RED (Retired Extremely Dangerous)

Nach einem auslaugenden Arbeitstag hatte ich mich sehr auf einen entspannten Filmabend gefreut. Da in letzter Zeit etliche Blindkäufe ihren Weg in meine Sammlung gefunden haben, war die Qual der Wahl groß. Letztendlich haben wir uns auf „RED“ (Retired Extremely Dangerous) geeinigt, der genau das richtige Maß an Unterhaltung versprach. Schließlich muss man auch bei der Filmwahl stets die eigenen Aufmerksamkeitsdefizite mit einkalkulieren…

Robert Schwentkes („Flightplan“) Actionkomödie hat größtenteils ziemlich gute Kritiken bekommen, dennoch hatte ich den Film nie so richtig auf dem Radar. Mit Bruce Willis, John Malkovich, Helen Mirren und Morgan Freeman in den Hauptrollen, wollte ich jedoch auf jeden Fall einmal reinschauen. Die Besetzung ist es auch, die den Film über den Genredurchschnitt hebt. Neben den genannten Schauspielgrößen sind es jedoch vor allem Mary-Louise Parker und Richard Dreyfuss, die mich überzeugt haben. Karl Urban kann seinem Anspruch einen ebenbürtigen Gegenspieler darzustellen dagegen leider nie ganz gerecht werden.

Die Geschichte des Films ist eher ein Deckmantel für diverse Actioneinlagen und humorvolle Szenen, die meist auf das Alter der Protagonisten anspielen. Ein wenig Verschwörung, ein wenig Rache und viel Action. Nichts Besonderes, aber genug um den Film zu tragen. Am besten hat mir jedoch die erste Hälfte des Films gefallen, in der vor allem die Charaktere eingeführt und etabliert werden. Gegen Ende verliert sich „RED“ dagegen in ungefähr schon ein gutes dutzend Mal gesehen Konflikten und deren gewaltsamer Bewältigung.

Erwähnen sollte ich vielleicht noch die stimmige – wenn auch immer etwas zu glatt wirkende – Inszenierung. Florian Ballhaus fängt unsere Altstars gekonnt ein und weiß mit netten Kameraspielereien zu punkten. Alles in allem ist „RED“ eine unterhaltsame Actionkomödie, die in ihren besten Momenten ein wenig an James Camerons „True Lies“ erinnert, größtenteils aber auf zu vorhersehbare Kost setzt und hauptsächlich durch ihre Darsteller zu überzeugen weiß: 6/10 Punkte.

Edit: Nachdem ich die Handlung des Films nur zwei Tage nach dessen Sichtung schon wieder komplett vergessen habe, mir aber immerhin noch einige unterhaltsame Szenen in Erinnerung sind, musste „RED“ nachträglich eine leichte Abwertung (um 1 Punkt) hinnehmen.

Daybreakers (2009)

Es gibt Filme, die eine fantastische Prämisse besitzen. So gelungen, dass ich sie stets am liebsten sofort sehen würde. Oft jedoch bleibt die Umsetzung der Grundidee dann leider hinter den Erwartungen zurück. Auch „Daybreakers“ der Spierig-Brüder ist solch ein Film, dessen Sichtung ich kaum abwarten konnte und der letztendlich weniger aus seiner Prämisse herausholte, als in meinen Augen möglich gewesen wäre.

Es ist die Zeit in der Vampire die Welt beherrschen. Die Menschheit ist bis auf ein paar wenige Überlebende ausgerottet bzw. verwandelt worden. Die Nahrung wird knapp und es ist an der Zeit neue Resourcen zu erschließen. Eine fantastische Ausgangssituation! Alleine die Beschreibung des Films zu lesen hatte meine Fantasie beflügelt. Der Einstieg ist auch wirklich gelungen. Man bekommt eine dystopische Welt zu sehen, in der sich Vampire so gut es geht durch ihr Leben Untotendasein schlagen. Eine große Hungersnot aufgrund immer knapper werdender Nahrungsmittel, sprich Menschen, wird angedeutet. Eine globale Krise, die inzwischen bis in die Großstädte vordringt. Davon hätte ich gerne mehr gesehen. Leider jedoch wird schon bald eine eher actionreichere Gangart eingeschlagen, welche die etwas ungelenk Handlung voranstolpern lässt.

