Tintentod (Cornelia Funke)

tintentod.jpgUnglaubliche fünf Monate sind ins Land gezogen, seit ich angefangen habe Cornelia Funkes Roman „Tintentod“ zu lesen. So lange habe ich selten für ein Buch gebraucht – besonders nicht für eines, auf das ich so sehnlichst gewartet habe, wie auf den Abschluss der fantastischen Tintenwelt-Trilogie. Mein neuer Job und diverse andere Tätigkeiten/Interessen haben jedoch nicht mehr Spielraum zugelassen. Letztes Wochenende habe mir schließlich die Zeit genommen und die letzten 200 Seiten auf einen Rutsch zu verschlungen. Es hat sich gelohnt.

Schon am Anfang des Romans fällt auf, dass ein deutlich düsterer Ton angeschlagen wird. Weit düsterer als im direkten Vorgänger „Tintenblut“ und selbst „Harry Potter and the Deathly Hallows“ wirkt im Vergleich zu „Tintentod“ wie ein waschechtes Kinderbuch. Hier wird geblutet, gemordet und gestorben. Auch der psychologische Horror nimmt zu und es gibt für die Hauptfiguren kaum mehr die Aussicht auf ein glückliches Ende.

Man merkt, dass Cornelia Funke hier wohl den Tod ihres Mannes verarbeitet hat. Zumindest bis zu einem gewissen Grad. Auch generell ist „Tintentod“ über weite Strecken eine Auseinandersetzung mit dem Sterben. Nicht ohne Hoffnung, aber oft doch tragisch und unausweichlich. Besonders in den letzten Kapiteln kann man sich kaum mehr vorstellen, wie diese Geschichte jemals glücklich enden könnte. Cornelia Funke schafft es jedoch auch hier zu bezaubern und schreibt ein Ende, mit dem bestimmt auch Meggie und Mo zufrieden gewesen wären. Ich für meinen Teil hätte mir allerdings etwas mehr Rückbesinnung zum Anfang der Trilogie gewünscht, wenngleich auch das tatsächliche Ende eine entsprechende Weiterentwicklung nahe legt.

Mit „Tintentod“ geht eine der gelungensten Fantasy-Trilogien der letzten Jahre zu Ende. Auch der dritte Teil lebt von der bildhaften und wirklich reichen Sprache der Autorin. Man wird in die Tintenwelt hineingesogen und auch mir als Leser fällt es schwer ihr zu entrinnen. Ich für meinen Teil werde mit „Tintenherz“ nahezu nahtlos wieder in diese zauberhafte Welt abtauchen – dieses Mal mit dem Hörbuch, wodurch ich auch bei häuslichen Tätigkeiten o.ä. der Geschichte lauschen kann.

Insgesamt gesehen kommt auch der dritte Teil nicht an den zauberhaften ersten Teil der Geschichte heran und bekommt von mir daher nur 9/10 Punkte. Die gesamte Trilogie verdient in meinen Augen jedoch die volle Punktzahl.

Seinfeld – Season 1 to 9

Wie lange habe ich diesen Eintrag hinausgezögert. Seitdem „Seinfeld: The Complete Series“ im Schrank steht, ging es mit der 9. Staffel in einem Rutsch dahin. Bis zur letzten Folge. Deren Sichtung habe ich aus unerfindlichen Gründen immer wieder hinausgezögert. Bis gestern. Nun ist das Kapitel „Seinfeld“ erst einmal abgeschlossen. Wieder einmal. Glücklicherweise muss ich dieses Mal nicht warten, bis sich ein TV-Sender zur Ausstrahlung erbarmt. Nein. Dieses Mal kann ich jederzeit zu den verrückten New Yorkern zurückkehren.

seinfeld4.jpg

Meine Geschichte mit „Seinfeld“ ist eine sehr persönliche. Zumindest sehe ich das so. Im Gegensatz zu anderen prägenden Serien – z.B. „Friends“ – habe ich „Seinfeld“ ganz alleine entdeckt und im Freundeskreis etabliert. Heute – in Zeiten des Web2.0 – stehen und fallen neuartige Serien mit den Empfehlungen von geschmacksverwandten Serienexperten. Damals hat man sich noch selbst durch das Programm gewühlt und ist hartnäckig an so mancher Perle hängengeblieben, die von den deutschen TV-Sendern ins Mitternachtprogramm verbannt wurden. Neben „Friends“, „Cheers“ und „Becker“ war eben auch die Serie dabei. Die eine Serie, die meinen Humor prägen sollte wie keine andere. Die eine Serie, die bei den meisten meiner Freunde auf Kopfschütteln stoßen sollte. Die eine Serie, die ich auch heute noch als kreativstes Ergebnis der amerikanischen Network-Landschaft bezeichnen würde. Die Serie überhaupt: „Seinfeld“.

