Shutter Island (2010)

Nach einem langen Arbeitstag hat es mich gestern Abend einmal wieder in unser Fremdsprachenkino gezogen. Martin Scorseses „Shutter Island“ stand schon länger auf meiner Liste und war somit die perfekte Abendunterhaltung. Irgendwo zwischen Traum und Realität. Ein diffuser Wachzustand, von dem ein unbeschreibbarer Sog ausgeht.

Martin Scorsese baut in seinem undurchsichtigen Thriller bereits in den ersten Minuten eine so dichte Atmosphäre auf, dass man sich beinahe selbst auf der düsteren Klinikinsel wähnt. Getragen wird diese Atmosphäre nicht nur durch Robert Richardsons fantastisch stimmungsvolle Bilder, sondern auch durch den irritierenden Score, welcher die allgegenwärtige Paranoia hörbar macht. Stilistisch ist „Shutter Island“ – wie nahezu alle Scorsese Filme – ein wirklich großer Wurf. Bittersüßer Zucker für Augen und Ohren.

Auch inhaltlich braucht sich „Shutter Island“ nicht zu verstecken. Als Zuschauer wird man zusammen mit Leonardo DiCaprios Charakter Teddy Daniels immer tiefer in den Strudel aus Paranoia und Wahnsinn gezogen. Schon früh zeichnet sich der Ausgang der Geschichte ab und es ist wirklich angenehm, dass der Twist nicht mit dem Holzhammer inszeniert wurde. Es steht nicht die vermeintlich große Überraschung im Vordergrund, sondern die Emotionen der Charaktere. Eine Reise ins Herz der Finsternis.

Auch wenn „Shutter Island“ unspektakulärer erscheint, als die meisten anderen Filme des Regisseurs, so darf man jedoch nicht den Fehler machen ihn zu unterschätzen. Besonders für Genrefreunde bietet der Film großartige Unterhaltung und muss sich hinter verwandten Produktionen, wie „Angel Heart“ oder „The Machinist“ absolut nicht verstecken.

Wer einmal wieder einen mitreißenden, großartig gespielten und kunstvoll inszenierten Thriller sehen möchte, der kann zurzeit wohl keine besseren Film im Kino sehen, als „Shutter Island“. Mich wird diese Insel wohl noch länger verfolgen: 9/10 Punkte.

Inglourious Basterds (2009)

Es gab eine Zeit, da musste nur der Name Tarantino irgendwie mit einem Film in Verbindung stehen und es gab für mich kein Halten mehr. Heute sehe ich die Sache gelassener, dennoch ärgere ich mich nun „Inglourious Basterds“ nicht auf der großen Leinwand gesehen zu haben. Der Film hätte es wahrlich verdient gehabt.

Als ich das erste Mal von dem Film hörte war ich sehr neugierig. Besonders da ich ahnte, dass Tarantino eben nicht die oberflächlichen Erwartungen erfüllen würde. Ich bin mit „Reservoir Dogs“ darauf hereingefallen, von dem ich mir damals wilde Überfälle und actionreiche Shootouts erwartete. Was ich jedoch bekam waren endlose Dialoge und verstörende Einzelszenen. Das Davor und das Danach war wichtig. Inzwischen habe ich den Film zu schätzen gelernt und sehe die Geschwätzigkeit in Tarantinos Filmen als sein Markenzeichen an. Meist sind die Dialoge ja auch verdammt gut geschrieben. Insofern war mir bewusst, dass ich hier wohl kaum nur nazimordende Bastarde sehen würde.

Allein die Eröffnungssequenz ist großes Kino. „Inglourious Basterds“ ist wahrlich Tarantinos Beitrag zum Italowestern. Sergio Leone wäre stolz darauf gewesen. Wie so oft liegt die verstörende Bedrohung nicht in expliziter Gewalt, sondern eben in den Charakteren selbst begründet. Mit Hans Landa hat Tarantino einen so herrlich fiesen Bösewicht geschaffen, dass es eine wahre Freude ist. Ohne Christoph Waltz wäre die Figur jedoch nur halb so sehenswert. Unglaublich gut gespielt. Der Golden Globe ist in meinen Augen mehr als nur verdient.

