Trennung mit Hindernissen – OT: The Break-Up

Nach über einem Jahr war ich gestern endlich einmal wieder in der Sneak Preview. Es gab: „Trennung mit Hindernissen“ (OT: „The Break-Up“) mit Jennifer Aniston und Vince Vaughn.

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Sneak Previews sind immer etwas abenteuerlich. So auch gestern. Nicht nur die schön kribbelige Spannung im Vorfeld was denn kommt, nein – meist ist auch das Publikum ein besonderes. Gestern z.B. hatten wir ein extrem dickes, extrem lautes und extrem nerviges Pärchen neben uns. Nicht nur dass sich die beiden unglaublich lautstark unterhalten haben. Sie mussten zudem unzählige Male austreten, haben irgendwann angefangen sich zu befingern (wobei sie sehr ungewöhnliche Sitzpositionen angenommen haben – was wirklich kein schöner Anblick war) und sich am Ende noch über den Film beschwert. Ein Elefant im Porzelanladen ist nichts dagegen.

Doch nicht genug des Abenteuers: Der Vorführer hat es anscheinend nicht geschafft den Film richtig zu maskieren, was das Resultat hatte, dass wir nur ca. zwei Drittel vom eigentlichen Bildausschnitt mitbekommen haben. Besonders auffällig bei den teils fehlenden, teils abgeschnittenen Opening Credits. Aber auch allen anderen Einstellungen hat man die falsche Maskierung angesehen, so gab es im ganzen Film keine Totale, die Augen waren nie im oberen Drittel (eher auf der Hälfte) und Hände etc. waren fast immer abgeschnitten. So schwer kann das doch nicht sein! Hat außer mir aber anscheinend niemand gemerkt.

Nun aber zum Film selbst: Für eine Sneak Preview absolut in Ordnung. Kein Überflieger, aber auch kein Reinfall. Aniston und Vaughn haben überzeugend gespielt und es war schön einmal wieder Jon Favreau zu sehen. Der Film hatte seine witzigen Szenen (Gesangstruppe, griechische Orgie, Gespräche mit Favreau) und seine leider nur witzig gemeinten (nahezu alles in der Galerie). Leider will „The Break-Up“ mehr sein als eine Komödie und versucht sich zusätzlich noch als Trennungsdrama. Auch diese Szenen funktionieren für sich genommen und wissen die erwarteten Gefühle zu transportieren. Doch leider ist das Zusammenspiel zwischen Komödie und Drama zu unausgegoren. Der Film ist keine Romantic Comedy – dazu ist die Ausgangssituation zu fatalistisch -, er ist keine Komödie – dazu ist er teils zu dramatisch – und als Drama funktioniert er auch nicht, weil hier zuwenig Substanz gezeigt wird. Diese Mischung erscheint unausgegoren und kann letztenlich nicht überzeugen, wenngleich die einzelne Szenen für sich durchaus ihre Momente haben.

„Trennung mit Hindernissen“ kann ich demnach nur bedingt empfehlen. Ich denke auch, dass Kinobesucher, die eine romantische Komödie erwarten sehr enttäuscht sein werden. Positiv zu vermerken ist allerdings die ungewöhnliche Ausgangssituation, die nicht nur bereits dagewesenes kopiert. Mit einem Pluspunkt für die Sneak bekommt der Film von mir 6/10 Punkte.

RoboCop – Director’s Cut (1987)

Nach etlichen Jahren habe ich heute einmal wieder Paul Verhoevens Sci-Fi-Klassiker „RoboCop“ gesehen. Wohl das erste Mal in der Director’s Cut-Fassung. Damals habe ich den eigentlichen Wert des Films wohl nur – wenn überhaupt – unterbewusst wahrgenommen und ihn in erster Linie als Actionfilm gesehen.

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Wie bei allen Filmen des Niederländers wäre es jedoch eine Schande „RoboCop“ nur auf den offensichtlichen Teil zu reduzieren. Paul Verhoeven steht für Satire. Diese ist meist so aufdringlich in die Handlung eingebaut, dass man sie gar nicht übersehen kann. Doch genau dieser Umstand scheint es den meisten Menschen – selbst in heutiger Zeit noch, wie z.B. „Starship Troopers“ immer wieder beweist – zu erschweren die Zwischentöne in seinen Filmen auszumachen. Dabei sind die satirischen Spitzen gegen Megakonzerne und die Rüstungsindustrie heute aktueller denn je.

