Der blaue Regenschirm – OT: The Blue Umbrella (2013)

Pixar-Filme zu besprechen ist schon immer anstrengend, muss man sich neben dem Hauptfilm – im aktuellen Fall „Die Monster Uni“ – auch noch einem Kurzfilm widmen. Wie immer war ich auf diesen auch sehr gespannt, besonders da ich im Vorfeld noch rein überhaupt nichts von „Der blaue Regenschirm“ gehört hatte.

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Die ersten Szenen konnte ich zunächst nicht zuordnen und fragte mich beinahe, ob Pixar sich erstmals an einem Realfilm bzw. einer Kombination aus Film und Animation versucht hatte. Extreme Detailaufnahmen, geringe Schärfentiefe und ein generell sehr filmischer Look könnten selbst geübte Augen trügen. Zumindest bis den Alltagsgegenständen, wie einem Postkasten oder einer Ampel, plötzlich Leben eingehaucht wird. Dabei greift Pixar das auch im Internet weit verbreitete Phänomen der Gesichter in Alltagsgegenständen auf, was zu einigen netten Effekten führt.

Die titelgebenden Regenschirme sind dagegen eher klassich animiert, was einen gewissen Charme besitzt. Die Geschichte ist ruhig und lebt vor allem durch die Inszenierung und die Kraft der Bilder. Nett, aber nicht überraschend. Schön, aber nicht herzergreifend. Am Ende wird vor allem die grandiose Optik in Erinnerung bleiben – und die Frage, ob man von Pixar demnächst einen Film in fotorealistischem Look zu sehen bekommen wird: 8/10 Punkte.

Im Flug erobert – OT: Paperman (2012)

Nach langer Zeit habe ich mir heute im Vorprogramm zu „Ralph reichts“ einmal wieder einen Kurzfilm angesehen. Disneys „Im Flug erobert“ (bzw. „Paperman“ im Original) hat Anfang des Jahres sogar den Oscar für Bester animierter Kurzfilm gewonnen und somit war ich doppelt gespannt, ob der Film seinem Ruf gerecht wird…

paperman

Zunächst einmal muss ich sagen, dass mir der Animationsstil ausgezeichnet gefällt: schön klassisch in schwarz-weiß gehalten und trotz 3D-Technik eher handgezeichnet anmutend. Daraus ergibt sich eine wunderbar dynamische Art der Kameraführung, die jedoch nicht von den Charakteren und der Geschichte ablenkt. In diesem Stil würde ich mir gerne einen kompletten Film ansehen. Herrlich!

Auch die Geschichte weiß zu gefallen: ein erstes Kennenlernen, dann eine zweite Chance und dann… ja, dann zerfällt der Film leider. Im letzten Drittel gibt es eine Wendung, die so nicht nötig gewesen wäre und die dem Film meiner Meinung nach seinen unschuldigen, zauberhaften Charme nimmt. Dennoch ist „Paperman“ nett anzusehen, wenngleich ihm die ursprünglich volle Wertung dadurch verwehrt bleibt: 8/10 Punkte.

La Luna (2012)

Wie üblich bei Pixar-Filmen, gab es auch vor „Merida: Legende der Highlands“ einen neuen Kurzfilm zu sehen. Normalerweise ist mir dieser oder zumindest seine Prämisse bereits im Vorfeld bekannt, doch von „La Luna“ wusste ich bis auf den Titel noch nichts. Glücklicherweise…

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Bisher gab es in den Pixar-Kurzfilmen viel Humor und Experimentelles zu sehen. „La Luna“ setzt dagegen voll und ganz auf Emotionen. Die kurze Geschichte ist so liebevoll erzählt und animiert, dass es eine wahre Freude ist. In knapp 6 Minuten erwachen die Charaktere zum Leben und man begleitet sie ohne Zweifel oder Gedanken an Logik auf ihre Mission, die wahrlich herzallerliebst ist.

Zwar kann man den Twist am Ende schon recht früh erahnen, doch darum geht es in erster Linie auch nicht. Mich hat der Film vollends begeistert und ich werde ihn in den nächsten Tagen bestimmt meiner Tochter vorführen – und das ist das schönste Kompliment, das ich diesem Film machen kann: 10/10 Punkte.

