Headhunters – OT: Hodejegerne (2011)

Nachdem ich sowohl in diversen Kritiken, als auch meinem Freundeskreis viel Gutes über den Film gehört hatte, wollte ich mir selbst ein Bild von der Jo Nesbø-Verfilmung „Headhunters“ machen. Hinzu kamen Vergleiche zur berühmten Millennium-Trilogie, die mir sowohl in Roman- als auch Filmform ziemlich gut gefallen hatte. Folglich war ich gespannt, was der erneute Ausflug in die düsteren Gefilde Skandinaviens denn so zu bieten hat…

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Zunächst einmal fällt auf, dass sich Jo Nesbø bzw. Regisseur Morten Tyldum viel Zeit für die Einführung der Figuren und die Darlegung der Prämisse nimmt. In der ersten halben Stunde ist vom groß angekündigten Thrill somit noch nicht viel zu spüren, was ich aber durchaus positiv bewerte. Das Voice-over der Hauptperson rückt die Romanherkunft der Geschichte zudem in den Vordergrund und man wird recht schnell in die Handlung hineingezogen. Von Anfang an hat mich jedoch gestört, dass die Figuren oft – ohne jegliche Erklärung – ziemlich dämlich handeln und es für ihre fragwürdigen Aktionen keinerlei Motivation zu geben scheint.

Nach ca. 30 Minuten zieht das Tempo ziemlich an und es beginnt eine halsbrecherische Flucht, die jedoch weder so drastisch noch innovativ inszeniert ist, wie ich das andernorts oft gelesen hatte. Ziemlich unterhaltsam und mit netten Wendungen, doch fehlten mir besonders an dieser Stelle Erklärungen für die Beweggründe der Figuren. Es mag sein, dass dies in der Vorlage absolut stimmig ist, doch in dieser Adaption bekommt man letztendlich nur einen netten Krimi/Thriller mit teils hanebüchenen Plot Points zu sehen.

Wenn es einem gelingt den Kopf abzuschalten, dann kann man viel Spaß mit „Headhunters“ haben. Die Charaktere sind nett geschrieben und gut gespielt (u.a. von Nikolaj Coster-Waldau, der Jaime Lannister in „Game of Thrones“ verkörpert) und die Inszenierung packend. Letztendlich hatte ich mir nach den starken Kritiken aber deutlich mehr erwartet. Dem dem Vergleich mit der Millennium-Trilogie hält die Geschichte zudem weder in ihrer Tragweite noch aufgrund ihrer Figuren stand. Freunde von skandinavischen Thrillern dürfen dennoch gerne einmal reinschauen: 6/10 Punkte.

Schöne Bescherung – OT: Christmas Vacation (1989) (WS3)

Ich sehe „Schöne Bescherung“ jedes Jahr und bespreche den Film danach auf meinem Blog. Du möchtest die komplette Dosis Griswolds? Du findest alle Besprechungen hier!

Nachdem ich vergangenes Jahr nicht dazu gekommen bin, „Schöne Bescherung“ zu sehen, war es in diesem Jahr – immerhin ist in drei Tagen schon Weihnachten – höchste Zeit sich wieder mit den Griswolds auf die Feiertage einzustimmen. Somit katapultiert sich der Film auch unangefochten auf den ersten Platz, der in diesem Blog am häufigsten besprochenen Filme. Und auch diese Sichtung war bestimmt nicht die letzte…

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Nachdem ich „Christmas Vacation“ das letzte Mal in der, was der größeren Runde an Zuschauern geschuldet war, synchronisierten Fassung gesehen habe, stand in diesem Jahr natürlich wieder die Originalfassung auf dem Programm. Wie bei jeder Sichtung hatte ich im Vorfeld wieder ein wenig Sorge, dass mich die nur allzu bekannte Geschichte ein wenig langweilen könnte, doch weit gefehlt: Der dritte Film der Griswold-Saga hat mich erneut wunderbar unterhalten. Nahezu jede seiner beinahe schon episodisch angelegten Szenen ist beste Comedy. Ob nun Slapstick oder Wortwitz, der Film treibt den vorweihnachtlichen Wahnsinn stets gekonnt auf die Spitze.

