Die wilden Siebziger – OT: That ’70s Show – Season 4

Nun beschäftige ich mich mit dieser Serie beinahe durchgängig seit bereits 10 Monaten. Abnutzungserscheinungen lassen sich jedoch auch bei „That ’70s Show – Season 4“ kaum ausmachen, was nach über 100 Episoden nicht selbstverständlich ist. Inzwischen bin ich auch an einem Punkt angelangt, an dem ich die Serie nicht mehr, oder nur noch sehr lückenhaft, von früher kenne. Ein weiterer Grund jetzt erst recht dranzubleiben…

that_70s_show_s4_1

Die Handlung setzt exakt dort ein, wo man die Gang aus Point Place beim Finale der dritten Staffel verlassen hat. Die Trennung von Donna macht Eric schwer zu schaffen. Thematisch passend wird in der ersten Episode eine herrliche Parodie von Frank Capras „Ist das Leben nicht schön?“ aufgefahren, in der sich Eric mit einer Welt konfrontiert sieht, in der er Donna nie geküsst hat. Auch in der gesamten weiteren Staffel wird die gescheiterte Beziehung der beiden Freunde thematisiert und bildet somit den zentralen roten Faden, der alle Handlungsstränge zusammenhält.

Auch wenn ich diese Staffel genauso gerne gesehen habe, wie die vorherigen, so gab es doch ein paar Elemente, die ich nicht allzu gelungen fand. Zu diesen gehört u.a. die Figur Big Rhonda, die eine größere Rolle als Fez‘ Freundin einnimmt und böse Erinnerungen an Steve Urkel weckt. Schön war es dagegen Luke Wilson als Michael Kelsos großen Bruder Casey zu sehen, der zu einem wichtigen Element in der Beziehung zwischen Donna und Eric wird. Erwähnenswert ist zudem noch die Musical-Episode, die zwar nett anzusehen ist, der es jedoch nicht gelingt die wohl gewünschte Wirkung zu erzielen.

Fazit

Meine Lieblingsepisoden in der Staffel waren „Class Picture“, in der die Kennenlernphase der einzelnen Charaktere nacherzählt wird, und „Eric’s Corvette Caper“, eine eher klassische Coming-of-Age-Geschichte, die mit viel Humor gespickt ist. Auch die restlichen Episoden haben mir erneut viel Freude bereitet, wenngleich nicht alle Elemente perfekt aufeinander abgestimmt waren. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie sich die Geschichte weiterentwickeln wird und freue mich bereits auf die fünfte Staffel: 9/10 (8.6) Punkte.

Vielleicht lieber morgen – OT: The Perks of Being a Wallflower (2012)

Auch wenn ich nach dieser Woche noch kaum Energie für einen Film aufbringen konnte, so habe ich mich doch vor die Filmsammlung gestellt und – nach einer langwierigen Entscheidungsphase – die Literaturverfilmung „Vielleicht lieber morgen“ aus dem Regal gezogen. Eine gute Entscheidung, denn selbst ohne die Unterbrechungen in Form von weinenden Kindern (ja, wir haben wieder gut 30 °C in der Wohnung) wäre ich nicht eingeschlafen – und das hätte heute wahrlich nicht jeder Film geschafft…

perks_of_being_a_wallflower

Bemerkenswert an „The Perks of Being a Wallflower“ (so der fantastische Originaltitel) ist zunächst, dass Stephen Chbosky – der Autor der Vorlage – nicht nur das Drehbuch verfasst, sondern auch Regie geführt hat. Das sieht man nicht oft in Hollywood und hat sich hier wohl ausgezahlt. Obwohl ich den Roman nicht kenne, wirkt der Film flüssig erzählt und lässt keine Elemente vermissen oder andere zu sehr in den Vordergrund treten. Wirklich rundum gelungen. Neben der Handlung hat Chbosky auch inszenatorisch Großes vollbracht und die Atmosphäre der frühen 90er Jahre dicht und glaubwürdig auf die Leinwand übertragen. Vom fantastischen Soundtrack einmal ganz zu schweigen.

„Vielleicht lieber morgen“ ist auf jeden Fall auch ein Schauspielerfilm. Besonders beeindruckt hat mich das Ensemble der drei jugendlichen Hauptdarsteller: Logan Lerman, Ezra Miller und Emma Watson (Hermine, „Harry Potter“-Reihe) spielen allesamt hervorragend. Doch auch die Nebendarsteller sind nicht zu verachten. So geben u.a. Mae Whitman (Amber, „Parenthood“), Paul Rudd oder Tom Savini (Sex Machine, „From Dusk Till Dawn“) ihr Stelldichein und verleihen ihren Rollen das gewisse Etwas.

