Blood Diamond (2006)

Nachdem ich den Film schon seit dessen Erscheinen sehen wollte, habe ich mir gestern Abend endlich Edward Zwicks „Blood Diamond“ angesehen. Ein beindruckender und daneben noch viel bedrückenderer Ausflug in die dunkle Geschichte Afrikas.

Wer hier ein romantisch verklärten Blick auf den schwarzen Kontinent erwartet, dürfte bitter enttäuscht werden. Bereits die Anfangsszene zeigt mit brutaler Wucht, welcher Ton hier angeschlagen wird. Ein Dorf wird ausgelöscht. Einfach mal so. Wenn die Kamera hier das erste Mal die mordenden Kindersoldaten einfängt, kann man nicht so wirklich glauben, was man da eben gesehen hat. Grausam, brutal und düster.

Auch der von Leonardo DiCaprio gespielte Diamantenschmuggler Danny Archer ist alles andere als ein strahlender Held. Verschlagen, zynisch und vom Leben gezeichnet geht es ihm nur um die titelgebenden Diamanten. Steine mit denen Kriege finanziert werden. Es ist wirklich erschreckend, welche Zusammenhänge in diesem Film deutlich gemacht werden und man möchte als Zuschauer gar nicht wissen, welche Auswirkungen unsere konsumbestimmte Überflussgesellschaft sonst noch auf das Leben bzw. Sterben in den Entwicklungsländern hat.

Der Film selbst ist großartig inszeniert und besetzt. Die Kamera ist stets mitten drin und man möchte manchmal am liebsten die Augen verschließen aufgrund der Gräueltaten, die sie einfängt. Leonardo DiCaprio mag teils etwas zu jung für seine Rolle wirken, doch ist seine Darstellung wirklich beeindruckend. Ein Charakter mit Tiefe. Ebenso hat mir Djimon Hounsou als verzweifelter Familienvater gefallen, dessen Kampf so ganz anders motiviert ist als Archers.

Als Kritikpunkt könnte man anführen, dass die Balance zwischen Abenteuerfilm und anklagendem Geschichtsdrama nicht immer ausgewogen ist. Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass sich der Film mehr auf eine Richtung festgelegt hätte. Allerdings wäre dann wohl entweder die inhaltliche Tiefe oder das mitreißende Element verloren gegangen. Somit möchte ich festhalten, dass „Blood Diamond“ ein nahezu auf ganzer Linie überzeugender Film ist, den man wohl nicht so schnell vergisst: 9/10 Punkte.

Slumdog Millionär – OT: Slumdog Millionaire (2008)

Normalerweise stehe ich typischen Oscar-Abräumern eher skeptisch gegenüber. Danny Boyles „Slumdog Millionär“ übte dennoch eine große Faszination auf mich aus. Vielleicht weil der Film optisch so gar nicht ins typische Schema passt, vielleicht weil ich Indien noch nie als Filmland besucht habe oder vielleicht mich die Einfachheit der Geschichte angesprochen hatte.

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Der Aufhänger – das indische Pendant der TV-Show „Wer wird Millionär?“ – ist nur Mittel zum Zweck, um die Lebensgeschichte des jungen Slumdogs Jamal zu erzählen. Mit seinen 18 Jahren hat er bereits mehr erlebt, als wohl die meisten Menschen während ihres gesamten Lebens. Dass er soweit kommt hat er nur Glück, Zufällen und seinem starken Willen zu verdanken. Im Film heißt das dann Schicksal, welches ihn auch immer wieder seiner großen Liebe über den Weg laufen lässt.