Neben seinen komischen Qualitäten, war ich auch wieder beeindruckt, wie gut es „Schöne Bescherung“ gelingt bei mir Weihnachtsgefühle aufkommen zu lassen. Dies ist bestimmt größtenteils meiner persönlichen Vergangenheit mit dem Film – immerhin begleitet er seit inzwischen schon 20 Jahren – geschuldet, doch eben auch der Tatsache, dass Clark Griswold einmal wieder nur das Beste für seine Familie will. In diesem Fall steht das perfekte Weihnachtsfest auf dem Programm.

Ich muss gar nicht mehr schreiben, da der Film seine Fans ja ohnehin schon längst gefunden hat. Wer dagegen bisher nichts mit ihm anfangen konnte, wird sich sowieso lieber an anderen Weihnachtsklassikern erfreuen. Für mich gehört „Christmas Vacation“ jedoch zur Vorweihnachtszeit, wie kein zweiter Film: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Küss den Frosch – OT: The Princess and the Frog (2009)

Meine letzte Filmsichtung liegt inzwischen schon wieder drei Wochen zurück und somit habe ich beschlossen heute auf jeden Fall einen Film zu sehen. Komme was wolle. Es kaum auch, was wollte – und somit war die Sichtung von Disneys „Küss den Frosch“ alles andere als entspannt. Vermutlich ist es aber auch prinzipiell keine gute Idee nach einem viel zu langen Tag die Schnullerentwöhnung einzuleiten und dann noch zu denken man könne in Ruhe einen Film schauen…

Trotz mehrerer Unterbrechungen und Ablenkungen habe ich den Film sehr genossen. Disneys Rückkehr zur klassischen Animation ist wahrlich schön anzuschauen und klingt – Randy Newman sei Dank – einfach nur großartig! Zwar hatte ich vor einiger Zeit den Trailer gesehen, doch überraschte mich die Handlung von „The Princess and the Frog“ in großen Teilen doch ziemlich. Erwartet hatte ich die klassische Abhandlung des Märchens, nur eben mit Südstaaten-Setting. Den Twist in der Geschichte fand ich somit äußerst unterhaltsam und – auch wenn die weitere Handlung natürlich recht vorhersehbar ist – erstaunlich eigenständig erzählt.

Die Animation ist natürlich über jeden Zweifel erhaben. Zwar werden durchaus etliche CGIs eingesetzt und auch Licht sowie VFX wirken sehr modern, doch die Charaktere selbst lassen den Charme älterer Disney-Klassiker aufleben. Psychedelische Voodoo-Tänze und beschwingte Jazz-Nummern wechseln sich ab und bieten somit beste Unterhaltung für nahezu jede Zielgruppe. Bezaubernd für große und kleine Zeichentrickfreunde, wenngleich der Film für die jüngsten Zuschauer recht düster und teils sogar traurig geraten ist. Verehrte FSK, really?

Auch wenn der Film nicht an die ganz großen Klassiker heranreicht, so hatte ich doch enorm viel Spaß mit ihm. Für die nächste Sichtung erhoffe ich mir bessere äußere Umstände (d.h. weniger Müdigkeit und schreiende Kinder), doch selbst unter erschwerten Bedingungen kann ich „Küss den Frosch“ nur jedem Animationsfreund ans Herz legen: 8/10 Punkte.

Drive (2011)

Damit habe ich ihn nun auch endlich gesehen: den Filmhype des letzten Jahres. Erwartungen wurden geschürt, Versprechungen gemacht und Ängste heraufbeschworen. Ist Nicolas Winding Refns „Drive“ für den wahren Cineasten also tatsächlich das bedeutendste Werk des laufenden – bzw. des vergangenen – Filmjahres? Seid gespannt und lest mit Bedacht, denn Spoiler sind zu erwarten.

Zunächst einmal muss ich Folgendes festhalten: Ich wünschte im Vorfeld weniger über den Film gelesen zu haben. So wusste ich bereits von der bedächtigen Inszenierung, den 80er Jahre-Anklängen und den eruptiven Gewaltszenen. Darauf basierend hat sich bei mir nicht nur eine entsprechende Erwartungshaltung geformt, mir wurden auch einige Überraschungen genommen. Es kann somit durchaus sein, dass man als völlig uninformierter Zuschauer mehr aus dem Film mitnimmt – doch einmal ehrlich: Welcher Filmfreund kann sich in unserer heutigen Zeit noch völlig unbeeinflusst einen Film ansehen?

