Die Goonies – OT: The Goonies (1985) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Die Goonies“ am 15. Februar 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Von Büchern hört man oft, dass diese wie gute Freunde seien. Immer da, wenn man sie braucht. Für mich gilt das auch bzw. ganz speziell für Filme. Richard Donners „Die Gonnies“ ist solch ein besonderer Film. Er lässt mich Sorgen vergessen und transportiert mich zurück in die unbeschwerte Kindheit. Die Zeit der Abenteuer. Zwei Stunden Eskapismus in eine einfachere Welt.

Die Goonies (1985) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Die Goonies (1985) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Seit meiner letzten Sichtung sind inzwischen schon zwei Jahre ins Land gezogen. Seitdem hat sich in meinem Leben viel verändert. Vermutlich kann man sagen ich bin erwachsener geworden. Schade eigentlich. Die wunderbare Abenteuergeschichte des Trios Steven Spielberg, Chris Columbus und Richard Donner hat sich dagegen überhaupt nicht verändert. Immer noch versuchen „The Goonies“ ihr Zuhause zu retten, indem sie sich auf die Suche nach dem Schatz des berüchtigten Einäugigen Willy machen. Während ihrer Suche stoßen sie auf die örtliche Gangsterfamilie Fratelli, dunkle Höhlen und unzählige Skelette. Ein Abenteuer aus dem Kinderträume gemacht sind.

Wieder einmal hat mich die gleichzeitige Naivität und Ernsthaftigkeit mitgerissen mit denen Mikey (Sean Astin, „Der Herr der Ringe“), Mouth (Corey Feldman, „Stand by Me“), Data (Jonathan Ke Quan, „Indiana Jones und der Tempel des Todes“) und Chunk an die Schatzsuche herangehen. Unfreiwillig unterstützt durch Mikeys großen Bruder Brand (Josh Brolin, „Mimic“) erleben sie das Abenteuer ihrer Jugend. In keinster Weise realistisch, doch eben genau so, wie man es sich als Kind selbst stets vorgestellt bzw. gewünscht hat.

Fazit

Mit „Die Goonies“ haben Spielberg, Columbus und Donner wohl den ultimativen Jugendfilm meiner Generation geschaffen. Selbst heute hat er absolut nichts von seiner Faszination eingebüßt. Ein nostalgischer Blick auf die Zeit unbeschwerter Abenteuer. Naiv, ehrlich, ergreifend und albern. Ein Film, wie ein Nachmittag mit den Freunden seiner Kindheit. Ein absoluter Lieblingsfilmanwärter: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Superbad (2007)

Gestern habe ich mit Greg Motollas „Superbad“ einmal wieder einen Film gesehen, der schon seit der Kinoauswertung auf meiner Liste steht. Die Erwartungen waren – auch dank diverser euphorischer Kritiken – entsprechend hoch und ich hoffte tatsächlich auf eine Ausnahmekomödie. Doch wir wissen ja alle, wie das so ist mit der Erwartungshaltung…

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Bei den Opening Titles war ich noch fest davon überzeugt etwas Großes zu sehen. Wirklich schön gemacht mit einer tollen Musikauswahl, was man so für den gesamten Film stehen lassen kann. Doch schon bald wurde der Audiokanal völlig von pubertären Ergüssen (mit exakt dieser Art von Wortspielen) beherrscht. Sicher ist „Superbad“ eine Teeniekomödie und vielleicht bin ich auch einfach schon zu alt für den Scheiß, doch man kann es auch übertreiben. Nach ca. einer halben Stunde nimmt die Handlung dann endlich Fahrt auf und es kommt tatsächlich zu ersten Schmunzlern. Die erhofften großen Lacher ließen sich aber noch lange nicht blicken.

Was nun folgt ist eine Reise durch die Nacht. Unzählige Male erzählt. Immer wieder sehenswert. Der auslösende Alkoholkauf sprengt das Heldentrio, was anfangs für Unterhaltung sorgt, letztendlich jedoch eher einen zerfahrenen Eindruck hinterlässt. Dem Film mangelt es hier deutlich an gezielt gesetzten Höhepunkten, was der Dramaturgie schadet. So bleibt letztendlich eine Aneinanderreihung an gleich gewichteten Gags, von denen gerade einmal die Hälfte zündet. In meinen Augen zu wenig, um zu überzeugen.