Was macht die Serie so besonders? Im Mittelpunkt stehen vier New Yorker Freunde: Jerry Seinfeld, George Costanza, Elaine Benes und Cosmo Kramer. Dieses Quartett kämpft sich durch die Widrigkeiten des Lebens, durch Alltagssituationen, die man als Zuschauer immer irgendwie nachempfinden kann. Allerdings handeln diese vier Individuen generell anders/extremer/peinlicher/kreativer als man es selbst im echten Leben wagen würde. Aus dieser Kombination von alltäglichen Problemen und unvorstellbaren Lösungen lebt die Serie. Das alles mag sich nun reichlich unspektakulär anhören, doch ist „Seinfeld“ so unglaublich gut geschrieben, dass jede einzelne Folge wie ein kleines Meisterwerk wirkt. Es gibt meist mindestens drei parallele Handlungsstränge, die äußerst geschickt verknüpft werden. In nahezu jeder Episode werden Situationen und Bezeichnungen geschaffen, die sich perfekt in den Alltag übernehmen lassen. Schade nur, dass man hierzulande meist auf taube Ohren stößt, wenn man eine Anspielung auf „Seinfeld“ erwähnt.

Neben den kreativen Köpfen – allen voran Larry David – hinter der Show, wissen besonders die vier Hauptdarsteller zu überzeugen: Jerry Seinfeld mausert sich im Verlauf der neun Staffeln zu einem wahren Meister des pointierten Schauspiels. Jason Alexander entwickelt George zu viel mehr als einer reinen Larry David-Kopie und ist oft der komödiantische Höhepunkt. Julia Louis-Dreyfus schwankt in ihrer Darstellung der Elaine Benes von unglaublich peinlich – in absolut positivem Sinne! – bis unglaublich gewitzt. Michael Richards liefert mit seinem Portrait des Cosmo Kramer schließlich die Performance seines Lebens. Was er hier an körperlichem Einsatz liefert, geht wahrlich in die Geschichte des Slapstick ein.

Auch mit Nebendarstellern geizt die Serie nicht. So ist Wayne Knight als verhasster Nachbar Newman göttlich und bleibt besonders in der grandiosen „JFK“-Parodie in Erinnerung. Jerry Stiller spielt die Rolle des Frank Costanza wie eine überdrehte Vorstufe zu seinem Arthur Spooner aus der Erfolgssitcom „The King of Queens“. Ich könnte hier wahrlich noch seitenweise weiter schreiben. Erwähnen möchte ich jedoch die Auftritte von Lauren Graham und Scott Patterson (Lorelei und Luke aus den „Gilmore Girls“), die in „Seinfeld“ einen ihrer ersten TV-Auftritte absolvierten.

Neben unzähligen popkulturprägenden Zitaten – angefangen vom Suppen-Nazi, über Yada Yada, den Nahkampfredner, die Schrumpfung, die durstig machenden Brezeln uvm. – bleibt für mich vor allem das grandiose Ende der Serie in Erinnerung. Ich meine damit nicht die allerletzte Episode, sondern das Ende von „The Clip Show“. So und nicht anders hat ein Serienende auszusehen!

Wie man vielleicht gemerkt hat, bin ich „Seinfeld“ mit Haut und Haaren verfallen. Besonders die Kreativität bringt mich immer wieder zum Staunen. Wenn man sich das wunderbare Zusatzmaterial der DVDs ansieht, weiß man wie sehr Larry David und Co. zu kämpfen hatten, bis die Serie solch ein – zumindest in den USA – bombastischer Erfolg wurde. Auch zeigt dies, dass manche Serien eben Zeit brauchen – und nicht bereits nach drei Staffeln abgesetzt werden sollten. Für mich ist „Seinfeld“ die beste TV-Show aller Zeiten und ich wage die Behauptung, dass kaum ein Comedy-Autor nicht von den grandiosen Einfällen der Serie beeinflusst wurde. Könnte ich es, würde ich mehr als 10/10 Punkte vergeben.

