Die Fremde in dir – OT: The Brave One (2007)

Am gestrigen Filmfreitag habe ich mich für die Sichtung von Neil Jordans „Die Fremde in dir“ entschieden. Den Film hatte damals nur aufgrund des günstigen Preises und der Mitwirkung Jodie Fosters mitgenommen. Insofern waren die Erwartungen nicht all zu hoch und der positive Eindruck des Films konnte umso stärker wirken.

„The Brave One“ ist ein Selbstjustizthriller. Die Geschichte ist altbekannt: Eine Person aus dem privaten Umfeld eines unbescholtenen Staatsbürgers wird zum Opfer eines Gewaltverbrechens, woraufhin dieser rot sieht. Insofern hat sich seit den 70ern nicht viel geändert. Nur die Darsteller: Charles Bronson macht Platz für Jodie Foster. Der Vigilante ist schon lange im Mainstream angekommen.

Was Neil Jordans Film so außergewöhnlich macht ist das, was hinter der Fassade geschieht. Wäre es die Handlung eines Buches, man würde von dem sprechen was zwischen den Zeilen steht. Hier steht es auf Jodie Fosters Gesicht. Man sieht als Zuschauer deutlich, wie ihre Figur immer mehr in den Sog der Gewalt gerät. In einen Rausch. Macht. Verzweiflung. Rache. Ein gebrochener Charakter, der sich selbst verloren hat.

Über das Ende wurde viel geredet. Ich wäre auch der erste, der Selbstjustiz verurteilt. Doch kann ich das  beurteilen? Wie kann man das als Außenstehender überhaupt beurteilen? Der Film manipuliert den Zuschauer insofern, als dass er ihn in einen emotionalen Zustand der Anteilnahme versetzt. Doch würde das nicht geschehen, was bliebe dann? Keine moralischen Bedenken. Kein Hinterfragen der Dinge, die auf der Leinwand geschehen. Ebenso ist das Ende einzuordnen: Wäre Erica Bain (Jodie Foster) gestellt worden hätte man sich wieder auf der sicheren Seite gefühlt. Das Gute – das Gesetz – hätte gewonnen. Man hätte seine eigenen Gedanken nicht hinterfragen müssen. So aber bleibt das ungute Gefühl, dass man Ericas Handlungen als emotional gerechtfertigt ansieht.

Fazit

Mit „The Brave One“ hat Neil Jordan einen formidabel gefilmten Revenge-Thriller abgeliefert. Die schauspielerischen Leistungen von Jodie Foster überzeugen einmal mehr auf ganzer Linie. Trotz Ansiedlung im Mainstream, verbreitet der Film eine teils wirklich unangenehme Eindringlichkeit – weniger in der Aktion, als in der Reflektion. Trotz altbekannter Geschichte sehr sehenswert: 8/10 Punkte.

Das Leben der Anderen (2006)

Gestern Abend habe ich seit bestimmt über einem Jahr zum ersten Mal einen Film live bei der TV-Ausstrahlung verfolgt. Dabei wollte ich ursprünglich nur kurz in Florian Henckel von Donnersmarcks „Das Leben der Anderen“ reinschauen, um einen Eindruck von dem Film zu bekommen. Sogar eine DVD hatte ich mir gedanklich schon zurecht gelegt. Doch schon nach den ersten Minuten hatte mich der Film in seinen Bann gezogen.

Normalerweise bin ich recht inkompatibel mit Oscar-Gewinnern. Insofern hatte ich auch den erfolgreichen deutschen Beitrag des vergangenen Jahres als typischen Oscarfilm abgestempelt. Ich hatte eine langweilige Geschichtsstunde über die Stasi erwartet. Einen Aufarbeitungsfilm. Doch was ich zu sehen bekam, war ein zutiefst menschliches Drama. Ein Drama über Verantwortung. Sich selbst und anderen gegenüber. Über Moral. Über Kunst. Über Wahrheit und Aufklärung. Zensur und Verrat. Doch trotz aller abstrakten Begriffe steht stets der Mensch im Mittelpunkt – und genau das macht „Das Leben der Anderen“ zu einem wirklich sehenswerten Film.