Mit der Verfilmung von „Slumdog Millionär“ hat Danny Boyle wahrlich den Puls der Zeit getroffen. Ein komprimierter Blick auf das Leben in einer der aufstrebendsten Nationen unserer globalisierten Welt. Es ist unglaublich, wie viel Lebendigkeit der Film ausstrahlt. Der Oscar für besten Filmschnitt ist sowas von gerechtfertigt. Ebenso empfand ich den Einsatz moderner digitaler Kameras zum ersten Mal als völlig gerechtfertigt. Man ist wirklich mittendrin. Starke, moderne Bilder, die jedoch nicht verfremded wirken oder unpassend nach Video – das geht an Sie, Mr. Michael Mann! – aussehen. Der Stil unterstützt die Geschichte. Einfach nur klasse!

Abgesehen von der mitreißenden Inszenierung hat mir die Struktur des Films sehr gut gefallen. Sicher bekommt man – wenn man es genau betrachtet – nur eine weitere Liebesgeschichte präsentiert, doch sind die einzelnen Stationen in Jamals Leben so mitreißend erzählt, dass der herzerwärmende Kern niemals kitschig oder aufgesetzt wirkt. Ein tragendes Element sind hier natürlich die famosen Darsteller, welche stets die Rolle ihres Lebens gefunden zu haben scheinen. Grandioses Casting und herausragende Schauspielführung, besonders der unerfahrenen Kinder.

Wie man inzwischen wohl merkt, hat mir „Slumdog Millionär“ unglaublich gut gefallen. Wohl Danny Boyles bester Film seit „Trainspotting“, was als großes Kompliment zu verstehen ist. Ich freue mich jetzt schon auf weitere Sichtungen. Eine gelungene Überraschung im sonstigen Oscarfilmeinerlei. Großes Kino: 9/10 Punkte.

Brügge sehen… und sterben? – OT: In Bruges (2008)

Aktualisierung: Ich habe „Brügge sehen… und sterben?“ am 27. August 2023 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Ist es nicht ein tolles Gefühl, wenn einen Filme noch so richtig überraschen können? Martin McDonaghs „Brügge sehen… und sterben?“ gehört zu diesen seltenen Vertretern seiner Art. Zwar hatte ich schon viel Gutes über den Film gehört, doch wirklich Lust hatte ich nie auf ihn. Ein weiterer hipper Gangsterfilm. Wer braucht denn sowas?

Brügge sehen... und sterben? (2008) | © LEONINE

Brügge sehen… und sterben? (2008) | © LEONINE

Niemand. Ganz genau. Deshalb ist „In Bruges“, so der Originaltitel, auch alles andere als ein postmoderner Vertreter seines Genres. Zu sagen er wäre langsam erzählt, wäre wohl die Untertreibung des Jahrhunderts. Er ist gemütlich. Surreal. Äußerst brutal und emotional. Man lernt hier echte Charaktere kennen. Treibt mit ihnen durch die Nacht und erkundet mit ihnen einen magischen Ort namens Brügge, welcher in messerscharfen Dialogen genauestens seziert wird.

Die Geschichte um ein ungleiches Gangsterpärchen ist so dermaßen unspektakulär, dass man sich nur in den jeweiligen Moment fallen lassen kann. Dort warten komplexe Figuren mit echten Problemen, tiefschwarzer Humor und höchst absurde Situationen. Man kann wirklich nur schwer beschreiben, was die Faszination dieses Films ausmacht. Vermutlich die magische Atmosphäre Brügges. Wer einen auf cool getrimmten Gangsterfilm à la Guy Ritchie erwartet – als welchen uns das Marketing den Film verkaufen will – wird vermutlich maßlos enttäuscht sein. Alle anderen dürfen sich auf eine unkonventionelle Genreperle freuen.

Fazit

Getragen wird der Film von den hervorragenden schauspielerischen Leistungen Brendan Gleesons und Colin Farrels. Äußerst nuanciert und erstaunlich tiefgehend für solch einen kleinen… ja, was eigentlich? Gangsterfilm? Surreales Drama? Existentiellen Thriller? Schwarze Komödie? Wohl von allem ein wenig. Für mich wohl der Gangsterfilm der vergangenen fünf Jahre. Nicht nur für Genrefreunde empfehlenswert: 9/10 Punkte.

