American Hustle (2013)

Das Wochenende vor Fasching beutet mit Kindern auch immer – wer hätte es gedacht? – Kinderfasching! Dies ist meist anstrengender, als es für Außenstehende scheint, doch letztendlich kommt es ja auch nur darauf an, dass die Kinder Spaß haben. Als um 20 Uhr endlich alle im Bett waren, hatte ich mich mit „American Hustle“ auf einen entspannten Filmabend gefreut, doch sollte sich die Sichtung, zumindest teilweise, anstrengender gestalten als ich zunächst angenommen hatte…

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Ich mag David O. Russells Werk. Irgendwie schafft er es sich mit jedem Film neu zu erfinden: „Flirting with Desaster“, „Three Kings“ oder „Silver Linings Playbook“ – alles Geschichten, die aus ihrer ursprünglichen Prämisse mehr gemacht haben, als man vermuten würde. Meine Erwartungshaltung in Bezug auf „American Hustle“ war jedoch, sagen wir einmal, angespannt. Mit zehn Oscar-Nominierungen ins Rennen gegangen, hat der Film letztendlich keine einzige Auszeichnung mit nach Hause genommen. Hinzu kommen größtenteils verhaltene Kritiken, was mich besonders skeptisch machte. Allerdings schienen Genre, Schauspieler und Inszenierung genau meinen Geschmack zu treffen. In welche Richtung sollte sich die Sichtung also für mich entwickeln?

Am ehesten hat mich „American Hustle“ an Ben Afflecks Oscar-Gewinner „Argo“ erinnert: Ein Film, der eine historische Begebenheit (Abscam) aufgreift, diese stark dramatisiert erzählt und in den späten 70er Jahren spielt? Das kann schon fast kein Zufall sein. Teils scheint es mir auch so, als hätte Russell sein Gaunerstück zu bewusst cool und lässig erzählen wollen. Da gibt es einige Schlenker zu viel im Drehbuch, die oft leider weniger unterhaltsam, als anstrengend wirken. Eine geradlinigere Erzählweise hätte dem Film, meiner Meinung nach, wirklich gut getan – zumal die Geschichte nicht sonderlich komplex ist.

Was wirklich ausgezeichnet funktioniert ist die 70er Jahre Atmosphäre samt fantastischem Soundtrack und bombastischer Ausstattung. Es macht einfach Spaß Christian Bale, Amy Adams, Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Jeremy Renner und Co. dabei zuzusehen, wie sie allesamt völlig in ihren Rollen aufgehen und ein wahres Schauspielfest abliefern. Herrlich! Selbst kleinste Nebenrollen sind mit Stars, wie Robert De Niro oder Louis C.K. großartig besetzt.

Letztendlich hat mich „American Hustle“ wirklich gut unterhalten. Ein paar einzelne Szenen fand ich sogar regelrecht brilliant geschrieben und gespielt. Leider jedoch funktioniert das große Ganze nicht so gut, wie es eigentlich hätte sollen. Der Film wirkt ein wenig zu selbstverliebt, was man ihm in seinen Sternstunden auch durchaus zugestehen mag. Das nächste Mal gerne wieder ein wenig kleiner und mit mehr Feinschliff im Drehbuch, Mr. Russell. Dennoch ein guter Film, der jedoch leider hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt: 7/10 Punkte.

Snowpiercer – OT: Seolgugyeolcha (2013)

Nach einer gefühlt sehr anstrengenden Arbeitswoche und Nächten mit nur wenig Schlaf, stand der Freitagsfilm unter keinem guten Stern. Dennoch habe ich mich für „Snowpiercer“ entschieden – ein Film, den ich schon seit langer Zeit sehen wollte. Auch wenn mich „The Host“ schon länger reizt, so hatte ich von Regisseur Bong Joon-ho bisher noch keinen Film gesehen. Ich kann jetzt schon vorausschicken, dass ich dies wohl bald einmal ändern sollte…

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Auch wenn „Snowpiercer“ auf einem französischen Comic basiert, und somit kein eigenständiges Werk ist, habe ich jedoch schon lange keinen solch originellen Big-Budget-Film mehr gesehen. Die Prämisse ist so einfach, wie genial und hätte leicht ins Lächerliche abdriften können. Bong Joon-ho nimmt die Ausgangslage jedoch selbstbewusst auf und konterkariert brutale und düstere Momente mit beinahe grotesken und comichaften Szenen. Dies betrifft nicht nur das Setting, sondern auch die Charaktere. Speziell Tilda Swinton weiß hier zu überzeugen – und jede andere Schauspielerin hätte an ihrer Stelle leicht dem Overacting erliegen können. Der getroffene Ton ist jedoch absolut perfekt und überraschte mich immer wieder.

