A History of Violence (2005)

David Cronenbergs aktuellster Kinofilm „A History of Violence“ ist mir bereits durch den Trailer aufgefallen. Dieser Film schien so ganz anders zu sein, als seine vorangegangenen Werken, wie „eXistenZ“ oder „Naked Lunch“ – und so ist es tatsächlich: Das heißt in dieser Graphic Novel-Verfilmung gibt es keine Insektenmonster oder organische Implantate, keine Parallelwelten. Nur die brutale Realität.

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Ganz anders als bei den Vorgängern kommt „A History of Violence“ also ohne fantastisch anmutende Geschöpfe und diesbezügliche Effekte aus. Auch die Inszenierung erlaubt sich keinerlei Experimente und bleibt dem Realismus treu. Durch die langsamen Kamerafahrten und die langen Einstellungen verbreitet der Film Ruhe. Die Ruhe vor dem Sturm. Wenn es dann zur – bereits im Titel angekündigten – Gewalt kommt, bricht diese nicht nur auf den Zuschauer herein, sondern auch auf die Figuren im Film.

Mir hat in „A History of Violence“ besonders der ruhige Spannungsaufbau imponiert. Die geschaffene Atmosphäre ist unheilsschwanger und man weiß, das die Idylle jeden Moment in sich zusammenbrechen kann. Teils sind sogar Erinnerungen an David Lynchs „Blue Velvet“ wach geworden. Auch nach den ersten Gewaltakten bleibt der Film seiner Linie treu und verhältnismäßig realistisch. Leider hat mir die aktive Vergangenheitsbewältigung von Tom/Joey nicht sonderlich gefallen. Hier wirkt alles viel zu comichaft überzogen. Ich hätte mir eine wendungsreicheres oder auch offeneres Finale gewünscht.

Insgesamt ist „A History of Violence“ ein – aufgrund seiner ruhigen Inszenierung und seiner dichten Atmosphäre – toller Film. Die Geschichte ist einfach und realistisch. Leider fast schon zu einfach – und dem Realismus wird gegen Ende zudem etwas die Luft aus den Segeln genommen. Viggo Mortensen und Maria Bello können voll und ganz überzeugen. Ed Harris‘ und William Hurts Charaktere waren mir dagegen zu comichaft angelegt. Vermutlich funktioniert die Vorlage hier besser. Trotzdem sehr sehenswert: 7/10 Punkte.

The Final Cut

Mein Interesse an „The Final Cut“ wurde allein durch die dem Film zugrunde liegende Idee geweckt: In naher Zukunft können sich Menschen ihre Erinnerungen aufzeichnen lassen, die nach ihrem Tod von einem Cutter zu einer Art Best of zusammengeschnitten werden. Simpel und doch genial. Leider gelingt es der innovativen Grundidee nicht, den Film über die gesamte Länge tragen.

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Der Film beginnt mit einer Erinnerung, die für die Hauptfigur – einen von Robin Williams gespielten Cutter namens Alan W. Hakman – von großer Bedeutung ist und ihn bereits sein ganzes Leben verfolgt. Im Laufe des Films findet Alan heraus, dass ihn seine Erinnerung vielleicht täuscht. Nebenbei wird er zudem von einem Ex-Kollegen bedroht, der versucht an die Erinnerungen eines Konzernchefs heranzukommen. Diese eher kriminalistische Geschichte wirkt leider etwas aufgesetzt und die Motivation der Figuren will sich mir – auf emotionaler Ebene – nicht wirklich erschließen.

Umso interessanter sind die Diskussionen um die Möglichkeiten und Gefahren der angewandten Technik. Moralische und ethische Bedenken werden geäußert, die sich teils auch auf die klassischen audiovisuellen Medien anwenden ließen. Manipulation durch Auswahl und Montage. Eine sehr interessante Thematik, die leider nicht so weit vertieft wird, wie ich es mir gewünscht hätte. Allerdings auch verständlich, da hier immer noch ein Film mit Geschichte erzählt wird. Eine engere Verknüpfung der hoch interessanten Grundidee mit der Geschichte Alans wäre jedoch wünschenswert gewesen.

