Shrek (2001)

Aktualisierung: Ich habe „Shrek“ am 9. Oktober 2020 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

In letzter Zeit sehe ich irgendwie vermehrt Animationsfilme. Mag an der stets kurzen Laufzeit und der Tatsache liegen, dass Computer hier auch einmal die Grundlage für Unterhaltung sein können. Dieses Mal gab es auf jeden Fall „Shrek“. Damals bei der Erstsichtung im Kino war ich wirklich höchst begeistert. Unglaublich lustig und im Gegensatz zu den meisten Disneyfilmen mit mehr Biss. Daraufhin folgten bis zum zweiten Teile viele weitere Sichtungen und mit etwas Abstand war es gestern wieder einmal Zeit für den grünen Oger und seinen vorlauten Esel.

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„Shrek“ ist für mich so ein Zwischending. Zwar ist die Geschichte etwas komplexer, als z.B. bei „Ice Age“ und die Figuren besitzen mehr Tiefe und erfahren mehr Charakterentwicklung, doch fehlt auch hier das Hineingesogenwerden in die Welt, wie es bei Pixarfilmen der Fall ist. „Shrek“ ist mehr Parodie. Eine Märchenparodie – und eine ziemlich gelungene. Zwar zeigen die Gags nach einiger Zeit ein paar Abnutzungserscheinungen, doch im Großen und Ganzen funktioniert „Shrek“ auch heute nach unzähligen Sichtungen noch unglaublich gut.

Technisch ist „Shrek“ auch noch ziemlich auf der Höhe der Zeit. Manche Sequenzen sind wirklich atemberaubend. Besonders die Prinzessin ist eine der besten menschlichen CGI-Figuren, die mir bisher untergekommen sind. Selbst in den großen Actionszenen gibt es kaum Grund zur Klage. Am besten gefällt mir aber die durch Licht und Umgebung geschaffene Atmosphäre. Genau so muss eine Märchenwelt aussehen.

Insgesamt immer noch ein herausragender Animationsfilm, den ich vielleicht schon zu oft gesehen habe. Ich denke der zweite Teil würde mir heute besser gefallen, da ich ihn noch nicht fast auswendig kenne. Doch auch der Ur-Oger macht trotz allem noch tierisch viel Spaß: 8/10 Punkte.

Ice Age

Gestern Abend habe ich mir nach – für mein normales Sehverhalten – längerer Zeit einmal wieder einen Film angesehen: „Ice Age“. Ich erinnere mich noch genau daran, als ich das erste Mal den Teaser im Kino gesehen habe. Tränen. Ich habe wahrlich Tränen gelacht. Ebenso erinnere ich mich daran, wie unendlich enttäuscht ich nach dem Kinofilm war. Der Teaser hat sich als Scrats Eröffnungsabenteuer herausgestellt und auch sonst ist nicht mehr viel vom spritzigen Humor übrig geblieben. Da ich den zweiten Teil allerdings ziemlich unterhaltsam fand, wollte ich auch der ersten Eiszeit nochmal eine Chance geben. Und es hat sich gelohnt.

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Man darf „Ice Age“ einfach nicht mit den Filmen von Pixar vergleichen. Haben diese ausgefeilte Geschichten und Figuren mit wirklicher Tiefe, so ist „Ice Age“ eine simple Aneinanderreihung von Gags. Diese sind aber teils so gelungen und komisch, dass sie das Nichtvorhandensein einer Geschichte fast vergessen machen. Man kann es vielleicht so formulieren: Bei Pixar wird man in eine Welt hineingezogen, bei „Ice Age“ bleibt man nur Zuschauer. Aber das macht nichts. Manchmal ist Zuschauen eben auch amüsant.

Die drei Hauptfiguren sind nett anzusehen und sind eindeutig definiert. Allen voran Sid und Manfred. Der vorlaute Tollpatsch und das mürrische Mamut. Beide – wie es sich für einen Animationsfilm gehört – mit einem guten Herz ausgestattet. Diego, der dritte im Bunde, fällt dagegen schon etwas ab und muss zu oft als reines Mittel zum Zweck für die Geschichte herhalten. Ebenso das Kind. Überhaupt ist der gesamte Erzählstrang der die Menschen involviert unglaublich schwach: Die Modelle, die Animation, die Story. Alles nicht wirklich gelungen und trotz der kurzen Laufzeit des Films, wirken diese Stellen doch recht zäh. Glücklicherweise hat man im zweiten Teil komplett auf die Menschen verzichtet und sich ganz und gar den Urviechern gewidmet.