Nobody ist der Größte – OT: Un genio, due compari, un pollo (1975)

Gestern Abend habe ich eine Reise zu den Wurzeln meiner Filmleidenschaft unternommen. Ich habe „Nobody ist der Größte“ gesehen. Zu diesem Film hege ich eine ganz besondere Beziehung: Es war der erste Film, den ich abends komplett ansehen durfte. Es war irgendwann während meiner Grundschulzeit und bis dahin war spätestens um 21:00 Uhr Zapfenstreich angesagt. Doch dann kam Nobody. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, ob damit das lange Aufbleiben eingeläutet wurde oder ob es ein Einzellfall war. An diesen einen Abend erinnere ich mich jedoch noch ganz genau.

nobody51.jpg

Mir fällt es aufgrund meiner besonderen Beziehung zu dem Film natürlich schwer, eine nachvollziehbare Bewertung abzugeben – somit wird diese Filmbesprechung noch weniger objektiv, als die restlichen. Bei den Kritikern hat „Nobody ist der Größte“ ja bekanntermaßen einen schweren Stand. Besonders im Vergleich zu seinem gelungenen Vorgänger „Mein Name ist Nobody“ kann man einen qualitativen Rückschritt kaum bestreiten. Dennoch muss man den Film meiner Meinung nach mit anderen Augen sehen: In der Fortsetzung – die eigentlich nichts mit dem ersten Teil zu tun hat – hat die Figur des Nobody den wilden Westen schon fest im Griff. Der Wandel ist bereits vollzogen. Somit sollte man „Nobody ist der Größte“ auch als reinen Spaßwestern im Geiste der Trinity-Filme sehen und nicht als Abgesang auf den klassischen Spaghettiwestern, wie ihn noch der Vorgänger zelibrierte.

Abgesehen von allen offensichtlichen Schwächen bietet der Film auch für das kritische Auge tolle Szenen. Das Duell mit Klaus Kinski ist wahrlich grandios und als Nobody Kinskis Charakter in einer der Folgeszenen einfach aus dem Fenster wirft, dann ist das schon nahe an großem Kino dran. Auch wenn die Geschichte des Films nur aus Versatzstücken besteht so ist sie doch äußerst unterhaltsam und kann mit tollen Figuren (z.B. der rotbärtige Captain samt Tochter) und nett anzusehenden Darstellern (Miou-Miou) aufwarten.

Für mich ist „Nobody ist der Größte“ ein echter Kindheitsklassiker. Auch heute noch freue ich mich über so manch bekannte Szene und den schelmischen Witz von Terence Hill. Damals wurde zudem eine Ära eingeläutet: Die Ära der Bud Spencer- und Terence Hill-Filme. Trotz Schwächen ganz klare 8/10 Punkte.

Aviator – OT: The Aviator

Gestern Abend habe ich einmal wieder einen Film gesehen, dessen Sichtung ich viel zu lange vor mir hergeschoben hatte: „Aviator“ – der potentielle Oscar-Favorit 2005 von Martin Scorsese.

aviator2.jpg

Wie wir heute wissen, gab es 2005 keinen Regie-Oscar für Scorsese – dieser folgte zwei Jahre später für „Departed: Unter Feinden“. Für welches Werk er nun gerechtfertigter gewesen wäre? Darüber lässt sich streiten. Sicher ist auf jeden Fall, dass „Aviator“ noch weiter von der klassischen Regie Scorseses entfernt ist, als der Film für den er letztendlich den Oscar gewann. Dies mag am Genre liegen, doch auch abgesehen davon ist die Verfilmung der Biographie von Howard Hughes eher der typische Oscar-Film und lässt leider etwas die Eindringlichkeit eines „Casino“ oder gar „GoodFellas“ vermissen.