Schauspiel und Inszenierung sind auf sehr hohem Niveau. Besonders der 2007 verstorbene Ulrich Mühe erschafft eine faszinierende Figur, die nie Gefühle zeigen darf und doch weiß Mühe mehr in einem Blick auszudrücken, als andere Darsteller es mit noch so großen Gesten vermögen. Wirklich fantastisch. Auch Sebastian Koch und Martina Gedeck wissen als lebhafter Gegenpol zu überzeugen.

Kritikpunkte vermag ich kaum zu finden. Die beinahe zweieinhalb Stunden vergehen – trotz des relativ anstrengenden Themas – wie im Fluge und man wird förmlich mit der Handlung mitgerissen. Einzig in manchen Szenen erschien mir die Kameraarbeit etwas typisch deutsch und hätte auch in einen Fernsehfilm gespasst. Dies mag aber auch an der muffigen DDR-Ausstattung des Films liegen, die natürlich nötig war um Authentizität zu vermitteln. Insofern kein wirklicher Kritikpunkt.

Florian Henckel von Donnersmarck hat sich zurecht über den Auslandsoscar freuen dürfen, wenngleich für mich „Pans Labyrinth“ immer noch einen Tick gelungener ist. Dennoch ist „Das Leben der Anderen“ ein hochinteressanter Film, der emotional und inhaltlich mitzureißen vermag. Großes Kino aus deutschen Landen: 9/10 Punkte.

One Way

Wenn ich einen Film geliehen bekomme, sehe ich ihn mir oft an auch wenn mein Interesse an ihm eigentlich nicht sonderlich groß ist. Auch „One Way“ – eine ambitionierte Produktion von und mit Til Schweiger – fällt unter diese Kategorie.

Der Film handelt von einem Lügengerüst, dessen Fundament die Vergewaltigung einer jungen Frau bildet. Til Schweigers Figur ist ein unsympathischer Werbefachmann, der als einziger Zeuge der Tat seine beste Freundin verrät. Aus dieser Prämisse spinnen sich weitere Handlungsfäden, die mehr oder weniger geschickt mit der Haupthandlung verquickt sind. Letztendlich lässt mich der Film mit einem etwas leeren Gefühl zurück, was bei solch einer drastischen Geschichte kein gutes Zeichen ist.

Positiv muss man Reto Salimbeni und Til Schweiger die Ernsthaftigkeit und Ausweglosigkeit zugute halten, mit der sie den Film inszeniert haben. Es gibt kaum komische Elemente und man fühlt sich in der kalten Werbewelt New Yorks von allen menschlichen Gefühlen verlassen. Geld, Sex und Macht. Mehr zählt nicht. Für mich war es daher schwierig die Handlungen der Hauptfigur nachzuvollziehen. Die beste Freundin verkaufen? Wenn sie die Hilfe am nötigsten hätte? Unvorstellbar. Da hätte es einige Szenen mehr benötigt um diesen Schritt – auf dem das gesamte Handlungsgerüst aufbaut – auch nur annähernd plausibel erscheinen zu lassen.

Der Film funktiniert glücklicherweise auch ohne direkte Identifizierung mit den Figuren – nur leider eben nicht sonderlich gut. Einzig die in Selbstjustiz gipfelnden Handlungen des Opfers bleiben emotional greifbar. Leider wird auf diesen Handlungsstrang aber zu wenig Zeit verwendet und besonders im letzten Drittel des Films reiht sich nur noch eine langatmige Gerichtsszene an die nächste – dann ist der Film auch schon vorbei. Was bleibt ist Unschlüssigkeit.

