Parenthood – Season 5

Unglaubliche dreieinhalb Jahre hat es gedauert, bis ich eine meiner erklärten Lieblingsserien weiterschauen konnte. Doch seit ein paar Wochen befindet sich die komplette Serie (ganz klassisch auf DVD) in meinem Besitz und tatsächlich konnte ich es nicht erwarten, endlich „Parenthood – Season 5“ anzugehen – und ja, es war war wirklich wie nach Hause kommen. Ich hatte die Bravermans vermisst und weiß jetzt schon, dass der Abschied nach der finalen Staffel schwer werden wird. Doch nun erst einmal zum turbulenten fünften Jahr…

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Die Serie hatte über ihre gesamte Laufzeit mit der drohenden Absetzung zu kämpfen. Somit gab es nur zwei Staffeln mit komplett 22 Episoden – zu diesen gehört auch die fünfte Staffel. Vielleicht liegt es auch an den vielen Episoden, dass die Staffel teils ein wenig vollgestopft und so manche Charakterentwicklung zu sprunghaft wirkt. Speziell der Handlungsstrang um Julias und Joels Trennung hat durchaus öfter an meinen Nerven gezehrt. Nicht weil dieser schlecht geschrieben wäre, sondern weil noch so viel nebenbei passiert, dass ich das Gefühl hatte, den Charakteren wird zuwenig Freiraum gegeben, um ihre Entscheidungen für den Zuschauer nachvollziehbar zu begründen. Ist das einigermaßen verständlich?

Abseits von diesem Kritikpunkt habe ich mich jedoch maßlos gefreut, dass ich so lange an dieser Staffel hatte. Hach. Die Serie ist einfach wunderbar in ihrer Emotionalität. Ich musste mehrmals ein Tränchen verdrücken, habe gelacht, mich mit den Bravermans gefreut und mit ihnen gelitten. Die Mischung aus Drama und Komödie funktioniert dabei wieder außergewöhnlich gut und der Übergang ist meist subtil. Es ist ein idealisiertes Familienleben, das jedoch nicht ohne Probleme und Schwierigkeiten charakterisiert wird. Vermutlich erkennt man als Familienmensch etliche Szenen wieder, würde sich wünschen, dass es in der eigenen Familie auch so wäre und ist doch froh, die dramatischen Entwicklungen nicht mitmachen zu müssen.

Nach meiner Sichtung dieser vorletzten Staffel fällt es mir schwer, meine liebsten Handlungsstränge zu benennen. Die meisten Geschichten haben mir wirklich sehr gut gefallen. So auch der Wahlkampf von Kristina um das Amt des Bürgermeisters von Berkeley. Oder die Gründung des Luncheonette-Labels samt Verstrickungen rund um egozentrische Musiker und das Zusammenspiel zwischen Crosby und Adam. Auch sehr schön fand ich, dass Zeek und Millie einen bedeutsamen Handlungsstrang spendiert bekommen haben, dessen Ende äußerst emotional für alle Beteiligten ist. Ein sehr rundes Ende, das auch als Serienfinale gut funktioniert hätte. Am schwächsten fand ich dagegen, wie schon erwähnt, die Entwicklungen von Julia und Joel sowie Amber und Ryan. Aber das ist jammern auf extrem hohem Niveau.

Für mich ist „Parenthood“ nach wie vor eine fantastische Serie, die das Thema Familie wunderbar warmherzig und doch realistisch erzählt. Die tollen Schauspieler (unter anderem Lauren Graham und Peter Krause) tragen ihren Teil dazu bei, dass man einfach nicht anders kann als sich bei den Bravermans wohl zu fühlen. Nun gibt es nur noch 13 Episoden und mich graust es jetzt schon vor dem Abschied. Eine wirklich herausragende Serie der „Friday Night Lights“-Macher: 9/10 (9.0) Punkte.

