Es sollte einer der größten Flops der Filmgeschichte werden, dabei hatte Disney große Hoffnungen in „John Carter: Zwischen zwei Welten“ gesetzt. Nicht lange nach James Camerons Überhit „Avatar“ schien auch der richtige Zeitpunkt, um das Publikum auf eine weitere Reise zu fernen Planeten zu schicken. Doch weder das immense Budget noch die groß angelegte Marketing-Kampagne konnten die Zuschauer in die Kinos ziehen…

John Carter: Zwischen zwei Welten (2012) | © Walt Disney
Der Einstieg in den Film wirkt umständlich und verwirrend erzählt, doch gefällt von Anfang an die opulente Inszenierung, welche wunderschön anzusehende Bilder hervorbringt. Nach 20 Minuten betreten wir zusammen mit dem titelgebenden Helden eine neue Welt, wie wir sie zuvor noch nicht erlebt haben. Zwar kennt man nahezu alle Versatzstücke aus Fantasy- bzw. Sci-Fi-Filmen, wie „Star Wars“ oder „Planet der Affen“, doch beschwört „John Carter“ durch seine Bilder wunderbar das Gefühl sich tatsächlich auf einem fremden Planeten zu befinden, auf dem hinter jeder Ecke neue Abenteuer warten.
Edgar Rice Burroughs hat mit den Mars-Abenteuern John Carters tatsächlich den Prototypen jener Art von Sci-Fi geschaffen, die ihren Schwerpunkt auf die Fantasyaspekte setzt und von exotischen Prinzessinnen, verfeindeten Häusern und wilden Kreaturen erzählt. Insofern bietet „John Carter“ für heutige Kinobesucher wahrlich nichts Neues. Die opulente und technisch sehenswerte Inszenierung wird zudem einer naiven und altmodischen Handlung entgegengesetzt, was ich durchaus charmant fand, vielen Kritikern aber sauer aufstößt. Durch die fähige Regie von Pixars Andrew Stanton (u.a. „Findet Nemo“, „WALL·E“) wirkt der Film auf mich zeitlos und fängt die altmodisch-naive Atmosphäre des interstellaren Abenteuers gekonnt ein.
Wohin das riesige Budget des Films geflossen ist, muss man sich nicht lange Fragen. Mars bzw. Barsoom sieht unglaublich gut aus. Die Landschaftsaufnahmen laden zum Träumen ein und auch die Kreaturen – allen voran die vierarmigen Tharks – wirken in ihrer Umgebung absolut realistisch, was sich vor allem im Zusammenspiel mit echten Schauspielern zeigt. Erschreckend schwach fand ich dagegen etliche Greenscreen-Einstellung, bei denen man das Licht einfach nicht richtig hinbekommen hat. Hier werden Erinnerungen an die 80er Jahre wach, wodurch der leicht trashige Aspekt der Handlung unterstrichen wird.
Im Gegensatz zu den meisten Kritikern fand ich Taylor Kitsch in der Rolle des John Carter perfekt besetzt. Sein ernsthaftes Spiel passt zu der Art und Weise, wie Stanton den Film inszeniert hat. Knackige Oneliner oder selbstreferentielles Augenzwinkern sucht man vergebens. Dafür gibt es sympathische Nebencharaktere, eine heiße Prinzessin (Lynn Collins) und einen außerirdischen Turbohund zu bewundern. Neben den durchwegs positiven Aspekten hätte ich allein auf die teils übertriebenen Actionsequenzen – z.B. die hektische und billig aussehende Flugjagd durch Zodanga – verzichten können.
Fazit
In meinen Augen ist der Film unberechtigterweise gefloppt und ich hätte gerne noch einen – nun leider unwahrscheinlichen – zweiten Teil der Mars-Abenteuer gesehen. Dabei ließe sich ein solcher bestimmt mit weit weniger Budget verwirklichen, da die meisten 3D-Modelle wohl gebaut sein dürften und man in einem solchen auf unsinnig teure und übertriebene Actionszenen verzichten könnte. So oder so kann ich allen Freunden von „Star Wars“ (besonders solchen, denen auch die neue Trilogie gefallen hat) und Co. durchaus empfehlen einmal die Wurzeln der modernen Sci-Fi-Fantasy zu besuchen. Es lohnt sich: 8/10 Punkte.








