Mission: Impossible – Rogue Nation (2015)

Dies ist der erste Eintrag, den ich auf Windows 10 schreibe. Das Upgrade hat also funktioniert. Nach einem langen Tag voll mit Arbeiten rund um Haus und Hof sowie Vorbereitungen für den 6. Geburtstag unseres Zappelinchens, sind wir wieder viel zu spät auf das Sofa gekommen. Dennoch hatte ich mir fest vorgenommen einen Film zu sehen und da „Mission: Impossible – Rogue Nation“ gerade bei Amazon Prime im Programm läuft, ist die Wahl auf diesen unterhaltsamen Action-Thriller gefallen…

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Zunächst einmal möchte ich auf ein technisches Thema eingehen, das Streaming betrifft und mir die Freude am Film ein wenig verleidet hat: Bei Amazon Prime läuft der 5. Teil des „Mission: Impossible“-Franchises in 16:9 und somit Vollbild. Dieses Format kam mir bereits bei „Terminator: Genysis“ seltsam vor, doch hier war der Verlust an Bildinformationen nun mehr als auffällig. Kurz nachgeschaut – und natürlich ist das Original-Seitenverhältnis 2,40:1 und so liegt der Film auch auf Blu-ray und DVD vor. Tolle neue Streaming-Welt. Ich dachte wirklich seitlich beschnittene Filme oder Pan & Scan gehörten inzwischen der Vergangenheit an. Ich werde es mir in Zukunft auf jeden Fall zweimal überlegen, ob ich mir persönlich wichtige Film per Stream anschaue.

Trotz der technischen Defizite hatte ich unglaublich viel Spaß mit „Mission: Impossible – Rogue Nation“. Die Geschichte hat zwar nicht mehr zu bieten als ein typischer Agenten-Thriller, doch ist sie so leichtfüßig und mitreißend erzählt, dass es eine wahre Freude ist. Tom Cruise funktioniert nach wie vor exzellent als Ethan Hunt und auch sein Team, allen voran Simon Pegg, weiß zu überzeugen. Die Action ist bombastisch, doch nicht zu übertrieben oder CGI-lastig. Regisseur Christopher McQuarrie schafft es wunderbar an den von J. J. Abrams in „Mission: Impossible 3“ etablierten und von Brad Bird in „Mission: Impossible – Ghost Protocol“ perfektionierten Stil anzuknüpfen.

Wer also nach drei gelungenen Teilen (den Beitrag von John Woo klammern wir lieber einmal aus) noch nicht genug vom Team der IMF hat, der dürfte auch mit dem jüngsten Abenteuer viel Spaß haben: Exotische Schauplätze, rasante Action und flotte Sprüche garantieren beste, wenn auch wohl nicht sonderlich nachhaltige, Unterhaltung. Ein wunderbar kurzweiliges Vergnügen: 8/10 Punkte.

Parenthood – Season 6

Jeder bekennende Fan von TV-Serien kennt dieses Gefühl der Leere, wenn die letzten Episoden einer geliebten Show über den Bildschirm flimmern. Im Fall von „Parenthood – Season 6“ war es für mich besonders hart, begleitet mich die Serie doch schon seit 2010 und damit ziemlich exakt seit der Geburt unseres Zappelinchens. Thematisch hätte mich die Serie somit zu keinem passenderen Zeitpunkt abholen können, zumal sich innerhalb der letzten sechs Jahre auch die restliche Familienkonstellation verändert hat – es sind Familienmitglieder dazu gekommen und gegangen. Familie eben. Kein Wunder also, dass auch der Abschied von den Bravermans so schwer fällt…

