Out of Sight (1998)

Es gibt Filme, die in gewissen Lebensabschnitten eine besondere Bedeutung besitzen. Auch Steven Soderberghs „Out of Sight“ gehört zu diesen Filmen. Ich weiß noch genau, wie sehr ich den Film damals bei der ersten Sichtung im Kino mochte. George Clooney war spätestens seit „From Dusk Till Dawn“ enorm angesagt und bereits im Jahr zuvor gelang es Quentin Tarantino mit der Elmore Leonard-Verfilmung „Jackie Brown“ zu begeistern. Soderbergh kombinierte nur noch beide Elemente: Was sollte da noch schief gehen?

Glücklicherweise nicht viel. Auch wenn Stephen Soderbergh nicht komplett die entspannte Coolness eines „Jackie Brown“ erreicht, so ist seine Elmore Leonard-Adaption doch eine unglaublich unterhaltsame Mischung aus Caper-Movie und Screwball-Komödie. George Clooney und Jennifer Lopez geben wahrlich ein fantastisches Leinwandpaar mit erstaunlich glaubwürdiger Chemie ab. Damals hatte ich nach diesem Film und Oliver Stones „U-Turn“ sogar noch große Hoffnungen für Frau Lopez als Schauspielerin – doch das war bevor sie sich auf ihr Latinageträller konzentrierte. Auch die restlichen Schauspieler, wie Ving Rhames, Steve Zahn, Don Cheadle, Dennis Farina und Samual L. Jackson (mit einem Cameoauftritt) können sich sehen lassen.

Soderbergh inszeniert die flotte Gangstergeschichte lockerleicht und lässt Miami in sonnendurchfluteten Bildern aufleben, nur um uns in der zweiten Filmhälfte ins düsterkalte Detroit zu entführen. Die nicht chronologisch erzählte Geschichte ist ausreichend komplex, kann jedoch nicht an die in den 90er Jahren populären Gangsterfilme Tarantinos anknüpfen. Die Stärken von „Out of Sight“ liegen eher in der Kombination aus glaubwürdiger Liebesgeschichte und Gangsterkomödie. Beide Bestandteile des Films harmonieren dafür aber ausgezeichnet miteinander.

Auch wenn man dem inzwischen immerhin schon 14 Jahre alten Film die 90er Jahre ansieht, so ist er doch überraschend gut gealtert. Zwar konnte er mich bei dieser aktuellen Sichtung nicht mehr zu solchen Begeisterungsstürmen hinreißen, wie noch damals, doch hat er mich erneut zwei Stunden bestens unterhalten – und ich bin mir sicher das wird ihm auch das nächste Mal gelingen. Wer den Film noch nicht kennt, sollte sich von der Liebesgeschichte nicht abschrecken lassen und sich ganz entspannt auf das Abenteuer „Out of Sight“ einlassen: 8/10 Punkte.

Tödliche Weihnachten – OT: The Long Kiss Goodnight (1996)

Aufgrund der winterlichen Wetterverhältnisse, habe ich gestern Abend einmal wieder einen thematisch passenden Film hervorgeholt, den ich bestimmt schon seit gut 10 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Die Rede ist von Renny Harlins „Tödliche Weihnachten“, der mich damals bei nahezu jeder TV-Ausstrahlung ziemlich gut zu unterhalten wusste. Trügt die Erinnerung an vergnügliche Stunden oder kann der Film auch heute noch überzeugen?

Ich muss gestehen, dass mir die Handlung des Films nur noch sehr rudimentär im Gedächtnis war. An die Eckpfeiler der Geschichte – eine Art Vorwegnahme der Verfilmung von Robert Ludlums „Die Bourne Identität“ – konnte ich mich jedoch noch recht gut erinnern, weshalb die Aufdeckung der Identität Samantha Caines bzw. Charly Baltimores keine große Überraschung darstellte. Der Weg zum großen Finale ist mit diversen Actioneinlagen gespickt, die allesamt herrlich altmodisch inszeniert sind. Ein typischer Actionfilm der 90er Jahre eben – und hier macht es einem der Film manchmal nicht gerade leicht,  denn oftmals ist es nur ein schmaler Grat zwischen herrlich altmodisch und einfach nur altbacken, was sich besonders in der Figur des Mitch Henessey äußert. Ein typischer Sidekick dieser Epoche.