Im letzten Drittel nimmt der Film dann noch einmal Fahrt auf, was auch den Charakteren zugute kommt. Der bis hier durchgeschleppte Konflikt bricht endlich auf und sorgt für das nötige Quentchen Drama, um die damit verbundene Komik endlich komisch werden zu lassen. Warum man nicht schon im Vorfeld mehr Zeit in die – an sich wirklich gelungene – Charakterisierung der Beziehungsebene der Figuren untereinander gesteckt hat, ist mir wirklich ein Rätsel. Vielleicht liegt das auch daran, dass der erste Drehbuchentwurf tatsächlich von Seth Rogen und Evan Goldberg im Teenageralter verfasst wurde.

Neben der wirklich gelungenen letzten halben Stunde und der schönen Inszenierung, überzeugen vor allem die Darsteller. Besonders Michael Cera („Arrested Development“) ist bei mir immer wieder gerne gesehen. Vielleicht auch weil er die Figur mit dem deutlich größten Identifikationspotential spielt. Doch auch Jonah Hill und Christopher Mintz-Plasse beweisen komödiantisches Talent, wobei man meiner Meinung nach deutlich mehr aus ihren Figuren hätte machen können.

Letztendlich ist „Superbad“ kein schlechter Film, doch eben auch kein wirklich guter. Vielleicht ist das eine Altersfrage. Inzwischen sind selbst seit „American Pie“ schon 10 Jahre ins Land gezogen und da sollte man doch eine gewisse Entwicklung erwarten, die sich bei Motollas Film jedoch erst in den letzten Minuten vollzieht. Ein weitaus gelungenerer Film mit ähnlicher Thematik ist Richard Linklaters „Dazed and Confused“, das nur als Tipp für all diejenigen, die „Superbad“ für die Offenbarung des Teenagerfilms halten. Leider viel zu viel verschenktes Potential: 6/10 Punkte.

American Graffiti

Gestern Abend habe ich einmal wieder eine filmische Wissenslücke schließen können. George Lucas‘ „American Graffiti“ zeigt – wie so viele Filme nach ihm – den letzten wichtigen Abend an der Grenze zum Erwachsenwerden. Simpel in der Handlung. Simpel in der Aussage. Umwerfend in seiner Ausführung.

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Bei der Sichtung hatte ich stets das Gefühl, den Film doch schon irgendwie zu kennen. Die unterschiedlichen Charaktere. Das beinahe schon magische Gefühl dieser letzten bedeutenden Nacht. Die Musik. Die Autos. All das hat sich bereits so in der Popkultur festgesetzt, das man kaum glauben kann hier nun endlich das Original zu sehen. Allein wenn man an den exakt 20 Jahre später entstandenen „Dazed and Confused“ von Richard Linklater denkt, sind die Parallelen unübersehbar. Wahrlich ein Meilenstein für diese Art von Coming-of-Age-Film.

Der Verlust der Unschuld – im übertragenen Sinne – ist in nahezu jeder Szene zu spüren. Der Umbruch macht sich dabei nicht nur bei den Charakteren bemerkbar, sondern auch in der Welt, in der der Film spielt. Vietnam steht vor der Tür und das naive Lebensgefühl der 50er Jahre ist bereits dabei zu verblassen. Die nostalgische Stimmung wird auf den Zuschauer perfekt durch kleine, persönliche Geschichten übertragen. Selbst in der heutigen Zeit kann sich wohl jeder noch an solch unbeschwerte Nächte erinnern. Die letzten Nächte der eigenen Jugend.

Für Filmfreunde ist es famos diverse Schauspieler in ihren ersten größeren Rollen zu sehen: Richard Dreyfuss, Ron Howard, Charles Martin Smith und Harrison Ford sind nur einige der bekannten Gesichter. George Lucas und Francis Ford Coppola haben hier wahrlich ein geschicktes Händchen bei der Besetzung bewiesen. Ebenso bei der Auswahl des Soundtracks, der hier wichtiger ist als in kaum einem zweiten Film.

