Total Recall: Die totale Erinnerung (1990)

Die Frau ist außer Haus, die Kinder schlafen, draußen tobt ein unglaublicher Sturm. Nachdem mir John Carpenters „Die Mächte des Wahnsinns“ bereits während der ersten fünf Minuten zu unheimlich war, habe ich mich mit „Total Recall: Die totale Erinnerung“ für einen längst überfälligen Klassiker entschieden. Nach unzähligen Sichtungen der geschnittenen TV-Version, liegt selbst die letzte Sichtung der damals noch indizierten DVD-Fassung bestimmt 10 Jahre zurück. Wie schlägt sich der Film heute nach all der Zeit?

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Vor ziemlich genau zwei Jahren hatte ich mir Len Wisemans 2012er Verfilmung der Philip K. Dick-Geschichte angeschaut. Diese bot komplett generische und glattgebügelte Sci-Fi-Action, welche man bereits dutzendfach besser gesehen hatte. Gerade in Anbetracht dieser Tatsache ist es aus heutiger Sicht umso erstaunlicher wie roh, ungeschliffen und mitreißend Paul Verhoeven seine Version vor 25 Jahren inszeniert hat. Auch wenn so mancher Effekt aus heutiger Sicht ein wenig angestaubt wirken mag, so funktionieren die echten Sets und Miniaturen doch ungleich besser, als die komplett digitalen Welten der Neuverfilmung – so gut diese auch aussehen mögen. Nach 5 bis 10 Minuten hatte ich mich an den Look der späten 80er bzw. frühen 90er gewöhnt und wurde wieder von der Geschichte mitgerissen.

Auch wenn ich im Vorfeld dachte, mich nicht mehr an jedes Detail erinnern zu können, so hatten sich doch unglaublich viele Bilder in mein filmisches Gedächtnis eingebrannt. Beinahe jede Szene hat mindestens eine ikonografische Einstellung zu bieten, die sich aus der Popkultur nicht mehr wegdenken lässt. Hinzu kommen unzählige Oneliner (z.B. „Consider this a divorce!“) und eine erstaunlich vielschichtige Handlung. Dabei nimmt sich der Film nicht komplett ernst, rutscht aber auch nicht in platte 80er Jahre Action ab. Paul Verhoeven trifft in „Total Recall“ stets den richtigen Ton und schuf somit einen der ultimativen Unterhaltungsfilme der 80er/90er Jahre.

Was soll ich sagen? „Total Recall“ funktioniert heute noch genauso gut wie damals. Ich beineide nur die heutige Jugend, die den inzwischen mit FSK 16-Freigabe versehenen Film einfach im Supermarkt mitnehmen können, während wir damals die Videotheken nach der ungeschnittenen Fassung abgrasen mussten. Aber vielleicht macht das die Filme dieser Ära heute auch so besonders. Für mich zweifellos einer der besten, wenn nicht sogar der beste Schwarzenegger-Film und auch im Werk Verhoevens ganz vorne mit dabei: 9/10 Punkte.

Escape Plan (2013)

Nachdem man als Freund des 80er Jahre Actionkinos jahrelang auf eine Rückkehr der damaligen Helden auf die Leinwand warten musste, gibt es inzwischen eine regelrechte Schwemme an sogenannten Retro-Actionern. Mit Stallones „The Expendables“ konnte ich eher weniger anfangen, Schwarzeneggers „The Last Stand“ hatte mir dagegen recht gut gefallen. Und wie schneidet „Escape Plan“ als erstes großes Treffen der beiden Action-Giganten ab?

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Ich erinnere mich dunkel an recht positive Kritiken. Allerdings mag ich den Film da auch mit einem anderen Retro-Actioner verwechseln. Schon beim ersten Auftritt Sylvester Stallones hatte ich so meine Zweifel – zu gewollt, zu angestrengt, zu schlecht gespielt. Als dann noch Curtis ’50 Cent‘ Jackson ins Bild stolpert und mit Mühe und Not halbwegs glaubhaft ein paar Sätze stammelt, waren meine Erwartungen komplett im Keller. Zu diesem Zeitpunkt war meine größte Sorge, was denn nur aus Privat Paula Vincent D’Onofrio geworden ist. Eigentlich hatte ich den Film hier schon abgeschrieben, doch er sollte ja erst noch richtig losgehen…

Und das tat er dann auch: Mit dem Auftritt Arnold Schwarzeneggers keimte plötzlich Hoffnung auf. Nein, auch er ist kein guter Schauspieler, doch blitzte hier und da wenigstens ein wenig Selbstironie durch. Auch Stallone gewann im Zusammenspiel mit Schwarzenegger – und als Arnie während des ersten Ausbruchsversuchs plötzlich auf 5 Minuten lang auf Deutsch flucht, war das schon ein kleines Highlight. Auch im weiteren Verlauf weiß die Dynamik zwischen den beiden Schauspielern zu gefallen, was tatsächlich auch das einzig wirklich Sehenswerte an „Escape Plan“ ist.