So bleibt am Ende nur ein leidlich spannender Film mit einem starken Robin Williams und einer intelligenten Ausgangssituation, aus der jedoch viel mehr herauszuholen gewesen wäre: 6/10 Punkte.

Alien vs. Predator – Erweiterte Fassung (2004)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 22. Dezember 2016 veröffentlicht.

Ich liebe die „ALIEN“-Filme. Ich bin mit ihnen aufgewachsen und sie stehen noch heute für unglaublich atmosphärische Sci-Fi-Unterhaltung. Zumindest die ersten beiden Teile sind unbestrittene Klassiker des Genres. Mit den beiden „Predator“-Filmen konnte ich nie so viel anfangen. Sicherlich gute 80er Unterhaltung, aber weit entfernt von der Genialität eines „ALIEN“. Nun also „Alien vs. Predator“. Mir war von Beginn an klar, dass ich hierbei weder einen Teil der „ALIEN“-, noch einen der „Predator“-Reihe erwarten durfte. Allein Regisseur Paul W. S. Anderson hat die weltweite Fangemeinde in Angst und Schrecken versetzt, hat dieser doch u.a. filmische Desaster wie „Mortal Kombat“ verbrochen. Allerdings stammt von ihm auch der atmosphärische „Event Horizon“. Das – und die Tatsache, dass ich es hier mit einer simplen Comic-Verfilmung zu tun habe – im Hinterkopf, konnte ich mich eigentlich ganz gut unterhalten lassen.

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Die Exposition bis zur Ankunft in der Pyramide ist schön aufgebaut und macht Lust auf den kommenden Hauptteil des Films. Allerdings wird hier bereits klar, dass alle Charaktere den gängigen Monsterfilm-Klischees entsprechen und sie in der kommenden Stunde einer nach dem anderen den beiden Kreaturen zum Opfer fallen werden. In der Pyramide selbst wird die Truppe dann auch kräftig dezimiert, um am Ende eine Lt. Ripley-Gedächtniskämpferin zurück zu lassen. Würden die Monster nicht bekannten Franchises entspringen, könnte man den Film getrost als ziemliche Gurke bezeichnen.

Doch da sind sie: Aliens und Predatoren. Vereint in einem Film. Allein der Kampf der beiden Kreaturen in der Mitte des Films ist es wert gesehen zu werden. Genauso stellt man sich das vor. Bei der letzten Einstellung des gewinnenden Aliens zaubert Paul W. S. Anderson sogar eine wunderschöne Totale, die getrost aus einem „ALIEN“-Film stammen könnte. Leider bleibt es dann auch dabei. Der Rest ist reichlich uninspiriert und wenn sich Menschen und Predatoren verbünden, löst das beim Fan im ersten Moment nur Kopfschütteln aus. Wenigstens kommt es so am Ende noch zu einem netten Schlusskampf mit der Alienqueen. Danach konnte ich die neue Allianz sogar akzeptieren. Man darf eben nur nicht zuviel nachdenken und muss den Film als reine Actionunterhaltung abseits der beiden großen Vorbilder sehen. Dann schluckt man am Ende auch den Alien/Predator-Hybrid.

Nett fand ich übrigens, dass wenigstens ansatzweise versucht wurde den Originalen Tribut zu zollen, indem z.B. Lance Henrikson als Charles Bishop Weyland auftritt. Insgesamt hätte man bestimmt mehr aus diesem Universum machen können, doch der Film ist bestimmt nicht das Desaster, als das er gerne hingestellt wird: 6/10 Punkte.