„American Graffiti“ ist sicherlich nicht der spannendste oder lustigste Film. Er erzählt keine epische Geschichte. Er besitzt keine besonderen Schauwerte. Er ist ein kleiner Film. Er zeigt uns einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben von Jugendlichen an der Schwelle zum Erwachsensein – und das macht er perfekt. George Lucas hat hier wirklich einen der Archetypen des Coming-of-Age-Films geschaffen: 8/10 Punkte.

Beste Gegend (2008)

Gestern Abend haben wir uns „Beste Gegend“ – den zweiten Teil von Marcus H. Rosenmüllers Coming-of-Age-Trilogie – angesehen. Eigentlich hätte ich jedoch lieber einen Thriller oder anderweitiges Spannungskino gesehen – und vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum mich die Fortführung der sympathischen Geschichte aus dem tiefsten Bayern nicht mehr so restlos überzeugen konnte.

Als Zuschauer bekommen wir so ziemlich genau das, was wir nach „Beste Zeit“ wohl erwartet hatten: Die Figuren haben sich etwas weiterentwickelt, ihre Konstellation hat sich etwas verschoben, aber im Grunde ist alles beim Alten. Es gibt neue Zukunftsängste, große Pläne und natürlich die Liebe. Angereichert mit etwas Drama und Humor – und fertig ist die Fortsetzung. Habe ich nicht das gleiche – nur um einiges positiver formuliert – über den ersten Teil gesagt? Warum erscheinen mir dessen Stärken nun wie Schwächen?

Zum Einen mag es wirklich daran liegen, dass ich gestern nicht in der richtigen Stimmung war – und es ist ja auch überhaupt nicht so, als hätte ich keinen Spaß mit dem Film gehabt oder als hätte mich die Geschichte nicht berührt. Nein. Ganz und gar nicht. Als Katis Opa in einer wunderschönen Szene von ihr gegangen ist, musste ich sogar ein paar Tränen verdrücken. Gelacht habe ich auch mehr als einmal. Wo liegt also das Problem?

Es gibt zu wenige Veränderungen zum ersten Teil. Wieder will Kati in die große Welt aufbrechen und wieder bleibt sie in letzter Sekunde zu Hause. Letztendlich ist wirklich alles beim Alten – und auch wenn der Film Veränderung und Weiterentwicklung propagiert, so erlebe ich als Zuschauer doch nur Stillstand. Das ganze macht den Film nicht schlecht, doch er wirkt dadurch in seinen Aussagen (Freiheit, Veränderung etc.) eher forciert und es fehlt etwas die sympathische Leichtigkeit, die den Vorgänger so stark machte.

Meine Einschätzung mag sich nun weit negativer lesen, als ich den Film letztendlich wahrgenommen habe. Doch seine positiven Eigenschaften hatte ich ja bereits in der Besprechung zu „Beste Zeit“ aufgezählt. Insgesamt ein Rückschritt, der die Vorfreude auf „Beste Chance“ leider etwas dämpft: 7/10 Punkte.

Beste Zeit (2007)

Schon lange steht Marcus H. Rosenmüllers „Beste Zeit“ auf meiner To-Watch-Liste und heute habe ich es endlich geschafft den Film zu sehen. Nach langen Stunden des Hochzeitsvideo-Schneidens war die sympathische Coming-of-Age-Geschichte der perfekte Tagesabschluss.

Anders als in Rosenmüllers Kinohit „Wer früher stirbt, ist länger tot“ überwiegen in „Beste Zeit“ ernstere Themen. Es geht – wie so oft – um die Widrigkeiten des Erwachsenwerdens. Die Autorin Karin Michalke verarbeitete in ihren Drehbuch eigene Jugenderfahrungen, was zur Authentizität des Films beiträgt. Die Verwendung von Dialekt und der Dreh an Originalschauplätzen vertärken diesen Eindruck. Jeder der im ländlichen Bayern aufgewachsen ist, wird sich somit zumindest in einigen Szene an die eigene Jugend erinnert fühlen.