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Mit nur 13 Episoden fällt die finale Staffel der beständig von der Absetzung bedrohten Serie wieder sehr kurz aus – und schließt somit den Kreis zum ersten Jahr. Es ist auch die Staffel, die sich inhaltlich wohl am meisten von den anderen absetzt, gab es zu Beginn doch einen Zeitsprung, der die Weiterentwicklung aller Charaktere zeigt. Wie bereits schon in der fünften Staffel, scheint mir der Fokus auf die ältere Generation noch einmal stärker geworden zu sein. Gesundheitliche Probleme bei Zeek und der Umgang der Kinder damit, ließen bei mir Erinnerungen an die eigenen Eltern und Großeltern wach werden. Die Themen der Serie sind einfach sehr nah dran am Leben vieler Mitdreißiger – ob man will oder nicht. Daneben gibt es jedoch weiterhin etliche Handlungsstränge, die sich mit speziellen Themen beschäftigen und sowohl die für die Serie typisch idealisierte Familienatmosphäre aufrecht erhalten sowie für zusätzliches Drama sorgen. Ein volles Paket also für eine halbe Staffel.

Tatsächlich hatte ich zum ersten Mal Schwierigkeiten in die Staffel einzusteigen. Da ich direkt und ohne Unterbrechung weitergeschaut habe, waren der Zeitsprung und die damit einhergehenden Veränderungen zur vorhergehenden Staffel vielleicht zu groß. Gerade bei einer so kurzen Staffel nicht die beste Voraussetzung, doch nach den ersten vier Episoden war ich dem Charme der Bravermans wieder komplett erlegen. War die Serie schon seit jeher stark auf Emotionen und durchkomponierte Montagen des Familienlebens ausgelegt, haben die letzten vier Episoden diesen Stil noch einmal auf die Spitze getrieben: Da blieb bei mir öfter kein Auge trocken. Ich kenne tatsächlich nur wenige Serien, die bei mir emotional so ins Schwarze treffen. Manchen mag das zu viel sein (doch die schauen ohnehin nicht sechs Staffeln dieser Serie), für mich war es jedoch der perfekte Ausstieg – und damit schafft es die sechste Staffel, trotz des holprigen Anfangs, sich vor dem ersten und dem fünften Jahr zu platzieren, obwohl wirklich ausnahmslos jede Staffel ziemlich großartig ist:

  1. „Parenthood – Season 3“ (9.5 Punkte)
  2. „Parenthood – Season 2“ (9.4 Punkte)
  3. „Parenthood – Season 4“ (9.3 Punkte)
  4. „Parenthood – Season 6“ (9.2 Punkte)
  5. „Parenthood – Season 1“ (9 Punkte)
  6. „Parenthood – Season 5“ (9.0 Punkte)

Am Ende bleibt, wie bereits erwartet, eine gewisse Leere zurück. Der Abschied von länger gelaufenen Serien fällt ja immer schwer, doch bei dieser hier ist es besonders schlimm. Eine Serie, die nicht auf Action, Mord und Totschlag setzt, sondern eher unaufgeregt von den alltäglichen Dingen erzählt. Die positive Botschaften vermittelt und doch auch schwierige Themen anspricht. „Parenthood“ wird eine Lücke im Serienkosmos hinterlassen und es wird schwer werden, diese zu füllen. Es ist auch eine der wenigen Drama-Serien, bei denen ich mir gut vorstellen kann, die Reise noch einmal anzutreten. Denn auch dann wird es sich sicher wieder anfühlen, wie nach Hause kommen: 9/10 (9.2) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Up in the Air (2009)

Heute habe ich einmal wieder einen Film nachgeholt, der schön länger auf meiner imaginären Liste steht. Dabei hatte ich das Gefühl Jason Reitmans „Up in the Air“ bereits mehrfach gesehen zu haben. In unzähligen Podcasts (allen voran der Sneakpod) habe ich bereits mehrfach der Beschreibung der Handlung gelauscht und war stets neugierig, auch wenn es kein Film war, den ich unbedingt sofort sehen musste. Aber manchmal sind es ja gerade diese Werke, die einen längerfristig beeindrucken…

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Jason Reitman erzählt „Up in the Air“ herrlich unaufgeregt. Der Film wirkt dabei so durchstrukturiert, wie das Leben Ryan Binghams, der sich sein Geld mit der Vor-Ort-Abwicklung von Massenentlassungen verdient. Der von George Clooney gespielte Charakter ist deshalb unentwegt unterwegs und auf den Flughäfen und in den den Hotels Nordamerikas zu Hause. Ein Leben ohne Wurzeln und Gepäck. Im tatsächlichen und übertragenen Sinne. Ein einsames Leben, doch eines, das sich Ryan Bingham so ausgesucht hat und das er in vollen Zügen genießt – bis er eine Frau kennenlernt. Wird er nun plötzlich sesshaft und wandelt seinen Lebensstil?

