Sunshine

Nachdem ich schon viel darüber gelesen hatte, wollte ich mir gestern selbst eine Meinung über Danny Boyles „Sunshine“ bilden. Ich mag Danny Boyle. „Kleine Morde unter Freunden“ war ein sympathisches Kinodebut, „Trainspotting“ ein Meisterwerk und „28 Days Later“ zumindest ein wirklich unterhaltsamer Genrefilm. Meine Erinnerungen an „Lebe lieber ungewöhnlich“ sind kaum mehr vorhanden und „The Beach“ konnte mich nicht wirklich überzeugen. Schon allein aufgrund des Genres waren meine Erwartungen an Boyles jüngstes Werk gestern doch recht hoch…

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…und wie das so ist mit hohen Erwartungen, wird man schnell enttäuscht. Bei „Sunshine“ hat es allerdings etwas länger gedauert. Die Geschichte ist nicht neu. Man kennt ähnliche Ausgangssituationen bereits aus „Event Horizon“ – der selbst nur eine Ansammlung von Zitaten ist – und unzähligen anderen Filmen („2001 – A Space Odyssey“ klammere ich einmal bewusst aus). Doch das macht nichts. Aufgrund der visuellen und heizenden Kraft der Sonne, werden den üblichen Genremustern doch immer wieder neue Facetten abgewonnen. Hinzu kommt ein – in Anbetracht der Grundprämisse – realistisches Setting und gute Schauspieler.

Gegen Ende steigt die Spannung, doch da das anscheinend nicht genug war, gibt es den – für die letzten Boyle-Filme fast schon obligatorischen – Einbruch in der letzten halben Stunde der Geschichte. Es wird ein Spannungsmoment geschaffen. Ein unnötiges Spannungsmoment. Ein nicht spannendes Spannungsmoment und somit ein retardierendes Moment zum unpassendsten Zeitpunkt. Wirklich schade, denn hier wurde enorm viel Potential verschenkt. Was hätte man nicht alles machen können? Sich mehr auf den Vergleich Mensch/Icarus fliegt zu nah zur Sonne, verbrennt sich die Flügel etc. stützen. Mehr auf das Drama zwischen den Figuren verlassen oder auch einfach nur weitere sonnenbezogene Katastrophen schaffen. Mit dem Bruch in der Handlung konnte ich leider fast nichts anfangen. Visuell durchaus stark und interessant inszeniert, doch was hilft das, wenn die Geschichte Schaden nimmt?

„Sunshine“ ist ein guter Film. Ein sehenswerter Film mit toller Optik. Leider kann die Geschichte nicht das halten, was ich mir von ihr erwartet hatte. Schade drum. Mit etwas mehr Feinarbeit am Skript (das geht an Sie, Mr. Garland!) hätte „Sunshine“ durchaus das Zeug gehabt sich einen Platz unter den Sci-Fi-Klassikern zu sichern. So leider nicht: 7/10 Punkte.

Sky Captain and the World of Tomorrow (2004)

2005 hat „Sin City“ für Furore in den Kinos gesorgt. Ein Film, bei dem ausschließlich mit virtuellen Sets gearbeitet wurde. Ein Meilenstein der Technik – oder etwa doch nicht? Bereits 2004 kam ein Film namens „Sky Captain and the World of Tomorrow“ in Kinos, der exakt den gleichen Ansatz verfolgt hat: Schauspieler vor Bluescreen und Sets komplett aus dem Computer. Leider war der eigentliche Wegbereiter dieser Technik nicht halb so erfolgreich wie Robert Rodriguez Comicverfilmung. Er ist dennoch – oder gerade deshalb – mindestens ebenso sehenswert.