Neben Christoph Waltz ist mir besonders August Diehl im Gedächtnis geblieben, dessen Wortgefecht mit Michael Fassbender zu meinen Lieblingsszenen des Films gehört. Diehl steht Waltz in Sachen Boshaftigkeit in nichts nach und wird wohl ebenso lange im Gedächtnis des Publikums bleiben. Übehaupt muss man sagen, dass die Wahl der Schauspieler wieder einmal famos ist. Eine wirkliche Hauptrolle gibt es nicht, man hat es eher mit einem Ensemble zu tun, welches jedoch perfekt aufeinander abgestimmt wurde. Dafür hat Tarantino wahrlich ein Händchen.

Die Handlung selbst ist eher wenig spektakulär und wie die meisten Filme des Regisseurs lebt auch „Inglourious Basterds“ von seinen grandiosen Einzelszenen. Man muss sich jedoch wirklich auf den Film einlassen können, um der absurden Comicvariante des Italowestern, welcher im besetzten Frankreich des Zweiten Weltkriegs angesiedelt ist, all das abgewinnen zu können, das der Film letztendlich wert ist.

Für mich ist „Inglourious Basterds“ der beste Tarantino seit „Jackie Brown“ und ich bin mir sicher, dass er mit der Zeit noch besser werden wird. Vor zehn Jahren hätte ich den Film in den kommenden Tagen wohl gleich noch ein paar Mal gesehen, heute jedoch bleibt es vorerst bei dieser einen Sichtung. Ein herrlich unkonventionelles Stück Kino, das zumindest meine Erwartungen ziemlich genau erfüllt hat: 9/10 Punkte.

Avatar: Aufbruch nach Pandora (2009)

Aktualisierung: Ich habe „Avatar: Aufbruch nach Pandora“ am 14. März 2011 und am 12. November 2022 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Als ich das erste Mal von James Camerons neuem Großprojekt namens „Avatar 3D“ hörte, war ich dafür Feuer und Flamme. Jahre sind verstrichen, während denen kaum mehr als knappe Informationsfetzen an die Öffentlichkeit drangen. Ein wenig Technik, der Titel, das Genre. Mehr nicht. Dann kam endlich der Trailer und Enttäuschung machte sich breit. Das soll das lang erwartete Jahrhundertprojekt sein?

Avatar: Aufbruch nach Pandora (2009) | © 20th Century Studios

Avatar: Aufbruch nach Pandora (2009) | © 20th Century Studios

Nach weiteren Trailern und ersten Berichten von den Previews war ich dann aber doch wieder angefixt. Enorm angefixt und demnach umso gespannter auf das finale Produkt. James Cameron hatte mich immerhin noch nie enttäuscht. Nachdem ich für heute noch Karten ergattern konnte – nahezu jede Vorstellung ist ausverkauft – stand einem bombastischen Filmerlebnis nichts mehr im Wege. Nun bin ich mir sicher: Dies ist ein Film, der über die Zukunft des Kinos entscheiden wird. Ein Wegbereiter. Schon jetzt ein Teil der Kinogeschichte.

Wenn man über „Avatar“ redet, dann muss man auf die Technik zu sprechen kommen. Das Offensichtlichste zuerst: Wie kein Film vor ihm nutzt James Camerons Sci-Fi-Epos 3D um eine Geschichte zu erzählen. Dabei bleibt die Kamera angenehm unaufdringlich und gibt den Bildern Tiefe ohne jedoch den Zuschauer mit wilden Effekten zu verschrecken. Sehr angenehm und wunderbar anzusehen. Neben der 3D-Optik überzeugt vor allem die Integration von CGI und Realfilm. Einfach perfekt. Besonders die Na’avi sind so überzeugend, dass mir manchmal beinahe der Atem stockte. Gollum, King Kong und nun die Na’vi. Die Zukunft ist nicht aufzuhalten.

Wirklich wunderbar war Camerons Vision des Planeten Pandora. Eine komplett entwickelte Flora und Fauna, welche vor phantastischem Artenreichtum nur so strotzt. Leuchtende Farben, fremdartige Geräusche und ein unglaubliches Gefühl von Lebendigkeit. Besonders zu beachten ist hier auch das Zusammenspiel von Handlung, Art Design und 3D-Technik. Man fühlt sich wirklich, als wäre man selbst auf Pandora gelandet. Colonel Quaritchs ‚You’re not in Kansas anymore!‘ beschreibt das Gefühl schon sehr gut, auch was die Bedeutung des Films anbelangt.

