Headhunters – OT: Hodejegerne (2011)

Nachdem ich sowohl in diversen Kritiken, als auch meinem Freundeskreis viel Gutes über den Film gehört hatte, wollte ich mir selbst ein Bild von der Jo Nesbø-Verfilmung „Headhunters“ machen. Hinzu kamen Vergleiche zur berühmten Millennium-Trilogie, die mir sowohl in Roman- als auch Filmform ziemlich gut gefallen hatte. Folglich war ich gespannt, was der erneute Ausflug in die düsteren Gefilde Skandinaviens denn so zu bieten hat…

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Zunächst einmal fällt auf, dass sich Jo Nesbø bzw. Regisseur Morten Tyldum viel Zeit für die Einführung der Figuren und die Darlegung der Prämisse nimmt. In der ersten halben Stunde ist vom groß angekündigten Thrill somit noch nicht viel zu spüren, was ich aber durchaus positiv bewerte. Das Voice-over der Hauptperson rückt die Romanherkunft der Geschichte zudem in den Vordergrund und man wird recht schnell in die Handlung hineingezogen. Von Anfang an hat mich jedoch gestört, dass die Figuren oft – ohne jegliche Erklärung – ziemlich dämlich handeln und es für ihre fragwürdigen Aktionen keinerlei Motivation zu geben scheint.

Nach ca. 30 Minuten zieht das Tempo ziemlich an und es beginnt eine halsbrecherische Flucht, die jedoch weder so drastisch noch innovativ inszeniert ist, wie ich das andernorts oft gelesen hatte. Ziemlich unterhaltsam und mit netten Wendungen, doch fehlten mir besonders an dieser Stelle Erklärungen für die Beweggründe der Figuren. Es mag sein, dass dies in der Vorlage absolut stimmig ist, doch in dieser Adaption bekommt man letztendlich nur einen netten Krimi/Thriller mit teils hanebüchenen Plot Points zu sehen.

Wenn es einem gelingt den Kopf abzuschalten, dann kann man viel Spaß mit „Headhunters“ haben. Die Charaktere sind nett geschrieben und gut gespielt (u.a. von Nikolaj Coster-Waldau, der Jaime Lannister in „Game of Thrones“ verkörpert) und die Inszenierung packend. Letztendlich hatte ich mir nach den starken Kritiken aber deutlich mehr erwartet. Dem dem Vergleich mit der Millennium-Trilogie hält die Geschichte zudem weder in ihrer Tragweite noch aufgrund ihrer Figuren stand. Freunde von skandinavischen Thrillern dürfen dennoch gerne einmal reinschauen: 6/10 Punkte.

Gesetz der Rache – OT: Law Abiding Citizen

Mit F. Gary Grays „Gesetz der Rache“ habe ich mir heute einen Film angesehen, von dem ich im Vorfeld nicht wirklich viel wusste. Zum Glück, wie sich im Nachhinein herausstellen sollte. So bekam ich einen spannenden und wendungsreichen Rachethriller zu sehen, der sich durch einen netten Twist von seinen Genrekollegen abzuheben weiß. Spoiler sind zu erwarten.

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Der Prolog war für mich wieder einmal harter Tobak: Ein Familienvater, der mit ansehen muss, wie seine Frau und seine Tochter bei einem Raubüberfall ermordet werden. Puh! Dies geschieht so schnell und hart, dass man als Zuschauer ziemlich überrumpelt wird. Kurz danach sieht man, wie der Staatsanwalt – gegen den Willen des Vaters – mit einem der Täter einen Deal eingeht, woraufhin dieser schneller als gewünscht auf freien Fuß kommt. 10 Jahre später folgt dann der zu erwartende Rachefeldzug gegen die Täter und eigentlich hätte der Film nach 30 Minuten schon zu Ende sein können – wenn der Vater nicht die Korruptheit des gesamten Justizsystems an den Pranger hätte stellen wollen.

