Toy Story 2 (1999)

Aktualisierung: Ich habe „Toy Story 2“ am 24. Mai 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Die meisten Fortsetzungen – besonders im Animationsbereich – können ihren Vorgängern nicht das Wasser reichen. Eine der wenigen Ausnahmen bildet Pixars „Toy Story 2“. Ursprünglich als Direct-to-Video-Veröffentlichung geplant, hat es der Film jedoch dahin geschafft, wo er hingehört: Auf die große Leinwand.

Toy Story 2 (1999) | © Walt Disney

Toy Story 2 (1999) | © Walt Disney

Der Einstieg des Films ist ungewohnt und birgt Überraschungen, findet man sich doch in einem von Buzz Lightyears Abenteuern wieder. Doch schnell wird klar, dass man nur einem Videospiel beigewohnt hat und sich in vertrauter Umgebung befindet: Andys Kinderzimmer – und alle im ersten Teil liebgewonnenen Charaktere sind wieder mit von der Partie. Pixar wäre jedoch nicht Pixar, hätte auch dieser ungewöhnliche Prolog keine Bedeutung für die spätere Handlung des Films. Somit ist alles beim Alten – und doch ganz neu.

Die Geschichte scheint anfangs der des ersten Teils verdächtig ähnlich: Ein Spielzeug rettet das andere. Nur mit vertauschten Rollen. Doch Woodys Odyssee entpuppt sich als Reise zu seinen Wurzeln und zum Kern des Spielzeugdaseins. Er lernt neue Figuren kennen. Es kommt zu Konflikten und langen Gesprächen. Eine für alle befriedigende Lösung scheint unerreichbar. Doch auch eine solche hält die Geschichte parat – und das ohne aufgesetzt zu wirken.

Während Woody mit seinem Schicksal kämpft, macht sich ein Rettungstrupp unter der Führung von Buzz Lightyear auf den weiten Weg durch die Stadt, der dabei einige Abenteuer zu erleben hat. Dieser Handlungsstrang ist deutlich humor- und temporeicher. Hier wird auch der Bogen zum Prolog gespannt, der einige klasse Gags enthält („Ich bin dein Vater!“). Schließlich werden beide Erzählstränge in einem furiosen Finale verbunden, das für alle Beteiligten – und soviel darf ich verraten – nur glücklich enden kann.

Fazit

Man sieht: „Toy Story 2“ steht seinem Vorgänger wahrlich in nichts nach. Dieser ist mir zwar immer noch etwas sympathischer, was er wohl seiner Eigenschaft als Genre-Meilenstein zu verdanken hat, doch objektiv gesehen spielen beide Filme in einer Liga. Sollte Pixar sich zu einem dritten Teil entschließen, werde ich auf jeden Fall einer der ersten sein, die eine Kinokarte lösen. Ein wundervolles Märchen für Kinder und junggebliebene Erwachsene: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Toy Story (1995)

Aktualisierung: Ich habe „Toy Story“ am 2. April 2017 und am 23. Mai 2025 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

An Tagen wie diesen muss ich mir manchmal in Erinnerung rufen, warum ich überhaupt machen will, was ich mache. Manche Filme eignen sich dazu besser als andere – und ganz besonders gut eignet sich Pixars Kinodebüt „Toy Story“. Ein Film, der eine ganz besondere Bedeutung für mich hat. Dabei war ich von der ersten Sichtung noch wenig begeistert. Damals war ich gerade einmal 15 und hatte mir unter dem ersten vollständig computeranimierten Spielfilm wohl etwas anderes vorgestellt.

Toy Story (1995) | © Walt Disney

Toy Story (1995) | © Walt Disney

Einige Jahre später hatte ich eine erneute Begegnung mit „Toy Story“: Ich hatte während meines Zivildienstes eine Woche am Stück Nachtwache im Behinderteninternat und musste mir jede Nacht die Zeit zwischen 22:00 und 8:00 Uhr um die Ohren schlagen. Da das TV-Programm zu dieser Tageszeit eher bescheiden ist, bin ich dazu übergegangen mir die diversen Videos der Bewohner anzuschauen. Zu 99 Prozent waren dies Kinderfilme. Darunter auch beide „Toy Story“-Teile. Ich weiß noch genau wie sehr ich die Nachtwachen gehasst habe. Doch die Nächte, in denen ich mir „Toy Story“ angesehen habe, sind mir nicht ganz so schlimm vorgekommen.