Ich für meinen Teil bin großer Anhänger des 80er/90er Jahre Actionkinos, weshalb mir der Film auch heute noch enorm viel Spaß macht. Dieser Wahrnehmung liegt allerdings ein nicht zu vernachlässigender Grad an nostalgischer Verklärung zugrunde, weshalb ich vermute, dass „The Long Kiss Goodnight“ für die Sehgewohnheiten heutiger Zuschauer ziemlich überholt wirkt. Auch wenn Geena Davis in diesem Film oftmals überfordert wirkt, so freut es mich doch stets eine weibliche Actionheldin zu sehen, die den starken Part in der Geschichte übernimmt und dabei wahrlich keine Gefangenen macht.

Auch wenn Look und Inszenierung heute schon ein wenig Staub angesetzt haben, so beweist Renny Harlin auch in „The Long Kiss Goodnight“ sein Händchen für imposante Action. Besonders das Finale an den Niagara-Fällen hat es mir besonders angetan. Was für ein herrlich übertriebenes Actionfeuerwerk! Von den großen Genreklassikern ist der Film weit entfernt, Shane Black hat auch schon deutlich bessere Drehbücher geschrieben und wenn man nicht mit dem Film aufgewachsen ist, sollte man vermutlich nicht zu viel erwarten. Ich jedoch hatte wieder enorm viel Spaß mit dem Ausflug zurück in eine einfachere Zeit, in der Action noch Action war und Mobiltelefone ein Kilo wogen: 7/10 Punkte.

Midnight in Paris (2011)

Woody Allen hatte ich nie bewusst auf meinem filmischen Radar. Die meisten seiner Klassiker kenne ich noch von diversen TV-Ausstrahlungen, doch aktiv beschäftigt habe ich mich nie mit dem misanthropischen Stadtneurotiker. Durch seinen jüngsten Film „Midnight in Paris“ ist er jedoch wieder in mein persönliches Rampenlicht gerückt. Es mag an Paris liegen, der phantastisch angehauchten Prämisse oder auch Owen Wilson, den ich für ziemlich unterschätzt halte. Es sollte eine magische Reise werden…

Ich war 17 als ich mit Freunden zum ersten Mal alleine und unbeaufsichtigt in einer großen Stadt Urlaub machte. Eine abgehalftere Jugendherberge in Paris, rudimentärste Sprachkenntnisse und ein Gefühl von Abenteuer. Die Erinnerung daran kommt mir vor wie aus einem anderen Leben. Dennoch habe ich dieses magische Gefühl, das Paris bei diesem kurzen Trip vor gut 14 Jahren bei ausgelöst hat, nicht vergessen. Und genau solch ein magisches Gefühl gelingt es Woody Allen in „Midnight in Paris“ heraufzubeschwören. Es ist weniger die Handlung des Films, die über weite Strecken vorhersehbar bleibt, oder die oft nur angerissenen Charaktere – nein, es ist die beinahe schon magische Atmosphäre, die den Film so sehenswert macht.

Gil Penders nächtliche Streifzüge, die letztendlich – wie sollte es auch anders sein – in einer für den Zuschauer nur konsequenten Selbsterkenntis gipfeln, hat Allen so herrlich unspektakulär in die Handlung eingewoben, dass es eine wahre Freude ist. Es gibt keine forcierten Erklärungsversuche und kein aufgesetztes Hinterfragen. Unser verhinderter Autor nimmt die Situation wie sie ist und stürzt sich kopfüber in die Roaring Twenties. Die dort stattfindenden Begegnungen mit nahezu jeder Künstlergröße dieser Epoche sind wunderbar unterhaltsam inszeniert und mit pointierten Dialogen durchsetzt. Ich muss jedoch zugeben, dass wohl nur jede dritte Anspielung zu mir durchgedrungen ist. Zwar konnte ich nahezu jeden Namen einordnen, habe gewisse Werke gelesen oder gesehen, doch um wirklich alles verstehen zu können, müsste man sich wohl ausführlicher mit Literatur und bildender Kunst der damaligen Zeit auseinandersetzen.