Was das Genre angeht, so lässt sich „Snowpiercer“ nur schwer greifen. Natürlich verarbeitet der Film offensichtlich ein dystopisches Science-Fiction-Szenario und stellt den Klassenkampf im Mikrokosmos Zug dar, doch von Abteil zu Abteil springt Bong Joon-ho von Drama über knallharten Actionfilm bis hin zu Slasher und Abenteuerfilm. All das ist enorm effektiv inszeniert und man wird als Zuschauer stets weiter nach vorne getrieben. Die Auflösung hat mir wirklich sehr gut gefallen, was vielleicht auch daran liegt, dass ich hoch erfreut war Ed Harris (Bud, „The Abyss“) endlich einmal wieder in einer größeren Rolle zu sehen. Mit John Hurt, Jamie Bell, der bereits erwähnten Tilda Swinton sowie Chris Evans, ist die Dystopie ohnehin exzellent besetzt.

Ich kann nicht wirklich erklären, was ich mir ursprünglich von „Snowpiercer“ erwartet hatte; vermutlich einen geradlinigeren Actionstreifen. Umso erfreuter war ich aufgrund des Ideenreichtums, den Bong Joon-ho sowohl in die Geschichte, als auch in die audiovisuelle Ausarbeitung gesteckt hat. Was der Film langfristig zu bieten hat, muss eine Zweitsichtung zeigen, in der die Überraschungen bereits bekannt sind. Das erste Mal war auf jeden Fall ein großes Vergnügen: sehr gute 8/10 Punkte.

The Wire – Season 1

Es wird Zeit den am längsten laufenden Running Gag dieses Blogs zu beenden: Ich habe endlich „The Wire – Season 1“ gesehen! Nach unzähligen Aufforderungen und Empfehlungen kann ich nun endlich auch mitreden, was den von vielen als beste Serie angesehenen TV-Meilenstein betrifft. Wird David Simons Show ihren zahlreichen Vorschusslorbeeren gerecht?

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Ich bin zutiefst enttäuscht. Überall habe ich gelesen „The Wire“ wäre unglaublich anstrengend, es gäbe keine zentralen Charaktere und den unterschiedlichen Handlungssträngen zu folgen wäre schon fast ein Ding der Unmöglichkeit. Von der Sprache einmal ganz zu schweigen. Da saß ich nun also nach drei doppelten Espresso mit meinem Notizbuch auf dem Schoß und machte mich bereit für ein hartes Stück Arbeit – die Erweiterung des Serien-Horizonts will schließlich verdient werden! Und was bekam ich zu sehen? Ein unglaublich unterhaltsames Crime-Drama! Kein Stück Arbeit, sondern allerbeste Unterhaltung. Puh, die folgenden Abende waren somit glücklicherweise gerettet…

Nach der Sichtung kann ich gut verstehen, warum „The Wire“ als qualitativ so hochwertige Serie wahrgenommen wird. Sie ist fantastisch geschrieben, kunstvoll inszeniert und gut gespielt. Warum man sie allerdings oft als anstrengend oder extrem kompliziert beschreibt, mag sich mir nicht erschließen. Natürlich bin ich inzwischen ein geübter Zuschauer, was serielle Erzählformen angeht, doch empfand die Serie als sehr zugänglich und die Charaktere wunderbar ausgearbeitet. Jeder Zuschauer, der Gefallen an den anderen großen HBO-Serien, wie z.B. „The Sopranos“, „Six Feet Under“ oder „Boardwalk Empire“ gefunden hat, wird absolut keine Probleme mit „The Wire“ haben – behaupte ich zumindest.

