Midnight Special (2016)

Nachdem ich letzte Woche Jeff Nichols „Take Shelter“ gesehen habe und davon begeistert war, stand heute mit „Midnight Special“ konsequenterweise der jüngste Film des Regisseurs  auf dem Programm. Wie in den Kommentaren zum Vorgänger bereits festgestellt wurde, gehen die Meinungen zu diesem Film deutlich weiter auseinander. Umso gespannter war ich also, wie er mir denn gefallen würde…

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Wie mir bereits von Flo Lieb prophezeit wurde, erinnerte mich „Midnight Special“ tatsächlich an Filme wie „Unheimliche Begegnungen der dritten Art“ und „E.T. – Der Außerirdische“. Darüber hinaus musste ich noch an weitere Filme der 80er Jahre denken, in denen Kinder und Außerirdische im Mittelpunkt stehen. Prominente Vertreter sind zum Beispiel „Der Große mit seinem außerirdischen Kleinen“ (mit Bud Spencer) oder „Der Flug des Navigators“. All diese Filme setzen auch stark auf Verfolgungen durch das Militär oder die Polizei und spiegeln somit die Kernelemente von Nichols‘ Film wieder. Das Finale hat mich wiederum an James Camerons „The Abyss“ erinnert, was auch nicht die schlechteste Referenz ist.

Im Mittelpunkt von „Midnight Special“ steht jedoch eine Familiengeschichte. Man kann den gesamten Film auch als Allegorie auf das Elternsein lesen. Kinder verändern sich, lösen sich irgendwann von der Familie und man ist als Elternteil machtlos und versucht dennoch sie bei ihrem Weg zu begleiten:

Alton: „You don’t have to worry about me.“
Roy: „I like worrying about you.“
Alton: „You don’t have to anymore.“
Roy: „I’ll always worry about you Alton. That’s the deal.“

Das ist wohl der Kern der Geschichte. Sicher nicht sonderlich innovativ, doch gerade im Verbund mit den fantastischen Elementen und der packenden Verfolgungsjagd ein emotionaler Kern, der einfach funktioniert. Besonders wenn man selbst Kinder hat.

Trotz aller positiven Elemente wirkt „Midnight Special“ ein wenig beliebig. Mir kam es teils so vor als hätte ich nur die letzte Doppelfolge einer TV-Serie gesehen. Das hat nicht zwangsweise damit zu tun, dass ich gerne jedes Geheimnis gelüftet gesehen hätte, doch bleibt auch so manche Beziehung unter den Charakteren ein wenig luftleer im Raum hängen. Hier hätte Nichols gerne ein wenig mehr in die Tiefe gehen können. Auch Adam Drivers NSA-Mann Sevier verkommt zum reinen Mittel zum Zweck. Hier wäre mehr möglich gewesen.

Insgesamt hat mich „Midnight Special“ sehr gut unterhalten und emotional gepackt. Dennoch ist es bisher der schwächste von Jeff Nichols‘ Filmen. Für mich hätte er vermutlich noch besser funktioniert, wenn das fantastische Element nicht komplett ausformuliert gewesen wäre und dafür die Charaktere mehr Aufmerksamkeit bekommen hätten. Doch auch in seiner jetzigen Form kann ich den Film allen Genre-Freunden nur ans Herz legen: 8/10 Punkte.

The O.C. – Season 1

Nachdem ich mit der sechsten Staffel von „Game of Thrones“ ein wahres Highlight abgeschlossen hatte, war ich ein wenig ratlos, was denn meine nächste Serie werden sollte. Also habe ich mein Regal durchstöbert und bin bei „The O.C. – Season 1“ hängen geblieben. Die Serie stand immerhin schon seit über zwei Jahren ungesehen (und noch in Folie verpackt) bei mir herum. Kann nicht angehen. Also gab es über die letzten Wochen ein wenig Kontrastprogramm und was soll ich sagen? Ich wurde tatsächlich erschreckend gut unterhalten…

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Mit der Sichtung von „One Tree Hill“ liegt meine letzte Begegnung mit einem Teen-Drama ziemlich genau ein Jahr zurück. Dies scheint mir auch ein guter Rhythmus für das Genre zu sein, wenngleich ich ohnehin glaube inzwischen alle relevanten Vertreter gesehen zu haben. Einzig eine Rückkehr zum Ursprung mit „Dawson’s Creek“ könnte ich mir noch vorstellen, doch befürchte ich einen akuten Nostalgie-Flash. Auch wenn „The O.C.“ oder „O.C., California“, wie der deutsche Titel der Serie lautet, schon zur nächsten Generation von Teen-Drama gehört, so haben sich die Themen doch nicht groß weiterentwickelt. Popkultur spielt eine größere Rolle und es gibt bereits einige Anspielungen, die auf der Metaebene funktionieren, zum Beispiel wird das Alter der Schauspieler thematisiert und ob diese noch glaubhaft Teenager verkörpern können.