Erbarmen – OT: Kvinden i buret (2013)

Jetzt hat mich die Erkältung, die bereits meine ganze Familie seit über einer Woche plagt, doch noch eingeholt. Somit hat sich der Arbeitstag ziemlich gezogen und ich bin abends müde aufs Sofa gefallen. Einen Film gab es dennoch: Die Verfilmung des Jussi-Adler-Olsen-Romans „Erbarmen“ wollte ich schon lange sehen und die sommerlichen Temperaturen, die seit heute herrschen, schienen mir wie gemacht, um in die düsteren Bildwelten eines skandinavischen Krimis abzutauchen…

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Meine Erinnerungen an die Vorlage waren vor der Sichtung nur noch rudimentär vorhanden, sind doch ziemlich genau 5 Jahre vergangen, seit ich das Buch gelesen habe. Unglaublich wie die Zeit rennt, doch das ist ein anderes Thema. Mit dem Voranschreiten der Geschichte wurden auch meine Erinnerungen wieder entfacht und mir fielen wieder etliche Details ein. Auch wenn ich mir die Hauptfigur anders (älter und abgehalfterter) vorgestellt hatte, so muss ich doch sagen, dass Mikkel Nørgaard Adler-Olsens Roman ziemlich perfekt umgesetzt hat. Die Atmosphäre trifft die der Vorlage und das Zusammenspiel zwischen den beiden Hauptfiguren Carl Mørck und Assad ist wahrlich eine Freude. Hinzu kommen kinoreife Bilder und eine Thriller-Handlung, die sich hinter dem typischen US-Krimi nicht zu verstecken braucht.

Auch wenn man der Rahmenhandlung rund um das Sonderdezernat Q anmerkt, dass man es hier mit einer Krimi-Reihe zu tun hat, die ebenso gut in Form einer TV-Serie hätte erzählt werden können, so funktioniert dieser eine Fall rund um eine vor Jahren verschwundene Politikerin erstaunlich gut. Wenn ich einen Krimi sehen will, dann sollte er ziemlich genau so aussehen und erzählt werden. Das bringt mich dann auch wieder zu deutschen Krimi-Erzeugnissen, wie dem allseits beliebten „Tatort“, den ich mir aus lokalpatriotischen Gründen kommenden Sonntag tatsächlich einmal wieder ansehen muss werde. Und ich weiß jetzt schon, dass Welten zu der Qualität dieses dänischen Krimis klaffen werden. Aber ich lasse mich ja gerne positiv überraschen…

Lange Rede, kurzer Sinn: Wer Lust am skandinavischen Krimi-Kino hat, der sollte sich „Erbarmen“ auf keinen Fall entgehen lassen. Ich war hoch erfreut den auf zwei Zeitebenen erzählten Thriller so kompetent und kunstvoll adaptiert zu sehen und werde mir demnächst bestimmt auch die Verfilmung des Nachfolgers „Schändung“ ansehen. So macht Krimi-Unterhaltung Spaß: 8/10 Punkte.

Alpha House – Season 1 & 2

Nachdem ich mit der dritten Staffel von „Veep“ so viel Freude mit Comedy im politischen Zentrum der USA hatte, habe ich mich direkt im Anschluss der von Amazon produzierten Serie „Alpha House – Season 1 & 2“ zugewandt. Da die Episodenzahl begrenzt ist und eine dritte Staffel leider eher unwahrscheinlich erscheint, bekommt ihr gleich die Besprechung der gesamten Serie in einem Artikel…

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Im Mittelpunkt der Serie stehen vier republikanische Senatoren, die in Washington, D.C. in einer Art Wohngemeinschaft zusammenleben. Soweit die grundlegende Prämisse, die übrigens eine reale Vorlage besitzt – nur dass sich in der Realität demokratische Senatoren zu einer WG zusammengeschlossen haben. Während der ersten Staffel konnte ich eine interessante Beobachtung machen: Mir ist aufgefallen, dass die Geisteshaltung der Autoren eher der demokratischen Sichtweise entspricht. Den Witzen über die republikanische Senatoren fehlt somit ein wenig der Biss bzw. es wirkt beständig so als würden sich die Drehbuchschreiber nicht so richtig trauen oder nur auf Stereotype zurückgreifen. Bei „Veep“ hingegen wird stets in die Vollen gegangen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Demokraten nehmen sich selbst und den gesamten Politzirkus auf die Schippe. Hier jedoch scheint es so, als hätte man sich bewusst nicht zuweit vorgewagt.