„Ice Age“ funktioniert am besten, wenn Slapstick ins Spiel kommt. Hier läuft die Animation zur Hochform auf. Ganz große Klasse. Man muss sich wirklich nur die ersten drei Minuten anschauen und schon weiß man, wo die Stärken liegen. Auch Sid hat einige solche Momente zu bieten. Auch die Macher scheinen sich dieser Stärken bewusst gewesen zu sein, denn in der Fortsetzung überwiegen solch körperbetonte Slapstickeinlagen.

Die Blue Sky Studios haben mit „Ice Age“ einen Film geschaffen, der sich Vergleiche mit Pixar gefallen lassen muss, diesen allerdings nicht standhalten kann. Die Geschichte ist einfach zu schwach und selbst die netten Charaktere wirken im Vergleich wie Abziehbilder. Die Animation hat zwar wirklich starke Momente, doch auch von der technischen Seite hinterlässt „Ice Age“ einen durchwachsenen Eindruck. Als kurzweiliger Slapstickfilm schaffen es Sid, Manni und ganz besonders Scrat dennoch bestens zu unterhalten: 7/10 Punkte.

Der letzte Kuss – OT: The Last Kiss

Nach Zack Braffs überragendem „Garden State“ konnte ich kaum noch seinen nächten Film erwarten. Schließlich kam der Trailer zu „The Last Kiss“ und ich war ziemlich begeistert. Jedoch habe ich zugleich erfahren, dass Braff hier nur Darsteller ist, was die Vorfreude doch etwas getrübt hat. Glücklicherweise hat er sich zudem um den Soundtrack gekümmert, der bereits bei „Garden State“ ganz großes Kino gewesen ist – und auch in anderen Dingen kann „The Last Kiss“ an Braffs Regiedebut anknüpfen.

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„The Last Kiss“ ist das Remake eines italienischen Films. Normalerweise stehe ich Remakes eher skeptisch gegenüber, da sie nur selten Neues zu einer bekannten Thematik hinzufügen können (siehe „Vanilla Sky“ o.ä.) – doch ohne Kenntnis des Originals konnte ich „The Last Kiss“ gestern unbeschwert genießen. Betrachtet man „Garden State“ als Märchen über das Erwachsenwerden, so ist dieser Film eher die ungeschönte Realität. Es geht um Probleme, Beziehungsängste und Fehler die begangen werden. Trotz heiterer Momente ist der Grundton des Films eher ernst – aber nicht schwermütig.

Ich denke jeder, der so langsam aber sicher auf die 30 zugeht kann sich sehr gut mit Braffs Charakter identiffizieren. Das Leben wird plötzlich so ernst. So bedeutsam. Es müssen wichtige Entscheidungen getroffen werden. Ich selbst kann diese Angst vor der eigenen Zukunft ziemlich gut nachvollziehen – und ich denke hier liegt die wahre Stärke des Films. Zumindest mir war ein verständnisvolles Mitfühlen möglich. Zumindest bis zu einem gewissen Punkt.

Michael (Zack Braff) stürzt sich in ein Abenteuer, von dem er selbst weiß, dass es falsch ist. Hier wird auch kein Rückzieher gemacht: Im Film geschieht das, was man in der eigenen Realität wohl nicht so leichtfertig machen würde. Ich zumindest nicht. Auch wieder eine Stärke des Films. Es gibt bestimmt viele Menschen – vielleicht besonders Männer – die in einer solchen Situation ähnlich reagieren würden. Doch der Film funktioniert auch für Zuschauer, die nicht über die zweifelnden Gedanken hinauskommen. Der Film zeigt wie es weitergehen könnte. Dass nicht jede getroffene Entscheidung richtig ist. Dass es häufig kein zurück gibt, das Leben jedoch immer seinen Lauf nimmt. Diese Umstände zeigen sich nicht nur im Haupterzählstrang, sondern finden ihre Entsprechung auch in den Geschichten der besten Freunde.