Trotz dieses Vorwissens hat mich die erste Stunde des Films vollständig begeistert. Kamera, Licht, Soundtrack und Schauspiel bildeten eine formale Symbiose, wie ich sie in den letzten Jahren selten erlebt habe. Artifiziell ohne zu künstlich zu wirken, langsam ohne langweilig zu sein. Kaum Dialoge, kaum Action und dennoch erstaunlich viel Charakter. Trotz Arthouse-Anleihen wirkte der Film zu keiner Sekunde zu gekünstelt. In diesen ruhigen und von unbeholfenen Begegnungen geprägten Szenen, hat mich die Atmosphäre von „Drive“ teils an Wong Kar-Wais („Chungking Express“) frühe Filme erinnert, die ebenso wie Refns Werk neonbunte Bilder und nächtliche Begegnungen gestrandeter Existenzen zeigen.

Interessant fand ich übrigens, dass Refn häufig zuerst die Reaktion seiner Figuren auf ein Ereignis zeigt und erst danach das Ereignis selbst. Dies verstärkt die emotionale Distanz, die man zu den Charakteren hat, da man ihre Emotionen nicht unmittelbar teilen kann und sich somit zunächst in der Rolle des Beobachters wiederfindet. Ein Kniff, den ich noch in keinem anderen Film so bewusst wahrgenommen habe.

Nach der wirklich fantastischen ersten Stunde, beginnt der Film seinen Schwerpunkt auf das Vorantreiben der Handlung zu verlagern. Die Dialogdichte nimmt zu, Zusammenhänge werden erklärt und die Gewalt eskaliert. In diesem Teil des Films merkt man leider, dass die formalen Aspekte – und das meine ich nicht einmal negativ – den inhaltlichen meilenweit voraus sind. Die Dialoge wirken abgegriffen, die Geschichte wurde bereits tausend Mal erzählt und die Gewaltspitzen wirken größtenteils einfach nur aufgesetzt. Das letzte Drittel des Films ist nicht schlecht, doch im Vergleich zum vorher Gesehenen leider recht konventionell und durchschaubar.

Was also bleibt vom Hype um „Drive“ letztendlich übrig? Man sollte den Film auf jeden Fall gesehen haben. Wie versprochen ist er tatsächlich hypnotisch und gewiss einer der formal beeindruckendsten Filme der letzten Jahre. Im letzten Drittel hat er für mich allerdings einiges verspielt, was im Hinblick auf seine zuvor präsentierten Stärken wirklich schade ist. Auch wenn ich nun härter mit dem Film ins Gericht gegangen bin, als die meisten Filmfreunde, so soll dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich ihn wirklich sehr, sehr gut fand – nur eben nicht perfekt: 8/10 Punkte.

The Lost Boys (1987) (WS1)

Heute ist es mir einmal wieder sehr schwer gefallen die richtige Wahl zu treffen. Nach einem Tag voller Spiel, Spaß und Sonnenschein konnte jeder Film im Vergleich auch nur verlieren. Also bin ich auf Nummer sicher gegangen und habe zum ersten Mal seit sechs Jahren „The Lost Boys“ aus dem Regal genommen. Erstmals durfte ich Joel Schumacher Mix aus Horrorkomödie und Jugendabenteuer auf Blu-ray bewundern, was das Vergnügen noch einmal steigerte und dem Filmerlebnis zugute kam.

The Lost Boys (1987) | © Warner Bros (Plaion Pictures)

The Lost Boys (1987) | © Warner Bros (Plaion Pictures)

„The Lost Boys“ ist wohl einer dieser Filme, die man – sollte man nicht mit ihnen aufgewachsen sein – nur schwer ertragen kann. Die 80er Jahre durchdringen Schumachers Werk, wie kaum einen zweiten Film: Frisuren, Kleidung, Musik, Kameraeinstellungen und Montage. Man fühlt sich nicht nur einmal in ein 80er Jahre Synth-Pop-Musikvideo versetzt. Schumacher zieht seinen Stil jedoch so konsequent durch, dass der Film absolut homogen und in sich geschlossen wirkt. Auch in der Handlung spiegelt sich das Jahrzehnt wider und klassische Teenage Angst- und Coming of Age-Elemente bilden das Grundgerüst dieses Vampirfilms – und das 10 Jahre vor der ersten Staffel von „Buffy: The Vampire Slayer“.