Seitdem habe ich den Animationsklassiker noch unzählige Male gesehen und jedes Mal hat sich wieder dieses wohlige Gefühl eingestellt, wie ich es bei meinen nächtlichen Sichtungen hatte. Zudem habe ich über die Jahre verstanden, wie wichtig und außergewöhnlich „Toy Story“ für das Genre ist. Ein Meilenstein. Viele Filme bekommen dieses Prädikat, doch auf kaum einen trifft es so sehr zu, wie auf diesen. Unglaublich, wenn man bedenkt, dass seit der Erstaufführung schon über 11 Jahre vergangen sind. Unglaublich, dass „Toy Story“ komplett mit Forward Kinematic animiert wurde. Unglaublich, dass der Film auch heute noch so frisch wirkt, wie am ersten Tag.

Damals hat man man Pixar noch belächelt und nur die neue Technik gesehen. Es sei ja gar kein richtiger Disneyfilm, hieß es. Heute ist es anders. Heute hat Pixar Disney den Rang als wichtigstes Animationsstudio abgelaufen. Heute ist Pixar Disney und ich hoffe, dass Pixar seinen hohen Standard halten kann.

Fazit

Auch wenn „Toy Story“ storymäßig sicherlich nicht der ausgefeilteste Pixarfilm ist, so ist er doch einer der wichtigsten. Mit ihm wurde eine neue Ära eingeläutet. Er ist einer der Gründe, warum ich mich für 3D Grafik und Animation beigeistern konnte und immer noch begeistert bin. Ein unglaublich unterhaltsamer Meilenstein mit viel Herz und Verstand: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Tarzan

Gestern Abend habe ich mir seit Langem einmal wieder einen Disneyfilm angesehen: „Tarzan“. Disneys Adaption der Edgar Rice Burroughs-Vorlage stellt für mich einen Bruch dar. „Tarzan“ war der letzte große klassisch animierte Film des Zeichentrickgiganten. Alles was danach kam war mehr schlecht als recht und wurde von den Pixarfilmen beinahe vollständig verdrängt. Bei „Tarzan“ jedoch konnte man noch einmal die Disneymagie spüren, die einen bereits in „Aladdin“ oder „Der König der Löwen“ verzaubert hat – unter der Vorraussetzung natürlich, dass man empfänglich ist für diese Art von Film.

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Herausstechend bei „Tarzan“ ist besonders der technische Aspekt. Die Hintergründe waren hier zum ersten Mal wirklich dreidimensional und haben sich zugleich perfekt in den handgezeichneten Film eingefügt. Eine Technik names Deep Canvas hat es den Künstlern ermöglicht direkt auf die 3D-Geometrie zu malen und somit den handgezeichneten Look zu bewahren. Dadurch sind atemberaubende Actionszenen entstanden, die den Zuschauer erstmals völlig in den Zeichentrickfilm hineinziehen. Fantastisch.

Von der Geschichte her gesehen gibt es keine großen Überraschungen. Typisch Disney: Sympathische Figuren, lustige Sidekicks, der obligatorische Bösewicht und natürlich ein happy ending. Allein die Ruppigkeit der Kampfszenen ist überraschend und hat für eine Kürzung um rund 48 Sekunden in der deutschen Version geführt. Damit auch unter 6jährige den Film sehen können. Wieder einmal eine äußerst sinnvolle Entscheidung von Disney Deutschland. Der Film wirkt durch diese Kürzungen für Kinder diesen Alters in besagten Szenen nämlich kaum weniger bedrohlich.

