Aktualisierung: Ich habe „John Wick“ am 25. August 2021 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.
Obwohl noch etliche Filme im Regal warten, habe ich heute mit „John Wick“ erstmals einen Film via Streaming geschaut. Diese Wahl war entgegen bereits geäußerter Befürchtungen eine sehr bewusste Entscheidung, da der Film ohnehin schon länger auf meiner Liste stand. Davon abgesehen verlief die Sichtung technisch reibungslos, wenngleich ich auch das Bonusmaterial zum Film vermisst habe. Und was hat Rache-Thriller sonst noch so zu bieten?

John Wick (2014) | © STUDIOCANAL
Als ich in einer Sneakpod-Episode die Inhaltsangabe zu „John Wick“ hörte, erschien sie mir fast schon lächerlich – ein Hund als Auslöser für einen fulminanten Rachefeldzug? Tatsächlich wird diese Prämisse im Film aber glaubhaft verkauft und zeigt zugleich, dass man auf die Geschichte ohnehin nicht viel Wert legen sollte: Dieses Werk lebt von seiner Action, von den Kampfszenen und der beinahe schon comichaften Brutalität. Überhaupt scheint die von Keanu Reeves verkörperte Hauptfigur einer Comicwelt entsprungen zu sein, in der es besondere Orte mit ganz speziellen Regeln gibt. Umso überraschender, dass es sich hierbei um ein Originaldrehbuch handelt.
Die Kampfszenen sind wahrlich famos choreographiert und man erkennt sofort, dass dieser Aspekt den Regisseuren (beides erfahrene Stuntleute) am wichtigsten war. Und was soll ich sagen? Der Film funktioniert als knallharter Actioner im comichaft überzeichneten Gangstermilieu auch wunderbar! Es macht unglaublich viel Freude Keanu Reeves beim Austeilen zu treibenden Elektro-Beats zuzuschauen. Wer braucht da schon viel Handlung? Leider nur wird unser Antiheld bereits als so unbesiegbar angekündigt, dass man als Zuschauer nie am Ausgang des Films zweifelt. Dies nimmt tatsächlich Spannung und hätte geschickter gelöst werden können.
Noch eine Beobachtung am Rande: Alfie Allen spielt nahezu 1:1 seine Rolle als Theon Greyjoy aus „Game of Thrones“ nach, sprich er ist wieder der ungeliebte Sohn, der sich das Wohlwollen seines herrischen Vaters sichern möchte, dabei völlig über das Ziel hinausschießt und letztendlich für seine Taten büßen muss. Michael Nyqvist (Mikael Blomkvis, „Verblendung“) konnte ich als Oberbösewicht leider nicht so richtig ernst nehmen, dafür hat es mich gefreut Willem Dafoe und Adrianne Palicki (Tyra Collette, „Friday Night Lights“) zu sehen. Und der Hauptdarsteller? Keanu Reeves kicks ass!
Alles in allem ist „John Wick“ wunderbare Abendunterhaltung, die für gut 90 Minuten herrlich mitreißt und für grinsende Gesichter sorgt. Am Ende des Films bleibt aber nicht viel im Gedächtnis, was wohl auch der schwachen emotionalen Involvierung und der flachen Figurenzeichnung geschuldet ist. Ich würde empfehlen den Film im Doppel mit „The Raid“ oder „DREDD“ zu schauen – damit dürfte jedes Actionbedürfnis auf Jahre hin befriedigt sein: 7/10 Punkte.








