinaus beschäftigen wird. Dabei hatte ich den Film im Vorfeld bereits abgeschrieben und wurde nur durch den Oscar-Rummel (Regie, Kamera, VFX, Score) wieder darauf gestoßen…

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Vom Buch hatte ich bereits gehört und dieses in eine Schublade mit dem Label Esoterik-Märchen gesteckt. Dann gab es vor einiger Zeit den Trailer im Kino zu sehen und ich wunderte mich noch, was denn Ang Lee mit solch einem Stoff anfangen will. Die Bilder fand ich gräßlich künstlich und abscheinend nur auf 3D und Effekt ausgelegt. Eine Sichtung stand für mich nicht zur Debatte. Letztendlich waren die Kritiken aber so gut, dass ich mir nun – mit einigem Abstand – doch selbst eine Meinung bilden wollte.

Die erste Überraschung kam mit der ausführlichen Rahmenhandlung. Es dauert beinahe 45 Minuten bis es die bereits im Trailer gezeigte Katastrophe zu sehen gibt – und bis dahin lernt man als Zuschauer den titelgebenden Pi und sein bisheriges Leben ziemlich gut kennen. Auch thematisch wird der Rahmen abgesteckt und man kann sich bereits denken, dass die Anspielungen auf die diversen Weltreligionen für den weiteren Verlauf des Films von Bedeutung sein werden. Ein wirklich schöner Einstieg in die Geschichte, doch der zweite Akt konnte daran unmöglich anschließen. Oder etwa doch?

Die im Trailer von mir noch als gräßlich künstlich wahrgenommenen Bilder hatten mich tatsächlich schnell für sich eingenommen. Zwar wirkten viele Einstellungen immer noch sehr artifiziell und auch der Videolook stieß mir manchmal etwas sauer auf, doch letztendlich gab es unzählige magische Momente, durch die ich immer tiefer in das Märchen – und als solches ist der Film ja auch erzählt – hineingesogen wurde. Rückblickend betrachtet macht die Künstlichkeit der Bilder sowieso Sinn und trägt zum Punkt bei, den Pi am Ende seiner Geschichte(n) zu machen versucht.

Der Regie-Oscar ist meiner Meinung nach wirklich verdient, denn es war bestimmt nicht einfach die eingeschränkte Handlung in solch zauberhafte Bilder zu fassen. Auch die Effekte sind atemberaubend und nach der Sichtung kann ich die Diskussion um die  Wahrnehmung der VFX-Branche – besonders im Hinblick auf „Life of Pi“ sowie Ang Lees Reaktion darauf – nur umso mehr verstehen. Ohne den immensen Einsatz von VFX wäre dieser Film einfach nicht möglich gewesen.

Auch inhaltlich und emotional hat mich der Film gepackt. Selbst wer mit Religion so gar nichts am Hut hat, wird sich eine schlüssige Interpretation aus der Geschichte ziehen können. Zwischen all den möglichen Bedeutungsebenen liegt letztendlich aber eine fantastisch gefilmte und spannend erzählte Abenteuergeschichte, der man sich nur schwer entziehen kann. Inzwischen bin ich am Ende meiner Besprechung angekommen und nun herrascht auch kein Zweifel mehr daran, wie ich den Film bewerten werde: 9/10 Punkte.

The Hunter (2011)

Aufgrund der wiederholten Erwähnung im Celluleute-Podcast, habe ich mir heute „The Hunter“ angesehen. Die Romanverfilmung mit Willem Dafoe in der Hauptrolle versprach einen packenden Kampf zwischen Mensch und Natur à la „The Grey“, den es letztendlich aber nicht zu sehen gab. Warum der Film dennoch sehenswert ist, lest ihr in der folgenden Besprechung.