Große Kritikpunkte kann ich an „Midnight in Paris“ nicht finden. Von mir aus hätte der Film ruhig noch etwas länger laufen können, doch dies ist eigentlich nur ein weiteres Kompliment. Man verabschiedet sich – wie im atmosphärisch ähnlich gelagerten „Before Sunrise“ – eben nur sehr ungern vom nächtlichen Paris, den inspirierenden Begegnungen und auch der Hauptfigur. Das Ende hat mir zwar gut gefallen, doch war es viel zu vorhersehbar, wie leider große Teile der Handlung des Films. Formal hätte ich auf den exzessiv eingesetzten Gelbstich der Farbkorrektur verzichten können. Natürlich wollte Allen eine Postkartenidylle schaffen. Ein verklärtes Parisbild nicht ohne Ironie. Einen Künstlertraum. Doch weniger wäre hier in meinen Augen mehr gewesen.

Insgesamt ist Woody Allens jüngster Film unglaublich entspannte Unterhaltung. Ein Wohlfühlfilm, wie er im Buche steht. Owen Wilsons Gil Pender ist dabei kein schlecht gelaunter Misanthrop, sondern ein nostalgischer Träumer – und gerade dies macht den Film in meinen Augen so sympathisch. Ich bin mir fast sicher, dass ich bei einer garantiert folgenden nächsten Sichtung des Films besser über seine Schwächen hinwegsehen kann. Es ist noch Potential vorhanden. Dennoch möchte ich schon jetzt eine dringende Empfehlung aussprechen. Nicht nur für alle Träumer da draußen. Starke 8/10 Punkte.

Source Code (2011)

Es gibt so gewisse Themengebiete, deren Verarbeitung in einem Film diesen sogleich mit höherer Priorität auf meinem Radar auftauchen lassen. Zu diesen gehören u.a. Zeitreisen, Identitätsverlust und parallele Welten. Kein Wunder also, dass es Duncan Jones‘ „Source Code“ ziemlich schnell gelungen ist mein Interesse zu wecken. Mir hatte ja bereits Jones‘ Debütfilm „Moon“ ziemlich gut gefallen und auch wenn sein Zweitwerk größtenteils schwächer bewertet wird, so war ich doch äußerst gespannt auf die Verwebung der verschiedenen Grundthemen. Spoiler sind zu erwarten.

Oberflächlich betrachtet lässt sich der Film als Sci-Fi-Variante von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ beschreiben. Colter Stevens (Jake Gyllenhaal, „Donnie Darko“) wird durch ein quantenphysikalisches Konstrukt in das Bewusstsein eines Anschlagsopfers kurz vor dem Anschlag zurückgeschickt, um den Täter zu identifizieren. Solch ein Sprung kann aufgrund der Funktionsweise des menschlichen Gehirns nur 8 Minuten dauern, weshalb die Zeit im fremden Bewusstsein begrenzt ist und wir im Film diverse Herangehensweisen erleben, den Täter zu ermitteln. Die Zeitreise, die eigentlich keine ist, bildet jedoch nur einen kleinen Bestandteil des Films. Daneben hat Stevens mit Orientierungsverlust und dem Wechsel der Identitäten zu kämpfen. Diese Passagen erinnern sehr an Bruce Willis‘ Befragungen in Terry Gilliams „12 Monkeys“ und lassen uns Zuschauer ebenso im Dunkeln tappen, wie die Hauptfigur.

Ähnlich wie in „Moon“ wird die Wendung des Films nicht als solche zelebriet. Die Hinweise sind zuvor ohnehin bereits vielfältig und auch der Zeitpunkt ist so gewählt, dass man als Zuschauer keinen aufgesetzten WTF-Moment erleben muss. Bereits nach der ersten Stunde scheint die eigentliche Geschichte abgehandelt. Der Täter ist überführt und weitere Anschläge sind verhindert worden. Ziel erreicht? Nein, denn auch in Jones‘ zweitem Film steht die Reise der Hauptfigur im Vordergrund. Deren Auflösung mag man nun verkitscht oder unlogisch finden, doch ich für meinen Teil war wirklich angetan. Ein äußerst gelungenes Ende, das auch schön zeigt, dass die Prämisse des Films doch deutlich komplexer ist, als es auf den ersten Blick scheint.