David Simons Serie lebt von den ausgefeilten Charakteren, die – jeder Charakter auf seine Weise – allesamt faszinierend sind. Der Wechsel zwischen Polizeiarbeit und Gangstermilieu bringt dabei die nötige Würze und man bekommt ein wahres Kaleidoskop an Aspekten zu sehen, welche Baltimore nicht gerade in ein gutes Licht rücken. Neben der eigentlichen Ermittlungstätigkeit und dem Gangsteralltag werden auch politische Verstrickungen angeschnitten, welche schlussendlich auch den Ermittlungen in die Quere kommen. Sehr deprimierend, speziell wenn man bedenkt welche Opfer der Fall gefordert hat.

Ich könnte nun noch über viele Aspekte schreiben, z.B. den wunderbaren Charakter Omar oder die Chancenlosigkeit der Jugend, die in solch einem Umfeld aufwächst. Die großartige Leistung von „The Wire“ ist es jedoch sich nicht zu sehr im Leid zu wälzen, sondern eben gerade menschliche Geschichten zu erzählen, die uns an dieser Welt teilhaben lassen. Dazu gehört neben all der kaltblütigen Grausamkeit eben auch Humor und Mitgefühl. Ich bin nun gespannt, welche Facetten der Stadt David Simon in den folgenden Staffeln noch abdecken wird. Meine Empfehlung: Schaut diese außergewöhnlichen Serie und lasst euch nicht, wie ich, davon abschrecken, dass sie zu kompliziert wäre: 9/10 (9.4) Punkte.

Die fantastische Welt von Oz – OT: Oz the Great and Powerful (2013)

Mit Sam Raimis „Die fantastische Welt von Oz“ habe ich mir heute einen Film angeschaut, der zuvor eine halbe Ewigkeit ungesehen im Regal stand. Aufgrund teils vernichtender Kritiken war ich stets ein wenig vorsichtig, da ich das 1939er Musical „Der Zauberer von Oz“ einfach großartig finde. Wie sich Oz in den Händen von Disney letztendlich schlägt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

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Der Film beginnt, wie bereits die 1939er Fassung, im schwarzweiß gehaltenen Kansas. Dieser Kniff war vor über 75 Jahren genial, lockt heute jedoch niemandem mehr hinter dem Ofen hervor – zumal man die ganze Zeit wartet, wann denn nun endlich Farbe (und in diesem Fall auch eine Öffnung des Bildformats sowie 3D) ins Spiel kommt. Dennoch fand ich diesen nostalgisch geprägten Einstieg nett anzusehen und eine schöne Vorstellung des titelgebenden Zauberers. Bereits in diesen ersten Szenen zeigt sich, dass James Franco die ideale Besetzung von Oscar Zoroaster Phadrig Isaac Norman Henkle Emmannuel Ambroise Diggs bzw. kurz Oz ist und diesen mit bewusstem Overacting zu einer sympathischen, aber auch moralisch zweifelhaften Figur werden lässt.

Im zauberhaften Land angekommen, werden wir Zuschauer zusammen mit Oz erst einmal von Form und Farbe erschlagen. Viel zu bunt, viel zu übertrieben, viel zu kulissenhaft – könnte man zumindest meinen, doch lässt dieser Farbrausch tatsächlich Erinnerungen an an den originalen Kinofilm wach werden. Auch inhaltlich hatte ich während der ersten Filmhälfte wirklich meinen Spaß und ich war mir sicher, dass sich „Oz the Great and Powerful“ bei sehr guten 8 Punkten einpendeln wird – trotz fehlender Musical-Nummern.

Im letzten Drittel wandelt sich die ohnehin schon äußerst vorhersehbare Geschichte dann leider jedoch zu einem reinen Malen nach Zahlen: Es gibt keinerlei Überraschungen mehr, Charakterzeichnung verschwindet beinahe komplett und wird durch aufmarschierende Armeen ersetzt. Von Abenteuer ist leider nicht mehr viel zu spüren und es stellt sich Belanglosigkeit ein. Leider habe ich gegen Ende tatsächlich ein wenig das Interesse daran verloren, was sich denn so in Oz abspielt. Wirklich schade, denn das völlig übertriebene Setdesign und die Art der Inszenierung haben mir weiterhin viel Vergnügen bereitet.

Letztendlich hat Disney mit „Die fantastische Welt von Oz“ zu sehr auf Nummer sicher gespielt. Vielleicht hätte man sich mehr an der Handlung des Musical-Hits „Wicked: Die Hexen von Oz“ orientieren sollen, in dem eine deutlich spannendere Geschichte erzählt wird. Auch wenn ich tatsächlich ein wenig enttäuscht bin, so bereue ich den erneuten filmische Ausflug ins zauberhafte Land nicht. Man sollte sich nur wahrlich nicht zu viel erwarten: 6/10 Punkte.