„The O.C.“ ist 2003 zeitgleich mit der ersten Staffel von „One Tree Hill“ gestartet, weshalb es für mich spannend war zu sehen, inwiefern sich die Serien unterscheiden. Durch die oben genannten humoristischen Anklänge wirkt „O.C., California“ etwas moderner als das Pendant von The WB. Dennoch lässt sich auch hier nicht verheimlichen, dass seit der Erstausstrahlung bereits 14 Jahre vergangen sind. Natürlich stellt sich somit auch die Frage, ob eine Serie dieses Formats heute noch funktioniert, hatte ich ja selbst 2003 meine Teenager-Jahre schon hinter mir gelassen. Die Antwort ist einfach: Ja, auch heute weiß die Serie noch zu unterhalten. Sei es durch den Indie-Soundtrack, der auch meine Zwanziger geprägt hat, die Themen rund um Liebe und jugendlichen Leichtsinn, die nie alt werden, oder die Erzählstränge der Eltern, die uns einen Blick in die Oberschicht Kaliforniens werfen lassen – schon nach wenigen Episoden setzt der Soap-Opera-Effekt gnadenlos ein und man lässt sich von der Welt der Reichen und Schönen wunderbar einlullen.

Wenn man „The O.C.“ mit den Qualitätsserien vergleicht, wie wir sie heute gewohnt sind, dann fällt die Serie ein wenig aus der Zeit. Wenn man sich jedoch darauf einlässt und mit dem Genre generell etwas anfangen kann, dann macht Josh Schwartz‘ (u.a. „Chuck“) Serie auch heute noch unglaublich viel Spaß. Zudem funktioniert sie gerade in stressigeren Zeiten perfekt als eskapistisches Element am Ende eines langen Tages. Glaubt mir, ich habe es selbst ausführlich getestet: 8/10 (8.1) Punkte.

Take Shelter (2011)

Da wir gestern Abend mit den Kindern noch ins Hallenbad gefahren sind (ja, zurzeit sind tatsächlich einmal alle gesund), ist der Freitagsfilm ausgefallen. Heute jedoch war es dann soweit – und das war auch bitter nötig, denn in letzter Zeit sammeln sich viele neue Filme bei mir an. Die Wahl fiel heute auf „Take Shelter“, den ich schon länger auf dem Schirm habe. Immerhin konnte mich Regisseur Jeff Nichols mit „Mud“ extrem überzeugen und auch Michael Shannon und Jessica Chastain versprachen Großes…

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Zunächst einmal muss ich anmerken, dass ich es unfassbar finde, wie unglaublich schlecht das deutsche Verleih-Cover ist. Was habt ihr euch dabei nur gedacht, Ascot Elite? Das lässt den Film wie die letzte B-Movie-Produktion wirken. Aber egal. Soll der Gelegenheitskäufer im Elektrofachmarkt ruhig enttäuscht werden. Es kommt ja schließlich auf den Inhalt an und dieser ist wahrlich famos. Selten habe ich einen Film gesehen, der eine solch unfassbar dichte Atmosphäre heraufbeschwört. Ohne große Effekte, ohne aufgesetztes Drama oder Thriller-Elemente. „Take Shelter“ lebt von seinen Schauspielern und der ruhigen Erzählweise, die sich in der Kameraführung widergespiegelt. Dadurch entsteht eine Sogwirkung, der ich mich nur schwer entziehen konnte.