Verhoeven gelingt dabei das Meisterstück, dass seine Filme auf beiden Ebenen funktionieren: Als reiner Actionreißer und als – mehr oder minder – dezente Satire. Seine volle Stärke spielt „RoboCop“ jedoch in der Kombination beider Elemente aus. Die Actionszenen wirken zwar nicht mehr ganz zeitgemäß, sind aber immer noch effektiv und teils erstaunlich brutal. Auch die die Satire würde man heute vielleicht feingeistiger zeichnen – doch im Zusammenspiel kann der Film, der inzwischen beinahe schon 20 Jahre auf dem Buckel hat, immer noch überzeugen. Leicht angestaubt, aber ein erstaunliches Zeitdokument mit fast schon hellseherischer Brisanz seitens Verhoeven bezüglich dem Zusammenwachsen von Rüstung und Wirtschaft: 8/10 Punkte.

Man on Fire

Nach langer Zeit des Wartens habe ich gestern nun endlich Tony Scotts „Man on Fire“ gesehen. Von teils überschwänglichen Kritiken heiß gemacht, waren meine Erwartungen dementsprechend hoch. Zudem hat Ridley Scotts kleiner Bruder Anfang der 90er einen meiner All-Time-Favourites gedreht: „True Romance“. Ich war also sehr gespannt, ob der Regisseur mit „Man on Fire“ wieder zu alter Form zurück gefunden hat, nachdem er mit Filmen wie „Staatsfeind Nr. 1“ eher in der Mittelmäßigkeit versumpft ist.

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Anfangs war ich beinahe schockiert aufgrund des Effektgewitters, das in der Montage auf den Zuschauer prallt. Optisch zwar höchst interessant und eigenwillig, doch der Konzentration auf die narrative Entwicklung der Geschichte eher abträglich. Ich möchte Scott nun nicht vorwerfen, dass er den Stil über den Inhalt gestellt hat – in einigen Szenen zeigt die individuelle Montage tatsächlich große Wirkung – doch weniger wäre hier glaube ich mehr gewesen. So viel Interesse ich auch an dem stilistischen Nachfolger „Domino“ zeige, so vorsichtig bin ich nun auch geworden, da der Einsatz der Verfremdungen dort noch verstärkt sein soll.

Die Geschichte von „Man on Fire“ ist sehr simpel: Gebrochener Ex-Soldat wird Bodyguard eines kleinen Mädchens, das ihm wieder den Sinn im Leben zeigt. Mädchen wird entführt und getötet, Bodyguard geht auf Rachefeldzug. Glücklicherweise lässt Scott den Film nicht zum bloßen Rachereißer verkommen. Allein für die Annäherung zwischen Creasy (großartig: Denzel Washington) und Pita (stark: Dakota Fanning) lässt sich der Regisseur über eine Stunde Zeit. Leider ist diese Stunde auch die wahre Stärke des Films, da hier bereits alle Gefühle festgelegt werden, die beim Zuschauer – auch über die folgende Laufzeit hinweg – aufkommen. Der Rachegedanke und dessen Nachvollziehbarkeit erwächst allein aus der Glaubwürdigkeit der Beziehung zwischen Creasy und Pita. Diese darzustellen ist Scott wirklich gelungen – doch leider ist das nicht genug.

Die nun folgende Racheaktion ist voll roher Gewalt, die zwar durch die optische Verfremdung abgemildert wird, aber aufgrund der emotionalen Wucht immer noch sehr präsent ist. Leider merkt man dem Film nun seine lange Laufzeit an und es kommt zu einigen Längen. Erst in den Schlußszenen weiß „Man on Fire“ wieder zu seiner wahren Stärke zurück zu finden. Hier ist der Film auch wirklich mitreißend und mir ging das Ende – auch aufgrund seiner Einfachheit – doch sehr nahe.

Tony Scott ist mit „Man on Fire“ ein toller Film gelungen, wenngleich er auch nicht das erhoffte Meisterwerk darstellt. Dafür ist er zu lang und die Montage etwas zu verspielt. Trotz der Kritikpunkte wirklich sehenswert: 8/10 Punkte.

