Die Braut des Prinzen – OT: The Princess Bride (1987)

Meine heutige Besprechung von Rob Reiners Fantasy-Klassiker „Die Braut des Prinzen“ soll zeigen, wie wichtig die Erwartungshaltung bei einer Filmsichtung ist – speziell wenn es sich um einen älteren Film handelt, der einem nicht schon seit Kindheitstagen begleitet. Wie ich auf „The Princess Bride“ gestoßen bin und was sich seit meiner Erstsichtung vor knapp 12 Jahren geändert hat, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Im Jahr 2003 war ich komplett im Fantasy-Fieber: „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ hatte das Kino für mich verändert und ich war auf der Suche nach vergleichbaren Erfahrungen. Ob nun Ralph Bakshis Zeichentrick-Version des gleichen Stoffes, George Lucas‘ „Willow“ oder Ridley Scotts „Legende“ – es wurde jeder Film geschaut, der auch nur annähernd dem Fantasy-Genre zugeordnet werden konnte. Somit war es nur eine Frage der Zeit, bis ich über „Die Braut des Prinzen“ stolpern sollte. Um es kurz zu machen: Die damalige Sichtung war eine einzige Enttäuschung.

Ich hatte einen ernsthaften Fantasy-Film erwartet und kam mit dem humorvollen Märchencharakter, der die Geschichte natürlich ausmacht, so überhaupt nicht klar. Die DVD wurde an eine Kommilitonin verkauft, die meine Argumente gegen den Film überhaupt nicht nachvollziehen konnte (aus heutiger Sicht verständlich), und ich hätte schwören können, dass ich nie wieder einen Gedanken an „The Princess Bride“ verschwenden würde. Es kam jedoch anders, aus filmhistorischer Sicht wurde mein Interesse wieder geweckt und somit wanderte vor Kurzem die Blu-ray ins heimische Filmregal – und was soll ich sagen? Mit der richtigen Erwartungshaltung ist der Film tatsächlich ein ziemlicher Volltreffer.

Wenn ich 2003 schon gewusst hätte, dass „Die Braut des Prinzen“ eher an „Shrek“ oder „Der Sternwanderer“ (den es damals natürlich noch nicht gab) erinnert, als an große Fantasy-Epen, dann wäre mir die Enttäuschung wohl erspart geblieben. Heute wusste ich die liebevolle Rahmenhandlung (ein Großvater, gespielt von Peter Falk, liest seinem Enkel, gespielt von Fred Savage, eine Geschichte vor) genauso zu schätzen, wie die wunderbar komische Erzählung rund um Buttercup, Westley, Inigo Montoya und wie sie alle heißen. Ein wunderbares Märchen, das selbst nach all den Jahren noch verzaubern kann – auch wenn mich wohl nie die Magie erreicht, die Zuschauern zuteil wird, die den Film noch aus der eigenen Kindheit kennen.

Rob Reiners Regie ist angenehm klassisch und die Darsteller passen perfekt in ihre Rollen. Den größten Aha-Effekt erlebte ich wohl, als ich Mandy Patinkin (ganz genau: Saul Berensen aus „Homeland“) als Indigo Montoya wiedererkannte. Es sind eben doch schon über 25 Jahre ins Land gezogen, was man auch an den charmant wirkenden, gezeichneten Matte-Paintings und dem 80er Jahre Score merkt. Wer weiß, vielleicht schafft es „Die Braut des Prinzen“ mich bei der nächsten Sichtung noch mehr für sich einzunehmen? Diese zweite Sichtung war auf jeden Fall schon ein Fezzik-Schritt in die richtige Richtung: 8/10 Punkte.

Predestination (2014)