Mich hat „Source Code“ mindestens ebenso gut unterhalten wie „Moon“. Die Filme sind sich auch ähnlicher, als man dies zunächst vermuten würde. Duncan Jones hat sich somit als Genre-Regisseur bewiesen und spätestens jetzt freue ich mich schon auf seinen nächsten Film. Auch wenn die meisten Kritiken nicht sonderlich euphorisch sind, so kann ich den Film Genrefans doch nur ans Herz legen. Er erinnert zudem ein wenig an „Inception“, verzichtet jedoch auf die überbordende Action und erklärt dem Zuschauer nicht jedes noch so kleine Detail. Ihr seht: Ich war begeistert. Nun bin ich auf eure Meinungen gespannt: 8/10 Punkte.

Kill the Boss – OT: Horrible Bosses (2011)

Gestern Abend stand wieder einmal eine Komödie auf dem Plan, auf die ich mich sehr gefreut hatte. Seth Gordons „Kill the Boss“ versprach überdrehte Unterhaltung, die einem „The Hangover“ in nichts nachsteht. Auf die Kinosichtung hatte ich jedoch aufgrund des fehlenden Angebots der englischen Originalfassung verzichtet, auf die ich – insbesondere bei Komödien – unbedingt Wert lege. So kam es also, dass der Film sein gesamtes Humorpotential auf dem heimischen Bildschirm wohl nicht entfalten konnte…

Die Idee des Films ist so einfach wie genial. Wer hat seinen Boss nicht schon einmal zum Teufel gewünscht? „Horrible Bosses“ – so übrigens der dezentere Originaltitel – geht noch einen Schritt weiter und lässt unsere drei Hauptcharaktere ihre Mordfantasien ausleben. Zumindest scheint es anfangs so. Auf jeden Fall bietet der Film eine Prämisse, die wohl jeder bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen kann. Um auch das größtmögliche Publikum zu erreichen lässt der Film deshalb kein Klischee aus. Man kann sich bis zu einem gewissen Grad sowohl in den Identifikationsfiguren wiederfinden, als auch die immense Antipathie gegen ihre Bosse verstehen. Von nachvollziehbar (Jason Bateman vs. Kevin Spacey) bis total überdreht (Charlie Day vs. Jennifer Anniston) ist alles dabei.

Die Handlung bleibt dabei oft erschreckend vorhersehbar – und gerade hier ist der Unterschied zum gerne als Vergleich herangezogenen „The Hangover“ enorm. „Horrible Bosses“ setzt eher auf Starpower und weiß diese auch effektiv einzusetzen. Kevin Spacey, Jennifer Anniston und Colin Farrell als fiese Chefs auftreten zu lassen, ist das Ergebnis eines wahrlich großen Besetzungscoups. Auch Jamie Foxx weiß als Kleinkrimineller zu überzeugen. Doch am meisten begeistert haben mich immer noch die Darsteller der drei Hauptcharaktere – allen voran Jason Bateman (Michael Bluth, „Arrested Development“) und Charlie Day (Charlie Kelly, „It’s Always Sunny in Philadelphia“).

Erstaunlicherweise hat mich besonders die erste halbe Stunde des Films relativ kalt gelassen, in der man den größten Teil der Interaktion mit den titelgebenden Chefs sieht. Wahrscheinlich auch deshalb, weil wieder einmal zu viel durch den Trailer verraten wurde. Danach haben es mir besonders die teils absurden Wortgefechte angetan, wenngleich ich auch stets das Gefühl hatte, dass hier noch mehr möglich gewesen wäre. Am Ende ist der Film zu brav und in seiner Erzählstruktur zu konventionell, um 100%-ig überzeugen zu können. Durchaus unterhaltsam, doch ohne Starpower und die mir ans Herz gewachsenen Seriendarsteller würde die Bewertung deutlich schlechter ausfallen. Knappe 7/10 Punkte.