Der Film hätte für mich wohl perfekt als Coming-of-Age-Geschichte funktioniert. Ein Außenseiter, der sich nach dem Tod seines besten Freundes wieder in der Welt zurechtfinden muss. Dabei lernt er eine Gruppe von außergewöhnlichen Leuten kennen, die ihm zeigen, dass das Leben lebenswert ist. Emotional, mitreißend und toll erzählt. Leider zieht der Film gegen Ende (Andeutungen gab es schon vorher) noch ein paar Handlungselemente aus dem Hut, die meiner Meinung nach nicht nötig gewesen wären. Zuviel Drama für meinen Geschmack. Teen Angst in Kombination mit dem Tod des Freundes wären für mich Motivation genug für die Geschehnisse gewesen.

Auch wenn „The Perks of Being a Wallflower“ letztendlich nicht so perfekt ist, wie ich zu Beginn gehofft hatte, so macht er wirklich viel Freude. Schauspieler, Atmosphäre und Sountrack sind großartig und auch emotional konnte mich der Film packen. Sicher einer der gelungensten High-School-Filme der letzten Jahre. Sollte man nicht nur als Literatur- und Musikfreund auf jeden Fall gesehen haben: 8/10 Punkte.

Die wilden Siebziger – OT: That ’70s Show – Season 3

Wie bereits angekündigt, habe ich „That ’70s Show – Season 3“ wieder deutlich schneller verschlungen, als die vorangegangene Staffel. Die Qualität hat sich nicht plötzlich (noch mehr) gesteigert, es liegt eher am zurzeit kürzeren Fernsehabend – 20 Minuten-Shows lassen sich eben eher unterbringen als ihre 40 Minuten-Pendants. Davon einmal abgesehen könnte ich die Serie sowieso nahezu am Stück schauen, doch lest selbst…

that_70s_show_s3_1

Zu Beginn des dritten Jahres in Point Place werden die Ereignisse des Finales der zweiten Staffel aufgegriffen und Red darf hart durchgreifen, was er gut kann und ihm zudem große Freude bereitet. Hydes heldenhafte Tat soll für ihn auch nicht ohne Folgen bleiben und so wirft sich ihm die gerettete Jackie sprichwörtlich an den Hals. Neben diesem amüsanten Handlungsstrang wird Hyde auch mit seiner Vergangenheit konfrontiert, indem sein Vater wieder in sein Leben tritt. Allein anhand der Figur des Steven Hyde zeigt die Serie erneut, wie zielsicher sie zwischen Komödie und Drama (natürlich alles im Rahmen einer Sitcom) wandelt.

Fantastisch fand ich die diesjährige Halloween-Episode, in der nahezu jeder größere Film Alfred Hitchcocks zelebriert wird. Ein großer Spaß, besonders für Filmfreunde. Auch Musikfreunde kommen nicht zu kurz, da Donna einen Job beim örtlichen Radiosender annimmt. Dies sorgt für einige Verwicklungen und stellt insbesondere ihre Beziehung mit Eric auf die Probe – dahinter kann man jedoch klar den Konflikt mit der Wahrnehmung von Rollenbildern erkennen, was sich teils auch in den anderen Paaren (insbesondere den Eltern) widerspiegelt.

Fazit

Trotz teils ernsthafter Themen, ist „Die wilden Siebziger!“ auch im dritten Jahr eine reinrassige Sitcom. Herrlich fand ich z.B. die Beziehung zwischen Fez und seiner Beinahe-Stalkerin oder die überraschende Begegnung von Vater und Sohn während eines romantischen Wochenendes. Es gibt alberne Momente, schöne Momente und – am wichtigsten – Momente, an die man sich noch aus seiner eigenen Jugend erinnern kann, ganz egal ob 70er oder 90er Jahre. Nach dem beinahe schon schwermütigen Finale freue ich mich nun sehr auf die, wenn ich mich recht erinnere, mir noch größtenteils unbekannte vierte Staffel: 9/10 (9.0) Punkte.