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Müsste ich mich auf nur einen Grund festlegen, warum es sich lohnt „The Hunter“ zu sehen, dann wäre dieser wohl Willem Dafoe. Die Rolle des schweigsamen Einzelgängers, der notgedrungen lernt zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen, ist ihm wahrlich auf den Leib geschrieben. Dafoe spielt wirklich fantastisch und überzeugt sowohl als einsamer Jäger in der tasmanischen Wilndnis, als auch als zunächst unfreiwilliger Vaterersatz. Auch wenn die Motivation seines Handelns gegen Ende ein wenig mit dem Holzhammer kommt, so stellt er die Zerrissenheit seiner Figur doch bis zur letzten Sekunde absolut glaubwürdig und mitreißend dar.

Das Marketing des Films war einmal wieder ziemlich irreführend. Angepriesen als ‚Adrenalin-Thriller, der einen einzelnen Jäger und eine unbezähmbare Wildnis in einen atemberaubenden Zweikampf schickt.‘ hätte ich einen komplett anderen Film erwartet. Es gibt jedoch weder sonderlich spannende Szenen, eine unbezähmbare Wildnis, noch einen atemberaubenden Zweikampf zu sehen. Auch der gejagte Tasmanische Tiger ist keinesfalls eine reißende Bestie, sondern eher ein Symbol für die Jagd an sich und die Hoffnung verschiedenster Parteien. Der Film lebt von seinen zwischenmenschlichen Szenen, den fantastischen Naturaufnahmen und dem beeindruckend eingefangenen Ritual der Jagd. Hinzu kommt eine beunruhigende Atmosphäre, die von Ungewissheit und der Feindseligkeit der ortsansässigen Bevölkerung geschürt wird.

Kritik üben muss ich am Finale, das einerseits etwas überstürzt, andererseits auch nur bedingt glaubwürdig motiviert scheint. Hier hätte ich mir mehr Feingefühl in der Inszenierung gewünscht. Dennoch schafft es Dafoe auch die Schwachpunkte des Films auszugleichen und sorgt somit für ein einigermaßen zufriedenstellendes Ende. Neben Willem Dafoe spielt übrigens der kaum wieder zu erkennende Sam Neill sehr imposant einen zwielichtigen Einheimischen.

„The Hunter“ richtet sich weniger an Freunde des Subgenres der Mensch gegen die Natur, sondern vielmehr an Zuschauer, die ruhig erzählte Dramen in ungewöhnlichen Settings zu schätzen wissen. Ich für meinen Teil war – trotz der nicht erfüllten Erwartungen und der Schwächen im letzten Drittel – positiv überrascht und kann den Film nur weiterempfehlen: 8/10 Punkte.

The Grey: Unter Wölfen – OT: The Grey (2011)

Obwohl ich nach einem Tag voll intensiver Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest doch recht müde war, wollte ich die Gelegenheit einen Film zu sehen nicht ungenutzt lassen. Um 20 Uhr haben wir also die Blu-ray von „The Grey“ eingelegt. Nun ist es 23:30 Uhr – und nein, ich habe nicht den dreieinhalb stündigen Extended Cut gesehen. Immerhin kam ich dank Staffellauf zwischen Kind und Film gar nicht auf die Idee einzuschlafen. Doch wie war eigentlich der Film?

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Joe Carnahan erzählt in „The Grey“ eine sehr einfache Geschichte: der Mensch gegen die Natur. Ein Flugzeug stürzt in Alaska ab und die Gruppe Überlebender muss sich gegen die raue Natur und ein Rudel Wölfe behaupten. Selten war ein Filmtitel so passend gewählt, denn nicht nur die Wölfe sind grau. Auch die Eislandschaft Alaskas wirkt wie eine undefinierbare graue Masse. Ohne Anfang und Ende. Nur Wildnis. Ebenso rau und unmittelbar ist der Film inszeniert. Die Kamera ist stets nah am Geschehen und wirkt dokumentarisch. Auch die Montage wirkt abrupt und beinahe schon ruppig. Nein, von „The Grey“ sollte man sich wahrlich keine Hochglanzaction oder eine Aneinanderreihung von Beauty Shots erwarten (ein paar CGI-Sequenzen sind aber leider doch recht offensichtlich).