Das Ende des Films lässt den Zuschauer schließlich selbst mit einer Entscheidung zurück: Wie wird es für Michael und Jenna weitergehen? Wird sie ihm verzeihen? Wenn ja, wird es wirklich sein letzter Fehltritt gewesen sein? Das Ende kommt plötzlich und ist dennoch die einzig konsequente Lösung, wie der Film enden kann.

„The Last Kiss“ ist ein schöner, lustiger und teils trauriger Film. Ich konnte mit den Figuren über große Teile wirklich mitfühlen und auch die Bereiche die mir fremd waren, konnten mich auf der Leinwand überzeugen. A propos überzeugen: Die Wahl der Darsteller – allen voran Zack Braff – fand ich ausgezeichnet. Sehr glaubwürdig und sympathisch. Der visuelle Stil ist zurückhaltend und doch effektiv und sehr passend. Der Soundtrack ist zudem wieder einmal mehr als gelungen. Eine wahrlich gelungene Auswahl!

Insgesamt ist „The Last Kiss“ ein wirklich interessanter und schöner Film über die dunklere, aber nicht hoffnungslose Seite von Beziehungen. Zwar nicht so magisch und 100%ig einen Nerv bei mir treffend wie „Garden State“, aber dennoch besser als die meisten anderen sogenannten romantischen Komödien: 8/10 Punkte.

Königreich der Himmel – Director’s Cut – OT: Kingdom of Heaven (2005)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 14. März 2010 veröffentlicht.

Lange hat es gedauert, bis ich Ridley Scotts neustes Epos „Königreich der Himmel“ gesehen habe. Doch bereits vor der Kinoaufführung wurden Gerüchte laut, dass Scott seinen Traum nicht verwirklichen konnte und einen Großteil an Szenen aus dem Film schneiden musste. Nachdem erste Kritiken eher verhalten waren und ein Director’s Cut immer wahrscheinlicher wurde, wollte ich mit der Sichtung warten. Meiner Meinung nach hat sich das durchaus gelohnt, denn „Königreich der Himmel“ ist seit Langem einmal wieder ein echter Director’s Cut und nicht nur ein als Extended Version betitelter Producer’s Cut.

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Der Film fängt stark an. Sehr stark. Die Atmosphäre im Frankreich des späten 12. Jahrhunderts ist so dicht, dass man fast den leisen Schnee in der Luft schmecken kann. Wirklich wunderbar. Hier lernt man Balian kennen. Einen Schmied, der vom Schicksal gebeutelt wurde. Mit ihm stürzt man förmlich in die Geschichte hinein. Da auch für die Figur ein neues Leben beginnt, kann man sich als Zuschauer leicht mit dem Schmied identifizieren. Die Reise nach Jerusalem wird beeindruckend und ohne Längen dargestellt. Zugleich wird die Geschichte hier bereits in einem enormen Tempo weitergetrieben. Kürzungen – wie im Kinocut – erscheinen mir hier fast unmöglich. Ich fand wirklich jede Szene wichtig und sehenswert.

Balians Ankunft und sein Fuß fassen in Jerusalem fand ich auch nett anzusehen. Allerdings sind mir hier einige Rhythmusprobleme aufgefallen. Teils kamen mir die Szenen und Handlungen der Figuren zu spontan und unbegründet vor, teils zu langatmig. Doch auch dieser Teil der Geschichte strahlt eine große Faszination aus und als Zuschauer muss man sich an eine Hand voll neuer Charaktere gewöhnen, die im weiteren Verlauf der Geschichte eine große Rolle spielen werden.

Der letzte Akt der Geschichte findet seinen Höhepunkt in der Schlacht um Jerusalem, die zwar beeindruckend dargestellt wird, aber irgendwie ein Gefühl des Mittendrinseins vermissen lässt. Die direkten Handlungen vor und nach der Schlacht fand ich wesentlich imposanter. Vielleicht hat man in der Post-„Der Herr der Ringe“-Ära einfach auch schon zu viele Leinwandschlachten diesen Ausmaßes gesehen. Das Ende des Films macht dann noch einmal deutlich, wie ausschlaggebend die damaligen Ereignisse selbst für die heutige Zeit noch sind. Anders als in vielen ähnlichen Filmen haben die abschließenden Texttafeln tatsächlich etwas zu vermitteln und machen Eindruck. Schön gelöst und durch den wundervollen Score auch auf emotionaler Ebene berührend.