„One Way“ ist eine etwas halbgare Mischung aus Rape and Revenge-Film und Gerichtsthriller. Durchaus gut inszeniert und gespielt, letztendlich über weite Strecken inhaltlich aber nur schwer nachvollziehbar. Etwas mehr Feinschliff am Drehbuch und der Figurenzeichnung hätte dem Film gut getan: 5/10 Punkte.

Severance

Seit Ewigkeiten einmal wieder ein Samstagnachmittag, an dem es nichts zu tun gibt. Aber auch gar nichts. Zeit also sich endlich einmal dem erschreckend schnell wachsenden Stapel an ungesehenen DVDs zu widmen. Von Christopher Smiths „Severance“ versprach ich mir eine amüsante Horrorkomödie, denn schließlich werden überall Vergleiche zum absolut grandiosen „Shaun of the Dead“ gezogen.

„Severance“ versucht komisch zu sein. Komisch und gesellschaftskritisch. Beides gelingt in meinen Augen nicht wirklich. Vielleicht ist das einfach nicht meine Art von Humor. Ein paar Schmunzler waren schon dabei und die Kritik an der Rüstungsindustrie war auch nicht zu übersehen, doch so richtig hat da nichts gezündet. Auch sind die Charaktere – trotz ausführlicher Einführung – erschreckend blass geblieben. Folglich habe ich mich nicht wirklich dafür interessiert, was in der zweiten Filmhälfte mit ihnen geschieht.

Der Horror bricht dann auch ziemlich heftig auf die Akteure herein, was auch nicht so ganz zum lustig gemeinten ersten Teil des Films passen will. Für sich allein genommen gibt es ein paar schön fiese Horrorszenarien zu sehen, doch so richtig Angst wollen die vermummten Einheimischen dann auch nicht verbreiten. Auch hier nichts Halbes und nichts Ganzes.

Inszenatorisch leistet sich Christopher Smith keine Schwächen und der Film weiß über seine 90 Minuten auch zu unterhalten, doch in Erinnerung wird er mir nicht wirklich bleiben. Da hat selbst Smiths „Creep“ bei mir mehr Eindruck hinterlassen. Absoluter Durchschnitt. Da hätte ich mir weit mehr erwartet: 5/10 Punkte.

Untraceable

Auf dem Flug nach New York habe ich mich aus dem unerschöpflichen Angebot an Filmen für „Untraceable“ entschieden. Warum? Weil ich mir auf dem winzigen Screen keine aktuellen Blockbuster, wie u.a. „Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia“ oder „Iron Man“ ruinieren wollte – und mein Interesse für den Cyberthriller gerade groß genug war, um ihn mir unter diesen besonderen Umständen anzusehen.

Die Handlung ist recht simpel, wird aber durch teils komplexe IT-Zusammenhänge auf- bzw. abgewertet. Ein Serienkiller tötet durch den Voyeurismus der Internetgemeinde. Eine wirklich interessante Idee, welche anfangs für Spannung sorgt, gegen Ende allerdings im Thrillereinerlei untergeht. Da wäre so viel mehr möglich gewesen.

Bis zur Enthüllung des Täters und dessen Motivation ist der Film spannend und die Figuren – besonders Jennifer Marsh (Diane Lane) – werden recht ausführlich gezeichnet. Zudem ist das Drehbuch um ein realistisches Bild des technischen Hintergrunds bemüht. Hier jedoch scheitert der Film an seinen Ansprüchen. So sind die Erklärungen für den normalen Zuschauer zu komplex, für jemanden der sich in der Materie auskennt werden dagegen zu viele Fragen aufgeworfen.

Ab der Auflösung bleibt nur noch ein nett inszenierter 08/15-Thriller, welcher zudem – trotz netter Intention – die Wirkung des Endes verpuffen lässt. Als Filmsnack zwischendurch ganz nett, ansonsten aber eher vernachlässigbar. Unter den besonderen Umständen: 6/10 Punkte.