Teils schien es mir als wären zwei unterschiedliche Filme zusammengeschnitten worden: Ein dystopischer Film noir, dessen kühle Charaktere existenzielle Fragen aufwerfen und mit sich und ihrem Schicksal hadern, und ein recht splattriger Actionfilm, der weit mehr auf Effekte, als auf Geschichte und Charaktere Wert legt. Hinzu kommt, dass sich die Wendungen mit dem Holzhammer ankündigen und so mancher Erzählfaden mehr schlecht als recht zu Ende geführt wird.

Mich haben beide Elemente von „Daybreakers“ ziemlich gut unterhalten. Die große Genrehoffnung ist der Film aber leider nicht. Dazu ist er zu unausgewogen inszeniert, die Charaktere sind zu schwach gezeichnet und die Geschichte bleibt in letzter Konsequenz zu oberflächlich. Dennoch möchte ich den Spierig-Brüdern ihren Innovationswillen zugute halten. Vampirfreunde abseits von „Twilight“ und Co. sollten auf jeden Fall einen Blick riskieren: 6/10 Punkte.

Cargo (2009)

Nachdem mich Christian Alverts atmosphärischer Sci-Fi-Schocker „Pandorum“ erst kürzlich nahezu vollends zu überzeugen wusste, haben mir C4rter und Lars den den schweizer Genrefilm „Cargo“ ans Herz gelegt. Die mit 5 Mio. CHF (ca. 3,8 Mio. Euro) relativ günstige Produktion hatte aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte sowieso schon mein Interesse geweckt, jedoch hatte ich stets Angst nur einen etwas größeren Amateurfilm zu sehen zu bekommen.

Die Angst war glücklicherweise weitgehend unbegründet. Dennoch stellt sich mir nun natürlich die Frage, nach welchen Maßstäben „Cargo“ am besten zu bewerten ist. Sollte man seine Entstehungsgeschichte berücksichtigen oder ihn direkt mit seinen Genrekollegen vergleichen? Ich habe mich für letztere Möglichkeit entschieden, denn dies dürfte weitgehend unverfälscht zeigen, welches Potential doch in diesem kleinen Film steckt. So oder so sollte man sich als Filminteressierter mit der 9-jährigen Entstehungsgeschichte des Films auseinandersetzen. Es lohnt sich.

Der Film beginnt mit einer äußerst beeindruckenden CGI-Sequenz, welche uns eine gigantische Raumstation zeigt. Überhaupt kann man den Effekten nichts ankreiden. Sie unterstützen allesamt die Geschichte und zeigen uns teils beeindruckende Welten. Besonders der Frachtraum ist hier als besonders gelungen hervorzuheben. Überhaupt merkt man dem Film an, dass sich viele Gedanken um das Produktionsdesign gemacht wurden. Die stärksten Elemente erinnern hier an Filme, wie „Blade Runner“ oder „Alien“ – bei manchen Sets fällt das knappe Budget dann allerdings doch leider negativ auf.

Die Geschichte des Films erinnert anfangs, wie man auch überall liest, an Ridley Scotts Sci-Fi-Klassiker „Alien“, ohne jedoch auch nur zu irgendeinem Zeitpunkt dessen Intensität zu erreichen. Gegen Ende des Films werden dagegen Erinnerungen an „Matrix“ wach, was eine nette Wendung darstellt, insgesamt aber zu unaufregend erzählt wird. Hier sehe ich auch das große Manko des Films: Die Geschichte ist für sich genommen recht nett und hat durchaus Potential, doch das – um es neudeutsch auszudrücken – lahme Pacing des Films will oft nicht so recht funktionieren. Es fehlt an Geschwindigkeitswechseln und dramatischen Szenen. Der Film wirkt zu sehr, als würde er auf Schienen laufen.