Ich habe die Sichtung von „Aviator“ sichtlich genossen. Er ist mit Sicherheit einer der besten typischen Oscar-Filme und Werken wie „A Beatiful Mind“ meilenweit überlegen – dennoch hat er meiner Meinung mit einigen Problemen zu kämpfen. Ich ziehe zum Vergleich wieder einmal „GoodFellas“ heran – für mich das Meisterwerk unter den rise and fall Filmen. Hier wird in kürzester Zeit ein Charakter in allen Facetten aufgebaut. Es werden alle wichtigen Lebensabschnitte gezeigt und sowohl Sympathien als auch Antipathien geschaffen. In „Aviator“ gelingt das nur bedingt. Es bleibt etwas der Eindruck, als hätte Hughes Zeit seines Lebens nur unter seiner Zwangsneurose gelitten und die Begründung wird in Form von Flashbacks etwas plump eingeschoben. Für mich hat etwas der umfassende Eindruck gefehlt. Zu viel Zeit wurde auf Nebensächlichkeiten – zwar grandios inszeniert, aber dennoch – verwendet und zu wenig auf die Charaktere.

Die Inszenierung ist über jede Kritik erhaben. Ein perfekter Augen- und Ohrenschmaus. Wunderbar anzusehen und doch beinahe etwas langweilig und ohne Biss. Vielleicht ist das der Fluch der gezielten Oscar-Filme. Meine Kritik mag sich nun harscher anhören, als sie letztendlich gemeint ist. „Aviator“ ist in seinen besten Momenten wahrlich großes Kino – in seinen schwächsten allerdings nur ein durchschnittliches Biopic.

Erwähnenswert finde ich noch das wirklich herausragende Spiel von Leonardo DiCaprio. Auch die weiblichen Hauptdarsteller Cate Blanchett und Kate Beckinsale können auf ganzer Linie überzeugen. Unzählige kürzere Auftritte von Stars wie Alec Baldwin, Jude Law, Willem Dafoe, Ian Holm und Edward Herrmann runden den positiven Gesamteindruck ab.

„Aviator“ ist sicherlich nicht Scoreses Meisterwerk. Doch kann der Film als Biopic über Howard Hughes durchaus überzeugen. Schauspiel und Inszenierung sind über jeden Zweifel erhaben, wenngleich dem Film Scorseses persönliche Note etwas abgeht. Für Filmfreunde dennoch auf jeden Fall eine Sichtung wert: 8/10 Punkte.

Saw IV (2007)

Ene mene mu und der neue Killer bist du! So oder so ähnlich müssen wohl die Drehbuchsitzungen bei „Saw IV“ abgelaufen sein. Aber mal ehrlich: Hätte ich das nicht erahnen können? Bestimmt. Ich hätte eher meine ursprüngliche Reaktion nach „Saw III“ beherzigen sollen und eben nicht auf den Fortsetzungszug aufspringen. Doch wie das so ist mit guten Vorsätzen…

saw4.jpg

Das was ich zu „Saw III“ geschrieben habe, kann man eigentlich auch für den Nachfolger stehen lassen: Übertriebene Fallen, kaum Identifikationsfiguren und fehlende Spannung. Allein Scott Patterson („Gilmore Girls“, „Aliens in America“) hat mir in dieser für ihn ungewöhnlichen Rolle recht gut gefallen. Positiv sind auch wieder die Rückblenden hervorzuheben, die dem Film wenigstens ansatzweise ein erzählerisches Grundgerüst bieten. Ansonsten gibt es leider nicht mehr viel Gutes zu berichten.

Ja, die Fallen. Blut und Gekröse halt. Vielleicht nicht mehr so übertrieben wie im dritten Teil, aber dennoch oft unnötig und nicht wirklich der Handlung dienend. Aber so ist es bereits seit der ersten Fortsetzung. Schwer wiegt leider auch die unausgegorene Erzählstruktur. Was das mit der Obduktion Jigsaws sollte? Ich weiß es nicht. Letztendlich wurde in diesem Teil der Filmreihe einzig und allein ein neuer Bösewicht eingeführt. Das hätte man auch in fünf Minuten abhandeln können und degradiert die eigentliche Handlung um Agent Strahm (Patterson) und Rigg zur reinen Farce.