Neben den teils sehr artifiziell wirkenden Bildern und der im Grunde düsteren Geschichte, gibt es viel Humor und abgedrehte Charaktere zu sehen. Die Frog Brothers dürften schon längst in die Popkultur eingegangen sein und das Auftreten von Schauspielern, wie Kiefer Sutherland, hat bestimmt dazu beigetragen den Kultstatus des Films zu untermauern. Wirklich schade, dass die Karriere der zwei Coreys so typisch für Kinderstars in Hollywood verlaufen ist.

Fazit

Wer den Film noch nie gesehen hat, der sollte ihn wohl auch wirklich sehen wollen, um heute noch viel Freude mit „The Lost Boys“ zu haben. Wir anderen haben ihn ja sowieso schon längst ins Herz geschlossen und somit hatte ich auch heute wieder enorm viel Spaß mit dieser seltsam düsterbunten Vampirjagd. Einer meiner großen Jugendfilmklassiker, die ich mir immer wieder anschauen kann: 9/10 Punkte.

Ein (un)möglicher Härtefall – OT: Intolerable Cruelty

Nach einem durchaus fordernden und arbeitsreichen Samstag, war ich am Abend nur für leichte Unterhaltung zu haben. Die Wahl fiel letztendlich auf ein „Ein (un)möglicher Härtefall“ der Coen-Brüder, den ich damals sogar im Kino gesehen habe. Nach knapp 10 Jahren konnte ich mich kaum noch an die Handlung erinnern, doch immerhin wusste ich noch genau, dass mich der Film weit besser unterhalten hatte, als sein Ruf vermuten ließ…

Ich weiß noch genau welch ein Raunen durch die Reihen der Kritiker ging, als damals der neue Coen-Film anlief. Als lahme 08/15-RomCom verschrien, ließ kaum jemand ein gutes Haar an dem Werk des Regie-Duos. Somit war ich umso überraschter eine äußerst unterhaltsame Satire auf das Beziehungsleben der selbsternannten High Society zu sehen. Zwar konnte sich der Film nicht mit den großen Coen-Filmen, wie „The Big Lebowski“ oder „Fargo“ messen, doch hatte er mich einfach nur gut unterhalten und war zumindest wesentlich besser als 99% aller tatsächlichen 08/15-RomComs, die Hollywood sonst so hervorbringt.

Auch bei der heutigen Sichtung hat mich das gut gelaunte Spiel von George Clooney und Catherine Zeta-Jones erfreut. Ziemlich überdreht, doch für diese Art von Film absolut passend. Überhaupt wirkt jeder einzelne Charakter wie eine lebendig gewordene Karikatur, was zudem dadurch verstärkt wird, dass nahezu jeder Name eine Alliteration bildet: Miles Massey, Rex Rexroth, Donovan Donely, Sarah Sorkin usw. Mit Figuren, wie Heinz, the Baron Krauss von Espy, gibt es natürlich auch Ausnahmen von der Regel. Durch die völlige Überzeichnung der Charaktere droht der Film zwar manchmal zu kippen, doch schafft er es den Zuschauer durch seine wendungsreiche, doch leider etwas vorhersehbare Geschichte, stets am Ball zu halten.

„Intolerable Cruelty“ ist weit davon entfernt der beste Film der Coen-Brüder zu sein, doch handelt es sich deswegen um einen schlechten Film? Auf keinen Fall! Wenn man in der Stimmung für eine seichte Komödie ist, dann sollte man sich den Film trotz Vorbehalte ruhig einmal anschauen – und ich bin mir sicher, dass er zumindest für knapp 100 Minuten für einfach nur gute Unterhaltung sorgen wird. Zu unrecht unterbewertet: 7/10 Punkte.

Buried: Lebend begraben – OT: Buried (2010)

Wieder einmal habe ich einen Film gesehen, der mich alleine aufgrund seiner Prämisse reizte. Rodrigo Cortés‘ „Buried“ versprach einen unkonventionellen Ansatz, wenngleich die Idee dahinter auch nicht so originell ist, wie man vielleicht vermuten würde. Die Kombination aus lebendig begraben sein und Thriller wurde bereits in diversen TV-Serien (u.a. von Quentin Tarantino für „CSI: Las Vegas“) umgesetzt. So konsequent wie Cortés ist zuvor jedoch noch niemand an die Thematik herangegangen… Spoiler sind zu erwarten.