Nach einer ereignisreichen Woche, die zudem noch mit finanziellen Unwägbarkeiten beim allseits beliebten Thema Hausbau endete, war ich reif für eine gepflegte Runde Eskapismus. Ein Film musste her, auch weil die Besucherzahlen meines Filmblogs (ist es überhaupt noch eines?) zurzeit ziemlich in den Keller rasseln. Die Wahl fiel auf einen der jüngsten Beiträge zu meinem Lieblingsgenre, den 2014er Zeitreisethriller „Predestination“ der Spierig-Brüder. Ob mich der Film kurzfristig auf andere Gedanken bringen konnte und auch sonst ein würdiger Genrebreitrag ist, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Die Spierig-Brüder sind mir bisher nur durch ihren sympathischen, wenn auch nicht perfekten Vampirfilm „Daybreakers“ bekannt. Ein ambitionierter Genrebeitrag, der bereits durch das Mitwirken von Ethan Hawke (u.a. „Boyhood“) punkten konnte. Die Genreschiene scheint den beiden australischen Brüdern zu liegen und somit ist die Verfilmung von Robert E. Heinleins Kurzgeschichte „All You Zombies“ auch als waschechter Genrefilm zu verstehen – jedoch nicht ohne mit den Erwartungen zu brechen. Das martialisch Anmutende Cover wird der Geschichte nicht gerecht, die sich über weite Strecken eher wie ein ruhiges und sehr persönliches Drama entwickelt. Überhaupt mochte ich, dass eine eher kleine Geschichte erzählt wird und nicht einmal wieder die gesamte Welt kurz vor ihrer Vernichtung steht.

Von der Atmosphäre her erinnert „Predestination“ am ehesten wohl an Genrekollege „Looper“, der nur zwei Jahre zuvor entstand. Auf inhaltlicher Ebene gibt es dagegen größere Unterschiede, wobei mir der Ansatz von „Predestination“ insgesamt wohl ein wenig besser gefallen hat. Umso verwunderlicher also, warum dem Film hierzulande eine Kinoauswertung verwehrt geblieben ist. Die Geschichte ist fordernd, ohne jedoch zu kompliziert zu sein. Genau die richtige Mischung aus Mystery und Unterhaltung. Wendungen hat der Film einige zu bieten, wenngleich sich diese für geübte Zuschauer auch schon recht früh offenbaren – speziell für den finalen Twist hätte ich keine große Montage mehr benötigt, wenngleich diese auch ihre emotionale Wirkung nicht verfehlt.

Mit Ethan Hawke und Sarah Snook bietet „Predestination“ zwei gut aufeinander abgestimmte Schauspieler, die sich aufgrund der ruhigen und bedachten Inszenierung der Spierig-Brüder voll und ganz entfalten können. Was die unvermeidbaren Zeitreiseparadoxen à la ‚Hilfe, ich bin mein eigener Großvater!‘ angeht, so werden diese völlig bewusst auf die Spitze getrieben und verlieren gerade dadurch an Bedeutung. Für Genreliebhaber kann ich nur meine unbedingte Empfehlung aussprechen – ein wahrlich zu unrecht untergegangener Film: 8/10 Punkte.

Odd Thomas (2013)

Ein harmonischer, aber auch anstrengender Ostersonntag liegt hinter uns. Morgen geht die Eiersuche weiter, doch bis dahin habe ich mir die Zeit mit „Odd Thomas“ vertrieben. Der fantastisch angehauchte Mystery-Streifen von Stephen Sommers (u.a. „Die Mumie“ und „Van Helsing“) schien mir genau die richtige Art Zerstreuung nach solch einem Tag zu bieten…

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Gelesen habe ich über „Odd Thomas“ schon öfter. Speziell die Rezension des Filmforum Bremen hat Lust auf den Film gemacht. Da die Blu-ray letztens für gerade einmal 4 Euro zu haben war, musste ich einfach zuschlagen – und was soll ich sagen? Der Film hat meine Erwartungen zu 100% erfüllt: Er bietet nette, teils selbstironisch erzählte Mystery-Kost in einem wunderbaren Kleinstadt-Setting. Neben sympathischen Hauptfiguren wartet der Film zudem mit einigen tollen Nebenrollen auf, die von u.a. Willem Dafoe oder Patton Oswalt auch perfekt verkörpert werden. Die Inszenierung ist verspielt und unterhaltsam, kann jedoch das vermutlich eher eingeschränkte Budget nicht verleugnen.

Die Handlung ist stets spannend und nett erzählt, geübte Zuschauer werden die diversen Twists jedoch bereits Meilen gegen den Wind riechen. Wen das nicht stört, der erlebt zusammen mit den Charakteren einen unterhaltsamen übernatürlichen Thriller, der auf einer unerwartet düsteren Note endet. Obwohl auch diese Wendung für mich nicht überraschend kam, hat sie mich doch mehr mitgenommen, als ich das von diesem Film erwartet hätte.