Mir hat Scotts „Königreich der Himmel“ sehr gut gefallen. Meiner Meinung nach steht das Epos seinem indirekten Vorgänger „Gladiator“ in nichts nach. Die Botschaft, was guten Glaube ausmachen sollte – und das egal in welcher Religion – ist stets präsent und wirkt dennoch nie aufdringlich. Scott hat seine Themen wahrlich gut gewählt und hat sich einmal mehr als Meister der visuellen Erzählkunst erwiesen. Auch bei den Darstellern kann man dem Film keine Vorhaltungen machen. Selbst Orlando Bloom konnte mich in der Rolle des friedfertigen Ritters überzeugen. Schade nur, dass Liam Neesons Figur so früh abtritt. War eine interessante Rolle.

„Königreich der Himmel“ ist für mich einer der gelungensten modernen Historienfilme. Sollte man sich als Freund des Genres auf jeden Fall in der vom Regisseur gewünschten Fassung ansehen: 9/10 Punkte.

Stay (2005)

Ich habe „Stay“ am 25. Januar 2020 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Marc Forsters „Stay“  ist ein filmisches Rätsel. In den letzten Jahren gab es einige Filme dieser Art.  Kultfilme, wie „Donnie Darko“. Mainstreamvarianten, wie „Butterfly Effect“. Anspruchsvollere Vertreter, wie „The Jacket“. Diese Filme werden häufig als Lynch light abgestempelt. Diese Bezeichnung trifft zwar teils zu, wird den erzählten Geschichten aber nicht immer gerecht.

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Stay (2005) | © STUDIOCANAL

„Stay“ spielt – wie alle Filme diesen Genres – mit der Realitätswahrnehmung seiner Figuren. Auch der Zuschauer hat damit zu kämpfen. Man weiß, dass irgend etwas nicht in Ordnung ist. Dass es eine Lösung für die verzerrte Wahrnehmung geben muss. Die Suche nach dieser Lösung macht bei dieser Art von Film am meisten Spaß. Die Lösung selbst ist häufig leider enttäuschend oder offensichtlicher, und damit weit weniger mysteriös, als man sich gewünscht hätte. So auch in „Stay“. Zu oft hat man diese Auflösung bereits gesehen. Zu viel wurde mit der Erwartungshaltung gespielt – und dennoch: Der Film lässt mich als Zuschauer nicht unbefriedigt zurück.

Marc Forster gelingt es, eine äußerst eindringliche Atmosphäre zu schaffen. Die Welt ist trist. Es überwiegen dreckige Gelbtöne, die nur durch sterilkaltes Blau unterbrochen werden. Auch das Leitthema von Selbstmord, Schuld und Sühne trägt zur beinahe schon hoffnungslosen Atmosphäre bei. Die Dunkelheit wird etwas durch Ewan McGregors Charakter gebrochen, der stets noch etwas Optimismus auszustrahlen imstande ist. Das Finale des Films mag letztendlich geschichtlich enttäuschen, doch werden hier manche stilistische Entscheidungen erst offensichtlich (z.B. die angesprochenen Gelbtöne). Überhaupt wirkt der Film sehr genau durchkomponiert. Jedes Bild und jeder Übergang wirken wie ein kleines Kunstwerk, was wiederum durch die Geschichte des Kunststudenten reflektiert wird und somit nicht aufgesetzt wirkt.

„Stay“ bietet tolle Unterhaltung und lädt zum Mitraten ein. Das Ende ist dann leider etwas enttäuschend, was dem Film einen Spitzenplatz unter seinen Genrekollegen verwehrt. Punkten kann Marc Forster jedoch mit Stilsicherheit und Anspruch. Insgesamt ein wirklich tolles Seherlebnis: 8/10 Punkte.

Sky Captain and the World of Tomorrow (2004)

2005 hat „Sin City“ für Furore in den Kinos gesorgt. Ein Film, bei dem ausschließlich mit virtuellen Sets gearbeitet wurde. Ein Meilenstein der Technik – oder etwa doch nicht? Bereits 2004 kam ein Film namens „Sky Captain and the World of Tomorrow“ in Kinos, der exakt den gleichen Ansatz verfolgt hat: Schauspieler vor Bluescreen und Sets komplett aus dem Computer. Leider war der eigentliche Wegbereiter dieser Technik nicht halb so erfolgreich wie Robert Rodriguez Comicverfilmung. Er ist dennoch – oder gerade deshalb – mindestens ebenso sehenswert.