Twin Peaks: Fire Walk With Me (1992)

Seitdem ich vor genau zwei Wochen meine Sichtung von „Twin Peaks – Season 1 & 2“ beendet habe, brennt in mir die Neugier auf das Prequel „Twin Peaks: Fire Walk With Me“ – gestern bin ich nun endlich wieder in das kleine Städtchen mit den unzähligen Mysterien zurückgekehrt.

In der ersten halben Stunde begegnen wir außer Gordon Cole keiner uns aus dem Serienuniversum bekannten Figur. Dennoch befinden wir uns unweigerlich in dieser Welt. Sowohl Inszenierung, als auch Charaktere lassen daran nicht den Hauch eines Zweifels aufkommen. Die Verbindung zu Laura Palmer wird schließlich durch den Mord an Teresa Banks hergestellt. Dann betritt Special Agent Dale Cooper die Bühne – wenn auch nur für einige Minuten, die verwirrender kaum sein könnten. Die Exposition ist damit abgeschlossen.

Wir befinden uns nun in Twin Peaks. Bekannte Klänge, bekannte Örtlichkeiten, bekannte Figuren. Man fühlt sich sofort zu Hause. Doch Laura Palmer lebt. Man sieht die letzten Tage ihres Lebens. Hat Anteil an ihren Seelenqualen. Man sieht die Bilder, die einem während der Serie vor dem geistigen Auge standen. Es ist klar: Die Geschichte wird kein gutes Ende nehmen. Selten habe ich bei einer Sichtung so eine Unausweichlichkeit gespürt. Eine Endgültigkeit. Dies ist die Geschichte von Laura Palmers Ermordung.

Da sich der Film beinahe komplett auf die letzten Tage Laura Palmers konzentriert, werden die anderen Figuren konsequenterweise vernachlässigt. Einige liebgewonnene Charaktere bekommen sekundenlange Gastauftritte, andere sieht man überhaupt nicht. Das ist einerseits schade, andererseits bekommt der Film dadurch ausreichend Zeit für den Haupthandlungsstrang. Einzig die Exposition hätte meiner Meinung nach kürzer ausfallen dürfen. Da wollte Lynch wohl Chris Isaak (Special Agent Chester Desmond), Kiefer Southerland (Sam Stanley) und David Bowie (Phillip Jeffries) unterbringen – auf Kosten anderer Figuren.

Das Prequel beantwortet kaum Fragen, stellt einige neue und weiß dennoch auf beinahe ganzer Linie zu überzeugen. Besonders die Szene mit Annie (Heather Graham) zeigt auf, dass es für Special Agent Dale Cooper ein glückliches Ende geben kann. Ganz unaufdringlich, absurd und beinahe schon am Rande erzählt. Man muss als Zuschauer die Geschichte zu Ende denken. Das ist Lynch, wie ich ihn liebe.

„Twin Peaks: Fire Walk With Me“ ist für alle Freunde der Serie eine wertvolle Erweiterung des Universums. Zwar wird der Mord an Laura Palmer etwas entmystifiziert, doch das glücklicherweise nicht auf plumpe Art und Weise. Ich hoffe, dass irgendwann einmal eine würdige DVD-Edition erscheint, bei der ausführliche geschnittene Szenen (angeblich ca. 3 Stunden) mit an Bord sind. Der Film hätte es mehr als verdient: 9/10 Punkte.

Die Welle

Wider Erwarten habe ich es doch noch zu Dennis Gansels Verfilmung von „Die Welle“ ins Kino geschafft – unserem beschaulichen Dorfkino sei Dank. Damit habe ich dieses Wochenende zwei Filme auf der großen Leinwand gesehen, vermutlich das erste Mal seit der seligen Schulzeit. Trotz EM war das Kino verhältnismäßig gut besucht, was wohl durch die Popularität der Geschichte zu erklären ist.