Auch wenn die Handlung des Films recht geradlinig ist und bis zu einem gewissen Punkt durchaus auch Genrekonventionen folgt, so ist „The Grey“ weit mehr als ein reiner Tierhorrorfilm. Die Charaktere sind relativ gut ausgearbeitet und zu einem Teil von ihnen kann man durchaus so etwas wie eine Beziehung aufbauen. Auch streift der Film etliche Themen – von Religiosität und Glaube bis hin zu Selbstbestimmung und moralischen Fragen –, die jedoch eher tangentiell auf die Handlung einwirken. Ich möchte nicht soweit gehen und, wie so manch anderer Kritiker, den Film als Allegorie auf das Leben an sich o.ä. sehen. Dennoch zeigt die Behandlung dieser Themen sehr schön, wie unterschiedlich Menschen in solch einer Extremsituation reagieren können und wie weit gefächert ihre Motivationen sind.

Mir hat „The Grey“ wirklich ziemlich gut gefallen. Er ist kompromiss- und gnadenlos. So manches Ableben wirkt absurd und unfair. Die Gefahr der Natur wirkt oft ungreifbar und ist doch stets gegenwärtig. Hinzu kommen intensive Aufnahmen der unwirtlichen Wildnis und glaubwürdige Darsteller. Das Ende des Films ist zudem wirklich unerwartet und ich muss noch einmal in mich gehen, ob ich es gelungen finde. So oder so wird mir dieser Überlebenskampf noch länger im Gedächtnis bleiben: 8/10 Punkte.

Hugo Cabret – OT: Hugo

Gestern Abend habe ich endlich Martin Scorseses großen Oscar-Film „Hugo Cabret“ gesehen. Der Film hatte mich bereits während seiner Kinoauswertung gelockt, doch habe ich es – wie so oft in letzter Zeit – einfach nicht ins Kino geschafft. Da die opulente Optik die große Leinwand und wache Sinnesorgane fordert, war ich gespannt wie der Film nach einer harten Arbeitswoche im kleinen Heimkino wirkt… Spoiler sind zu erwarten.

Im Vorfeld hatte ich bereits einiges über den Film gelesen: ungewöhnlich sei er für Scorsese, ein Bilderrausch und eine Liebeserklärung ans Kino. Ich wusste also ziemlich genau was ich zu erwarten hatte und bekam das in der ersten Filmhälfte auch zu sehen. Ein visuell beeindruckendes Abenteuer, das so gar nicht nach Scorsese aussah. Die Bilderwelten ließen mich eher an Jean-Pierre Jeunet (u.a. „Mathilde: Eine große Liebe“) denken, dessen überzeichneter und artifizieller Stil eine ganz eigene Handschrift erkennen lässt. Dennoch wirkt „Hugo Cabret“ nicht wie ein Jeunet-Film, da er nie dessen Grad an Skurrilität erreicht. Trotz aller Schauwerte bleibt die Handlung recht bodenständig und die Magie entspringt vor allem der kindlichen Wahrnehmung und den Bilderwelten des Kinos an sich.

So visuell imposant die erste Filmhälfte auch inszeniert ist, so wenig passiert inhaltlich. Man lernt Hugos Umgebung kennen und erfährt von seiner Vergangenheit. Davon abgesehen lässt sich die Handlung in zwei Sätzen zusammenfassen. Auch der emotionale Zugang zum Film ist aufgrund der bewusst inszenierten Künstlichkeit nicht einfach. Nur in bestimmten Momenten gelingt es den Charakteren zum Zuschauer durchzudringen. In der zweiten Filmhälfte jedoch eröffnet der Film eine ganz neue Welt…

Im Vorfeld hatte ich mich stets gefragt wo Scorsese denn in diesem Kinder- bzw. Jugendfilm die Liebeserklärung ans Kino untergebracht haben soll. Als aufgelöst wurde, dass es sich bei Hugos Antagonist um Georges Méliès handelt und man Ausschnitte aus dessen Lebensgeschichte in bunten Bilder vorgeführt bekommt, hat der Film in meinen Augen deutlich an Qualität und Bedeutung gewonnen. Was nun folgt ist tatsächlich eine Liebeserklärung ans Kino, die in eine ungewöhnliche Rahmenhandlung verpackt wurde.