Neben dem auf den Punkt geschriebenen Drehbuch, ist es wohl vor allem Michael Shannon (Nelson Van Alden, „Boardwalk Empire“) zu verdanken, dass sein Charakter Curtis stets glaubhaft als liebevoller Familienvater und manisch Getriebener rüberkommt ohne dabei Sympathiepunkte zu einzubüßen. Eine großartige Leistung. Auch Jessica Chastain, die im gleichen Jahr auch für „The Tree of Life“ vor der Kamera stand, überzeugt als Ehefrau, die hinter ihrem Mann steht und das ohne jeglichen Realismus über Bord zu werfen. Jeff Nichols hatte hier wahrlich ein Händchen für die richtige Besetzung. Der Film ist voll von Andeutungen und Themen, die unaufdringlich mit der eigentlichen Handlung verknüpft werden. Das Finale ist einerseits mehrdeutig, anderseits aber auch klar in seiner Inszenierung und hat mich ein wenig an die letzten Minuten von „The Sopranos“ erinnert.

Ich bin begeistert und sicher, dass „Take Shelter“ bei mir noch lange nachwirken wird. Ebenso freue ich mich nun schon sehr auf Jeff Nichols „Midnight Special“, auch wenn dieser durchwachsene Kritiken bekommen hat. Filme wie diese sind es, die mich zum Filmfreund machen. Filme, wie man sie leider viel zu wenig sieht – und die deshalb umso wichtiger sind. Famose Unterhaltung, die zum Nachdenken anregt. Ich kann nur eine große Empfehlung aussprechen: 9/10 Punkte.

Game of Thrones – Season 6

Dank der neuen Veröffentlichungsstrategie von HBO bin ich schon Ende 2016 in den Genuss von „Game of Thrones – Season 6“ gekommen und nicht erst im zweiten Quartal 2017. Jetzt, da der Winter in Westeros angekommen ist, passt es natürlich auch perfekt, die Serie in der kalten Jahreszeit zu genießen. Für mich bedeutete die sechste Staffel auch erstmals ohne das Vorwissen der Bücher in die Geschichte einzusteigen, da „The Winds of Winter“ immer noch auf sich warten lässt. Wie dies zum Erlebnis beigetragen hat, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Wo soll ich nur anfangen? Nachdem ich bereits von der fünften Staffel extrem begeistert war, kennt mein Enthusiasmus nach den beiden finalen Episoden der sechsten Staffel kein Halten mehr. Das waren so ziemlich die besten zwei Stunden Unterhaltung, die ich je im TV-Format gesehen habe – zumindest in diesem Maßstab. Aufgrund meiner nahezu parallelen Sichtung von „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ waren mir dessen Schlachtszenen noch bestens im Gedächtnis – und was man in „Battle of the Bastards“ zu sehen bekommt steht diesen in nahezu nichts nach. Wirklich beeindruckend, wie weit das Format der TV-Serie inzwischen gekommen ist. Doch diese vorletzte Episode ist noch nicht das Highlight, feuert die Serie mit „The Winds of Winter“ ein wahres Feuerwerk an Wendungen, Entwicklungen und extrem mitreißenden Szenen ab, so dass ich am Ende nur noch grinsend auf dem Sofa saß.

Und davor? Jeder Handlungsstrang wird sorgfältig und konsequent weiterentwickelt. Es gibt Todesfälle und Rückkehrer. Einblicke in die Vergangenheit und Vermutungen, was die Zukunft für unsere Charaktere bereithält. Die Inszenierung ist nach wie vor auf extrem hohem Niveau und die knapp 10 Stunden sind wie im Flug vergangen. Die Nachricht, dass die kommenden zwei Staffeln nur noch jeweils sieben Episoden beinhalten sollen, stimmt mich nicht gerade hoffnungsvoll. Ich bin mir jedoch sicher, dass die Showrunner die Geschichte in Absprache mit George R. R. Martin noch sinnvoll zu Ende führen werden. Wohin sich „A Song of Ice and Fire“ in den letzten beiden Staffeln noch entwickeln wird, sollte spätestens nach der Enthüllung rund um Jon Snow in „The Winds of Winter“ klar sein – und ich freue mich extrem darauf.