Über die Geschichte selbst wurde bereits viel geschrieben und besonders viel geschimpft. Ich kann die Kritik an ihr nur bedingt nachvollziehen. Kann man es Cameron verdenken, dass er mit seiner neuen Technik kein Arthouse-Drama inszeniert hat? Oder dass er ein möglichst großes Publikum erreichen wollte? Für mich funktioniert die Geschichte wunderbar. Etwas weniger Schwarz-Weiß-Zeichnung wäre zwar schön gewesen, aber wie gesagt hatte ich auch wirklich kein komplexes Drama erwartet. Wichtiger war für mich, dass man mit den Figuren fühlen kann und demnach war ich umso erfreuter, dass es an emotionalen Szenen nicht mangelt und die Na’avi diese perfekt transportieren.

Nach dem Ende des Films saß ich wie geplättet im Kinosessel. Nicht nur aufgrund der neuen 3D-Technik, sondern vor allem aufgrund des Gesamtpakets. James Cameron hat unglaublich viel in seinen Film gepackt. So viel, dass ich um eine Folgesichtung nicht herumkommen werde. Am liebsten noch einmal in 3D. Keine Frage. Doch ich denke selbst im Heimkino dürfte „Avatar“ aufgrund seiner grandiosen Technik und seiner famos gestalteten Figuren erneut mitreißen. Ein Kinoerlebnis, an das ich mich mein ganzes Leben lang erinnern werde: 9/10 Punkte.

Blood Diamond (2006)

Nachdem ich den Film schon seit dessen Erscheinen sehen wollte, habe ich mir gestern Abend endlich Edward Zwicks „Blood Diamond“ angesehen. Ein beindruckender und daneben noch viel bedrückenderer Ausflug in die dunkle Geschichte Afrikas.

Wer hier ein romantisch verklärten Blick auf den schwarzen Kontinent erwartet, dürfte bitter enttäuscht werden. Bereits die Anfangsszene zeigt mit brutaler Wucht, welcher Ton hier angeschlagen wird. Ein Dorf wird ausgelöscht. Einfach mal so. Wenn die Kamera hier das erste Mal die mordenden Kindersoldaten einfängt, kann man nicht so wirklich glauben, was man da eben gesehen hat. Grausam, brutal und düster.

Auch der von Leonardo DiCaprio gespielte Diamantenschmuggler Danny Archer ist alles andere als ein strahlender Held. Verschlagen, zynisch und vom Leben gezeichnet geht es ihm nur um die titelgebenden Diamanten. Steine mit denen Kriege finanziert werden. Es ist wirklich erschreckend, welche Zusammenhänge in diesem Film deutlich gemacht werden und man möchte als Zuschauer gar nicht wissen, welche Auswirkungen unsere konsumbestimmte Überflussgesellschaft sonst noch auf das Leben bzw. Sterben in den Entwicklungsländern hat.

Der Film selbst ist großartig inszeniert und besetzt. Die Kamera ist stets mitten drin und man möchte manchmal am liebsten die Augen verschließen aufgrund der Gräueltaten, die sie einfängt. Leonardo DiCaprio mag teils etwas zu jung für seine Rolle wirken, doch ist seine Darstellung wirklich beeindruckend. Ein Charakter mit Tiefe. Ebenso hat mir Djimon Hounsou als verzweifelter Familienvater gefallen, dessen Kampf so ganz anders motiviert ist als Archers.

Als Kritikpunkt könnte man anführen, dass die Balance zwischen Abenteuerfilm und anklagendem Geschichtsdrama nicht immer ausgewogen ist. Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass sich der Film mehr auf eine Richtung festgelegt hätte. Allerdings wäre dann wohl entweder die inhaltliche Tiefe oder das mitreißende Element verloren gegangen. Somit möchte ich festhalten, dass „Blood Diamond“ ein nahezu auf ganzer Linie überzeugender Film ist, den man wohl nicht so schnell vergisst: 9/10 Punkte.