Day & Night

Bevor ich gestern Abend mit „Toy Story 3“  einen der von mir wohl am meisten erwarteten Filme gesehen habe, gab es zuvor mit „Day & Night“ – ganz nach Pixar-Tradition – einen Kurzfilm zu bewundern. Und was für einen. Pixar experimentieren in ihren Kurzfilmen ja seit jeher mit neuen Techniken, doch hier wurde wahrlich neues Terrain betreten.

Die Handlung ist schwer zu beschreiben und eher abstrakt: Der personifizierte Tag trifft auf die personifizierte Nacht. Dabei führen sie sich gegenseitig ihre Eigenheiten vor. Es kommt zu einer Art Wettkampf um die Frage, welche denn die schönere Tageshälfte ist. So präsentiert der Tag z.B. eine Bikinischönheit, während die Nacht mit Autokino und Feuerwerk auftrumpfen kann. Wer wohl am Ende gewinnt?

„Day & Night“ ist der wohl bisher ungewöhnlichste Kurzfilm der kalifornischen Animationsschmiede. Einerseits aufgrund der Geschichte, andererseits aufgrund der Umsetzung. So spielen hier erstmals – zumindest in diesem Ausmaß – 2D- und 3D-Elemente zusammen, was einen ungewöhnlichen Look erzeugt. Durch die Maskentechnik kommt es zudem zu ganz besonderen Effekten, welche Anfangs befremdlich wirken, letztendlich aber ein Feuerwerk an Ideen ermöglichen.

Auch wenn es „Day & Night“ wohl nicht unter meine Kurzfilmfavoriten schafft, muss ich dennoch die irrwitzige Spielfreude würdigen, die Pixar hier aus dem Hut zaubert. Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Zusammen mit der gelungenen Umsetzung ein wunderbarer, experimenteller Kurzfilm. Sehr sehenswert: 8/10 Punkte.

Teilweise wolkig – OT: Partly Cloudy

Wie es bei Pixar schon seit Jahren üblich ist, gibt es auch zu „Oben“ einen zugehörigen Kurzfilm. Oft werden in diesen animated shorts neue Techniken ausprobiert, was auch auf „Teilweise wolkig“ zutrifft. Wie es der Titel schon andeutet, darf man sich auf viele fluffige Wolkeneffekte freuen, die wirklich einen Augenschmaus darstellen. Doch wie sieht es mit der Handlung aus?

Die Idee für „Teilweise wolkig“ ist durchaus amüsant: Wolken sorgen für den Nachwuchs und Störche bringen diesen zu Mensch und allerlei Getier. Ein spezieller Storch hat es dabei nicht besonders leicht und darf die etwas schwierigeren Fälle austragen. Aus dieser Prämisse ergeben sich allerlei lustige Animationen, welche wirklich schön anzusehen sind. Allerdings verpufft die Geschichte gegen Ende etwas, da der Schlussgag nicht wirklich zünden mag. Absolut kein Vergleich zum Gagfeuerwerk, das im vorjährigen „Presto“ abgefeuert wurde.

Letztendlich ist Pixar auch mit „Teilweise wolkig“ ein sehenswerter Kurzfilm gelungen, der allerdings vor allem visuell zu überzeugen weiß. Kurzweilige fünf Minuten, die jedoch etwas mehr Feinschliff in der Handlung hätten vertragen können: 7/10 Punkte.

Presto

Gestern habe ich es endlich zu „WALL·E“ ins Kino geschafft. Davor gab es natürlich wieder den für Pixarfilme obligatorischen Kurzfilm – und was für einen! „Presto“ hat sich sofort in mein Animationsherz gespielt und konnte sich einen Platz unter meinen liebsten animated shorts sichern.

Presto (2008) | © Walt Disney

Presto (2008) | © Walt Disney

Wie bereits beim letztjährigen „Lifted“ ist die Prämisse herrlich einfach: Ein Zauberer, ein Hase und zwei Zauberhüte, die in direkter Verbindung zueinander stehen. Die einfachsten Geschichten sind meist wirklich immer die besten. Was Pixar aus dieser Idee für ein Animationsfeuerwerk abfeuert, sucht wirklich seines gleichen. Einfach grandios!

Für mich war „Presto“ bereits vor dem Hauptfilm ein klares Highlight. Wunderbar animiert mit perfektem comic timing – da stimmt einfach alles: 10/10 Punkte.