Für mich war die sechste Staffel von „Game of Thrones“ erneut ein Serien-Highlight. Speziell das Finale ist unglaublich episch und sorgt für eine wahrlich spannende Ausgangssituation, was die Weiterführung der Geschichte angeht. Ich kann es jetzt schon kaum erwarten und beneide jeden, der in drei Jahren die Möglichkeit haben wird die ganze Serie zum ersten Mal an einem Stück zu sehen: 10/10 (9.7) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Girls – Season 3

In den letzten paar Wochen hat es „Girls – Season 3“ bei mir auf den Bildschirm geschafft. Von der ersten Staffel war ich damals ziemlich begeistert und auch das zweite Jahr mit den Girls konnte mich überzeugen. Nach der dritten Staffel treten allerdings erste Ermüdungserscheinungen auf, was vielleicht weniger an der Serie als an mir liegt. Lasst es uns in dieser Besprechung doch gemeinsam herausfinden…

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Erneut betreten wir das Leben der vier Freundinnen, die sich inzwischen allesamt ein wenig auseinander gelebt haben: Hannah ist abermals mit Adam (Adam Driver, „Star Wars: Das Erwachen der Macht“) liiert und scheint ihr Leben einigermaßen im Griff zu haben. Jessa befindet sich in einer Entzugsklinik, Marnie leidet irgendwie vor sich hin und Shoshanna – ja, was macht eigentlich Shoshanna? Um all diese Probleme kreist das Leben der Charaktere. All das ist abermals sehr unterhaltsam erzählt, doch kam ich irgendwann an den Punkt, dass ich den Figuren zurufen wollte: „Jetzt reißt euch mal zusammen! Ihr habt keine Probleme. Macht etwas aus eurem Leben!“

Ich schätze Lena Dunham so ein, dass dieser Effekt auch zu einem gewissen Teil beabsichtigt ist und es gibt immer mal wieder Szenen, die hinter die Fassade und die Egozentrik der Figuren schauen. Vielleicht bin ich inzwischen auch schon zu alt und spießig, um dieses Lebensgefühl nachempfinden zu können. Vielleicht aber tritt die Serie inzwischen auch ein wenig auf der Stelle. Davon einmal abgesehen funktioniert „Girls“ für mich weiterhin sehr gut. Ich mochte die einzelnen Episoden und fand so manchen Handlungsstrang wirklich toll, wie z.B. die satirischen Spitzen auf gekauften Journalismus und Hannahs Umgang damit.

Insgesamt ist „Girls“ weiterhin eine famose Serie, doch spätestens jetzt sollte Lena Dunham das Steuer herumreißen und eine echte Weiterentwicklung der Figuren anstreben. Ich glaube, dann könnte die Serie auch weiterhin zu den Highlights zählen, die mehr zu bieten habe als nur sehr gute Unterhaltung: 8/10 (8.2) Punkte.

The Tree of Life (2011)

Mein erster Film im neuen Jahr stand schon geraume Zeit auf meiner imaginären Liste. Lange bin ich um „The Tree of Life“ herumgeschlichen. Nie sicher, ob er denn wirklich etwas für mich ist. Dann jedoch flatterte kurz vor Weihnachten ein Päckchen von Flo Lieb bei mir ins Haus, so dass ich nun keine Ausrede mehr hatte, die Sichtung noch weiter aufzuschieben. Im folgenden Eintrag werde ich den Film nun besprechen, doch möchte ich euch gleichzeitig Flo Liebs Essay auf seinem Zweitblog ans Herz legen, das viel mehr in die Tiefe geht und einige interessante Einblicke enthält.

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Eine Vorahnung

Ich habe im Vorfeld bereits einiges über Terrence Malicks Film gelesen. In mir entstand somit ein Bild, ohne jedoch die genaue Handlung zu kennen. Letztendlich muss ich sagen, dass dieses Bild das Endprodukt ziemlich gut getroffen hat. Ich hatte teils große Hoffnungen, aber auch Befürchtungen, sowohl was die Form als auch die Narration des Films angeht. Am wichtigsten war mir jedoch, dass „The Tree of Life“ nicht zu artsy-fartsy sein dürfte und er mich emotional abholen können müsste – und das ist Terrence Malick tatsächlich gelungen. Das im Kern des Films stehende Familiendrama hat den Nerv bei mir exakt getroffen. Der größere Rahmen jedoch schien mir tatsächlich ein wenig zu aufgesetzt.