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„Sky Captain and the World of Tomorrow“ basiert auf einem Kurzfilm, den Regisseur Kerry Conran über etliche Jahre zusammen mit ein paar Freunden in seiner Garage gedreht hat. Die Sets und die Nachbearbeitung entstanden komplett an seinem Homecomputer mit gängiger Consumersoftware. Das Ergebnis ist wahrlich unglaublich. Aufgrund dieses Kurzfilms hat Conran einen Produzenten gefunden, der mutig genug war, aus dem Kurzfilm einen Kinofilm zu machen. Das Endergebnis ist mehr als beeindruckend und wirklich gelungen, bedenkt man das geringe Produktionsbudget und die mangelnde Erfahrung des Regisseurs.

Das Design des Films ist fantastisch. Der Look entspricht dem von 30er/40er Jahre Film noir Produktionen. Auch Überblendungen und Schnitte erinnern an diese Periode. Das Produktionsdesign fügt sich wunderbar in diese stilistische Epoche ein und ist – trotz der Sci-Fi-Elemente – vollständig retro gehalten. Komplettiert wird der Look durch die Farbgebung, die teils an frühe Nachcolorierungsprozesse erinnert.

Am besten jedoch gefällt mir an „Sky Captain and the World of Tomorrow“ – neben dem Titel – die eigentliche Geschichte. Die beiden Hauptfiguren Polly Perkins und der titelgebende Joe „Sky Captain“ Sullivan ergänzen sich wunderbar und streiten beinahe den kompletten Film über. Hier werden Erinnerungen an Indy und seine Begleiterinnen wach. Auch der Score scheint einem „Indiana Jones“-Film entsprungen. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich hier einen jungen John Williams und nicht Edward Shearmur dahinter vermuten. Auch der Rest des Films erinnert an die guten, alten Abenteuerfilme. Sicherlich alles eine Spur überdrehter und comichafter, doch die Kerngeschichte ist wunderbar klassisch und einfach sympathisch.

„Sky Captain and the World of Tomorrow“ bietet neben seinen herausragenden technischen Aspekten eine äußerst unterhaltsame Geschichte und gut aufgelegte Darsteller. Es ist wirklich schade, dass der Film relativ wenig Beachtung erfahren hat. Er hätte es verdient: 8/10 Punkte.

Toy Story 2 (1999)

Aktualisierung: Ich habe „Toy Story 2“ am 24. Mai 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Die meisten Fortsetzungen – besonders im Animationsbereich – können ihren Vorgängern nicht das Wasser reichen. Eine der wenigen Ausnahmen bildet Pixars „Toy Story 2“. Ursprünglich als Direct-to-Video-Veröffentlichung geplant, hat es der Film jedoch dahin geschafft, wo er hingehört: Auf die große Leinwand.

Toy Story 2 (1999) | © Walt Disney

Toy Story 2 (1999) | © Walt Disney

Der Einstieg des Films ist ungewohnt und birgt Überraschungen, findet man sich doch in einem von Buzz Lightyears Abenteuern wieder. Doch schnell wird klar, dass man nur einem Videospiel beigewohnt hat und sich in vertrauter Umgebung befindet: Andys Kinderzimmer – und alle im ersten Teil liebgewonnenen Charaktere sind wieder mit von der Partie. Pixar wäre jedoch nicht Pixar, hätte auch dieser ungewöhnliche Prolog keine Bedeutung für die spätere Handlung des Films. Somit ist alles beim Alten – und doch ganz neu.

Die Geschichte scheint anfangs der des ersten Teils verdächtig ähnlich: Ein Spielzeug rettet das andere. Nur mit vertauschten Rollen. Doch Woodys Odyssee entpuppt sich als Reise zu seinen Wurzeln und zum Kern des Spielzeugdaseins. Er lernt neue Figuren kennen. Es kommt zu Konflikten und langen Gesprächen. Eine für alle befriedigende Lösung scheint unerreichbar. Doch auch eine solche hält die Geschichte parat – und das ohne aufgesetzt zu wirken.