Alles in allem kommt „Tarzan“ zwar nicht ganz an die großen Meisterwerke von Disney heran, es ist aber dennoch ein fantastischer Film, der zeigt, dass es eine Fehlentscheidung war die klassiche Animationsabteilung von Disney zu schließen. Glücklicherweise hat John Lasseter – der Chef von Pixar und inzwischen auch von Disneys Animationsabteilung – erkannt, dass es in erster Linie um die Geschichte geht und somit geplant, auch die klassische Animation wiederzubeleben: 8/10 Punkte.

Into the Blue

Wie ich bestimmt schon einige Male erwähnt habe, liebe ich Filme die am, im oder auch unter Wasser spielen. „Into the Blue“ erfüllt all diese Voraussetzungen. Der Hauptdarsteller ist eindeutig das Meer. Abgeschreckt haben mich bisher nur die teils katastrophalen Kritiken – doch glücklicherweise habe ich dennoch den Sprung ins kalte Wasser gewagt.

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„Into the Blue“ ist genau das Richtige für die jetzt kürzer werdenden Abende: Sonnendurchflutete Bilder, ein chilliger Soundtrack, schöne Körper, nicht zu viel Geschichte und verhaltene Action. Der perfekte Feierabendfilm. Abschalten und genießen. Eigentlich würden ja auch die grandiosen Unterwasseraufnahmen reichen. Doch der Rest ist gerade so anspruchslos, dass er nicht weiter stört und mich als Zuschauer von einem Beauty Shot zum nächsten führt. Allein die letzte halbe Stunde wird etwas unruhig und erinnert einen daran, dass es sich hierbei um einen Spielfilm handelt. Mit Geschichte und so.

Irgendwie kann ich dem Film auch nicht böse sein, hat er mir doch 100 Minuten perfekten Eskapismus geboten. Die Darsteller sind auch nicht so schlecht, wie stets behauptet wird. Wer will in diesem Film schon Jodie Foster oder Al Pacino sehen? Nein, Jessica Alba und Paul Walker sind hier wahrlich die Idealbesetzung. Die Geschichte schrammt haarscharf am Nichtvorhandensein vorbei, was jedoch den positiven Nebeneffekt hat, dass man beim Abschweifen in gedanklich südlichere Regionen nicht all zu viel verpasst. Wirklich genervt haben mich allein die 08/15-Gangster-Hip Hopper. Lächerliches Pack. Hat aber irgendwie auch wieder zu Oberflächlichkeit des Films gepasst. Also Schwamm drüber.

Mehr gibt es hierzu wirklich nicht zu sagen. Tolle Bilder, tolle – vorsicht Wortspiel – Figuren und gute Unterhaltung. Was will man – zumindest ab und an – mehr? 6/10 Punkte.

The Lost Boys

Joel Schumachers „The Lost Boys“ gehört wohl zu den Filmen, die ich während meiner Jugend am häufigsten gesehen habe. Die letzte Sichtung ist nun auch bestimmt schon 10 Jahre her. Trotzdem konnte ich mich noch an viele Szenen erinnern und habe mich in Santa Clara sofort wieder zu Hause gefühlt.

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Der Film hat eine ganz besondere Atmosphäre: Er ist zwar eher ein Jugendabenteuer, als ein Horrorfilm – dennoch herrscht stets eine düstere Stimmung vor, die dem Film die nötige Ernsthaftigkeit verleiht. Die Geschichte um die Familie Emerson, die sich mit einem Vampirclan herumschlagen muss, erhält zwar keinen Originalitätspreis, bleibt aber stets spannend und interessant. Zudem besitzt sie einen – wie ich aus langjähriger Erfahrung sagen kann – sehr hohen Wiederanschauungswert.

„The Lost Boys“ ist ein wahres Kind der 80er. Die Frisuren, die Kleidung, die Inszenierung und ganz besonders der Soundtrack sind so typisch für dieses Jahrzehnt, dass mir kaum ein zweiter Film einfällt, der mich so sympathisch in die 80er Jahre zurückversetzt. Hier funktioniert der zeitgenössische Soundtrack tadellos und nervt ausnahmsweise nicht. Ein Manko, mit dem meiner Empfindung nach sonst viele 80er Jahre Filme zu kämpfen haben.