Chungking Express – OT: Chung hing sam lam (1996)

Wie bereits in einem vorhergehenden Eintrag erwähnt, werde ich mit dem asiatischen Kino nicht sonderlich warm. Eine Ausnahme stellen die Filme von Wong Kar-Wai dar, so auch „Chungking Express“. Entdeckt habe ich seine Filme während meiner Zivildienstzeit. Da ich häufig von 13:30 bis 22:00 Uhr Dienst hatte, habe ich danach oft noch die dritten Programme nach unbekannten Filmperlen durchforstet. In der Beschreibung der TV-Zeitschrift hat mich damals am meisten die Betitelung von „Chungking Express“ als ein Lieblingsfilm Quentin Tarantinos gereizt. Ein Lob, das ich durchaus nachvollziehen kann.

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Wong Kar-Wai erzählt in seinem wohl populärsten Film zwei Geschichten über ungewöhnliche Begegnungen. Über unerfüllte Sehnsüchte. Über Liebe. Seine Figuren durchstreifen die neon erleuchteten Nächte Hongkongs auf der Suche nach Nähe und Zuneigung. Und manchmal auch nach einer Dose Ananas mit dem Verfallsdatum 01. Mai 1994. Dem Tag des 25. Geburtstags von Polizist 223 und dem Tag, an dem auch das Haltbarkeitsdatum seiner Liebe zu seiner Freundin May abgelaufen ist, die sich einen Monat zuvor von ihm getrennt hat. Solche Themen herrschen in Wong Kar-Wais Universum vor. Erzählt werden die Geschichten jeweils durch die handelnden Personen selbst. Hier wird die Melancholie fast schon greifbar und es entsteht eine Atmosphäre, die man nur in Kar-Wais Filmen findet.

Es ist diese Atmosphäre, die seine Filme so besonders machen. Man kann sie nicht beschreiben. Man muss sie selbst fühlen. Zudem gibt es unzählige von kleinen Szenen, die „Chungking Express“ so unvergesslich machen. Wer kann nach diesem Film schon CALIFORNIA DREAMING hören, ohne an die im Schnellimbiss tanzende Faye Wong zu denken? Mein absoluter Magic Moment ist jedoch der Übergang zwischen den beiden Episoden. Wunderschön.

Was mir nicht so gefallen hat, ist der Sideplot um die Drogenschmugglerin. Zwar waren diese Szenen auch sehr interessant inszeniert und haben den Rhythmus des Films noch einmal beschleunigt, doch kommen sie mir immer etwas vor wie Fremdkörper. Zudem hat das Ende der zweiten Geschichte meiner Meinung nach zu sehr auf Melancholie gesetzt. Aber das ist auch so ziemlich die einzige Szene, die in diesem Film zu gewollt erscheint.

Insgesamt ist „Chungking Express“ wirklich ein fantastischer Film. Mir gefällt jedoch Wong Kar-Wais direkter Nachfolger „Fallen Angels“ noch eine Spur besser. Jeder, der sich auch nur etwas im Arthouse-Kino zu Hause fühlt und Geschichten über Menschen und ihre Beziehungen zueinander liebt, sollte „Chungking Express“ eine Chance geben: 8/10 Punkte.

Das Parfum

In meiner Schulzeit war ich einer der wenigen, denen Pflichtlektüren nicht wie eine Pflicht vorkamen – Lesen war für mich schon immer ein Vergnügen, selbst bei klassichen Werken. Noch schöner natürlich, wenn die Lektüre solch ein grandioser Roman, wie Patrick Süskinds „Das Parfum“ gewesen ist. Ich habe dieses Buch verschlungen und hatte es weit vor Termin zu Ende gelesen. Eine Verfilmung konnte ich mir immer nur schwer vorstellen. Umso gespannter war ich dann auf Tom Tykwers Interpretation, den ich nach „Winterschläfer“ für einen der fähigsten deutschen Regisseure halte.