Slumdog Millionär – OT: Slumdog Millionaire (2008)

Normalerweise stehe ich typischen Oscar-Abräumern eher skeptisch gegenüber. Danny Boyles „Slumdog Millionär“ übte dennoch eine große Faszination auf mich aus. Vielleicht weil der Film optisch so gar nicht ins typische Schema passt, vielleicht weil ich Indien noch nie als Filmland besucht habe oder vielleicht mich die Einfachheit der Geschichte angesprochen hatte.

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Der Aufhänger – das indische Pendant der TV-Show „Wer wird Millionär?“ – ist nur Mittel zum Zweck, um die Lebensgeschichte des jungen Slumdogs Jamal zu erzählen. Mit seinen 18 Jahren hat er bereits mehr erlebt, als wohl die meisten Menschen während ihres gesamten Lebens. Dass er soweit kommt hat er nur Glück, Zufällen und seinem starken Willen zu verdanken. Im Film heißt das dann Schicksal, welches ihn auch immer wieder seiner großen Liebe über den Weg laufen lässt.

Mit der Verfilmung von „Slumdog Millionär“ hat Danny Boyle wahrlich den Puls der Zeit getroffen. Ein komprimierter Blick auf das Leben in einer der aufstrebendsten Nationen unserer globalisierten Welt. Es ist unglaublich, wie viel Lebendigkeit der Film ausstrahlt. Der Oscar für besten Filmschnitt ist sowas von gerechtfertigt. Ebenso empfand ich den Einsatz moderner digitaler Kameras zum ersten Mal als völlig gerechtfertigt. Man ist wirklich mittendrin. Starke, moderne Bilder, die jedoch nicht verfremded wirken oder unpassend nach Video – das geht an Sie, Mr. Michael Mann! – aussehen. Der Stil unterstützt die Geschichte. Einfach nur klasse!

Abgesehen von der mitreißenden Inszenierung hat mir die Struktur des Films sehr gut gefallen. Sicher bekommt man – wenn man es genau betrachtet – nur eine weitere Liebesgeschichte präsentiert, doch sind die einzelnen Stationen in Jamals Leben so mitreißend erzählt, dass der herzerwärmende Kern niemals kitschig oder aufgesetzt wirkt. Ein tragendes Element sind hier natürlich die famosen Darsteller, welche stets die Rolle ihres Lebens gefunden zu haben scheinen. Grandioses Casting und herausragende Schauspielführung, besonders der unerfahrenen Kinder.

Wie man inzwischen wohl merkt, hat mir „Slumdog Millionär“ unglaublich gut gefallen. Wohl Danny Boyles bester Film seit „Trainspotting“, was als großes Kompliment zu verstehen ist. Ich freue mich jetzt schon auf weitere Sichtungen. Eine gelungene Überraschung im sonstigen Oscarfilmeinerlei. Großes Kino: 9/10 Punkte.

Brügge sehen… und sterben? – OT: In Bruges (2008)

Aktualisierung: Ich habe „Brügge sehen… und sterben?“ am 27. August 2023 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Ist es nicht ein tolles Gefühl, wenn einen Filme noch so richtig überraschen können? Martin McDonaghs „Brügge sehen… und sterben?“ gehört zu diesen seltenen Vertretern seiner Art. Zwar hatte ich schon viel Gutes über den Film gehört, doch wirklich Lust hatte ich nie auf ihn. Ein weiterer hipper Gangsterfilm. Wer braucht denn sowas?

Brügge sehen... und sterben? (2008) | © LEONINE

Brügge sehen… und sterben? (2008) | © LEONINE

Niemand. Ganz genau. Deshalb ist „In Bruges“, so der Originaltitel, auch alles andere als ein postmoderner Vertreter seines Genres. Zu sagen er wäre langsam erzählt, wäre wohl die Untertreibung des Jahrhunderts. Er ist gemütlich. Surreal. Äußerst brutal und emotional. Man lernt hier echte Charaktere kennen. Treibt mit ihnen durch die Nacht und erkundet mit ihnen einen magischen Ort namens Brügge, welcher in messerscharfen Dialogen genauestens seziert wird.