Vorausschickend sollte ich erwähnen, dass ich die Vorlage nie gelesen habe und damit wohl einer Minderheit angehöre, wird Morton Rhues „Die Welle“ doch in den meisten Schulen als Pflichtlektüre angesehen. Ich konnte somit jedoch völlig unvoreingenommen an den Film herangehen, was bei Literaturverfilmungen oft einen ganz anderen Blickwinkel offenbart. Mein Interesse ist nun auf jeden Fall geweckt und falls mir die Vorlage einmal in die Hände fällt, werde ich garantiert einen Blick riskieren.

Zunächst einmal möchte ich auf die Inszinierung eingehen, die dem modernen Kino Hollywoods in wahrlich nichts nachsteht. Kühle Ästethik in Cinemascope. Das deutsche Kino muss sich hier nicht verstecken. Professionalität wohin man blickt. Ein audiovisueller Genuss, der manchmal schon zu perfekt wirkt. Dieser beinahe schon glattgebügelte Look unterstreicht leider auch die Schwächen des Drehbuchs. Zwar wunderschön anzuschauen, doch fehlt der Bruch – die unerwartete Spannung – die dem Thema innewohnt.

Inhaltlich ist der Film ebenso perfekt aufgebaut. Perfektionismus à la Hollywood. Eine mitreißende Dramaturgie, die – wie erwartet – mit einem Knall verpufft. All das ist leicht konsumierbar. Die Spannungsschraube wird genau im richtigen Moment angezogen. Die Charaktere sind von Anfang an eindeutig definiert. Man kann voraussehen, was passieren wird – und genau hier liegt der Hund begraben. Gäbe es das – von Anfang an zu erwartende – Ende nicht, wären die vorangehenden Szenen zu schwach. Die Gefahr geht hier von einem Individuum aus und eben nicht von der anonymen Masse. Dem blinden Gehorsam. Hier hätte man mit dem Spannungsaufbau brechen müssen, die Aussage des Films verstärken. Am Ende bleibt der perfekte Thrill – das kalte Grauen verpufft jedoch.

Schauspielerisch ist der Film ebenfalls absolut hochwertig. Allen voran Jürgen Vogel, der die zentrale Figur – den Lehrer Rainer Wenger – mit Hingabe mimt und sich für mich damit einmal mehr als einer der besten deutschen Schauspieler beweist. Leider wird seiner Figur zu wenig Screentime gegönnt, was seinen Charakter – besonders gegen Ende – unnötig schwächt. Auch die Schüler sind größtenteils perfekt besetzt, was für die nachwachsende Schauspielergeneration Hoffnung gibt. Hier konnte ich wirklich keinen Kritikpunkt finden.

Insgesamt ist „Die Welle“ ein äußerst unterhaltsamer und perfekt inszenierter Film, der leider größere inhaltliche Schwächen aufweist. Aus dem Thema hätte man weit mehr machen können, doch dann wäre der Film für die Zielgruppe vielleicht zu unbequem und unspektakulär geworden. Sehenswert, aber – für das Thema – eindeutig zu zahm und berechenbar: 7/10 Punkte.

Mr. Brooks (2007)

Heute in der Rubrik Filme, die ich im Kino verpasst habe: „Mr. Brooks“ von Bruce A. Evans. Bereits als ich das erste Mal von der Geschichte gehört hatte, war ich fasziniert. Zudem traue ich Kevin Costner eine ganze Menge zu und William Hurt ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. Folglich habe ich mich auf einen neuen Star am Genrehimmel gefreut.