Trotz des nicht allzu bissigen Humors, macht die Serie wirklich viel Spaß, besonders da mir die Charaktere speziell in der zweiten Staffel auch sehr ans Herz gewachsen sind. Man kennt ihre Eigenheiten und es gibt auch eine glaubwürdige Weiterentwicklung. Die Serie hat sich über ihren Verlauf also wirklich gemacht und ich finde es sehr schade, dass es im Moment nicht so aussieht, als würde Amazon noch eine dritte Staffel in Auftrag geben. Somit wird es vermutlich bei diesen beiden bleiben:

  1. „Alpha House – Season 2“ (8.3 Punkte)
  2. „Alpha House – Season 1“ (7.4 Punkte)

Solltet ihr Amazon Prime nutzen und Gefallen an US-Politik haben, dann kann ich euch die Serie trotz eines etwas holprigen Einstiegs nur ans Herz legen. John Goodman ist großartig und auch der restliche Cast (u.a. Clark Johnson, bekannt aus „The Wire“) überzeugt auf ganzer Linie. Reinschauen lohnt sich: 8/10  (7.9) Punkte.

Her (2013)

Zu Beginn meines Osterurlaubs hatte ich mir vorgenommen jeden Tag einen Film zu sehen. Da ich selbst wusste, dass dies äußerst unrealistisch sein würde, habe ich die Anzahl auf die Hälfte meiner Urlaubstage reduziert: fünf Filme sollten es also werden. Am achten Abend habe ich mit „Her“ nun meinen ersten Film gesehen. So ist das eben manchmal mit den Plänen. Und selbst diese Filmsichtung stand auf wackligen Beinen, haben wir doch den ganzen Tag in einem Freizeitbad verbracht und sind alle entsprechend müde. Ich habe als einziger länger als 20 Uhr durchgehalten und konnte den Film somit entsprechend genießen. Wenn auch allein. Wie passend…

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Was für ein wundersamer Film. Eine klassische Liebesgeschichte, wie man sie schon dutzende Male gesehen hat. Eine Utopie (oder Dystopie, darüber ließe sich trefflich streiten), welche unsere heutige Kommunikationswelt konsequent in die Zukunft trägt. Dann ein formal perfekt ausgestatteter Bilderrausch, der uns mit seiner seltsam retro-urbanen Ästhetik verführt. Spike Jonze („Wo die wilden Kerle wohnen“) zieht einmal mehr alle Register und drückt dieser ungewöhnlichen Geschichte so gekonnt seinen Stempel auf, dass man sich keine andere Inszenierung vorzustellen vermag. Da Jonze auch das Drehbuch geschrieben hat, wirkt „Her“ wie aus einem Guss, was beeindruckt aber auch leicht artifiziell wirkt. Sehr passend für diese Geschichte.

Was will uns „Her“ nun sagen? Dass wir alle zu sehr unsere zwischenmenschlichen Kontakte vernachlässigen und eine Beziehung mit unserem Smartphone führen? Ich vermute nicht – und doch kann man auch diesen wenig subtilen Aspekt in der Geschichte wiederfinden. Es geht um das große Thema Liebe, die Bedeutung von Körperlichkeit und – wenn man so will – Seelenverwandtschaft. Ebenso spielt das Thema Künstliche Intelligenz natürlich eine große Rolle und es ist wahrlich erfrischend zu sehen, dass man nicht plötzlich einen allwissenden virtuellen Stalker präsentiert bekommt, der unserer Hauptfigur das Leben zur Hölle macht. Oder Skynet auf kleinerem Level. Nein, Jonze bleibt seinem Thema treu und opfert die spannende Prämisse nicht dem billigen Effekt.