Die letzte Einstellung deutet eine mögliche Zukunft für „Odd Thomas“ an, was mich auch zu dem Punkt bringt, den ich in vielen Besprechungen gelesen hatte: Der Film wirkt oft wie ein aufwändig inszenierter Pilot einer TV-Serie, speziell was die Erzählweise und das Timing angeht. Als solche würde die Prämisse auch perfekt funktionieren – und ich würde sie mir ansehen. Da es sich jedoch um einen Film handelt, würde ich mich auch über ein Sequel freuen – Dean Koontz‘ Romanreihe scheint ja erfolgreich genug zu sein: 7/10 Punkte.

Stereo (2014)

Seit einer halben Ewigkeit habe ich einmal wieder einen deutschen Film gesehen. Eine komplett deutsche Produktion, d.h. nicht nur einen internationalen Film mit deutscher Beteiligung – und noch viel wichtiger: Es war ein Genrefilm! Deutsches Kino reizt mich immer speziell dann, wenn es sich abseits von Drama, Komödie oder Krimi bewegt. Maximilian Erlenweins „Stereo“ konnte somit schon einmal Punkte sammeln. Wie sich der Film sonst so schlägt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… Leichte Spoiler sind zu erwarten.

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Was zeichnet einen guten Schauspieler aus? Vermutlich wenn er in einer TV-Show à la „Schillerstraße“ Abend für Abend auf Hampelmann macht und in ernsten Rollen dennoch sofort eine Präsenz aufbaut, der man sich nur schwer entziehen kann. Jürgen Vogel ist solch ein Schauspieler – und er kann auch in „Stereo“ absolut überzeugen. An seiner Seite spielt Moritz Bleibtreu, der in letzter Zeit häufig in winzigen Nebenrollen in internationalen Produktionen (z.B. „World War Z“) verheizt wurde, und ergänzt Vogels Charakter perfekt. Ich möchte an dieser Stelle auch nicht mehr über die Beziehung der Figuren untereinander verraten, da jedes weitere Wort wohl das Vergnügen am Film schmälern würde.

Ich mochte den ruhigen Aufbau und die bedeutungsschwangere Atmosphäre. Wirklich sehr gelungen. Die Handlung des Films dagegen hätte von mir aus noch gerne ein paar mehr Kapriolen mehr drehen dürfen, denn gerade in den Gesprächen zwischen Erik (Jürgen Vogel) und Henry (Moritz Bleibtreu) bzw. dem Aufbrechen dieser Beziehung hätte es noch großes Potential gegeben. Letztendlich offenbart sich die eigentliche Geschichte viel zu schnell als deutsche Variante von „A History of Violence“. Durch die rasante Inszenierung und die launig gespielten Charaktere macht der Film aber bis zur letzten Minute enorm viel Spaß, zumal er auch mit einer für deutsche Filme ungewöhnlichen Härte voranprescht.

Nach Anno Sauls „Die Tür“ und Tim Fehlbaums „Hell“ hat Maximilian Erlenwein mit „Stereo“ einen weiteren deutschen Genrefilm geschaffen, der sich vor der internationalen Konkurrenz nicht verstecken braucht. Auch wenn ich die etwas zu geradlinige Handlung bemängle, so ist sie vielleicht auch die Stärke des Films – es muss ja schließlich nicht immer um die Rettung (oder Vernichtung) der Welt gehen. Ein fieser, kleiner Genrereißer, der sich hinter Cronenbergs Variante einer ähnlichen Geschichte, wenn man diesen Vergleich überhaupt ziehen will, nicht zu verstecken braucht: 7/10 Punkte.

Die Mächte des Wahnsinns – OT: In the Mouth of Madness (1994)

Nachdem wir heute viel zu spät auf die entspannende Couch gekommen sind, musste ich den Freitagsfilm nach seiner Laufzeit auswählen. Nach einer Woche mit maximal fünf Stunden Schlaf pro Nacht ist die Aufmerksamkeit eben ein wenig eingeschränkt. Somit fiel die Wahl auf John Carpenters „Die Mächte des Wahnsinns“, der mit 95 Minuten erfreulich knackig erzählt ist und aufgrund seiner Thematik zudem nicht zum vorzeitigen Einschlafen verleitet. Zumindest auf einen Teil der Zuschauer traf dies auch zu…

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Meine letzte Sichtung von „In the Mouth of Madness“ liegt bestimmt 10 Jahre zurück. Damals hatte ich ein paar TV-Ausstrahlungen mitgenommen und konnte mich somit noch recht gut an die surreale Atmosphäre erinnern. Da Carpenters Filme nicht alle wirklich gut gealtert sind, war ich gespannt welche Wirkung dieser kleine Horrorstreifen mit H. P. Lovecraft-Anleihen wohl heute auf mich haben würde. Auch wenn der Film deutlich angestaubter wirkt, als in meiner Erinnerung, so wird man doch recht schnell in die Geschichte hineingezogen. Man darf auch nicht vergessen, dass inzwischen bereits über 20 Jahre vergangen sind – und dafür schlägt sich das Werk aus Carpenters späterer Schaffensphase erstaunlich gut.