Ein Mann sieht rot. Und dieses Mal muss eine ganze Institution dran glauben. Damit hatte ich zu Beginn wahrlich nicht gerechnet und war entsprechend positiv überrascht. Das Vorgehen des Vaters ist dabei weniger subtil und wird sehr actionreich in Szene gesetzt. Während des Rachefeldzugs erinnert der Film zu Beginn oft eher an Filme wie „Saw“ (inklusive deftigem Splatter und mysteriöser Stimme am Telefon) oder TV-Serien wie „Prison Break“ (Planung über Jahre hinweg, Gefägnis-Setting) werden wach. Der Rächende ist allen Beteiligten mindestens drei Schritte voraus und entsprechend überraschend wirken die meisten seiner Fallen Einfälle.

Die Twists gegen Ende waren für meinen Geschmack dann doch etwas zuviel des Guten. Der Tunnel in seine Zelle? Das einfache Transportieren der Bombe (ob nun von Butlers Figur gewollt oder nicht)? Man muss über so manchen Logikfehler hinwegsehen, um sich nicht den Spaß verderben zu lassen. Den macht „Law Abiding Citizen“ (so der weit gelungenere Originaltitel) auf jeden Fall. Ein netter Thriller für Zwischendurch, der oft wirkt als hätte er mehr sein können, als nur ein simpler Actionthriller. So ist die beste Szene in meinen Augen die, in der eine Richterin Butlers auf der Anklagebank sitzenden Charakter nach ein wenig Justiz-Bullshit-Bingo auf Kaution gehen lassen möchte und dieser sie und das Rechtssystem scharf verbal attakiert. Davon hätte ich gerne mehr gesehen.

Für Freunde von Rachethrillern und Actionfilmen härerer Gangart ist „Law Abiding Citizen“ eine nette Abwechslung. Trotz komplexerer Handlung sollte man sich von der Geschichte letztendlich nicht zu viel erwarten. Einer Zweitsichtung wird der Film aufgrund der fehlenden Spannung wohl nicht standhalten. Für einmalige Unterhaltung ist der Film jedoch ziemlich gut geeignet: 7/10 Punkte.

Damages – Season 3

Gestern hat sich mit dem Finale von „Damages – Season 3“ wieder einmal eine Serie von meinem persönlichen Programmplan verabschiedet – zumindest vorerst. Die beiden letzten Staffeln werden nachgeholt, sobald sie auf DVD erhältlich sind. Über die erzwungene Pause bin ich im Moment allerdings gar nicht so traurig. Warum das so ist, könnt ihr in der folgenden Besprechung lesen…

Wie bereits die vorhergehende Staffel startet auch das dritte Jahr mit einem neuen Fall für Patty Hewes. Erneut geht es um Finanzbetrug der Sorte, wie man ihn in den letzten Jahren auch immer wieder in den Nachrichten verfolgen konnte. Aktualität und Brisanz sind somit auf jeden Fall gegeben. Da Ellen inzwischen einen neuen Job hat, bekommt die Dynamik zwischen ihr und Patty anfangs einen anderen Drall. Über den Verlauf der Staffel verfallen beide Charaktere jedoch wieder in alte Verhaltensmuster, was wieder für die unterhaltsamsten Szenen der Staffel sorgt. Herrlich fies und berechnend gespielt von Glenn Close und Rose Byrne.

Meine größten Probleme hatte ich in dieser Staffel wohl mit dem Antagonisten bzw. der gesamten Familie des Finanzbetrügers. Besonders in der ersten Staffelhälfte bleiben die neuen Figuren unglaublich blass und wirken dadurch einfach zu uninteressant. Hinzu kommt ein Handlungsstrang rund um Ellens Schwester, der absolut unnötig ist und den Fokus von den eigentlich spannenden Elementen der Serie nimmt. Glücklicherweise wird gegen Ende wieder Fahrt aufgenommen und man darf Patty beim Schmieden perfider Pläne zusehen. Auch Arthur Frobisher bekommt einen amüsanten, kleinen Handlungsbogen, wodurch seine Geschichte nun auch vermutlich zu Ende erzählt ist.