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Der Film beginnt sehr nahe am Buch: Die Umgebung Jean-Baptiste Grenouilles im Paris des 18. Jahrhunderts wird glaubhaft und äußerst detailliert dargestellt. Die ruhige und sonore Erzählstimme Otto Sanders erzählt uns die Geschichte und ist in der Lage die gleiche beunruhigende Atmosphäre, die dem Roman innewohnt, heraufzubeschwören. Auch das Wesentlichte – die Darstellung der Gerüche – gelingt Tykwer ganz famos. Detailaufnahmen der Geruchsquellen, Aufnahmen der Geruchswege und Montagen derselben zeigen Grenouilles erweiterte Erfahrungswelt auf eine eindringliche Art und Weise – und auf die einzige, die ein rein audiovisuelles Medium darzustellen vermag. Trotzdem: Da es (noch) kein Geruchskino gibt, leider kein Vergleich zu den seitenlangen, ausufernden Beschreibungen des Romans.

Die Geschichte folgt der des Romans ziemlich genau. Alle wichtigen Stationen werden bereist und man hat nie den Eindruck eines reinen Abhakens der einzelnen Schauplätze. Den Charakteren wird genug Tiefe verliehen, so dass auch Nichtkenner der Vorlage große Freude an der filmischen Umsetzung finden dürften. Selbst die Orgienszene und Grenouilles letzter Gang sind enthalten – wenngleich auch in sehr abgeschwächter Form, was auch den dramaturgischen Höhepunkt des Films einiges an Wirkung nimmt. Ich weiß noch genau wie abgestoßen und doch fasziniert ich beim Lesen der letzten Seiten von „Das Parfum“ war. Ein notwendiges – und darüber darf man Streiten – Zugeständnis an das Mainstreampublikum. Womit ich auch zu den negativen Seiten der Verflimung kommen möchte.

Der größte Schwachpunkt war für mich der Darsteller Grenouilles. Nicht dass Ben Whishaw seine Sache als Schauspieler nicht gut gemacht hätte – nein, seine Darstellung war sogar sehr überzeugend. Doch Grenouille ist im Roman eine hässliche Zecke, ein Monster, der wahre Abschaum. Ben Whishaw ist viel zu gutaussehend. Für Nichtkenner des Romans wohl nicht weiter störend, doch die Vorlage liefert solch ein detailliertes Bild der Kröte Grenouille, dass Whishaw wie eine weichgezeichnete und aufpolierte Version des Mörders wirkt. Wohl auch ein Zugeständnis an den Mainstream und damit den augenscheinlichen Erfolg an den Kinokassen. Ebenso wie der eingestreute Humor von Meister Baldini. Dustin Hoffmans Darstellung überzeugt zwar, doch die komischen Szenen sind einfach nur unpassend und nicht wirklich vorlagentreu. Das hätte nicht sein müssen.

Anonsten wurde mir der Schwerpunkt zu sehr auf die Morde gelegt. Die erste Hälfte des Films wirkt zwar etwas gehetzt, doch – in meinen Augen – insgesamt gelungener, da hier wirklich auf die Person Jean-Baptiste Grenouille und seine eigene Welt eingegangen wird. Die Selbstfindung in der Höhle kommt mir viel zu kurz und plötzlich. Ein paar visualisierte Gedankenreisen wären hier schön gewesen. Die zweite Hälfte ist zu sehr Krimi. Die Innenwelt des Mörders wird nahezu vollständig vernachlässigt. Aber irgendwo muss man in solch einer schwierigen Adaption wohl Prioritäten setzen.

Insgesamt war ich von „Das Parfum“ sehr positiv überrascht. Im Gegensatz zu „Sakrileg“, der zweiten großen Romanverfilmung dieses Jahr, auf jeden Fall um Welten gelungener – und das bei der weitaus ansprungsvolleren Vorlage. Wenn man weniger auf den Erfolg an der Kinokasse geschiehlt hätte, wäre „Das Parfum“ bestimmt ein kleines Meisterwerk geworden. Mich würde interessieren, was Stanley Kubrick zu Tom Tykwers Adaption gesagt hätte, welcher dem Roman die Unverfilmbarkeit attestiert hatte. Schade, dass er sich nicht mehr dazu äußern kann. Gelungen, aber mit – für Vorlagenkenner – teils gröberen Schwächen: 7/10 Punkte.