Die Geschichte um ein ungleiches Gangsterpärchen ist so dermaßen unspektakulär, dass man sich nur in den jeweiligen Moment fallen lassen kann. Dort warten komplexe Figuren mit echten Problemen, tiefschwarzer Humor und höchst absurde Situationen. Man kann wirklich nur schwer beschreiben, was die Faszination dieses Films ausmacht. Vermutlich die magische Atmosphäre Brügges. Wer einen auf cool getrimmten Gangsterfilm à la Guy Ritchie erwartet – als welchen uns das Marketing den Film verkaufen will – wird vermutlich maßlos enttäuscht sein. Alle anderen dürfen sich auf eine unkonventionelle Genreperle freuen.

Fazit

Getragen wird der Film von den hervorragenden schauspielerischen Leistungen Brendan Gleesons und Colin Farrels. Äußerst nuanciert und erstaunlich tiefgehend für solch einen kleinen… ja, was eigentlich? Gangsterfilm? Surreales Drama? Existentiellen Thriller? Schwarze Komödie? Wohl von allem ein wenig. Für mich wohl der Gangsterfilm der vergangenen fünf Jahre. Nicht nur für Genrefreunde empfehlenswert: 9/10 Punkte.

Die Reise ins Ich – OT: Innerspace (1987)

Die 80er Jahre sind für mich wohl das Jahrzehnt mit den meisten persönlichen Filmklassikern. Auch Joe Dantes famose Science-Fiction-Komödie „Die Reise ins Ich“ gehört unzweifelhaft in diese Kategorie. Als Heranwachsender unzählige Male gesehen und somit fest ins filmische Herz geschlossen.

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Lange hat es nun gedauert, bis ich „Innerspace“ auch im Erwachsenenalter eine Chance gegeben habe. Viel zu lange. Die haarsträubende Geschichte um den auf mikroskopische Größe geschrumpften Lt. Tuck Pendelton (Dennis Quaid) ist auch heute noch ein großer Spaß. Wie man es von Joe Dante („Gremlins – Kleine Monster“) kennt, ist der Humor oft eine Spur abgefahrener, als man es normalerweise von einer Spielberg-Produktion erwarten würde. Besonders die herrlich absurden Bösewichte bleiben hier im Gedächtnis.

Neben für 1987 wirklich tollen Effektszenen besticht der Film vor allem durch die ungewöhnliche Männerfreundschaft. Martin Short und Dennis Quaid sind die perfekte Besetzung, um die erklärungsintensive Prämisse spielerisch in die Handlung einzubinden. Herrlich! Hinzu kommt eine leicht angestaubte 80er Jahre Optik – besonders schön zu sehen an Meg Ryans Kleidung – und fertig ist der nostalgische Trip in die Kindheit. Als Männer noch richtige Männer und Filme noch richtige Filme waren.

Wie bei so vielen Filmen aus meiner Jugend, kann ich „Die Reise ins Ich“ nicht mehr wirklich objektiv bewerten. Aber das muss auch gar nicht sein. Der Film ist laut, bunt und schrill. Ein Hit aus längst vergangenen Tagen: 9/10 Punkte.

Anmerkung: Wer nun neugierig geworden ist, sollte einmal bei Müller in der 5-für-4-Ecke suchen. Für 4,99 € ist der Film wahrlich geschenkt.

Der seltsame Fall des Benjamin Button – OT: The Curious Case of Benjamin Button (2008)

Als ich das erste Mal von David Finchers „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ hörte, war mein Interesse sofort geweckt. Bisher hatte mich noch kein Film des Regisseurs enttäuscht und die Geschichte versprach zudem seine Fähigkeiten in einem ganz neuem Genre zu fordern. Dann kam die Zeit vor den Academy Awards und der Film war plötzlich in aller Munde. Größtenteils war der Tenor eher negativ und mit dem aufkommenden Hype ist mein Interesse beinahe völlig verschwunden.

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Die gestrige Sichtung war auch nur eine Notlösung, da wir ins Kino eingeladen wurden und uns die restlichen Filme noch weniger interessierten. Die Erwartungshaltung hätte folglich geringer nicht ausfallen können. Ich erwartete einen typischen Oscar-Film: Ohne Herz und mit viel Kalkül inszeniert (spontan fällt mir hier z.B. „A Beautiful Mind“ ein). Was ich jedoch zu sehen bekam war Kino in seiner reinsten Form. Bildgewordene Nostalgie, eine epische Liebesgeschichte und technische Perfektion, die in ihrer subtilen Erhabenheit noch unzählige Filme nach „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ prägen wird.