Going Postal: Ab die Post (2010)

Gestern Abend stand endlich ein weiterer Besuch der Scheibenwelt auf dem Plan. Mit „Going Postal“ hatte man dieses Mal sogar wieder einen Roman verfilmt, dessen Vorlage mir bekannt ist. Bereits damals fragte ich mich, wie man die komplexe und technisch teils äußerst aufwendige Geschichte jemals verfilmen könnte. Umso überraschter war ich insofern, dass man sich gerade dieses Buch ausgesucht hatte – andererseits: Welches Terry Pratchett-Werk wäre aufgrund seiner überbordenden Fantasie nicht schwierig zu verfilmen?

Wie bereits zuvor „Hogfather“ und „The Color of Magic“ wurde auch diese dritte Scheibenwelt-Verfilmung vom britischen TV-Sender Sky One produziert. Demzufolge handelt es sich bei „Going Postal“ auch um einen TV- und keinen Kinofilm. Dies hat Vor- und Nachteile, doch meiner Meinung nach kann man als Zuschauer und Terry Pratchett-Fan wirklich froh sein, dass man sich bei der Adaption für dieses Format entschieden hat. So gibt es zwar deutliche Einschränkungen was das Budget angeht, doch kann man sich aufgrund der Laufzeit von gut drei Stunden wunderbar auf die Geschichte und die Charaktere konzentrieren. Und mal ehrlich: Würden sich Hochglanz-Effekte tatsächlich gut bei der Visualisierung von Ankh-Morpork machen?

Als Adaption funktioniert „Going Postal“ wirklich tadellos. Ich war wirklich überrascht, wie gut es gelungen ist das Gefühl, die Figuren und die Struktur der Vorlage abzubilden. Eine Verfilmung, die „Ab die Post“ – so der deutsche Titel der Vorlage – absolut gerecht wird. Natürlich gibt es Abweichungen und manche Charaktere sind nicht so gut ausgearbeitet, wie ich mir das gewünscht hätte. Insgesamt jedoch kann man sich auch als Freund und Kenner der Vorlage absolut nicht beschweren und auch wenn „Ab die Post“ nicht zu meinen Lieblingsbüchern der Scheibenwelt-Reihe zählt, so funktioniert der Film als Adaption doch noch einmal deutlich besser, als dies bei „The Color of Magic“ der Fall war. Bitte mehr davon, Sky One!

Neben der natürlich exzellent ausgearbeiteten Geschichte, die eine Satire auf das Unternehmertum, die moderne Telekommunikation und noch unzählige andere Elemente des modernen Leben ist, überzeugen vor allem die allesamt exzellent gewählten Schauspieler: So wird die Hauptfigur Feucht von Lipwig von Richard Coyle (Jeff, „Coupling“) gespielt, Charles Dance (Tywin Lannister, „Game of Thrones“) gibt einen herrlich undurchschaubaren Lord Vetinari und Tamsin Greig (Beverly Lincoln, „Episodes“) ist in einer Nebenrolle als Reporterin zu sehen. Auch die restlichen Darsteller passen erstaunlich gut ins Scheibenwelt-Setting und vermitteln das richtige Gefühl für diese herrlich absurde Welt.

Glaubt man den Gerüchten, so soll die nächste Scheibenwelt-Verfilmung bereits in den Startlöchern stehen. Sky One hat sich anscheinend „Unseen Academicals“ (deutscher Titel: „Der Club der unsichtbaren Gelehrten“) ausgesucht, das bereits in Buchform allerdings erstaunlich schlechte Kritiken bekommen hat. Ich bin dennoch gespannt und kann die Bemühungen des Senders weitere Verfilmungen zu produzieren nur unterstützen. Sie haben das Unmögliche möglich gemacht und Terry Pratchetts wunderbare Welt glaubhaft auf den Bildschirm gezaubert. Für Fans und solche, die es werden wollen eine großartige Erfahrung: 9/10 Punkte.

Welcome to the Jungle – OT: The Rundown

Es gibt Filme, von denen weiß ich bereits zuvor, dass sie mir gefallen werden. Ebenso gibt es Filme, denen gehe ich bewusst aus dem Weg, da ich weiß, dass sie nicht auf meiner Wellenlinie liegen. Dann wiederum gibt es Filme, die kann ich überhaupt nicht einschätzen und deren Erstsichtung somit zum Glücksspiel verkommt. Peter Bergs „Welcome to the Jungle“ ist solch ein Film. Schon oft dachte ich mir, dass er eigentlich recht unterhaltsam sein müsste, doch gewisse Faktoren hielten mich stets von einer Sichtung ab. Bis heute. Und das Ergebnis dieses filmischen Glücksspiels?

