Session 9

Nach dem gestrigen Halloween-Raclett, gab es anschließend natürlich den obligatorischen Gruselfilm. Dieses Jahr ist die Wahl auf den mir noch unbekannten „Session 9“ von Brad Anderson gefallen. Bis auf den Schauplatz der verlassenen Nervenheilanstalt und das Mitwirken von David Caruso hatte ich auch noch kein Vorwissen in Bezug auf die Handlung – eigentlich die besten Voraussetzungen für einen gruseligen Filmabend. Spoiler sind zu erwarten.

Gleich zu Beginn ist mir der Look des Films aufgefallen – leider nicht besonders positiv. Ich hatte schon den Verdacht, dass unsägliche Bildverschlimmbesserer à la 100 Hz am Werk sind, doch dem war nicht so. „Session 9“ wurde mit der damals jungen 24P HD Technik von Sony gefilmt, was man dem Film leider in jeder Einstellung ansieht. Dadurch konnte zwar eine große Tiefenschärfe sowie eine natürliche Beleuchtung erreicht werden – doch sieht das Ergebnis eben nicht aus wie Film. Besonders für dieses Genre der Atmosphäre nicht wirklich zutragend.

In Bezug auf die Handlung hat der Film schnell eine ganz eigene Atmosphäre aufgebaut, was vor allem der grandiosen Location zu verdanken ist. Das verlassene Sanatorium wirkt wie gemacht für Horrorfilme. Besonders wenn man einen ebensolchen erwartet. „Session 9“ ist jedoch kein Horrorfilm. Nicht einmal ein Gruselfilm. Er lässt sich wohl am ehesten mit Andersons wunderbarem Nachfolgewerk „The Machinist“ vergleichen, ohne ihm jedoch auch nur annähernd das Wasser reichen zu können.

Ob ich die Handlung nun komplett richtig interpretiert habe, oder nicht – was bleibt ist eine 08/15-Auflösung, die ich bereits vermutet hatte als das erste Mal von Schizophrenie die Rede war. Die berühmte Endmontage, in der es den Zuschauern wie Schuppen von den Augen fallen soll ist dann bei mir auch etwas wirkungslos verpufft. Eigentlich schade, hat der Film bis dahin doch – zumindest in einigen Szenen – eine wunderbar schaurige Atmosphäre aufgebaut.

„Session 9“ ist ein netter Mysterythriller mit gewöhnungsbedürftiger Optik und relativ schwacher Auflösung. Freunde des Genres dürfen jedoch gerne einmal einen Blick riskieren. Unterhaltsam, für Halloween aber letztendlich zu wenig echter Grusel: 6/10 Punkte.

Das Vermächtnis des geheimen Buches – OT: National Treasure: Book of Secrets

Nach langem Überlegen, welcher Film denn nun für die abendliche Unterhaltung sorgen soll, ist die Wahl letztendlich auf „Das Vermächtnis des geheimen Buches“ gefallen. Im Gegensatz zum Vorgänger hatte ich den Film noch nicht im Kino gesehen, was die Vorfreude bei mir noch einmal gesteigert hat.

Der zweite Teil der „National Treasure“-Reihe ist gestrickt, wie die typische Fortsetzung eines Mainstream-Films. Man nehme die Handlung des erfolgreichen Vorgängers, werfe einige neue Figuren in den Topf und würze die Geschichte mit weiteren Actionszenen – et voilà, fertig ist das Sequel! Man sieht förmlich das Reißbrett, auf dem das Handlungsgerüst des Films entstanden ist. Leider ein etwas wackliges Gerüst, denn das letzte Quentchen Logik – das man bereits beim Vorgänger mit der Lupe suchen musste – scheint sich nun endgültig verflüchtigt zu haben.

Bereits am Anfang werden unsere Helden über ein sehr konstruiert wirkendes Storykonstrukt auf eine erneute Schatzsuche geschickt. Dort gibt es noch mehr wohlbekannte Locations (u.a. Paris und London) zu bewundern und die Hauptfigur darf sogar den Präsidenten der USA entführen. Nur eines von unzähligen Handlungselementen, die bei mir alle – eigentlich recht toleranten – Logikrezeptoren schrillen ließen. Aber sei es drum: Trotz unglaublicher Schwächen in der Geschichte hat der Film stets Spaß gemacht.