Während Woody mit seinem Schicksal kämpft, macht sich ein Rettungstrupp unter der Führung von Buzz Lightyear auf den weiten Weg durch die Stadt, der dabei einige Abenteuer zu erleben hat. Dieser Handlungsstrang ist deutlich humor- und temporeicher. Hier wird auch der Bogen zum Prolog gespannt, der einige klasse Gags enthält („Ich bin dein Vater!“). Schließlich werden beide Erzählstränge in einem furiosen Finale verbunden, das für alle Beteiligten – und soviel darf ich verraten – nur glücklich enden kann.

Fazit

Man sieht: „Toy Story 2“ steht seinem Vorgänger wahrlich in nichts nach. Dieser ist mir zwar immer noch etwas sympathischer, was er wohl seiner Eigenschaft als Genre-Meilenstein zu verdanken hat, doch objektiv gesehen spielen beide Filme in einer Liga. Sollte Pixar sich zu einem dritten Teil entschließen, werde ich auf jeden Fall einer der ersten sein, die eine Kinokarte lösen. Ein wundervolles Märchen für Kinder und junggebliebene Erwachsene: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Toy Story (1995)

Aktualisierung: Ich habe „Toy Story“ am 2. April 2017 und am 23. Mai 2025 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

An Tagen wie diesen muss ich mir manchmal in Erinnerung rufen, warum ich überhaupt machen will, was ich mache. Manche Filme eignen sich dazu besser als andere – und ganz besonders gut eignet sich Pixars Kinodebüt „Toy Story“. Ein Film, der eine ganz besondere Bedeutung für mich hat. Dabei war ich von der ersten Sichtung noch wenig begeistert. Damals war ich gerade einmal 15 und hatte mir unter dem ersten vollständig computeranimierten Spielfilm wohl etwas anderes vorgestellt.

Toy Story (1995) | © Walt Disney

Toy Story (1995) | © Walt Disney

Einige Jahre später hatte ich eine erneute Begegnung mit „Toy Story“: Ich hatte während meines Zivildienstes eine Woche am Stück Nachtwache im Behinderteninternat und musste mir jede Nacht die Zeit zwischen 22:00 und 8:00 Uhr um die Ohren schlagen. Da das TV-Programm zu dieser Tageszeit eher bescheiden ist, bin ich dazu übergegangen mir die diversen Videos der Bewohner anzuschauen. Zu 99 Prozent waren dies Kinderfilme. Darunter auch beide „Toy Story“-Teile. Ich weiß noch genau wie sehr ich die Nachtwachen gehasst habe. Doch die Nächte, in denen ich mir „Toy Story“ angesehen habe, sind mir nicht ganz so schlimm vorgekommen.

Seitdem habe ich den Animationsklassiker noch unzählige Male gesehen und jedes Mal hat sich wieder dieses wohlige Gefühl eingestellt, wie ich es bei meinen nächtlichen Sichtungen hatte. Zudem habe ich über die Jahre verstanden, wie wichtig und außergewöhnlich „Toy Story“ für das Genre ist. Ein Meilenstein. Viele Filme bekommen dieses Prädikat, doch auf kaum einen trifft es so sehr zu, wie auf diesen. Unglaublich, wenn man bedenkt, dass seit der Erstaufführung schon über 11 Jahre vergangen sind. Unglaublich, dass „Toy Story“ komplett mit Forward Kinematic animiert wurde. Unglaublich, dass der Film auch heute noch so frisch wirkt, wie am ersten Tag.

Damals hat man man Pixar noch belächelt und nur die neue Technik gesehen. Es sei ja gar kein richtiger Disneyfilm, hieß es. Heute ist es anders. Heute hat Pixar Disney den Rang als wichtigstes Animationsstudio abgelaufen. Heute ist Pixar Disney und ich hoffe, dass Pixar seinen hohen Standard halten kann.

Fazit

Auch wenn „Toy Story“ storymäßig sicherlich nicht der ausgefeilteste Pixarfilm ist, so ist er doch einer der wichtigsten. Mit ihm wurde eine neue Ära eingeläutet. Er ist einer der Gründe, warum ich mich für 3D Grafik und Animation beigeistern konnte und immer noch begeistert bin. Ein unglaublich unterhaltsamer Meilenstein mit viel Herz und Verstand: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Creep (2004)

Von „Creep“ gab es im Vorfeld nicht viel Gutes zu hören. Zu geschmacklos schimpften die Moralapostel, zu langweilig die Horrorfans. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen und das macht Christopher Smiths Kinodebüt zu einem wirklich sehenswerten Genrefilm.