Sehr interessant ist aus heutiger Sicht die Ansammlung an fantastischen Schauspielern. Allen voran sticht natürlich Kiefer Sutherland heraus, der hier den Vampirrocker mit viel jugendlichem Elan spielt. Besonders gefallen hat mir auch wieder Corey Feldman, der – wie bereits zwei Jahre zuvor bei „Die Goonies“ – den jugendlichen Draufgänger spielen darf. Die eigentliche Überraschung war allerdings Richard Gilmore aus den „Gilmore Girls“ (Edward Herrmann) als Obervampir zu sehen.

„The Lost Boys“ gehört zu einer Art Film, wie sie heute leider nicht mehr gemacht werden. Zitatenreich, unterhaltsam, liebevoll ausgestattet, tolle Schauspieler – und all das in einem Big Budget-Jugendfilm. Einer meiner persönlichen Klassiker: 9/10 Punkte.

Die Goonies – OT: The Goonies (1985)

Aktualisierung: Ich habe „Die Goonies“ am 5. Juli 2009 und am 15. Februar 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechungen veröffentlicht.

Es gibt Filme, die entwickeln sich über einen gewissen Zeitraum zu den persönlichen Klassikern. Zu dieser Kategorie gehört bei mir „Die Goonies“. Einer der besten – wenn nicht der beste – Kinder- bzw. Jugendfilm, der je gedreht wurde.

Die Goonies (1985) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Die Goonies (1985) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Ich kenne keinen anderen Film, der die unbeschwerte Abenteuerlust, die man als Kind verspürt hat, besser zu transportieren weiß. Früher, als man sich mit den Freunden durch das engste Gestrüpp in die dunkelsten Ecken des Waldes vorgekämpft hat. Als man mit dem Rad querfeldein holperte. Als man hinter jeder Ecke, hinter jedem Stein das große Abenteuer vermutet, es aber doch nur in der Fantasie ausgelebt hat. Genau ein solches Abenteuer erleben die Goonies tatsächlich. Der Film geht in jedem Bereich weiter als die Realität, es schwingt eine fast schon magische Atmosphäre mit – doch die Atmosphäre, die kindlich unbedarfte Abenteuerlust, die Erinnerungen an dieses Gefühl sind echt.

Es ist wirklich erstaunlich wie glaubhaft Chris Columbus seine Charaktere zeichnet und wie gekonnt diese von Richard Donner in Szene gesetzt werden. Hinter all dem schwebt zudem unverkennbar Spielbergs Geist, der dieses unbeschwerte Abenteuergefühl bereits in „E.T.“ heraufbeschwören konnte. Am aller erstaunlichsten ist es aber, wie gut der Film auch noch für Erwachsene funktioniert. Neben den hervorgerufenen Erinnerungen an die eigene Kindheit liegt dies vermutlich an der Ernsthaftigkeit der Erzählung. Sicher gibt es hier viel Unfug und Showeinlagen, doch werden die Charaktere und die Geschichte nie der Lächerlichkeit preisgegeben, wie dies bei Kinderfilmen leider häufig der Fall ist.

Neben dem liebevollen Setdesign, dem wunderbaren Score und der tollen Inszenierung können vor allem die Darsteller überzeugen. Allen voran Sean Austin, der erst viele Jahre später in seiner Rolle als Frodos treuer Begleiter Samwise Gamdschie zu größerem Ruhm kommen sollte.