Tatsächlich entwickelt sich die satirisch angehauchte Dramödie in der zweiten Hälfte eher zum Beziehungsdrama mit durchaus präsentem RomCom-Einschlag. Das unausweichliche Happy End wartet dennoch nicht auf Ryan. Ein unerwartet bitterer Twist, der jedoch wunderbar zur Stimmung des restlichen Films passt. Neben George Clooney, dem die Figur wie auf den Leib geschrieben ist, überzeugen Vera Farmiga und ganz besonders Anna Kendrick, die beide für Ryans Weiterentwicklung bedeutend sind. Neben diesen drei famosen Hauptdarstellern dürfen wir Jason Bateman, J. K. Simmons, Danny McBride und viele mehr in teils unerwarteten Rollen erleben.

„Up in the Air“ ist letztendlich ziemlich genau der Film, den ich durch die unzähligen Besprechungen bereits im Kopf hatte. Kein unfassbares Meisterwerk, doch gerade in seiner Unaufdringlichkeit bestechend unterhaltsam. Gut geschrieben, toll gespielt und zurückhaltend inszeniert. Wenn ihr euch bisher auch nicht aufraffen konnten, ihn zu schauen, dann ist jetzt vielleicht der richtige Zeitpunkt: 8/10 Punkte.

The Last Days on Mars (2013)

Da ich nun endlich „Der Marsianer“ fertig gelesen habe, hatte ich nun Lust auf die Verfilmung. Aber mir gab es zu wenig Zombies in der Geschichte und somit habe ich mich für „The Last Days on Mars“ entschieden. Mars und Zombies. Das hat doch schließlich schon 2001 bei John Carpenters „Ghosts of Mars“, ähm, exzellent funktioniert – oder sollte mich meine Erinnerung da etwa täuschen?

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Ich mag Sci-Fi-Horror und bin immer auf der Suche nach neuen Werken dieses Genres. So hat es auch „The Last Days on Mars“ auf meine Liste geschafft. Nachdem mich vor ein paar Jahren „Pandorum“ äußerst positiv überraschte und „Event Horizon“ nun auch schon fast 20 Jahre auf dem Buckel hat, war es doch höchste Zeit für gepflegten Grusel dort, wo dich niemand schreien hört. Wenn bekannte Horror-Figuren in einem neuen Setting (sprich fremden Planeten oder dem Weltraum) auftreten, dann ist immer Vorsicht geboten: Werke wie „Hellraiser IV: Bloodline“ oder „Jason X“ mögen Unterhaltungswert bieten, doch sind diese klar in der B-Movie-Ecke verankert. Auch The Asylum hätte die Prämisse unter „The Martian Zombie Chronicles“ verfilmen können. Doch dieser Film nimmt sich und seine Geschichte tatsächlich ernst.

„The Last Days on Mars“ ist atmosphärisch, ansprechend gefilmt und mit durchaus brauchbaren Schauspielern (u.a. Liev Schreiber) besetzt. Selbst die Zombies wirken angenehm realistisch und aufgrund des klaustrophobischen Settings bedrohlicher als in anderen Filmen oder Serien dieses Genres. Ein voller Erfolg also? Leider nicht, denn die Geschichte ist so unglaublich konventionell erzählt, dass es zu keinerlei Überraschungen kommt. Alles, aber auch wirklich alles wurde bereits unzählige Male besser erzählt. Die Charaktere bleiben zudem selbst für einen Horrorfilm frustrierend blass und irgendwann hat sich auch das Setting abgenutzt.