Die Bourne Verschwörung – OT: The Bourne Supremacy (2004)

Nun habe ich auch die Fortsetzung von „Die Bourne Identität“ gesehen. Regisseur war nicht mehr Doug Liman, sondern Peter Greengrass. Dieser Wechsel im Regiestuhl hat sich etwas in der Art der Inszenierung niedergeschlagen, doch er ist nicht der Grund, warum „Die Bourne Verschwörung“ für mich nicht halb so gut funktioniert, wie der Vorgänger.

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Doug Limans eher klassischer Stil, musste einem Pseudodokustil weichen, der teils zwar interessant ist und für Unmittelbarkeit sorgt, der in gewissen Szenen aber auch gehörig nerven kann. Die Wackelkamera allein wäre noch nicht einmal so schlimm, doch in Kombination mit einem anscheinend hyperaktiven Cutter entstehen keine spannend montierten Verfolgungsjagden, sondern nur unübersichtlicher Bildbrei. Auch damit könnte ich eventuell noch leben, wenn allerdings innerhalb von zehn Minuten die dritte Verfolgungsjagd über den Bildschirm flimmert, dann kommt es selbst bei mir zu Ermüdungserscheinungen.

Über Schwächen in der Montage könnte ich auch noch hinwegsehen, wäre die Geschichte herausragend. Leider ist sie es nicht – im Gegenteil. Man bekommt quasi 1:1 die Geschichte des Vorgängers vorgesetzt, nur dass man als Zuschauer bereits über die Vergangenheit von Jason Bourne Bescheid weiß, was der Spannung nicht sonderlich zuträglich ist. Erneut ein Auftragsmord, der durch Rückblenden erzählt wird, erneut wird Bourne verfolgt und erneut steckt ein CIA-Mitarbeiter dahinter. Hatte Bourne im ersten Teil allerdings noch Marie als Partnerin, so muss er sich hier alleine durch Europa kämpfen. Dadurch fehlt jeglicher Gesprächspartner und die – sowieso schon distanzierte – Figur Jason Bourne wird immer blasser. Letztendlich gibt es auch hier keine Überraschungen in der Geschichte und es kommt alles so, wie man es sich von den ersten Minuten an erwartet. Vielleicht bin ich aber auch nur durch „ALIAS“ etwas von komplexen Agentengeschichten verwöhnt.

Stärken des Films sind nach wie vor die tollen Locations. Da der Film größtenteils in Deutschland (Berlin und München) spielt, kommt eine ganz eigene Atmosphäre auf. Auch die Schauspieler wissen zu gefallen und stellen ihre Charaktere überzeugend dar. Leider war es das auch schon.

„Die Bourne Verschwörung“ ist für mich ein Film mit einer Geschichte, die nicht unbedingt erzählt hätte werden müssen. Das hat man alles schon zu oft gesehen und ist – im Vergleich zum ersten Teil – ein echter Rückschritt. Kein totaler Reinfall, aber zu belanglos um gut zu sein oder wenigstens im Gedächtnis zu bleiben: 5/10 Punkte.

Underworld: Evolution

Nachdem ich – wie so oft – im Kino nicht dazu gekommen bin, mir einen von mir favorisierten Film anzusehen, nun also die verspätete Sichtung von „Underworld: Evolution“. Nach dem Vorgänger, den ich letztes Jahr zum ersten Mal gesehen habe, war ich richtig heiß auf den Film und meine Erwartungshaltung dementsprechend hoch. Leider konnte sie nicht hundertprozentig erfüllt werden.