Ingesamt hat mir auch diese Staffel wirklich viel Spaß gemacht, jedoch treten gewisse Abnutzungserscheinungen inzwischen immer mehr in den Vordergrund: der formelhafte Aufbau mit seinen Flashforwards, die ewigen Intrigen, die Beziehung zwischen Ellen und Patty usw. Im letzten Drittel haben diese Elemente zwar wieder recht gut funktioniert, doch gab es davor zu viel Lehrlauf. Ich werde mich nun zwar erst einmal wieder anderen Serien zuwenden, doch irgendwann bestimmt mit viel Freude wieder in die Welt von „Damages“ zurückkehren: 8/10 (7.8) Punkte.

Mission: Impossible – Phantom Protokoll – OT: Mission: Impossible – Ghost Protocol (2011)

Im Kino ist der Film völlig an mir vorbeigegangen. Auch wenn ich die vorherigen Filme – den zweiten Teil einmal ausgenommen – recht gerne sah, so hatte ich diese weitere Fortsetzung nie wirklich auf dem Radar. Aufgrund etlicher positiver Besprechungen hat es „Mission: Impossible – Ghost Protocol“ dann doch recht schnell auf die Liste der noch zu sehenden Filme geschafft – und außerdem: Was kann bei einem Film von Brad Bird (u.a. „Ratatouille“) schon schief gehen?

Heute hätten es wahrlich nicht viele Filme geschafft mich wachzuhalten: wieder wenig Schlaf, wieder knapp 12 Stunden im Büro, wieder keine guten Voraussetzungen für den Filmfreitag. Dennoch wollte ich die Chance nicht ungenützt lassen und habe den frisch erworbenen „Mission: Impossible – Ghost Protocol“ eingelegt. Eine gute Wahl, denn die Mischung aus übertriebener und interessanterweise doch verhältnismäßig glaubwürdiger Action, entspannten Humoreinlagen und Agententhrill hat sich abermals bewährt. Nachdem mir bereits der von J. J. Abrams inszenierte direkte Vorgänger ausgesprochen gut gefiel, hat mich auch der vierte Teil der Filmreihe bestens unterhalten.

Die Geschichte gewinnt abermals keine Preise, es gibt keine großen Wendungen und man begleitet das frisch zusammengewürfelte IMF-Team ganz einfach bei ihrer Jagd rund um den Globus. Die unzähligen Schauplätze machen auch einen großen Reiz des Agentenabenteuers aus und bieten einen entsprechend großen Spielplatz für Ethan Hunt und Co. Die Missionen sind dabei wieder ausreichend unmöglich – herausragend dabei besonders Dubai – und am Ende wird es stets entsprechend knapp. Der positive Ausgang wird jedoch niemanden überraschen und somit darf man sich bestimmt auch auf einen fünften Teil der Reihe freuen – vorausgesetzt Tom Cruise gibt auch mit über 50 noch einmal den Fassadenkletterer.

Kritisieren kann man höchstens den recht blassen Bösewicht (Michael Nyqvist, „Verblendung“) und die einen Tick zu lange Laufzeit inklusive etwas fadem Showdown. Insgesamt hinterlässt der Film jedoch einen ausgezeichneten Eindruck und bietet exakt die Art von Popcornkino, die man es sich nach solch einer Arbeitswoche – mit ganz eigener unmöglicher Mission – wünscht. Gerne mehr davon: 8/10 Punkte.