Die Geschichte erfindet dabei das das Genre nicht neu. Klassische Themen wie Freundschaft, die erste Liebe, Probleme mit den Eltern, Zukunftspläne und -sorgen sowie Enttäuschung und der Verlust von Unschuld spielen eine große Rolle. Was den Film – neben dem authentischen Drehbuch – so besonders macht, sind die sympathische Inszenierung und die Schauspieler. Mit Anna Maria Sturm, Rosalie Thomass und Ferdinand Schmidt-Modrow hat Regisseur Marcus H. Rosenmüller wirklich großartige Jungdarsteller vor die Kamera geholt. Von der älteren Garde einmal gar nicht zu reden.

„Beste Zeit“ ist einer jener Filme, die man mit Sentimentalität ansieht. Die einen an vergangene Zeiten denken lassen. Nicht mit einem weinenden, sondern mit einem lachenden Auge. Ein kleiner, feiner und ehrlicher Film, von deren Sorte es gerne mehr geben dürfte. Ich freue mich nun auf „Beste Gegend“ und „Beste Chance“ – und damit auf die Vollendung dieser sympathischen, bayerischen Coming-of-Age-Trilogie: 8/10 Punkte.

Brücke nach Terabithia – OT: Bridge to Terabithia

Lange hat es gedauert, bis die Verfilmung von „Brücke nach Terabithia“ ihren Weg in meinen DVD-Player fand – dabei hätte mich der Film bereits im Kino interessiert. Doch wie es leider immer öfter der Fall ist, kam ich nicht dazu. Letztendlich bin ich jedoch ganz froh, dass ich den Film in heimischer Ruhe genießen konnte. Spoiler sind übrigens zu erwarten.

Anders als das Marketing dem potentiellen Zuschauer glauben machen wollte, handelt es sich bei „Brücke nach Terabithia“ keineswegs um einen Fantasy-Blockbuster à la „Der Herr der Ringe“ oder „Die Chroniken von Narnia“. Der Film erinnert eher an Jugendfilmklassiker, wie „Stand by Me“ – weniger in der Handlung, als in Atmosphäre und Aussage. Man merkt, dass hier mehr dahinter steckt als die reine Beschreibung einer schwierigen Kindheit.

Freundschaft. Verlust. Fantasie. Selbstfindung. Toleranz. Liebe. Geborgenheit. Familie. Dies sind nur einige der Themen, die unter der Oberfläche schlummern. Die Einbettung dieser Themen in die Geschichte ist selbstverständlich nicht frei von Klischees, doch sind diese absolut nicht störend. Man wird als Zuschauer sofort in die Geschichte hineingesogen und – wie bereits bei „Stand by Me“ – gibt es mehrere Szenen, bei denen ich an meine eigene Kindheit denken musste. Wer hat nicht im Wald Lager gebaut, mit unsichtbaren Gegner gekämpft und eigene Welten erschaffen? Von den Unwägbarkeiten der kindlichen Realität einmal ganz abgesehen.

Emotional ist der Film wirklich enorm stark. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so mit den Tränen kämpfen musste – dabei ist die Inszenierung wirklich alles andere als schnulzig oder übertrieben ergreifend. Der Verlust kommt plötzlich. Wie ein Schock. Das Unfassbare muss nicht nur von Jess erst einmal verarbeitet werden.

„Brücke nach Terabithia“ ist kein perfekter Film. So habe ich mich an den Fantasy-Sequenzen teils doch etwas gestört. Zwar waren diese nett in den Film eingebunden, doch wirkten sie dennoch stets wie Fremdkörper und ich bin mir nicht sicher, ob sie wirklich nötig waren. Auch hatte ich teils das Gefühl, die Handlung wäre etwas gehetzt. Ich denke ein paar Minuten mehr hätten dem Film nicht geschadet. Insgesamt sind das aber nur kleinere Schönheitsfehler.

Ich wurde – trotz meines Vorwissens um die grobe Handlung – wirklich überrascht. Ich hätte mir kein solch ernstes und mitreißendes Drama erwartet. Schade, dass der Film – zumindest in unseren Breiten, in denen die Vorlage kaum bekannt ist – wohl kein großes Publikum finden wird. Verdient hätte er es: 8/10 Punkte.