Das Schwiegermonster – OT: Monster-in-law

Meine Schwester hat mir „Das Schwiegermonster“ (OT: „Monster-in-law“) bereits mit dem Hinweis geliehen, dass ich nicht zu viel erwarten sollte. Diese Äußerung und die Tatsache, dass mich der Film nie sonderlich interessiert hat, ist wahrscheinlich der Grund, warum er nun bereits seit Wochen ungesehen hier rumliegt. Eine spontane Sommergrippe hat jedoch den Ruf nach seichter Unterhaltung laut werden lassen und somit bin ich auch einmal dazu gekommen mir diesen Film anzusehen.

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Mit Jennifer Lopez ist das ja so eine Sache. Noch bevor ich sie als Pop-Nervensäge wahrgenommen habe, ist sie mir tatsächlich als ernsthafte Schauspielerin aufgefallen. Kaum zu glauben. In Steven Soderberghs „Out of Sight“ und Oliver Stones „U-Turn“ konnte sie mich voll und ganz überzeugen. Dann kam die Beschallung mit unsäglichen, sogenannten Sommerhits und Filmen à la „Wedding Planer“. Demzufolge ist Lopez für mich inzwischen leider schon fast so etwas wie ein Garant für nichtssagende, schnulzige 08/15-Unterhaltung.

In diese Kategorie fällt leider auch „Das Schwiegermonster“. Erst nach fast einer Stunde nimmer der Film etwas Fahrt auf. Davor ist alles schon tausend Mal dagewesen. Das Kennenlernen, erste Annäherungsversuche, tiefschürfende Gespräche mit Freunden usw. Erst nachdem Viola (klasse: Jane Fonda) bei Charlie (fade: Jennifer Lopez) einzieht kommt es zu einigen amüsanten Verstrickungen, die im Endeffekt leider alle so voraussehbar sind, dass jeglicher Überraschungseffekt im Keim erstickt wird. So zieht sich der Film bis zum unausweichlichen zuckersüßen Happy End. Aus und schon vergessen.

Aufgefallen ist mir einmal wieder ein Seriendarsteller: Michael Vartan, den ich zur Zeit parallel in „ALIAS“ sehe. Im Moment scheinen mich die Darsteller aus dieser Serie zu verfolgen – nur dass Bradley Cooper in „The Wedding Crashers“ wesentlich mehr aus seiner Rolle zu machen weiß.

Alles in allem bleibt „Das Schwiegermonster“ nicht im Gedächtnis. Ein paar nette Momente und eine wirklich wunderbare Jane Fonda können nicht über den Einheitsbrei aus Kitsch und Humor hinweghelfen: 4/10 Punkte.

Land of the Dead – Director’s Cut

Nun habe ich auch George A. Romeros letzten Beitrag zu dem Genre gesehen, das er – zumindest in seiner modernen Form – erfunden und geprägt hat: Den Zombiefilm. „Land of the Dead“ (Director’s Cut) ergänzt seine „Living Dead“-Trilogie um einen vierten Teil, was viele Fans zunächst kritisch gesehen haben, da ein Mitschwimmen auf der aktuell angesagten neuen Härte und Zombiefilm-Welle ein nur zu offensichtliches Ziel gewesen zu sein schien.

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Nach der Sichtung kann ich diesen Vorwurf – zumindest teils – als berechtigt sehen, denn ohne Filme wie das „Dawn of the Dead“-Remake und das neu erwachte Interesse am Genre wäre der Film so wohl nie in die Kinos gekommen. Dennoch will ich „Land of the Dead“ eher als genutzte Chance von Romero sehen. Er hat einfach den richtigen Zeitpunkt abgewartet und zugegriffen, als die Rahmenbedingungen günstig waren. Im Stil hat er sich dem modernen Horror angenähert ohne jedoch seine Eigenheiten zu vernachlässigen. Die Zombies schlurfen nach wie vor, es gibt keine unübersichtlichen Schnittgewitter und selbst die Charaktere sind old school. Das alles noch garniert mit einer mehr als aufdringlichen sozialpolitischen Botschaft und fertig ist Romeros Zombiefilm.

Der größte Vorwurf, den ich dem Altmeister machen kann ist Stagnation. Zwar lernen die Zombies dazu und wirken dadurch bedrohlicher, doch der Rest hat sich eigentlich nicht geändert. Der Film funktioniert zwar auch ohne Innovationen, doch wenn ich solche in diesem Genre erwartet hätte, dann eben von Romero. Insofern schon etwas enttäuschend.