Die Einmannband – OT: One Man Band

Zu jedem Pixar-Film gehört ein Kurzfilm. Was „Lifted“ für „Ratatouille“ ist, war „Die Einmannband“ für „Cars“. Letzterer ist jedoch eher unbekannt und auch nicht so beliebt, wie die Lehrstunde des kleinen Außerirdischen – und damit verhält es sich mit dem Kurzfilm ähnlich wie mit dem dazugehörigen Hauptfilm.

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Die Geschichte von „One Man Band“ ist simpel und schnell erzählt: Es geht um den Wettschreit zweier Einmannbands. Die Animatoren haben einmal wieder ganze Arbeit geleistet und der Schlussgang ist nett. Doch reißt mich der Film zu keinen Begeisterungsstürmen hin. Auch die Art der Darstellung ist irgendwie befremdlich. Vermutlich zu wenig cartoonhaft.

„Die Einmannband“ ist ein absolut sehenswerter Kurzfilm, doch irgendwie fehlt für mich das gewisse Etwas. Da hat man schon besseres gesehen: 7/10 Punkte.

Lifted

Gestern habe ich es nun endlich ins Kino geschafft, um „Ratatouille“ zu sehen. Zu Beginn gab es – wie für Pixar üblich – einen Kurzfilm. Nachdem ich mich damals bei „For the Birds“ beinahe weggeschmissen hätte vor Lachen, war ich mehr als gespannt auf „Lifted“ – ein Film, der die Essenz der Animation einfängt und eine perfekte Studie in Sachen Timing darstellt.

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So sehr ich auch die abendfüllenden Pixarfilme liebe, so sehr überraschen mich dann gerade immer die vorangestellten Kurzfilme. Hier wird die zugrunde liegende Situation stets 100%ig ausgenutzt. Die Charaktere müssen sofort beim Zuschauer ankommen und es darf sich nicht mit langen Erklärungen aufgehalten werden. Die Animation muss zudem punktgenau sitzen und die Vorstellung die der Zuschauer von den Charakteren hat unterstützen. „Lifted“ macht all dies par excellence.

Angehende Animatoren können von den Kurzfilmen der erfolgreichen Animationsschmiede unglaublich viel lernen. Hier versteckt sich die reine Essenz. „Lifted“ hat mich wirklich ausgezeichnet unterhalten, wenngleich er es auch nicht schafft auf den Spitzenplatz der animated shorts zu kommen: 9/10 Punkte.

Surprise!

Der Kurzfilm „Surprise!“ von Veit Helmer (damals noch Student an der Hochschule für Fernsehen und Film München) war bei der Kinoauswertung Vorfilm von Tom DeCillos „Living in Oblivion“. Eine wunderbare Einleitung in die skurille Welt des Filmemachens.

Zunächst sticht besonders der Look des Films hervor: Er wurde Frame für Frame handcoloriert. Dadurch ergibt sich eine beinahe schon surreale Atmosphäre, die die Handlung des Films perfekt unterstützt. Die Geschichte selbst ist toll ausgeführt und bietet den – für Kurzfilme obligatorischen – Überraschungseffekt am Ende. Wirklich sehr unterhaltsam und schön anzusehen: 9/10 Punkte.

Leroy räumt auf

Durch Paul bin auf den Kurzfilm „Leroy räumt auf“ gestoßen. Diesem folgt demnächst vermutlich sogar eine Kinoversion, deren Trailer ich vor dem letzten Sneak-Desaster bewundern durfte.

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Der Film handelt von Deutschland. Von Deutschen. Von Ausländern. Von deutschen Ausländern. Im Mittelpunkt der Geschichte steht das kumpelhafte Verhältnis von Leroy zu ein paar Skinheads, deren Anführer der Bruder seiner Freundin ist. Durch die ironisch/humorvolle Sicht Leroys auf die Sache der Skinheads bekommt der Film eine ganz eigene Dynamik. Wirklich klasse!

Teils hatte ich das Gefühl, dass man sich nicht so recht zwischen reiner Komödie und gesellschaftkritischen Ansätzen entscheiden konnte. Diese Kombination wirkt teils etwas gezwungen, funktioniert im Großen und Ganzen aber doch ziemlich gut. Inszenatorisch ist der Film zudem über jeden Zweifel erhaben.

Ein wirklich starker Kurzfilm, dessen Kinoverwertung sich anstrengen darf, die pointierte Lockerheit dieser unterhaltsamen 18 Minuten zu erreichen: 8/10 Punkte.

Herunterladen kann man sich den Film hier: Leroy räumt auf (MP4, 66 MB)