Ich wurde tatsächlich erfolgreich unterhalten. Zwar habe ich kein Meisterwerk des Actionkinos gesehen, doch war die Dschungelreise von Dwayne ‚The Rock‘ Johnson (Boxer Santaros, „Southland Tales“) und Seann William Scott (Stifler, „American Pie“) erfreulich kurzweilig. Irgendwie hat mich der Film stets etwas an Sylvester Stallones „The Expendables“ erinnert, nur dass die dort misslungenen Elemente – übertriebene Kampfszenen mit nur mangelhaftem 80er/90er Jahre Actiongefühl – in „The Rundown“ viel besser funktionieren. Herrlich, wie bereits in einer der ersten Szenen Arnold Schwarzenegger das Action-Zepter symbolisch an den Star des Films weiterzureichen scheint: „Have fun!“ Ganz soweit ist es ja nicht gekommen, doch der Spaß war ohne Zweifel vorhanden.

Neben dem launigen Setting und den gut aufgelegten Darstellern (inklusive Christopher Walken als Bösewicht), gibt es wahrlich wunderbar choreographierte Kampfszenen zu bewundern. Leider jedoch ist die Kamera stets etwas zu hektisch unterwegs und mit diversen Schnittspielereien hätte sich Peter Berg auch gerne zurückhalten dürfen. Hier geht dem Film viel von seinem Potential ab, da die an sich klassiche Inszenierung und Handlung – übrigens ähnlich wie in „The Expendables“ – dadurch zu einem gewissen Teil wieder zerstört wird.

„The Rundown“ ist wahrlich kein Meisterwerk, doch Actionfreunde dürften garantiert ihren Spaß damit haben. Hinzu kommt ein wenig Indiana Jones-Feeling für Arme und ein paar knackige Oneliner. Fertig ist der nahezu perfekte Feierabendfilm. Wäre ich bei der heutigen Sichtung nicht ganz so müde gewesen, hätte ich vermutlich noch mehr Spaß mit dem Film gehabt: 7/10 Punkte.

Planet der Affen: Prevolution – OT: Rise of the Planet of the Apes (2011)

Aktualisierung: Ich habe „Planet der Affen: Prevolution“ am 19. Dezember 2018 und am 3. Mai 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern Abend habe ich einen weiteren Blockbuster des vergangenen Jahres nachgeholt. Auch „Planet der Affen: Prevolution“ hätte ich gerne auf der großen Leinwand gesehen, doch konnte mich der Film auch auf dem heimischen Sofa überzeugen. Als ich von einem Neustart der Reihe hörte, war ich zunächst jedoch skeptisch. Komplett computergenerierte Affen? Ein inhaltlicher Bruch mit den Filmen der 60er/70er Jahre? Kann das wirklich gut gehen?

Planet der Affen: Prevolution (2011) | © Walt Disney / LEONINE

Planet der Affen: Prevolution (2011) | © Walt Disney / LEONINE

Das Experiment ist geglückt. Tim Burton hatte ja bereits 2001 versucht dem Franchise neuen Schwung zu verleihen und ist damit gnadenlos gescheitert. Besonders Kritiker ließen an dem Remake des 1968er „Planet der Affen“ kein gutes Haar, was vermutlich auch ein Grund ist, warum man mit „Rise of the Planet of the Apes“ – so der Originaltitel des jüngsten Films – einen radikalen Neuanfang wagte. Sowohl inhaltlich, als auch inszenatorisch hat man sich auf neues Gebiet gewagt und damit den einzig richtigen Weg eingeschlagen, um sowohl Fans der Reihe als auch neue Zuschauer gleichermaßen zu begeistern.