Auffällig und typisch für Romero ist der hohe Blutgehalt. Eine 18er bzw. KJ-Freigabe wäre noch vor einigen Jahren unmöglich gewesen. Auch hier merkt man, wie sich das moderne Horrorkino gewandelt hat. Mehr Mainstream und höhere Budgets, doch mit der Grimmigkeit des 70er und 80er Jahre Kinos. Leider zu selten mit den oben genannten Innovationen.

Als Film an sich macht „Land of the Dead“ wirklich Spaß. Alle nötigen Zutaten sind enthalten und es kommt eine schöne Endzeitatmosphäre auf. Allein die letzten zehn Minuten wirken so, als wäre dem Film vorzeitig die Luft ausgegangen. Eigentlich schade. Hier hätte ich mir noch ein paar ikonographische Bilder gewünscht, die es in das kollektive filmische Langzeitgedächtnis schaffen.

Für die netten Gastauftritte (Tom Savini, Simon Pegg) und eine Hommage an Peter Jacksons „Braindead“ will ich den Sympathiefaktor überwiegen lassen und zücke im Bewusstsein der leichten Überbewertung 8/10 Punkte.

Die Hochzeits-Crasher – OT: The Wedding Crashers

Es gibt sie ja sowieso kaum: Gute Übersetzungen von – insbesondere englischen – Filmtiteln. Doch warum man sich so etwas wie „Die Hochzeits-Crasher“ (nur echt mit Bindestrich; OT: „The Wedding Crashers“) einfallen lässt? Das Wissen wohl nur die Marketingstrategen von Warner Deutschland.

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Der Film an sich bietet ausgezeichnete Unterhaltung. Nichts intellektuell wertvolles, aber das erwartet auch niemand von einem Frat-Pack-Film. Owen Wilson und Vince Vaughn zeigen sich wie erwartet sehr spielfreudig und auch der Rest der Besetzung scheint für jeden Spaß bereit gewesen zu sein. Allein Christopher Walken wirkte etwas unterfordert. Da ich mir zur Zeit die erste Staffel von „ALIAS“ ansehe, ist mir ansonsten besonders Bradley Cooper aufgefallen, der hier eine Rolle spielen darf, in der ich gerne Ben Stiller gesehen hätte. Doch Cooper erweist sich als würdiger Ersatz und sorgt für manchen Lacher.

Ein Schwachpunkt des Films ist die Geschichte. Zu voraussehbar und ohne Überraschungen. Besonders das letzte Drittel zieht sich etwas und hätte meiner Meinung nach von kleineren Straffungen profitiert. Dass der Film trotzdem funktioniert ist den wirklich witzigen Einzelszenen (das Essen, der nächtliche Besuch etc.) und dem fantastischen Ensemble zuzuschreiben.

Sehr gut gefallen hat mir zudem der Soundtrack. Besonders der Einsatz der WEAKERTHANS in den End Credits hat den Film in meinen Augen noch einmal deutlich nach vorne gebracht.

„The Wedding Crashers“ macht Spaß – ich denke in einer Wiederholungssichtung ist vielleicht sogar noch mehr drin. Deshalb gibt es von mir vorerst einmal 7/10 Punkte.

Ab durch die Hecke – OT: Over the Hedge (2006)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 28. April 2007 veröffentlicht.

Gestern hat sich ziemlich spontan ein Kinogang ergeben – und das obwohl mich zur Zeit eigentlich gar kein Film wirklich interessiert. Trotzdem bin ich letztendlich froh dem Animationsfilm „Ab durch die Hecke“ eine Chance gegeben zu haben, denn so gelacht habe ich im Kino schon lange nicht mehr.

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Die Geschichte an sich ist leidlich interessant und kann nicht auch nur annähernd mit den Werken von Pixar mithalten. Dies ist auch gleich der große Schwachpunkt von „Ab durch die Hecke“. Doch glücklicherweise wird die seichte Rahmenhandlung mit großartigen Figuren belebt, die zwar auch nicht vor Originalität strotzen, aber dafür sehr symapthisch und individuell gestaltet wurden. Den Wortwitz kann man in der Synchro zwar nur noch erahnen, dennoch bieten die Beobachtungen der Tiere was das Verhalten von uns Menschen angeht das ein oder andere satirische Highlight.