Trotz meiner Kritikpunkte sollten sich Sci-Fi-Freunde „Cargo“ durchaus einmal ansehen. Die Mischung aus Big Budget Bildern und recht deutsch bzw. schweizerisch wirkendem Kammerspiel hat man so auf jeden Fall noch nie gesehen. An seine Vorbilder kommt der Film natürlich nicht heran, doch das was er erreicht, muss man erst einmal nachmachen. Interessant, anders und für Genrefans auf jeden Fall sehenswert: 6/10 Punkte.

Bee Movie: Das Honigkomplott

Nach einer viel zu kurzen Silversternacht und einem relativ geschäftigen Neujahrstag, war abends seichte Unterhaltung gefragt. Da ich Dreamworks‘ „Bee Movie: Das Honigkomplott“ sowieso schon länger einmal sehen wollte, kam mir die TV-Austrahlung gerade recht. Schade nur, dass ich somit auf den englischen Originalton verzichten musste.

Was hatte ursprünglich mein Interesse an „Bee Movie“ geweckt? Natürlich das aktive Mitwirken von Jerry Seinfeld, dessen TV-Serie „Seinfeld“ auch heute noch zu meinen absoluten Lieblingen zählt. Konnte denn auch etwas von dem oft respektlosen und anarchischen Humor in die bunte Cartoonwelt hinübergerettet werden? Zumindest zum Teil. Besonders wenn man bedenkt, dass es sich hier um einen auf Kinder zugeschnittenen Animationsfilm handelt, so sind manche Gags doch herrlich absurd.

Am meisten Probleme hatte ich wohl mit der nur recht oberflächlichen Charakterisierung der Hauptfiguren und der Prämisse, dass eine Biene beinahe schon selbstverständlich mit den Menschen interagiert. Das Thema Suspension of Disbelief hätte hier wahrlich mit mehr Fingerspitzengefühl angegangen werden können. Hat man die Situation aber erst einmal akzeptiert, dann macht die Geschichte durchaus Spaß. Leider jedoch geht ihr größtenteils das Herz und die erzählerische Dichte von vielen anderen Animationsfilmen – sprich den Werken aus dem Hause Pixar – ab.

Zu bewundern gibt es etliche virtuelle Gaststars – wie z.B. Sting, Ray Liotta oder Larry King – und auch die restlichen Charaktere sind ihren menschlichen Vorbildern nachempfunden: Patrick Warburton (Jeff Bingham, „Rules of Engagement“) konnte ich z.B. auch in der Synchro eindeutig identifizeren. In diesen Szenen macht der Film dann auch dem erwachsenen Publikum Spaß. Der Rest ist nett animiert, doch zu vorhersehbar und nach Schema F erzählt.

Betrachtet man „Bee Movie“ als neues Werk von Jerry Seinfeld, wird man vermutlich enttäuscht werden. Sieht man ihn aber als klassischen Animationsfilm, weiß man wohl schon eher die teils seltsam anmutenden Gags zu schätzen. Leider kein ganz großer Wurf, doch für knapp 90 Minuten durchaus unterhaltsam: 6/10 Punkte.

Für immer Shrek – OT: Shrek Forever After

Als Dreamworks 2001 „Shrek“ in die Kinos brachte, war ein neuer Klassiker des Animationsfilms geboren. Knapp 10 Jahre später nahm der grüne Oger mit „Für immer Shrek“ Abschied von der Leinwand. Ob das große Finale besser gelungen ist, als der von vielen Kritikern vernichtend besprochene Vorgänger? Man durfte gespannt sein…

Schon nach den ersten paar Minuten war mir klar: Die Magie ist weitgehend verschwunden. Bereits „Shrek der Dritte“ – der mir immerhin besser gefiel, als den meisten Zuschauern – hatte viel vom anarchischen Zauber der Vorgänger eingebüßt. Das beinahe schon satirische Märchenreich des Ogers wurde zu dem, was es selbst einmal durch den Kakao gezogen hat: Eine zuckersüße Bonbonwelt mit klischeehaften Charakteren und einer nur netten Geschichte.