Zunächst einmal möchte ich auf die positiven Eigenschaften des Films eingehen: Kevin Costner und William Hurt spielen wie erwartet genial. Besonders Costner weiß als zerrissener Killer zu überzeugen. Seine Darstellung ist die perfekte Gradwanderung zwischen Mensch und Monster. Stets ist beides präsent. Man hat nur selten das Gefühl, dass Mr. Brooks auf Biegen und Brechen vermenschlicht wird. Die kalte Berechnung ist wahrlich erschreckend. Eine fantastische Leistung. Ebenso kann William Hurt als Marshall – Mr. Brooks düstere Seite – überzeugen. Sein Spiel ist zurückhaltend und vermutlich deswegen umso eindringlicher. Einfach ein starkes Team.

Auch sehr stark mutet die Geschichte an. Dem Genre werden neue Facetten abgerungen und der Fokus verschiebt sich von der reinen Killerhatz auf genaue Charakterisierungen. Der Film macht anfangs wirklich viel Spaß und wirft nur so mit großen Versprechungen um sich. Leider fällt er gegen Ende wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Kein Twist. Kein Kniff. Nur althergebrachte Effekthascherei. Schade.

Bereits nach dem ersten Treffen zwischen Mr. Brooks und seinem Erpresser hatte ich den Ausgang dieser an sich vielversprechenden Beziehung deutlich vor Augen. Dass es letztendlich genau so kommt, fand ich unendlich enttäuschend. Da hat auch die angeblich so spontane Entscheidung von Costner Charakter nichts geholfen. Ganz schlimm wurde es dann am Ende: Nach dem großen Schock – der zwar toll gespielt war, aber sonst nicht viel zu bieten hatte – kam das simple Erwachen. Wie in einem billigen B-Movie. Dabei hätte man so viele Möglichkeiten gehabt sich mit der interessanten Frage, ob die Mordlust von Mr. Brooks Tochter allein der Schizophrenie ihres Vaters entspringt oder sie seine Veranlagung tatsächlich geerbt hat, auseinanderzusetzen.

Neben Schwächen in der Haupthandlung, gibt es zudem unzählige uninteressante Nebenstränge, in denen sich die Geschichte verzettelt. Was sollte das zweite Killerpärchen? Außer ein paar musikalisch unpassend untermalten Actionszenen ist da nicht wirklich viel übrig geblieben. Gleiches gilt übrigens für Demi Moores Charakter, der trotz etlicher Füllszenen (Scheidungsverhandlungen etc.) enttäuschend blass bleibt.

Letztendlich ist „Mr. Brooks“ nur ein weiterer Serienkillerfilm, der vorgibt mehr zu sein, als er letztendlich ist. Unterhaltsam und mit grandiosen Hauptdarstellern, aber leider mit zu wenig Feinschliff in der Geschichte. Da hätte man mehr draus machen müssen: 6/10 Punkte.

Felidae (1994)

Nach längerer Zeit habe ich mir gestern einmal wieder einen meiner liebsten Animationsfilme angesehen: „Felidae“ nach dem Erfolgsroman von Akif Pirinçci. Diese deutschsprachige Produktion aus dem Jahr 1994 ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert. Doch ich möchte nichts vorwegnehmen.

Die Geschichte um den detektivisch veranlagten Kater Francis hat mich bereits in der Buchvorlage fasziniert. Zwar bin ich kein ausgesprochener Katzenmensch, doch kann ich den samtpfotigen Vierbeinern durchaus etwas abgewinnen. Auch kann ich mich noch ganz genau an den unbeschwerten Sommer erinnern, in dem ich „Felidae“ verschlungen habe. Ein düsterer Kriminalroman aus Sicht eines Katers. Eines eingebildeten, hochnäsigen und doch smarten Katers. Ein echter Charakter. Zudem war die Handlung äußerst spannend und schien einen kompletten Mikrokosmos aufzubauen. Larger than life – und doch könnte sich die Geschichte im eigenen Hinterhof zugetragen haben. Ein wirklich starker Unterhaltungsroman.