Zu den oben genannten Schauspielern gesellen sich noch Jim Caviezel und Sam Neill. Kaum zu glauben. Immerhin schafft es Caviezel noch einen völlig überdrehten Bösewicht zu kreieren, der allerdings im „Austin Powers“-Universum besser aufgehoben wäre, während Sam Neill spielt, als müsse er mit der Gage die nächste Stromrechnung bezahlen. Oder eben auch nicht. „Escape Plan“ einen B-Movie zu nennen würde es nicht direkt treffen. Er wirkt oft unglaublich trashig, das Drehbuch strotzt nur so vor Dämlichkeiten, doch wirkt die Inszenierung zu kompetent und kalkulierend.

Auch wenn „Escape Plan“ wahrlich kein guter Film ist, so hatte ich doch meinen Spaß damit. Speziell das Aufeinandertreffen von Stallone und Schwarzenegger ist für Kinofreunde wahrlich nett anzusehen. Daneben sollte man sich allerdings nicht viel erwarten, denn sowohl die Nebendarsteller als auch die Handlung wirken meist wie aus der Klamottenkiste. In größerem Kreis mit einem Bier in der Hand dürfte der Spaßfaktor zudem weitaus höher liegen, als zwischen den Jahren alleine auf dem Sofa: 5/10 Punkte.

Edge of Tomorrow (2014)

Nach zwei Tagen Weihnachtstrubel bin ich, ehrlich gesagt, ziemlich geschafft. Noch drei Tage (ja, auch das Wochenende) liegen vor uns. Da muss man bereit sein – wie Tom Cruises Charakter Cage in Doug Limans „Edge of Tomorrow“ eindrucksvoll beweist. Tag für Tag. Deshalb hat sich Warner Bros. wohl auch gedacht es wäre eine gute Idee, den Film für den Heimkinomarkt nur noch mit der Tagline „Live. Die. Repeat.“ zu vermarkten. Glücklicherweise ist damit schon der negativste Aspekt des Films abgehandelt…

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Mit „Swingers“ hat Doug Liman einen der Filme geschaffen, die mich in meiner Jugend stark beeindruckten. Danach hatte ich den Regisseur irgendwie aus den Augen verloren: „Die Bourne Identität“ fand ich nur ganz gut, „Mr. und Mrs. Smith“ ist an mir vorbeigegangen und „Jumper“ hatte zwar eine nette Prämisse, sonst aber nur wenig zu bieten. Mit „Edge of Tomorrow“ hat es Doug Liman zurück auf meinen Radar geschafft. Dabei sieht der Film in so manchen Momenten wie ein generischer Sci-Fi-Actioner aus. Doch wie so oft schafft es der Kniff der Zeitmanipulation den Unterhaltungswert des Films enorm zu steigern. Macht euch also bereit für „Und täglich grüßt das Murmeltier“ auf Speed!

Harold Ramis‘ „Groundhog Day“ ist wohl der bekannteste Film, der eine Zeitschleife ins Zentrum stellt. Doch auch die Sci-Fi-Thriller „12:01“, „Déjà Vu: Wettlauf gegen die Zeit“ oder „Source Code“ spielen mit dieser famosen Grundidee. Die meiner Meinung nach beste Zeitschleifengeschichte, Ken Grimwoods Roman „Replay: Das zweite Spiel“, wurde bisher leider noch nicht verfilmt – bis es einmal soweit sein sollte, bietet „Edge of Tomorrow“ auf jeden Fall beste Unterhaltung.