Trotz des fehlenden Zaubers, versprach „Für immer Shrek“ zunächst eine immerhin mitreißende Geschichte zu erzählen. Ich liebe Handlungsstränge, die in Paralleluniversen spielen. Alternative Realitäten und so. Dafür bin ich wirklich immer zu haben. Hier jedoch vermisste ich bei diesen Ansatz die knackigen Ideen. Letztendlich wurde abermals die gleiche Geschichte abgespult, nur um am Ende mit einer Holzhammerbotschaft ins letzte Happy End der Reihe zu gehen.

Besonders schade ist, dass der Film eigentlich alle Knöpfe drückt, um ein Erfolg zu werden: Es gibt schöne Reminiszenzen an die ersten Teile, es gibt eine relativ vielversprechende Prämisse und es gibt einen interessanten Bösewicht, der letztendlich leider auch nicht das halten kann, was zunächst versprochen wird. Mir ist es vorgekommen, als wäre dem Film immer kurz vor dem nächsten großen Lacher die Luft ausgegangen. Nicht wirklich schlecht, sogar stets unterhaltsam, aber eben nicht konsequent durchdacht.

Freunde der Reihe werden bestimmt wieder 90 Minuten Spaß mit Shrek, Esel und Co. haben. Ich für meinen Teil habe mich durchaus amüsiert, musste aber immer öfter wehmütig an die wunderbaren Vorgänger denken. Somit bin ich nicht traurig, dass es sich hiermit um den – so hoffe ich zumindest – letzten Teil der Reihe handelt. Man sollte eben aufhören, wenn es am schönsten ist – und nicht erst zwei Filme danach: 6/10 Punkte.

Zimmer 1408 – Director’s Cut – OT: 1408

Da war er wieder, der Tag an dem man selbst Genrehasser dazu bringen kann einen Gruselfilm zu schauen: Halloween. Folglich haben wir uns gestern wieder einmal zusammengefunden, um dem filmischen Horror zu frönen. Die Wahl fiel auf Mikael Håfströms „Zimmer 1408“ im Director’s Cut. Der Film versprach altmodischen Spukhausgrusel nach Stephen King und konnte dieses Versprechen anfangs auch noch einlösen…

Die ruhige und ausführliche Einführung der Hauptfigur sowie der Prämisse des Films hat mir wirklich sehr gut gefallen. Die Atmosphäre schwankt zwischen beunruhigend und zynisch, was auch den Charakter des von John Cusack gespielten Autors Mike Enslin beschreibt. Auch die Ankunft im titelgebenden Zimmer konnte mich noch überzeugen. Die ersten Anzeichen des aufsteigenden Horrors waren toll gespielt und inszeniert, doch dann? Billige Effekthascherei. Als hätte Stephen Spielberg den Hai bereits in der ersten Szene gezeigt. So etwas macht man einfach nicht.

Mit der Visualisierung der ersten Schrecken des Zimmers nimmt auch plötzlich die bisher durchaus spürbare Spannung ab. Ehemalige Opfer werden als seltsame Fernsehbildgeister eingeblendet. Bereits dutzende Male gesehen und einfach nicht mehr gruselig. Die sonstigen Attacken des Zimmers werden zudem viel zu detailreich gezeigt, als dass man sich wirklich fürchten könnte. Was ist aus Andeutungen geworden? Mysteriösen Schatten? Wirklich schade, da das Zimmer an sich durchaus Gruselpotential geboten hat.