Auch wenn so manche Szene befremdlich wirken mag, schaffen es Joaquin Phoenix und Scarlett Johansson perfekt ihrer Beziehung einen emotionalen Kern zu verleihen. Gekonnt nimmt sich Jonze der Absurdität an und überträgt diese auch auf andere Bereiche dieser Retro-Zukunft (z.B. Theodores Beruf als Briefautor). Insgesamt wirkt „Her“ auf mich wie ein kunstvoll inszeniertes Kaleidoskop an Ideen und Ansätzen, das in eines der klassischsten Genres gegossen wurde. Ein ganz besonderer Film, der auf jeden Fall einer Zweitsichtung bedarf, damit ich auch seine wahre Wirkung auf mich entschlüsseln kann : 8/10 Punkte.

Castle – Season 6

Lange hat es gedauert, doch auch bei TV-Serien heißt aufgeschoben nicht aufgehoben – und so hat es „Castle – Season 6“ nach beinahe drei Jahren endlich in mein ganz privates Programm geschafft, was speziell meine bessere Hälfte erfreut hat. Es war übrigens das erste Mal, dass wir die Serie nahezu am Stück verfolgt haben. Somit war ich sehr gespannt, ob das Krimi-Procedural auch noch funktioniert, wenn man beinahe täglich eine Episode schaut…

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Die Freude um die Rückkehr zu Castle, Beckett und Co. war wirklich groß. Die Serie funktioniert einfach famos als Wohlfühlunterhaltung – und das trotz des Settings rund um Mord und Totschlag. Wie kein anderes Procedural dieses Genres schafft es die Serie Krimi und Komödie perfekt zu kombinieren, was neben dem sympathischen Nathan Fillion (Captain Mal Reynolds, „Firefly“ & „Serenity“) besonders an den außergewöhnlichen Fällen liegt: In der Vergangenheit gab es schon eine Zombie-Apokalypse zu bestehen und in dieser Staffel wird ein Zeitreisefall behandelt, der perfekt mit der Serienwelt harmoniert – und das ohne offensichtlich nur eine falsche Fährte zu sein. Auch wenn nicht jeder Fall wirklich außergewöhnlich ist, so ist „Castle“ doch das einzige Krimi-Procedural, das mir auch über längere Zeit Spaß bereitet.

Bis zur fünften Staffel hatte ich „Castle“ von Woche zu Woche verfolgt, doch bei dieser Sichtung stand beinahe täglich eine neue Episode auf dem Programm, was dem Sehgenuss letztendlich wohl eher abträglich war. Hier fällt dann doch die starke Formelhaftigkeit auf, was glücklicherweise durch die spielfreudigen Darsteller und die oft ungewöhnlichen Fälle aufgefangen wird. Dennoch keine Serie, die sich zum Binge-Watching eignet und lieber in kleineren Dosen genossen werden sollte. Dann funktioniert wohl auch die Rahmenhandlung rund um die bevorstehende Hochzeit und die damit verbundenen privaten Wirrungen besser. Immerhin wurde nun endlich das große Mysterium rund um den Mord an Detective Becketts Mutter aufgeklärt.

Mir hat auch das sechste Jahr rund um Richard Castle wirklich viel Spaß bereitet. Der Cliffhanger am Ende wäre dagegen nicht nötig gewesen, hat man diesen in ähnlicher Form doch bereits unzählige Male gesehen. Auf eine Rückkehr des ermittelnden Krimi-Autoren freue ich mich dennoch schon sehr. Dann werde ich ihn aber vermutlich wieder in weniger geballter Form besuchen: 8/10 (7.9) Punkte.