Doug Liman schafft es erstaunlicherweise die knallharte Kriegsaction mit enorm viel Humor aufzubrechen. Teils wähnt man sich mehr in einer Komödie, als in einem Alien-Kriegsfilm. Obwohl die Struktur des Films aus den oben genannten Werken bekannt ist, gelingt es Liman stets einen besonderen Kniff zu finden, der uns Zuschauer jedes Mal aufs Neue überrascht. Großartig! Das Gefühl, das ein Videospieler beim Erkunden neuer Level hat, wird hier gekonnt eingefangen – und nein, dieser Vergleich ist ausnahmsweise einmal nicht abwertend gemeint.

Das Finale ist leider ein wenig konventionell geraten; hier sieht man tatsächlich nur noch einen recht unterhaltsamen Sci-Fi-Actioner. Alles davor ist ein großer Spaß und ich kann „Edge of Tomorrow“ jedem nur ans Herz legen, der auch nur ein wenig mit Sci-Fi anfangen kann. Für die Hater noch der Hinweis: Ja, Tom Cruise ist abermals exzellent. Und es war eine Freude Bill Paxton zu sehen. Emily Blunt als Überheldin macht ebenso eine gute Figur. Selbst wenn der Film nicht ewig in Erinnerung bleiben wird, so ist er doch weit unterhaltsamer als die meisten anderen Sci-Fi-Streifen der letzten Jahre: 8/10 Punkte.

Crimson Tide (1995)

Mit Wolfgang Petersens „Das Boot“ (in der TV-Fassung) verbinde ich eine meiner ersten ernsthaften Erinnerungen an eine audiovisuell erzählte Geschichte, die mich noch Tage nach der Sichtung nicht losgelassen hat. Seitdem konnte kein anderer U-Boot-Film an dieses Erlebnis heranreichen. Auch an Tony Scotts „Crimson Tide“ bin ich erst gar nicht mit diesem Anspruch herangetreten, sondern habe mir nur einen spannenden Thriller erhofft…

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Schon während der ersten paar Minuten weiß man als Filmfreund wo und wann man sich befindet: in einer Jerry Bruckheimer-Produktion inmitten der 90er Jahre. Geleckte Bilder von aufmarschierenden Soldaten, dazu ein Hans Zimmer-Score, der auch aus „The Rock“ hätte stammen können. Pathos wird groß geschrieben und leicht könnte man „Crimson Tide“ als Propaganda abtun, doch dann kommt es zu ersten Spannungen zwischen unseren Hauptfiguren – und, wow, das Knistern in der klaustrophobischen Enge des U-Boots wird förmlich spürbar. Mit Denzel Washington (Doug Carlin, „Déjà Vu“) und besonders Gene Hackman (Edward Lyle, „Der Staatsfeind Nr. 1“) liefern sich zwei Schauspieler ein Duell, das von der ersten Sekunde an mitreißt und uns Zuschauer bei der Stange hält.

Mit James Gandolfini (Tony Soprano, „The Sopranos“) und Viggo Mortensen (Aragorn, „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“) sind auch die Nebenrollen erstklassig besetzt, was die Handlung in der bedrückenden Enge des U-Boots fast schon zu einem Kammerspiel werden lässt. Tony Scott wäre allerdings nicht Tony Scott, hätte er nicht auch visuell alle Register gezogen. Somit gibt es enorm temporeiche Actionszenen, die dem beengten Drehort entgegenwirken. Tolle anzusehen und der Handlung stets förderlich.

Auch inhaltlich hat „Crimson Tide“ mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Zwar wird nicht direkt Position bezogen, doch durch Denzel Washingtons Charakter klar gegen stumpfen Gehorsam Position bezogen. Man sollte sich somit nicht vom Militärgehabe blenden lassen, denn der Film regt – auch wenn er inhaltlich nicht perfekt ist – durchaus zum Nachdenken an und bietet mehr als plumpe Kriegsaction. Spannendes Unterwasserkino, das man sich als Genrefreund nicht entgehen lassen sollte: 8/10 Punkte.