Das Leben

Ich liebe den naturalistischen Stil, in dem Kameramann Emmanuel Lubezki die alltäglichen Familienszenen einfängt. Mich wundert nicht, dass viel direkt am Set improvisiert wurde. Als Zuschauer nimmt man das Familienleben fragmentarisch durch die Augen der Kinder, speziell des ältesten Sohnes Jack wahr. Dabei gibt es kaum Dialoge. Der Film wirkt vor allem. Es sind Stimmungsbilder, die durch kleinere narrative Episoden zusammengehalten werden. Darüber hinaus gibt es eine starke Zweiteilung was den Einfluss der Mutter und den des Vaters angeht. Gnade, Liebe, die weiche Seite und die Natur mit ihren unbarmherzigen Regeln. Anfangs schien mir diese strikte Trennung fast ein wenig forciert, doch funktioniert sie im Kontext des Films und lässt am Ende die nötige Auflösung zu.

Durch die gemalten Stimmungsbilder konnten meine Gedanken während des Films wandern, jedoch nie abseits, sondern immer parallel zum Geschehen. Als Vater habe ich daran gedacht, wie meine Frau und ich wohl in unseren Rollen auf unsere Kinder wirken mögen. Natürlich gibt es bei uns keine so strikte Trennung (wir haben die 50er ja glücklicherweise hinter uns gelassen), doch vermitteln auch wir Rollenbilder, die das Aufwachsen unserer Kinder bis weit über ihre Kindheit hinaus prägen werden. Sehr spannend und emotional involvierend.

Das Universum und der ganze Rest

Was für mich leider nicht so gut funktioniert hat, sind die durchaus imposant anzusehenden Szenen, die die Entstehung unseres Universums und des erste Lebens auf der Erde zeigen. Inhaltlich mögen sie durchaus Sinn ergeben und das sehr kleine und persönliche Drama in einen größeren Kontext setzen, doch hat mich der Film hier emotional verloren. Hier hätte ich mir (ein Frevel, ich weiß) eine etwas stringentere Narration gewünscht, die näher an den Figuren dran ist und auch mehr Fokus auf den erwachsenen Jack legt. Dennoch entfaltet auch gerade das spirituell wirkende Finale eine große emotionale Wirkung, der ich mich nicht entziehen konnte.

Fazit

Zweifellos ist „The Tree of Life“ ein sehr besonderer Film, der sowohl inhaltlich als auch formal in jeder Hinsicht beeindruckend ist. Mich hat er durch seine klassischeren Elemente mehr zu überzeugen gewusst, als durch die an Kubricks „2001: A Space Odyssey“ erinnernden Montagen. Mir wird die Sichtung noch lange im Kopf bleiben und ich werde in den nächsten Tagen während unseres Familienalltags bestimmt noch öfter an den Film denken. Insofern ist vielleicht noch mehr an ihm dran, als ich nach dieser ersten Sichtung festzuhalten vermag: 8/10 Punkte.

Mad Men – Season 7

Einmal mehr geht eine große Serie zu Ende, die mir über die Jahre sehr ans Herz gewachsen ist. Ich würde sogar soweit gehen das wunderbare Zeitportrait als eine meiner absoluten Lieblingsserien zu bezeichnen. Obwohl das Finale von „Mad Men – Season 7“  bereits 2015 ausgestrahlt wurde, so wirkt es auch noch ein Jahr später nach und ich habe noch keine aktuelle Serie auf dem Radar, die diese Lücke zu schließen vermag. Auch wenn alle Welt von „Breaking Bad“ und „The Walking Dead“ schwärmt, so wird für mich immer „Mad Men“ das Kleinod unter den Eigenproduktionen des Kabelsenders AMC bleiben. In mehrerer Hinsicht das Ende einer Ära.

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Die ursprünglich in zwei Teilen ausgestrahlte finale Staffel setzt nahtlos an die vorangegangenen Ereignisse an. Don und Megan führen eine Fernbeziehung, was genauso wenig funktioniert, wie man das erwarten würde. Peggy ist trotz ihres beruflichen Erfolges frustriert und auch die anderen Charaktere befinden sich in einer Art Schwebezustand. Dons Karriere ist zerstört und er muss wieder von vorne anfangen. Die Rollen zwischen ihm und Peggy vertauschen sich, was eine wirklich interessante Dynamik mit sich bringt, besonders da sich Don in dieser Beziehung nicht wie ein egoistisches Arschloch verhält, sondern tatsächlich wie ein Mentor. Zumindest meistens und immer dann, wenn man es am wenigsten erwarten würde. Die Beziehung zwischen den beiden ist wohl eine der wenigen ehrlichen in dieser Serie, was sich auch im letzten Telefonat zwischen Don und Peggy zeigt.