Men at Work – Season 2

So langsam beginne ich dank Streaming Serien weiterzuverfolgen, die zuvor bereits wieder von meinem Radar verschwunden waren. Kürzlich ist mir mit „Men at Work – Season 2“ eine Serie über den Weg gelaufen, die ich nie weitergeschaut habe, obwohl ich deren erste Staffel recht unterhaltsam fand. Da ich ohnehin auf der Suche nach einer 20-minütigen Sitcom war, kam mir die Serie gerade recht…

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Was für ein Vergnügen! Wie ich nach meiner Sichtung der ersten Staffel bereits beschrieben hatte, fühlt sich „Men of Work“ wie ein Relikt aus dem TV-Programm der 90er Jahre an. Inszenierung, Charaktere und Drehbücher wirken einfach aus der Zeit gefallen. Schon die musikalische Untermalung der Schauplatzwechsel löst bei mir Flashbacks zur goldenen Zeit der klassischen Sitcom mit Lachspur aus. Kaum zu glauben, dass diese Staffel erst 2013 gelaufen ist. Dabei habe ich nicht einmal das Gefühl, den Machern wäre diese nostalgische Komponente bewusst.

Auch dieses Jahr geben wieder erstaunlich viele Gaststars ihr Stelldichein: von J. K. Simmons („Whiplash“) über Jason Lee („My Name is Earl“) bis hin zu Ashton Kutcher, mit dem Danny Masterson ja bereits in „That ’70s Show“ aufgetreten ist. Dies zeigt deutlich, dass Showrunner Breckin Meyer sehr gut in Hollywood vernetzt ist.

Mit nur 10 Episoden ist die Staffel extrem kurz, gerade für eine klassische Sitcom. Auch wenn die Handlung alles andere als innovativ ist, so hätte ich doch gerne mehr davon gesehen. Einfach sympathische Unterhaltung, die gerade aufgrund ihrer altmodischen Aspekte erstaunlich anders wirkt. Habe ich wirklich sehr gerne gesehen: 7/10 (7.4) Punkte.

No Turning Back – OT: Locke (2013)

Die Qual der Filmwahl hat mich heute zu „No Turning Back“ geführt, von dem ich schon einiges – von Berichten in diversen Podcasts bis zu einem Artikel in der Empire – gehört hatte. Die Prämisse des Films schien mir ausreichend interessant und die Art der Inszenierung zudem sehr spannend zu sein. Im besten Falle ein packendes Drama, im schlechtesten ein anstrengendes Filmexperiment. Was hat Steven Knights ungewöhnlicher Roadmovie letztendlich zu bieten?

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Der im Original titelgebende Ivan Locke verlässt abends die Baustelle, deren Leiter er ist, steigt ins Auto und fährt für die kommenden 80 Minuten einem konkreten Ziel entgegen. Dies ist die gesamte Handlung dieses Kammerspiels auf Rädern. Unterdessen managt er private und berufliche Krisen, die seine gesamte Existenz und sein Wertesystem infrage stellen. Ein aus einem Moment der Schwäche geborener Fehler ist nicht ohne Konsequenzen geblieben und Locke ist entschlossen das Richtige zu tun – wohl auch, weil der Schatten seiner eigenen Vergangenheit drohend über ihm hängt. Eine ausweglose Situation, für die der Film letztendlich keine Lösung bereithält.

Trotz des eingeschränkten Settings wird der Film nicht langweilig, was wohl größtenteils an Tom Harys eindringlichem Spiel liegt. Man kann einfach mit ihm mitfühlen. Er versucht das Richtige zu tun und seinen Mann zu stehen, weiß jedoch gleichzeitig, dass er den Fehler nicht wieder gut machen kann. Eine ausweglose Situation, die durch die nächtliche Fahrt noch unterstützt wird: Locke ist ein getriebener, der im Rausch der Ereignisse selbst nicht vom Fleck kommt, egal wie vehement er kämpft. Er ist gefangen und kann sich nur treiben lassen. Dabei versucht Knight kein falsches Mitleid für seine Figur aufzubauen, sondern lässt ihn ungeschönt zum Spielball der Ereignisse werden, die er selbst losgetreten hat. Kontrollverlust und das Festhalten an Prinzipien sind die großen Themen des Films.