The Conjuring (2013)

Halloween ist jedes Jahr eine Freude. Dieses Mal wollten sich ein paar halbstarke Gören an den Reifen unseres Autos vergehen, nachdem wir ihren Ruf nach Süßem oder Saurem nicht erhört hatten. Nachdem ich sie in meiner Rolle als spießiger (zumindest beinahe) Hausbesitzer verscheucht hatte, war es Zeit sich mit „The Conjuring“ dem gemütlichen Teil des Abends zu widmen. Endlich einmal wieder Zeit dem wohligen Grusel zu frönen…

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James Wan hat mit „The Conjuring“ einen wahren Hype entfacht, der nicht nur ein Franchise, sondern sogar etliche Spin-offs nach sich ziehen sollte – mit „Annabelle“ ist das erste sogar schon in die Kinos gekommen. Der Mann hinter der nicht ganz uneinflussreichen Horror-Saga „Saw“ besinnt sich bereits seit geraumer Zeit auf die Wurzeln des Gruselkinos, denen er bereits mit „Dead Silence“ neues Leben einhauchen wollte. Dieser Film war jedoch zu sehr auf eine überraschende Auflösung getrimmt und ist schnell wieder in der Versenkung verschwunden. Mit „Insidious“ und besonders „The Conjuring“ konnte er sich letztendlich jedoch seinen Ruf als fähiger Genre-Regisseur sichern.

So gerne ich Gruselfilme schaue, so sehr hasse ich mich teils dafür. Ich kann mich (zu) gut in diese Welten fallen lassen und die Atmosphäre zerrt teils extrem an meinen Nerven, was meist für Amusement bei meinen Mitschauern sorgt. Auch James Wan gelingt es in „The Conjuring“ eine unglaublich dichte Atmosphäre aufzubauen, was vom 70er Jahre Setting perfekt unterstützt wird. Dabei spielt er, zumindest in der ersten Filmhälfte, Schockeffekte fast nie aus, sondern belässt es bei Andeutungen. Eine wahre Wohltat. In der zweiten Hälfte drückt er deutlich mehr auf die Tube, was oft nicht nötig gewesen wäre. Dennoch hat es der Film geschafft mich bis zum erwarteten Ende zu fesseln.

Überall wird „The Conjuring“ für seine klassische Inszenierung gelobt, doch empfand ich sie auch nicht gelungener als z.B. die Inszenierung von Alejandro Amenábars „The Others“ oder Juan Antonio Bayona „Das Waisenhaus“. Hervorzuheben ist dagegen der Aufbau der Geschichte und seiner unterschiedlichen Protagonisten: Man beobachtet nicht nur die Familie, die gerade ins typische Spukhaus gezogen ist, sondern begleitet auch Lorraine und Ed Warren, zwei selbsternannte Geisterjäger. Einmal abgesehen vom ‚Nach einer wahren Geschichte‘-Stempel, bekommt der Film dadurch eine ganz eigene Dynamik.

Mich hat „The Conjuring“ über die letzten knapp 120 Minuten wirklich gut unterhalten. Leider hat man im letzten Drittel ein wenig zu sehr auf gruselige Fratzen gesetzt, doch davon abgesehen bietet der Film wahrlich wunderbar anzusehenden, klassischen Grusel. Zwar keine Offenbarung im Genre (das können die Spanier schon seit Jahren besser), doch der richtige Weg zurück zu den Wurzeln ohne Blut und Gekröse; das ist mir doch zumindest knappe 8/10 Punkten wert.

300 (2007) (WS1)

Nachdem die Fortsetzung „300: Rise of an Empire“ inzwischen schon wieder aus den Kinos verschwunden ist und sich im Heimkino breitgemacht hat, war es für mich an der Zeit mit „300“ noch einmal zu den Ursprüngen der martialischen Fantasy-Geschichtsstunde aufzubrechen. An meine damalige Erstsichtung im Kino habe ich noch gute Erinnerungen und somit war ich gespannt, wie der Film den Test der Zeit überstanden hat…

300 (2006) | © Warner Home Video

300 (2006) | © Warner Home Video

Wie zu erwarten war ich erneut von der audiovisuellen Wucht des Films beeindruckt. Um ehrlich zu sein, dachte ich nach den ersten paar Minuten noch, dass ich den Film damals zu streng bewertet hätte. Irgendwann wurde ich jedoch auch dieses Mal der schönen Bilder überdrüssig und wünschte mir ein wenig Handlung als Abwechslung zu den imposanten Schlachtszenen – und siehe da, die gab es auch. Leider jedoch wirkt der gesamte politische Verschwörungsteil dermaßen dröge und einfältig, dass man sich prompt wieder in die Schlacht zurückwünscht. Puh, glücklicherweise hat der Film hier weiterhin Schauwerte zu bieten. Nur nicht von so etwas wie Handlung ablenken lassen. Cinematisches Fast Food für das Auge.