Kurz vor dem Abgrund jedoch wendet sich das Blatt. Sterling Cooper & Partners wird von McCann Erickson gekauft und unsere Hauptfiguren scheinen den großen Preis gewonnen zu haben. Doch wie es in der Werbung eben so ist, bleibt am Ende nichts zurück. Nur Schein, keine Substanz. Das große Finale wirkt seltsam aus der Serienwelt entrückt, passt aber doch zu den vorhergehenden Staffeln, ihn denen Don bereits öfter aus seinem Alltag ausgebrochen ist. Am Ende ist er ganz unten und doch glücklich. Hat er die Werbewelt tatsächlich hinter sich gelassen? Oder am Ende doch wieder nur Inspiration aus seinen neuen Erfahrungen gezogen? Das Ende ist offen und das ist gut so. Denn das Leben geht auch für die Charaktere von „Mad Men“ weiter, selbst wenn wir den wichtigsten noch kurz für eine letzte Szene begegnen dürfen. Wie Werbung selbst zeigt uns die Serie hier nur das, was wir sehen wollen. Und Don? Don bleibt ein Mysterium. Ob er als Relikt der alten Werbewelt in die neue Ära starten wird, bleibt der Vorstellung des Zuschauers überlassen. Ich persönlich glaube, er kehrt zurück.

Was die qualitative Einordnung der einzelnen Staffeln angeht, so fällt mir das bei dieser durchgehend herausragenden Serie sehr schwer. Ich habe alle Staffeln als exzellent in Erinnerung. Dennoch habe ich es versucht und bin gespannt, wie eure Reihenfolge (gerne mit Begründung in den Kommentaren) aussieht:

  1. „Mad Men – Season 4“ (9.7 Punkte)
  2. „Mad Men – Season 3“ (9.7 Punkte)
  3. „Mad Men – Season 2“ (10 Punkte)
  4. „Mad Men – Season 5“ (9.5 Punkte)
  5. „Mad Men – Season 7“ (9.5 Punkte)
  6. „Mad Men – Season 1“ (10 Punkte)
  7. „Mad Men – Season 6“ (9.2 Punkte)

Mir ist der Abschied von „Mad Men“ so schwer gefallen, wie schon lange bei keiner Serie mehr. Ich würde gerne noch weiterverfolgen, wie sich die Charaktere in den 70er Jahren entwickeln. Da gäbe es bestimmt noch viele spannende Geschichten zu sehen. Man soll jedoch aufhören, wenn es am schönsten ist – und das hat Matthew Weiner auf jeden Fall geschafft. Er lässt und Zuschauer hungrig nach mehr zurück. Eben wie eine gute Werbung: 10/10 (9.5) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Mad Men – Season 6

Wie in meiner Besprechung zur fünften Staffel bereits angekündigt, werde ich mich dieser Serie nun bis zu ihrem Ende widmen. Somit war es auch kein Wunder, dass ich „Mad Men – Season 6“ in knapp zwei Wochen verschlungen habe. Die Faszination, die Matthew Weiner rund um die Werbebranche und das Lebensgefühl der 60er Jahre aufgebaut hat, ist bei mir nach wie vor ungebrochen. Ich liebe die Ausstattung, die Charaktere und diese Zeit des Umbruchs. Wie nun konkret die sechste Staffel der Ausnahmeserie bei mir abschneidet, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Die Staffel erzählt ein paar Haupthandlungsstränge, die wirklich interessant sind: Was die Agentur Sterling Cooper Draper Pryce angeht, so steht natürlich die Fusion mit Cutler Gleason and Chaough im Zentrum der Entwicklungen. Dadurch ergeben sich auch ganz neue Spannungen zwischen den Figuren, denn plötzlich ist auch Peggy wieder zurück und muss ihren Platz zwischen Ted Chaough und Don Draper finden. In der neuen Agentur wird es schnell eng und niemand scheint sich mehr so richtig zu Hause zu fühlen, was wohl auch an den fordernden Kunden liegt. Mit Chevrolet hat man endlich das lang ersehnte Automobilunternehmen in den Kundenkreis aufgenommen, doch schon bald zeigt sich die Schattenseite der ungleichen Geschäftsbeziehung. Etwas, das bis heute im Agenturgeschäft vorherrscht.