Die weitere Handlung – samt ihrer mehr oder minder vorhersehbaren Wendungen – war dann zwar nett anzusehen, doch blieb sie überraschend spannungsarm. Mit Einzug des persönlichen Dramas unseres Autoren in die Geschichte, war der weitere Verlauf dann auch unvermeidlich. Im Gegensatz zur Kinofassung endet der Director’s Cut ziemlich düster, wenngleich sich der Verlust der Charaktere nicht auf mich als Zuschauer übertragen wollte.

Letztendlich ist „Zimmer 1408“ ein relativ durchschnittlicher Gruselfilm mit nettem Setting und brauchbarer Geschichte. Leider hat man wieder einmal gemeint, dem Publikum alles zeigen zu müssen, was in meinen Augen – wenn es nicht richtig angepackt wird – der Todesstoß für Filme dieses Genres ist. Durchaus nett anzusehen, aber eben auch nicht mehr: 6/10 Punkte.

Kampf der Titanen – OT: Clash of the Titans (2010)

Manche Filme sieht man sich an, obwohl man es eigentlich besser wissen müsste. Auch Louis Leterriers „Kampf der Titanen“ wurde von der Kritik übelst verrissen, doch als ich den Trailer damals im Kino sah, wusste ich: Das wird bestimmt ein großer Spaß! Alleine schon aufgrund des Kraken. Eine böse Fehleinschätzung meinerseits?

Glücklicherweise nicht. Leterriers Remake des 1981er Stop-Motion-Fantasyhits hat durchaus seine Momente. Natürlich sollte man als geneigter Zuschauer weder gigantischen Monstern noch überproduziertem Fantasy-Quatsch abgeneigt sein. Egal ob „Der Herr der Ringe“ oder „Fluch der Karibik“ – es gibt wohl kaum einen erfolgreichen Genrefilm der letzten 10 Jahre, aus dem hier nicht beliebig geklaut wurde. Doch das fällt angesichts der hanebüchen erzählten Geschichte glücklicherweise kaum noch ins Gewicht.

Richtig Spaß macht der Film in seinen überbordenden Actionsequenzen. Wenn Perseus mit seinen Kumpanen gegen fliegende Monster, riesige Skorpione oder den Kraken kämpft, dann bleibt kein Auge trocken. In diesen Szenen hat mein kleines Monsterfilmherz aufgeregt geklopft, nur um während der Szenen im Olymp kräftig ins Stolpern zu kommen. Natürlich ist auch diese himmlische Soap Teil des Films, doch musste man unbedingt Liam Neeson und Ralph Fiennes in albernen Kostümen so unmotiviert chargieren lassen?

Inszenatorisch hat die 2010er Version von „Clash of the Titans“ – einmal abgesehen von den irritierenden Szenen im Olymp – durchaus einiges zu bieten. Die Action ist wirklich schön anzusehen und auch die diversen Wanderungen unserer mutigen Recken sind wunderbar in Szene gesetzt. Insofern hatte ich durchaus meinen Spaß mit dem Film, wenngleich er mir auch nicht länger in Erinnerung bleiben wird. Großer Fantasy-Quatsch eben: 6/10 Punkte.

The Book of Eli

Es gibt Genres, die eine große Anziehungskraft auf mich ausüben. Zu diesen gehören alle Unterarten des Endzeitfilms. Das Leben nach der Apocalypse. Wie auch immer diese ausgesehen haben mag. Folglich war es nur eine Frage der Zeit, bis mir „The Book of Eli“ der Hughes-Brüder über den Weg läuft. Der Trailer sah interessant aus und so erhoffte ich mir neue Aspekte trotz der nur allzu bekannten Prämisse.

Audiovisuell ist der Film absolut beeindruckend. Stilisierte Endzeitbilder, die man in dieser Form wohl noch nicht gesehen hat. Entsättigte Landschaftsbilder werden von einem eindringlich wummernden Score begleitet. Unzählige Farbfilter geben der Wanderung unseres Helden einen surrealen Touch. Nein, diese Welt ist nicht mehr die unsrige. So wunderbar Elis Streifzug durch das wüstenartige Amerika auch anzusehen ist, so sehr hält uns diese überstilisierte Form der Inszenierung auch auf Distanz. Es fällt schwer Zugang zu dieser Welt zu finden.