Da Zack Snyder „300“ völlig überstilisiert und comichaft inszeniert hat, und dabei auch inhaltlich keinen Hehl daraus macht, einfach nur ein unterhaltsamer Comicfilm sein zu wollen, kann ich auch nach dieser zweiten Sichtung die Debatte nicht nachvollziehen, die um den Film aufgemacht wurde. Als Ex-Zivi (so etwas kennt man ja heute nicht mehr), kann ich mich ohnehin nicht in die Gedankenwelt des militärischen Drills und Aufopferns einfühlen, doch selbst wenn man für so etwas empfänglich ist, muss einem doch klar sein, dass dieses Macho-Sparta nichts weiter als eine männliche Power-Fantasy ist. Da gibt es wahrlich wichtigere Diskussionen, die man führen sollte.

Letztendlich bleibt „300“ auch beim zweiten Mal ein unglaublich gut aussehender Film, in dem Zack Snyder wirklich zeigen konnte, dass er eine visuelle Sprache besitzt und diese auch einzusetzen weiß: Die Bilder sind zurecht in die Kinogeschichte eingegangen. Der Film macht Spaß, aber nicht satt. Inhaltlich ist er leider recht schwach auf der Brust und auch emotional weiß er nicht mitzureißen; Kino ist allerdings ein visuelles Medium – und dieses weiß „300“ bis zur Perfektion auszunutzen: 7/10 Punkte.

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty – OT: The Secret Life of Walter Mitty (2013)

Manchmal funktionieren Filme, manchmal nicht. Obwohl mich damals schon der Trailer zu „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ nicht überzeugen konnte, wollte ich dem Film aufgrund der größtenteils guten Kritiken dennoch eine Chance geben – schließlich konnte mich „Life of Pi“ vor zwei Jahren auch begeistern, obwohl ich den Trailer mies fand. Leider sollte es dieses Mal kein Happy End geben…

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Der Film versucht recht eindeutig ein Feel-Good-Movie in der Tradition eines „Forrest Gump“ zu sein. Anfangs dachte ich auch noch, es könnte ihm gelingen. Ben Stiller spielt den titelgebenden Walter Mitty wirklich überzeugend und die Inszenierung scheint perfekt. Für Tagträumer – kann ich mich doch selbst zu dieser Sorte Mensch zählen – habe ich zudem einiges übrig, insofern sollte „The Secret Life of Walter Mitty“ doch leichtes Spiel mit mir haben. Leider jedoch werden die Tagträume völlig überzogen als CGI-Schlachten dargestellt, was mich jedes Mal wieder aus dem Film gerissen hat. Den Kampf im Aufzug um Stretch Armstrong fand ich z.B. herrlich! Genau auf diesem Niveau hätten Mittys Tagträume bleiben müssen, doch nein! Da muss auf dem Asphalt quer durch New York City gesurft werden. Was für eine herbe Enttäuschung!

Als es für Walter auf Reisen ging, dachte ich zunächst alles würde besser werden. Es gab tolle Landschaftsaufnahmen und echt wirkende Charaktere. Doch auch hier wurde der CGI-Hai ausgepackt und auch Walters Entwicklung macht plötzlich Sprünge, die bei mir jegliche Suspension of Disbelief haben aussetzen lassen. Der Film hat wahrlich tolle Momente. Bei der mit der isländischen Band Of Monsters and Men unterlegten Ankunft in Island hatte ich beinahe eine Gänsehaut, doch mit der kurz darauf folgenden Skateboard-Szene musste man es wieder übertreiben. Zwar bekommt man Walters Geschichte erzählt (unangepasster Skateboarder, Tod des Vaters, Fast-Food-Karriere, Job beim LIFE-Magazin), doch transferiert sich seine Vergangenheit nicht auf seinen Charakter, geschweige denn wird für uns Zuschauer glaubwürdig greifbar.

Ich mag Ben Stiller und hatte zu Beginn wirklich große Hoffnungen für den Film, zumal mit Kristen Wiig und speziell Adam Scott (als fantastischer Bösewicht) ein paar tolle Nebendarsteller auftreten. Letztendlich konnte mich „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ – trotz einiger mitreißender Szenen – emotional einfach nicht packen. Charaktere und Geschichte wirken zu unausgegoren und gehen im CGI-Overkill unter. Alles andere als ein schlechter Film, doch für mich letztendlich ein Sammelsurium nicht genutzter Chancen: 6/10 Punkte.