Die Reise ins Ich – OT: Innerspace (1987)

Die 80er Jahre sind für mich wohl das Jahrzehnt mit den meisten persönlichen Filmklassikern. Auch Joe Dantes famose Science-Fiction-Komödie „Die Reise ins Ich“ gehört unzweifelhaft in diese Kategorie. Als Heranwachsender unzählige Male gesehen und somit fest ins filmische Herz geschlossen.

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Lange hat es nun gedauert, bis ich „Innerspace“ auch im Erwachsenenalter eine Chance gegeben habe. Viel zu lange. Die haarsträubende Geschichte um den auf mikroskopische Größe geschrumpften Lt. Tuck Pendelton (Dennis Quaid) ist auch heute noch ein großer Spaß. Wie man es von Joe Dante („Gremlins – Kleine Monster“) kennt, ist der Humor oft eine Spur abgefahrener, als man es normalerweise von einer Spielberg-Produktion erwarten würde. Besonders die herrlich absurden Bösewichte bleiben hier im Gedächtnis.

Neben für 1987 wirklich tollen Effektszenen besticht der Film vor allem durch die ungewöhnliche Männerfreundschaft. Martin Short und Dennis Quaid sind die perfekte Besetzung, um die erklärungsintensive Prämisse spielerisch in die Handlung einzubinden. Herrlich! Hinzu kommt eine leicht angestaubte 80er Jahre Optik – besonders schön zu sehen an Meg Ryans Kleidung – und fertig ist der nostalgische Trip in die Kindheit. Als Männer noch richtige Männer und Filme noch richtige Filme waren.

Wie bei so vielen Filmen aus meiner Jugend, kann ich „Die Reise ins Ich“ nicht mehr wirklich objektiv bewerten. Aber das muss auch gar nicht sein. Der Film ist laut, bunt und schrill. Ein Hit aus längst vergangenen Tagen: 9/10 Punkte.

Anmerkung: Wer nun neugierig geworden ist, sollte einmal bei Müller in der 5-für-4-Ecke suchen. Für 4,99 € ist der Film wahrlich geschenkt.

Der seltsame Fall des Benjamin Button – OT: The Curious Case of Benjamin Button (2008)

Als ich das erste Mal von David Finchers „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ hörte, war mein Interesse sofort geweckt. Bisher hatte mich noch kein Film des Regisseurs enttäuscht und die Geschichte versprach zudem seine Fähigkeiten in einem ganz neuem Genre zu fordern. Dann kam die Zeit vor den Academy Awards und der Film war plötzlich in aller Munde. Größtenteils war der Tenor eher negativ und mit dem aufkommenden Hype ist mein Interesse beinahe völlig verschwunden.

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Die gestrige Sichtung war auch nur eine Notlösung, da wir ins Kino eingeladen wurden und uns die restlichen Filme noch weniger interessierten. Die Erwartungshaltung hätte folglich geringer nicht ausfallen können. Ich erwartete einen typischen Oscar-Film: Ohne Herz und mit viel Kalkül inszeniert (spontan fällt mir hier z.B. „A Beautiful Mind“ ein). Was ich jedoch zu sehen bekam war Kino in seiner reinsten Form. Bildgewordene Nostalgie, eine epische Liebesgeschichte und technische Perfektion, die in ihrer subtilen Erhabenheit noch unzählige Filme nach „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ prägen wird.