Die Mächte des Wahnsinns – OT: In the Mouth of Madness (1994)

Nachdem wir heute viel zu spät auf die entspannende Couch gekommen sind, musste ich den Freitagsfilm nach seiner Laufzeit auswählen. Nach einer Woche mit maximal fünf Stunden Schlaf pro Nacht ist die Aufmerksamkeit eben ein wenig eingeschränkt. Somit fiel die Wahl auf John Carpenters „Die Mächte des Wahnsinns“, der mit 95 Minuten erfreulich knackig erzählt ist und aufgrund seiner Thematik zudem nicht zum vorzeitigen Einschlafen verleitet. Zumindest auf einen Teil der Zuschauer traf dies auch zu…

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Meine letzte Sichtung von „In the Mouth of Madness“ liegt bestimmt 10 Jahre zurück. Damals hatte ich ein paar TV-Ausstrahlungen mitgenommen und konnte mich somit noch recht gut an die surreale Atmosphäre erinnern. Da Carpenters Filme nicht alle wirklich gut gealtert sind, war ich gespannt welche Wirkung dieser kleine Horrorstreifen mit H. P. Lovecraft-Anleihen wohl heute auf mich haben würde. Auch wenn der Film deutlich angestaubter wirkt, als in meiner Erinnerung, so wird man doch recht schnell in die Geschichte hineingezogen. Man darf auch nicht vergessen, dass inzwischen bereits über 20 Jahre vergangen sind – und dafür schlägt sich das Werk aus Carpenters späterer Schaffensphase erstaunlich gut.

Der titelgebende Wahnsinn hält sanft Einzug in das Bewusstsein des von Sam Neill mitreißend gespielten John Trent. Die Reise nach Hobb’s End hat mich tatsächlich ein wenig an „Silent Hill“ erinnert, der bzw. dessen Videospielvorlage durchaus Anleihen an Carpenters Art der Inszenierung genommen haben könnte. Auch wenn viele Schockeffekte ein wenig plump daherkommen, so lebt „Die Mächte des Wahnsinns“ doch hauptsächlich von seiner traumhaften Atmosphäre, die mir teils wirklich einen Schauer über den Rücken laufen ließ.

Insgesamt lieferte John Carpenter mit „In the Mouth of Madness“ einen sehr atmosphärischen Horrorfilm ab, den man sich auch heute noch gut ansehen kann. Die Geschichte ist dann am besten, wenn man durch die Augen der Hauptfigur versucht sich in dieser unwirklichen Welt zurechtzufinden. Im letzten Drittel schwächelt der Film ein wenig, doch nimmt das nur wenig von seiner Sogwirkung. Wohl der letzte wirklich sehenswerte Film John Carpenters – sieht man einmal vom 1998er „Vampire“ ab, dem ich wohl als einziger etwas abgewinnen kann: 7/10 Punkte.

Saving Mr. Banks (2013)

Pünktlich zum Wochenende, das wir eigentlich schon verplant hatten, quält unseren Zwergofant bei fast 40 °C Fieber eine fiese Erkältung. Die denkbar schlechtesten Voraussetzungen für einen Film – und dennoch hat „Saving Mr. Banks“ den Weg auf den Bildschirm gefunden. Trotz unzähliger Unterbrechungen und der Vorahnung einer Nacht ohne Schlaf, hat John Lee Hancocks Film einen Nerv bei mir getroffen…

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Ich mag Walt Disneys Version von „Mary Poppins“, deren Produktion in „Saving Mr. Banks“ nacherzählt wird. Sehr sogar. Dies mag unter anderem auch damit zusammenhängen, dass ich das Broadway-Musical tatsächlich am Broadway in New York City gesehen habe. Eine wahrhaft magische Erfahrung. Hinzu kommt, dass ich ohnehin ein großes Interesse an der Entstehungsgeschichte von mir wichtigen Filmen sowie ein Faible für Walt Disney habe. Wahrlich gute Voraussetzungen also, um den Film zu einem vollen Erfolg bei mir werden zu lassen.