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„Sky Captain and the World of Tomorrow“ basiert auf einem Kurzfilm, den Regisseur Kerry Conran über etliche Jahre zusammen mit ein paar Freunden in seiner Garage gedreht hat. Die Sets und die Nachbearbeitung entstanden komplett an seinem Homecomputer mit gängiger Consumersoftware. Das Ergebnis ist wahrlich unglaublich. Aufgrund dieses Kurzfilms hat Conran einen Produzenten gefunden, der mutig genug war, aus dem Kurzfilm einen Kinofilm zu machen. Das Endergebnis ist mehr als beeindruckend und wirklich gelungen, bedenkt man das geringe Produktionsbudget und die mangelnde Erfahrung des Regisseurs.

Das Design des Films ist fantastisch. Der Look entspricht dem von 30er/40er Jahre Film noir Produktionen. Auch Überblendungen und Schnitte erinnern an diese Periode. Das Produktionsdesign fügt sich wunderbar in diese stilistische Epoche ein und ist – trotz der Sci-Fi-Elemente – vollständig retro gehalten. Komplettiert wird der Look durch die Farbgebung, die teils an frühe Nachcolorierungsprozesse erinnert.

Am besten jedoch gefällt mir an „Sky Captain and the World of Tomorrow“ – neben dem Titel – die eigentliche Geschichte. Die beiden Hauptfiguren Polly Perkins und der titelgebende Joe „Sky Captain“ Sullivan ergänzen sich wunderbar und streiten beinahe den kompletten Film über. Hier werden Erinnerungen an Indy und seine Begleiterinnen wach. Auch der Score scheint einem „Indiana Jones“-Film entsprungen. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich hier einen jungen John Williams und nicht Edward Shearmur dahinter vermuten. Auch der Rest des Films erinnert an die guten, alten Abenteuerfilme. Sicherlich alles eine Spur überdrehter und comichafter, doch die Kerngeschichte ist wunderbar klassisch und einfach sympathisch.

„Sky Captain and the World of Tomorrow“ bietet neben seinen herausragenden technischen Aspekten eine äußerst unterhaltsame Geschichte und gut aufgelegte Darsteller. Es ist wirklich schade, dass der Film relativ wenig Beachtung erfahren hat. Er hätte es verdient: 8/10 Punkte.

Event Horizon (1997)

Mit „Event Horizon“ verbinde ich eines meiner schönsten Kinoerlebnisse. Damals, als man noch die Zeit hatte wöchentlich ins Kino zu gehen. Als man – mangels Führerschein – noch auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen war. Als sich noch eine ganze Horde von Freunden zusammengefunden hat, um sich auf das Abenteuer Kino einzulassen. Ich weiß noch ganz genau, wie lange wir nach dem Ende noch über den Film diskutiert haben. Uns allen war klar kein Meisterwerk gesehen zu haben, doch „Event Horizon“ hat Wirkung gezeigt und ist mir im Gedächtnis geblieben – ganz im Gegensatz zu vielen anderen Kinofilmen aus dieser Zeit.

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Auch heute noch zeigt Paul W. S.  Andersons Sci-Fi-Thriller Wirkung. Teils ist der Film tatsächlich äußerst spannend und unheimlich. Ein Geisterhaus im Weltraum. Sicher sind die meisten Schockeffekte äußerst berechenbar und werden zudem sehr plakativ eingesetzt, doch gerade die dadurch geschürte Erwartungshaltung – „Jetzt passiert es gleich!“ – lässt mich als Zuschauer schonmal unruhig auf der Sofakante sitzen.

Fantastisch ist das Produktionsdesign gelungen. Die Event Horizon bleibt wirklich im Gedächtnis. Wahrlich ein eigener Charakter im Film. Bei der Lewis & Clark hingegen musste ich öfter an die Nostromo denken – besonders beim Besprechungsraum. Alles in Allem trägt die schöne Gestaltung aller, für den Film wichtigen, Elemente jedoch viel zur starken Atmosphäre bei.