Gone Baby Gone (2007)

Nach einer unfassbar anstrengenden Woche, ist nun am Wochenende zumindest ein wenig Ruhe eingekehrt. Trotz anhaltenden Schlafmangels wollte ich heute unbedingt einen Film sehen: Die Wahl fiel auf Ben Afflecks Regiedebüt „Gone Baby Gone“, der bereits seit einer gefühlten Ewigkeit auf meiner Liste der unbedingt noch nachzuholenden Filme stand. Die Erwartungen waren hoch – sollte er seinem guten Ruf gerecht werden?

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Ich mochte bisher alle Regiearbeiten, die ich von Ben Affleck gesehen habe: Der oscarprämierte Polit-Heist-Movie „Argo“ hatte mich sehr gut unterhalten, doch noch stärker ist mir „The Town“ in Erinnerung geblieben. „Gone Baby Gone“ spielt, wie bereits das mitreißende Gangsterdrama, ebenfalls in Boston und fühlt sich auch in der gleichen filmischen Welt verortet an. Das Setting ist roh, dreckig und nah am Leben der Einwohner dran. Beinahe wirkt der Film dokumentarisch, gäbe es nicht Casey Afflecks Voice-over, das uns Zuschauer ab der ersten Minute begleitet. Dadurch ist man nah an der Hauptfigur dran und erlebt die Geschichte aus ihren Augen.

Wie der nachfolgende „The Town“ ist auch „Gone Baby Gone“ klassisch erzählt und größtenteils unaufgeregt inszeniert. Die Atmosphäre ist dicht und die Geschichte um eine Kindesentführung geht schnell an die Substanz. Dabei wartet der Film mit einigen Wendungen auf, die ich so nicht erwartet hatte – und die den Film gegen Ende in eine Richtung steuern lassen, die mich wohl noch länger über das Finale nachdenken lassen werden. Es liegt nahe den Film mit dem erst kürzlich von mir gesehenen „Prisoners“ zu vergleichen, der eine ähnliche Atmosphäre heraufbeschwört. Afflecks Debüt erzählt dabei eher eine Kriminalgeschichte, wohingegen „Prisoners“ sich deutlicher in Richtung Thriller bewegt hat – sehenswert sind auf jeden Fall beide.

Es hat mich unglaublich gefreut Ed Harris endlich einmal wieder in einer größeren Rolle zu sehen: immer noch ein wahnsinnig charismatischer Schauspieler, der mich seltsamerweise an einen älteren Viggo Mortensen erinnert hat. Auch Morgan Freeman durfte zeigen was er kann – und ist endlich einmal nicht nur als stichwortgebender Mentor o.ä. aufgetreten, wie so oft in letzter Zeit. Casey Affleck und Michelle Monaghan haben die Geschichte auch erstaunlich gut getragen, was ich nach den ersten paar Minuten so nicht erwartet hätte.

Insgesamt fand ich den „Gone Baby Gone“ wirklich gelungen und speziell das Ende wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Bis dahin hat der Film dramaturgisch ein wenig zu sprunghaft gewirkt, was allerdings nur wenig vom rundum positiven Gesamteindruck nimmt. Ich würde sogar beinahe soweit gehen und behaupten, dass dies Afflecks bisher gelungenste Regiearbeit ist – zumindest ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit „The Town“ ist dem Film sicher: 8/10 Punkte.

Olympus Has Fallen (2013)

Vermutlich hätte ich das mit dem Filmschauen heute lieber lassen sollen: Die ganze Familie war noch geschlaucht von der gestrigen Geburtstagsfeier und dank eines Handwerkertermins in aller Frühe mussten wir bereits nach nur wenigen Stunden Schlaf wieder aus den Federn. Dennoch schob ich abends mutig „Olympus Has Fallen“ in den Player, den Stief-Zwilling zu Roland Emmerichs ebenfalls 2013 erschienenen „White House Down“. Welcher Film sich letztendlich besser schlägt, wird sich vermutlich in den nächsten Tagen herausstellen…

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Wie bereits erwähnt war ich ziemlich müde und musste während der Sichtung teils schwer mit dem Schlaf kämpfen. Dies sind nie die besten Voraussetzungen für einen Film, doch glaube ich seine negativen und positiven Aspekte dennoch recht gut wiedergeben zu können. Zunächst einmal liebe ich das Setting: Seit „The West Wing“ sehe ich gerne alles was in und um fiktive Weiße Häuser geschieht – und sei es nur um danach festzustellen, dass niemand Präsident Jed Bartlet das Wasser reichen kann. Die gebotene Prämisse („Stirb langsam“ im Weißen Haus) verprach zudem einen äußerst unterhaltsamen Actionfilm, der die ernstere Variante der beiden Stief-Zwillinge darstellen sollte.