Ich hatte mich teils gefragt, ob „Locke“ als Hörspiel nicht (noch) intensiver gewesen wäre, denn obwohl der Film nur 80 Minuten Laufzeit hat und er visuell nett umgesetzt ist, wirkte die nächtliche Fahrt auf mich als Zuschauer beinahe ebenso ermüdend, wie für den Protagonisten. Letztendlich ist es tatsächlich ein etwas anstrengendes Filmexperiment, das glücklicherweise auch packendes Drama zu bieten hat. Aufgrund des bewusst eingeschränkten Settings hat mich der Film teils an „Buried“ erinnert, auch wenn es inhaltlich sonst keine Parallelen gibt. Anstrengend, packend und ein Tom Hardy in Bestform: 7/10 Punkte.

Betas – Season 1

Als ich mich vor gut zwei Monaten das erste Mal in die Welt des Streamings vorgewagt hatte, war ich natürlich sogleich auf der Suche nach sehenswerten Serien. Speziell die Eigenproduktionen von – in diesem Fall – Amazon haben mich gereizt und auch thematisch schien mir „Betas – Season 1“ ein lohnenswerter Einstieg zu sein. Als ich mit der Serie begonnen hatte, wusste ich allerdings noch nicht, dass nach einer Staffel mit nur 11 Episoden auch schon wieder Schluss sein sollte. Ob dies ein Verlust für die Serienwelt ist, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Man merkt sogleich, dass Amazon mit der Serie etwas erreichen wollte. Der Ausflug in die Startup-Szene San Franciscos ist hip inszeniert, man bekommt kontextrelevante Buzzwords in nahezu jedem Dialog um die Ohren gehauen und die Charaktere scheinen jedes Nerd-Klischee zu erfüllen, nur um diesen gleichzeitig zu widersprechen. Als jemand, der sich auch beruflich mit IT, Tech und Startups auseinandersetzt, habe ich mich sogleich zu Hause gefühlt, auch wenn der Einsatz von Buzzwords und so manchen hippen sprachlichen Ausdrücken teils ein wenig aufgesetzt wirkt. Dadurch ist es mir teils schwer gefallen, wirklich an die Charaktere heranzukommen. Erst in den letzten Episoden haben sich einzelne Handlungsstränge herausgearbeitet – und dann war die Serie auch schon wieder vorbei.

Ich fand es erfrischend eine Serie zu sehen, die sich nicht in erster Linie um Beziehungen dreht, sondern ein bisher noch ziemlich unbeleuchtet gebliebenes berufliches Umfeld als Arbeitsplatz-Comedy porträtiert. Die Darsteller sind allesamt absolut passend gewählt und mit Ed Begley Jr. gibt sogar ein immer wieder gerne gesehener Altstar sein Stelldichein. Ebenso gut wie das Ensemble hat mir die musikalische Untermalung gefallen, die sich angenehm vom Popgedüdel bekannterer Serien abhebt. Eine sympathisch Serie, wenn auch mit Ecken und Kanten.

Letztendlich hätte „Betas“ noch mindestens eine zweite Staffel Zeit gebraucht, um sich wirklich zu entwickeln. Gerade das Finale öffnet neue dramaturgische Wege, funktioniert jedoch auch einigermaßen gut als Abschluss. Oft noch ein wenig holprig in Ton und Handlung, machen die 11 Episoden auf jeden Fall viel Spaß und lassen mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf meine erste Amazon-Eigenproduktion zurückblicken: 8/10 (7.5) Punkte.

How I Met Your Mother – Season 9

Als ich Ende 2005 diese Sitcom entdeckte, war es sofort um mich geschehen – es war Liebe auf den ersten Blick und über die kommenden Staffeln sollte sich die Zuneigung festigen. In den letzten Jahren konnte die Serie jedoch nicht mehr an alte Erfolge anknüpfen, so dass ich das Finale „How I Met Your Mother – Season 9“ auch erst jetzt (ungefähr 2 Jahre nach der ursprünglichen Ausstrahlung) gesehen habe. Auch wenn ich bereits um den Inhalt des Endes wusste, hatte ich viel Spaß mit dieser letzten Staffel. Spoiler sind zu erwarten.