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Ausstattung und Inszenierung sind ebenso grandios wie beim ersten Teil – wenn nicht noch besser, was auf das gestiegene Budget zurückzuführen ist. Hier gibt es von meiner Seite absolut keine Kritikpunkte. Der Wechsel vom Großstadt- auf das Naturszenario ist auch sehr gelungen. Anfangs zwar ungewohnt, aber atmosphärisch ebenso dicht. Besonders die Einstiegssequenz hat mir hier gut gefallen. Bisher hatte ich auch immer gedacht, dass „Underworld: Evolution“ eher ein Prequel werden würde und die Geschichte erst im dritten Teil einen Abschluss findet. Leider beschränkt sich die Mittelalterszenerie hier jedoch auf die ersten 10 Minuten.

Wobei ich auch schon zur Geschichte und den Schwächen des Films kommen möchte. Der Schwerpunkt verlagert sich von der Jahrhunderte andauernden Fehde zwischen Vampiren und Werwölfen eher zum Familiendrama – um es einmal überspitzt auszudrücken. Der epischen Geschichte wird dadurch etwas die Luft entzogen. Die Anzahl der handelnden Figuren wird dabei nicht verkleinert – nur ihr Umfeld schrumpft. Hinzu werden beide Rassen immer mehr demystifiziert, was  im Auftauchen von Alexander Corvinus persönlich gipfelt. Ein unnötige und unpassende Erweiterung der Geschichte. Gegen Ende wird wieder etwas an der Actionschraube gedreht, wobei „Underworld: Evolution“ mit seinen beiden Kreaturen hier nur knapp am simplen Monsterfilm vorbeischrammt.

Nach dem genialen Anfang und dem neuen atmosphärischen Setting bin ich letztendlich wirklich etwas enttäuscht. Einzelne Szenen sind zwar nach wie vor grandios (z.B. die LKW-Verfolgungsjagd), doch das, was „Underworld“ in meinen Augen so besonders gemacht hat (das ausgefeilte Universum und die episch anmutende Geschichte), wird auf ein Minimum reduziert. Wirklich schade.

„Underworld: Evolution“ ist ein toller Actionfilm mit einer sehr nett anzusehenden Kate Beckinsale. Regisseur Len Wiseman hat allerdings zu viele Möglichkeiten verschenkt, die der Vorgänger bereit gehalten hätte. Somit kann ich letztendlich die 7/10 Punkte nur mit sehr viel gutem Willen vergeben.

Underworld – Extended Cut

Vor dem aktuellen Nachfolger wollte ich mir noch einmal die Geschehnisse aus dem ersten Teil von Len Wisemans „Underworld“-Saga ins Gedächtnis rufen. Bei der ersten Sichtung hat mich der Film vollkommen überrascht und auf ganzer Linie überzeugt. Ich hatte einen reinen Actionfilm à la „Blade“ erwartet und einen epischen Werwolf-/Vampirfilm bekommen. Auch bei der zweiten Sichtung hat sich das Fantasyvehikel wacker geschlagen. Zwar nicht mehr ganz so grandios wie bei der Premiere, doch nach wie vor besser als der Rest an Darkfantasy, den es sonst so in die Kinos bzw. auf den heimischen Bildschirm verschlägt.

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Der Film lebt klar von seinen durchstilisierten Bildern. Edle Düsteroptik trifft auf moderne Inszenierung. Sicher versprüht „Underworld“ dadurch viel gewollte Coolness, doch hatte ich nie das Gefühl von Übertreibung oder Selbstzweck: Der audiovisuelle Eindruck ergänzt die Geschichte perfekt. Auch die Effekte reihen sich nahtlos in die Szenerie ein und fallen (fast) nie unangenehm auf. Einzig die practical effects der Werwölfe wirken etwas steif, was durch geschickte Kameraführung größtenteils aber ausgeglichen werden kann.