John Lee Hancock hat sich wahrlich Mühe gegeben, sein nacherzähltes Zeitdokument authentisch wirken zu lassen. Mit Emma Thompson als „Mary Poppins“-Autorin P. L. Travers und Tom Hanks als Walt Disney ist die Besetzung der Hauptfiguren perfekt, welche durch die von Paul Giamatti, Bradley Whitford (Josh Lyman, „The West Wing“), Jason Schwartzman (Jonathan Ames, „Bored to Death“) und B. J. Novak (Ryan Howard, „The Office“) hochwertig besetzten Nebenrollen großartig ergänzt werden. Selbst Colin Farrell konnte mich schauspielerisch überzeugen, was wahrlich nicht immer der Fall ist.

Neben den Schauspielern überzeugt speziell die liebevolle Ausstattung sowie der an Technicolor erinnernde Look des Films. Auch Fans der Musical-Songs werden ihre wahre Freude haben, denn man erlebt deren Entstehungsgeschichte live mit. Von den audiovisuellen Reizen abgesehen, ist die Handlung recht geradlinig und ohne große Überraschungen. Ich hätte mir teils ein wenig mehr Tiefe in der Figurenzeichnung gewünscht und fordere in diesem Zuge sogleich eine verfilmte Walt Disney-Biographie mit Tom Hanks in der Hauptrolle!

Auch wenn „Saving Mr. Banks“ nicht perfekt durcherzählt ist, so gibt er einen guten Eindruck von der turbulenten und anstrengenden Entstehungsgeschichte samt ihrer angespannten Beziehungen. Das Schicksal der jungen P. L. Trevors hat mich zudem sehr berührt, was bei der Thematik auch kein Wunder ist. Oft hätte Hancock den Film ein wenig subtiler erzählen können, doch dann wäre es eben kein opulenter Disney-Film geworden. Und ein solcher hat ja schließlich auch seine Vorzüge: 8/10 Punkte.

One Tree Hill – Season 9

Vor einem knappen halben Jahr sagten mir die Namen Brooke Davis, Nathan Scott, Haley James usw. noch überhaupt nichts. Doch dann kam ich in den Sog dieser Serie, die mit „One Tree Hill – Season 9“ nun ihr mehr oder weniger rühmliches Ende fand. Warum ich letztendlich so lange durchgehalten habe und warum sich dies trotz aller qualitativen Defizite gelohnt hat, erfahrt ihr in dieser folgenden, abschließenden Besprechung…

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Mir scheint es so, als hätten die Autoren mit diesen letzten 13 Episoden noch einmal alles, was „One Tree Hill“ in den vergangenen Jahren ausgemacht hat, in einen Topf geworfen, mit bewusstseinserweiternden Substanzen gewürzt und auf uns Zuschauer losgelassen. Es ist wirklich der pure Wahnsinn, was alles in dieser halben Staffel passiert. Viele Handlungsstränge sind völlig hanebüchen und lächerlich, andere funktionieren dagegen erstaunlich gut. Es ist jedoch zuviel von allem und wird in zu kurzer Zeit erzählt, doch als Zuschauer dieser Serie ist man ja bereits so einiges gewohnt…

Wie es sich für eine finale Staffel gehört, gibt es einige Gastauftritte von Schauspielern bzw. Charakteren, die Tree Hill bereits verlassen hatten, zu bewundern. Mit Dan Scott und Chris Keller kehren zwei herrlich schräge Figuren zurück, deren Handlungsstränge mir auch mit am meisten Freude bereitet haben. Den obligatorischen Gastauftritt des ehemaligen Hauptdarstellers Chad Michael Murray (Lucas Scott) hätte man sich dagegen sparen können: zu aufgesetzt, zu gewollt, zu nichtssagend. Wirklich schade, da man somit auf die Gelegenheit verzichtet hat, den gegangenen Charakteren tatsächlich eine Bedeutung für die weiterlaufene Handlung zu geben.

Jedem einzelnen Hauptcharakter (und von diesen gibt es inzwischen einige) hat man tatsächlich ein eigenes überdramatisches Problem vor die Nase gesetzt. Dies fängt bei einer Entführung durch die osteuropäische Mafia(!) an, geht über die Einweisung in eine psychiatrische Klinik bis hin zu Stalker-Terror durch einen Ex-Häftling. Natürlich darf man auch nicht Marvin McFaddens Gewichtsprobleme vergessen. Und das ist nur ein Bruchteil der aufgemachten Handlungsstränge! Zeit zum Durchatmen bleibt somit nicht – und für gute Drehbücher war sie anscheinend auch zu knapp. Unterhaltsam ist dieses dramaturgische Chaos dennoch zu jeder Zeit, wenn auch weit davon entfernt stringent oder wirklich gut zu sein.