Zunächst einmal muss ich dem Team rund um „Buried“ meinen Respekt zollen, dass man die Grundidee konsequent bis zum Ende durchgezogen hat. Sicher hätte es ein paar Kameraspielereien nicht gebraucht, um die Situation noch realer und beängstigender erscheinen zu lassen, doch auch mit diesen wird die klaustrophobische Enge deutlich spürbar. Ziemlich beeindruckend fand ich Lichtgestaltung, die ihre Wirkung aus den im Film vorkommenden natürlichen Lichtquellen zieht. Wirklich sehr gelungen. Auch Ryan Reynolds‘ Leistung als Schauspieler ist durchaus herausragend und kann insbesondere als One-Man-Show voll und ganz überzeugen.

Die Handlung an sich ist dagegen weit weniger verzwickt, als man dies anfangs noch vermuten würde. Erzählt wird ein ziemlich geradliniger Thriller, der sich letztendlich einzig und allein um die Rettung Paul Conroys (Ryan Reynolds) dreht. Wird sie gelingen oder nicht? Alles dazwischen lebt einzig und allein vom Spiel mit der Urangst lebendig begraben zu sein – und dies macht der Film auch ziemlich gut. Wenn er 20 Minuten kürzer gewesen wäre und man sich z.B. die Schlangen-Episode gespart hätte, wäre der Film in seiner Wirkung meiner Meinung nach jedoch noch deutlich intensiver gewesen.

Nicht gelungen fand ich dagegen den Twist am Ende. Dieser wirkte weder sonderlich originell noch wäre er nötig gewesen. Auch wenn ein Happy End für mich als Zuschauer befriedigender gewesen wäre, so hadere ich nicht einmal so sehr mit dem Ausgang, sondern eher der plumpen Umsetzung. Die vorherigen 90 Minuten verpuffen völlig und gerade die unnötig erzählten Sequenzen fallen rückblickend betrachtet umso stärker ins Gewicht. Auch wenn Cortés versucht sich – wie man schon alleine an den sich an Saul Bass orientierenden Opening Titles sieht – an Alfred Hitchcock anzunähern, so bleibt es in meinen Augen jedoch bei diesem Versuch.

Mich hat „Buried“ durchaus beeindruckt und ich werde die Sichtung bestimmt in Erinnerung behalten. Letztendlich verspielt der Film etliche Möglichkeiten jedoch aufgrund seiner zu sehr auf Effekt setzender Inszenierung und der zu aufgeblasenen Handlung. Auch mit dem Ende kann ich mich nicht anfreunden, was potentiell interessierte Leser jedoch nicht davon abschrecken sollte, dem Film eine Chance zu geben. Interessant und sehenswert, wenn auch nicht frei von Fehlern: 7/10 Punkte.

Die Monster AG – OT: Monsters, Inc. (2001)

Gestern Abend stand ich einmal wieder vor dem DVD-Regal und konnte mich partout nicht für einen Film entscheiden. Er sollte aufgrund der vorhergehenden recht kurzen Nacht nicht zu lang sein und zudem den Zuspruch von Frau bullion finden. Da sprang mir die Blu-ray von „Die Monster AG“ ins Auge und in diesem Moment war die Entscheidung schon gefallen. Obwohl ich den Film liebe liegt die letzte Sichtung inzwischen schon mindestens 6 Jahre zurück. Somit war es höchste Zeit für eine Auffrischung…

Bereits bei der Kinosichtung, die inzwischen bereits unglaubliche 11 Jahre zurückliegt, war ich hin und weg. Es folgten Sichtungen auf VHS, DVD und sogar eine Analyse des Films während des Studiums. Langweilig wurde er nie. Mit „Monsters, Inc.“ hat Pixar seinen bis heute kreativsten Film abgeliefert: Während die Geschichten aller anderen Filme irgendwie in unserer Welt – sei es aus der Perspektive von Spielzeugen, Nagetieren oder Robotern der Zukunft – spielen, so wurde hier eine komplette neue Welt geschaffen. Eine Welt mit eigenen Bewohnern, eigenen Regeln und einem komplett neuen Industriezweig: der Schrei-Energie-Gewinnung. Wenn man sich den Film ansieht, wirken all diese Elemente, als würden sie wie selbstverständlich zusammenpassen. Als gäbe es gar keine Alternative – und genau hier liegt die Kunstfertigkeit Pixars: im Welten bauen und Geschichten erzählen.