Letztendlich konnte mich „The Last Days on Mars“ nach dem vielversprechenden Start nicht überzeugen. Nette Bilder und durchaus spannende Szenen können nicht über ein viel zu formelhaftes Drehbuch und nichtssagende Entwicklungen hinwegtäuschen. Selbst das Finale ist an Beliebigkeit kaum zu überbieten. Aufgrund des fremdartigen Settings und der durchaus packenden Inszenierung, schafft es der Film gerade noch so in die Mittelmäßigkeit: 5/10 Punkte.

The Guest (2014)

Nach einem langen Tag mit Schwimmschule am Morgen und Sommerfest des Kindergartens am Nachmittag, war ich abends fast schon zu platt für einen Film. Deshalb habe ich mich für „The Guest“ entschieden, über den ich schon viel Gutes gehört hatte und der immer wieder als Geheimtipp gehandelt wird. Ob der Film dieses Versprechen einlösen konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Die Zeit der Geheimtipps ist bei mir lange vorbei. Früher war ich meist noch recht zeitnah involviert, um die neusten Kultfilme – ich denke z.B. an „Donnie Darko“ – in meinem Freundeskreis zu verbreiten. Inzwischen springe ich meist als einer der letzten auf den Zug auf, was Vor- aber auch Nachteile mit sich bringt. In diesem speziellen Fall waren meine Erwartungen zwar hoch, doch hatte ich noch nicht viel Enthusiasmus im Vorfeld investiert. Auch hatte ich inhaltlich nur eine wage Vorstellung davon, was mich erwarten würde. Dass dieser angeblich so wendungsreiche Thriller letztendlich fast genauso abläuft, wie man ich mir das mit meinem geringen Vorwissen vorgestellt hatte, nimmt meine Kritik auch beinahe schon vorweg.

Während der ersten 40 Minuten hätte sich der Film noch in jede mögliche Richtung bewegen können. Es werden recht plakativ Hinweise gestreut, so dass die Wendung in der zweiten Hälfte nicht wirklich überraschend kommt. Macht aber auch nichts, da „The Guest“ glücklicherweise nicht komplett auf seinen Twist hin ausgerichtet ist. Inhaltlich ist Adam Wingards Film ein nett erzählter Thriller, der formelle Anleihen am Horrorfilm nimmt. Dazu gehört wohl auch, dass sich die meisten Charaktere oft wirklich unglaubwürdig verhalten und stets ein gewisses augenzwinkerndes Element mitschwingt. Im Finale entpuppt sich der Film sogar als waschechter Slasher, inklusive genretypischem Twist. Ein wenig wie „Scream“, wenn man den ganzen Film über schon weiß, wer der Killer ist. Inhaltlich also nur bedingt befriedigend, geschweige denn sonderlich innovativ.

Was „The Guest“ herausstechen lässt, ist seine Inszenierung: 80er Jahre Look, Synthie-Sounds und Style erinnern nicht von ungefähr an Nicolas Winding Refns „Drive“, ohne jedoch dessen Eleganz zu erreichen. Formal hat mir Adam Wingards Thriller dennoch äußerst gut gefallen und ich hätte mir nur gewünscht, dass er auch inhaltlich mehr zu bieten hat. Somit ist der Film letztendlich ein Blender, aber zumindest ein äußerst unterhaltsamer Blender. Um für mich wirklich als Geheimtipp durchzugehen, fehlt es jedoch an der einen oder anderen Ecke: 7/10 Punkte.

Parenthood – Season 5

Unglaubliche dreieinhalb Jahre hat es gedauert, bis ich eine meiner erklärten Lieblingsserien weiterschauen konnte. Doch seit ein paar Wochen befindet sich die komplette Serie (ganz klassisch auf DVD) in meinem Besitz und tatsächlich konnte ich es nicht erwarten, endlich „Parenthood – Season 5“ anzugehen – und ja, es war war wirklich wie nach Hause kommen. Ich hatte die Bravermans vermisst und weiß jetzt schon, dass der Abschied nach der finalen Staffel schwer werden wird. Doch nun erst einmal zum turbulenten fünften Jahr…