Auch privat gibt es für unsere Charaktere einige Wirren zu durchleben. Don zeigt in mehrerer Hinsicht Schwäche und alles, was noch im Vorjahr aufgebaut wurde, droht zu zerfallen. Zum ersten Mal wird ganz konkret eine Erklärung für seine ungesunde Beziehung zu Frauen aus dem Hut gezaubert. Zwar mochte ich es mehr über die Figur zu erfahren, doch letztendlich entzaubert es den Charakter auch, zumal die die Geschehnisse in den Rückblenden nicht sonderlich subtil als Grund für seine Entwicklung eingearbeitet wurden. Dies ist zwar kein wirklicher Schwachpunkt und ich mochte die Verletzlichkeit, die Don Draper dadurch anhaftet – hundertprozentig zufrieden war ich damit jedoch nicht. Auf jeden Fall war es ein brauchbares Element, um die Abwärtsspirale, in der sich Don während der sechsten Staffel befindet, noch weiter nach unten zu treiben.

Es gibt wieder etliche herzzerreißende und auch ganz große Momente. Speziell die Beziehung zwischen Don, Betty und ihren Kinder mitzuerleben ist manchmal wirklich schmerzhaft. Am Ende der Staffel steht für Don Draper ein unfreiwilliger Neuanfang an und ich bin sehr gespannt, in welche Richtung sich die Serie in ihrer finalen Staffel entwickeln wird. Doch auch was Pete Campbell, Peggy Olson und all die anderen Figuren angeht, gibt es noch viel Potenzial für Weiterentwicklung. Auch wenn diese sechste Staffel nicht ganz an das brillante fünfte oder auch vierte Jahr anschließen kann, so ist das doch Kritik auf extrem hohem Niveau und ich hatte insgesamt wieder unglaublich viel Vergnügen mit den „Mad Men“: 9/10 (9.2) Punkte.

Mad Men – Season 5

Auch wenn es inzwischen viele hochwertige Serien gibt, die einem den Feierabend versüßen, so finden sich unter diesen doch ein paar ganz besondere Exemplare. Dazu gehört zweifellos auch Matthew Weiners Serie über die Werbetreibenden der Madison Avenue in den 1960er Jahren. Nachdem ich 2011 ganz begeistert über die vierte Staffel berichtete, sollte es fünf Jahre dauern bis es „Mad Men – Season 5“ auf meinen Programmplan geschafft hat. Inzwischen sind glücklicherweise auch alle restlichen Staffeln auf Blu-ray erschienen, so dass einer Komplettsichtung bis zum großen Finale nun nichts mehr im Wege steht…

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Durch die lange Zeit seit Sichtung der vierten Staffel ist mir der Einstieg nicht leicht gefallen, weshalb ich zunächst noch einmal die Ereignisse des Vorjahres wiederholte. Und was soll ich sagen? Ich war erneut entzückt von der Qualität, mit der Matthew Weiner und Co. die 13 Episoden geschrieben und inszeniert haben. Ganz großes Kino. Danach war ich gewappnet für das fünfte Jahr mit den „Mad Men“ und voller Vorfreude. Die Handlung setzt, mit ein wenig zeitlichem Abstand, direkt nach den bekannten Ereignissen ein. Wir befinden uns mit Megan und Don Draper in der neuen Wohnung (wir haben somit ihre Hochzeit verpasst) und wohnen sogleich der Feier zu Dons 40. Geburtstag bei. Alleine diese eröffnende Doppelfolge ist pures Vergnügen, was Austattung, Inszenierung und Spannungen zwischen den Charakteren angeht.

Danach geht die Staffel sehenswert weiter, wobei ich das Gefühl nicht losgeworden bin, dass die Qualität des vierten Jahres nicht ganz erreicht wurde. Spätestens ab Mitte der Staffel nimmt die Handlung in vielen Belangen jedoch enorm an Fahrt auf, was zu schockierenden Wendungen führt, dich ich so von der Serie nicht erwartet hätte – oder eben doch, was man klar als Qualitätsmerkmal sehen sollte. Ich denke hier speziell an die Handlungsstränge rund um Joan und Jaguar sowie natürlich Lane Pryce, welche in ihrer Bitterkeit kaum zu überbieten sind. Davon abgesehen fand ich die berufliche Beziehung zwischen Peggy und Don abermals am stärksten, speziell die Kündigung Peggys hat mich wirklich mitgenommen, hat sie mich doch stark an meinen eigenen Abschied aus der Agenturwelt erinnert.