„Saw IV“ ist eben eine typische „Saw“-Fortsetzung. Ungemein erfolgreich und letztendlich eine Aneinanderreihung von abstoßenden Szenen. Das ganze ist dann aber wieder gerade so atmosphärisch und liefert wieder ein winziges Puzzlestückchen mehr zum Filmuniversum, dass man den Film doch nicht so verdammt, wie er es vermutlich verdient hätte. Eine geniale Marketingmaschine: 3/10 Punkte.

Die Einmannband – OT: One Man Band

Zu jedem Pixar-Film gehört ein Kurzfilm. Was „Lifted“ für „Ratatouille“ ist, war „Die Einmannband“ für „Cars“. Letzterer ist jedoch eher unbekannt und auch nicht so beliebt, wie die Lehrstunde des kleinen Außerirdischen – und damit verhält es sich mit dem Kurzfilm ähnlich wie mit dem dazugehörigen Hauptfilm.

einmannband2.jpg

Die Geschichte von „One Man Band“ ist simpel und schnell erzählt: Es geht um den Wettschreit zweier Einmannbands. Die Animatoren haben einmal wieder ganze Arbeit geleistet und der Schlussgang ist nett. Doch reißt mich der Film zu keinen Begeisterungsstürmen hin. Auch die Art der Darstellung ist irgendwie befremdlich. Vermutlich zu wenig cartoonhaft.

„Die Einmannband“ ist ein absolut sehenswerter Kurzfilm, doch irgendwie fehlt für mich das gewisse Etwas. Da hat man schon besseres gesehen: 7/10 Punkte.

Cars (2006)

Aktualisierung: Ich habe „Cars“ am 2. Oktober 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Bisher habe ich jeden Pixar-Film gesehen und für grandios befunden. Die meisten davon sogar im Kino. Selbst den Animationsklassiker „Toy Story“ durfte ich im Kino bewundern. Ein Film des californischen Studios ist jedoch an mit vorbeigezogen: „Cars“ – und das obwohl hier einmal wieder John Lasseter auf dem Regiestuhl („Toy Story“, „Toy Story 2“, „Das große Krabbeln“) saß.

Cars (2006) | © Walt Disney

Cars (2006) | © Walt Disney

Warum ich auf „Cars“ nicht sonderlich heiß war, möchte ich kurz erklären: Zunächst einmal bin ich kein sonderlicher Autofreak. Wenn Freunde oder Kollegen in Ausstattungsmerkmale aktueller PS-Boliden schwelgen, entlockt mir das nur ein müdes Gähnen. Das ist irgendwie nicht meine Welt. Für mich ist ein Auto ein Fortbewegungsmittel – nicht mehr und nicht weniger. Zudem hat sich der Film in eine gänzlich andere Richtung bewegt, als von mir erwartet. Nach der ersten Ankündigung hatte ich bereits ein festes Bild im Kopf: Eine Welt in denen Autos – von Menschen unbemerkt – ein eigenes Leben führen. Ähnlich wie „Toy Story“ nur eben mit lebenden Autos anstelle von Spielzeugen. Als dann eine reine Autowelt präsentiert wurde, war ich schwer enttäuscht.

Da Pixar eben Pixar ist und mich noch nie enttäuscht hat, habe ich dem Film – trotz eher verhaltener Kritiken und meiner eigenen Vorbehalte – eine Chance gegeben. Die ersten 15 Minuten dachte ich dann: ‚Okay, das wird der erste Pixar-Film, der mich kalt lässt.‘ PS-Boliden rennen um die Wette, überall nur Autos, eine laute und tösende Inszenierung. Keine Charaktere. Nur Action. Schnitte im MTV-Stil. Und all das in einem Pixar-Film. Unglaublich.

Doch schon bald war der Spuk vorbei und es wurde klar, dass die Darstellung der Rennwelt so extrem inszeniert war um einen Kontrast zu dem darzustellen, was noch folgen sollte: Die ruhige Abgeschiedenheit von Radiator Springs. Hier gibt es noch wirklich Automobile mit Charakter – und plötzlich hat auch die Welt der Autos angefangen für mich zu funktionieren. Liebevolle Details (VW-Käfer), liebenswürdige Charaktere, grandiose Bilder. Plötzlich war wieder alles da, was einen Pixar-Film ausmacht. Allein die Geschichte gewinnt hier keinen Blumentopf. Sie wurde schon dutzende Male (u.a. in „Doc Hollywood“ mit Michael J. Fox) erzählt und bietet wenig Neues. Allerdings kann „Cars“ mit anderen Stärken Punkte sammeln: Die Animation der an sich starren Blechkarossen ist grandios. Ich konnte mich gar nicht daran satt sehen. Auch Landschaften, Licht und Ausstattung. Ein Traum für jeden CGI-Freund.