Ich mag Filme, in denen man Charaktere aufwachsen sieht. Ihr Leben verfogt. Eine Beziehung zu ihnen aufbaut. Filme die Nostalgie unvermittelt an ihre Betrachter weitergeben können. Wenn Benjamin seinen Vater zum Sterben an den Lieblingsort seiner Kindheit bringt, dann berührt mich das. Ebenso wie dutzende andere Szenen, die vielleicht nebensächlich erscheinen mögen, für das emotionale Wachstum der Figuren aber unerlässlich sind. Überhaupt handelt der Film weniger davon, dass Benjamin immer jünger wird, sondern wie die Menschen in seiner Umwelt auf ihn reagieren und von ihm beeinflusst werden. Ihr Bewusstsein in Bezug auf das Leben, das Altern und das Sterben wird geweckt. Sehr schön in diesem Zusammenhang fand ich die Episode in der Benjamin auf Elizabeth Abbott (Tilda Swinton) trifft und die unvermittelte spätere Auflösung.

Benjamins Lebensgeschichte wird in die Rahmenhandlung seiner sterbenden großen Liebe eingebettet. Hier sehe ich auch die einzigen Kritikpunkte, da mir die Übergänge teils etwas holprig und zu forciert (z.B. Hurrikan Katrina) erschienen. Ein ähnliches emotionales Gerüst, wie es bereits Tim Burton in „Big Fish“ verwendet hatte. Durch die immer wieder unterbrochene Handlung konnten zumindest Zeitsprünge relativ flüssig eingebaut werden und es war jedes Mal ein Ereignis Benjamin Button (bzw. Brad Pitt) in weiter verjüngter Form zu sehen.

Hier komme ich nun auch auf die Technik zu sprechen, die einen neuen Meilenstein für die Branche darstellt dürfte. Es ist wirklich unglaublich, was die VFX-Magier hier geschaffen haben. Selten habe ich so perfekte und absolut subtile Effektarbeit gesehen. Der Film wirkt in jedem Einzelbild wie aus einem Guss und wüsste man es nicht besser, man würde annehmen Brad Pitt und Cate Blanchett seien während der Dreharbeiten stark gealtert, nur um kurze Zeit später den Jungbrunnen gefunden zu haben. Einfach unglaublich und schon jetzt ein Grund mich auf die hoffentlich erscheindende Special Edition der DVD mit vielen Hintergrundberichten zu den Effekten zu freuen.

Was David Finchers jüngstes Werk abgesehen von seiner technischen Perfektion für mich wirklich zu einem besonderen Film macht, ist seine emotionale Wirkung. Die meiste Zeit war ich tatsächlich mit einem Lächeln auf den Lippen im Kino gesessen. Ich konnte den Film miterleben, was leider viel zu selten vorkommt. Zudem musste ich mehr als nur einmal eine Träne verdrücken und das nicht etwa, weil Fincher inszenatorisch besonders auf die Tränendrüse gedrückt hätte, sondern weil man mit den Charakteren mitgeliebt, mitgelebt und mitgelitten hatte. Es ist eine echte Bindung entstanden und das ist für mich großes Kino.

Für mich ist „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ schon jetzt eine der positivsten Überraschungen des noch jungen Kinojahres. Allen nostalgischen Träumern da draußen kann ich nur empfehlen sich nicht aufgrund der unzähligen schlechten Kritiken von einer Sichtung abhalten zu lassen. Der Film ist großes Kino. Kino fürs Herz: 9/10 Punkte.

Arsen und Spitzenhäubchen – OT: Arsenic and Old Lace (1944)

Vor einiger Zeit hatte ich Joseph Kesselrings Stück im Theater gesehen und war schwer begeistert. Gestern habe ich nun endlich – nachdem die DVD schon seit Jahren im Regal steht – die Zeit gefunden Frank Capras Adaption von „Arsen und Spitzenhäubchen“ zu sichten. Es war erneut ein wahrlich famoser Spaß!

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Der Film beginnt wie eine typische Liebeskomödie aus den 40er Jahren. Ein wenig Slapstick, angestaubte Geschlechterrollen und harmlos wirkender Humor. Doch bereits nach wenigen Minuten offenbart sich der wahre Geist dieser wirklich rabenschwarzen Komödie. Bereits diese leicht zu unterschätzende Einführung zeigt die hohe Qualität die Drehbuchs. Wir Zuschauer stolpern zusammen mit Mortimer Brewster (Cary Grant) in diese wahnwitzige Welt inmitten des unscheinbaren Alltags.

