Spotlight (2015)

Es sind nicht die besten Voraussetzungen für einen Filmabend, wenn man in der Nacht zuvor nur knapp fünf Stunden geschlafen hat und der Arbeitstag richtig anstrengend war. Immerhin haben wir es schon um 20 Uhr aufs Sofa geschafft, doch so richtig viel Hoffnung hatte ich nicht „Spotlight“ komplett zu sehen. Gut zwei Stunden später war ich immer noch wach und hatte nicht einmal mit dem Schlaf zu kämpfen. Es sind die kleinen Freuden…

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Nach meiner Sichtung von „The Newsroom“ hatte ich weiterhin Lust auf idealistischen Journalismus. Welcher Film wäre also besser geeignet als Tom McCarthys 2016er Oscar-Gewinner? Von seiner Atmosphäre und Erzählstruktur hat mich „Spotlight“ allerdings eher an David Fincher „Zodiac“ erinnert, nur dass hier das Ergebnis der Recherchen befriedigender war. In beiden Fällen war der Ausgang er Ermittlungen im Vorfeld bekannt und doch entwickelt die Geschichte solch einen Sog, dass ich mich ihr nicht entziehen konnte. Schauspieler, Ausstattung und Inszenierung – alles wird dem Drehbuch untergeordnet und trägt somit als Einheit zur Geschichte bei.

McCarthys Film bietet weder Action, noch Sex oder Gewalt. Selbst die Verbrechen werden nur andeutungsweise wiedergegeben. Die Nachwirkungen und emotionalen Narben der Opfer stehen im Mittelpunkt und mit ihnen die unglaubliche Tragweite des Missbrauchsskandals. Je weiter sich die investigativen Journalisten rund um Walter Robinson (Michael Keaton) vorantasten, desto unfassbarer ist das Level der Vertuschung – nicht nur für die Charaktere, sondern auch speziell für uns Zuschauer. Dabei sind nicht immer alle Bilder subtil (z.B. die vorbeiradelnden Kinder), doch sie bleiben stets wirkungsvoll.

„Spotlight“ ist in bester Art und Weise klassisch erzählt und versucht nicht aus dem brisanten Fall eine Sensationsgeschichte zu machen. Er zeigt die, natürlich dramatisch aufbereiteten, Fakten auf und stellt uns die Personen vor, die bei der Aufdeckung des Skandals beteiligt waren. Dies sind die wahren Helden – und das ganz ohne Cape und Strümpfe. Diese Mischung funktioniert für mich ausgezeichnet und mir wird der Film noch länger im Gedächtnis bleiben. Klassisches, großes Kino: 9/10 Punkte.

Shameless (US) – Season 5

Nachdem ich es lange sechs Monate ohne die Gallaghers aushalten musste, hatte meine Familie Mitleid und mir „Shameless – Season 5“ zum Geburtstag geschenkt. Welch ein Glück! Endlich wieder mit Frank um die Häuser ziehen und die restlichen Gallaghers dabei begleiten, ihr Leben auf die Reihe zu bekommen – oder es wieder einmal so richtig zu vermasseln…

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Nach der großartigen vierten Staffel waren die Erwartungen natürlich extrem hoch, speziell da an deren Ende ein fieser Cliffhanger stand. Dessen Auflösung ist leider auch der Tiefpunkt der Staffel, zumal dieser gesamte Handlungsstrang unglaublich an den Haaren herbeigezogen wirkt. Da hätte ich es besser gefunden, das Schicksal von Jimmy wäre einfach ungewiss geblieben. So bleibt jedoch ein schaler Beigeschmack zurück, der weder Fionas Charakter gerecht wird, noch ihre Beziehung zu Jimmy in irgendeiner Form würdigt. Letztendlich hätte auch jeder andere (Ex-)Lover ein Grund für die Komplikationen in ihrer jungen Ehe sein können. Immerhin bleibt auch dieser schwächere Abschnitt der Staffel als unterhaltsam und gut gespielt in Erinnerung.