Die Geschichte selbst ist weitaus komplexer, als man bei der Thematik erwarten würde und sie hinterlässt einen epischen Eindruck, der hoffentlich durch die Forsetzung(en) weitergeführt wird. Ich hatte schon immer ein Faible für Vampirfilme, deren Höhepunkt für mich immer noch „Interview mit einem Vampir“ ist. Doch auch in „Underworld“ werden die Vampire und ihre Welt mit Leben gefüllt, was mir durchaus imponiert hat. Zudem bleibt bis zum Ende des Films unklar, wer denn nun die Guten und wer die Bösen sind. Es gibt hier keine klare Definition, nur eine Grauzone – eine Unterwelt – in der sich beide Völker bewegen. Untypisch für diese Art von Film und dadurch umso interessanter.

Bei den Schauspielern sticht vor allem Kate Beckinsale heraus, die wie geschaffen für ihren Charakter erscheint. Auch Bill Nighy hat mir – wie eigentlich immer – sehr gut gefallen. Scott Speedman bleibt noch etwas blass und auch der Rest des Casts hinterlässt keinen großen Eindruck, stört aber auch nicht weiter.

Kritikpunkte habe ich nicht viele: Teils etwas zu aufdringliche – meist mit (New) Metal unterlegte – Szenen, der unübersichtliche und in die länge gezogene Endkampf und – wie bereits erwähnt – die practical werewolf effects.

„Underworld“ macht Spaß und begeistert vor allem durch seine ausgefeilte Welt. Genau so stelle ich mir einen Krieg zwischen Vampiren und Werwölfen vor. Diesen Satz kann man wohl nur als Fantasyliebhaber verstehen – und für genau die ist „Underworld“ der richtige Film: 8/10 Punkte.

Running Scared

Diesen Film habe ich mir nur aufgrund von Empfehlungen, die ich auf diversen Filmseiten gelesen habe, angesehen. Teils waren die Reviews gar euphorisch und meine Erwartungshaltung dementsprechend hoch. „Running Scared“ ist auch wirklich ein interessanter Film. Doch wie das so ist mit (zu) hohen Erwartungen, werden diese selten erfüllt – und somit gilt auf für „Running Scared“: Don’t believe the hype!

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Erzählt wird eine Gangstergeschichte. Eher ein Gangstermärchen. Ein verdammt düsteres Gangstermärchen. Die Welt ist abgrundtief böse. Genauso wie ihre Bewohner. Selbst der Held der Geschichte ist alles andere als ein Saubermann. Er ist ein Handlanger, der mit krummen Geschäften seine Familie über Wasser hält. In solch einer Welt fällt es schwer eine Identifikationsfigur zu finden. Die Figuren und ihre Handlungen waren mir zwar nicht gleichgültig, doch die emotionale Bindung wollte sich einfach nicht einstellen. Als ein Hauptcharakter gegen Ende anscheinend stirbt, hat mich das nicht einmal mit der Wimper zucken lassen – kein gutes Zeichen nach fast zwei Stunden tour de force.

Die Geschichte selbst ist eher einfach gestrickt. Sie wird – von kleineren Flashbacks abgesehen – chronologisch erzählt und enthält kaum Überraschungen. Auffälliger ist, mit welchen visuellen Mitteln sie erzählt wird. Man wähnt sich teils gar in einem Film von Tony Scott. Es gibt Farbfilter, unglaubliche Spielereien der Postproduction und vieles mehr. Ich denke es liegt auch an der großen Verfremdung der Bilder, dass die Distanz zu den Figuren so groß ist. Toll anzuschauen, aber irgendwie auch verfehlt.