Wenn man sich heute Filme anschaut, die schwarzen Humor propagieren, dann leiden diese oft an unsympathischen Charakteren und der daraus resultierenden Distanz zum Zuschauer. „Very Bad Things“ ist für mich so ein Beispiel. Da konnte ich nur müde gähnen. Capras Klassiker ist dagegen ein Feuerwerk an Humor, herrlichen Dialogen und wunderbar überdrehten Leistungen der Darsteller. Besonders Cary Grant überzeugt hier auf ganzer Linie und es fällt schwer sich einen anderen Schauspieler in der Rolle vorzustellen.

Der Film wirkt trotz seines Alters frisch und wird zu keiner Sekunde langweilig. Ich musste oft laut auflachen, was mir nur bei den wenigsten Komödien gelingen mag. Capras Inszenierung zeugt von einem großen Gefühl für Timing und Atmosphäre, was den Film zu Recht zu einem Klassier der Genres macht. Da stimmt wirklich alles. Den einen Punkt Abzug gibt es nur weil ich das Theaterstück damals tatsächlich noch eine Spur unterhaltsamer fand, was – und dessen bin ich mir durchaus bewusst – natürlich ein weit hergeholter Vergleich ist: 9/10 Punkte.

K-PAX (2001)

Für den gestrigen Filmabend ist meine Wahl auf Iain Softleys „K-PAX“ gefallen, der mich bei der Erstsichtung vollends überzeugt hatte. Doch auch mit Kenntnis der Handlung ist es dem Film gestern erneut gelungen mir ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern.

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Die Prämisse ist simpel: Prot (grandios gespielt von Kevin Spacey) behauptet vom Planeten K-PAX zu sein und der Erde einen Besuch abzustatten. Daraufhin wird er eingewiesen und von Dr. Mark Powell (Jeff Bridges) in Behandlung genommen. Die nun folgenden Sitzungen sind bestimmt von der Suche nach der Wahrheit, doch schon bald muss Dr. Powell erkennen, dass es die absolute Wahrheit nicht gibt. Es gibt nur Hoffnung und den damit verbundenen Glauben, was besonders den anderen Patienten des Sanatoriums einen neuen Sinn im Leben gibt.

Diese relativ einfache Geschichte verpackt Regisseur Iain Softley in faszinierende Bilder. Licht ist nicht nur inhaltlich ein großes Thema, es bestimmt auch die Inszenierung. Getragen wird der Film zudem von einem beinahe schon hypnotischen Score, der uns immer weiter in Prots Welt zu ziehen scheint. Dabei wird offen gelassen, wo oder was Prots Welt letztendlich ist. Der Film bleibt doppeldeutig bis zur letzten Sekunde und das ist wohl die größte Stärke seiner Geschichte. Egal ob man ihn als ausgeklügeltes Sci-Fi-Märchen oder als Psychogramm eines verletzten Menschen wahrnimmt.

„K-PAX“ ist einer der wenigen Filme, die mich als Zuschauer mit einem warmen Gefühl in der Magengegend zurücklassen. Ein unspektakulärer und vielleicht deswegen umso schönerer Film. Herausragend gespielt von Kevin Spacey und Jeff Bridges. Stilsicher inszeniert von Iain Softley. Man könnte noch stundenlang über ihn nachdenken, oder einfach nur seine Wirkung genießen. Großes, kleines Kino: 9/10 Punkte.