Die wilden Siebziger – OT: That ’70s Show – Season 2

Hatte ich die erste Staffel beim letzten Mal noch innerhalb nur weniger Tage verschlungen, hat sich die Sichtung von „That ’70s Show – Season 2“ beinahe über ein halbes Jahr hingezogen. Dies liegt jedoch glücklicherweise nicht an der Qualität der Serie, sondern vielmehr daran, dass ich in den letzten Monaten – wie aufmerksame Leser sicher mitbekommen haben – etliche aktuell laufende Comedys verfolgt habe. Umso schöner war es nach der Pause wieder nach Point Place, Wisconsin zurückzukehren…

that_70s_show_s2_2

Das zweite Jahr führt die Handlung der vorangegangenen Staffel von Beginn an konsequent weiter. Auf allen Ebenen gibt es Entwicklungen, die zunächst schleichend beginnen, doch letztendlich für nahezu alle Charaktere bedeutend sind. Seien es nun die Liebeswirren unter den Teenagern, eine drohende Scheidung oder die Geldsorgen der Eltern – all diese unterschiedlichen Elemente fügen sich erneut harmonisch zusammen und bilden Brücken zwischen Charakteren, die man so nicht erwartet hätte. Die Kombination aus Humor und Drama – wobei auch dieses stets sehr humorvoll behandelt wird – macht wohl die perfekte Mischung aus, welche „That ’70s Show“ (zumindest im Entstehungsland) so erfolgreich werden ließ.

Coming-of-Age ist wieder einmal das zentrale Thema und im Rahmen einer Sitcom wurde es wohl noch nie mit so viel Lebensgefühl zelebriert, wie in „Die wilden Siebziger!“. Selbst die Thematisierung des ersten Mals wird mit viel Feingefühl, Witz und erfreulich wenigen Klischees inszeniert. Jeder einzelne Charakter macht über den Lauf der Staffel eine Entwicklung durch und besonders Hyde nimmt eine immer zentralere Rolle ein, wodurch auch eine schöne Schnittstelle zu Erics Eltern entsteht. Überhaupt sind Red und Kitty im zweiten Jahr wieder großartig!

Fazit

Auch wenn sich die Sichtung der zweiten Staffel sehr lange hingezogen hat, so steht sie der ersten doch in kaum etwas nach. Für mich hat „That ’70s Show“ somit ihren Platz unter den besten und innovativsten Sitcoms gefestigt und ich bin mir sicher, die kommende Staffel wieder ohne größere Pausen zu verschlingen. Wer die Serie noch nicht kennt und auf der Suche nach neuem Sitcom-Stoff ist, der sollte unbedingt einmal reinschauen. Großartige TV-Unterhaltung: 9/10 (8.8) Punkte.

Merida: Legende der Highlands – OT: Brave (2012)

Früher, d.h. vor den Kindern, hätte ich mir noch jeden Pixar-Film im Kino angesehen. Heute bin ich schon froh, wenn ich ihn zeitnah auf DVD bzw. Blu-ray nachholen kann. So bin ich auch recht spät in den Genuss von „Merida: Legende der Highlands“ gekommen. Aber die Kinder werden älter und somit rückt auch der erste gemeinsame Kinobesuch in greifbare Nähe – und was wäre da passender als ein Pixar-Film?

merida_2

Vom Trailer zu „Brave“ war ich begeistert. Nach „Cars 2“ endlich wieder ein Film, der ganz anders aussieht, als alles was Pixar bisher gemacht hatte. Die Kritiken waren größtenteils jedoch sehr verhalten und es wurde geschimpft, dass Pixar eigentlich nur einen typischen Disney-Film abgeliefert hat. Nach Schema F. Inklusive Prinzessin. Ich konnte und wollte das nicht glauben – und vielleicht liegt es auch daran, dass ich dem Film sehr viele positive Aspekte abgewinnen konnte. Merida eine typische Disney-Prinzessin? No way!

Zunächst einmal muss ich sagen, wie fantastisch ich es finde, dass der Trailer nur auf die ersten 20 Minuten des Films eingeht und der Rest völlig neu für Zuschauer ist, die spoilerlastige Kritiken vermieden haben. Weiterhin ist es bemerkenswert, dass Pixar mit „Merida: Legende der Highlands“ eine völlig neue Zielgruppe anspricht, als in seinen bisherigen Filmen. Es war ja stets so, dass die ganz Kleinen etwas aus dem Film mitnehmen konnten und es eine zusätzliche Ebene gab, auf der sich die Erwachsenen amüsieren konnten. „Brave“ vernachlässigt die ganz jungen Zuschauer beinahe völlig und stürzt sich mit Elan auf die Altersgruppe Teenager. Das hatte ich so nicht erwartet.