Der Film lebt zudem von seiner Gewalt. Teils war ich wirklich beeindruckt, wie weit und kompromislos Regisseur Wayne Kramer zu gehen bereit gewesen ist. Durch diese Spirale der Gewalt wird der Märcheneindruck verstärkt, der – mit Hilfe der visuellen Präsentation – dem Film zu einer (alb)traumähnlichen Atmosphäre verhilft. Der grausame Höhepunkt war für mich die Wohnung der Kinderschänder. Zwar wurde hier keine Gewalt gezeigt, doch die hellen, bunten Zimmer – die im Gegensatz zur bedrohlichen Atmosphäre standen – und die zu Monstern verfremdeten Schatten des Ehepaars – all das hat den überdrehten Märchenaspekt auf die Spitze getrieben und wirklich Eindruck hinterlassen.

Richtig schwach fand ich dagegen das Ende des Films. Nicht nur, dass der rohe, dreckige Kleinganove sich plötzlich als Undercovercop entpuppt (was die Geschichte im Endeffekt unglaubwürdig macht), nein – es gibt auch noch das perfekte happy ending in strahlendem Sonnenschein. Was bitte sollte denn das? Ich liebe Happy Ends. Wirklich. Doch sie müssen zum Film passen. Hier wirkt es leider nur aufgesetzt.

Insgesamt ist „Running Scared“ wirklich gute Unterhaltung. Visuell und inhaltlich eben anders. Leider verlässt man sich zu sehr auf den Exploitation-Faktor und die Optik. Interessant, aber nicht der erhoffte Knaller: 6/10 Punkte.

Wer früher stirbt, ist länger tot

Es gibt Filme, die werden einem empfohlen und man schaut sie sich an, ohne vorher große Erwartungen gehegt zu haben. Ein Bruchteil dieser Filme entpuppt sich dann als großartiges Kino. Zu diesen darf sich auch „Wer früher stirbt, ist länger tot“ zählen. Leider kaum bekannt, hat sich dieser kleine, sympathische, ehrliche und urkomische Film sofort in mein Herz gespielt – und nicht nur in meins: So eine ausgelassene Stimmung habe ich im Kinosaal nur selten erlebt.

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Die Geschichte selbst ist eigentlich schnell erzählt: Der junge Sebastian erfährt, dass seine Mutter während seiner Geburt gestorben ist. Seitdem hält er sich für verantwortlich für ihren Tod. Jede Nacht plagen ihn Albträume des Fegefeuers, wo ihm seine scheinbaren Sünden vorgehalten werden – und da gibt es einige, denn Sebastian ist ein kleiner Unruhestifter. Fortan versucht er sich unsterblich zu machen – sei es durch Buße tun oder durch Rockmusik. Doch es kommt immer wieder zu Situationen, in denen Sebastion nur Wortfetzen der Erwachsenen aufschnappt und diese mit seinem kindlichen Gemüt auch sofort in die Tat umsetzt. Das Chaos ist vorprogrammiert – Michel aus Lönneberga wäre stolz auf Sebastian.

Der Film sprüht nur so vor Witz und irrwitzigen Einfällen. Als Beispiel sei hier nur angeführt, dass Sebastian – nachdem er versehentlich ein paar Hasen um die Ecke gebracht hat – versucht diese in bester Frankenstein-Manier wieder zum Leben zu erwecken. Doch leider ist der Strom zu stark und der Hase expodiert. Ja mei, das passiert halt in den besten Familien.

Die Glaubwürigkeit des Films ist auf jeden Fall seinen grandiosen Darstellern zu verdanken. Allen voran Markus Krojer, der einer der besten Jungschauspieler ist, die ich je auf der Leinwand gesehen habe. Doch auch der Rest des Casts ist famos besetzt.

Kritikpunkte gibt es fast keine. Allein die dramatischen Situationen gegen Ende des Films fand ich etwas aufgesetzt.

Jeder, der gern lacht und der dem deutschen Film auch nur etwas abgewinnen kann, sollte sich „Wer früher stirbt, ist länger tot“ auf jeden Fall anschauen. Der geneigte norddeutsche Zuschauer sei aber bezüglich der bayerischen Mundart gewarnt. Ein toller Film: 8/10 Punkte.