Damages – Season 2

Für die zweite Staffel meiner letzten Serienentdeckung habe ich mit knapp einem Monat recht lange gebraucht. Dies liegt aber eher an den äußeren Umständen, als in der Serie selbst begründet, denn auch „Damages – Season 2“ ist über weite Strecken einfach nur beste Unterhaltung. Warum das zweite Jahr mit Patty Hewes dennoch nicht an den grandiosen Auftakt herankommt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Auf die Vorzüge der ersten Staffel bin ich bereits ausführlich in der zugehörigen Besprechung eingegangen. Besonders die Aufteilung in zwei Zeitebenen hat für eine stets vorhandene Grundspannung gesorgt – und exakt dieser Aufbau wird in der zweiten Staffel wieder aufgegriffen. So neu und innovativ dieser an sich simple Kniff auch war, so abgesdroschen und forciert wirkt dieser beim zweiten Anlauf. Hier hätte man sich ruhig von der bekannten Struktur lösen können, zumal die die gezeigte Zukunft weit nicht so neugierig macht, wie die der ersten Staffel. Dennoch gelingt es der Serie abseits dieses Kniffes auch im zweiten Jahr eine wirklich mitreißende Handlung aufzubauen.

Inhaltlich schließt die Staffel nahtlos an das erste Jahr an: Ellen hat sich fest vorgenommen die Mörder ihres Verlobten ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen. Ebenso nehmen die Ermittlungen des FBIs gegen Patty einen Großteil der Handlung ein, was teils stark an bestimmte Episoden von „The Sopranos“ erinnert. Die ständige Atmosphäre des Misstrauens verändert auch die Charaktere und so wirkt insbesondere Ellen im Vergleich zur ersten Staffel hart und verbittert, was aufgrund der zurückliegenden Ereignisse aber auch kein Wunder ist.

Sehr gut gefallen hat mir die Verknüpfung mit der ersten Staffel. So treten wichtige Figuren, wie Arthur Frobisher, weiterhin auf, nehmen dabei aber eher die Rolle von Nebenfiguren ein. Das Universum der Serie wird somit realistisch erweitert und lässt dennoch Platz für neue Charaktere. Im krassen Gegensatz dazu steht das Finale, das von Realismus nicht viel hält: So manche Wendung hätte man hier ruhig weglassen bzw. feinfühliger vorbereiten können. Dafür hat man dieses Mal auf den obligatorischen Cliffhanger verzichtet, was ich durchaus angenehm fand.

Insgesamt macht auch die zweite Staffel von „Damages“ wirklich viel Spaß, was größtenteils auch an den guten Schauspielern (u.a. Neuzugang William Hurt) liegt. Hinzu kommt die komplexe und spannende Geschichte, welche rückblickend aber doch zu sehr nach Schema F abläuft und eher durch unrealistische Wendungen zu überzeugen versucht. Ich hatte auf jeden Fall wieder viel Spaß mit Patty und Co. und freue mich auf die dritte Staffel: 8/10 (7.9) Punkte.

In Time: Deine Zeit läuft ab – OT: In Time (2011)

Ich liebe die dystopischen Genrefilme der 70er Jahre. Ob „Logan’s Run“, „Soylent Green“ oder „Rollerball“ – jeder dieser Filme besticht durch eine ganz eigene Welt, in der es fest definierte Regeln gibt. High concept eben. Leider gibt es heute immer weniger Filme, die diesen Schritt wagen. Eine Ausnahme bildet der 1997 von Andrew Niccol inszenierte „Gattaca“ und auch sein letztjähriger Genrebeitrag „In Time: Deine Zeit läuft ab“ fügt sich nahtlos in die Reihe der genannten Filme ein. Schafft er es jedoch auch qualitativ an seine Brüder im Geiste anzuschließen?

Ich finde das Konzept von „In Time“ grandios. Die von Andrew Niccol dargestellte Allegorie ist so simpel wie faszinierend. Zeit ist Geld. So einfach, so genial. Schon als ich das erste Mal von der Idee las, ging sie mir nicht mehr aus dem Kopf. Im Film wird das Konzept auch sehr plakativ eingesetzt, die Sozialkritik unverblümt ausgesprochen. Auch hier erinnert der Film stark an die Dystopien seiner Vorbilder. Ob nun die Maßnahmen gegen die Überbevölkerung, die in Soylent Green“ und „Logan’s Run“ präsentiert werden, oder der Einsatz von Brot und Spiele um das Volk in „Rollerball“ im Schach zu halten – die angeprangerten Probleme haben sich kaum verändert: Die einen hangeln sich mit Mühe von Tag zu Tag (was in diesem Film eine ganz eigene Bedeutung besitzt) und ermöglichen so das luxuriöse Leben der wenigen anderen.