Der Film bleibt vom Timing her auch stimmig genug um keine Langweile aufkommen zu lassen. Das ist das gute an Animationsfilmen mit kurzer Laufzeit. Gegen Ende war ich mir dann auch sicher einen netten Film gesehen zu haben, nicht mehr und nicht weniger. Doch dann kam noch die Szene des Films. Die Highspeedszene. Absoult perfektes comic timing. Ich habe wirklich Tränen gelacht. Allein diese Szene hat den Film für mich gleich noch einmal eine Liga nach oben katapultiert. Wirklich genial!

Aus technischer Sicht ist „Ab durch die Hecke“ auf dem aktuellsten Stand. Besonders Fell und Fauna sind wunderbar dargestellt. Doch auch die restlichen Materialien (allein die Haut der Schildkröte) wirken unglaublich realistisch. Von den Animationen mag ich gar nicht erst anfangen, da würde nur mein Neid wachsen. Wirklich sehr schön.

Insgesamt ist „Ab durch die Hecke“ ein wirklich unterhaltsamer Animationsfilm, der leider mit Storyschwächen zu kämpfen hat. Doch alleine für die geniale Highspeedszene gibt es von mir 8/10 Punkte.

Cliffhanger: Nur die Starken überleben (1993)

Aktualisierung: Ich habe „Cliffhanger“ am 27. August 2011 und am 5. Juni 2026 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

In den 90ern gab es sie noch. Die großen Actionknaller. So auch Renny Harlins „Cliffhanger“. Ein Film, der den Zuschauer noch einmal die rauhe 80er Jahre Actionluft schnuppern lässt. Mit Hauptdarsteller Sylverster Stallone bietet der Film sogar einen der großen Actionhelden, mit dem ich allerdings – im Gegensatz zu Bruce Willis oder Arnold Schwarzenegger (zumindest vor seiner Politikerkarriere) – eher weniger anfangen kann.

Cliffhanger: Nur die Starken überleben (1993) | © Studiocanal

Cliffhanger: Nur die Starken überleben (1993) | © Studiocanal

Zwei Dinge sind in „Cliffhanger“ wirklich herausragend: Die wundervolle Naturkulisse und John Lithgow. Zu den Aufnahmen muss man bzw. kann man nichts sagen, denn man muss sie selbst gesehen haben. Einfach nur atemberaubend und eine perfekte Kulisse für den Actionthriller. Zu John Lithgow möchte ich doch ein paar Worte verlieren, denn dieser spielt den Schurken mit so viel Hintertücke und bösem Humor, dass es eine wahre Freude ist. Gegen ihn bleiben alle anderen Figuren leider nur unscheinbar – auch Stallone, der mich hier aber trotz allem wirklich überzeugen konnte.

Negativ aufgefallen sind mir die eingestreuten Studioaufnahmen, da sie deutlich als solche zu identifizieren waren. Ein herber Schnitt zu der echten Naturkulisse. Aber manche Szenen kann man eben unmöglich in unkontrollierter Umgebung drehen. Desweiteren ist die Geschichte insgesamt doch zu flach und ohne Überraschungen, was bei einen reinen Actionfilm wie „Cliffhanger“ allerdings auch nicht so schwer wiegt.

Insgesamt immer noch ein richtiger Kracher, wenngleich ein Gabe Walker einfach kein John McClane ist: 7/10 Punkte.

Der blutige Pfad Gottes – OT: The Boondock Saints

Es gibt Filme, bei denen man den Hype einfach verpasst. Alle reden davon. Man selbst steht immer kurz davor sie zu sehen – doch es mag nie klappen. So geschehen bei mir und „Der blutige Pfad Gottes“ (OT: „The Boondock Saints“). Vielleicht ist die späte Sichtung auch dem Übersättigungseffekt der Post-Tarantino-Welle zuzuschreiben. Da ich jedoch gerade in Tarantinos Hochphase meine Filmleidenschaft entwickelt habe, kann ich bis heute viel – oder zumindest mehr als andere – mit Filmen anfangen, die es darauf anlegen dem großen Meister nachzueifern (auch wenn sie meist an diesem Anspruch zu scheitern verurteilt sind).