Harry Potter und die Kammer des Schreckens – OT: Harry Potter and the Chamber of Secrets (2002)

Aktualisierung: Ich habe „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ am 13. Dezember 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nach der kürzlichen Sichtung des ersten Teils, habe ich mich heute an „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ gemacht. Aufgrund der verstümmelten deutschen Schnittfassung habe ich – bis zum Erhalt der schweizer Version – weitgehend auf den Film verzichtet, was die Abnutzungserscheinungen um einiges geringer hält, als beim Vorgänger.

Harry Potter und die Kammer des Schreckens (2002) | © Warner Home Video

Harry Potter und die Kammer des Schreckens (2002) | © Warner Home Video

Chris Columbus zweiter – und letzter – Beitrag zur Reihe hat es meiner Meinung nach leichter, als die folgenden Verfilmungen: Die Vorlage ist relativ kompakt und bietet genug Stoff für eine gelungene filmische Umsetzung. Ganz im Stil des Vorgängers zaubert Columbus auch erneut eine recht werktreue Adaption auf die Leinwand. Durch die dichtere und erwachsenere Handlung hat der Film – trotz seiner Lauflänge – deutlich mehr Tempo, als der erste Teil, der mit Schwächen im Handlungsablauf zu kämpfen hatte.

Lange ist mir „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ als unbedeutendes Abenteuer im Gesamtwerk erschienen, doch seit dessen Abschluss weiß ich es besser: Es gibt unzählige Details zu entdecken und selbst Blicke und Gesten können anders interpretiert werden. Wirklich schön. Hier zahlt sich die strikte Werktreue aus, die die Nachfolger etwas vermissen lassen.

Fazit

Für mich ist Chris Columbus zweite Zauberei wohl die – bisher! – gelungenste Adaption der Romane. Sie liefert sich demnach ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Alfonso Cuaróns „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“, der andere Stärken besitzt. Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn Columbus noch einmal auf den Regiestuhl im Potterschen Universum zurückkehren würde: 9/10 Punkte.

Harry Potter und der Stein der Weisen – OT: Harry Potter and the Sorcerer’s Stone (2001)

Aktualisierung: Ich habe „Harry Potter und der Stein der Weisen“ am 29. Mai 2020 und am 6. Dezember 2025 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nach dem endgültigen Finale der Abenteuer des Jungmagiers hatte ich noch einmal Lust an den Anfang zurückzukehren. Somit gab es gestern Abend zum wiederholten Male die Verfilmung von „Harry Potter und der Stein der Weisen“. Nach der ersten Kinosichtung war ich wirklich begeistert, wie werktreu Chris Columbus den Roman umgesetzt hatte. Nach ein paar weiteren Sichtungen wurde allerdings schnell klar, wie groß die Abnutzungserscheinungen dieses Prologs sind. Gestern jedoch wurde ich wieder wirklich gut unterhalten.

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Harry Potter und der Stein der Weisen (2001) | © Warner Home Video

Chris Columbus hat mit „Harry Potter und der Stein der Weisen“ das Buch nahezu 1:1 auf die Leinwand gebracht. Dies war auch noch leicht möglich, da der Inhalt sich nahezu auf die Exposition – d.h. Vorstellung der Charaktere und ihrer Welt – beschränkt und demnach einen relativ einfachen und – im Gegensatz zu den Nachfolgern – nur wenig komplexen Inhalt bietet. Diese Szenen, in denen Harry Potter seine Zauberwelt entdeckt, sind meiner Meinung nach auch ganz famos gelungen. Mit unglaublicher Liebe zum Detail ausgestattet und und mit viel Verspieltheit inszeniert.

Der zweite Teil – die Geschichte um den Stein der Weisen – wirkt dann etwas sehr konstruiert und gehetzt. Die Aufgaben gegen Ende sind zwar nett anzuschauen, doch ist die Struktur zu geradlinig um auch beim wiederholten Anschauen eine Faszination auf mich auszuüben. Allerdings wirkte dieser Teil auch in der Vorlage noch etwas unausgegoren. Den Vorwurf – wenn man es überhaupt so nennen mag – möchte ich hier auch nicht Chris Columbus machen, der meiner Meinung nach eine vorbildliche Adaption geschaffen hat, sondern eher dem nicht ganz ausgereiften Drehbuch.