Insgesamt reiht sich die finale Staffel von „One Tree Hill“ also am unteren Spektrum der Serie ein. Die ersten vier Staffeln, d.h. die Highschool-Jahre, zählen eindeutig zu den Highlights, doch auch danach bietet das Coming-of-Age-Drama noch gute Unterhaltung:

  1. „One Tree Hill – Season 3“ (8.1 Punkte)
  2. „One Tree Hill – Season 4“ (8.0 Punkte)
  3. „One Tree Hill – Season 2“ (7.9 Punkte)
  4. „One Tree Hill – Season 1“ (7.8 Punkte)
  5. „One Tree Hill – Season 5“ (7.8 Punkte)
  6. „One Tree Hill – Season 6“ (7.4 Punkte)
  7. „One Tree Hill – Season 8“ (7.4 Punkte)
  8. „One Tree Hill – Season 9“ (6.9 Punkte)
  9. „One Tree Hill – Season 7“ (6.9 Punkte)

So schwach ich manche Aspekte der Serie auch fand, so viel Spaß hat mir die Sichtung doch bereitet. Ich hatte zudem stets das Gefühl die Autoren waren sich der absurden Situationen bewusst, welche meine Frau und mich oft in schallendes Gelächter ausbrechen ließen. Gibt es einen großartigeren Charakter als Dan Scott? Herrlich! Neben all der Albernheit, hat mich „One Tree Hill“ aber auch emotional gepackt. Coming-of-Age eben. Speziell das Serienfinale hat diese Qualitäten noch einmal ausgespielt: Als plötzlich die nächste Generation auf dem Basketballfeld steht und sich Nathan bewusst wird, dass dieser Lebensabschnitt der Vergangenheit angehört, dann ist dies erstaunlich wahrhaftig. 

Auch wenn man die Serie bestimmt nicht gesehen haben muss, so bereue ich die Sichtung keinesfalls. Sie hatte tolle Momente, alberne Momente und absurde Momente. Durch „One Tree Hill“ habe ich Fall Out Boy kennengelernt und nochmals ein Konzert von Jimmy Eat World erleben dürfen. Die Charaktere sind mir ans Herz gewachsen und stressige Phasen des Hausbaus waren für 42 Minuten vergessen. It’s the oldest story in the world. One day you’re seventeen and planning for someday. And then quietly and without you ever really noticing, someday is today. And then someday is yesterday. And this is your life: 7/10 (6.9) Punkte.

Girls – Season 2

Dank des rapiden Preisverfalls bin ich nun doch schneller zu „Girls – Season 2“ gekommen, als ich nach der Sichtung der ersten Staffel vermutet hatte. Konnte mich Lena Dunhams Serie auch in ihrem zweiten Jahr begeistern oder hatte sich der frech-frivole und doch authentische Stil inzwischen abgenutzt?

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Lag der Fokus der ersten Staffel noch darauf, die Beziehungen der Hauptfiguren untereinander zu zeigen, so gehen die vier Freundinnen über weite Teile der zweiten Staffel getrennte Wege. Dies sorgt teils für eine neue Dynamik, ist aber auch manchmal ein wenig anstrengend, zumal nicht alle Handlungsstränge auf Dauer überzeugen können. Speziell die von Showrunnerin Lena Dunham gespielte Hannah empfand ich im späteren Verlauf der Staffel als ein wenig anstrengend. Natürlich ist dies Kalkül, doch hier wäre weniger mehr gewesen, denn so tritt dieser an sich interessante Charakter ein wenig auf der Stelle.

Am meisten Entwicklung erfährt wohl gerade die in der ersten Staffel noch relativ unbedeutende Shoshanna, was ich wirklich nett fand. Auch die meisten anderen Handlungsstränge machen Spaß, im Detail haben mich die ein wenig losgelösten Episoden „One Man’s Trash“ (in dieser fand ich auch Hannah toll!) und „Video Games“ wohl am meisten begeistert. Am Ende der Staffel stehen alle Charaktere irgendwie wieder da, wo sie zu Beginn des Jahres angefangen hatten – wenig befriedigend, jedoch im Rahmen dieses Generationenportraits auch konsequent. Dennoch wünsche ich mir von der kommenden Staffel ein wenig mehr Entwicklung.