Das letzte Drittel hat mir dann sogar sehr gut gefallen. In der goldenen Stadt ist wirklich Abenteueratmosphäre aufgekommen, die mich teils sogar an den Archäologen mit Schlapphut denken ließ. Zwar nur kurz, aber immerhin. Einen weiteren Pluspunkt kann die Fortsetzung mit Ed Harris verzeichnen, den ich immer gerne sehe und der einen schönen Gegenspieler zu unerem Abenteurerteam abgibt.

John Turteltaubs Fortsetzung seines 2004er Blockbusters leidet unter der typischen Sequelkrankheit: Alte Ideen werden mit lauen Actionsequenzen aufgewärmt. Auch wenn das alles recht unterhaltsam ist, leidet der Film doch ziemlich unter dem Mangel an Neuerungen und den klaffenden Logiklöchern. Das letzte Drittel rettet dann glücklicherweise noch einiges und Abenteuerfreunde werden ihren Spaß mit dem Film haben: 6/10 Punkte.

Untraceable

Auf dem Flug nach New York habe ich mich aus dem unerschöpflichen Angebot an Filmen für „Untraceable“ entschieden. Warum? Weil ich mir auf dem winzigen Screen keine aktuellen Blockbuster, wie u.a. „Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia“ oder „Iron Man“ ruinieren wollte – und mein Interesse für den Cyberthriller gerade groß genug war, um ihn mir unter diesen besonderen Umständen anzusehen.

Die Handlung ist recht simpel, wird aber durch teils komplexe IT-Zusammenhänge auf- bzw. abgewertet. Ein Serienkiller tötet durch den Voyeurismus der Internetgemeinde. Eine wirklich interessante Idee, welche anfangs für Spannung sorgt, gegen Ende allerdings im Thrillereinerlei untergeht. Da wäre so viel mehr möglich gewesen.

Bis zur Enthüllung des Täters und dessen Motivation ist der Film spannend und die Figuren – besonders Jennifer Marsh (Diane Lane) – werden recht ausführlich gezeichnet. Zudem ist das Drehbuch um ein realistisches Bild des technischen Hintergrunds bemüht. Hier jedoch scheitert der Film an seinen Ansprüchen. So sind die Erklärungen für den normalen Zuschauer zu komplex, für jemanden der sich in der Materie auskennt werden dagegen zu viele Fragen aufgeworfen.

Ab der Auflösung bleibt nur noch ein nett inszenierter 08/15-Thriller, welcher zudem – trotz netter Intention – die Wirkung des Endes verpuffen lässt. Als Filmsnack zwischendurch ganz nett, ansonsten aber eher vernachlässigbar. Unter den besonderen Umständen: 6/10 Punkte.

Eragon

Ich liebe Fantasy – sowohl in der Literatur, als auch im Film. Es war folglich nur eine Frage der Zeit, bis ich über „Eragon“ stolperte. Den Roman hatte ich damals nur angelesen und war nicht wirklich überzeugt. Zu simpel schienen mir die Figuren und vermutlich war ich zu diesem Zeitpunkt nicht in der richtigen Stimmung für solch eine Fantasy-Saga. Der Film hatte mich aufgrund der vernichtenden Kritiken auch nie sonderlich interessiert. Gestern habe ich ihm auf DVD dennoch seine verdiente Chance gegeben.

Um es kurz zu machen: Der Film ist nicht so schlecht, wie man überall hört. Der größte Fehler ist wohl, dass man versucht hat auf der „Der Herr der Ringe“-Welle mitzuschwimmen. Um dies erfolgreich zu gestalten hätte man den Figuren und der Geschichte jedoch Zeit zum entfalten geben müssen – man hat es nicht. Somit wirkt der gesamte Film wie ein Trailer zu einer großen Saga, deren epische Breite jedoch nie zum Tragen kommen kann. Charaktere werden nur angerissen, zeitliche und örtliche Beziehungen werden völlig ignoriert und man stolpert als Zuschauer mehr schlecht als recht durch diese wunderbar anzusehende Welt. Das passiert eben, wenn man versucht einen 600-seitigen Roman in 90 Minuten zu pressen.