Die Geschichte lebt von der Atmosphäre. Ohne diese würde kaum etwas übrig bleiben. Die Idee ist leidlich innovativ und setzt sich hauptsächlich aus Genreversatzstücken zusammen. Ich weiß noch wie enttäuscht ich bei der besagten Kinosichtung war, als sich die Bedrohung als reines Hirngespinst herausgestellt hat. Dennoch fand ich die Idee in „Event Horizon“ noch um einiges besser umgesetzt, als im thematisch mehr als ähnlichen „Sphere“ aus dem Folgejahr.

„Event Horizon“ ist sicherlich Paul W. S. Andersons bester Film, wenngleich ich auch „Resident Evil“ oder „Alien vs. Predator“ zumindest den Unterhaltungswert nicht absprechen will. Dieser Genrehybrid hat zudem noch eine grandiose Atmosphäre und eine gesunde Portion Horror mit auf den Weg bekommen und ist – nicht nur aus diesem Grund – wirklich sehenswert: 7/10 Punkte.

Donnie Darko – The Director’s Cut (2001)

Nach über zwei Jahren des Wartens habe ich nun endlich „Donnie Darko – The Director’s Cut“ gesehen. Anfangs habe ich ja immer noch gehofft diese Version würde eine erneute Kinoauswertung erfahren, doch als dies nicht geschehen ist, habe ich mich irgendwie auch nicht dazu durchringen können, mir den Director’s Cut zusätzlich auf DVD zuzulegen – bis vor einer Woche. Gestern konnte ich mich nun endlich von den Vorzügen (und leider auch Nachteilen) der neuen Schnittfassung überzeugen.

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Richard Kellys „Donnie Darko“ ist ein fantastisches Erlebnis. Außer David Lynchs „Mulholland Drive“ kenne ich keinen anderen Film, der seine Rätselhaftigkeit so gut bewahren kann, ohne dabei zu künstlerisch oder abgehoben zu wirken. Den Film durchzieht dabei eine (alb)traumhafte Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Jedes Mal, wenn ich denke das Gesehene vollständig begriffen zu haben, fördert mein Bewusstsein neue Ungereimtheiten ans Tageslicht. So schön das Rätselraten auch ist, so erhoffe ich jedoch stets die Intention des Regisseurs zu verstehen. Ohne das fiktive Buch „The Philosophy of Time Travel“, das auf der DVD der Kinoversion vorliegt, hätte ich die Geschichte um das Tangentenuniversum, lebende Empfänger, Artefakte, manipulierte Tote und Lebende usw. nie auch nur annähernd begriffen – und ich bin mir sicher, dass niemand ohne diese Hilfe dahinter kommen kann, da diese essentiellen Informationen im Film verschwiegen werden. Das war ein Problem, das ich der ursprünglichen Version angelastet habe, denn ein Film muss auch ohne zsätzliche Informationen seine Geschichte offenbaren können. Diesen Missstand zu beheben, habe ich mir vom Director’s Cut erhofft.

Im Folgenden möchte ich kurz auf die Änderungen und ihre Wirkung eingehen: Die erweiterten und neuen Szenen fügen sich meiner Meinung tadellos in den Film ein und verhelfen den Charakteren zu mehr Tiefe. Ob alle nötig gewesen wären, lässt sich schwer sagen. Nicht gefallen haben mir die Änderungen im Soundtrack, was vermutlich daran liegt, dass ich den Score/OST im Kinocut bereits zu gut kenne und liebgewonnen habe. Nun zur größten Chance – und gleichzeitig auch zur größten Schwäche – des Director’s Cuts: Der Einbindung einzelner Kapitel aus „The Philosophy of Time Travel“. Die Seiten werden zu kurz gezeigt um ein Verständnis des Inhalts beim Zuschauer zu erreichen. Zudem wäre ein Vorlesen des Inhalts in Kombination mit kleinen Animationen im Stil von Roberta Sparrows Illustrationen schön gewesen. Ich denke, das hätte viel zum Verständnis beigetragen. So wirken die Einblendungen leider immer etwas wie störende Fremdkörper. Noch störender fand ich die überarbeiteten Effekte, wie z.B. das überlagernde Gitter bei der finalen Montage. Auch die technischen Texte, die öfter erschienen sind, empfand ich unpassend – solch eine Art Science-Fiction ist „Donnie Darko“ nicht.