Stilistisch ist „Girls“ weiterhin der Instagram- bzw. Retro-Indie-Ästhetik verhaftet, was gut funktioniert. Insgesamt hatte ich wieder viel Spaß mit den Mädels, doch ist die Leichtigkeit der ersten Staffel ein wenig abhanden gekommen. Das kommende Jahr dürfte entscheidend sein, was die Entwicklung der Serie betrifft. Hoffen wir mal, dass Lena Dunham – anders als ihre Figur Hannah – keine Schreibblockade erleidet: 8/10 (8.4) Punkte.

Boyhood (2014)

Es gibt wohl kaum einen Film, auf den ich in letzter Zeit so heiß war – und das nicht erst seit dem Gewinn des Golden Globes. Schon als ich zum ersten Mal von Richard Linklaters „Boyhood“ las, war ich fasziniert. Nicht nur liebe ich Coming-of-Age-Geschichten, ich weiß seit dem grandiosen „Dazed and Confused“ auch, dass Linklater ein Händchen dafür hat. Zudem hat mich natürlich die ungewöhnliche Produktionsphase fasziniert. Konnte der Film meinen Erwartungen letztendlich gerecht werden?

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Die Sichtung ist gerade ein paar Minuten vorbei und Arcade Fires „Deep Blue“ hat mich sanft aus dem Film entlassen. Nun sitze ich da und frage mich: ‚War es das?‘ Nicht, weil ich mir etwas anderes erwartet hatte, sondern weil ich gerne mehr gesehen hätte. Noch mehr. Selbst nach langen 165 Minuten habe ich das Gefühl gerne mehr von den unterschiedlichen Stationen dieses Lebens sehe zu wollen. Mason weiter dabei zu begleiten aufzuwachsen, denn erwachsen ist er noch lange nicht. Richard Linklater hat uns über 12 Jahre am Leben dieses Jungen, dieser Familie teilhaben lassen – und der Abschied schmerzt. Ein schöneres Kompliment kann es wohl nicht geben, selbst wenn die Kunst des Auslassens wohl bewusst von Linklater inszeniert wurde…

Anders als zunächst von mir vermutet, zeigt der Regisseur eben nicht alle typischen Stationen des Erwachsenwerdens: kein erstes Mal Alkohol, kein erster Kuss, kein erster Todesfall. Durch diese bewussten Auslassungen lässt uns Linklater diese Lücken selbst auffüllen und verknüpft „Boyhood“ mit unseren eigenen Erinnerungen. Ähnlich funktioniert auch der Soundtrack des Films, der bekannte Songs der jeweiligen Zeit oft nur ein paar Sekunden lang anspielt – und uns Zuschauer den kompletten Song selbst ergänzen lässt. Das Kaleidoskop der tatsächlich gezeigten Szenen reicht von trivial bis bedeutsam und zieht uns Stück für Stück in Masons Leben hinein.

Ich habe schon viel über „Boyhood“ gelesen. Meist waren es überaus positive Besprechen, einige Zuschauer bemängelten jedoch auch, dass der Film keine stringente Handlung habe und nichts passieren würde. Es gibt tatsächlich wenig Action im Sinne von körperlich ausgeführten Handlungen, dafür viele Gespräche und Stimmungen. Hier erinnert das Drama stark an ein anderes filmisches Experiment Linklaters, die „Before…“-Trilogie, in der der Regisseur eine Liebesgeschichte in drei Teilen über 18 Jahre erzählt. Wenn man diese mag, wird man wohl auch seine Freude an „Boyhood“ haben. Ich würde behaupten diese Art von Film Film ist eben einfach Typsache.

Auch wenn es letztendlich nur eine Formalie ist, so muss ich Linklater und seinem Team doch Respekt für die Ausdauer zollen. Speziell in der heutigen Zeit, in der es jeder gewohnt ist, sofort Feedback zu erhalten, muss es ein wahrer Kraftakt gewesen sein, 12 Jahre zu drehen – und das über weite Strecken ohne jegliche Rückmeldung aus der Öffentlichkeit. Auch wenn einige diese 12 Jahre Drehzeit als Gimmick sehen, so bin ich überzeugt davon, dass „Boyhood“ nur dadurch die in jeder Szene spürbare Kraft entfalten konnte. Schade, dass es auf der aktuellen Blu-ray keinerlei Hintergrundinformationen gibt, würde mich doch brennend interessieren, aus wieviel Material Linklater letztendlich die finale Schnittfassung destilliert hat.