Die Handlung des Films ist von Anfang auf mysteriös getrimmt. Der einsame, wortkarge Held mit undurchsichtiger Mission. Leider jedoch wirkt gerade dieser Mystery-Aspekt seltsam fehl am Platz. Eli scheint unverwundbar und was es mit dem Buch auf sich hat, erschließt sich schon alleine aufgrund des Filmtitels. Besonders das Ende des Films wirkt hier extrem aufgesetzt und gezwungen. Ja, man kann religiöse Schriften so oder so auslegen. Gutes oder Schlechtes mit ihnen bewirken. Keine Frage. Mich stört nicht der Grundgedanke des Films, sondern das reichlich platte Drehbuch. Ein fähigerer Autor hätte da wahrlich mehr herausholen können.

Richtig gut gefallen hat mir das westernartige Duell zwischen Eli (Denzel Washington) und Carnegie (Gary Oldman). Hier wird eine schöne Atmosphäre heraufbeschworen, die in ihren besten Momenten an die „Mad Max“-Trilogie erinnert, deren Qualität jedoch zu keinem Zeitpunkt erreicht wird. Trotz teils völlig überzeichneter Charaktere nimmt sich der Film viel zu ernst, was natürlich auch in seiner Thematik begründet ist. Dennoch hätte man da – nein, das Drehbuch ist wirklich nicht gelungen – etwas mehr Fingerspitzengefühl beweisen können.

Endzeitfans dürften, trotz seiner Schwächen, Spaß an dem Film haben. Die spärlich eingesetzte Action ist zwar fragwürdig, aber stets gut inszeniert. Leider ist die Geschichte größtenteils recht hanebüchen, was – besonders gegen Ende – ziemlich viel kaputt macht. Zum einmal Schauen kann man jedoch durchaus eine Empfehlung aussprechen. Man sollte sich nur nicht zu viel erwarten: 6/10 Punkte.

Verdammnis – OT: Flickan som lekte med elden

Kaum für das Heimkino erhältlich, habe ich Daniel Alfredsons Verfilmung des Stieg Larsson Bestsellers „Verdammnis“ auch schon gesehen. Wie bei den meisten Adaptionen mir bekannter Bücher waren die Erwartungen relativ hoch, wenngleich mir auch durchaus bewusst war, wie leicht es doch ist enttäuscht zu werden.

Im Gegensatz zur Verfilmung von „Verblendung“ – dem ersten Teil der „Millenium“-Trilogie – waren die allgemeinen Kritiken zum Nachfolger eher verhalten. Auch ich sah dem Film mit gemischten Gefühlen entgegen, da die beiden Fortsetzungen ursprünglich für das Fernsehen geplant waren und nur aufgrund des großen Erfolgs ihres Vorgängers eine Kinoauswertung erfahren haben. Ob sich dies – samt Wechsel auf dem Regiestuhl – tatsächlich auf die Qualität der Umsetzung ausgewirkt hat?

Leider ja. Daniel Alfredson filmte seine Version von Stieg Larssons düsterer Welt deutlich uninspirierter als noch Niels Arden Oplev den Vorgänger. Die Kamera scheint immer ein unbeteiligter Beobachter zu sein. Kühl und distanziert. Auch die Figuren bleiben deshalb auf Distanz zum Zuschauer, was der Geschichte nicht zugute kommt. Durch die fehlende Vision des Regisseurs sieht „Verdammnis“ leider tatsächlich ziemlich oft nach TV-Krimi aus, wenngleich er – aufgrund seiner Romanvorlage – ungleich drastischere Szenen zu bieten hat.