Was die anderen Handlungsstränge angeht, so bietet das fünfte Jahr mit den Gallaghers erneut allerlei Verrücktheiten: Seien es Franks Craft-Beer-Experiment, Debbies verzweifelte Versuche endlich Sex zu haben, Carls kurze Laufbahn als Drogenkurier, Lips Beziehung zu einer Professorin oder die dramatische Entwicklung Ians. All das und noch viel mehr ist abermals unglaublich unterhaltsam, weiß zu überraschen und oftmals auch zu schockieren. Selbst die etwas aus dem üblichen Rahmen fallende Liebesgeschichte zwischen Frank und einer krebskranken Ärztin konnte mich überzeugen, da sie unser verantwortungsbewusstes Familienoberhaupt erstmals verletzlich zeichnet. Damit hätte ich zu diesem Zeitpunkt fast nicht mehr gerechnet. Insofern eine schöne Entwicklung.

Insgesamt gesehen ist die US-Version von „Shameless“ in ihrem fünften Jahr ein wenig schwächer und auch das Finale nicht ganz so episch, wie das der vorangegangenen Staffel. Das alles ist jedoch Jammern auf extrem hohen Niveau, denn ich wurde über die zwölf Episoden hinweg wieder ganz famos unterhalten und kann es kaum noch erwarten ins nächste Jahr mit den Gallaghers zu starten: 9/10 (9.0) Punkte.

Predator (1987)

In letzter Zeit ist mein Filmkonsum auf ein Minimum geschrumpft. Darf ich mich überhaupt noch als Filmblogger bezeichnen? Speziell die Filme, die mir am Herzen liegen werden kaum noch thematisiert, da es zu viel Neues nachzuholen gilt. Man hat es schon nicht leicht in dieser Zeit des medialen Überflusses. Heute jedoch habe ich die Gelegenheit eines Babysitting-Einsatzes meiner besseren Hälfte genutzt, um mit „Predator“ einmal wieder in mein liebstes Filmjahrzehnt zurückzukehren – begleitet mich nun also bei meinem Ausflug in die 80er, wo Männer noch Männer waren und Oneliner-Geschichte geschrieben wurde: ‚I ain’t got time to bleed.‘

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Auch wenn es sich vielleicht so liest, war „Predator“ nie mein Lieblingsfilm. Er rangierte auch nie unter meinen meistgesehenen Filmen der 80er, doch er ist mit Sicherheit einer der Filme, um den sich die meisten Legenden gerankt haben: Lange Zeit stand John McTiernans Action-Klassiker auf dem Index und selbst in der Videothek gab es damals nur verstümmelte Schnittfassungen auszuleihen. Dennoch hat der Film öfter mal den Weg in den VHS-Rekorder gefunden – und sei es nur die komplett gekürzte Aufnahme einer nächtlichen TV-Ausstrahlung gewesen. Es sollte bis zur DVD-Veröffentlichung der indizierten Fassung dauern, bis ich das Schwarzenegger-Vehikel zum ersten Mal ungeschnitten erleben durfte. Inzwischen ist die Indizierung aufgehoben und man kann die ungeschnittene FSK-16-Fassung in jedem Kaufhaus oder online ohne Probleme erwerben. Die Zeit der Legenden ist vorbei.

Selbst nach all den Jahren hatte ich mich heute sofort wieder heimisch im Dschungel Mittelamerikas gefühlt. Der Auftritt der Macho-Einheit unter Führung von Arnold Schwarzeneggers Dutch mutet heute anachronistischer denn je an – und doch funktioniert der Film nach wie vor. Ernst nehmen konnte man die Charaktere schon damals nicht und heute grenzt der Militärteil fast schon an eine Parodie, was durch die famosen Oneliner natürlich noch unterstützt wird. Ein Zeitdokument der 80er, das enorm viel Spaß macht und spätestens mit verstärktem Auftreten des titelgebenden Monsters, das es nicht umsonst unter meine fünf gruseligsten Film- und Serienmonster geschafft hat, zur Höchstform aufläuft: Der finale Zweikampf ist der Höhepunkt des Films und spätestens wenn der Predator seine Maske fallen lässt, gewinnt der Film auch alle Creature-Freunde für sich. Zwar kein „Alien“, aber dennoch sehr imposant.