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Die Änderung des Erzählkonzepts hat tatsächlich wieder frischen Wind in die Serie gebracht: Die finalen 24 Episoden beleuchten ein einziges Wochenende, nämlich die Hochzeit von Robin und Barney. Dadurch wird einzelnen Situationen und Charakteren viel mehr Platz eingeräumt als in der bisherigen Struktur – und doch ist man nicht auf einen Schauplatz beschränkt, da es etliche Flashbacks und Flashforwards gibt. Diese lassen uns einen Blick in die Zukunft von Ted und der titelgebenden Mutter werfen und ermöglichen etliche Referenzen auf längst vergangene Staffeln. Dabei gehen die Autoren sehr selbstironisch damit um, so viel Zeit auf ein einzelnes Wochenende zu verwenden. Auch wenn das viele anders sehen werden, so funktioniert dieser Ansatz für mich perfekt und bildet einen gelungenen Rahmen für das große Finale.

Die letzte Episode samt Wendung wurde von den meisten Fans sehr negativ aufgenommen. Ich hatte mich leider schon im Vorfeld gespoilert, so dass der Schock während der Sichtung ausblieb. Vermutlich wäre ich auch nicht geschockt gewesen, denn Anzeichen für dieses Finale – die Mutter stirbt, Ted kommt doch noch mit Robin zusammen – wurden bereits einige Episoden zuvor angedeutet. Es schwang oft eine bittersüße Melancholie mit, die auch durch das nachgeschobene alternative Ende nicht aufgehoben werden kann, weshalb dieses für mich auch nicht funktioniert. Zudem muss man bedenken, dass die Serie auch zuvor schon ernstere Töne angeschlagen hatte, z.B. in der fantastischen Episode „Bad News“, in der Marshalls Vater sehr überraschend verstirbt. Es ist ein Finale, das auf jeden Fall Wirkung zeigt und mir auch in Erinnerung bleiben wird, ähnlich dem Serienende von „Roseanne“, das damals auch mit einer unerwartet tragischen Wendung aufzuwarten wusste. Zudem war dies wirklich einmal ein Ende, das von Anfang an exakt so von den Autoren geplant war, wie man an den Originalaufnahmen von Teds Kindern sieht – ja, ich schaue dich an, „Lost“!

Noch stärker als die Nachricht des Todes der Mutter, hat mich der Schnelldurchlauf durch die Stationen des Lebens der nur allzu bekannten Charaktere mitgenommen. Sie leben sich auseinander, die Familie wird immer wichtiger und über die Zeit lieb gewonnene Schauplätze werden verlassen. Ich mag dieses Gefühl der Melancholie, die wohl jeder nachvollziehen kann, der selbst in dem gezeigten Lebensabschnitt steckt oder diesen sogar schon hinter sich hat. Wie wohl kaum bei einer zweiten Serie hat sich mein Leben mit den Charakteren entwickelt: 2005 war ich selbst noch 25 Jahre alt, unverheiratet und ohne Kinder. Ted, Robin, Lilly, Marshall und Barney sind über den Lauf der Serie 10 Jahre älter geworden und haben neue Lebensabschnitte erreicht – und ich mit ihnen. Das macht die Serie für mich zu einem besonderen Erlebnis.

Da ich für die fünfte und sechste Staffel keine Punktwertungen aufgeschrieben habe, lasse ich an dieser Stelle die Rangliste der neun Staffeln bleiben. Es finden sich jedoch Besprechungen zu den ersten vier Staffeln hier im Blog (der Vollständigkeit halber: Staffel 7 bewertete ich mit 7.8 und Staffel 8 mit 7.3 Punkten)  – und ich bin mir sicher, die Serie irgendwann noch einmal komplett zu sehen. Für mich ist sie tatsächlich der legitime Nachfolger zu „Friends“ und es wird vermutlich dauern, bis es eine weitere Twentysomething-Sitcom schafft solch einen wunderbar harmonierenden Cast zusammenzutrommeln und über weite Strecken solch lustige und sympathische Geschichten zu erzählen. Diese letzte Staffel ist nicht ohne Fehler, doch weit besser als die meisten Kritiken vermuten lassen. Für mich ein absolut passendes Ende für diese großartige Serie: 8/10 (8.4) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