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Die Serie hatte über ihre gesamte Laufzeit mit der drohenden Absetzung zu kämpfen. Somit gab es nur zwei Staffeln mit komplett 22 Episoden – zu diesen gehört auch die fünfte Staffel. Vielleicht liegt es auch an den vielen Episoden, dass die Staffel teils ein wenig vollgestopft und so manche Charakterentwicklung zu sprunghaft wirkt. Speziell der Handlungsstrang um Julias und Joels Trennung hat durchaus öfter an meinen Nerven gezehrt. Nicht weil dieser schlecht geschrieben wäre, sondern weil noch so viel nebenbei passiert, dass ich das Gefühl hatte, den Charakteren wird zuwenig Freiraum gegeben, um ihre Entscheidungen für den Zuschauer nachvollziehbar zu begründen. Ist das einigermaßen verständlich?

Abseits von diesem Kritikpunkt habe ich mich jedoch maßlos gefreut, dass ich so lange an dieser Staffel hatte. Hach. Die Serie ist einfach wunderbar in ihrer Emotionalität. Ich musste mehrmals ein Tränchen verdrücken, habe gelacht, mich mit den Bravermans gefreut und mit ihnen gelitten. Die Mischung aus Drama und Komödie funktioniert dabei wieder außergewöhnlich gut und der Übergang ist meist subtil. Es ist ein idealisiertes Familienleben, das jedoch nicht ohne Probleme und Schwierigkeiten charakterisiert wird. Vermutlich erkennt man als Familienmensch etliche Szenen wieder, würde sich wünschen, dass es in der eigenen Familie auch so wäre und ist doch froh, die dramatischen Entwicklungen nicht mitmachen zu müssen.

Nach meiner Sichtung dieser vorletzten Staffel fällt es mir schwer, meine liebsten Handlungsstränge zu benennen. Die meisten Geschichten haben mir wirklich sehr gut gefallen. So auch der Wahlkampf von Kristina um das Amt des Bürgermeisters von Berkeley. Oder die Gründung des Luncheonette-Labels samt Verstrickungen rund um egozentrische Musiker und das Zusammenspiel zwischen Crosby und Adam. Auch sehr schön fand ich, dass Zeek und Millie einen bedeutsamen Handlungsstrang spendiert bekommen haben, dessen Ende äußerst emotional für alle Beteiligten ist. Ein sehr rundes Ende, das auch als Serienfinale gut funktioniert hätte. Am schwächsten fand ich dagegen, wie schon erwähnt, die Entwicklungen von Julia und Joel sowie Amber und Ryan. Aber das ist jammern auf extrem hohem Niveau.

Für mich ist „Parenthood“ nach wie vor eine fantastische Serie, die das Thema Familie wunderbar warmherzig und doch realistisch erzählt. Die tollen Schauspieler (unter anderem Lauren Graham und Peter Krause) tragen ihren Teil dazu bei, dass man einfach nicht anders kann als sich bei den Bravermans wohl zu fühlen. Nun gibt es nur noch 13 Episoden und mich graust es jetzt schon vor dem Abschied. Eine wirklich herausragende Serie der „Friday Night Lights“-Macher: 9/10 (9.0) Punkte.

Terminator: Genisys – OT: Terminator Genisys (2015)

Ein äußerst nerviger Tag liegt hinter mir. Wann habe ich eigentlich damit aufgehört, Brückentage für spaßige Dinge zu nutzen? Dafür nimmt man sich doch eigentlich frei. Nach einem Tag in diversen Baumärkten, beim Reklamieren und Umtaschen, wollte ich zumindest meine Abendunterhaltung mit „Terminator: Genisys“ sichern. Auch wenn meine Erwartungen nicht sonderlich hoch waren, hoffte ich doch zumindest auf gewisse nostalgische Momente – und diese sollten sich tatsächlich auch einstellen…

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Schon als ich den Trailer im Kino sah, wusste ich: Das wird nichts. Ein gealterter Terminator, viel zu viel schlechtes CGI und gewollt lustige Sprüche. Ach, Hollywood, was soll denn das nun wieder? Nach etlichen gemischten Kritiken wurde ich dann doch neugierig, zumal der Regisseur des Films auch großer Fan des Franchises sein soll und somit zumindest Fan-Service garantiert sein dürfte. Und tatsächlich wirkt „Terminator: Genisys“ über weite Strecken wie Fan-Fiction – nur eben mit Millionen-Budget. Der große finanzielle Erfolg blieb aus und somit sehen wir uns bereits zum zweiten Mal dem Fragment einer geplanten Trilogie gegenüber.