Aktuell wird ja an einem Reboot des Franchises gearbeitet, auf das ich mich tatsächlich freue. Selbst dem 2010er Versuch „Predators“ konnte ich einiges abgewinnen und auch „Alien vs. Predator“ hatte so seine Momente, was man vom zweiten Teil leider nicht behaupten konnte. Ich habe nun wieder richtig Lust auf dieses Filmmonster bekommen und werde hoffentlich bald die Gelegenheit bekommen, auch der direkten Fortsetzung einmal wieder einen Besuch abzustatten: 9/10 Punkte.

Parenthood – Season 6

Jeder bekennende Fan von TV-Serien kennt dieses Gefühl der Leere, wenn die letzten Episoden einer geliebten Show über den Bildschirm flimmern. Im Fall von „Parenthood – Season 6“ war es für mich besonders hart, begleitet mich die Serie doch schon seit 2010 und damit ziemlich exakt seit der Geburt unseres Zappelinchens. Thematisch hätte mich die Serie somit zu keinem passenderen Zeitpunkt abholen können, zumal sich innerhalb der letzten sechs Jahre auch die restliche Familienkonstellation verändert hat – es sind Familienmitglieder dazu gekommen und gegangen. Familie eben. Kein Wunder also, dass auch der Abschied von den Bravermans so schwer fällt…

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Mit nur 13 Episoden fällt die finale Staffel der beständig von der Absetzung bedrohten Serie wieder sehr kurz aus – und schließt somit den Kreis zum ersten Jahr. Es ist auch die Staffel, die sich inhaltlich wohl am meisten von den anderen absetzt, gab es zu Beginn doch einen Zeitsprung, der die Weiterentwicklung aller Charaktere zeigt. Wie bereits schon in der fünften Staffel, scheint mir der Fokus auf die ältere Generation noch einmal stärker geworden zu sein. Gesundheitliche Probleme bei Zeek und der Umgang der Kinder damit, ließen bei mir Erinnerungen an die eigenen Eltern und Großeltern wach werden. Die Themen der Serie sind einfach sehr nah dran am Leben vieler Mitdreißiger – ob man will oder nicht. Daneben gibt es jedoch weiterhin etliche Handlungsstränge, die sich mit speziellen Themen beschäftigen und sowohl die für die Serie typisch idealisierte Familienatmosphäre aufrecht erhalten sowie für zusätzliches Drama sorgen. Ein volles Paket also für eine halbe Staffel.

Tatsächlich hatte ich zum ersten Mal Schwierigkeiten in die Staffel einzusteigen. Da ich direkt und ohne Unterbrechung weitergeschaut habe, waren der Zeitsprung und die damit einhergehenden Veränderungen zur vorhergehenden Staffel vielleicht zu groß. Gerade bei einer so kurzen Staffel nicht die beste Voraussetzung, doch nach den ersten vier Episoden war ich dem Charme der Bravermans wieder komplett erlegen. War die Serie schon seit jeher stark auf Emotionen und durchkomponierte Montagen des Familienlebens ausgelegt, haben die letzten vier Episoden diesen Stil noch einmal auf die Spitze getrieben: Da blieb bei mir öfter kein Auge trocken. Ich kenne tatsächlich nur wenige Serien, die bei mir emotional so ins Schwarze treffen. Manchen mag das zu viel sein (doch die schauen ohnehin nicht sechs Staffeln dieser Serie), für mich war es jedoch der perfekte Ausstieg – und damit schafft es die sechste Staffel, trotz des holprigen Anfangs, sich vor dem ersten und dem fünften Jahr zu platzieren, obwohl wirklich ausnahmslos jede Staffel ziemlich großartig ist:

  1. „Parenthood – Season 3“ (9.5 Punkte)
  2. „Parenthood – Season 2“ (9.4 Punkte)
  3. „Parenthood – Season 4“ (9.3 Punkte)
  4. „Parenthood – Season 6“ (9.2 Punkte)
  5. „Parenthood – Season 1“ (9 Punkte)
  6. „Parenthood – Season 5“ (9.0 Punkte)