Anonsten ist mir wieder einmal der wunderbare Score und das Produktionsdesign aufgefallen. Man wähnt sich wirklich in den 80ern. Auch die Schauspieler empfand ich erneut als grandios besetzt. Herausgestochen ist dieses Mal besonders Donnies Mutter, die ich erst kürzlich als Präsidentin Laura Roslin in „Battlestar Galactica“ gesehen habe. Schön auch das Zusammenspiel der Geschwister Gyllenhaal.

Insgesamt habe ich mir vom Director’s Cut wohl mehr (bzw. weniger) erhofft. Eine definitive Version von „Donnie Darko“ gibt es meiner Meinung nach also (noch) nicht. Der Kinocut ist mir jedoch in vielen Dingen sympathischer. In Ergänzung mit einer gedruckten Version von „The Philosophy of Time Travel“ dürfte die alte Version auch am meisten Spaß machen. Trotz allem auch in dieser Fassung ein klasse Film: 9/10 Punkte.

The Final Cut

Mein Interesse an „The Final Cut“ wurde allein durch die dem Film zugrunde liegende Idee geweckt: In naher Zukunft können sich Menschen ihre Erinnerungen aufzeichnen lassen, die nach ihrem Tod von einem Cutter zu einer Art Best of zusammengeschnitten werden. Simpel und doch genial. Leider gelingt es der innovativen Grundidee nicht, den Film über die gesamte Länge tragen.

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Der Film beginnt mit einer Erinnerung, die für die Hauptfigur – einen von Robin Williams gespielten Cutter namens Alan W. Hakman – von großer Bedeutung ist und ihn bereits sein ganzes Leben verfolgt. Im Laufe des Films findet Alan heraus, dass ihn seine Erinnerung vielleicht täuscht. Nebenbei wird er zudem von einem Ex-Kollegen bedroht, der versucht an die Erinnerungen eines Konzernchefs heranzukommen. Diese eher kriminalistische Geschichte wirkt leider etwas aufgesetzt und die Motivation der Figuren will sich mir – auf emotionaler Ebene – nicht wirklich erschließen.

Umso interessanter sind die Diskussionen um die Möglichkeiten und Gefahren der angewandten Technik. Moralische und ethische Bedenken werden geäußert, die sich teils auch auf die klassischen audiovisuellen Medien anwenden ließen. Manipulation durch Auswahl und Montage. Eine sehr interessante Thematik, die leider nicht so weit vertieft wird, wie ich es mir gewünscht hätte. Allerdings auch verständlich, da hier immer noch ein Film mit Geschichte erzählt wird. Eine engere Verknüpfung der hoch interessanten Grundidee mit der Geschichte Alans wäre jedoch wünschenswert gewesen.

So bleibt am Ende nur ein leidlich spannender Film mit einem starken Robin Williams und einer intelligenten Ausgangssituation, aus der jedoch viel mehr herauszuholen gewesen wäre: 6/10 Punkte.

Alien vs. Predator – Erweiterte Fassung (2004)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 22. Dezember 2016 veröffentlicht.

Ich liebe die „ALIEN“-Filme. Ich bin mit ihnen aufgewachsen und sie stehen noch heute für unglaublich atmosphärische Sci-Fi-Unterhaltung. Zumindest die ersten beiden Teile sind unbestrittene Klassiker des Genres. Mit den beiden „Predator“-Filmen konnte ich nie so viel anfangen. Sicherlich gute 80er Unterhaltung, aber weit entfernt von der Genialität eines „ALIEN“. Nun also „Alien vs. Predator“. Mir war von Beginn an klar, dass ich hierbei weder einen Teil der „ALIEN“-, noch einen der „Predator“-Reihe erwarten durfte. Allein Regisseur Paul W. S. Anderson hat die weltweite Fangemeinde in Angst und Schrecken versetzt, hat dieser doch u.a. filmische Desaster wie „Mortal Kombat“ verbrochen. Allerdings stammt von ihm auch der atmosphärische „Event Horizon“. Das – und die Tatsache, dass ich es hier mit einer simplen Comic-Verfilmung zu tun habe – im Hinterkopf, konnte ich mich eigentlich ganz gut unterhalten lassen.