Der titelgebende Wahnsinn hält sanft Einzug in das Bewusstsein des von Sam Neill mitreißend gespielten John Trent. Die Reise nach Hobb’s End hat mich tatsächlich ein wenig an „Silent Hill“ erinnert, der bzw. dessen Videospielvorlage durchaus Anleihen an Carpenters Art der Inszenierung genommen haben könnte. Auch wenn viele Schockeffekte ein wenig plump daherkommen, so lebt „Die Mächte des Wahnsinns“ doch hauptsächlich von seiner traumhaften Atmosphäre, die mir teils wirklich einen Schauer über den Rücken laufen ließ.

Insgesamt lieferte John Carpenter mit „In the Mouth of Madness“ einen sehr atmosphärischen Horrorfilm ab, den man sich auch heute noch gut ansehen kann. Die Geschichte ist dann am besten, wenn man durch die Augen der Hauptfigur versucht sich in dieser unwirklichen Welt zurechtzufinden. Im letzten Drittel schwächelt der Film ein wenig, doch nimmt das nur wenig von seiner Sogwirkung. Wohl der letzte wirklich sehenswerte Film John Carpenters – sieht man einmal vom 1998er „Vampire“ ab, dem ich wohl als einziger etwas abgewinnen kann: 7/10 Punkte.

Fargo (1996)

Während alle Welt über den Golden Globe-Gewinner „Fargo“ berichtet, habe ich mir heute einmal wieder den zugrunde liegenden Film der Coen-Brüder angesehen. Ihr 1996er „Fargo“ begleitet mich schon seit etlichen Jahren – und auch diese inzwischen bestimmt schon dritte oder vierte Sichtung war ein großes Vergnügen…

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Manchmal ist es schon seltsam, wie die eigene Erinnerung in Bezug auf Filme funktioniert. Ich hätte schwören können, der Film beginnt mit Marge und Norm Gunderson im Bett, dann der Anruf und die Fahrt zum Tatort. Tatsächlich lernen wir Marge erst nach über einer halben Stunde kennen. Auch hatte ich keinen so geradlinigen Film in Erinnerung und hatte vermutet, dass alle vorherigen Geschehnisse erst während der Ermittlungen in Flashbacks aufgelöst werden. Wirklich seltsam. Trotz meiner verschobenen Wahrnehmung was die Chronologie angeht, waren mir die einzelnen Szenen jedoch noch bestens im Gedächtnis – und was für Szenen das sind!

„Fargo“ ist bestimmt einer der zugänglichsten Filme der Coen-Brüder. Man erlebt eine ziemlich geradlinige Kriminalgeschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht wirklich wunderbar geschrieben ist. Viele Coen-Welten wirken extrem artifiziell und satirisch. Auch in „Fargo“ sind die Charaktere überzeichnet und erinnern oft eher an Karikaturen, als an echte Personen, doch weit nicht so extrem wie, zum Beispiel, in „Barton Fink“ oder „Burn After Reading“. Speziell Marge Gunderson, gespielt von der großartigen Frances McDormand, bietet eine gewisse Erdung, die man als Besucher dieser seltsamen Zwischenwelt gerne annimmt.

Überhaupt diese Charaktere und ihre Schauspieler! William H. Macy endlich in einer Hauptrolle, die er gar wunderbar trägt. Die geheimen Stars des Films sind jedoch Steve Buscemi und Peter Stormare als ungleiches Gangsterduo, das sowohl für die lustigsten als auch schockierendsten Szenen des Films sorgt. Dieses Ungleichgewicht aus Humor und exzessiver Gewalt in der hypnotisch weißen Landschaft hat zudem ein eigenes Subgenre geprägt: Filme wie „Ein einfacher Plan“ oder „The Big White“ kombinieren ebenfalls schwarzhumorige Gangstergeschichten mit typischen Alltagsfiguren und übernehmen dabei das Setting im ewigen Schnee.