Auf der Habenseite stehen eindeutig tolle VFX-Szenen, die tatkräftig die berufliche Herkunft des Regisseurs Stefen Fangmeier belegen. Auch die generelle Optik kann sich wirklich sehen lassen. Kräftige Farben, schönes Setdesign und imposante Kameraflüge versetzen einen recht gut in diese – inhaltlich leider nur oberflächlich angekratzte – fremde Welt. Alles in den Schatten stellt natürlich der Drache Saphira. Alleine er bzw. sie ist ein guter Grund sich den Film anzusehen – überhaupt: Es gibt viel zu wenig gute Filme mit Drachen. Drachen sind toll!

Schauspielerisch ist der Film äußerst durchwachsen. Bei Jeremy Irons haben sich bei mir anfangs die Nackenhaare nach oben gestellt, da ich an seine grottenschlechte Performance aus „Dungeons & Dragons“ denken musste – doch glücklicherweise spart er sich in „Eragon“ das Overacting und liefert so eine ziemlich überzeugende Darbietung ab. Wunderbar fand ich auch Robert Carlyle, der einen fiesen schwarzen Magier mimen darf. Recht verschenkt war dagegen John Malkovich, der nichts darf außer ein paar Mal grimmig zu schauen. Am schwersten wiegen jedoch die darstellerischen Defizite von Ted Speleers, der die Hauptfigur spielt. Ein Schönling, wie er im Buche steht – leider ohne jegliche Ausstrahlung.

„Eragon“ ist ein kurzweiliger Fantasy-Snack für Zwischendurch. Fans der Bücher werden den Film vermutlich zu recht verfluchen, doch als unbeeinflusster Fantasyfreund kann man durchaus einen unterhaltsamen Abend verbringen. Einen Abend mit einem Drachen. Alleine das ist doch grandios! Erwähnen sollte ich auch noch den schönen Score, der die Atmosphäre meisterlich zu unterstützen weiß. Kann man sich durchaus ansehen, wenn man „Der Herr der Ringe“, „Willow“ und Co. überdrüssig ist: 6/10 Punkte.

Mr. Brooks (2007)

Heute in der Rubrik Filme, die ich im Kino verpasst habe: „Mr. Brooks“ von Bruce A. Evans. Bereits als ich das erste Mal von der Geschichte gehört hatte, war ich fasziniert. Zudem traue ich Kevin Costner eine ganze Menge zu und William Hurt ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. Folglich habe ich mich auf einen neuen Star am Genrehimmel gefreut.

Zunächst einmal möchte ich auf die positiven Eigenschaften des Films eingehen: Kevin Costner und William Hurt spielen wie erwartet genial. Besonders Costner weiß als zerrissener Killer zu überzeugen. Seine Darstellung ist die perfekte Gradwanderung zwischen Mensch und Monster. Stets ist beides präsent. Man hat nur selten das Gefühl, dass Mr. Brooks auf Biegen und Brechen vermenschlicht wird. Die kalte Berechnung ist wahrlich erschreckend. Eine fantastische Leistung. Ebenso kann William Hurt als Marshall – Mr. Brooks düstere Seite – überzeugen. Sein Spiel ist zurückhaltend und vermutlich deswegen umso eindringlicher. Einfach ein starkes Team.

Auch sehr stark mutet die Geschichte an. Dem Genre werden neue Facetten abgerungen und der Fokus verschiebt sich von der reinen Killerhatz auf genaue Charakterisierungen. Der Film macht anfangs wirklich viel Spaß und wirft nur so mit großen Versprechungen um sich. Leider fällt er gegen Ende wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Kein Twist. Kein Kniff. Nur althergebrachte Effekthascherei. Schade.