Wer nun Merdia mit x-beliebigen Disney-Prinzessinen vergleicht (so gerne ich diese auch mag), hat wohl einen anderen Film gesehen als ich. Hier geht es nicht um die Suche nach der großen Liebe, sondern um Selbstbestimmung, Mut und Erwachsenwerden. Im Zentrum des Films steht die Eltern/Kind- bzw. Mutter/Tochter-Beziehung und alles was in der zweiten Filmhälfte geschieht, ist eine Metapher für die zwangsweise Entfremdung in einem gewissen Alter, der Auseinandersetzung mit Traditionen und dem Zusammenprall der Wünsche und Vorstellungen von Kindern und Eltern. Sicher funktioniert das alles auch wunderbar als fantastischer Abenteuerfilm, doch diese zusätzliche Ebene macht aus Merida eben so viel mehr, als nur eine weitere Disney-Prinzessin.

Auch wenn ich etwas anderes erwartet hatte und der Film sicherlich nicht zu den besten Pixar-Werken gehört, so bin ich doch sehr positiv überrascht. Wie den zugehörigen Kurzfilm „La Luna“ werde ich auch „Brave“ – wenn die Zeit gekommen ist – gemeinsam mit meiner Tochter anschauen. Wenn schon eine Disney-Prinzessin, dann gerne eine wie Merida: 9/10 Punkte.

Winter’s Bone (2010)

Seltsamerweise hatte mich der Film bis zur heutigen Sichtung nicht sonderlich interessiert. Obwohl „Winter’s Bone“ größtenteils sehr gut besprochen wurde, brachte ihn erst die kürzlich vermehrte Medienpräsenz von Jennifer Lawrence auf meinen Radar. Und obwohl mir nach einer vollen Arbeitswoche eher nach seichter Unterhaltung war, habe ich mich letztendlich an die düstere Literaturverfilmung herangewagt. Ob das die richtige Entscheidung war?

winters_bone_2

Wenn ich den Film mit nur wenigen Worten beschreiben wollte, dann wären diese wohl: bedrückend und doch hoffnungsvoll. Bedrückend ist das Setting, die Lebensumstände der gezeigten Charaktere und die damit verbundene Ausweglosigkeit. Hoffnungsvoll ist einzig und allein die von Jennifer Lawrence („Die Tribute von Panem: The Hunger Games“) fantastisch gespielte Hauptfigur Ree – doch ihr aufopferungsvolles und zugleich anpackendes Wesen ist genug, um diesen Aspekt des Films zu tragen und ein Gegengewicht zu all der bedrückenden Trostlosigkeit zu schaffen.

„Winter’s Bone“ ist kein fröhlicher Film und doch hat er seltsam schöne Szenen. Selbst die ausgewaschenen Landstriche besitzen eine gewisse Ästhetik, der man sich nur schwer entziehen kann. Rees Suche nach ihrem Vater ist alles andere als effekthascherisch inszeniert und doch wirkt ihre Reise unwahrscheinlich bedeutend. Das Ergebnis der Suche ist dabei beinahe schon vernachlässigbar und im Mittelpunkt stehen eher Begegnungen und einzelne Situationen. Der dokumentarische Look unterstreicht dabei die Unmittelbarkeit. Auch wenn die eigentliche Geschichte am Ende des Films abgeschlossen scheint, so habe ich diese Welt, die einem im Unterhaltungskino sonst nicht gezeigt wird, mit sehr gemischten Gefühlen verlassen.

Weder die Handlung noch die Inszenierung sind sonderlich aufregend. Der Film lebt in meinen Augen von seinem Setting, den tollen Schauspielern (größtenteils Laien aus der Region) und eben dem dokumentarischen Erzählstil. Unbedingt sehenswert, jedoch kein Film, den ich mir einmal im Jahr anschauen würde: 8/10 Punkte.