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Die Exposition bis zur Ankunft in der Pyramide ist schön aufgebaut und macht Lust auf den kommenden Hauptteil des Films. Allerdings wird hier bereits klar, dass alle Charaktere den gängigen Monsterfilm-Klischees entsprechen und sie in der kommenden Stunde einer nach dem anderen den beiden Kreaturen zum Opfer fallen werden. In der Pyramide selbst wird die Truppe dann auch kräftig dezimiert, um am Ende eine Lt. Ripley-Gedächtniskämpferin zurück zu lassen. Würden die Monster nicht bekannten Franchises entspringen, könnte man den Film getrost als ziemliche Gurke bezeichnen.

Doch da sind sie: Aliens und Predatoren. Vereint in einem Film. Allein der Kampf der beiden Kreaturen in der Mitte des Films ist es wert gesehen zu werden. Genauso stellt man sich das vor. Bei der letzten Einstellung des gewinnenden Aliens zaubert Paul W. S. Anderson sogar eine wunderschöne Totale, die getrost aus einem „ALIEN“-Film stammen könnte. Leider bleibt es dann auch dabei. Der Rest ist reichlich uninspiriert und wenn sich Menschen und Predatoren verbünden, löst das beim Fan im ersten Moment nur Kopfschütteln aus. Wenigstens kommt es so am Ende noch zu einem netten Schlusskampf mit der Alienqueen. Danach konnte ich die neue Allianz sogar akzeptieren. Man darf eben nur nicht zuviel nachdenken und muss den Film als reine Actionunterhaltung abseits der beiden großen Vorbilder sehen. Dann schluckt man am Ende auch den Alien/Predator-Hybrid.

Nett fand ich übrigens, dass wenigstens ansatzweise versucht wurde den Originalen Tribut zu zollen, indem z.B. Lance Henrikson als Charles Bishop Weyland auftritt. Insgesamt hätte man bestimmt mehr aus diesem Universum machen können, doch der Film ist bestimmt nicht das Desaster, als das er gerne hingestellt wird: 6/10 Punkte.

Per Anhalter durch die Galaxis – OT: The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy

„Per Anhalter durch die Galaxis“ gehört zu den wenigen Büchern, die ich mehr als einmal gelesen habe. Sowohl in der Übersetzung, als auch im Original. Von den Fortsetzungen ganz zu schweigen. Douglas Adams ist mit dieser fünfteiligen Geschichte einfach außergewöhnliches gelungen. Ein unsterblicher Klassiker der intelligenten Unterhaltung. Nachdem ich mich gegen die BBC-Serie (ungesehenerweise) immer gesträubt habe, war ich umso gespannter auf die Kinoverfilmung. Doch wie das so oft ist, bin ich erst mit der DVD zur Sichtung gekommen.

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Ich kann gleich vorwegschicken, dass es Regisseur Garth Jennings glücklicherweise gelungen ist, den Geist und den Flair des Romans einzufangen. Dies liegt wahrscheinlich auch daran, dass Douglas Adams vor seinem Tod noch einen Großteil des Drehbuchs fertiggestellt hat. Eine vollständige Adaption darf man als Fan trotzdem nicht erwarten. Viel wurde gestrichen und noch mehr aufgrund des Budgets verändert. Allein Zaphods zweiter Kopf hat rein gar nichts mehr mit dem Roman gemein – und dennoch: Der Charakter funktioniert tadellos. Die Essenz ist vorhanden – und das macht eine gute Romanverfilmung aus.