Nun also die hochgelobten „Boondock Saints“. Anfangs habe ich ja Schlimmstes befürchtet. Selbst Willem Dafoes erster Auftritt war für mich nur eine schwache Kopie von Gary Oldmans grandioser Performance in Luc Bessons „Léon – Der Profi“. Doch glücklicherweise hat der Film ab hier Eigenständigkeit bewiesen. Dafoes Figur entwickelt sich sogar zum Highlight des Films und sein schwuler Cop ist für so manchen Lacher gut. Auch die restlichen Figuren sind alle herrlich skurril. Wunderbar gezeichnet und dabei – trotz aller Comichaftigkeit – sehr echt und sympathisch. Trotzdem musste ich immer an Tarantino denken und ich bin mir sicher, dass es ohne seine Werke „The Boondock Saints“ – wie so viele andere Filme auch – wohl nicht geben würde.

Die Geschichte bleibt eher simpel und es wird versucht mittels – durchaus effektiv eingesetzten – Brüchen in der Chronologie etwas Abwechslung hinein zu bringen. Vom moralischen Standpunkt aus gesehen bleibt Troy Duffys Heiligenmärchen natürlich sehr fragwürdig, wenngleich man bei dieser Art von Film seine moralischen Bedenken sowieso besser da lässt wo sie hingehören: In der Realität. Dennoch habe ich mich am Ende gefragt wie Mr. Duffy denn zu der Aussage seines Films steht und ob er seine Geschichte durch die gefakten(?) Interviewszenen am Schluss rechtfertigen will. Oder ob doch mehr dahintersteckt und er der Gesellschaft einen Spiegel vorhält. Man weiß es nicht so genau und wird es wohl auch nicht erfahren. Als Zuschauer macht „Der blutige Pfad Gottes“ sowieso als das am meisten Spaß, was er am augenscheinlichsten ist: Ein abgedrehter, comichafter Actionsspaß im Gangstermilieu.

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Mich interessiert nun doch sehr, warum genau es nicht den angekündigten zweiten Teil gibt. Der Dokumentarfilm „Overnight“ sollte darüber Aufschluss geben, da sich Duffy in Hollywood anscheinend ziemlich daneben benommen hat. Leider ist die DVD fast so teuer, wie die deutsche DVD der „Saints“. Eine Ausgabe, die sich meiner Meinung nach durchaus lohnt, denn „Der blutige Pfad Gottes“ hat tatsächlich das Zeug zum Kultfilm – stilistisch sicher nicht so ausgefeilt wie Tarantino, aber wirklich äußerst unterhaltsam: 8/10 Punkte.

In den Schuhen meiner Schwester – OT: In Her Shoes

Der zweite Film unseres kleinen DVD-Abends war – auf vielfachen Wunsch – ein Komödie: „In den Schuhen meiner Schwester“. Der Film war mir bisher unbekannt. Ich wusste zwar, dass es ihn gibt, habe mich aber nie sonderlich dafür interessiert, oder mich damit beschäftigt worum es eigentlich geht. Glücklicherweise hat er sich letztendlich nicht als Teenie- oder Fäkalklamotte herausgestellt, sondern als erwachsener Film, dem die Gratwanderung zwischen Humor und ernsten Tönen ausgezeichnet gelingt.

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Sowohl Toni Collette, als auch Cameron Diaz spielen das ungleiche Schwesternpaar sehr natürlich und überzeugend. Da stimmt die Chemie. Getoppt wird das ganze nur noch von einer erstaunlich fidelen Shirley MacLaine. Es ist eine Freude dem bunten Treiben zuzusehen, wenngleich der Geschichte auch etwas die Stringenz fehlt, was sich durch Längen im hinteren Mittelteil bemerkbar macht. Doch glücklicherweise schafft es Regisseur Curtis Hanson den Zuschauer mit netten Einfällen bei der Stange zu halten. Ebenso tragen die ausgefeilten und glaubwürdigen Charaktere dazu bei, dass es nicht langweilig wird. Man merkt hier einfach, dass eine ausgefeilte Romanvorlage die Basis bildet.

Mehr gibt es eigentlich auch nicht zu sagen. Der Film weiß zu unterhalten und leistet sich keine Fehler. Zudem werden typische Frauenfilmklischees vermieden, wenngleich „In den Schuhen meiner Schwester“ auch gar keinen Hehl daraus macht ein solcher zu sein. Wer eine nette Komödie für einen Abend zu zweit sucht, macht hier nichts falsch: 7/10 Punkte.