Natürlich sind auch die grafische Gestaltung und die Animation der Charaktere wieder über jeden Zweifel erhaben. Besonders auf Blu-ray ist es eine Freude die detailreichen Sets und Figuren zu bewundern. Jedes einzelne Element passt perfekt in diese Welt und auch wenn die Technik in den letzten 10 Jahren große Sprünge gemacht hat, was die Darstellungsqualität von Texturen, Haaren usw. angeht, wirkt „Die Monster AG“ zu keinem Zeitpunkt altmodisch oder angestaubt. Ruhige Szenen voller Charaktertiefe wechseln sich dabei mit äußerst rasanten Actionszenen ab. Besonders das Finale im Türenlager ist mit seinen im Sekundentakt wechselnden Locations eine wahre Freude!

Als Vater eines Mädchens, das sich im ungefähr gleichen Alter wie Boo befindet, war ich mehr als überrascht, wie exakt es dem Animationsteam von Pixar gelungen ist die Eigenheiten in den Bewegungsabläufen und dem Verhalten eines Kindes abzubilden. Einfach nur großartig! Auch Sully (John Goodman) und Mike (Billy Chrystal) sind fantastische Charaktere, die mehr Leben besitzen als so manche reale Filmfigur. Die unzähligen Nebencharaktere, die Monstropolis bevölkern, sind zudem bis ins letzte Detail liebevoll gestaltet und man kann in wahrlich jeder einzelnen Szene unzählige kleine Gags und Anspielungen entdecken.

Wie man bis hier wahrscheinlich herauslesen konnte, bin ich von „Monsters, Inc.“ immer noch absolut begeistert. Für mich ist es sogar der bis dato gelungenste Pixar-Film – und das mag bei der beständig hohen Qualität etwas heißen! 2013 soll es eine Fortsetzung bzw. ein Prequel geben und wenn diese nur annähernd so hochwertig werden sollte, wie der 2010 erschienene „Toy Story 3“, dann sollte sich jeder Animationsfreund den Kinostart ganz dick im Kalender markieren. Ich für meinen Teil freue mich so oder so auf ein Wiedersehen mit Mike, Sully und Co. Die perfekte Kinounterhaltung: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Slither (2006) (WS1)

Heute Abend stand ich einmal wieder vor dem DVD-Regal und konnte mich nicht wirklich für einen Film entscheiden. Eigentlich absurd, da unzählige unsehene und interessante Filme nur auf ihre Sichtung warten. Dennoch ist die Wahl auf James Gunns „Slither“ gefallen, der mich bereits bei der Erstsichtung gut zu unterhalten wusste. Irgendjemand muss dem in der Blogosphäre um sich greifenden Oscar-Wahn ja Paroli bieten…

Stärker als noch bei der letzten Sichtung sind mir die verschiedenen Subgenres aufgefallen, die James Gunn mit seiner Horrorkomödie abarbeitet. So gibt es Cronenberg’schen Körperhorror à la „Die Fliege“ zu sehen, Tierhorror mit Wuselfaktor, Sci-Fi-Horror und letztendlich hat auch noch der gute alte Zombie seinen Auftritt. Erstaunlicherweise fügt sich all das zu einer recht plausiblen Geschichte zusammen, die oft verstörender ist, als man das von der Prämisse erwartet hätte. Dies betrifft besonders die erste und die letzte Viertelstunde, die sich auf die Beziehung zwischen Starla und Grant konzentriert – und das nicht nur aufgrund der Ekeleffekte.

Natürlich kommt auch der Humor nicht zu kurz, doch besitzt dieser nicht den Stellenwert, wie in anderen Genreparodien – falls man „Slither“ überhaupt als eine solche bezeichnen sollte. Letztendlich lebt der Film von seinen relativ gut ausgearbeiteten Charakteren, der schön eingefangenen Kleinstadtatmosphäre und den gut geschriebenen Dialogen. Die Schauspieler – allen voran Nathan Fillion (Captain Malcolm Reynolds, „Firefly“ und Richard Castle, „Castle“) – sind perfekt besetzt und es ist eine Freude ihnen bei ihrem abstrusen Abenteuer zuzusehen.

Horrorfreunde, die übertriebenem Körperhorror mit deftigen Splattereinlagen etwas abgewinnen können, sind bei dem Film an der richtigen Adresse. Ich für meinen Teil hätte durchaus auf so manche Effektorgie (besonders im Finale) verzichten können, doch hat das dem Spaß keinen Abbruch getan. Auf jeden Fall ist „Slither“ eines der interessanteren Werke im Genre-Einheitsbrei und sollte dem geneigten Horror-Fan zumindest einen Blick wert sein: 7/10 Punkte.