Als Einstieg in die Welt des Harry Potter ist der erste Teil der Filmreihe auf jeden Fall gelungen. Die liebevolle Inszenierung zieht den geneigten Zuschauer in die Welt und bereitet ihn darauf vor, was noch kommen mag. Schwächen in der Struktur der Geschichte und teils unausgereifte VFX trüben den Spaß nur bedingt. Ein durchaus netter Anfang: 7/10 Punkte.

Harry Potter und der Orden des Phönix – OT: Harry Potter and the Order of the Phoenix (2007)

Aktualisierung: Ich habe „Harry Potter und der Orden des Phönix“ am 18. Juli 2007 und am 27. Dezember 2025 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern Abend habe ich es auch endlich ins Kino geschafft, um die – zumindest unter Fans – kontrovers diskutierte Verfilmung von „Harry Potter und der Orden des Phönix“ zu sehen. Nach der Sichtung kann ich den hohen Diskussionsbedarf nun zumindest teilweise verstehen, wenngleich ich mich doch etwas wundern muss, warum die vorhergehenden Filme meist anstandslos akzeptiert wurden.

Harry Potter und der Orden des Phönix (2007) | © Warner Home Video

Harry Potter und der Orden des Phönix (2007) | © Warner Home Video

Für mich ist „Harry Potter und der Orden des Phönix“ – neben dem ersten Teil, der allerdings auch nur eine Einführung in diese Welt war – der bisher schwächste Roman der Reihe. Zu viele Subplots, die auch um einiges knackiger erzählt hätten werden können, zu viel bedeutungsschwangeres Gerede und erst gegen Ende wurde wieder Fahrt aufgenommen. Wahrlich kein schlechtes Buch, aber meiner Meinung nach verbesserungswürdig. Insofern war ich ganz guter Dinge in Bezug auf die Verfilmung, da das Potential für sinnvolle Kürzungen durchaus vorhanden war.

Nach dem Film kann ich nun sagen: Sehr gelungen. Atmosphärisch dicht, toll inszeniert und visuell einfach atemberaubend. Zudem wurde die Balance zwischen heimeligen Hogwarts-Szenen und epischen Actionszenen ziemlich gut gehalten. Meiner Meinung nach wurde – wie bereits bei „Harry Potter und der Feuerkelch“ – die Essenz der Geschichte auf die Leinwand gebannt und diese funktioniert auch im neuen Medium tadellos.

Ich bin nun ein Film- und Buchliebhaber. Zudem weiß ich, dass beide Medien nicht auf die gleiche Art und Weise Geschichten erzählen können. Dennoch gibt es selbstverständlich gute und schlechte Adaptionen. Viele „Harry Potter“-Fans beklagen sich nun darüber, dass so viel fehlt. Ist auch so. Keine Frage. Doch wie sonst soll man einen ca. 1000-seitigen Roman in knapp zweieinhalb Stunden Film pressen? Kein Studio der Welt würde einen vierstündigen „Harry Potter“ ins Kino bringen – man bedenke alleine die Zielgruppe. Man muss kürzen – und das ist „Harry Potter und der Orden des Phönix“ nicht schlechter oder unbedachter gemacht worden, als in den Vorgängern.

Fazit

Ich für meinen Teil bin sehr zufrieden. Ich wurde grandios unterhalten und mein Gedächtnis wurde wieder etwas aufgefrischt. Wenn ich in die komplexe Geschichte der Vorlage in allen Facetten eintauchen will, lese ich eben das Buch. Wenn ich einen Film sehen will, sehe ich einen Film. Zwei Medien, unterschiedliche Regeln. Eigentlich ganz einfach. Nun vergeht leider wieder erst einmal enorm viel Zeit, bis „Harry Potter und der Halbblutprinz“ auf der Leindwand zu bewundern sein wird. Zeit, die ich mir mit dem aktuellen Roman vertreiben werde: 8/10 Punkte.