Am Anfang des Films wird viel erklärt. Viel zu viel. Dabei mochte ich es sehr, die Zukunft zu sehen, in der die Maschinen an der Macht sind. Aber das ist nur von kurzer Dauer, denn das Blatt wendet sich zu schnell und schon findet man sich im nur allzu bekannten Setting wieder. Den Kniff mit den zwei Arnies (alt gegen jung) fand ich dabei nett und gut gelöst. Allerdings wurde das Pulver damit bereits in der ersten halben Stunde verschossen – und danach geht es leider auch bergab. Es gibt weitere Zeitsprünge und seltsame Entwicklungen, die zwar alle irgendwie unterhaltsam anzusehen waren, doch eben auch so vollkommen belanglos sind, dass sich dieser fünfte Teil des Franchises in kein Gedächtnis spielen wird.

Was die Besetzung angeht, so funktioniert Arnie als gealterter Terminator tatsächlich erstaunlich gut. Zumindest solange es das schwache Drehbuch zulässt. Auch Emilia Clarke (Daenerys Targaryen, „Game of Thrones“) als Sarah Connor weiß zu überzeugen und hat so einiges zu tun, gegen die Fehlbesetzung ihres Mitstreiters und potenziellen Love-Interests Kyle Reese (der wie immer völlig blasse Jai Courtney) anzuspielen. Jason Clarke sehe ich ja normalerweise wirklich gerne, doch funktioniert er als John Connor einfach nicht. Vielleicht liegt das aber auch an der selten dämlichen Idee aus ihm den Bösewicht zu machen. Auch wenn „Terminator: Genisys“ damit das qualitative Schlusslicht der Filmreihe bildet, hatte ich doch Spaß mit dem Film:

  1. „The Terminator“ (1984)
  2. „Terminator 2: Judgment Day“ (1991)
  3. „Terminator 3: Rise of the Machines“ (2003)
  4. „Terminator Salvation“ (2009)
  5. „Terminator Genysis“ (2015) 

Insgesamt bekommt man mit dieser Reboot/Relaunch-Mutation wohl ziemlich genau das, was man erwarten konnte. So ähnlich wie bereits in „Jurassic World“ wird hier zu sehr auf Nostalgie gesetzt, ohne jedoch Verständnis für die Klassiker zu zeigen. Leider ist die Handlung größtenteils zu hanebüchen und die Action biedert sich an den CGI-Overkill der letzten Jahre an. Nichts Halbes und nichts Ganzes – und somit ein ziemlich unnötiger und bestenfalls durchschnittlicher Unterhaltungsfilm: 5/10 Punkte.

The Man in the High Castle – Season 1

Der jüngste Neuzugang in meiner kleinen Serienwelt ist das von Amazon produzierte Drama „The Man in the High Castle – Season 1“. Die Adaption des bekannten Philip K. Dick-Romans „Das Orakel vom Berge“ steht schon seit der Ankündigung auf meiner Liste. Zwar ist es schon ca. 15 Jahre her, seit ich die Vorlage gelesen habe, doch kann ich mich noch gut an die dichte Atmosphäre und die faszinierende und zugleich erschreckende Parallelwelt erinnern, die der Autor darin aufbaut. Wie das Thema in Serienform umgesetzt wurde, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Meine Hoffnungen in Bezug auf diese Serie waren wirklich enorm. Vielleicht ist dies auch ein Grund, warum ich nach der Sichtung nun ein wenig ernüchtert bin, selbst wenn „The Man in the High Castle“ objektiv betrachtet eine sehr gute Serie ist. Eine Welt als Setting zu nehmen, in der Deutschland und Japan den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben, bietet viele Möglichkeiten eine Geschichte zu erzählen. Auch wenn ich mich an „Das Orakel vom Berge“ nur noch rudimentär erinnern kann, so ist die Atmosphäre in der Serienfassung doch wirklich gut getroffen. Was Ausstattung, Besetzung und Inszenierung angeht, kann man der Serie wirklich keine Vorwürfe machen. Inhaltlich dagegen sehe ich durchaus Potenzial für Verbesserung.