Bereits nach dem ersten Treffen zwischen Mr. Brooks und seinem Erpresser hatte ich den Ausgang dieser an sich vielversprechenden Beziehung deutlich vor Augen. Dass es letztendlich genau so kommt, fand ich unendlich enttäuschend. Da hat auch die angeblich so spontane Entscheidung von Costner Charakter nichts geholfen. Ganz schlimm wurde es dann am Ende: Nach dem großen Schock – der zwar toll gespielt war, aber sonst nicht viel zu bieten hatte – kam das simple Erwachen. Wie in einem billigen B-Movie. Dabei hätte man so viele Möglichkeiten gehabt sich mit der interessanten Frage, ob die Mordlust von Mr. Brooks Tochter allein der Schizophrenie ihres Vaters entspringt oder sie seine Veranlagung tatsächlich geerbt hat, auseinanderzusetzen.

Neben Schwächen in der Haupthandlung, gibt es zudem unzählige uninteressante Nebenstränge, in denen sich die Geschichte verzettelt. Was sollte das zweite Killerpärchen? Außer ein paar musikalisch unpassend untermalten Actionszenen ist da nicht wirklich viel übrig geblieben. Gleiches gilt übrigens für Demi Moores Charakter, der trotz etlicher Füllszenen (Scheidungsverhandlungen etc.) enttäuschend blass bleibt.

Letztendlich ist „Mr. Brooks“ nur ein weiterer Serienkillerfilm, der vorgibt mehr zu sein, als er letztendlich ist. Unterhaltsam und mit grandiosen Hauptdarstellern, aber leider mit zu wenig Feinschliff in der Geschichte. Da hätte man mehr draus machen müssen: 6/10 Punkte.

30 über Nacht – OT: 13 Going on 30 (2004)

Ostermontag habe ich seit Urzeiten einmal wieder einen Film aus dem regulären TV-Programm gesehen: „30 über Nacht“. Anfangs nur nebenbei, doch mit dem Erscheinen von Jennifer Garner (Sydney Bristow, „Alias“) hatte der Film meine Aufmerksamkeit auf seiner Seite.

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Die Geschichte ist wirklich nicht neu. Bereit Tom Hans hatte 1988 in „Big“ mit dem spontanen Erwachsensein zu kämpfen – wenngleich die Prämisse auch nicht 100%ig identisch ist. Jenna unternimmt in „30 über Nacht“ eher eine Zeitreise in die Zukunft ihres Lebens und altert nicht einfach an Ort und Stelle. Probleme und skurrile Situationen finden sich jedoch auch in dieser Variante en masse.

Gary Winicks Film bietet lockerleichte Unterhaltung und läuft damit nicht Gefahr im Langzeitgedächtnis hängen zu bleiben. Der große Pluspunkt des Films ist auf jeden Fall seine Hauptdarstellerin. Jennifer Garner spielt so naiv und losgelöst, dass es eine wahre Freude ist. Ohne sie hätte der Film leicht zu einer simplen Lachnummer werden können.

Leider setzt das Ende des Films so sehr auf Kitsch und Schmalz, dass der positive Gesamteindrück etwas geschwächt wird. Warum hat man noch einmal in die Zukunft blicken müssen? Nein, das hätte wahrlich nicht sein müssen.

„30 über Nacht“ bleibt mir somit als nette Komödie mit toller Jennifer Garner und etwas dümmlichen Ende im Gedächtnis. Kann man sich durchaus anschauen: 6/10 Punkte.

Black Sheep

Nachdem ich den ersten Trailer von „Black Sheep“ gesehen hatte, wusste ich: Diesen Film muss ich sehen. Manchmal ist es – besonders bei Genrefilmen – eben doch noch die Idee, die zu überzeugen weiß. Ein Zombiefilm mit Schafen. Das gab es zuvor wirklich noch nicht.