Harry Potter und der Feuerkelch – OT: Harry Potter and the Goblet of Fire (2005)

Aktualisierung: Ich habe „Harry Potter und der Feuerkelch“ am 26. Dezember 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Wieder einmal hinke ich dem derzeit herrschenden „Harry Potter“-Wahn etwas hinterher. So habe ich bis jetzt weder den finalen Roman gelesen, noch den aktuellen Kinofilm gesehen. Zur Einstimmung auf letzteren gönnte ich mir gestern Abend zumindest noch einmal die Verfilmung von „Harry Potter und der Feuerkelch“ – wieder einmal ein äußerst unterhaltsames und positives Filmerlebnis.

Harry Potter und der Feuerkelch (2005) | © Warner Home Video

Harry Potter und der Feuerkelch (2005) | © Warner Home Video

Anfangs konnte ich mit „Harry Potter“ überhaupt nichts anfangen. Schon allein der Hype hat mich davon abgehalten die Bücher anzurühren. Nach der ersten großen Erfolgswelle – irgendwann zwischen Band 2 und 3 – habe ich mich dann doch einmal an den Erstling gewagt. Ich war überrascht vom mitreißenden Schreibstil J. K. Rowlings und wurde schneller in die fantastische Welt der Zauberei hineingezogen, als ich jemals vermutet hätte. Seitdem gehört „Harry Potter“ für mich zur Pflichtlektüre. Spätestens ab Band 3 kann sich die Reihe sowieso nicht mehr den Vorwurf machen lassen, weichgespülte Kinderfantasy zu sein. Ich war auf jeden Fall erstaunt und hocherfreut, wie erwachsen die Geschichte geworden ist. Das gleiche gilt uneingeschränkt für die Filmreihe.

Die ersten beiden Teile waren deutlich kindlicher und harmloser inszeniert als ihre Nachfolger, wenngleich – besonders in Teil 2 – auch kein Halt vor Grausamkeiten gemacht wurde. Beide Teile haben grandios die Atmosphäre der Bücher eingefangen und konnten mich ausgezeichnet unterhalten. Mit „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ wurde die Filmreihe schließlich erwachsen und Regisseur Alfonso Cuarón („Children of Men“) hat einen eigenen Stil eingeführt, der zwar etwas mehr von der Buchvorlage abgewichen ist, aber deutlich besser zum Medium Film gepasst hat. Mike Newells („Vier Hochzeiten und ein Todesfall“) vierter Teil erscheint stilistisch nun wie eine Mischung aus den beiden Vorgängern, ohne jedoch eine wirkliche Eigenständigkeit zu erreichen. So kannt sich „Harry Potter und der Feuerkelch“ zwar nicht den vordersten Platz unter den J. K. Rowling-Verfilmungen sichern – als Adaption des Romans funktioniert er dennoch tadellos.

Zur Geschichte kann ich nun gar nicht viel sagen, ohne zu weit ausholen zu müssen. Sie ist stimmig erzählt, deutlich kompakter als im Buch und – auch für nicht Eingeweihte – durchaus nachvollziehbar. Besonders das letzte Drittel ist unglaublich spannend und atmosphärisch dicht. Spätestens hier wäre es an der Zeit, den lieben Kleinen die Augen zuzuhalten, liebe Eltern, denn hier wird gemordet, es werden Körperteile abgetrennt usw. Die FSK12-Freigabe ist folglich durchaus ernst zu nehmen. So sehr die spannende und düstere Inszenierung auch das erwachsene Publikum erfreut, so geht ihr doch etwa die Magie ab, die in den ersten drei Teilen noch allgegewärtig war. Das liegt vermutlich auch am Weggang von John Williams, der für „Harry Potter“ wieder einmal einen magischen und unvergesslichen Score geschrieben hatte und hier durch Patrick Doyle ersetzt wurde. Wirklich sehr schade.

Fazit

Ich kann „Harry Potter und der Feuerkelch“ für alle Fantasyfreunde nur empfehlen. Der Film bietet eine grandiose Optik und eine – für Buchkenner fast schon zu – schlüssige Handlung in der Welt der Zauberei. Nun freue ich mich erst einmal auf „Harry Potter und der Orden des Phoenix“ und das gedruckte letzte Kapitel in dieser epischen Geschichte: 8/10 Punkte.