Prot: ‚I will admit the possibility that I am Robert Porter, if you will admit the possibility that I am from K-PAX. Now if you’ll excuse me, I have a beam of light to catch.‘

In einem Land vor unserer Zeit – OT: The Land Before Time (1988)

Ich habe „In einem Land vor unserer Zeit“ am 1. Januar 2020 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Akuter Anfall von Nostalgie. So schlimm wie schon lange nicht mehr. Don Bluths „In einem Land vor unserer Zeit“ gehört so untrennbar zu meiner Kindheit, wie wohl kein zweiter Film. Sind mir aus anderen Klassikern Dialoge und Situationen oft noch bekannt, konnte ich hier wirklich jedes Wort mitsprechen – und das nach bestimmt 15 Jahren. Ein beinahe schon bizarres Erlebnis.

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Eine objektive Kritik abzugeben ist für mich in diesem Fall wirklich unmöglich. Zu oft habe ich die abenteuerliche Reise mit Littlefoot, Cera, Petrie, Ducky und Spike schon angetreten. Zu oft habe ich den vertrauten Tönen gelauscht. Zu oft um Littlefoots Mutter getrauert. Zu oft bin ich vor Scharfzahn geflohen und zu oft war ich bei der Entdeckung des großen Tals dabei. Manche Gefühle sind für mich untrennbar mit der Geschichte verbunden, die ich durch unzählbare Sichtungen des Films und dem Lauschen des Hörspiels verinnerlicht habe, wie kaum eine zweite.

Heute sind mir anfangs jedoch einige Dinge aufgefallen, auf die ich früher nie geachtet hätte: Die Qualität der Zeichnungen ist weit davon entfernt Disney-Standard zu erreichen – und dennoch sind die Animationen wirklich wunderbar gelungen und transportieren die Charaktere ganz famos. Einige Elemente erschienen mir auch teils etwas kindisch, doch bereits nach ein paar Minuten war ich wieder wie gefangen in diesem wunderbar altmodischen Animationsfilm. Eine Schande nur, dass die Qualität der deutschen DVD so dermaßen bescheiden ist. Digital überarbeitet? Da kann man wirklich nur auf eine Neuauflage hoffen, denn der deutsche Ton ist für mich bei diesem Film Pflicht.

„In einem Land vor unserer Zeit“ erzählt eine wunderschöne Geschichte von Freundschaft, Toleranz und dem ersten großen Abenteuer. Wohl einer der schönsten Kinderfilme abseits von Disney – und auf jeden Fall ein Film, der immer einen besonderen Platz in meinem Herzen besitzen wird: 9/10 Punkte.

Burn After Reading (2008)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 29. Dezember 2009 veröffentlicht.

Gestern relativ spontan im Fremdsprachenkino gewesen und „Burn After Reading“ gesehen. Schlappgelacht. Zuvor wusste ich von dem Film nur, dass es das jüngste Werk der Coens ist und dass es sich wohl um eine schwarze Komödie handelt. Man muss eben doch nicht immer perfekt informiert sein, um großartig unterhalten zu werden.

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Die Geschichte um einen gefeuerten CIA-Agenten (John Malkovich), dessen Memoiren Washington, D.C. auf den Kopf stellen, ist zu komplex, um sie hier auch nur annähernd wiederzugeben. Möchte ich auch gar nicht, denn wie hier unterschiedliche Handlungsfäden zusammenlaufen und wie sich die Geschichte entwickelt macht einen großen Teil des Unterhaltsungswertes des Films aus. Vom Aufbau her erinnert die Geschichte etwas an die früheren Coen-Werke, wie „Fargo“ oder „The Big Lebowsky“ – was als absolutes Kompliment zu verstehen ist.

Besonders großartig ist die Besetzung gelungen. Ob Brad Pitt als Fitnessjunkie, ein sexsüchtiger George Clooney, ein manischer John Malkovich oder Francis McDormand, die sich nach der großen Liebe (und unzähligen Schönheitsoperationen) sehnt – das zündet! Da sitzt jede Dialogzeile, das Timing ist perfekt und die 90 Minuten vergehen wahrlich wie im Flug. Der Humor ist dabei oft wirklich tiefschwarz, aber nur selten subtil – und spätestens wenn George Clooneys Charakter sein Heimwerkerprojekt enthüllt, bleibt wirklich kein Auge trocken.