Fazit

„Die Goonies“ ist nicht nur ein Film für Kinder und Jugendliche. Diese würden sich heute vermutlich eher über die etwas angestaubten Effekte lustig machen. Vor allem ist er ein Film für Erwachsene, die sich gerne an ihre Kindheit zurück erinnern und sich etwas davon bewahren konnten: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Fluch der Karibik 2 – OT: Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest (2006)

Aktualisierung: Ich habe „Pirates of the Caribbean: Fluch der Karibik 2“ am 28. Mai 2011 und am 31. August 2022 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nach drei Jahren des Wartens habe ich gestern nun endlich Gore Verbinskis „Fluch der Karibik 2“ (OT: „Pirates of the Carribean: Dead Man’s Chest“) gesehen – und das Warten hat sich definitiv gelohnt. Die Fortsetzung von „Pirates of the Carribean: The Curse of the Black Pearl“ ist ein mindestens genauso großer Piratenspaß, wie bereits der erste Teil. Bereits vor dem einschlagenden Erfolg von Verbinskis Trilogie war ich ein Freund des modernen Piratenfilms, der für mich seinen bisherigen Höhepunkt in dem unverständlicherweise gefloppten Renny Harlin-Film „Die Piratenbraut“ (OT: „Cutthroat Island“) hatte. Bereits hier war Spaß mit Südseeflair und eine bombastische Inszenierung angesagt. Auch die „Fluch der Karibik“-Filme wären nicht besser, gäbe es da nicht einen gewissen Captain Jack Sparrow.

Pirates of the Caribbean: Fluch der Karibik 2 (2006) | © Walt Disney

Pirates of the Caribbean: Fluch der Karibik 2 (2006) | © Walt Disney

Ohne Johnny Depps Figur würde sich diese moderne Piratentrilogie gewiss nicht ihrer enormen Beliebtheit erfreuen. Gegen Depp sehen hier alle anderen Schauspieler blass aus. Allen voran Orlando Bloom, der in seiner Rolle zwar nicht sonderlich stört, ihr allerdings – wie bereits schon im ersten Teil – keinen eigenen Stempel aufdrücken kann. Mich würde ja wirklich interessieren, wie der Charakter Jack Sparrow im Drehbuch angelegt war und wieviel Johnny Depp hinzugefügt hat. Ich glaube ja, dass diese grandiose Figur zu 99 Prozent auf das Konto des Schauspielers geht. Zudem ist es sehr erfreulich, dass der Captain der Black Pearl nicht zum comic relief verkommt, sondern die tragende Figur der Geschichte ist. Jack Sparrow kann in „Dead Man’s Chest“ in völlig überdrehten Slapstickeinlagen, in verwirrenden Wortgefechten, als Eingeborenengottheit, als Verführer, als Verräter, als Kämpfer, als Feigling und als Held überzeugen. Bei all dem bleibt der Charakter glaubwürdig, was ich wiederum erneut zu 99 Prozent einem überragenden Johnny Depp zuschreibe.

Die Geschichte um Jack Sparrow poltert von einer Bombastszene zur nächsten. Dabei hat sich bei mir nie ein Übersättigungseffekt eingestellt, wie das bei effektlastigen Filmen sonst häufig der Fall ist. Sicher hätte der ein oder andere Krakenangriff nicht so in die Länge gezogen werden müssen, aber im Großen und Ganzen sind alle Actionszenen wunderbar inszeniert und leben von Witz und Selbstironie. Mehr als einmal musste ich aufgrund des Humors während des Films an „Monkey Island“ denken, dessen Geist in dieser Attraktionsverfilmung weiterlebt.

Besonders hervorheben möchte ich noch die fantastischen Effekte: Die (CGI-)Masken von Davy Jones und Crew sind wirklich überragend gut gelungen. Besonders beim Captain fällt dies auf, da hier die Gesichtszüge des Schauspielers Bill Nighy trotz der unglaublichen Maske immer noch klar zu erkennen sind. Fand ich wirklich verblüffend.

Das Ende des Films ist aufgrund seiner Mittelteilstellung in der Trilogie natürlich etwas abrupt. Trotzdem ist der Abschluss noch relativ sanft und kann als gelungen bezeichnet werden. Der Cliffhanger am Ende schürt die Spannung und Vorfreude auf den dritten Teil, den ich gestern am liebsten sofort im Anschluss gesehen hätte. Einfach tolle Unterhaltung: 9/10 Punkte.