Wenn man ehrlich ist, dann ist die Handlung des Films nicht sonderlich innovativ. Man hat den Ursprung des Aufstiegs der Affen an die heutige Zeit angepasst: Die atomare Bedrohung wurde durch die Gentechnik ersetzt. Wie bereits im 1972er „Eroberung vom Planet der Affen“ steht ein Schimpanse namens Caesar im Mittelpunkt der Handlung, doch waren damals Rassenunruhen der thematische Hintergrund, steht heute die Selbstbestimmung der Natur im Zentrum. Der Ablauf der Handlung ist somit vorgegeben und weist nur wenige Überraschungen auf. Dennoch ist der Film wunderbar mitreißend erzählt.

Wie kaum ein zweiter Blockbuster der letzten Jahre setzt „Planet der Affen: Prevolution“ auf Emotionen, um seine Geschichte zu erzählen. Dies ist umso bemerkenswerter, da die tierischen Hauptfiguren komplett aus Bits und Bytes bestehen. Dank Einsatz des hochentwickelten Performance Capture-Verfahrens gelingt es jedoch die Darbietungen der Schauspieler – allen voran Andy Serkis (Gollum, „Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“) – nahezu 1:1 auf die computergenerierten Figuren zu übertragen. Der Effekt ist atemberaubend – und das weniger vom visuellen Standpunkt, als vom emotionalen her gesehen. So erlebt man echte Charaktere mit echten Gefühlen. Großartig!

Fazit

Mich hat „Planet der Affen: Prevolution“ wirklich wunderbar unterhalten. Die mitreißende Inszenierung lässt glücklicherweise über so einige Logikfehler hinwegsehen und die emotionale Wucht der Geschichte ist unerwartet unmittelbar. Nach dem Ende des Films wollte ich sofort wissen, wie es weitergeht und ich hoffe sehr, dass eine Fortsetzung geplant ist. Starkes Blockbusterkino, das besonders für den VFX-Einsatz neue Maßstäbe setzt. Inhaltlich nur ein Prolog, doch einer, der unbeschreiblich viel Lust auf mehr macht: 8/10 Punkte.

Halloween (2007)

Den heutigen kinderlosen Nachmittag habe ich genutzt, um mir einen Film anzusehen, der schon seit einer halben Ewigkeit in meinem Regal schlummert. Über Rob Zombies „Halloween“ wurde damals viel geschrieben. So berichteten manche Kritiker von einer visionären Neuinterpretation und wieder andere taten den Film als ideenloses Flickwerk ab. Der Film hätte somit theoretisch alles sein können, doch wie rücksichtslos Rob Zombie den Mythos Michael Myers zerstört, damit hatte ich wahrlich nicht gerechnet.

Bekannterweise erzählt Rob Zombie in seinem Remake die bisher nur angedeutete Hintergrundgeschichte einer der größten Ikonen des Horrorkinos. Auch wenn ich dies als großen Fehler sehe, da die geheimnisvolle Figur des Michael Myers vollkommen entmystifiziert wird, hätte man mit dem richtigen Ansatz das Franchise um einen neuen Blickwinkel erweitern können. Leider jedoch zaubert Zombie klischeehafteste Szenen aus dem Hut, die mit ihrer Küchenpsychologie eher peinlich komisch rüberkommen, als uns Zuschauer auch nur in irgendeiner Art und Weise an die Charaktere zu binden. Auch die nun folgende Zeit im Sanatorium samt Berfragung durch den als Dr. Loomis seltsam hilflos wirkenden Malcolm McDowell bringt keinerlei neue Erkenntnisse und ist zudem unglaublich langatmig und langweilig inszeniert.

Nach dem Sprung ins heutige Haddonfield wird John Carpenters Original nahezu unverändert nacherzählt. Dennoch liegen Welten zwischen den beiden Filmen. Angefangen bei den Darstellern, die in Zombies Remake keinerlei Sympathien auf ihre Seite ziehen können, bis zum desaströsen Drehbuch, das oft eher nach Parodie als nach einem ernsthaften Skript klingt, wirkt der Film wie eine der unzähligen und vernachlässigbaren Fortsetzungen des Originals und keinesfalls wie eine eigenständige Neuinterpretation. Teils musste ich mich tatsächlich durch den Film quälen, der immerhin ein paar nett anzusehende düster-dreckige Aufnahmen zu bieten hatte.