Das erste Drittel des Films kam meiner Vorstellung sogar ziemlich nahe. Arthur Dent war Arthur Dent, Ford Prefect war Ford Prefect und selbt Zaphod Beeblebrox stand meiner Fantasie – sieht man einmal von gewissen zusätzlichen Körperteilen ab – in nichts nach. Allein Marvin hat auf mich leider nicht sonderlich viel Eindruck gemacht und auch die Herz aus Gold hatte ich mir anders vorgestellt. Über den Verlauf der Geschichte will ich hier gar nicht viel schreiben. Nur, dass man den Roman hier wirklich drastisch zusammengestaucht und – zur Vereinfachung – eine Episode um Zaphods Konkurrenten bei der Präsidentschaftswahl eingebaut hat. Diese fand ich eher unnötig und nicht so amüsant wie den Rest, doch sonderlich gestört hat auch dieser Nebenplot nicht.

Grandios war die Visualisierung des titelgebenden Reiseführers „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“. Einfach, durchdacht und doch erfrischend und glaubwürdig. Wirklich fantastisch! Durch diese schöne Darstellungsweise konnten viele kleinere Episoden eingefügt werden, von denen ich niemals gedacht hätte, dass sie mit in den Film hinüber gerettet werden könnten.

Leider war „Per Anhalter durch die Galaxis“ als Film kein sonderlich großer Erfolg, so dass eine Verfilmung der weiteren Teile eher unwahrscheinlich ist. Schade, denn die Adaption ist wirklich gelungen und auch Fans des Romans, die denken sich mit den Änderungen nicht anfreunden zu können, sollten dem Film eine Chance geben. Allein aufgrund des eingängigen Titelsongs. Macht Spaß der Film: 8/10 Punkte – und wer die Bücher noch nicht kennt: Lesen, sofort!

RoboCop – Director’s Cut (1987)

Nach etlichen Jahren habe ich heute einmal wieder Paul Verhoevens Sci-Fi-Klassiker „RoboCop“ gesehen. Wohl das erste Mal in der Director’s Cut-Fassung. Damals habe ich den eigentlichen Wert des Films wohl nur – wenn überhaupt – unterbewusst wahrgenommen und ihn in erster Linie als Actionfilm gesehen.

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Wie bei allen Filmen des Niederländers wäre es jedoch eine Schande „RoboCop“ nur auf den offensichtlichen Teil zu reduzieren. Paul Verhoeven steht für Satire. Diese ist meist so aufdringlich in die Handlung eingebaut, dass man sie gar nicht übersehen kann. Doch genau dieser Umstand scheint es den meisten Menschen – selbst in heutiger Zeit noch, wie z.B. „Starship Troopers“ immer wieder beweist – zu erschweren die Zwischentöne in seinen Filmen auszumachen. Dabei sind die satirischen Spitzen gegen Megakonzerne und die Rüstungsindustrie heute aktueller denn je.

Verhoeven gelingt dabei das Meisterstück, dass seine Filme auf beiden Ebenen funktionieren: Als reiner Actionreißer und als – mehr oder minder – dezente Satire. Seine volle Stärke spielt „RoboCop“ jedoch in der Kombination beider Elemente aus. Die Actionszenen wirken zwar nicht mehr ganz zeitgemäß, sind aber immer noch effektiv und teils erstaunlich brutal. Auch die die Satire würde man heute vielleicht feingeistiger zeichnen – doch im Zusammenspiel kann der Film, der inzwischen beinahe schon 20 Jahre auf dem Buckel hat, immer noch überzeugen. Leicht angestaubt, aber ein erstaunliches Zeitdokument mit fast schon hellseherischer Brisanz seitens Verhoeven bezüglich dem Zusammenwachsen von Rüstung und Wirtschaft: 8/10 Punkte.