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Letztendlich ist Jonathan King jedoch nur eine nette Parodie auf das Genre gelungen. Kein Überflieger und bestimmt kein zweiter „Braindead“ – aber das ist auch völlig akzeptabel. Mich hat „Black Sheep“ von der Stimmung und Erzählweise etwas an „Slither“ erinnert. Kein übermäßig offensichtlicher Humor und durchaus mit ernsthaften Elemente versehen. Allerdings konnte James Gunns Film meiner Meinung nach mit den sympathischeren Figuren aufwarten.

Neben den zu überspitzten und nicht wirklich sympathischen Charakteren hat „Black Sheep“ etwas mit der Grundstruktur der Geschichte zu kämpfen. Der Streit der zwei ungleichen Brüder wirkte auf mich beinahe etwas zu dramatisch für diese Art von Film. Auch hat man es in meinen Augen etwas mit dem color grading übertrieben. Zu stilisierte Bilder sind das Ergebnis.

Neben den oben genannten Schwächen bietet „Black Sheep“ allerdings – besonders wenn es ans Eingemachte geht – wirklich äußerst vergnügliche Unterhaltung. Hier kommt die Idee der Zombieschafe voll zum Tragen und allein die teils bizarren Attacken der wandelnden Wollknäule sind eine Sichtung wert. Die Schaf/Mensch-Hybriden wären dagegen nicht zwangsweise nötig gewesen.

Alles in allem kann ich „Black Sheep“ Genrefreunden durchaus empfehlen. Allerdings sollten sich auch diese nicht zu viel erwarten. Mehr als nette Unterhaltung springt hier leider nicht raus – doch das reicht zumindest für einen vernüglichen Abend: 6/10 Punkte.

Species

Als Jugendlicher habe ich viele Filme gesehen. Besonders Horror-, Sci-Fi- und Actionfilme standen damals auf dem Programm. Die meisten habe ich heute wieder vergessen, doch einige haben im Freundeskreis größere Popularität erlangt. So auch „Species“, der mit seiner Mischung aus Sex, Splatter und Science-Fiction genau die richtigen Zutaten enthielt. Ob der Film nach knapp 10 Jahren immer noch überzeugen kann?

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Die Geschichte um den männermordenden Alien-Mensch-Klon hat durchaus seine Momente. Natasha Henstridge hat macht immer noch eine gute Figur und die etwas andere Monsterhatz birgt durchaus Unterhaltungswert. Leider fallen mir die Schwächen des B-Movies – und nichts anderes ist „Species“ – heute umso deutlicher auf: Das Expertenteam handelt teils so dämlich, dass man sich beinahe in einer Parodie wähnt. Die Charaktere bleiben blass und fallen dem Zuschauer unglaublich auf die Nerven. Was bitte sollte das mit Forest Whitakers Figur? Alles Zutaten für einen höchstenfalls durchschnittlichen B-Movie.

Nett fand ich dagegen Schauspieler zu sehen, die mir damals noch nichts sagten. Michelle Williams („Dawson’s Creek“, „Brokeback Mountain“) spielt beispielsweise das junge Alien und Marge Helgenberger („CSI: Las Vegas“) ist als Biologin zu sehen. Das Spiel mit geschlechtsspezifischen Klischees fand ich auch unterhaltsam, doch leider wird hier viel dem reinen Effekt geopfert. Schade.

Am Ende bleibt ein Monsterfilm mit netter Grundidee und effekthascherischer Umsetzung. Durchaus unterhaltsam, aber einfach zu durchschnittlich um heute noch wirklich überzeugen zu können. Dann lieber zum dutzendsten Male „ALIEN“. Mit großem Nostalgiebonus: 6/10 Punkte.

Napoleon Dynamite (2004)

Mit der Erstsichtung von sogenannten Kultfilmen ist es schwierig. Besonders wenn man den Film anscheinend nur lieben oder hassen kann. Ein solcher Fall ist auch der Überraschungshit „Napoleon Dynamite“ von Jared Hess. Die Erwartungen waren extrem hoch und konnten leider nur bedingt erfüllt werden – und das obwohl der Film eigentlich alles hat was es braucht, um mir zu gefallen.