Man wird als Zuschauer recht schnell in die Regeln dieser Welt eingeführt und sollte diese auch akzeptieren, ohne sie groß zu hinterfragen. Es geht nicht um die technische bzw. genetische Plausibilität der dargestellten Prämisse, sondern um ihre Bedeutung. Natürlich gewährt und der Film nicht nur einen Einblick in diese Welt, sondern erzählt die Geschichte ihres Umsturzes. Dies geschieht durch ausgebreitete Verfolgungsjagden und Actionszenen, die zwar neben der Idee des Films verblassen, doch immerhin recht unterhaltsam geraten sind. Ich hätte es jedoch lieber gesehen, wenn sich Niccol – wie im noch gelungeneren „Gattaca“ – stärker auf die Möglichkeiten seiner Welt konzentriert hätte.

Zu Beginn des Films hatte ich noch meine Probleme mit Justin Timberlake, obwohl er mir bereits in David Finchers „The Social Network“ recht gut gefiel. Die Rolle verlangt ihm zwar keine große Schauspielkunst ab, doch wirkt er stets glaubwürdig und engagiert. Dies könnte man auch vom Film an sich behaupten, denn auch wenn er dramaturgische und strukturelle Schwächen besitzt, so trägt ihn seine Idee doch mühelos bis in die letzten Sekunden – und auch das erinnert, wie das Design der Fahrzeuge und mancher Schauplätze, an das 70er Jahre Genrekino.

Die meisten Kritiken, die ich gelesen habe, waren durchwachsen. Meist wurde sich an Details aufgehängt und die Prämisse selbst totdiskutiert. Man sollte sich auf die Idee einlassen und die oberflächliche Action als Teil des Films sehen. Dann kann einen durchaus nachdenklich machenden, spannend inszenierten und stets unterhaltsamen Film sehen. Genrekino, das die investierte Zeit allemal wert ist: 8/10 Punkte.

Damages – Season 1

Jede Serie hätte es nach dem „Six Feet Under“-Marathon schwer gehabt. Also habe ich mit „Damages – Season 1“ begonnen eine Serie zu verfolgen, für die sich meine Hoffnungen ohnehin in Grenzen hielten. Eine Anwaltsserie erschien mir nicht sonderlich spannend. Das Genre rangiert bei mir ohnehin nur knapp vor Medical Drama. Aufgrund der guten Kritiken und des günstigen Preises für die Blu-ray hatte ich dennoch zugeschlagen – und sollte reich belohnt werden…

Meine erste Drama-Serie, die ich mehr oder weniger regelmäßig verfolgt habe, dürfte 1998 wohl „Ally McBeal“ bei der deutschen Erstausstrahlung gewesen sein. So toll ich die Serie damals auch fand, so konnte ich danach keine Anwaltsserien mehr sehen. Selbst der inoffizielle Nachfolger „Boston Legal“ hat mich aufgrund der starren Fall-der-Woche-Struktur ziemlich gelangweilt. Seitdem habe ich das Genre gemieden und hätte folglich nicht erwartet, wie sehr mich „Damages“ mitreißt. Am liebsten hätte ich die gesamte Staffel ohne Unterbrechung gesehen – und obwohl bei mir noch weitere Serien auf ihre Sichtung warten, habe ich kurz vor dem Finale bereits die beiden nachfolgenden Staffeln, die es leider nicht auf Blu-ray gibt, geordert.