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Am meisten profitiert „Creep“ von seiner Location. Ich denke jeder war schon einmal in größeren U-Bahn-Labyrinthen wie Berlin, London oder Paris und kann deshalb das mulmige Gefühl nachvollziehen, das einen dort zu beschleichen droht: Dunkelheit. Einsamkeit. Seltsame Geräusche. Ratten. Und letztendlich ein Irrer, der aussieht wie Gollum. Das ist wahrlich der Stoff aus dem Albträume gemacht sind.

Der Regisseur weiß diese Elemente auch effizient einzusetzen. Anfangs kommt das Grauen noch langsam, dann steigern sich die Schockeffekte und die Enthüllung des Monsters kann es sogar fast mit „The Descent“ aufnehmen. Das Monster selbst übrigens auch. Scheint ein entfernter Verwandter der Crawler zu sein. Nachdem das Rätsel um den Killer gelöst ist, verändert sich der Film. Weniger Grusel, mehr Terror und Blut. Teils ist dies gelungen (Käfigszenen), teils wirkt das Treiben des verrückten Gynekologen eher aufgesetzt und ist zu gewollt schockierend (OP-Szene). Gegen Ende des Films nimmt unsere Hauptfigur (Franka Potente) dann noch ein paar geistige Auszeiten, nur um kurze Zeit später über sich selbst hinauszuwachsen und das Monster effektvoll in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Das alles lässt sich weit weniger unbefriedigend anschauen, als es hier eventuell den Eindruck macht. Liegt vermutlich an der angenehm kurzen Laufzeit des Schockers.

Fazit

„Creep“ funktioniert. Er verbreitet bei der Sichtung ein ungutes Gefühl. Ein Horrorfilm eben. Technik und Kameraarbeit passen zum schmutzigen Look des Films. Die U-Bahn-Stimmung kommt wirklich perfekt rüber. Allein die Geschichte offenbart wieder einmal die typischen Schwächen des Genres: Schwache Figurenzeichnung, kaum Überraschungen und eine eher unbedriedigende – da nicht existente – Auflösung. Alles in allem jedoch weit entfernt von der Katastrophe, als die „Creep“ verschrieen ist. Sollte man sich als Genrefreund ruhig einmal ansehen: 6/10 Punkte.

Red Eye

Zum Ausklang des Wochenendes habe ich mir gestern „Red Eye“ angesehen. Erwartet hatte ich nicht zu viel, was sich auch als richtig erwiesen hat. Zudem gehört Wes Cravens jüngstes Werk zu den Filmen, bei denen der Trailer viel zu viel von der Geschichte verrät. Wirklich schade, denn ohne Vorwegnahme der essentiellen Wendung, hätte der Film garantiert (noch) mehr Spaß gemacht.

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Die erste Hälfte von „Red Eye“ hat mir ziemlich gut gefallen. Nette Charaktere, netter Storyverlauf und mit dem Flughafen/Flugzeug ein mehr als ansprechendes Setting. Als dann der eigentliche Thriller beginnt war ich auch noch gut bei der Sache, was zu großen Teilen an Cillian Murphy liegt, der eine wirklich intensive Performance hinlegt. Zwar kommt es während des Flugs zu keinen großen Überraschungen, doch entwickelt sich ein Psychospiel, das wirklich ausbaufähig gewesen wäre.

Dann jedoch kommt die Landung, was einem filmischen Absturz gleichkommt. Hier verwandelt sich „Red Eye“ in einen typischen Wes Craven-Film. Beinahe wähnt man sich in einem neuen „Scream“-Abklatsch. Das Ganze ist zwar durchaus ansprechend und spannend inszeniert, zieht der vorher relativ sorgsam vorbereiteten Geschichte allerdings sowas von den Boden unter den Füßen weg, dass hier wirklich nichts mehr zu retten ist. Meiner Meinung nach hätte Craven den Film im Stil der ersten Hälfte fortführen und wenigstens einmal auf den Slasher-Part verzichten sollen.

„Red Eye“ ist durchaus unterhaltsam. Ein netter Thriller. Aber eben auch nicht mehr. Möglichkeiten, die durchaus vorhanden gewesen wären, werden aber für 08/15-Actionszenen verschenkt: 5/10 Punkte.