Die Besprechung ist nun länger geworden, als ich um diese Uhrzeit eigentlich geplant hatte. Noch etwas, das für den Film spricht. Auch wenn er dramaturgisch vielleicht genauso wenig perfekt ist, wie das Leben, das er abzubilden versucht, so lässt er uns Zuschauer doch an einem großen Entstehungsprozess teilhaben, den er emotional perfekt einfängt: dem Erwachsenwerden. Mein einziger wirklicher Kritikpunkt ist, dass ich gerne mehr mit Mason verbracht hätte. Ich möchte den Film nach dieser ersten Sichtung noch nicht zum Lieblingsfilm erklären, doch viel fehlt wahrlich nicht: 10/10 Punkte.

Fargo (1996)

Während alle Welt über den Golden Globe-Gewinner „Fargo“ berichtet, habe ich mir heute einmal wieder den zugrunde liegenden Film der Coen-Brüder angesehen. Ihr 1996er „Fargo“ begleitet mich schon seit etlichen Jahren – und auch diese inzwischen bestimmt schon dritte oder vierte Sichtung war ein großes Vergnügen…

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Manchmal ist es schon seltsam, wie die eigene Erinnerung in Bezug auf Filme funktioniert. Ich hätte schwören können, der Film beginnt mit Marge und Norm Gunderson im Bett, dann der Anruf und die Fahrt zum Tatort. Tatsächlich lernen wir Marge erst nach über einer halben Stunde kennen. Auch hatte ich keinen so geradlinigen Film in Erinnerung und hatte vermutet, dass alle vorherigen Geschehnisse erst während der Ermittlungen in Flashbacks aufgelöst werden. Wirklich seltsam. Trotz meiner verschobenen Wahrnehmung was die Chronologie angeht, waren mir die einzelnen Szenen jedoch noch bestens im Gedächtnis – und was für Szenen das sind!

„Fargo“ ist bestimmt einer der zugänglichsten Filme der Coen-Brüder. Man erlebt eine ziemlich geradlinige Kriminalgeschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht wirklich wunderbar geschrieben ist. Viele Coen-Welten wirken extrem artifiziell und satirisch. Auch in „Fargo“ sind die Charaktere überzeichnet und erinnern oft eher an Karikaturen, als an echte Personen, doch weit nicht so extrem wie, zum Beispiel, in „Barton Fink“ oder „Burn After Reading“. Speziell Marge Gunderson, gespielt von der großartigen Frances McDormand, bietet eine gewisse Erdung, die man als Besucher dieser seltsamen Zwischenwelt gerne annimmt.

Überhaupt diese Charaktere und ihre Schauspieler! William H. Macy endlich in einer Hauptrolle, die er gar wunderbar trägt. Die geheimen Stars des Films sind jedoch Steve Buscemi und Peter Stormare als ungleiches Gangsterduo, das sowohl für die lustigsten als auch schockierendsten Szenen des Films sorgt. Dieses Ungleichgewicht aus Humor und exzessiver Gewalt in der hypnotisch weißen Landschaft hat zudem ein eigenes Subgenre geprägt: Filme wie „Ein einfacher Plan“ oder „The Big White“ kombinieren ebenfalls schwarzhumorige Gangstergeschichten mit typischen Alltagsfiguren und übernehmen dabei das Setting im ewigen Schnee.

Obwohl mir die Geschichte, abseits ihrer genauen Reihenfolge, noch im Detail bekannt war, hat mich „Fargo“ abermals wahnsinnig gut unterhalten. Ich muss auch die neu abgetastete Blu-ray von MGM/20th Century Fox lobend erwähnen, die den Film aussehen lässt, als wäre er erst gestern gedreht worden – mit Filmkorn und allem. Großartig! Für mich ein Kleinod des Coen-Universums, das man sich tatsächlich immer wieder anschauen kann. Nun bin ich umso gespannter auf die zugehörige TV-Serie: 9/10 Punkte.