Ich könnte nun noch viel schreiben, über den Werdegang von Pete Campbell oder andere Nebenfiguren. Dies würde ihnen aber nicht gerecht werden, da es sich nie so anfühlt, als wären sie in dieser großartigen Serie nur Nebenfiguren. Selbst wenn Don der Star ist und es ein paar Charaktere gibt, auf denen ein größerer Fokus liegt, so zaubern die Autoren immer wieder beeindruckende kleine und große Geschichten aus dem Hut, die sich den anderen Figuren widmen – und die dadurch eben nicht weniger bedeutend sind. „Mad Men“ ist eine Ensemble-Serie und funktioniert als solche auch beeindruckend gut.

In meinen Augen ist die fünfte Staffel tatsächlich minimal schwächer als die Staffel des Vorjahres, doch das ist wahrlich Kritik auf sehr hohem Niveau. Ich bin nun wieder so richtig drin in der schillernden Werbewelt der 60er Jahre und freue mich extrem, dass ich sogleich mit der sechsten und siebten Staffel weitermachen kann. Eine Empfehlung brauche ich wohl kaum noch aussprechen, denn wer erst einmal Gefallen an diesem faszinierenden Zeitportrait gefunden hat, der kommt davon so schnell nicht mehr los: 10/10 (9.5) Punkte.

The Path – Season 1

Nachdem ich mit „The Newsroom“ eine neue und leider nur kurzlebige Lieblingsserie für mich entdeckt hatte und mit dem fünften Jahr von „Shameless“ zu einem alten Bekannten zurückgekehrt bin, hatte es die nächste Serie bei mir nicht leicht. Schon die Wahl fiel mir schwer, weshalb ich umso glücklicher war bei der Singenden Lehrerin und Wulf vom Medienjournal von „The Path – Season 1“ zu lesen. Die Sichtung der Staffel liegt inzwischen schon ein paar Wochen zurück, doch war ich bisher nicht dazu gekommen, meine Eindrücke festzuhalten…

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„The Path“ ist die erste Eigenproduktion des US-amerikanischen Streaming-Dienstes Hulu, die ich bespreche. Mit Hulu verbinde ich erste Erfahrungen im Bereich Streaming (damals noch über VPN) und war sehr gespannt, ob der Dienst in Sachen Qualität mit Netflix oder Amazon mithalten können würde. Bereits die erste Episode hat mich sehr beeindruckt – nicht nur was die mitwirkenden Schauspieler angeht (u.a. Aaron Paul, Michelle Monaghan und Hugh Dancy), sondern speziell auch in Bezug auf den Look und die Erzählung. Jason Katims, der Showrunner von „Friday Night Lights“ und „Parenthood“, ist auch einer der Produzenten dieser Serie, wenngleich sich seine typische Handschrift hier leider nicht wiederfinden lässt.

Die Serie rund um eine im Bundestaat New York angesiedelte Sekte ist eine dieser langsam erzählten Geschichten, wie wir sie in den letzten Jahren immer häufiger zu sehen bekommen. Die Autoren nehmen sich viel Zeit für die Entwicklung ihrer Figuren und auch der Handlung. Ich mag das. Sehr sogar. Vielleicht hatte ich deshalb auch so meine Probleme damit, dass die Serie teils in eine überaus dramatische Richtung abgedriftet ist. Hier hätte ich es spannender gefunden, wenn man den Glaubensweg einzelner Charaktere näher beleuchtet bzw. Argumente in der Handlung für die unterschiedlichen Einstellungen gefunden hätte. Das war mir häufig zu plötzlich und übertrieben sprunghaft erzählt.

Trotz meiner Kritikpunkte habe ich „The Path“ stets sehr gerne gesehen. Unsere drei Hauptdarsteller spielen famos und man kauft ihnen ihre Rollen wirklich ab. Hier ist für eine zweite Staffel noch viel Potenzial vorhanden, auch wenn ich nach dem Finale befürchte, dass sie sich in eine übernatürliche Richtung bewegen wird. Auf jeden Fall ein spannender Neuzugang in der Serienwelt, der Hoffnung macht, dass sich Hulu als Player unter den Streaming-Diensten mit qualitativ hochwertigen Eigenproduktionen platzieren wird: 8/10 (7.9) Punkte.