Die Tribute von Panem – OT: The Hunger Games (2012) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Die Tribute von Panem: The Hunger Games“ am 26. Januar 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Auf vielfachen Wunsch meiner besseren Hälfte haben wir uns heute noch einmal „Die Tribute von Panem: The Hunger Games“ angeschaut. Schließlich hat sie seit Weihnachten die Bücher gelesen und war dementsprechend neugierig, wie die Verfilmung mit Kenntnis der Vorlage wirkt. Auch ich hatte mir vorgenommen bis zur nächsten Sichtung die Trilogie zu lesen, doch wollen bis dahin noch ca. 400 Seiten „A Song of Ice and Fire“ bezwungen werden…

Die Tribute von Panem (2012) | © Studiocanal

Die Tribute von Panem (2012) | © Studiocanal

Im Vergleich zur letzten Sichtung ist für mich der titelgebende Kampf in der Arena eher in den Hintergrund getreten. Zwar gibt es hier Action und Drama, doch die interessanten Aspekte der Geschichte finden sich eher abseits der Arena. Insofern macht es auch Sinn, dass sich Gary Ross so viel Zeit (immerhin gut die Hälfte der Laufzeit) nimmt, um das Show-Konzept samt seinen Anklängen an bereits heute praktiziertes Fernsehen (Reality-TV, Casting-Shows usw.) zu beleuchten. Medienkritik zielgruppengerecht aufbereitet. Sicherlich nicht sonderlich innovativ, doch auf jeden Fall wirkungsvoll.

Nach den knapp zweieinhalb Stunden findet man sich, auch ohne die Vorlage zu kennen, recht gut in der Welt von Panem zurecht. Eine gelungene Zukunftsvision, die ganz einfach funktioniert. Gary Ross‘ Inszenierung bildet diese beinahe dokumentarisch ab, ist dabei stets nah am Geschehen dran und für solch ein Jugend-Franchise erstaunlich rau. Cinéma vérité mag zu hoch gegriffen sein, doch macht hier die – auch von mir oft gescholtene – Wackelkamera endlich einmal Sinn und versetzt den Zuschauer mitten ins Geschehen.

Fazit

Mir hat der Film auch beim zweiten Durchgang sehr gut gefallen und bis zum nächsten Mal werde ich mit Sicherheit die Vorlage kennen. Auf die bin ich nun wieder ziemlich heiß, was ein weiterer Punkt ist, der für den Film spricht. Unter den unzähligen Franchises dieser Art auf jeden Fall eines der sehenswertesten: 8/10 Punkte.

Die wilden Siebziger – OT: That ’70s Show – Season 1 (WS1)

Nach knapp zwei Wochen kann ich nun guten Gewissens behaupten, dass die Komplettbox von „Die wilden Siebziger!“ das perfekte Weihnachtsgeschenk ist – obwohl man den Scotch auch nicht verachten sollte. In nur zehn Tagen habe ich „That ’70s Show – Season 1“ komplett gesehen, was durchschnittlich ca. zwei bis drei Episoden pro Abend bedeutet. Und das Wunderbare ist, dass ich im Gegensatz zum letzten Durchgang nun direkt mit der zweiten Staffel weitermachen kann…

that_70s_show_s1

Auch bei dieser aktuellen Sichtung hat mich erstaunt, wie modern die Serie selbst nach inzwischen 15 Jahren seit ihrer Erstausstrahlung wirkt – und das Wichtigste: Sie ist immer noch unglaublich lustig! Die Gruppendynamik zwischen Eric, Hyde, Donna, Jackie, Kelso und Fez funktioniert einfach. Jeder Charakter ist auf seine Art wichtig und trägt etwas zur Gruppe bei. Hinzu kommt die Art der Inszenierung, die oft eher an moderne Single-Camera-Comedys, wie z.B. „Scrubs“, erinnert und nicht an angestaubte Sitcoms vor der Jahrtausendwende.

Füher konnte ich mich natürlich am ehesten mit Eric und Co. identifizieren, da ich altersmäßig ziemlich nah dran an den Problemen und Hoffnungen der dargestellten Jugend war. Die Erzählstränge rund um die Eltern waren für mich eher Füllwerk. Heute jedoch befinde ich mich als Vater zweier – zugegebenermaßen noch recht junger – Kinder irgendwo dazwischen, was den Spaß noch einmal verdreifacht, da ich inzwischen manchmal sogar eher die Ansichten Reds und Kittys teile. Überhaupt gehören Erics Eltern zu meinen absoluten Lieblingscharakteren. Exzellent gespielt und geschrieben.