Ich mag Filme, in denen man Charaktere aufwachsen sieht. Ihr Leben verfogt. Eine Beziehung zu ihnen aufbaut. Filme die Nostalgie unvermittelt an ihre Betrachter weitergeben können. Wenn Benjamin seinen Vater zum Sterben an den Lieblingsort seiner Kindheit bringt, dann berührt mich das. Ebenso wie dutzende andere Szenen, die vielleicht nebensächlich erscheinen mögen, für das emotionale Wachstum der Figuren aber unerlässlich sind. Überhaupt handelt der Film weniger davon, dass Benjamin immer jünger wird, sondern wie die Menschen in seiner Umwelt auf ihn reagieren und von ihm beeinflusst werden. Ihr Bewusstsein in Bezug auf das Leben, das Altern und das Sterben wird geweckt. Sehr schön in diesem Zusammenhang fand ich die Episode in der Benjamin auf Elizabeth Abbott (Tilda Swinton) trifft und die unvermittelte spätere Auflösung.

Benjamins Lebensgeschichte wird in die Rahmenhandlung seiner sterbenden großen Liebe eingebettet. Hier sehe ich auch die einzigen Kritikpunkte, da mir die Übergänge teils etwas holprig und zu forciert (z.B. Hurrikan Katrina) erschienen. Ein ähnliches emotionales Gerüst, wie es bereits Tim Burton in „Big Fish“ verwendet hatte. Durch die immer wieder unterbrochene Handlung konnten zumindest Zeitsprünge relativ flüssig eingebaut werden und es war jedes Mal ein Ereignis Benjamin Button (bzw. Brad Pitt) in weiter verjüngter Form zu sehen.

Hier komme ich nun auch auf die Technik zu sprechen, die einen neuen Meilenstein für die Branche darstellt dürfte. Es ist wirklich unglaublich, was die VFX-Magier hier geschaffen haben. Selten habe ich so perfekte und absolut subtile Effektarbeit gesehen. Der Film wirkt in jedem Einzelbild wie aus einem Guss und wüsste man es nicht besser, man würde annehmen Brad Pitt und Cate Blanchett seien während der Dreharbeiten stark gealtert, nur um kurze Zeit später den Jungbrunnen gefunden zu haben. Einfach unglaublich und schon jetzt ein Grund mich auf die hoffentlich erscheindende Special Edition der DVD mit vielen Hintergrundberichten zu den Effekten zu freuen.

Was David Finchers jüngstes Werk abgesehen von seiner technischen Perfektion für mich wirklich zu einem besonderen Film macht, ist seine emotionale Wirkung. Die meiste Zeit war ich tatsächlich mit einem Lächeln auf den Lippen im Kino gesessen. Ich konnte den Film miterleben, was leider viel zu selten vorkommt. Zudem musste ich mehr als nur einmal eine Träne verdrücken und das nicht etwa, weil Fincher inszenatorisch besonders auf die Tränendrüse gedrückt hätte, sondern weil man mit den Charakteren mitgeliebt, mitgelebt und mitgelitten hatte. Es ist eine echte Bindung entstanden und das ist für mich großes Kino.

Für mich ist „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ schon jetzt eine der positivsten Überraschungen des noch jungen Kinojahres. Allen nostalgischen Träumern da draußen kann ich nur empfehlen sich nicht aufgrund der unzähligen schlechten Kritiken von einer Sichtung abhalten zu lassen. Der Film ist großes Kino. Kino fürs Herz: 9/10 Punkte.

Arsen und Spitzenhäubchen – OT: Arsenic and Old Lace (1944)

Vor einiger Zeit hatte ich Joseph Kesselrings Stück im Theater gesehen und war schwer begeistert. Gestern habe ich nun endlich – nachdem die DVD schon seit Jahren im Regal steht – die Zeit gefunden Frank Capras Adaption von „Arsen und Spitzenhäubchen“ zu sichten. Es war erneut ein wahrlich famoser Spaß!