Am Ende bleibt, wie bereits erwartet, eine gewisse Leere zurück. Der Abschied von länger gelaufenen Serien fällt ja immer schwer, doch bei dieser hier ist es besonders schlimm. Eine Serie, die nicht auf Action, Mord und Totschlag setzt, sondern eher unaufgeregt von den alltäglichen Dingen erzählt. Die positive Botschaften vermittelt und doch auch schwierige Themen anspricht. „Parenthood“ wird eine Lücke im Serienkosmos hinterlassen und es wird schwer werden, diese zu füllen. Es ist auch eine der wenigen Drama-Serien, bei denen ich mir gut vorstellen kann, die Reise noch einmal anzutreten. Denn auch dann wird es sich sicher wieder anfühlen, wie nach Hause kommen: 9/10 (9.2) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Parenthood – Season 5

Unglaubliche dreieinhalb Jahre hat es gedauert, bis ich eine meiner erklärten Lieblingsserien weiterschauen konnte. Doch seit ein paar Wochen befindet sich die komplette Serie (ganz klassisch auf DVD) in meinem Besitz und tatsächlich konnte ich es nicht erwarten, endlich „Parenthood – Season 5“ anzugehen – und ja, es war war wirklich wie nach Hause kommen. Ich hatte die Bravermans vermisst und weiß jetzt schon, dass der Abschied nach der finalen Staffel schwer werden wird. Doch nun erst einmal zum turbulenten fünften Jahr…

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Die Serie hatte über ihre gesamte Laufzeit mit der drohenden Absetzung zu kämpfen. Somit gab es nur zwei Staffeln mit komplett 22 Episoden – zu diesen gehört auch die fünfte Staffel. Vielleicht liegt es auch an den vielen Episoden, dass die Staffel teils ein wenig vollgestopft und so manche Charakterentwicklung zu sprunghaft wirkt. Speziell der Handlungsstrang um Julias und Joels Trennung hat durchaus öfter an meinen Nerven gezehrt. Nicht weil dieser schlecht geschrieben wäre, sondern weil noch so viel nebenbei passiert, dass ich das Gefühl hatte, den Charakteren wird zuwenig Freiraum gegeben, um ihre Entscheidungen für den Zuschauer nachvollziehbar zu begründen. Ist das einigermaßen verständlich?

Abseits von diesem Kritikpunkt habe ich mich jedoch maßlos gefreut, dass ich so lange an dieser Staffel hatte. Hach. Die Serie ist einfach wunderbar in ihrer Emotionalität. Ich musste mehrmals ein Tränchen verdrücken, habe gelacht, mich mit den Bravermans gefreut und mit ihnen gelitten. Die Mischung aus Drama und Komödie funktioniert dabei wieder außergewöhnlich gut und der Übergang ist meist subtil. Es ist ein idealisiertes Familienleben, das jedoch nicht ohne Probleme und Schwierigkeiten charakterisiert wird. Vermutlich erkennt man als Familienmensch etliche Szenen wieder, würde sich wünschen, dass es in der eigenen Familie auch so wäre und ist doch froh, die dramatischen Entwicklungen nicht mitmachen zu müssen.

Nach meiner Sichtung dieser vorletzten Staffel fällt es mir schwer, meine liebsten Handlungsstränge zu benennen. Die meisten Geschichten haben mir wirklich sehr gut gefallen. So auch der Wahlkampf von Kristina um das Amt des Bürgermeisters von Berkeley. Oder die Gründung des Luncheonette-Labels samt Verstrickungen rund um egozentrische Musiker und das Zusammenspiel zwischen Crosby und Adam. Auch sehr schön fand ich, dass Zeek und Millie einen bedeutsamen Handlungsstrang spendiert bekommen haben, dessen Ende äußerst emotional für alle Beteiligten ist. Ein sehr rundes Ende, das auch als Serienfinale gut funktioniert hätte. Am schwächsten fand ich dagegen, wie schon erwähnt, die Entwicklungen von Julia und Joel sowie Amber und Ryan. Aber das ist jammern auf extrem hohem Niveau.