Fazit

„Cars“ ist sicherlich nicht der stärkste Pixar-Film. Vermutlich sogar der schwächste. Doch was bedeutet das schon? Ich war auf jeden Fall mehr als positiv überrascht und werde bestimmt noch öfter in dem kleinen Städtchen an der Route 66 vorbeischauen: 9/10 Punkte.

Die Verurteilten – OT: The Shawshank Redemption

Es gibt einige hochkarätige Filme da draußen, die sich nicht so wirklich ins kollektive Gedächtnis der Zuschauer gebrannt haben. Zu diesen gehört Frank Darabonts „Die Verurteilten“ – und spätestens jetzt höre ich erste Protestschreie. Man darf jedoch nicht vergessen, dass ihr – die Leser dieses Beitrags – echte Filmfreunde seid. Ihr beschäftigt euch mit der Materie und setzt euch mit dem Medium auseinander. Spricht man jedoch den Einmal-im-Jahr-Kinobesucher auf „Die Verurteilten“ an, dann erntet man meist nur einen fragenden Blick.

verurteilten5.jpg

Unter Filmfreunden wird „The Shawshank Redemption“ dagegen schon seit Jahren zurecht gefeiert. Auch bei der gestrigen Sichtung – endlich auf einer dem Film gerecht werdenden DVD – war ich wieder verblüfft, wie perfekt Darabont den Film umgesetzt hat. Das fängt schon beim Drehbuch an, das eine unglaublich gut funktionierende Dramaturgie besitzt. Selbst die Zeitsprünge – immerhin über einen Zeitraum von 20 Jahren – werden elegant und beinahe schon nebenbei in die Geschichte eingeflochten. Hier merkt man das Zusammenspiel mit der Inszenierung. Wieder perfekt. Keine Spielereien, keine aufgesetzten Effekte. Altmodisches Erzählkino im allerbesten Sinne.

Die Geschichte nach Steven King entwickelt eine unglaubliche Sogwirkung, was klar den wunderbar gezeichneten und gespielten Figuren zu verdanken ist. Tim Robbins und Morgan Freeman erweisen sich als perfekte Besetzung. Da ist es wieder. Das kleine Wörtchen pefekt. Es gibt meiner Meinung nach wirklich nur wenige Filme, die man in allen Kategorien als fehlerfrei bezeichnen kann – eben als perfekt.

Selbst die anscheinend nicht sonderlich originelle Handlung hat sich zum Archetypen des Gefängnisfilms entwickelt. Sieht man sich heute thematisch verwandte Geschichten an, dann wird man schnell feststellen, dass „Die Verurteilten“ Pate stand. Man nehme nur einmal „Prison Break“ – die Kameraflüge über das Gefängnis, die archetypischen Charaktere, selbst der Fluchtversuch. Ohne Darabonts Meisterwerk wäre die Serie in dieser Form wohl nicht denkbar gewesen.

„Die Verurteilten“ sei allein Filmfreunden – und solchen, die es werden wollen – wirklich ans Herz gelegt. Wunderbar gespieltes und inszeniertes Erzählkino der alten Schule. Ein perfektes Filmerlebnis mit magischen Szenen: 10/10 Punkte.

Barfuss

Nach der überaus positiven Sichtung von „Keinohrhasen“ habe ich mir gestern Abend nun Til Schweigers Vorgängerfilm „Barfuss“ angesehen. Ich finde man merkt deutlich, dass diese beinahe schon sanfte Liebeskomödie dem deutschen Kinohit von 2007 vorausging. Schweiger hat anscheinend seinen Inszenierungsstil – der ihm in „Der Eisbär“ noch abging – gefunden.

barfuss.jpg

Die Geschichte ähnelt zunächst der des Nachfolgers: Ein scheinbar egoistischer Typ. Ein ungewollter Job. Eine gegensätzliche Beziehung. Jedoch merkt man schon bald, dass die Stimmung eine gänzlich andere ist. Zwar durchaus humorvoll, doch schwerer und tragikomischer als im lockeren und ziemlich direkten Nachfolger. „Barfuss“ lebt hier auch sehr von der anrührenden Naivität mit der Johanna Wokalek ihren neurotischen Charakter portraitiert. Auch Til Schweiger kann in gefühlvollen Szenen überzeugen – wenngleich die Figur des Nick Keller in großen Teilen doch wieder sehr seinem filmischen Archetypen entspricht.