Bereits der Prolog trieft nur so vor Nationalgefühl und Foreshadowing auf die Ereignisse, die da noch kommen werden. Auch wenn ich übermäßigen US-Patriotismus in Filmen durchaus zwiespältig sehe, so fand ich die Kritik daran in diesem Film doch maßlos übertrieben. Speziell die erste halbe Stunde stellt sowohl Secret Service als auch alle anderen sicherheitsrelevanten Gruppen in Washington, D.C. als unfähige Trottel da. Kein Grund darauf stolz zu sein. Dennoch ist der Angriff auf das Weiße Haus bombastisch inszeniert und bildet gleichzeitig die beste Actionsequenz des Films. Der darauf folgende „Die Hard“-Verschnitt macht ebenfalls Spaß, doch sobald schwerere Geschütze ins Spiel kommen, zerstört der Film viel von seinen Pluspukten durch billigste CGI-Effekte und absolut dämliche Handlungselemente (u.a. ein plötzlich auftauchender Waffen-Prototyp oder ein globaler Zugangscode, um auf einen Schlag alle Atomwaffen der USA zu sprengen).

Ich hatte mir von dem Film wirklich einiges erwartet, wurde letztendlich jedoch ein wenig enttäuscht. Gerald Butler ist nur ein leidlich engagierter Bruce Willis-Ersatz, viele Szenen sind viel zu comichaft für den doch eher ernsten Ton des Films, und das Finale kann mit den eröffnenden Actionszenen in keinster Weise mithalten. Ich hatte zwar meinen Spaß mit „Olympus Has Fallen“, doch würde ich mein Geld inzwischen auf Roland Emmerichs Variante des Themas setzen – mal sehen, ob ich damit richtig liege: 6/10 Punkte.

Death Race (2008)

Nachdem ich mich gestern kaum bewegen konnte und abends auch keinen Film durchgehalten hätte, wollte ich es heute zumindest versuchen. Eine bequeme Sitzposition zu finden war nicht einfach, so dass ich froh war mit dem Action-Remake „Death Race“ nicht auch noch einer komplizierten Filmhandlung folgen zu müssen. Spaß hatte ich dennoch. So irgendwie.

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Das Remake des von Roger Corman produzierten „Death Race 2000“ (bzw. „Frankensteins Todesrennen“ in der deutschen Fassung) stammt aus der Feder von Paul W. S. Anderson, was geneigte Kinogänger schon einmal abschrecken könnte. Anderson ist hauptsächlich bekannt für seine weichgespülten Adaptionen der „Resident Evil“-Reihe – 1997 hatte er aber auch den atmosphärisch dichten Sci-Fi-Horror „Event Horizon“ in Szene gesetzt. Von „Death Race“ erwartete ich mir nun nicht viel, erhoffte mir aber zumindest geradlinige Action-Unterhaltung.

Im Vergleich zum mir unbekannten Original empfinde ich es schon als Fehler, dass das Transkontinentale Straßenrennen räumlich auf einen Rundkurs begrenzt wurde. Somit atmet der Film weniger die Atmosphäre von „Mad Max“ bzw. „The Road Warrior“ als von Super Mario Kart. Dies ist zwar irgendwie auch witzig, doch letztendlich gleichen sich Schauplätze und Actionszenen doch zu sehr – bei einem Film, der so gut wie keine nennenswerte Handlung aufweist, ist dies leider kein gutes Zeichen.

Letztendlich hat mich „Death Race“ über seine gut 100 Minuten tatsächlich recht brauchbar unterhalten. Jason Statham passt in die Rolle des Einzelkämpfers, die Action ist gefällig inszeniert und eine gewisse Härte bietet der Film auch. Leider wirkt das alles (inklusive Geschichte samt deren Auflösung) so dermaßen glatt, dass die Härte nur umso aufgesetzter wirkt. Das alles ist ja irgendwie nett anzusehen, doch kann ich mich schon jetzt an keinen einzelnen Charakter mehr erinnern und morgen werde ich den Rest auch vergessen haben – und nein, das liegt nicht an den Schmerzmitteln: 5/10 Punkte.