Für mich ist „Parenthood“ nach wie vor eine fantastische Serie, die das Thema Familie wunderbar warmherzig und doch realistisch erzählt. Die tollen Schauspieler (unter anderem Lauren Graham und Peter Krause) tragen ihren Teil dazu bei, dass man einfach nicht anders kann als sich bei den Bravermans wohl zu fühlen. Nun gibt es nur noch 13 Episoden und mich graust es jetzt schon vor dem Abschied. Eine wirklich herausragende Serie der „Friday Night Lights“-Macher: 9/10 (9.0) Punkte.

Silicon Valley – Season 1

Aktualisierung: Inzwischen habe ich die komplette Serie gesehen. Die Besprechung von „Silicon Valley“ (Staffel 1 bis 6) findet ihr bei Klick auf den Link.

So sehr ich HBO-Serien liebe, so qualvoll ist der Veröffentlichungsrhythmus des Senders und die damit verbundene Hochpreispolitik. Kaum bin ich unglaublich angefixt, was „Silicon Valley – Season 1“ angeht, sind die kurzen acht Episoden auch schon wieder vorbei. So ging es mir auch bereits bei „Veep“ und anderen aktuell laufenden HBO-Shows. Natürlich liegt in der begrenzten Episodenzahl und exklusiven Verfügbarkeit via Pay-TV und DVD/Blu-ray auch die Qualität begründet. Und dennoch hätte ich so unglaublich gerne sofort weitergeschaut…

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„Silicon Valley“ ist das HBO-Pendant zur Amazon-Serie „Betas“: In beiden Serien stehen junge Entwickler im Mittelpunkt, die sich in der Welt der Startups behaupten müssen. „Silicon Valley“ setzt dabei deutlich mehr auf Humor und scheint noch näher am Zeitgeist dran zu sein, als die ohnehin sehr aktuell wirkende Amazon-Konkurrenz. Für jemanden, der im IT-Bereich arbeitet, ist mir auch positiv aufgefallen, wie verhältnismäßig realistisch die Serie mit IT-Themen umgeht. Überhaupt kein Vergleich zu dem, was man sonst so in Film und Fernsehen vorgesetzt bekommt. Damit haben die Autoren auch sogleich eine neue Zielgruppe für sich gewonnen, der die Darstellung von Nerds in „The Big Bang Theory“ und Co. zu weit von der Realität entfernt sein wird. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Team von Pied Piper, so der Name des fiktiven Startups, nicht einen bunten Strauss an verrückten Charakteren zu bieten hat.

Das Tempo der Serie ist hoch, jedoch nehmen sich die Autoren durchaus Zeit für ihre Charaktere. Zwar gibt es ab und zu ein paar Erzählstränge, die ein wenig gewollt wirken, doch insgesamt sind bereits diese ersten acht Episoden der Serie eine ziemlich runde Sache. Hinzu kommt ein sehr gefälliger Soundtrack und das Wichtigste: „Silicon Valley“ ist wirklich verdammt lustig! Umso mehr freue ich mich nun bereits auf die zweite Staffel – auch wenn ich noch einige Zeit darauf warten muss: 9/10 (8.9) Punkte.

Ex Machina (2015)

Vormittags noch unzählige Fahrräder Probe gefahren, nachmittags den 4. Geburtstag des Neffen gefeiert. Was gibt es Schöneres als solch einen vollgestopften Tag mit einem gelungenen Film zu beenden? Heute frisch in der Post gewesen, ist Alex Garlands „Ex Machina“ auch sofort in den Player gewandert. Eigentlich wollte ich den Film schon damals im Kino sehen, dann wurde er mir auch noch von einem Freund ans Herz gelegt – es wurde als höchste Zeit den Sci-Fi-Thriller nachzuholen…