Ab durch die Hecke – OT: Over the Hedge (2006)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 28. April 2007 veröffentlicht.

Gestern hat sich ziemlich spontan ein Kinogang ergeben – und das obwohl mich zur Zeit eigentlich gar kein Film wirklich interessiert. Trotzdem bin ich letztendlich froh dem Animationsfilm „Ab durch die Hecke“ eine Chance gegeben zu haben, denn so gelacht habe ich im Kino schon lange nicht mehr.

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Die Geschichte an sich ist leidlich interessant und kann nicht auch nur annähernd mit den Werken von Pixar mithalten. Dies ist auch gleich der große Schwachpunkt von „Ab durch die Hecke“. Doch glücklicherweise wird die seichte Rahmenhandlung mit großartigen Figuren belebt, die zwar auch nicht vor Originalität strotzen, aber dafür sehr symapthisch und individuell gestaltet wurden. Den Wortwitz kann man in der Synchro zwar nur noch erahnen, dennoch bieten die Beobachtungen der Tiere was das Verhalten von uns Menschen angeht das ein oder andere satirische Highlight.

Der Film bleibt vom Timing her auch stimmig genug um keine Langweile aufkommen zu lassen. Das ist das gute an Animationsfilmen mit kurzer Laufzeit. Gegen Ende war ich mir dann auch sicher einen netten Film gesehen zu haben, nicht mehr und nicht weniger. Doch dann kam noch die Szene des Films. Die Highspeedszene. Absoult perfektes comic timing. Ich habe wirklich Tränen gelacht. Allein diese Szene hat den Film für mich gleich noch einmal eine Liga nach oben katapultiert. Wirklich genial!

Aus technischer Sicht ist „Ab durch die Hecke“ auf dem aktuellsten Stand. Besonders Fell und Fauna sind wunderbar dargestellt. Doch auch die restlichen Materialien (allein die Haut der Schildkröte) wirken unglaublich realistisch. Von den Animationen mag ich gar nicht erst anfangen, da würde nur mein Neid wachsen. Wirklich sehr schön.

Insgesamt ist „Ab durch die Hecke“ ein wirklich unterhaltsamer Animationsfilm, der leider mit Storyschwächen zu kämpfen hat. Doch alleine für die geniale Highspeedszene gibt es von mir 8/10 Punkte.

Cliffhanger – Nur die Starken überleben

In den 90ern gab es sie noch. Die großen Actionknaller. So auch Renny Harlins „Cliffhanger“. Ein Film, der den Zuschauer noch einmal die rauhe 80er Jahre Actionluft schnuppern lässt. Mit Hauptdarsteller Sylverster Stallone bietet der Film sogar einen der großen Actionhelden, mit dem ich allerdings – im Gegensatz zu Bruce Willis oder Arnold Schwarzenegger (zumindest vor seiner Politikerkarriere) – eher weniger anfangen kann.

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Zwei Dinge sind in „Cliffhanger“ wirklich herausragend: Die wundervolle Naturkulisse und John Lithgow. Zu den Aufnahmen muss man bzw. kann man nichts sagen, denn man muss sie selbst gesehen haben. Einfach nur atemberaubend und eine perfekte Kulisse für den Actionthriller. Zu John Lithgow möchte ich doch ein paar Worte verlieren, denn dieser spielt den Schurken mit so viel Hintertücke und bösem Humor, dass es eine wahre Freude ist. Gegen ihn bleiben alle anderen Figuren leider nur unscheinbar – auch Stallone, der mich hier aber trotz allem wirklich überzeugen konnte.

Negativ aufgefallen sind mir die eingestreuten Studioaufnahmen, da sie deutlich als solche zu identifizieren waren. Ein herber Schnitt zu der echten Naturkulisse. Aber manche Szenen kann man eben unmöglich in unkontrollierter Umgebung drehen. Desweiteren ist die Geschichte insgesamt doch zu flach und ohne Überraschungen, was bei einen reinen Actionfilm wie „Cliffhanger“ allerdings auch nicht so schwer wiegt.