Ich kann Rob Zombies Remake nicht einmal den hartgesottensten Genrefans empfehlen. Schaut euch lieber noch ein dutzend Mal das stilprägende Original an. Zombies Machwerk langweilt dagegen nur mit 40 Minuten pseudo-psychologischem Geseiere in teils grotesken Bildern und zerstört den ursprünglich atmosphärischen Slasherteil durch nervige Charaktere und zu viel Blut. Für ein paar nett besetzte Nebenrollen und ein paar schöne Bilder gibt es knappe 3/10 Punkte.

Super 8 (2011)

Wie man es von J.J. Abrams-Produktionen gewohnt ist – seien es Serien oder Filme – wurde auch „Super 8“ sehr stark durch virales Marketing gepusht. Ließ der erste Teaser noch ein „Cloverfield“-Prequel vermuten, so ging schon bald das Raunen durch die filmische Blogosphäre, dass sich Abrams dieses Mal an einem 80er Jahre-Jugendabenteuer im Stil der Amblin-Produktionen versucht. Ab diesem Zeitpunkt war mir klar, dass ich diesen Film sehen muss. Unbedingt. Konnte er meinen immensen Erwartungen gerecht werden?

Von vielen Filmen wird behauptet sie seien eine Hommage an ein bestimmtes Genre. Nur die wenigsten dieser Filme können also solche wirklich überzeugen. „Super 8“ ist solch eine astreine Hommage. Nicht nur an ein Genre, sondern vor allem an eine Zeit, an einen Regisseur und eine Art und Weise Geschichten zu erzählen. Man merkt in nahezu jeder Szene die Liebe J.J. Abrams für das Genrekino der 70er/80er Jahre und besonders für das Kino Steven Spielbergs. So ist es auch kein Wunder, dass sich besonders Elemente aus drei auch meiner Lieblingsfilme („Die Goonies“, „E.T. – Der Außerirdische“ und „Unheimliche Begegnungen der dritten Art“) in diesem modernen und doch so herrlich altmodischen Jugendabenteuer wiederfinden lassen.

Dem Film gelingt es unbeschreiblich gut die späten 70er Jahre wieder aufleben zu lassen. Über weite Strecken hätte „Super 8“ tatsächlich in diesem Jahrzehnt gedreht werden können. Leider jedoch hat man diese Wirkung für einige übertriebene Effektszenen geopfert. Dies ist auch mein einziger großer Kritikpunkt an dem Film: Warum musste das – zugegebenermaßen beindruckend anzusehende – Zugunglück so übertrieben bombastisch inszeniert werden? Weniger wäre hier in meinen Augen mehr gewesen. Doch kann ich auch verstehen, dass man sich bei solch einer Produktion nicht einzig und allein auf den Nostalgiefaktor verlassen kann und für ein jüngeres Publikum entsprechende Schauwerte bieten muss.

Wer nach dem ersten Teaser etwas mehr Mystery erwartet hatte, wird auch enttäuscht worden sein. Die Geschichte um das entflohene Monster ist weder sonderlich wendungsreich noch innovativ. Hier hätte ich mir mehr Abenteuer und Überraschungsmomente gewünscht. Auch die Bedeutung des titelgebenden Super 8-Films ist leider nicht halb so groß, wie erwartet. Wirklich schade. Davon jedoch abgesehen erzählt „Super 8“ eine unerwartet rührende Geschichte und auch wenn das Finale zunächst in Effekten unterzugehen droht, so hat mir die letzte Szene jedoch Tränen in die Augen getrieben – und es hat sich gezeigt, dass Abrams Spielbergs Kino auch inhaltlich verstanden hat.

Neben der wunderbaren Ausstattung und den famosen Jungschauspielern, überzeugt vor allem die größtenteils klassische Inszenierung und Kameraarbeit (wenn man einmal von den übertriebenen Lens Flares absieht). Zwar ist die Geschichte nicht sonderlich innovativ oder mitreißend, was durch die nahegehende Reise der Charaktere und ihrer Familien mehr als nur ausgeglichen wird. „Super 8“ ist auf keinen Fall frei von Fehlern, doch wenn man – wie ich – mit den Amblin-Produktionen aufgewachsen ist und diese zu den persönlichen Lieblingsfilmen zählt, dann darf man auch gerne mal ein Auge zudrücken und in Nostalgie schwelgen: 9/10 Punkte.