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Künstliche Intelligenz ist ein Thema, das mich – zumindest filmisch gesehen – schon seit jeher stark beschäftigt: von „Blade Runner“„Alien“ und „The Terminator“ bis hin zu „The Matrix“ und „A. I. – Artificial Intelligence“ oder „Her“. In all diesen Filmen spielt Künstliche Intelligenz eine mehr oder weniger prominente Rolle. Umso gespannter war ich auch, was nun Alex Garland in seinem Regiedebüt daraus macht. Der häufig mit Danny Boyle arbeitende Drehbuchautor ist mir vor allem für seine oft im letzten Drittel qualitativ abfallenden Skripte bekannt: Sowohl „The Beach“ als auch „28 Days Later“ und „Sunshine“ schwächeln ausgerechnet auf der Zielgeraden, was tatsächlich auch ein wenig auf „Ex Machina“ zutrifft. Doch besitzt auch dieses Finale eine zweite Ebene, mit der ich mich durchaus anfreunden kann.

Garlands kühle Bilder unterstreichen perfekt die kammerspielartige Klaustrophobie, der sich die Charaktere ausgesetzt sehen. Diese bedrückende Atmosphäre wird umso stärker spürbar, da brachial lebendig wirkende Naturmotive immer wieder dem kalten, technokratischen Labor gegenübergestellt werden. Man fühlt sich als Zuschauer zusammen mit dem von Domhnall Gleeson („About Time“) gespielten Caleb wirklich nicht wohl in dieser Welt. Und doch geht eine Faszination von der gezeigten Technik aus, die letztendlich in Ava (Alicia Vikander) gipfelt. Während der ersten beiden Drittel wusste ich auch nicht so recht, in welche Richtung sich der Film denn wohl bewegen würde. Ich hatte so meine Vermutungen – und es sollte sich herausstellen, dass Caleb die gleichen Ideen hatte. Wir beide lagen falsch.

Das endgültige Finale rutschte mir inszenatorisch ein wenig zu sehr in Richtung Horror ab, auch wenn es inhaltlich nur konsequent und folgerichtig war. Man spürt den typischen Garland-Stolperer und doch komme ich nicht umhin, es als gelungen zu bezeichnen. Ich bin mir auch sicher, dass ich in den kommenden Tage noch oft an den Film werde denken müssen. Mein größter Kritikpunkt ist, dass Nathan (Oscar Isaac) gegen Ende die Züge eines klischeehaften Bösewichts trägt. Vielleicht sind das aber auch die logischen Folgen seines Gott-Komplexes. Gerade weil der Film an dieser und anderen Stellen noch weiter zum nachdenken anregt, möchte ich ihn mit der besseren der beiden möglichen Punktzahlen belohnen. Weiter so, Mr. Garland: 9/10 Punkte.

Mud: Kein Ausweg (2012)

Die letzte Woche ist unglaublich schnell vergangen. Sie war sehr turbulent und endete heute mit einem der seltenen Tage im Home Office. Morgen steht der letzte Termin meines Blockseminars auf dem Programm und doch möchte ich zu fortgeschrittener Stunde noch meine Gedanken zu „Mud: Kein Ausweg“ festhalten. Der Film stand bereits viel zu lange im Regal und ich hatte die Sichtung, aus welchen Gründen auch immer, stets aufgeschoben. Heute war es endlich soweit und tatsächlich hat sich Jeff Nichols Film als Kleinod unter den Indie-Dramen präsentiert…

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Auf den ersten Blick erzählt „Mud“ ein Jugendabenteuer, wie man es aus Klassikern wie „Stand by Me“ kennt. Sogar einer der beiden Jungschauspieler, Jacob Lofland, erinnert an River Phoenix aus Rob Reiners Stephen-King-Verfilmung. Doch Nichols Werk ist komplexer und besitzt mehr Schichten, die sich dem Zuschauer erst nach und nach offenbaren. Teils hat er mich auch an das düstere Ozark-Drama „Winter’s Bone“ erinnert, was die beinahe schon dokumentarische Schilderung der Lebensumstände der Flussanwohner Arkansas angeht. Dabei bleibt „Mud“ jedoch stets hoffnungsvoll und lässt uns nie in das Herz der Finsternis blicken, auch wenn man es nach der ersten oberflächlichen Betrachtung hinter der nächsten Ecke vermuten könnte.