Obwohl mir die Geschichte, abseits ihrer genauen Reihenfolge, noch im Detail bekannt war, hat mich „Fargo“ abermals wahnsinnig gut unterhalten. Ich muss auch die neu abgetastete Blu-ray von MGM/20th Century Fox lobend erwähnen, die den Film aussehen lässt, als wäre er erst gestern gedreht worden – mit Filmkorn und allem. Großartig! Für mich ein Kleinod des Coen-Universums, das man sich tatsächlich immer wieder anschauen kann. Nun bin ich umso gespannter auf die zugehörige TV-Serie: 9/10 Punkte.

Invasion vom Mars – OT: Invaders from Mars (1986)

Eigentlich wäre heute „Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere“ auf dem Programm gestanden, doch dank Ausfall des Babysitters musste ein Alternativprogramm improvisiert werden. Als letzten Film des Jahres habe ich mich für eine Reise in die Vergangenheit entschieden, genauer gesagt für Tobe Hoopers „Invasion vom Mars“ aus dem Jahr 1986. Mit dem Film verbindet mich eine lange Geschichte, doch ob er auch heute noch überzeugen kann?

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Es gibt Filme, die haben einen starken Einfluss auf die persönliche Entwicklung als Rezipient. Auch wenn das 1986er Remake von „Invasion vom Mars“ nicht sonderlich bekannt ist, so muss ich es doch unzweifelhaft als wichtig für meine Entwicklung als Filmfreund einordnen. Ich kann mich gar nicht mehr an die genauen Umstände der diversen Sichtungen erinnern, doch muss ich den ungewöhnlichen Genremix in den späten 80ern bzw. frühen 90ern unzählige Male gesehen haben. Mit ihm habe ich unzählige filmische erste Male erlebt, die meine Genrevorlieben stark geprägt haben: der erste Sci-Fi-Horror, das erste Mal Splatter, die ersten Monster, die ersten Bodysnatcher, das erste Jugendabenteuer, usw.

Manche Bilder haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt (z.B. die Biologielehrerin, die einen Frosch verspeist, oder die Löcher in der Sandgrube), an andere Szenen konnte ich mich dagegen überhaupt nicht mehr erinnern (z.B. alles in der Militärbasis). Aus heutiger Sicht ist der Film wohl mehr als lächerlich, die Effekte schlecht und die Handlung weder angsteinflößend noch spannend. Vermutlich war der Film all dies auch 1986 nicht, doch erlebt man ihn durch die Augen eines Kindes, dann steckt er noch voller Spannung und Abenteuer. Selbst die heutige Sichtung konnte dieses Gefühl teils noch bei mir heraufbeschwören – und das erstmals gesehene US-Ende hätte mir als Kind wohl den Rest gegeben. Toll!

Nachdem ich jahrelang auf der Suche nach einer würdigen DVD-Veröffentlichung war, hat KOCH MEDIA nun sogar eine qualitativ gute Blu-ray auf den Markt gebracht. Diese kann ich nur empfehlen – das doppelt so teure Mediabook könnt ihr euch aufgrund der schlechten Verarbeitungsqualität aber sparen. Mit „Invasion vom Mars“ habe ich heute einen wichtigen Teil meiner Kindheit aufleben lassen. Zusammen mit „Howard: Ein tierischer Held“ aus dem gleichen Jahr dürfte dies ein tolles bzw. interessantes Double Feature geben. Aber sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt: 8/10 Punkte.

Schöne Bescherung – OT: Christmas Vacation (1989) (WS5)

Ich sehe „Schöne Bescherung“ jedes Jahr und bespreche den Film danach auf meinem Blog. Du möchtest die komplette Dosis Griswolds? Du findest alle Besprechungen hier!