Inhaltlich kann man dem Film keine allzu großen Vorwürfe machen. Die Geschichte wird bis auf das nötigste heruntergekocht, die spannenden Recherchen fehlen natürlich, doch was gezeigt wird macht durchaus Sinn und wird mit viel Liebe zum Detail erzählt. Kenner der Vorlage dürfen sich über größtenteils stimmungsvolle Locations sowie einen spannenden Schlussakt freuen. Neueinsteiger werden dagegen wohl so einige Probleme haben der Geschichte zu folgen.

Ich für meinen Teil bin insgesamt doch recht zufrieden mit dieser Adaption. Etwas mehr Budget und vor allem ein mutigerer Regisseur wären natürlich wünschenswert gewesen. So allerdings kann „Verdammnis“ seinen TV-Look nie ganz abstreifen, was vielen Szenen leider ihre Intensität nimmt. Nicht schlecht, doch da wäre mehr drin gewesen: 6/10 Punkte.

Fanboys (2009)

Zum 30. Jubiläum von „Star Wars“ wurden zwei Filme angekündigt, die sich dem Thema aus Sicht der Fans annehmen sollten. Der erste war Patrick Read Johnsons – bisher immer noch unveröffentlicher – „77“ (ehemals „25-5-77“) und der zweite Kyle Newmans „Fanboys“, welcher eine äußerst turbulente Entstehungsgeschichte hinter sich hat. Sieht man diese dem Film an?

Zum Hintergrund: Kurz bevor der Film veröffentlicht werden sollte, wurde dieser von seiner Produktionsfirma The Weinstein Company umgeschnitten und um einen der Haupthandlungsstränge erleichtert. Nach schlechter Publicity aufgrund dieser Kürzung wurde letztendlich entschieden eben diesen gekürzten Handlungsstrang doch wieder in den finalen Schnitt des Films aufzunehmen. Ob mit der aktuellen Version nun ein echter Director’s Cut vorliegt oder nur eine annähernd rekonstruierte Fassung scheint jedoch niemand so genau zu wissen. Ob es das Drama überhaupt wert war?

In meinen Augen nicht. Ich kann durchaus verstehen, warum den Weinsteins der Handlungsstrang um die tödliche Krebserkrankung nicht ins Konzept passte. Er fügt sich einfach nicht in den restlichen Film ein. Emotional passiert da nichts. Die Geschichte geht im restlichen Klamauk völlig unter und man hätte die Schwerpunkte von Grund auf anders verteilen müssen. Dann jedoch wäre der Film in Richtung emotionales Drama gekippt und so wie „Fanboys“ vermarktet wurde, wäre dies wohl auch keine Lösung gewesen. Ich möchte die Praktiken der Weinsteins hiermit nicht gutheißen – und offensichtlich war deren nachbearbeitete Version noch inkonsistenter – doch hier haperte es einfach bereits am Drehbuch.

Abgesehen von der Unstimmigkeit in der Prämisse (man hätte wahrlich irgendeinen Grund zwischen tödlicher Krankheit und reiner Schnapsidee finden können) bietet der Film teils wirklich fantastische Unterhaltung. Die Gags werden zwar oft mit der Brechstange präsentiert, doch treffen sie fast immer ins Schwarze. Die Helden sind genau so nerdig, wie sie eben sein müssen und werden zudem von einer wunderbaren Kristen Bell („Veronica Mars“) unterstützt. Herrlich sind ebenso die Cameos, allen voran William Shatner.

Am Ende lässt mich der Film – obwohl ich im Mittelteil wirklich viel Spaß mit ihm hatte – doch etwas unbefriedigt zurück, was zum größten Teil an der emotional unstimmigen Rahmenhandlung liegt. Auch wenn der Film für echte Fanboys durchaus den einen oder anderen Blick wert ist, hätte ich mir insgesamt irgendwie mehr erwartet: 6/10 Punkte. Nun wäre es an der Zeit, dass „77“ einmal zeigt, wie man es besser macht…