Die Struktur der Serie lädt von Anfang an zum Mitfiebern ein: In körnigen Bildern wird uns die Haupfigur Ellen Parsons, gespielt von Rose Byrne, präsentiert. Sie ist blutverschmiert und bewegt sich wie in Trance. Von diesem Ausgangspunkt wird die Geschichte in langen Rückblenden erzählt, gegen Ende der Staffel nimmt jedoch die Handlung in der Gegenwart einen immer größeren Stellenwert ein. Durch diesen dramaturgisch einfachen und doch äußerst effektiven Kniff baut die Serie eine Spannung auf, der man sich nur schwer entziehen kann. Langweiliges Anwaltsgerede muss man in „Damages“ nicht über sich ergehen lassen, dafür gibt es spannende Wendungen und Intrigen. Die gut geschriebenen – und vor allem gut gespielten (u.a. Glenn Close oder Ted Danson) – Charaktere sind allesamt keine keine Heiligen und kämpfen, sehr zur Freude der Zuschauer, mit harten Bandagen.

„Damages“ ist eine dieser treibenden Serien, für die man sich am besten ein langes Wochenende reservieren sollte. Erinnerungen an so manche „24“-Staffel oder auch „Dexter“ und Co. werden wach. Auch wenn es wohl keine Serie ist, die mich über ihre Laufzeit hinaus beschäftigen wird, so hat sie mich während der Sichtung doch unerwartet gut unterhalten. Dafür eine mehr als nur dicke Empfehlung: 9/10 (8.6) Punkte.

Drive (2011)

Damit habe ich ihn nun auch endlich gesehen: den Filmhype des letzten Jahres. Erwartungen wurden geschürt, Versprechungen gemacht und Ängste heraufbeschworen. Ist Nicolas Winding Refns „Drive“ für den wahren Cineasten also tatsächlich das bedeutendste Werk des laufenden – bzw. des vergangenen – Filmjahres? Seid gespannt und lest mit Bedacht, denn Spoiler sind zu erwarten.

Zunächst einmal muss ich Folgendes festhalten: Ich wünschte im Vorfeld weniger über den Film gelesen zu haben. So wusste ich bereits von der bedächtigen Inszenierung, den 80er Jahre-Anklängen und den eruptiven Gewaltszenen. Darauf basierend hat sich bei mir nicht nur eine entsprechende Erwartungshaltung geformt, mir wurden auch einige Überraschungen genommen. Es kann somit durchaus sein, dass man als völlig uninformierter Zuschauer mehr aus dem Film mitnimmt – doch einmal ehrlich: Welcher Filmfreund kann sich in unserer heutigen Zeit noch völlig unbeeinflusst einen Film ansehen?

Trotz dieses Vorwissens hat mich die erste Stunde des Films vollständig begeistert. Kamera, Licht, Soundtrack und Schauspiel bildeten eine formale Symbiose, wie ich sie in den letzten Jahren selten erlebt habe. Artifiziell ohne zu künstlich zu wirken, langsam ohne langweilig zu sein. Kaum Dialoge, kaum Action und dennoch erstaunlich viel Charakter. Trotz Arthouse-Anleihen wirkte der Film zu keiner Sekunde zu gekünstelt. In diesen ruhigen und von unbeholfenen Begegnungen geprägten Szenen, hat mich die Atmosphäre von „Drive“ teils an Wong Kar-Wais („Chungking Express“) frühe Filme erinnert, die ebenso wie Refns Werk neonbunte Bilder und nächtliche Begegnungen gestrandeter Existenzen zeigen.

Interessant fand ich übrigens, dass Refn häufig zuerst die Reaktion seiner Figuren auf ein Ereignis zeigt und erst danach das Ereignis selbst. Dies verstärkt die emotionale Distanz, die man zu den Charakteren hat, da man ihre Emotionen nicht unmittelbar teilen kann und sich somit zunächst in der Rolle des Beobachters wiederfindet. Ein Kniff, den ich noch in keinem anderen Film so bewusst wahrgenommen habe.