Wie bereits beim letzten Durchgang ist mir auch der Coming-of-Age-Aspekt wieder positiv aufgefallen. Die Serie ist zwar eindeutig eine Sitcom, doch werden auch ernste Aspekte (Arbeitslosigkeit des Vaters, Tod der Großmutter usw.) angesprochen und durchaus subtil in die Handlung eingewoben, ohne dabei wie Fremdkörper zu wirken.

Diese erste Staffel ist auch ziemlich stark, was ihre einzelnen Episoden und die darin erzählten Geschichten angeht. Ausfälle sind absolut keine auszumachen. Zu meinen Lieblingsepisoden gehört z.B. „A New Hope“, in der das Phänomen „Star Wars“ einfach nur herrlich in die Handlung eingewoben wird. Gaststars, wie Joseph Gordon-Levitt oder Dwayne ‚The Rock‘ Johnson, sorgen zudem für Abwechslung.

Fazit

Ich liebe diese Serie und für mich ist wahrlich unverständlich, warum sie hierzulande nur wenige Anhänger hat. Ich freue mich nun bereits enorm auf die verbleibenden sieben Staffeln, von denen ich damals bestimmt auch noch nicht alle gesehen habe. Wer Sitcom-Freund ist und denkt bereits alles in dem Genre gesehen zu haben, der sollte hier unbedingt einmal reinschauen: 9/10 (9.1) Punkte.

The Lost Boys (1987) (WS1)

Heute ist es mir einmal wieder sehr schwer gefallen die richtige Wahl zu treffen. Nach einem Tag voller Spiel, Spaß und Sonnenschein konnte jeder Film im Vergleich auch nur verlieren. Also bin ich auf Nummer sicher gegangen und habe zum ersten Mal seit sechs Jahren „The Lost Boys“ aus dem Regal genommen. Erstmals durfte ich Joel Schumacher Mix aus Horrorkomödie und Jugendabenteuer auf Blu-ray bewundern, was das Vergnügen noch einmal steigerte und dem Filmerlebnis zugute kam.

„The Lost Boys“ ist wohl einer dieser Filme, die man – sollte man nicht mit ihnen aufgewachsen sein – nur schwer ertragen kann. Die 80er Jahre durchdringen Schumachers Werk, wie kaum einen zweiten Film: Frisuren, Kleidung, Musik, Kameraeinstellungen und Montage. Man fühlt sich nicht nur einmal in ein 80er Jahre Synth-Pop-Musikvideo versetzt. Schumacher zieht seinen Stil jedoch so konsequent durch, dass der Film absolut homogen und in sich geschlossen wirkt. Auch in der Handlung spiegelt sich das Jahrzehnt wider und klassische Teenage Angst- und Coming of Age-Elemente bilden das Grundgerüst dieses Vampirfilms – und das 10 Jahre vor der ersten Staffel von „Buffy: The Vampire Slayer“.

Neben den teils sehr artifiziell wirkenden Bildern und der im Grunde düsteren Geschichte, gibt es viel Humor und abgedrehte Charaktere zu sehen. Die Frog Brothers dürften schon längst in die Popkultur eingegangen sein und das Auftreten von Schauspielern, wie Kiefer Sutherland, hat bestimmt dazu beigetragen den Kultstatus des Films zu untermauern. Wirklich schade, dass die Karriere der zwei Coreys so typisch für Kinderstars in Hollywood verlaufen ist.

Wer den Film noch nie gesehen hat, der sollte ihn wohl auch wirklich sehen wollen, um heute noch viel Freude mit „The Lost Boys“ zu haben. Wir anderen haben ihn ja sowieso schon längst ins Herz geschlossen und somit hatte ich auch heute wieder enorm viel Spaß mit dieser seltsam düsterbunten Vampirjagd. Einer meiner großen Jugendfilmklassiker, die ich mir immer wieder anschauen kann: 9/10 Punkte.

Die Tribute von Panem – OT: The Hunger Games (2012)

Aktualisierung: Ich habe „Die Tribute von Panem: The Hunger Games“ am 23. Februar 2013 und am 26. Januar 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechungen veröffentlicht.