Insgesamt immer noch ein richtiger Kracher, wenngleich ein Gabe Walker einfach kein John McClane ist: 7/10 Punkte.

The Descent: Abgrund des Grauens (2005)

Seit Langem hatten wir gestern einmal wieder einen Video- bzw. DVD-Abend im kleinen Kreis. Zur Einstimmung gab es Neil Marshalls „The Descent“. Ich hatte große Angst, dass der Film bei der erneuten Sichtung an Wirkung einbüßt, was er auch tat – doch wenn man die Rahmenbedingungen betrachtet (Umgebungslicht viel zu hell, Sound zu leise, Abspielprobleme des DVD-Players), dann ist es doch erstaunlich wie effektiv der Film immer noch ist. Nicht zu Vergleichen mit der Erstsichtung im Kino, aber dennoch sehr gelungen, zumal mir dieses Mal andere Qualitäten aufgefallen sind.

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Seit der letzten Sichtung habe ich einen Roman gelesen, dessen Titel im Original ebenfalls „The Descent“ lautet und der ebenfalls garstige unterirdisch lebende Höhlenkreaturen zum Inhalt hat: „Im Abgrund“ von Jeff Long. Die Ähnlichkeiten sind teilweise sogar so frappierend (besonders der Anfang des Romans), dass man „The Descent“ (den Film) als Spin-Off von Jeff Longs epischer Geschichte betrachten könnte. Wer den Film mochte dürfte also durchaus auch gefallen an einer größeren Version haben, die Jeff Long spannend, aber nicht immer mit eleganter Dramaturgie, präsentiert.

Zurück zum Film: Gestern ist mir besonders der dramaturgisch spannungsfördernde Aufbau ins Auge gesprungen. Wirklich fantastisch, wie Marshall die Spannung konsequent in die Höh(l)e treibt. Dabei setzt er glücklicherweise weniger auf Effekthascherei – der er leider gegen Ende etwas erliegt – sondern auf die Beziehungen zwischen den Figuren, sowie ausgefeiltes Licht- und Sounddesign. Man steht förmlich mit in der Höhle. Die beste Szene ist für mich nach wie vor der Rundumblick im Nightvision-Modus. Eigentlich mag ich charaktergeführte Videokameras in Filmen überhaupt nicht, doch hier: Der pure Wahnsinn. Selbst meine Freundin, die Horrorfilme eher nüchtern betrachtet und sich dementsprechend schockresistent gibt, ist mir beinahe auf den Schoß gesprungen. Der letzte Teil war dann immer noch sehr spannend und effektiv inszeniert, doch leider auch nicht mehr so anders und gelungen, wie die ersten zwei Drittel des Films. Besonders die Charakterzeichnung leidet enorm. Schade, aber immer noch zwei Stufen besser, als in den meisten anderen Horrorfilm der letzten Jahre.

Zum Ende: Hat mir deutlich besser gefallen als bei der letzten Sichtung. Da ich den Verlauf schon kannte, habe ich über den gesamten Film viele kleine Hinweise zu Sarahs Geisteszustand ausmachen können. Will man ganz frei in der Interpretation sein, so könnte man die Angriffe in der Höhle durchaus als ein Produkt von Sarahs Fantasie sehen und die Höhle selbst als ihr inneres Gefängnis. Doch dazu fand ich die Geschichte viel zu straight forward erzählt. Für mich beginnt die Traumsequenz – betrachtet man auch ihre Kleidung und Ausrüstung – nach Sarahs zweiten Sturz, kurz nachdem sie Juno sich selbst überlassen hat. Eigentlich ganz simpel.

„The Descent“ konnte mich immer noch voll und ganz überzeugen und wären die Rahmenbedingungen besser gewesen, hätte der Film noch mehr gerockt. Klare 9/10 Punkte. Ob ich mir doch einmal Marshalls „Dog Soldiers“ zulegen sollte?