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Der Film beginnt wie eine typische Liebeskomödie aus den 40er Jahren. Ein wenig Slapstick, angestaubte Geschlechterrollen und harmlos wirkender Humor. Doch bereits nach wenigen Minuten offenbart sich der wahre Geist dieser wirklich rabenschwarzen Komödie. Bereits diese leicht zu unterschätzende Einführung zeigt die hohe Qualität die Drehbuchs. Wir Zuschauer stolpern zusammen mit Mortimer Brewster (Cary Grant) in diese wahnwitzige Welt inmitten des unscheinbaren Alltags.

Wenn man sich heute Filme anschaut, die schwarzen Humor propagieren, dann leiden diese oft an unsympathischen Charakteren und der daraus resultierenden Distanz zum Zuschauer. „Very Bad Things“ ist für mich so ein Beispiel. Da konnte ich nur müde gähnen. Capras Klassiker ist dagegen ein Feuerwerk an Humor, herrlichen Dialogen und wunderbar überdrehten Leistungen der Darsteller. Besonders Cary Grant überzeugt hier auf ganzer Linie und es fällt schwer sich einen anderen Schauspieler in der Rolle vorzustellen.

Der Film wirkt trotz seines Alters frisch und wird zu keiner Sekunde langweilig. Ich musste oft laut auflachen, was mir nur bei den wenigsten Komödien gelingen mag. Capras Inszenierung zeugt von einem großen Gefühl für Timing und Atmosphäre, was den Film zu Recht zu einem Klassier der Genres macht. Da stimmt wirklich alles. Den einen Punkt Abzug gibt es nur weil ich das Theaterstück damals tatsächlich noch eine Spur unterhaltsamer fand, was – und dessen bin ich mir durchaus bewusst – natürlich ein weit hergeholter Vergleich ist: 9/10 Punkte.

K-PAX (2001)

Für den gestrigen Filmabend ist meine Wahl auf Iain Softleys „K-PAX“ gefallen, der mich bei der Erstsichtung vollends überzeugt hatte. Doch auch mit Kenntnis der Handlung ist es dem Film gestern erneut gelungen mir ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern.

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Die Prämisse ist simpel: Prot (grandios gespielt von Kevin Spacey) behauptet vom Planeten K-PAX zu sein und der Erde einen Besuch abzustatten. Daraufhin wird er eingewiesen und von Dr. Mark Powell (Jeff Bridges) in Behandlung genommen. Die nun folgenden Sitzungen sind bestimmt von der Suche nach der Wahrheit, doch schon bald muss Dr. Powell erkennen, dass es die absolute Wahrheit nicht gibt. Es gibt nur Hoffnung und den damit verbundenen Glauben, was besonders den anderen Patienten des Sanatoriums einen neuen Sinn im Leben gibt.

Diese relativ einfache Geschichte verpackt Regisseur Iain Softley in faszinierende Bilder. Licht ist nicht nur inhaltlich ein großes Thema, es bestimmt auch die Inszenierung. Getragen wird der Film zudem von einem beinahe schon hypnotischen Score, der uns immer weiter in Prots Welt zu ziehen scheint. Dabei wird offen gelassen, wo oder was Prots Welt letztendlich ist. Der Film bleibt doppeldeutig bis zur letzten Sekunde und das ist wohl die größte Stärke seiner Geschichte. Egal ob man ihn als ausgeklügeltes Sci-Fi-Märchen oder als Psychogramm eines verletzten Menschen wahrnimmt.

„K-PAX“ ist einer der wenigen Filme, die mich als Zuschauer mit einem warmen Gefühl in der Magengegend zurücklassen. Ein unspektakulärer und vielleicht deswegen umso schönerer Film. Herausragend gespielt von Kevin Spacey und Jeff Bridges. Stilsicher inszeniert von Iain Softley. Man könnte noch stundenlang über ihn nachdenken, oder einfach nur seine Wirkung genießen. Großes, kleines Kino: 9/10 Punkte.

Prot: ‚I will admit the possibility that I am Robert Porter, if you will admit the possibility that I am from K-PAX. Now if you’ll excuse me, I have a beam of light to catch.‘