Die Bewertung des Films fällt mir nun nicht leicht. Einerseits war es ein fantastisches audiovisuelles Erlebnis, das mich besonders mit den Rückblenden von Georges Méliè Leben sehr gut unterhalten hat. Andererseits haben mich Charaktere und Geschichte auch erstaunlich kalt gelassen, was aber auch an meiner doch recht müden Verfassung gelegen haben mag. Insofern entscheide ich mich für die bessere der beiden Wertungsstufen und kann jedem Kinofreund nur empfehlen sich selbst eine Meinung zu bilden: 8/10 Punkte.

Ice Age 4: Voll verschoben – OT: Ice Age: Continental Drift (2012)

Gestern war ich seit einem viertel Jahr endlich einmal wieder im Kino. Wider Erwarten haben wir uns jedoch nicht die neuesten Abenteuer des schwarzen Ritters angeschaut, dafür stand ganz spontan „Ice Age 4: Voll verschoben“ auf dem Programm. Leider mit Zwangsbrillenkauf und demnach in 3D, was den Preis für die Kinokarte mal eben so auf 12 Euro katapultierte. Unglaublich, oder? Ob es der Film letztendlich wert war, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Ich habe die „Ice Age“-Filme immer recht gerne gemocht und die ersten beiden Abenteuer der ungewöhnlichen Freunde sogar im Kino verfolgt. Der dritte Teil folgte dann nur noch im Heimkino, was auch völlig ausreichte: wirklich nette Unterhaltung, mehr aber auch nicht. Eine weitere Fortsetzung wäre meiner Meinung nach nicht nötig gewesen, doch dank des großen Erfolgs an der Kinokasse werden wir wohl auch noch „Ice Age 15: Mondreise mit Mammut“ erleben. Als ich das erste Mal vom vierten Teil hörte, hieß es noch dass Sid, Diego, Manny und Co. eingefroren werden sollten, um erst in unserer Gegegenwart wieder zu erwachen. Das klang für mich zumindest so abwechslungsreich, dass ich mir vornahm wohl noch ein letztes Mal reinzuschauen.

Von den damaligen Gerüchten rund um die Fortführung der Geschichte ist leider nichts übrig geblieben. Stattdessen wird einem wieder einmal eine Reise von A nach B präsentiert, nur dass sich das Abenteuer dieses Mal auf dem offenen Meer abspielt und man deshalb eine Piratengeschichte mit einweben konnte. Die neuen Bösewichte haben mir leider überhaupt nicht gefallen: zwar nett animiert, doch keinerlei Informationen über ihre Motivation oder die einzelnen Charaktere. Typische Gegenspieler eben, die leider unglaublich blass bleiben.

Besser gefallen hat mir dagegen erneut die Gruppendynamik unter den bekannten Figuren, wenngleich auch hier keine Innovationen zu erwarten sind. Sids Oma fand ich größtenteils recht amüsant, doch wirkliche Lacher lassen sich an einer Hand abzählen und gehen erneut am ehesten auf das Konto von Scrat. So bleibt der Film zwar nett anzuschauen und wirklich schön animiert, doch inhaltlich hat er absolut nichts Neues zu bieten – die komische Piratentruppe ist zudem ein ziemlicher Rückschritt im Vergleich zu den knuffigen Dinos des Vorgängers.

Der sich nervig an die potentielle Zielgruppe anbiedernde Popsong im Abspann hat mir die Laune dann endgültig verdorben. Somit reiht sich „Ice Age 4“ am qualitativen Ende der bisherigen Filme ein. Würde ich noch häufiger ins Kino gehen, hätte ich die Sichtung wohl nicht bereut, doch für seltene Kinobesucher gibt es wahrlich bessere Filme. Schön animierter Animationsdurchschnitt: 5/10 Punkte.