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Die grundlegende Idee macht mir den Film schon einmal sympathisch. Außenseiter werden in ihrer eigenen Welt gezeigt. Anders als sonst strotzen sie geradezu vor Selbstvertrauen. Sie ziehen ihr Ding durch und lassen sich durch nichts und niemanden beeindrucken. Ein netter Ansatz. Ihre Umwelt reagiert meist natürlich befremdlich und die Highschoolwelt wird einmal mehr als Klassengesellschaft gezeigt. Anders als im thematisch ähnlichen – und meiner Meinung nach gelungeneren – „Willkommen im Tollhaus“ von Todd Solondz ignorieren die Außenseiter die Anfeindungen ihrer Umwelt und zeigen auch keinerlei emotionale Reaktion.

Selbst wenn man „Napoleon Dynamite“ als reine Komödie ohne tieferen Sinn sieht, offenbaren sich durch die distanzierten Verhaltensweisen der Charaktere einige Schwächen. Man sieht nie wirklich was in den Figuren vorgeht. Ihnen – besonders Napoleon und Pedro – scheint alles egal zu sein. Dies zeigt sich auch im Schauspiel: Jon Heder (Napoleon) sieht den gesamten Film über so aus, als würde er schlafen. Selbst bei den seltenen Gefühlsausbrüchen wirkt er wie auf Beruhigungsmitteln. Mir ist durchaus bewusst, dass dies so gewollt ist, doch fällt es mir dadurch sehr schwer mich mit der Figur zu identifizieren.

Der Humor des Films ist teils wirklich gelungen, teils nicht. Zumindest nicht für mich. Über weite Strecken plätschert die Handlung vor sich hin und es passiert nichts, was man nicht schon zu genüge in anderen Highschool-Komödien gesehen hätte. Da helfen auch die außergewöhnlichen Charaktere nichts. In der weiblichen Hauptrolle gibt es übrigens Tina Majorino (Mac aus „Veronica Mars“) zu sehen.

„Napoleon Dynamite“ ist einer der Kultfilme, bei denen ich den Hype zwar bis zu einem gewissen Maße nachvollziehen kann, der mich persönlich aber einfach nicht packt. Die Grundidee ist nett, die Umsetzung dagegen nicht nach meinem Geschmack. Für mich kein Fall von lieben oder hassen. Für mich einfach nur nett: 6/10 Punkte.

Madagascar

Obwohl ich Animationsfilme liebe, ist „Madagascar“ irgendwie an mir vorbeigegangen. Ich muss auch zugeben, dass mich bisher kaum ein pixarfremder Animationsfilm – „Shrek“ und „Over the Hedge“ einmal ausgenommen – wirklich überzeugen konnte. Leider schaffen es auch die vier Ausbrecher nicht annähernd am Tron von Pixar zu rütteln.

Es hapert wieder einmal an der Geschichte. Zwar ist die Grundidee ganz nett, doch in der Ausführung plätschert die Handlung leider nur vor sich hin. Es gibt ein paar nette Szenen, ein paar einfallslose Szenen und ehe man sich versieht ist der Film auch schon wieder vorüber. Was bleibt in Erinnerung? Fast nichts. Der Film hat nett unterhalten, aber das tun viele. Insofern eine kleine Enttäuschung, zumal „Madagascar“ inzwischen eine große Fangemeinde hat.

Technisch ist der Film absolut top! Da gibt es wirklich nichts zu meckern. Auch der ungewöhnliche Stil gefällt. Einmal was anderes im CG-Einerlei. Teils haben mich die Stilisierungen etwas an die Musikszenen in Disneys „Der König der Löwen“ erinnert. Auch das Licht war oft extremer, als man es vom eher naturalistischen Ansatz vieler Animationsfilme kennt.

„Madagascar“ ist für Kinder bestimmt ein Hit – für erwachsene Zuschauer ist er oft zu albern und zu oberflächlich. Ich habe mich zwar ganz gut unterhalten, doch werde ich morgen wohl nicht einmal mehr wissen, ob die Tiere nun auf der Insel geblieben sind oder nicht. Nett: 6/10 Punkte.