Es war knapp dieses Jahr, doch können die Feierlichkeiten unmöglich beginnen, bevor nicht „Schöne Bescherung“ gesichtet wurde. Wie bereits im letzten Jahr habe ich erneut die englische Originalfassung der Blu-ray bevorzugt, was abermals ein großes Vergnügen war. Nachdem unser Baum inzwischen steht, macht sich somit auch langsam die nötige Weihnachtsstimmung breit…

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Wie jedes Jahr stellt sich mir nun die Frage, was ich noch über diesen Film sagen kann, das ich noch nicht in den letzten fünf Besprechungen untergebracht habe. Vielleicht einmal ganz analytisch meine Einschätzung, warum „Christmas Vacation“ so ausgezeichnet funktioniert: John Hughes‘ Drehbuch strotzt nur so vor ganz genauen Beobachtungen der Vorweihnachtszeit. Jeder kennt den dargestellten Konsumwahn, die Familienstreitigkeiten und berufliche Katastrophen. Es wäre leicht gewesen den Film in eine reine Satire abrutschen zu lassen, doch er besitzt erstaunlicherweise auch unglaublich viel Herz und transportiert echte Weihnachtsstimmung.

Man kommt einfach nicht umhin mit Clark Griswold mitzufühlen. Er will ein old-fashioned family Christmas, wie er es selbst aus Kindertagen kennt. Die Szene auf dem Dachboden spricht Bände – und solche Erinnerungen an scheinbar magische Weihnachtsfeste haben wir alle. Ganz am Ende offenbart sich im Gespräch mit seinem Vater, dass es auch damals schon so chaotisch und nervenzehrend war. Jedoch verdrängen wir diese Erinnerungen, den Konsumwahn und die nervige Verwandtschaft. Was bleibt, ist die Hoffnung auf ein magisches Weihnachtsfest – und spätestens wenn man selbst Kinder hat, möchte man diese Erinnerungen für sie aufleben lassen. Alle Jahre wieder.

Auch wenn unsere Feierlichkeiten nicht annähernd den Grad an Chaos erreichen werden, so gibt es doch immer wieder eben diese Momente, die einen kurzfristig die Sinnhaftigkeit des ganzen Weihnachtstrubels in Frage stellen lassen. Dann denkt man an die Griswolds und weiß: egal was kommt, es gibt immer ein Happy End. Und ja, ich freue mich jetzt schon wieder auf die Sichtung im kommenden Jahr: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Jahr 2022… die überleben wollen – OT: Soylent Green (1973)

Zurzeit wird die gesamte Familie von einer fiesen Erkältung gequält – allein unser Zappelinchen hält sich noch wacker. Dafür sind Mama und Papa zu fast nichts mehr zu gebrauchen, weshalb wir den heutigen Tag auch mit anspruchsloser Unterhaltung ausklingen lassen wollten. Trotz dieses Vorsatzes ist die Wahl auf „Jahr 2022… die überleben wollen“ gefallen, der besser unter seinem Originaltitel „Soylent Green“ bekannt ist. Also doch Anspruch mit einem der großen Sci-Fi-Klassiker der 70er Jahre. Puh, fast schon anstrengend…

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Mit „Soylent Green“ verbinde ich seelige Erinnerungen an durchwachte Fernsehnächte während meiner Zivildienstzeit. Zusammen mit „Logan’s Run“, „THX 1138“ und „Rollerball“ gehört er für mich zu den großen dystpopischen Sci-Fi-Klassikern dieser Zeit. Hinzu kommt die große popkulturelle Komponente des titelgebenden Nahrungsersatzmittels, welches in unzähligen TV-Serien (z.B. „Die Simpsons“ oder „Futurama“) oder aktuellen Kinofilmen (z.B. „Cloud Atlas“) referenziert wird. Damit spielt „Jahr 2022… die überleben wollen“ auch in einer Liga mit einem anderen großen Charlton-Heston-Klassiker, nämlich „Planet der Affen“, dessen Pointe ebenfalls zu den meistzitierten Wendungen der Popkultur gehören dürfte.

Auch wenn Richard Fleischers Film nach über 40 Jahren nicht mehr allzu frisch aussieht, so hat er doch keinesfalls etwas von seiner Faszination eingebüßt. Die Dystopie wird greifbar und das Setting ist in der heutigen Zeit aktueller denn je: Die Kluft zwischen Arm und Reich wird hier so plakativ dargestellt wie nur selten. Die eingewobene Kriminalgeschichte ist spannend und führt zu einem Finale, das immer noch zu schockieren weiß. Auch emotional weiß „Soylent Green“ durch die ebenfalls oft zitierte zentrale Szene um Sol Roth (Edward G. Robinson in seiner letzten Rolle) mitzureißen. Überhaupt ist das ungleiche Duo Heston und Robinson großartig!