The Walking Dead – Season 4

Lange hat es gedauert, doch dank meiner neu entdeckten Streaming-Freiheit, habe ich „The Walking Dead – Season 4“ nun endlich gesehen. Auch wenn diese neue Art des Medienkonsums meine Sichtung durchaus geprägt hat, so möchte ich diesen Aspekt in der folgenden Besprechung nicht näher erörtern, sondern verweise auf meinen Artikel „Wie beeinflusst Streaming unser Sehverhalten?“ und wende mich nun den Walkern und den Überlebenden der Zombie-Apokalypse zu…

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Für mich ist es immer noch ein Rätsel, wie solch eine knallharte Zombie-Serie völlig im Mainstream angekommen sein kann und die größten Quotenerfolge feiert. Es wird mehr gesplattert als in heute immer noch beschlagnahmten Filmen aus den 70er Jahren und der Ton ist oft verdammt düster. Wieso kommt diese Serie beim Massenpublikum also so gut an? Ich kann es mir nur mit einer besonderen Form des Eskapismus erklären: Man kann mit „The Walking Dead“ in eine Welt abtauchen, in der unsere realen Probleme (Job, Geld usw.) völlig nebensächlich geworden sind und es im wahrsten Sinne des Wortes ums nackte Überleben geht. Hinzu kommt ein gewisser Soap-Opera-Charakter und Figuren, die uns Zuschauern ans Herz wachsen. Die Gewalt bedient unsere Urinstinkte und lässt uns den Alltag vergessen. Eben nicht Feel-Good-Eskaspismus, sondern die andere, düstere Art – eine Formel, die anscheinend funktioniert. Auch bei mir.

Inhaltlich geht die Serie konsequent weiter, erlaubt sich allerdings mehr narrative Freiheiten, als noch die vorangegangene dritte Staffel. Zu Beginn erleben wir eine Epidemie, die im Gefängnis ausbricht und bei der nicht nur unsere Charaktere einen Lagerkoller bekommen. Beklemmend, wenn auch ein wenig stagnierend. Weiter geht es mit zwei Episoden, die sich vollkommen dem Bösewicht des vorangegangenen Jahres widmen, was letztendlich zu einem alles verändernden Ereignis in der Mitte der Staffel führt. Bei „The Walking Dead“ ist eben keine Figur sicher. Danach wird alles anders und man verfolgt verschiedene Splittergruppen über mehrere Episoden hinweg. Dies ist größenteils gelungen, teils spannend, teils langatmig. Auf jeden Fall lernt man die Figuren besser kennen – und kaum fühlt man sich als Zuschauer einigermaßen sicher, zaubern die Autoren Wendungen aus dem Hut, die wie ein Schlag in die Magengrube sind. Fast schon anstrengend.

Am Ende der Staffel haben unsere Charaktere neue Weggefährten gefunden und finden selbst auch wieder zusammen – doch die neue Bedrohung ist schon greifbar und lässt uns Zuschauer mit einem Cliffhanger zurück. Auch wenn ich mich des Gefühls, teils redundante Mechaniken vorgesetzt bekommen zu haben, nicht erwehren konnte, so hat das beständige Auf und Ab aus Zombie-Bedrohung, Charaktermomenten und menschlicher Grausamkeit sein Ziel bei mir nie verfehlt. Ich habe mitgelitten, mitgekämpft und war teils fassungslos – und eben auch unterhalten aufgrund der Schnetzelei und der oft auch schönen zwischenmenschlichen Szenen. Der Cliffhanger hat mich zudem erwischt, weshalb ich mich vermutlich sogleich an die Fortsetzung machen werde: 9/10 (8.7) Punkte.