Mit „Burn After Reading“ ist den Coens eine fabelhafte Komödie gelungen, die mich wohl öfter laut lachen ließ, als die letzten alle anderen Komödien des letzten Jahres zusammen. Ein kleiner, feiner Film. Absolut stimmig und mit prefektem comic timing inszeniert: 9/10 Punkte. In diesem Sinne: What a clusterfuck!

The Color of Magic: Die Farben der Magie & Das Licht der Phantasie (2008)

Als wohl letzten Film meiner filmreichen Urlaubswoche habe ich mir gestern Abend „The Color of Magic“ nach den beiden Terry Pratchett-Romanen „Die Farben der Magie“ und „Das Licht der Phantasie“ angesehen. Im Gegensatz zur Verfilmung von „Hogfather“ kenne ich dieses Mal die Vorlage, wenngleich ich zugeben muss, dass ich mich nicht mehr an allzu viel erinnern konnte.

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Auf der Scheibenwelt ist er wohl meine Lieblingsfigur. Die Rede ist von Rincewind, dem glücklosen Zauberer. Nicht nur habe ich die Scheibenweltromane, in denen er eine tragende Rolle spielt, regelrecht verschlungen – ich habe ihm auch schon bei zwei Abenteuern zur Seite gestanden: „Discworld“ und „Discworld II: Missing Presumed…!?“ gehörten damals zu meinen Lieblingsadventures und haben meine Vorstellung von Rincewind maßgebend geprägt. Insofern war es anfangs schwierig sich den doch schon etwas in die Jahre gekommenen David Jason in der Rolle des chaotischen Rincewind vorzustellen.

Die Wahl Sean Astins für die Rolle von Twoflower hat mir dagegen sofort zugesagt. So und nicht anders habe ich mir den ersten Touristen der Scheibenwelt stets vorgestellt. Ebenso wunderbar wurde Zweiblums Truhe in Szene gesetzt. Da habe ich mich sofort heimisch gefühlt. Einfach wunderbar! Mit der Zeit ist mir auch David Jasons Interpretation von Rincewind ans Herz gewachsen und als dann noch Cohen der Barbar aufgetaucht ist, war ich endlich komplett auf der Scheibenwelt angekommen.

Wie bereits erwähnt, kann ich mich an die Vorlage nicht mehr sonderlich gut erinnern und demnach nur schwerlich eine Aussage in Bezug auf die Qualität der Adaption treffen. Für sich genommen funktioniert der Film allerdings tadellos. Trotz seiner Lauflänge von gut 3 Stunden erscheint er teils vielleicht etwas gehetzt, aber dennoch gibt es genug Zeit für satirische Spitzen und liebenswerte Details – ich denke hier allein an den Picture Imp oder den Bibliothekar.

Etwas zu knabbern hat der Film an seinem begrenzten TV-Film-Budget, welches die Effektszenen (Drachen, Troll usw.) leider etwas billig erscheinen lässt. Darüber kann man allerdings wirklich hinwegsehen, denn der Rest des Films ist absolut stimmig inszeniert und man kann die Achtung vor der Vorlage in jeder Szene spüren. Ich würde mir wirklich weitere Verfilmungen wünschen. Gibt es diesbezüglich schon irgendwelche Informationen?

„The Color of Magic“ ist wohl der wahrgewordene Traum aller Scheibenwelt-Reisenden. Endlich kann man Rincewinds Abenteuer auch in Bewegtbildern verfolgen. Mich hat die Verfilmung noch weit mehr begeistert, als dies bereits „Hogfather“ konnte. Also macht es wie Twoflower und begebt euch nach Ankh-Morpork! Ihr werdet es nicht bereuen: 9/10 Punkte.