Nichols erzählt seine Geschichte beinahe vollständig durch die Augen seiner jugendlichen Protagonisten. Nur in wenigen Momenten wird mit dieser Perspektive gebrochen, was tatsächlich auffällt und beinahe schon befremdlich wirkt. Dies sind dann auch die Szenen, in denen „Mud“ in Richtung Kriminalfilm kippt, welche teils wie Fremdkörper in dieser ruhig und fließend erzählten Geschichte wirken. Das ist auch mein einziger Kritikpunkt an diesem großartigen Film. Vielleicht hätte sich Nichols vollständig innerhalb von Ellis‘ Erzählperspektive bewegen sollen, wodurch auch die letzte Szene einen gewissen Interpretationsspielraum bekommen hätte. Vielleicht wäre dies dann auch ein ganz anderer Film geworden. Schon alleine, dass „Mud“ zu solchen Spekulationen einlädt, macht ihn sehenswert.

Neben den beiden großartigen Jungschauspielern, überzeugt vor allem Matthew McConaughey („Interstellar“ oder „True Detective“) als titelgebender Mud. Die Beziehung, die sich zwischen den drei Protagonisten entwickelt, wirkt echt, glaubhaft und ist beinahe schon anrührend. Doch es sind gerade die Lebensumstände von Ellis (Tye Sheridan), die sich in der Beziehung zu Mud und auch zu seiner Freundin Juniper (Reese Witherspoon) spiegeln. Neben all den angerissenen Themen ist „Mud“ im Kern eine Coming-of-Age-Geschichte, in der der gestrandete Mud den beiden Freunden Ellis und Neckbone als symbolhafte Vaterfigur dient – und in der sich alle anderen Beziehung in irgendeiner Form wiederfinden lassen.

Neben den inhaltlichen und schauspielerischen Stärken, überzeugt „Mud“ vor allem auch durch seine formalen Aspekte. Man fühlt sich als Teil der Wildnis Arkansas und ich hätte aufgrund der oft fast schon kitschigen Schönheit so mancher Motive den Film manchmal am liebsten pausiert. Wieder einmal habe ich viel zu lange mit der Sichtung gewartet und hätte „Mud“ schon vorher kennenlernen können. Macht nicht den gleichen Fehler und seht diesen wunderbaren Film – am besten sofort: 9/10 Punkte.

Veep – Season 3

Hatte ich mich bei der Sichtung der zweiten Staffel noch gefreut, dass es zwei Episoden mehr als im ersten Jahr gab, muss ich nach „Veep – Season 3“ nun feststellen: 10 Episoden sind einfach viel zu wenig für diese Serie! Da hat man sich gerade warm geschaut und muss auch schon wieder Abschied nehmen. Warum die Serie so gut funktioniert, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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US-Wahlkampf in all seiner Absurdität. Welches Thema könnte aktueller sein? Auch wenn es die Serie tatsächlich nicht schafft, an den Irrsinn der realen Situation heranzureichen, so gibt sich das Team rund um Vizepräsidentin Selina Meyer doch alle Mühe. Mit dem beginnenden Wahlkampf um das Präsidentenamt nimmt die Serie enorm an Fahrt auf, was sie noch spritziger macht als sie es in den vergangenen Jahren ohnehin schon war. Mit knapp 30 Minuten Laufzeit bewegt sich die Comedy auch in einem Sweet Spot was die erzählerische Dichte und die Schlagfrequenz der Pointen angeht. Habe ich schon erwähnt, dass ich 10 Episoden pro Staffel als viel zu wenig erachte? Aber vielleicht liegt auch gerade darin das Geheimnis der durchgehend hohen Qualität begründet.