Midnight in Paris (2011)

Woody Allen hatte ich nie bewusst auf meinem filmischen Radar. Die meisten seiner Klassiker kenne ich noch von diversen TV-Ausstrahlungen, doch aktiv beschäftigt habe ich mich nie mit dem misanthropischen Stadtneurotiker. Durch seinen jüngsten Film „Midnight in Paris“ ist er jedoch wieder in mein persönliches Rampenlicht gerückt. Es mag an Paris liegen, der phantastisch angehauchten Prämisse oder auch Owen Wilson, den ich für ziemlich unterschätzt halte. Es sollte eine magische Reise werden…

Ich war 17 als ich mit Freunden zum ersten Mal alleine und unbeaufsichtigt in einer großen Stadt Urlaub machte. Eine abgehalftere Jugendherberge in Paris, rudimentärste Sprachkenntnisse und ein Gefühl von Abenteuer. Die Erinnerung daran kommt mir vor wie aus einem anderen Leben. Dennoch habe ich dieses magische Gefühl, das Paris bei diesem kurzen Trip vor gut 14 Jahren bei ausgelöst hat, nicht vergessen. Und genau solch ein magisches Gefühl gelingt es Woody Allen in „Midnight in Paris“ heraufzubeschwören. Es ist weniger die Handlung des Films, die über weite Strecken vorhersehbar bleibt, oder die oft nur angerissenen Charaktere – nein, es ist die beinahe schon magische Atmosphäre, die den Film so sehenswert macht.

Gil Penders nächtliche Streifzüge, die letztendlich – wie sollte es auch anders sein – in einer für den Zuschauer nur konsequenten Selbsterkenntis gipfeln, hat Allen so herrlich unspektakulär in die Handlung eingewoben, dass es eine wahre Freude ist. Es gibt keine forcierten Erklärungsversuche und kein aufgesetztes Hinterfragen. Unser verhinderter Autor nimmt die Situation wie sie ist und stürzt sich kopfüber in die Roaring Twenties. Die dort stattfindenden Begegnungen mit nahezu jeder Künstlergröße dieser Epoche sind wunderbar unterhaltsam inszeniert und mit pointierten Dialogen durchsetzt. Ich muss jedoch zugeben, dass wohl nur jede dritte Anspielung zu mir durchgedrungen ist. Zwar konnte ich nahezu jeden Namen einordnen, habe gewisse Werke gelesen oder gesehen, doch um wirklich alles verstehen zu können, müsste man sich wohl ausführlicher mit Literatur und bildender Kunst der damaligen Zeit auseinandersetzen.

Große Kritikpunkte kann ich an „Midnight in Paris“ nicht finden. Von mir aus hätte der Film ruhig noch etwas länger laufen können, doch dies ist eigentlich nur ein weiteres Kompliment. Man verabschiedet sich – wie im atmosphärisch ähnlich gelagerten „Before Sunrise“ – eben nur sehr ungern vom nächtlichen Paris, den inspirierenden Begegnungen und auch der Hauptfigur. Das Ende hat mir zwar gut gefallen, doch war es viel zu vorhersehbar, wie leider große Teile der Handlung des Films. Formal hätte ich auf den exzessiv eingesetzten Gelbstich der Farbkorrektur verzichten können. Natürlich wollte Allen eine Postkartenidylle schaffen. Ein verklärtes Parisbild nicht ohne Ironie. Einen Künstlertraum. Doch weniger wäre hier in meinen Augen mehr gewesen.

Insgesamt ist Woody Allens jüngster Film unglaublich entspannte Unterhaltung. Ein Wohlfühlfilm, wie er im Buche steht. Owen Wilsons Gil Pender ist dabei kein schlecht gelaunter Misanthrop, sondern ein nostalgischer Träumer – und gerade dies macht den Film in meinen Augen so sympathisch. Ich bin mir fast sicher, dass ich bei einer garantiert folgenden nächsten Sichtung des Films besser über seine Schwächen hinwegsehen kann. Es ist noch Potential vorhanden. Dennoch möchte ich schon jetzt eine dringende Empfehlung aussprechen. Nicht nur für alle Träumer da draußen. Starke 8/10 Punkte.