Auch wenn der Vergleich nur in abstrahierter Form funktioniert, so sehe ich bei „The Man in the High Castle“ die gleichen Probleme, wie bei den anderen Amazon-Serien, die ich bisher gesehen habe: Bereits „Alpha House“ war zu weich und zu nett in seinen politischen Attacken und auch „Mozart in the Jungle“ kann sein Versprechen für Sex, Drugs and Classical Music nur sehr bedingt einlösen und wirkt oft zahmer als es dem Thema nach angemessen wäre. Und nun haben wir ein düsteres und zu großen Teilen bedeutungsschwanger inszeniertes Drama, in dem die Nazis die USA besetzt haben. Puh. Harter Tobak. Inhaltlich wird hier jedoch häufig Zurückhaltung geübt und in nur ganz wenigen Szenen saß ich wirklich mit Kloß im Hals vor dem Fernseher. Die Charaktere bzw. deren Motivation bleiben oft erstaunlich blass, so dass eine Identifikation nicht leicht fällt. Speziell die unfreiwilligen Helden bleiben hinter den spannender gezeichneten Bösewichten und Nebenfiguren zurück.

Trotz meiner Kritikpunkte habe ich „The Man in the High Castle“ stets sehr gerne gesehen. Speziell im letzten Drittel weiß auch die Geschichte mitzureißen und das Staffelfinale fand ich sogar richtig imposant erzählt. Jetzt hätte ich die Serie gerne weitergeschaut und kann im Nachhinein umso weniger verstehen, warum die Autoren nicht schon vorher auch inhaltlich weitergegangen sind. All das ist Jammern auf hohem Niveau und die Amazon-Serie weiß durchaus zu beeindrucken und zu unterhalten. Deshalb ist es auch wirklich schade, dass man nicht das gesamte Potenzial genutzt hat. Für die zweite Staffel erhoffe ich mir besser ausgestaltete Charaktere und eine stringentere Handlung, dann könnte uns nach diesem gelungenen Auftakt eine richtig fantastische Serie erwarten: 8/10 (7.8) Punkte.

Westworld (1973)

Wer hätte es gedacht? Ich habe es tatsächlich noch geschafft, mir an diesem langen Pfingstwochenende – nach der Taufe meiner Nichte – einen Film anzuschauen: Nachdem ich gestern über die jüngsten Neuzugänge in meiner Filmsammlung berichtet hatte, fand „Westworld“ auch sogleich den Weg in den Blu-ray-Player. Mit seinem Thema knüpft der Film wunderbar an die Sichtungen der letzten Wochen an, denn sowohl „Ex Machina“ als auch „I, Robot“ hatten bereits den Aufstand intelligenter Maschinen zum Thema. Wie sich der Klassiker aus dem Jahr 1973 im Vergleich schlägt, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Mit „Westworld“ verknüpfe ich tatsächlich ganz frühe Erinnerungen. Es mag auch sein, dass ich mich eher an das Sequel „Futureworld“ erinnere, denn so ganz lassen sich beide Filme in meinem Gedächtnis nicht trennen, was vermutlich auch an Yul Brunners archetypischen Auftritten als Gunslinger liegt. Seine Besetzung ist ohnehin ein Coup, denn welcher amerikanische Schauspieler, John Wayne einmal ausgenommen, hätte den mythischen Westernhelden besser verkörpern können, als Yul Brunner aus „Die glorreichen Sieben“? Das Feingefühl, das Michael Crichton bei seinem Kinodebüt als Regisseur beweist, ist ohnehin bemerkenswert. Sicher inszeniert er hier nur seinen eigenen Stoff, doch beweist ein unglaublich gutes Händchen für den Spannungsaufbau, findet imposante Bilder und trifft den Umschwung im Ton perfekt.