Gestern Abend war ich zum ersten Mal seit 9 Monaten wieder im Kino, was wohl einen neuen Negativrekord darstellen dürfte. Wir hatten dieses Ereignis schon lange geplant und mit einem leckeren Essen (viel zu viele Tapas) kombiniert. Leider jedoch liefen die Wunschfilme („Hugo Cabret“ oder „The Grey“) nicht zu einer mit Kind bzw. Babysitter zu vereinbarenden Zeit, weshalb die Wahl letztendlich auf „Die Tribute von Panem: The Hunger Games“ fiel. Ehrlich gesagt fühlte ich mich zu Beginn der Vorstellung aufgrund der hohen Teenagerquote im Publikum schon etwas fehl am Platz, doch sollten sich diese Befürchtungen letztendlich recht schnell verstreuen…

Die Tribute von Panem (2012) | © Studiocanal

Die Tribute von Panem (2012) | © Studiocanal

Im Vorfeld hatte ich mich nicht groß mit dem Film bzw. der Vorlage auseinandergesetzt. Da eine Kollegin jedoch erst kürzlich die Trilogie verschlungen hat, war mir die grobe Rahmenhandlung allerdings ebenso bekannt, wie die Tatsache, dass „Die Tribute von Panem“ wohl das nächste große Ding unter den Jugendbüchern darstellt. Da ich durchaus empfänglich für Jugendliteratur bin und sich die Prämisse recht vielversprechend anhörte, erhoffte ich mir im Idealfall eine für mich interessante Begegnung mit einem neuen fiktionalen Universum und im schlimmsten Fall eine Art von „Twilight“-Nonsense. Letztendlich hat mir es die Geschichte auf jeden Fall angetan, obwohl die Prämisse nur aus populären Sci-Fi-Versatzstücken besteht: Jeder Genrefreund dürfte sich an „Running Man“, „Battle Royale“ oder „Das Millionenspiel“ erinnert fühlen. Die Atmosphäre und gewisse Elemente abseits der Hungerspiele erinnerten mich zudem sehr an John Christophers „Die dreibeinigen Monster“-Trilogie sowie George Orwells „1984“.

Es ist wahrlich kein Wunder, warum Suzanne Collins Romanreihe weltweit große Erfolge feiert. In Zeiten von Casting-Shows und Vorführfernsehen à la Dschungelcamp und Co. ist es nur naheliegend diese Thematik gerade für die Zielgruppe von „Germany’s Next Topmodel“ usw. entsprechend dramatisiert aufzubereiten. Natürlich sind die sozial- und medienkritischen Elemente äußerst plakativ und werden mit dem Holzhammer präsentiert, doch wenn diese auch nur einen Bruchteil der Zielgruppe zum Nachdenken abregen, ist dieser Ansatz in meinen Augen durchaus legitim und begrüßenswert. Insofern kann ich die oberflächliche Kritik einiger konservativer Feuilletonisten und Hobbykritiker an der ach so verwerflichen Thematik und Gewaltdarstellung nicht nachvollziehen.

Ich muss zugeben, dass ich nach anfänglicher Skepsis wirklich viel Spaß mit dem Film hatte. Man wird schnell in diese Welt hineingezogen und auch wenn ich durchaus einige Kritikpunkte habe, so war das Gesamterlebnis doch durchwegs positiv: Ich sollte wahrlich wieder öfter ins Kino gehen. Der Aufbau der Handlung ist angenehm bedächtig und gibt den Figuren genug Raum, um sie für den Zuschauer interessant zu machen. Der Einstieg in die Hungerspiele war überraschend hart und mitreißend. Die Liebesgeschichte reduzierte sich zudem glücklicherweise auf den letzten Akt und wirkte dabei dennoch etwas aufgesetzt. Ich bin mir sicher, dass die Vorlage diese weit behutsamer vorbereitet. Insgesamt konnte ich der Handlung des Films jedoch gut folgen und hatte nicht den Eindruck, dass etwas Wichtiges weggelassen wurde.

Fazit

Es mag am positiven Gesamteindruck des gestrigen Abends liegen oder an den Entzugserscheinungen, die mich aufgrund der langen Abwesenheit von der großen Leinwand plagten, doch „Die Tribute von Panem“ haben mich äußerst positiv gestimmt. Würde ich zurzeit nicht einer anderen Romanreihe verfallen sein, würde ich vermutlich sogar einmal in die Vorlage reinlesen. Auch wenn der Film nur ein – aufgrund so mancher Kostüme auch durchaus zu – bunter Genremix ist und gewisse Elemente durchaus besser herausgearbeitet hätten werden können, so hat mich der Film über knapp zweieinhalb Stunden jedoch exzellent unterhalten. Ich gebe es nur ungern zu, doch I am hooked: 8/10 Punkte.