So sehr sich „Barfuss“ in Sachen Inhalt von seinem Nachfolger unterscheidet, so sehr ähneln sich die Filme in Sachen Inszenierung. Erdige Herbsttöne treffen auf stimmungsvolle Einstellungen und werden mit einem ausgewählten Soundtrack garniert. Trotz aller Übereinstimmungen merkt man dem Film auch deutlich an, dass Schweiger bzw. sein Team hier noch viel probiert hat. In manchen Einstellungen fand ich das color grading nicht sauber genug oder die Montage teils zu holprig. In meinen Augen wirkte „Keinohrhasen“ ist Sachen Inszenierung bereits gefestigter und reifer. Ein deutlicher Fortschritt.

Die schöne Geschichte und die gelungene Inszenierung machen „Barfuss“ zu einer sehenswerten romantischen Komödie, die – im Gegensatz zu „Keinohrhasen“ – etwas Abseits vom Mainstream läuft: Körperliche Liebe wird hier nicht einmal am Rande thematisiert. Auf jeden Fall sehenswert: 7/10 Punkte.

Californication – Season 1

Aktualisierung: Ich habe „Californication“ erneut gesehen und am 28. Januar 2025 komplett besprochen (hier geht es zur aktuellen Besprechung). Eine der am meisten gefeierten Serien der Saison 07/08 ist wohl „Californication – Season 1“ (Showtime). Anfangs hatte ich eher weniger Interesse an David Duchovnys neuer Show, da sie mir wie eine männliche Version von „Sex and the City“ vorkam. Doch nach ein paar Folgen hat es auch bei mir Klick gemacht.
Californication | © Showtime

Californication | © Showtime

Im Mittelpunkt der Handlung steht der sich im freien Fall befindende Autor Hank Moody (David Duchovny). Nach einem Bestseller samt Verfilmung steht Moody sowohl kreativ als auch privat vor dem Aus: Es wollen sich keine neuen Ideen einstellen und seine – immer noch geliebte – Ex wird einen reichen Schnösel heiraten und die gemeinsame Tochter mit in die neue Ehe nehmen. All das hört sich nach großem Drama an. Ist glücklicherweise jedoch weit komischer, als es sich hier liest. Die Serie lebt von David Duchovny. Seine Darstellung des erfolglosen Autors Hank Moody (allein der Name spricht Bände) ist wahrlich grandios und wurde zu Recht mit einem Golden Globe ausgezeichnet. Los Angeles wird in „Californication“ als ein einziger, großer Sündenpfuhl dargestellt. Oberflächlicher Sex und schneller Ruhm beherrschen die Straßen. Hier erinnert mich die Serie stark an HBOs „Entourage“ – nur dass hier nicht der Aufstieg, sondern der Abstieg in der Glitzerwelt Hollywoods gezeigt wird. Neben den oberflächlichen Sexkapaden Hank Moodys steht die verlorene Liebe im Vordergrund. Hier wirkt das Drama echt und nachvollziehbar. Man kann einen Blick auf die Charaktere hinter der Fassade werfen. Trotz allem über die Stränge schlagen, ist Moody ein guter Kerl – was besonders in den Szenen mit seiner Tochter deutlich wird. Hier frage ich mich nur, wie es in Season 2 weitergehen wird. Der große Konflikt scheint ja nun erst einmal gelöst.

Fazit

„Californication“ hat mehr zu bieten als es auf den ersten Blick erahnen lässt: Neben den sehr exploitiven Szenen verbergen sich wahre Dialogschätze. Die Serie ist unglaublich gut geschrieben und besitzt höchst interessante Charaktere. Wenn dann erst einmal der Humor klickt, macht Hank Moody so viel Spaß wie schon lange keine Serienfigur mehr: 9/10 Punkte.