Nach der wirklich fantastischen ersten Stunde, beginnt der Film seinen Schwerpunkt auf das Vorantreiben der Handlung zu verlagern. Die Dialogdichte nimmt zu, Zusammenhänge werden erklärt und die Gewalt eskaliert. In diesem Teil des Films merkt man leider, dass die formalen Aspekte – und das meine ich nicht einmal negativ – den inhaltlichen meilenweit voraus sind. Die Dialoge wirken abgegriffen, die Geschichte wurde bereits tausend Mal erzählt und die Gewaltspitzen wirken größtenteils einfach nur aufgesetzt. Das letzte Drittel des Films ist nicht schlecht, doch im Vergleich zum vorher Gesehenen leider recht konventionell und durchschaubar.

Was also bleibt vom Hype um „Drive“ letztendlich übrig? Man sollte den Film auf jeden Fall gesehen haben. Wie versprochen ist er tatsächlich hypnotisch und gewiss einer der formal beeindruckendsten Filme der letzten Jahre. Im letzten Drittel hat er für mich allerdings einiges verspielt, was im Hinblick auf seine zuvor präsentierten Stärken wirklich schade ist. Auch wenn ich nun härter mit dem Film ins Gericht gegangen bin, als die meisten Filmfreunde, so soll dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich ihn wirklich sehr, sehr gut fand – nur eben nicht perfekt: 8/10 Punkte.

Buried: Lebend begraben – OT: Buried (2010)

Wieder einmal habe ich einen Film gesehen, der mich alleine aufgrund seiner Prämisse reizte. Rodrigo Cortés‘ „Buried“ versprach einen unkonventionellen Ansatz, wenngleich die Idee dahinter auch nicht so originell ist, wie man vielleicht vermuten würde. Die Kombination aus lebendig begraben sein und Thriller wurde bereits in diversen TV-Serien (u.a. von Quentin Tarantino für „CSI: Las Vegas“) umgesetzt. So konsequent wie Cortés ist zuvor jedoch noch niemand an die Thematik herangegangen… Spoiler sind zu erwarten.

Zunächst einmal muss ich dem Team rund um „Buried“ meinen Respekt zollen, dass man die Grundidee konsequent bis zum Ende durchgezogen hat. Sicher hätte es ein paar Kameraspielereien nicht gebraucht, um die Situation noch realer und beängstigender erscheinen zu lassen, doch auch mit diesen wird die klaustrophobische Enge deutlich spürbar. Ziemlich beeindruckend fand ich Lichtgestaltung, die ihre Wirkung aus den im Film vorkommenden natürlichen Lichtquellen zieht. Wirklich sehr gelungen. Auch Ryan Reynolds‘ Leistung als Schauspieler ist durchaus herausragend und kann insbesondere als One-Man-Show voll und ganz überzeugen.

Die Handlung an sich ist dagegen weit weniger verzwickt, als man dies anfangs noch vermuten würde. Erzählt wird ein ziemlich geradliniger Thriller, der sich letztendlich einzig und allein um die Rettung Paul Conroys (Ryan Reynolds) dreht. Wird sie gelingen oder nicht? Alles dazwischen lebt einzig und allein vom Spiel mit der Urangst lebendig begraben zu sein – und dies macht der Film auch ziemlich gut. Wenn er 20 Minuten kürzer gewesen wäre und man sich z.B. die Schlangen-Episode gespart hätte, wäre der Film in seiner Wirkung meiner Meinung nach jedoch noch deutlich intensiver gewesen.

Nicht gelungen fand ich dagegen den Twist am Ende. Dieser wirkte weder sonderlich originell noch wäre er nötig gewesen. Auch wenn ein Happy End für mich als Zuschauer befriedigender gewesen wäre, so hadere ich nicht einmal so sehr mit dem Ausgang, sondern eher der plumpen Umsetzung. Die vorherigen 90 Minuten verpuffen völlig und gerade die unnötig erzählten Sequenzen fallen rückblickend betrachtet umso stärker ins Gewicht. Auch wenn Cortés versucht sich – wie man schon alleine an den sich an Saul Bass orientierenden Opening Titles sieht – an Alfred Hitchcock anzunähern, so bleibt es in meinen Augen jedoch bei diesem Versuch.