Inhaltlich ist „Westworld“ quasi der Vorläufer von „Jurassic Park“: Crichton hat bereits hier eine faszinierende Welt erschaffen, die gar nicht einmal so unmöglich erscheint, und lässt am Ende die Attraktionen gegen die Besucher Amok laufen. Das Finale weckt zudem Erinnerungen an ein anderes Franchise, denn wenn der Revolverheld unzählige Leben zu haben scheint und mit dem unbeirrbaren Fokus einer Maschine Jagd auf sein Opfer macht, dann ist klar wo James Cameron die Inspiration zu diesem Aspekt von „The Terminator“ gefunden hat. Speziell der Übergang von Freizeitvergnügen hin zu auswegloser Flucht hat mich hier wirklich überzeugt.

Rein formal mag „Westworld“ heute ein wenig angestaubt wirken, wenngleich dies auch gerade den Charme des Films ausmacht. Die Cinemascope-Bilder sind, wie die der meisten Western auch, zeitlos und bilden einen schönen Kontrast zu den unterirdischen Laboren, die in ihrer Darstellung an andere Sci-Fi-Klassiker, z.B. „Logan’s Run“, der 1970er Jahre erinnern. Auch wenn ich gerne noch ein wenig mehr von den Welten und den Hintergründen gesehen hätte, so funktioniert der knapp 90-minütige Film auch perfekt in seiner Kompaktheit. Ein Film, der wahrlich Maßstäbe gesetzt hat und leider oft vergessen wird, wenn es um die großen Genreklassiker geht: 9/10 Punkte.

Silicon Valley – Season 1

Aktualisierung: Inzwischen habe ich die komplette Serie gesehen. Die Besprechung von „Silicon Valley“ (Staffel 1 bis 6) findet ihr bei Klick auf den Link.

So sehr ich HBO-Serien liebe, so qualvoll ist der Veröffentlichungsrhythmus des Senders und die damit verbundene Hochpreispolitik. Kaum bin ich unglaublich angefixt, was „Silicon Valley – Season 1“ angeht, sind die kurzen acht Episoden auch schon wieder vorbei. So ging es mir auch bereits bei „Veep“ und anderen aktuell laufenden HBO-Shows. Natürlich liegt in der begrenzten Episodenzahl und exklusiven Verfügbarkeit via Pay-TV und DVD/Blu-ray auch die Qualität begründet. Und dennoch hätte ich so unglaublich gerne sofort weitergeschaut…

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„Silicon Valley“ ist das HBO-Pendant zur Amazon-Serie „Betas“: In beiden Serien stehen junge Entwickler im Mittelpunkt, die sich in der Welt der Startups behaupten müssen. „Silicon Valley“ setzt dabei deutlich mehr auf Humor und scheint noch näher am Zeitgeist dran zu sein, als die ohnehin sehr aktuell wirkende Amazon-Konkurrenz. Für jemanden, der im IT-Bereich arbeitet, ist mir auch positiv aufgefallen, wie verhältnismäßig realistisch die Serie mit IT-Themen umgeht. Überhaupt kein Vergleich zu dem, was man sonst so in Film und Fernsehen vorgesetzt bekommt. Damit haben die Autoren auch sogleich eine neue Zielgruppe für sich gewonnen, der die Darstellung von Nerds in „The Big Bang Theory“ und Co. zu weit von der Realität entfernt sein wird. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Team von Pied Piper, so der Name des fiktiven Startups, nicht einen bunten Strauss an verrückten Charakteren zu bieten hat.

Das Tempo der Serie ist hoch, jedoch nehmen sich die Autoren durchaus Zeit für ihre Charaktere. Zwar gibt es ab und zu ein paar Erzählstränge, die ein wenig gewollt wirken, doch insgesamt sind bereits diese ersten acht Episoden der Serie eine ziemlich runde Sache. Hinzu kommt ein sehr gefälliger Soundtrack und das Wichtigste: „Silicon Valley“ ist wirklich verdammt lustig! Umso mehr freue ich mich nun bereits auf die zweite Staffel – auch wenn ich noch einige Zeit darauf warten muss: 9/10 (8.9) Punkte.