Die Verfilmung sah ich erstmals irgendwann bei einer TV-Ausstrahlung und ich war wirklich fasziniert, wie dicht und düster die Atmosphäre der Vorlage in Bilder gebannt wurde. Als schließlich die DVD auf den Markt kam, war dies für mich eine der wichtigsten Veröffentlichungen überhaupt. In den nun folgenden Sichtungen lernte ich die grandiose Animation wirklich zu würdigen. Die Verfolgungsszenen sind wahrlich atemberaubend, doch noch überhaupt nichts gegen die Albtraumsequenzen: Der Mendel’sche Marionettenspieler jagt mir selbst heute noch eisige Schauer über den Rücken. Selten habe ich in einem Animationsfilm solch verstörende Szenen gesehen.

Neben all dem Lob darf man nicht verschweigen, dass die Geschichte im Film auf das Grundgerüst zusammengedampft wurde. In knapp 80 Minuten wird hier ein Punkt nach dem anderen abgehakt, was wirklich schade ist. Trotzdem funktioniert der Film für sich gesehen tadellos.

Animationsfreunden, die nicht nur die heile Disneywelt oder asiatische Animes lieben, sei „Felidae“ sehr ans Herz gelegt. Allerdings nur den älteren unter ihnen, denn was hier an Blut und Gedärmen gezeigt wird, ist nichts für Kinderaugen – von der düsteren Atmosphäre einmal ganz zu schweigen. „Felidae“ ist wirklich  großes Kino: 9/10 Punkte.

Joyride: Spritztour – OT: Joy Ride (2001)

Es kommt selten vor, dass ich vor dem DVD-Regal stehe und plötzlich richtig Lust auf einen Film habe. Meist ist die Sache mit einem längeren Auswahlprozess verbunden, bei dem meine Wahl meist auf einen Klassiker oder ein bisher ungesehenes Werk fällt. Gestern jedoch hatte ich spontan Lust auf „Joyride: Spritztour“ von John Dahl. Ob das mit unserer kommenden USA-Reise zusammenhängt?

joyride.jpg

„Joyride“ ist ein typischer Roadmovie. Ein Roadmovie, wie er nur nach Steven Spielbergs „Duell“ entstehen konnte. Er ist relativ klassisch inszeniert und bietet nur Variationen bereits bekannter Themen. Das gelingt dem Film allerdings äußerst effektiv. Die Geschichte um zwei Brüder, die einem schlecht gelaunten Trucker via CB-Funkanglage einen Streich spielen steigert sich vom harmlosen Geplänkel zu einer spannungsgeladenen Achterbahnfahrt. Selbst bei der Zweitsichtung hatte ich teils schweißnasse Hände.

Als äußerst angenehm sind mir die Charaktere aufgefallen. Obwohl sie vom Alter her eher den typischen Teenie- bzw. Twenfiguren diverser Horrorfilme zuzuschreiben sind, verhalten sie sich erstaunlich nachvollziehbar und sind weit davon entfernt nur klischeebeladene Abziehbilder ihrer Generation zu sein. Auch die Darsteller – Paul Walker, Steve Zahn und Leelee Sobieski – machen ihre Sache erstaunlich gut.

Gut gefällt mir auch, dass der Film nicht zu sehr in typische Horrorklischees investiert. Ich mag gar nicht daran denken, was für ein sinnloses Blutbad aus dem Film geworde wäre, hätte man ihn heute in Zeiten von „Saw IV“ und „Hostel“ gedreht. „Joyride“ erinnert eher an Filme, wie „Hitcher: Der Highway Killer“ oder „Breakdown“ und ist somit einer der gelungeneren Horrorthriller – bei stereotypen Szenen wie im Maisfeld muss man eben einmal ein Auge zudrücken.

Für Freunde düsterer Roadmovies ist „Joyride“ trotz jugendlicher Darsteller auf jeden Fall eine Empfehlung wert: 8/10 Punkte. Auch ich würde mich über Empfehlungen, die in eine ähnliche Richtung gehen freuen!