Mich hat „Buried“ durchaus beeindruckt und ich werde die Sichtung bestimmt in Erinnerung behalten. Letztendlich verspielt der Film etliche Möglichkeiten jedoch aufgrund seiner zu sehr auf Effekt setzender Inszenierung und der zu aufgeblasenen Handlung. Auch mit dem Ende kann ich mich nicht anfreunden, was potentiell interessierte Leser jedoch nicht davon abschrecken sollte, dem Film eine Chance zu geben. Interessant und sehenswert, wenn auch nicht frei von Fehlern: 7/10 Punkte.

Unknown Identity – OT: Unknown (2011)

Freitagabend. Filmzeit. Der Ausklang einer durchaus fordernden Arbeitswoche. Was kann es Schöneres geben? Natürlich muss auch der Film mitspielen. Dieses Mal gab es Jaume Collet-Serras „Unkown Identity“ zu sehen und die Wahl des Films stellte sich glücklicherweise als gelungen heraus. Einem unterhaltsamen Einstieg ins Wochenende sollte somit nichts im Wege stehen… Spoiler sind zu erwarten.

Nach Sichtung des Trailers erwartete ich mir eine Art „96 Hours“ in Berlin. Liam Neeson sehe ich ohnehin gerne und seine aktuelle Neuausrichtung als alternder Actionstar gefällt mir äußerst gut. Hinzu kommt natürlich der Handlungsort Berlin, für den der Film besonders in Deutschland doch für eine gewisse Aufmerksamkeit sorgte. Welche andere Actionfilmreihe der letzten Jahre ist für seine europäischen Schauplätze bekannt? Richtig, die Agententhriller rund um Jason Bourne. Ein Vergleich drängt sich folglich auf und wird auch von der Presse forciert. Wie also schneidet „Unknown Identity“ in diesem Vergleich ab? Meiner Meinung nach deutlich besser, als die überschätzte Bourne-Trilogie.

In der ersten Stunde bekommen wir – anders als ich erwartet hatte – eher einen ruhigen Mindfuck-Thriller zu sehen, als einen Actionfilm. Hier wäre wirklich alles möglich gewesen: von der abgedroschenen ‚Ich liege seit dem Unfall im Koma und spinne mir die Handlung nur zusammen‘-Prämisse bis hin zur ‚Eine böse Geheimorganisation hat mein Gedächtnis ausgelöscht‘-Rahmenhandlung. Der eigentliche Twist kommt zwar relativ unaufgeregt daher, doch hatte ich ihn wahrlich nicht in dieser Form erwartet. Letztendlich ist es lediglich ein Zufall – man mag es auch Schicksal nennen –, dass Liam Neesons Figur die im Film gezeigte Wandlung durchmacht.

Auch wenn mann die Logik nicht zu sehr hinterfragen sollte, so ist die Handlung des Films innerhalb seines Universums erstaunlich konsistent und nachvollziehbar aufgebaut. Selbst die Motivation der einzelnen Charaktere wird nicht sprunghaft in andere Bahnen gelenkt, wodurch sich ein äußerst rundes Gesamtbild ergibt. Dieses wird durch die teils erstaunlich ruhige, teils äußerst tempramentvolle Inszenierung unterstützt. Berlin als Handlungsort ist zudem wirklich gut gewählt, besonders da die Zusammensetzung des Ensembles aus deutschen und amerikanischen Charakteren aufgrund der überzeugenden Schauspieler auch ausgezeichnet funktioniert.

Ich hatte mit „Unknown Identity“ wirklich extrem viel Spaß. Eine Bewertung fällt mir nun dennoch nicht leicht, da es einer dieser Filme ist, die wohl nur bei der Erstsichtung 100%-ig mitreißen. Eine potentielle Folgesichtung kann nur verlieren. Dennoch bewerte ich mit dieser Besprechung natürlich den ersten Eindruck und dieser war einfach nur sehr gut. Jedem Thrillerfan kann ich diese mitreißende Suche nach der der eigenen Identität im nächtlichen Berlin nur ans Herz legen: 8/10 Punkte.