Wer auch nur ein wenig für das dystopische Sci-Fi-Kino der 60er bis 80er Jahre übrig hat, der hat „Jahr 2022… die überleben wollen“ bestimmt schon mehr als einmal gesehen. Wenn er euch bisher allerdings durch die Lappen gegangen ist, dann bitte anschauen – und die Chance ergreifen einen Genreklassiker neu für euch entdecken zu können: 8/10 Punkte.

The LEGO Movie (2014)

Ich habe „The LEGO Movie“ am 22. Juni 2019 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Eine anstrengende Woche geht zu Ende – und doch komme ich meinen Bloggerpflichten nach und bespreche mit „The LEGO Movie“ einen (sogar noch recht aktuellen) Film. Wie sich diese Spielzeug-Verfilmung im Vergleich zu Peter Bergs „Schiffe versenken“ bzw. „Battleship“ schlägt, erfahrt ihr in der kommenden Besprechung zwar nicht, doch solltet ihr dennoch unbedingt weiterlesen…

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Vermutlich sollte ich zunächst etwas zu meiner persönlichen Beziehung zu den bunten Bausteinen schreiben: Als Kind war LEGO für mich das Größte. Ich konnte mich tagelang hinsetzen und immer wieder die verschiedensten Sachen bauen. Zwar hatte ich auch etliche Fertigbausätze (z.B. eine Ritterburg oder ein riesiges Piratenschiff), doch am meisten Spaß hatte ich damit eigene Welten zu entwerfen und die kleinen gelben Figuren darin Geschichten erleben zu lassen. Mein vor weit über 20 Jahren gebautes Prachtexemplar (ein individuell gebautes Raumschiff) liegt übrigens immer noch beinahe vollständig aufgebaut in einer Kiste im Keller.

Für mich sind die schönsten Kindheitserinnerungen, zumindest was das alleine Spielen angeht, untrennbar mit LEGO verbunden. Was allerdings animierte LEGOs – speziell auch die schon seit Jahren existierenden Videospiele – angeht, so hat sich der Reiz für mich nie erschlossen. Insofern war ich umso gespannter, wie denn „The LEGO Movie“ bei mir ankommen würde.

Anfangs war ich fast schon ein wenig überfordert von den knallbunten Farben und dem beinahe etwas hakeligen Animationsstil (der das LEGO-Spielen aber natürlich perfekt trifft). Es passiert unglaublich viel und man muss schon wirklich am Ball bleiben, um keinen Gag zu verpassen. Und Gags gibt es reichlich! Was die Art des Humors angeht, so hat mich der Film oft an eine etwas harmlosere Variante von „Die Simpsons“ erinnert, und der popkulturelle Overkill steht den Anspielungen eines „Ralph reichts“  in der Videospielwelt in nichts nach. Wirklich großartig!

Die Geschichte ist dabei einerseits wunderbar simpel gestrickt, sie besitzt andererseits allerdings auch etliche Ebenen, über die man in vielerlei Hinsicht schmunzeln kann. Auch wenn „The LEGO Movie“ im Prinzip als ein einziger, großer Werbespot für das dänische Spielzeugunternehmen gesehen werden könnte (und er es zu gewissen Teilen bestimmt auch ist), so wäre das doch eine zutiefst zynische Sicht auf das Werk. Man könnte Elemente des Films sogar als gewisse Kritik an den Franchise-Baukästen der letzten Jahre sehen, wodurch die wilde Kombinierwut mit den einfachen Bausteinen gehemmt wurde. Letztendlich funktioniert der Film auf jeder Ebene erstaunlich gut – und wenn durch den Erfolg mehr LEGO-Sets verkauft werden, was dann evtl. einen zweiten Film anstößt, soll es mir nur recht sein.

Neben den wunderbaren Sprechern (u.a. Chris Pratt, Will Arnett, Alison Brie, Charlie Day) sticht vor allem die großartige Inszenierung heraus, welche die bespielte LEGO-Welt fantastisch in CG-Bilder überträgt. Die Figuren sind nie 100%-ig glatt und wirken nur wie aus dem Computer, nein, sie haben Schrammen, kleine Fehler und bewegen sich wie von Hand, was im Rahmen der Handlung natürlich auch nur Sinn macht. Ihr merkt, ich bin rundum begeistert und kann euch die Sichtung von „The LEGO Movie“ nur ans Herz legen: 9/10 Punkte.