Was mir dieses Mal wie Schuppen von den Augen gefallen ist: Anna Chlumsky, die fantastische Darstellerin von Amy Brookheimer, ist das kleine Mädchen aus „My Girl: Meine erste Liebe“, eines meiner großen filmischen Kindheitstraumata. Diese Erkenntnis hat das Vergnügen, das ich bei der Sichtung empfunden habe, nur gesteigert. Ohnehin sind die Schauspieler allesamt famos, müssen jedoch hinter der fantastischen Julia Louis-Dreyfus zurückstehen, die mit „Veep“ schon die zweite Rolle ihres Lebens (eben nach Elaine Benes in „Seinfeld“) gefunden hat.

Ich liebe amerikanischen Politzirkus in TV-Serien – und kaum eine Serie stellt diesen so unterhaltsam dar, wie „Veep“. Auch wenn die Serie hierzulande nicht sonderlich populär ist, so kann ich sie allen auch nur annähernd Interessierten nur unbedingt ans Herz legen. Ich habe schon lange nicht mehr so gelacht: 9/10 (9.0) Punkte.

Man on Wire (2008)

Schon viel zu lange habe ich keinen Dokumentarfilm mehr gesehen. Nachdem erst letztes Jahr Robert Zemeckis‘ „The Walk“ im Kino lief, wurde auch immer wieder die Doku „Man on Wire“ angesprochen. Der 2009er Oscar-Gewinner hatte mich damals nicht sonderlich interessiert, doch inzwischen habe ich regelrecht einen Drang verspürt, mir den Film anzusehen. Ob sich es sich letztendlich gelohnt hat, diesem Drang nachzugeben, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Die Geschichte, wenn man sie nüchtern betrachtet, scheint gar nicht so spektakulär. Im Gegensatz zu anderen Dokumentarfilmen, wie zum Beispiel „The Imposter“, ist auch nicht mit unglaublichen Wendungen oder gar einem überraschenden Finale zu rechnen. Wir wissen, dass Philippe Petit der Drahtseilakt zwischen den beiden Türmen des World Trade Centers gelungen ist. Keine Überraschung also an dieser Stelle. Aber bedeutet das auch keine Spannung? Weit gefehlt! Obwohl der Ausgang dieses außergewöhnlichen Abenteuers bekannt ist, ist gerade der Weg dorthin interessant: die Vorbereitungen, die unterschiedlichen involvierten Personen – und allen voran die unglaubliche Motivation Philippe Petits, seine Vision umzusetzen.

Der unglaubliche Drang dieses Mannes, das Unmögliche möglich zu machen, ist einfach faszinierend. Es wirkt als würden er und die um ihn versammelte Gruppe einen Raubzug planen, der genau durchgeplant werden will – und ein solcher Coup ist es im Prinzip auch. Manchmal wirkt die Geschichte, als würde man spielende Kinder beobachten, in anderen Momenten wieder wie ein ausgeklügelter Kriminalfall. Die Stimmung ist verträumt, ja fast schon magisch. Der Film zeigt was möglich ist, wenn man nur daran glaubt und mit aller Kraft daran arbeitet.

Ich hatte mich anfangs gefragt, inwieweit „Man on Wire“ wohl den 11. September thematisieren wird – und war erstaunt, dass dieses Ereignis überhaupt nicht explizit erwähnt wird. Implizit aber bilden die Geschehnisse des Films die perfekte Antithese zu 9/11. James Marshs Dokumentarfilm ist lebensbejahend und aufregend, lässt durch seinen Schauplatz ganz automatisch an jenen düsteren Tag denken und feiert gerade durch das scheinbare Ignorieren der Ereignisse die positiven Aspekte des Lebens.

Selbst wenn das Thema auf den ersten Blick uninteressant wirken mag, so erzählt „Man on Wire“ doch eine unglaublich spannende und dabei zutiefst menschliche Geschichte. Die Bilder sind, obwohl der Hochseilakt nur in Fotografien festgehalten wurde, absolut atemberaubend und die einzelnen Stationen der Geschichte packend. Ich bin begeistert und kann mir nicht vorstellen, dass „The Walk“ auch nur annähernd die Kraft dieses Dokumentarfilms besitzt: 9/10 Punkte.